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Kommunikation und Vermittlung in Hölderlins Gedicht "Andenken"

Titel: Kommunikation und Vermittlung in Hölderlins Gedicht  "Andenken"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2001 , 29 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Simone Linde (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Hölderlin gilt als ein Dichter mit einer sehr eigenen und schwer entschlüsselbaren Sprache, die sich durch ihre hohe Bildlichkeit auszeichnet. Sie ist nicht mehr die allegorische Sprache der klassischen Rhetorik, sondern die Wörter wirken stets aus ihrer eigenen Sinnlichkeit heraus und verwandeln die Natur in Zeichen. Die Form ist dem Inhalt überlegen; die Sprache soll nicht etwas bedeuten, sondern sie stellt die Reflexion dar, wobei ihr der Inhalt als Stoff dient.
Hölderlins Schaffen fällt in eine Zeit, in durch die erkenntniskritischen Lehren der Aufklärung eine neue, auf revolutionären Neuanfang und Freiheit zur Selbstbestimmung gerichtete Stimmung vorherrscht und sich eine Kultur des deutschen Geistes und der deutschen Sprache herausbildet. Zu Lebzeiten steht Hölderlin im Schatten von klassischen Dichtern wie Goethe und Schiller, so dass sein dichterisches Werk kaum gewürdigt wird. Erst ein Jahrhundert später entwickeln sich sprachkritische Theorien, die Hölderlins denkerische Welt zu würdigen wissen.
Im Gegensatz zu Schiller, dem es in seinem Werk um die Erkenntnis des moralischen Prinzips im Ästhetischen geht, verlangt Hölderlin für die Dichtung die Integration des praktischen Lebens, weswegen es in seiner Dichtung häufig um die Darstellung von Denkprozessen geht.
Das Gedicht „Andenken“ fällt in den Umkreis von Hölderlins später Hymnendichtung. Diese Hymnendichtung gilt als die am schwersten verständlichste. Sie ist – im Gegensatz zu den Oden und Elegien – geprägt durch sinnliche Darstellung, Fragmentarisierung, zunehmend unpersönliche Wendungen und gehäufte gegenrhythmische Unterbrechungen. Diese Dichtung hat als Hauptmoment die Erprobung der eigenen Möglichkeit als Dichtung und verweist dabei zunehmend auf das Offene, Unabschließbare der Vermittlung – deutlich dadurch, dass Hölderlin viele späte Gedichte tatsächlich nicht beendet hat.
Diese Arbeit untersucht, wie in „Andenken“ die Selbstentfaltung des (poetischen) Bewußtseins im Medium des Gesprächs erreicht wird. Nach grundsätzlichen Überlegungen zum Motiv des Gesprächs untersuche ich den Text „Verfahrensweise des poetischen Geistes“ hinsichtlich der einzelnen Schritte der dialektischen Vermittlung des poetischen Ichs. Dieser theoretische Text dient als Grundlage meiner nachfolgenden Analyse von „Andenken". Danach folgt die vierteilige Analyse des Gedichts – entsprechend den einzelnen Zuständen des poetischen Ichs, die Hölderlin in der „Verfahrensweise des poet. Geistes“ entwickelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des poetischen Gesprächs

3. Die dreifache Natur des poetischen Ich in der „Verfahrensweise des poetischen Geistes“

4. Kommunikation und Vermittlung in „Andenken“

4.1 Zustand der Einheit mit der Welt

4.2 Zäsur als Wechsel der Vorstellung

4.3 Die erste Reflexion

4.4 Die zweite Reflexion

4.5 Die dritte Vollendung

5. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstentfaltung des poetischen Bewusstseins in Hölderlins Gedicht „Andenken“ unter Berücksichtigung des Mediums des Gesprächs. Dabei wird analysiert, wie Hölderlin durch eine dialektische Vermittlung das poetische Ich zwischen Einheit und Reflexion positioniert, um das „Unfassbare der Erinnerung“ im dichterischen Werk darzustellen.

  • Analyse der theoretischen Grundlage von Hölderlins „Verfahrensweise des poetischen Geistes“.
  • Untersuchung der Kommunikationsstruktur innerhalb des Gedichts „Andenken“.
  • Reflexion über den Prozess der Identitätsfindung des lyrischen Ichs im Gespräch.
  • Deutung der symbolischen Rollen von Natur, Meer und Strom im dichterischen Entwurf.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Sprache, Schweigen und der Vollendung des Dichterischen.

Auszug aus dem Buch

4.2 Zäsur als Wechsel der Vorstellung

Die gesamte 3. Strophe ist die erste Zäsur des Gedichts, „die gegenrhythmische Unterbrechung“, weil sich in ihr die Vorstellung wendet. Es findet eine Wendung zum Diskurs hin, weg von der Erinnerung statt:

„Es reiche aber,

Des dunklen Lichtes voll,

Mir einer den duftenden Becher,

Damit ich ruhen möge; denn süß

Wär‘ unter Schatten der Schlummer.“ (Z. 25-29)

