Soziale Tanzpädagogik mit Kindern und Jugendlichen


Seminararbeit, 2015

17 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wesentliches über den Tanz
1.1 Was ist Tanz?
1.2 Entstehung und Bedeutung des Tanzes in der Gesellschaft

2. Das Wesen der Tanzpädagogik
2.1 Was ist Tanzpädagogik?
2.2 Tanzpädagogik nach Montessori
2.3 Ziele der Tanzpädagogik
2.4 Methodik der Tanzpädagogik

3. Soziale Tanzpädagogik
3.1 Was ist Soziale Tanzpädagogik?
3.2 Unterrichtsgestaltung der Sozialen Tanzpädagogik im Vergleich zu Tanzschulen
3.3 Relevanz der Sozialen Tanzpädagogik
3.3.1 Die Bedeutung der Bewegung für Kinder und Jugendliche
3.3.2 Integration der Sozialen Tanzpädagogik im schulischen Alltag
3.3.3 Entwicklung der Körperakzeptanz
3.3.4 Die Bedeutung für die Identitätsentwicklung
3.3.5 Die Bedeutung für das Erlernen sozialer Kompetenzen in Gruppen
3.4 Anforderungen an Soziale Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen

4. Resümee

5. Persönliche Stellungnahme

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen

1. Wesentliches über den Tanz

1.1 Was ist Tanz?

Tanz ist „eine Abfolge von Körperbewegungen, die nach einem durch Musik oder eine andere akustische Äußerung (wie Schlagen, Stampfen o. Ä.) hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird.“ (Bibliographisches Institut GmbH o.J.) Demzufolge ist Tanz eine stark mit Musik und Bewegung verwobene Kunstgattung, die durch ihren Facettenreichtum viele Menschen errei- chen kann und auf der ganzen Welt, abhängig von Kultur und Gesellschaft, in den unter- schiedlichsten Formen praktiziert wird.

Die Beliebtheit des Tanzes begründet sich in erster Linie in der Freude, die durch den persön- lichen Einsatz und die eigenen tänzerischen Leistungen entsteht (vgl. Helbig 2015, S. 5). Da- her dient der Tanz auch der Stärkung des Selbstbewusstseins und fördert die soziale Kompe- tenz, da er oft in Paar- oder Gruppenkonstellationen praktiziert wird.

Durch den Tanz werden unter anderem Gefühle, Sehnsüchte, Gedanken und Erlebnisse zum Ausdruck gebracht (vgl. ebd.) und er hat daher auf die Tänzerin/den Tänzer eine befreiende Wirkung. Somit können durch dieses Ausdrucksmittel negative Gefühle und belastende Er- lebnisse zum Teil verarbeitet werden. Es werden außerdem die menschlichen Bedürfnisse nach Selbstdarstellung und Kommunikation befriedigt (vgl. ebd., S. 7), sowie das körperliche und seelische Wohlbefinden gesteigert.

1.2 Entstehung und Bedeutung des Tanzes in der Gesellschaft

Nach Helbig (2015, S. 13) geht die Entstehung des Tanzes auf den Anbeginn der Menschheit zurück, denn starke Emotionen, wie Wut, Trauer, Freude, etc. wurden schon damals durch das Tanzen zum Ausdruck gebracht. Gesänge und Tänze wurden auch zu Ehren der Götter im Zuge von Bitten und Danksagungen und zum Herbeiführen bestimmter Wetterverhältnisse (Regentänze) verwendet.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus den anfänglich primitiven Tänzen eine große Palette aus verschiedenen Tanzstilen und Tanzkonstellationen, deren heutige Vielfalt auf die gesell- schaftlichen Normen und Sichtweisen der jeweiligen Epochen zurückzuführen ist. So entwi- ckelte sich zum Beispiel aus dem von strengen Regeln dominierten klassischen Ballett der etwas lockerere Jazz-Tanz und in weiterer Folge Modern Dance. Selbiges gilt für die Tanz- konstellationen. Im 17./18. Jahrhundert betrachtete man den Paartanz wie wir ihn heute ken- nen noch als unsittlich. Es wurde daher in Gruppen getanzt, bekannt als Gesellschaftstänze. Somit kann der Tanz auch in gewisser Weise als Spiegel der Gesellschaft betrachtet werden.

