Interferenzen im Sprachenpaar Japanisch und Deutsch


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interferenz
2.1 Begriffsklärung
2.2 Ursachen
2.3 Interferenzen aus dem Englischen

3. Bereiche, in denen Interferenzen auftreten
3.1 Aussprache
3.1.1 Vokale und Konsonanten
3.1.2 Konsonantenhäufungen und Lauthinzufügung
3.2 Grammatik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit befasse ich mit einer Thematik, die in meinen Augen beim Erlernen einer Fremdsprache unerlässlich ist, den meisten Fremdsprachenlemem aber nicht bewusst ist: Interferenz. Betrachtungsgegenstand ist die muttersprachliche Interferenz, die bei japanischen Deutschlernern auftritt.

Interferenz ist das (negative) Ergebnis einer Übertragung von Mustern eines Systems auf ein anderes. Folglich sind beispielsweise Schwierigkeiten bei der Aussprache, die aus Unterschieden zwischen den Sprachsystemen resultieren, vorhersagbar und somit vermeidbar. Verbunden mit einer besonders intensiven Beschäftigung mit den betreffenden Sprachsystemen sollte sich muttersprachliche Interferenz durch eine Bewusstmachung ihrer Existenz sogar fast vollkommen ausschalten lassen. Vernach­lässigt man jedoch dieses Thema, kann es passieren, dass sich Fehler in der Fremdsprache verfestigen, sodass eine Ausschaltung des muttersprachlichen Einflusses nach einer gewissen Zeit quasi unmöglich wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen groben Überblick über die verschiedenen Felder, in denen muttersprachliche Interferenz auftritt, zu geben und Lemer für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie soll sich also mehr an die Betroffenen richten.

Zunächst wird auf den Begriff der Interferenz und deren Ursachen eingegangen. Auch wenn das Hauptthema der Arbeit muttersprachliche Interferenz ist, widme ich der Vollständigkeit halber einen kleinen Abschnitt der Bedeutung des Englischen als erste Fremdsprache vor Deutsch. In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Bereiche, in denen Interferenz auftreten kann, abgehandelt. Hierbei unterscheide ich in interferenzbedingte Fehler in der Aussprache und in der Grammatik. Zuletzt folgt eine Zusammenfassung der Problematik und ein persönliches Fazit.

2. Interferenz

2.1 Begriffsklärung

Unter Interferenz versteht man die Übertragung der Strukturen einer Sprache (meist der Muttersprache bzw. Primärsprache) auf eine zu erlernende Sprache (Sekundärsprache). Interferenz beschreibt immer Übertragungen negativer Natur: Laute, Rhythmusmuster etc. werden direkt in die Fremdsprache übertragen und ergeben somit fehlerhafte Äußerungen. (Hendriks 1999: 22) In Sprachen mit ähnlichen Strukturen kann die Übertragung aber auch in korrekten Äußerungen enden. In diesem Fall spricht man von positivem Transfer. (Interferenz ist folglich negativer Transfer.)

Zwischen Sprachkontrasten und dem Verlauf des Spracherwerbsprozesses besteht ein Zusammenhang. Je unterschiedlicher die Sprachen sind, desto größer sind auch die Lemschwierigkeiten und Fehler, die auftreten. Auf der anderen Seite erleichtert die Ähnlichkeit zwischen Sprachsystemen das Lernen. Der Transfer muttersprachlicher Strukturen ist somit ein wichtiger Faktor für den Spracherwerb. Durch kontrastive Analysen können Lernschwierigkeiten vorhergesagt werden und somit durch die gezielte Behandlung von vorhersagbaren Problemen den Spracherwerb effektivisieren. (vgl. Lindemann 1996: 6ff)

2.2 Ursachen

Wie bereits erwähnt wurde, ist Interferenz ein Ergebnis der Unterschiede zwischen den Systemen zweier Sprachen. Trifft der Lerner auf Unbekanntes, neigt er unbewusst dazu, das Unbekannte durch Bekanntes zu ersetzen. Man könnte Interferenz auch als eine Art „Notlösung“ (Tesch 1978: 40) im Umgang mit Unbekanntem bezeichnen.

Die Schlüsselworte, um die Ursache für muttersprachliche Interferenz zu beschrei­ben, scheinen tatsächlich Unbekanntheit und Unbewusstheit zu sein: Im Bereich der Aussprache herrscht beispielsweise das Phänomen vor, dass man fremdsprachliche Laute in bekannten muttersprachlichen Mustern wahmimmt und bildet. Laute, die in der eigenen Sprache nicht existieren, nimmt man als andere ähnliche Laute, die man bereits kennt, wahr und artikuliert sie demnach auch falsch. Eine solche Lautersetzung ist zum Beispiel das Ersetzen vom labiodentalen [v], welches im Japanischen nicht existiert, durch das bilabiale [b], (Hendriks 1999: 27) Auf der grammatikalischen Ebene werden bei unbekannten Strukturen einfach die aus der Muttersprache bekannten benutzt.

