Emotionen im Fußball. Analyse von kollektiven Emotionen im Stadion


Hausarbeit, 2016

22 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Theoretische Grundlagen
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2.1 Was sind Emotionen?
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2.2 Emotionssoziologische Ansätze
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3. Vielfalt von Emotionen im Fußball
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3.1 Bedeutung des Fußballs
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3.2 Emotionen des Publikums
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3.3 Kollektive Emotionen
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4. Fazit
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Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Gegenstand dieser Hausarbeit zum Seminar ,,Sportpsychologie für Lehrberufe" sind die
Emotionen im Fußball. Dabei soll konkret untersucht werden, wie Emotionen überhaupt
entstehen, nach außen treten und wie sie möglicherweise gesteuert werden können. Im
Bereich des Fußballs lassen sich dabei Freizeit-, Amateur- und Profispiele unterschei-
den, welche dann auch die Größe des jeweiligen Stadions, beziehungsweise die Anzahl
der Zuschauer eingrenzt. In dieser Arbeit werden jedoch der Fußball und die Emotionen
innerhalb der Profispiele untersucht.
Emotionen können in zwei Bereiche unterteilt werden. Zum einen werden sie durch die
Sprache benannt und verstanden, da in der Gesellschaft eine einheitliche Bedeutung
von Emotionen bekannt ist. Beispielsweise weiß jeder, was mit den Emotionen und
Wörtern Wut, Freude und Stolz gemeint ist. Menschen können ihre Emotion ausdrücken
und mit anderen teilen, indem sie sagen ,,Ich bin stolz auf meine Leistung". Ein weiterer
Weg, Emotionen zu vermitteln ist, ohne ein emotional unterlegtes Wort zu verwenden.
In diesem Fall hilft die eigene Sprachkompetenz, damit aus einem Zusammenhang zu
erschließen ist, welche Emotionen und Gefühle eine Person zeigt. Gefühle sind in der
Gesellschaft vermehrt negativ konnotiert, da sie als unbeeinflussbare Störfaktoren gel-
ten. Es besteht also eine Beziehung zwischen Sprache und Emotion in dem Aspekt,
dass Emotionen durch Sprache ausgedrückt werden können, wodurch der kommunika-
tive Aspekt in den Mittelpunkt rückt.
In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll zunächst ein Überblick über die theoretischen
Grundlagen von Emotionen gegeben werden. Dabei soll auf die Frage eingegangen
werden, was unter Emotionen überhaupt zu verstehen ist, um darauf im Verlauf der
Hausarbeit zurückgreifen zu können und eine Basis zu schaffen. Danach werden drei
emotionssoziologische Ansätze für Emotionen gegeben, welche aufeinander aufbauen.
Im zweiten Block dieser Arbeit geht es um die Vielfalt von Emotionen im Fußball, bei
welchem kurz auf die Bedeutung des Fußballs allgemein und die verschiedenen, mögli-
chen Emotionen des Publikums eingegangen wird. Den großen Abschlussblock bildet
dann die Darstellung der kollektiven Emotionen, wobei es sowohl um die Einordnung,
das Auftreten, als auch um die Steuerung dieser Emotionen geht. In diesem Bereich
werden die Emotionen nochmal konkret auf das Stadionpublikum bezogen. Abschlie-
ßend wird ein Fazit gezogen und ein Ausblick auf weitere mögliche Handlungsbereiche
gegeben.
Ziel der Arbeit ist es, einen Beitrag zum Forschungsgegenstand Emotionen im Fußball
zu geben. Zudem soll aufgezeigt werden, welche Emotionen im Sport, in dieser Arbeit
speziell im Fußball, auftreten. Diese werden dabei besonders in Bezug zu den Zu-
schauern gebracht. Es soll dargestellt werden, dass diese Massenemotionen im Stadi-
on durch kollektive Emotionen auftreten. Innerhalb dieser Emotionen stehen verschie-
dene Gruppierungen unter den Zuschauern, auf die ebenfalls ein kurzer Blick geworfen
werden soll. Insgesamt soll durch diese Arbeit ein Überblick über mögliche Emotionen
im Fußball, innerhalb eines Stadions, gegeben werden.