Durch die zu innige Einbindung in die Natur ist der Wunsch nach dem Bleiben in der Ruhe des Schlummers groß. So verlangt der Redende von einem Unbenannten „den duftenden Becher“. Mit dem dunklen Licht ist wohl der dunkelrote Bordeauxwein gemeint, der mythologisch auf die Feier des Göttlichen verweist. Desweiteren wird die in der 2. Strophe benannte Tag-und-Nacht-Gleiche wieder aufgenommen. Der Wein in der Beschreibung als dunkles Licht wird somit zum Medium, welches die vom Redenden erwünschte Ruhe in maßvoller Vereinigung der Gegensätze bringen soll. Dieses Maßvolle allerdings wird zum Problem, denn der Wein, der den Schlummer bringen soll, birgt in sich die Gefahr der rauschvollen Selbstvergessenheit, wenn der Schlummer zum immerwährenden, bewußtseinslosen Schlaf wird. Die endgültige Ruhe des Schlummers ist eine Gefährdung der möglichen Gesprächssituation, denn sie bedeutet Stillstand der Reflexion und Verstummen jeglicher sprachlichen Äußerung. Das wird deutlich durch die Konjunktivwendung (Z. 29): sie bezeichnet die Unerreichbarkeit des Schlummers, weil er mit dem Tod bezahlt wäre. Der Tod als Zäsur ist gegenwärtig. Damit ist die dritte Strophe die höchste Gefährdung des Gedichts, enthält aber auch das höchst Mögliche.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Hölderlins dichterische Welt und die Fragestellung zur Selbstentfaltung des poetischen Bewusstseins im Gespräch.

2. Grundlagen des poetischen Gesprächs: Definition von Gespräch als schöpferischem Akt und Reflexionssituation in der Dichtung.

3. Die dreifache Natur des poetischen Ich in der „Verfahrensweise des poetischen Geistes“: Theoretische Herleitung der drei Reflexionsstufen bei Hölderlin als dialektischer Entfaltungsprozess.

4. Kommunikation und Vermittlung in „Andenken“: Detaillierte Analyse des Gedichts „Andenken“ anhand der Stufenfolge von Einheit, Zäsur und Reflexion.

4.1 Zustand der Einheit mit der Welt: Untersuchung der ersten Strophen und der Einbindung des lyrischen Ichs in die sinnliche Natur.

4.2 Zäsur als Wechsel der Vorstellung: Interpretation der dritten Strophe als zentraler Wendepunkt und „Achse“ des Gedichts.

4.3 Die erste Reflexion: Analyse der vierten Strophe hinsichtlich der Subjekt-Objekt-Spaltung und der Sphäre der Schiffer.

4.4 Die zweite Reflexion: Betrachtung der fünften Strophe und der Integration der Erinnerung in die Gegenwart.

4.5 Die dritte Vollendung: Diskussion der finalen Strophen und der Rolle der Dichter bei der Stiftung von bleibendem Sinn.

5. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der dialektischen Struktur des Gedichts als offenem Prozess.

Schlüsselwörter

Friedrich Hölderlin, Andenken, poetisches Ich, Gespräch, Reflexion, Zäsur, Dialektik, Kommunikation, Vermittlung, Selbstbewusstsein, Natur, Erinnerung, Poetik, Hymnendichtung, Subjekt-Objekt-Spaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die poetologische Struktur von Hölderlins Gedicht „Andenken“ unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wie das poetische Bewusstsein im Gespräch mit sich selbst und der Welt entfaltet wird.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind Hölderlins Theorie des „poetischen Geistes“, das Motiv des Gesprächs in der Dichtung, die dialektische Selbstreflexion des lyrischen Ichs sowie die Funktion von Symbolen wie Quelle, Strom und Meer.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass Hölderlin in „Andenken“ den Prozess der Bewusstwerdung als unabschließbares Gespräch gestaltet und die eigene Dichtung als Medium dieser Vermittlung begreift.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, gestützt auf Hölderlins eigene theoretische Schriften (insbesondere „Über die Verfahrensweise des poetischen Geistes“) und ergänzende philosophische sowie literaturkritische Fachliteratur.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte, strophenweise Analyse des Gedichts „Andenken“, bei der die verschiedenen Stadien des poetischen Ichs – von der Einheit über die Zäsur bis hin zur Reflexion – nachgezeichnet werden.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind neben „Andenken“ vor allem die „dialektische Vermittlung“, „Selbstbewusstsein“, „Zäsur“, „poetischer Geist“ und die kommunikative Ambivalenz innerhalb der poetischen Sprache.

Welche Bedeutung hat die „Zäsur“ in diesem Kontext?

Die Zäsur, insbesondere in der dritten Strophe, fungiert als „Achse“ des Gedichts, die einen Wechsel der Sprache und der Vorstellung markiert und das lyrische Ich aus der naiven Naturverbundenheit zur Reflexion führt.

Warum wird „Andenken“ als „unabschließbarer Dialog“ bezeichnet?

Das Gedicht zielt nicht auf ein finales Resultat ab, sondern reflektiert auf seine eigene Form und die Unmöglichkeit, die volle Wahrheit sprachlich festzuhalten, was das „Gespräch“ im Sinne des fortwährenden Stiftens von Bedeutung am Leben erhält.

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Details

Titel
Kommunikation und Vermittlung in Hölderlins Gedicht "Andenken"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Hauptseminar: Stil und/oder Ecriture: Konzepte und Analysen
Note
sehr gut
Autor
Simone Linde (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
29
Katalognummer
V3709
ISBN (eBook)
9783638122917
ISBN (Buch)
9783638774567
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erkenntnistheorie Sprachphilosophie poetisches Ich Dialektik Stilistik Zäsur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simone Linde (Autor:in), 2001, Kommunikation und Vermittlung in Hölderlins Gedicht "Andenken", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3709
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Leseprobe aus  29  Seiten
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