2. Das Wesen der Tanzpädagogik

2.1 Was ist Tanzpädagogik?

Nach Helbig (2015, S. 29) findet die Tanzpädagogik in Kindergärten, Schulen, Vereinen, Fit- ness- und Tanzstudios, als auch in einigen Tanzschulen Anwendung. Es steht dabei nicht das Streben nach technischer Perfektion im Vordergrund, sondern das Erhalten und die Förderung der wesentlichen Motivationen, zum Beispiel die Freude und der Spaß an dieser Kunstgat- tung. Dabei werden sowohl die Vorstellungen der/des Lernenden, als auch jene der/des Leh- renden berücksichtigt. Sie soll außerdem die Möglichkeit geben, dem menschlichen Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck durch die Bewegungen im Tanz gerecht zu werden (vgl. Lex und Padilla 1988; zit. nach Helbig 2015, S. 29).

2.2 Tanzpädagogik nach Montessori

In der Montessori-Tanzpädagogik wird das Lernen mit dem Tanzen kombiniert. Man möchte dadurch eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung des Tanzenden herbeiführen und die pädagogischen Möglichkeiten des Tanzes einsetzen (vgl. Bergmann 2006; zit. nach Lackner 2010, S. 13).

„Tanzpädagogik ist Erziehung und Bildung durch Tanz.“ (ebd.; zit. nach ebd., S. 14) Im Vor- dergrund stehen die Verbesserung des Körperbewusstseins des Tanzenden, sowie das Erler- nen von Bewegungen. Dadurch kann ein gesundes Körperbewusstsein geschaffen, sowie die Grob- und Feinmotorik gefördert werden. Weiters wird das Gedächtnis trainiert und infolge dessen die Konzentrationsfähigkeit gesteigert (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). Die Tanzenden ge- winnen durch das Erreichen von tänzerischen Fertigkeiten Zuversicht in die eigenen Leistun- gen (vgl. ebd.; zit. nach ebd.), wodurch in weiterer Folge das Selbstvertrauen gestärkt wird. Durch das Arbeiten mit bestimmten Bewegungen, die mit Musik und Rhythmen einhergehen, lernen die Tanzenden mit Zeitabständen umzugehen und die Wahrnehmung durch das Über- nehmen vorgezeigter Bewegungen zu verbessern (vgl. ebd.; zit. nach ebd.).

Natürlich hat die Tanzpädagogik auch einen hohen sozialen Stellenwert. Es wird das Grup- pengefühl gesteigert (vgl. ebd.; zit. nach ebd.), dient aber auch dem Erlernen vom korrekten Umgang mit anderen Gruppenmitgliedern. Die Kinder lernen sich an Regeln und Grenzen zu halten und Rücksicht auf andere zu nehmen (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). Durch den Tanz wer- den außerdem Geduld, Ausdauer und Disziplin geschult (vgl. ebd.; zit. nach ebd.), die für alle Lernprozesse, insbesondere im schulischen Umfeld, nützlich und notwendig ist (vgl. Lackner 2010, S. 14).

Der Tanz in der Montessori-Pädagogik unterscheidet sich vom Unterricht in herkömmlichen Tanzschulen grundlegend, da durch das oftmalige Wiederholen der Bewegungen und Tänze eine rein technische Zielsetzung seitens der Kinder und Jugendlichen verhindert wird und Platz für den individuellen Ausdruck lässt (vgl. ebd.; zit. nach ebd., S. 15). Diese Freiheit, die zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen notwendig ist, bildet das primäre Merkmal der Tanzpädagogik (vgl. ebd.).

2.3 Ziele der Tanzpädagogik

Die Ziele der Tanzpädagogik teilen sich in vier Bereiche, die miteinander in Verbindung ste- hen. Darunter versteht man das Zusammenspiel des sachorientierten Bereichs, des subjektiv- emotionalen Bereichs, des sozialen Bereichs und des kognitiven Bereichs (vgl. Helbig 2015, S. 31).