2.3 Interferenzen aus dem Englischen

Unter Interferenz versteht man meist den Einfluss der Muttersprache auf eine erlernte Fremdsprache. Wenn diese Fremdsprache allerdings nicht die erste erlernte ist, muss man davon ausgehen, dass auch die zuvor erlernten Sprachen auf die danach erlernten Einfluss haben können. Da sich diese Arbeit auf das Sprachenpaar Japanisch-Deutsch konzentriert, muss Englisch als erste erlernte Fremdsprache als interfererende Sprache in Betracht gezogen werden. Ursula Hirschfeld (2011) untersucht unter anderem das zugehörige Feld Deutsch als Fremdsprache nach Englisch (DaFnE). Laut Hirschfeld kann Englisch als erste erlernte Fremdsprache positiven sowie negativen Einfluss auf die Aussprache der japanischen Lerner ausüben: Zum einen sollte bereits das sprachliche Bewusstsein und Wissen erweitert und Lemstrategien entwickelt worden sein. Auch die Kenntnis von fremden Lauten und phonologisches Wissen sollte zumindest ansatzweise vorhanden sein. Auf der anderen Seite haben das Japanische, Englische und Deutsche unterschiedliche phonetische Strukturen und es gibt viele falsche Freunde. (Hirschfeld 2011: 44)

Ein Beispiel wäre die Wortakzentuierung und Rhythmisierung, vor allem bei Inter­nationalismen mit gleichen Endungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(<ausHirschfeld 2011: 46)

Hierbei möchte ich aus eigener Erfahrung hinzufügen, dass manchmal nicht nur pro­sodische Merkmale übernommen, sondern die Wörter gänzlich Englisch ausgesprochen werden.

Hirschfeld kommt zu der Erkenntnis, dass es nicht nur im Bereich der Prosodie, sondern auch im segmentalen Bereich große Unterschiede vorherrschen und englische Deutschlemer größtenteils die selben Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Aussprache haben wie japanische, (vgl. Hirschfeld 2011: 46ff)

Auch wenn die Muttersprache letzten Endes den größeren (positiven und negativen) Einfluss ausübt, so ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Englisch als erste Fremdsprache bei den meisten Lernen für einige Interferenzen verantwortlich ist.

3. Bereiche, in denen Interferenzen auftreten

Interferenzen treten in vielen Bereichen auf. In diesem Kapitel soll insbesondere auf Interferenzen in der Aussprache (Vokale und Konsonanten, Konsonantenhäufungen etc.) und in der Grammatik hingewiesen werden.

3.1 Aussprache

3.1.1 Vokale und Konsonanten

Was die Aussprache betrifft, so sind die kleinsten Einheiten die Phoneme (Laute). Phoneme sind die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten in der Sprachlehre und ihre richtige Realisierung ist sehr wichtig, um verständliche Aussagen tätigen zu können.

In diesem Bereich gibt es viel Interferenz aufgrund der Unterschiedlichkeit der Laut­systeme des Deutschen und des Japanischen. Lerner müssen sich darüber bewusst werden, dass die japanischen und deutschen Laute unterschiedlich sind und sich nicht gegenseitig ersetzen dürfen. Die folgenden Gegenüberstellungen sollen das Verständnis hierfür anregen und daher nur ganz schwach an der Oberfläche der Thematik kratzen bzw. keine Erläuterung dieser Systeme darstellen.

Tabelle 1 zeigt eine Gegenüberstellung des japanischen und deutschen Vokalsystems. Die grau unterlegten Zeilen sind die japanischen, die weiß unterlegten die deutschen Laute. In beiden Sprachen werden die Vokale nach dem Grad der Zungenhebung (hoch, mittel, niedrig), der Hebungsrichtung (vorn, zentral, hinten) und der Lippenrundung (gerundet, ungerundet) unterschieden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Interferenzen im Sprachenpaar Japanisch und Deutsch
Hochschule
University of Shizuoka
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V371434
ISBN (eBook)
9783668493612
ISBN (Buch)
9783668493629
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interferenzen, sprachenpaar, japanisch, deutsch
Arbeit zitieren
Caroline Block (Autor), 2015, Interferenzen im Sprachenpaar Japanisch und Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371434

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