Im sachorientierten Bereich steht der Tanz selbst im Vordergrund. Der Erwerb von tänzeri- schen Fähigkeiten und Bewegungsabläufen bildet in diesem Teilbereich die Zielsetzung (vgl. ebd.). Dies erinnert an das Unterrichtsmodell in Tanzschulen. Die Tanzpädagogik darf den- noch nicht mit den Unterrichtszielen in Tanzschulen verglichen oder gleichgesetzt werden, da der Erwerb von Kenntnissen im tänzerischen Bereich in der Tanzpädagogik eines von vielen Zielen ist und die Tänzerin/den Tänzer durch das Erkennen der eigenen Fähigkeiten im Selbstwert bestärken soll. Es ist jedoch darauf zu achten, die Lernenden nicht zu überfordern und den Unterricht entsprechend der altersbedingten Fähigkeiten auszurichten. Damit meint man beispielsweise, dass es nicht sinnvoll ist, mit Kleinkindern diverse balanceerfordernde Übungen durchzuführen, da diese den Gleichgewichtsinn in diesem Alter noch nicht vollends entwickelt haben (vgl. ebd., S. 32).

Der subjektiv-emotionale Bereich setzt sich das ganzheitliche Erleben des eigenen Körpers zum Ziel. Darunter versteht man die Wahrnehmung der Körperlichkeit und das Einlassen auf die Emotionen (vgl. ebd.), die während des Tanzens entstehen. Man lernt sich selbst besser kennen, sowohl die eigenen anatomischen Möglichkeiten, als auch (bisweilen unterdrückte) Emotionen, Wünsche und Gefühle.

Die Zielsetzung des sozialen Bereiches bezieht sich auf das Erlernen vom möglichst harmoni- schen Umgang mit Mitmenschen. Durch das Arbeiten in der Gruppe lernt man auf andere Rücksicht zu nehmen, sich anzupassen und aufeinander einzugehen (vgl. ebd., S. 33). Die Kommunikation untereinander ist zur Erreichung dieser Ziele unumgänglich. Es geht jedoch nicht nur um den sprachlichen Austausch, sondern auch um das nonverbale Kommunizieren durch den Tanz (vgl. ebd.). Die Tanzenden sollen zudem lernen, mit Kritik und Konkurrenz umzugehen und eine Balance zwischen den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und jenen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzustellen (vgl. ebd., S. 34). Ein weiteres Ziel des sozialen Bereiches ist die Entwicklung und Stärkung der Identität (vgl. ebd., S. 33), darauf wird jedoch im Kapitel ‚Relevanz der Sozialen Tanzpädagogik‘ genauer eingegangen.

Die Ziele des kognitiven Bereichs beziehen sich auf die Förderung der Unterscheidungsfähig- keit der verschiedenen Tanzstile, die sich im Laufe der Zeit durch die gesellschaftlichen Ver- änderungen ergeben haben (vgl. ebd., S. 34). Dabei werden diese Tanzstile übernommen oder durch den Einsatz der eigenen Kreativität modernisiert und verändert (vgl. ebd., S. 35). Dies fördert unter anderem die Konzentration, die Kombinationsfähigkeit, die Reaktion, die Flexi- bilität und die Handlungskompetenz (vgl. ebd.).

2.4 Methodik der Tanzpädagogik

In der Tanzpädagogik hat das Lehren des Tanzens nur sekundäre Bedeutung, stattdessen ste- hen erzieherische Aspekte im Vordergrund (vgl. Gebhard 1978; zit. nach Helbig 2015, S. 36). Der Lehrende soll Werte vermitteln und Vorbildwirkung auf die Lernenden haben (vgl. Trautmann-Voigt 1990; zit. nach ebd.). Der Unterricht besteht aus einer Kombination aus der Weitergabe tänzerischer Fähigkeiten und der Vermittlung sozialer Kompetenzen, wie zum Beispiel Geduld, Ausdauer und eine positive Arbeitshaltung. Dadurch kann ein gesundes Selbstbewusstsein erarbeitet werden (vgl. Geißler 1983; zit. nach ebd.). Durch die Integration der Erziehung in den Tanz kann sich die/der Lernende weiterentwickeln. Dies ist die Hauptin- tention der Tanzpädagogik (vgl. Helbig 2015, S. 36).

Eine weitere Methode der Tanzpädagogik bildet das Arbeiten mit bildhaften Tänzen. Diese lassen der/dem Tanzenden aufgrund vieler bewegungstechnischer Vorgaben kaum Freiheiten, fördern jedoch die Anpassungsfähigkeit, die das Nachahmen eines Ideals voraussetzt (vgl. ebd.). Zudem wird durch das einheitliche Tanzen das Gruppen- und Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Diese Methode hat jedoch auch negative Aspekte, da durch das Streben nach Synchronität und Perfektion die sinnliche Seite des Erlebens der eigenen Gefühlswelt und der Emotionen verloren gehen kann (vgl. ebd., S. 37).

Das Gegenteil zum formorientierten Tanz bildet der formlose Tanz (vgl. ebd.). Diese Methode ist stark mit der Improvisation verknüpft, da die Tanzenden keinerlei Vorgaben bezüglich Bewegungsabläufen und Schrittkombinationen haben. Der Tanz wird lediglich von der Krea- tivität und den persönlichen Empfindungen geprägt. Die Gefahr dieser Methode besteht jedoch darin, dass ungeübte Tänzerinnen und Tänzer durch die mangelnde Zufuhr von Ideen und tänzerischen Möglichkeiten die Motivation und den Spaß am Tanzen verlieren (vgl. ebd.).

3. Soziale Tanzpädagogik

3.1 Was ist Soziale Tanzpädagogik?

Lackner (2010, S. 16) verwendet den Begriff ‚Soziale Tanzpädagogik‘ speziell für die Tanz- pädagogik im sozialpädagogischen Umfeld. Im Vordergrund stehen die Gemeinschaft, sowie das Montessori-Prinzip ‚Lernen durch Tanzen‘. Die Soziale Tanzpädagogik unterscheidet sich von der herkömmlichen Tanzpädagogik in zwei Punkten (vgl. ebd.). Erstens findet die Soziale Tanzpädagogik in sozialpädagogischen Einrichtungen Anwendung (vgl. ebd.), insbesondere in Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe (vgl. ebd., S. 41). Zweitens sind die Lehrenden Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen (vgl. ebd.). Somit bildet die Soziale Tanzpädago- gik eine Mischung aus einzelnen Elementen der Sozial- und Tanzpädagogik. Es wird auch hier kein Wert auf die Verbesserung oder gar Optimierung tänzerischer Fähigkeiten gelegt, sondern soll den Tanzenden einerseits die Möglichkeit geben, die Bewegungen ganzheitlich zu erleben und andererseits die Beziehungen zwischen den Kindern und Jugendlichen und den Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen zu stärken. Dies ist essentiell für die Tanzpädago- gik selbst, aber auch für das Miteinander in den sozialpädagogischen Institutionen (vgl. ebd.). Durch das Angebot der Sozialen Tanzpädagogik in sozialpädagogischen Einrichtungen, haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, sich auch ohne kostenintensive Tanzstunden in herkömmlichen Tanzschulen durch Tanz und Bewegung auszudrücken (vgl. ebd. S., 16f).

3.2 Unterrichtsgestaltung der Sozialen Tanzpädagogik im Vergleich zu Tanzschulen

Tanzschulen sehen ihre Aufgabe in der Optimierung der tänzerischen Fähigkeiten durch die Verbesserung der Technik und das Erlernen vorgezeigter Schrittkombinationen und Choreo- graphien. Der Charakter des Unterrichts ist daher sehr leistungsorientiert und wird monodi- rektional gestaltet, das heißt, es wird durch die Erbringung von Zwischenleistungen auf ein bestimmtes Ziel hingearbeitet (vgl. Lackner 2010, S. 19). Es besteht ein klassisches Schüle- rin/Schüler-Lehrerin/Lehrer-Verhältnis.

Das Ziel der Sozialen Tanzpädagogik ist der Weg selbst. Im Vordergrund stehen die Gefühle, und Empfindungen, die durch die Bewegungen entstehen. Es wird jedoch auch mit dem Er- lernen von Grundschritten gearbeitet, um den Kindern und Jugendlichen im Anschluss daran die Möglichkeit zu geben, sich durch die neuen Ideen und Erfahrungen noch kreativer ausdrü- cken zu können und neue Facetten ihrer Körperlichkeit kennen und verwenden zu lernen (vgl. ebd., S.19). Der Unterricht ist in der Sozialen Tanzpädagogik multidirektional organisiert. Die verbale Kommunikation zwischen Lernendem und Lehrendem ist ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Die Einbringung persönlicher Wünsche und Ideen seitens der Kinder und Jugendlichen ist erwünscht, sei es bei der Auswahl der Lieder oder der Zusammenstellung von Bewegungsabläufen (vgl. ebd., S. 20). In weiterer Folge kann die Interaktion zwischen den Kindern und Jugendlichen auch dadurch gefördert werden, indem der kreative Prozess des Entwickelns und Erarbeitens einer Choreographie primär von den Kindern und Jugendli- chen selbst durchgeführt wird. Die/der Lehrende tritt dabei in den Hintergrund des Gesche- hens, unterstützt die Kinder und Jugendlichen wenn nötig in der Interaktion, bringt sich je- doch nicht in den kreativen Prozess ein (vgl. ebd., S. 21).

Eine weitere Möglichkeit, die Interaktion zwischen den Kindern und Jugendlichen und deren Kreativität zu fördern, stellt das Vorbereiten einer Aufführung dar (vgl. ebd.). Ein weiterer positiver Aspekt einer solchen Veranstaltung ist die Tatsache, dass bei der Präsentation der eigenen Fähigkeiten das Selbstbewusstsein enorm gesteigert wird. Zu beachten ist jedoch, dass die Kinder und Jugendlichen sich aus freiem Willen und ohne Zwang präsentieren möch- ten, da sonst die Freude an dieser kreativen Ausdrucksmöglichkeit verloren gehen kann.

3.3 Relevanz der Sozialen Tanzpädagogik

3.3.1 Die Bedeutung der Bewegung für Kinder und Jugendliche

In der heutigen Gesellschaft hat die Tanzpädagogik durch die damit verbundene körperliche Aktivität einen hohen Stellenwert, da viele Kinder und Jugendliche durch das heute bestehen- de Angebot von Fernsehen, Computer, etc. unter Bewegungsmangel leiden (vgl. Lackner 2010, S. 22). Dies führt zu Rückentwicklungen der Motorik und der Koordination (vgl. Homfeldt 1999; zit. nach Rittner 1999; zit. nach Lackner 2010, S. 22.), obwohl im Kindes- und Jugendalter eigentlich Gegenteiliges eintreten sollte.

Das körperliche, geistige und physische Wohlbefinden gehen miteinander einher (vgl. Zitzlsperger 1989; zit. nach Lackner 2010, S. 22). Kommt es zu Einflüssen in diesen Berei- che, entstehen Spannungen im Körper, die durch gezieltes Dehnen und Auflockern der Mus- keln gelöst werden können, um Verkürzungen im Muskelbereich zu verhindern (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). Im Tanz wird die Psychomotorik trainiert, die ausschlaggebend für ein bewusstes und sicheres Körpergefühl ist und es kommt durch die Kombination mit Musik und Rhythmus zur Ausschüttung von Lustgefühlen (vgl. ebd.; zit. nach ebd.).

Kinder und Jugendlichen ist Bewegung ein primäres Bedürfnis (vgl. Bergmann 2006; zit. nach ebd.). Wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, kommt es zu Haltungsproblemen, Koordinationsschwierigkeiten und zu gesundheitlichen Problemen, die aufgrund des Bewegungs- mangels zu einem falschen Hungergefühl und in Folge dessen zu Übergewicht führen können (vgl. Hurrelmann und Bründel 2003; zit. nach ebd.). Durch die Bewegung kommt es zudem zum Stressabbau und zur Lösung von Spannungen und Aggressionen (vgl. ebd.; zit. nach ebd.).

3.3.2 Integration der Sozialen Tanzpädagogik im schulischen Alltag

Aus oben genannten Tatsachen lässt sich entnehmen, dass Bewegung für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unumgänglich ist, zum einen aus gesundheitli- chen Gründen und zum anderen aufgrund der Notwendigkeit der Entwicklung von körperli- chen und kognitiven Fähigkeiten.

Lackner (vgl. Lackner 2010, S. 25) ist daher der Meinung, dass die Soziale Tanzpädagogik der Integration im schulischen Alltag bedarf, weil sie die Möglichkeit bietet, dem im Schulall- tag aufkommenden Bewegungsmangel der Schülerinnen und Schüler entgegenzuwirken. Au- ßerdem hat der Tanz durch das ganzheitliche Erleben der eigenen Sinne und Emotionen posi- tive Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden (vgl. ebd., S. 27).

3.3.3 Entwicklung der Körperakzeptanz

Soziale Tanzpädagogik kann zur Unterstützung der Entwicklung von Kindern und Jugendli- chen beitragen (vgl. Lackner 2010, S. 28f.). Es kommt insbesondere in der Pubertät zu starken körperlichen Veränderungen, die bei Heranwachsenden oft zu Problemen mit der eigenen Person, sowie zu Unsicherheiten führen. Diese Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eige- nen Körper wird neben den persönlichen Ängsten und Unsicherheiten auch von der Umwelt beeinflusst. In der heutigen Gesellschaft orientieren sich insbesondere Mädchen an Schön- heitsidealen, denen der eigene Körper entsprechen soll. Dies kann zu Frustration und einem gestörten Verhältnis zum Körper führen, wenn diese Ideale nicht der eigenen Körperlichkeit entsprechen (vgl. ebd., S. 30).

Mithilfe der Sozialen Tanzpädagogik wird im ersten Schritt versucht, durch Kennenlernen des „neuen“ Körpers, die Akzeptanz ihm gegenüber zu steigern (vgl. ebd., S. 28) und ihn in wei- terer Folge als einen grundlegenden und schönen Teil der eigenen Individualität zu erachten.

3.3.4 Die Bedeutung für die Identitätsentwicklung

In der Kindheit und Pubertät kommt es jedoch nicht nur zu körperlichen Veränderungen, son- dern auch zur Entwicklung der eigenen Identität (vgl. Fend 2001, zit. nach Lackner 2010, S.32). Die Identitätsentwicklung kann jedoch nur erfolgen, wenn der eigene Körper bereits ak- zeptiert und kennen gelernt wurde (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). In weiterer Folge suchen sich Jugendliche Vorbilder und Ideale, die zur Orientierung notwendig sind um die eigene Identität entwickeln zu können (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). Die Jugendlichen haben die Aufgabe aus einer Vielzahl an Angeboten und Möglichkeiten sich selbst, die persönlichen Einstellungen und die eigene Position in der Gesellschaft zu finden (vgl. ebd.; zit. nach ebd.). Dafür ist das Vertrauen zu sich selbst und den persönlichen Entscheidungen essentiell (vgl. ebd.; zit. nach ebd.).

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Details

Titel
Soziale Tanzpädagogik mit Kindern und Jugendlichen
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V371255
ISBN (eBook)
9783668498662
ISBN (Buch)
9783668498679
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Didaktik, Musikpädagogik, Musik, Tanz, Bewegung, Soziale Tanzpädagogik, Tanzpädagogik nach Montessori, Ziele der Tanzpädagogik, Methoden der Tanzpädagogik, Tanzschulen, Entwicklung der Körperakzeptanz, Identitätsentwicklung, Kinder, Jugendliche
Arbeit zitieren
Stefanie Loibingdorfer (Autor), 2015, Soziale Tanzpädagogik mit Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371255

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