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2. Theoretische Grundlagen
Um zu verstehen, was Emotionen überhaupt sind und wie sich diese einordnen lassen,
müssen zunächst einige theoretische Grundlagen dargelegt werden, um im weiteren
Verlauf die Einordnung innerhalb der Sportart Fußball im Stadion zu verstehen und die-
se übertragen zu können. Dabei sollen sowohl Definitionen, Funktionen der Emotionen,
als auch emotionssoziologische Erklärungsansätze dargelegt werden.
2.1 Was sind Emotionen?
Emotionen sind alltägliche Begleiter des menschlichen Lebens. Sie widerfahren uns in
jeder Lebenslage und sind nur eingeschränkt kontrollier-, beziehungsweise steuerbar.
Das Erleben von Emotionen scheint somit unumgänglich. An dieser Stelle stellt sich die
Frage, was Emotionen überhaupt sind? Diese Frage ist aufgrund der aktuellen For-
schungslage schwer zu beantworten, da die Forschung bisher keine allgemein gültige
Definition über das Phänomen der Emotionen aufstellen konnte. Dabei können ver-
schiedene Ansätze von Definitionen genannt werden, um einen groben Überblick über
die Forschungslage zu geben. Hülshoff (2006, S. 14) definiert Emotionen als: ,,körper-
lich-seelische Reaktionen, durch die ein Umweltereignis aufgenommen, verarbeitet,
klassifiziert und interpretiert wird, wobei eine Bewertung stattfindet." Diese Emotionen
sind laut Hülshoff niemals neutral.
,,Eine Emotion ist ein komplexes Muster von Veränderungen. Die Veränderungen betreffen
die physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen. Sie treten
als Reaktion auf eine Situation auf, die ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrge-
nommen hat" (Kleinginna& Kleinginna, 1981).
Gerhards sieht die Emotionen als ein Resultat von sozialen Konstellationen und den
darauf folgenden Reaktionen:
,,Emotionen sind eine positive oder negative Erlebnisart des Subjekts, eine subjektive Ge-
fühlslage, die als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Emotionen entstehen als
Antwort auf eine Bewertung von Stimuli und Situationen; sie können mit einer physiologi-
schen Erregung einhergehen und können in Form von Emotionsexpressionen zum Ausdruck
gebracht werden. Sie wirken selbst wieder strukturierend auf den sozialen Zusammenhang
zurück" (Gerhards, 1988, S.16).
Die Zuschauer gehen ins Stadion und jubeln bei einem Tor und dem Sieg ihrer Mann-
schaft. In den Stadien der ersten und zweiten Bundesliga wird deutlich, dass Mann-
schaften, die erfolgreicher sind, auch gleichzeitig mehr Zuschauer im Stadion haben. Es
scheint somit einen Zusammenhang zwischen Erfolg der Mannschaft und Besuch eines
Spiels zu geben.
Meyer, Schützwohl& Reisenzein (2001) geben vier verschiedene definierende Merkma-
le von Emotionen an, auf die sich auch die Überlegungen von Lars Riedl (2006) zu sei-
nem emotionssoziologischen Modell zur Steuerung des Emotionserlebens der Zu-
schauer stützen. Zum einen sind Emotionen aktuelle psychische Zustände von Men-
schen und haben eine bestimmte Qualität, Intensität und Dauer. Des Weiteren sind sie
objektgerichtet und zeigen sich in der bekannten Reaktionstrias: subjektiver,
behavioraler und physiologischer Aspekt, welche das persönliche Emotionserleben

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ausmachen. Die Reaktionstrias der Emotionen stellt ein Konzept dar, welches auf
Eysenck (1965) und Lang (1968) zurückgeht. Dort werden die drei Aspekte der Emotio-
nen nochmals genauer bestimmt und erläutert. Unter den subjektiven Aspekt fallen Ge-
fühl, Kognition und der Erlebnisaspekt. Unter den behavioralen Aspekt fallen Mimik,
Gestik, Flucht und Angriff, es stellt somit den Verhaltensaspekt dar. Dieser Aspekt um-
fasst zwei Teilaspekte: den expressiven und den instrumentellen Aspekt. Der expressi-
ve Aspekt wird auch Ausdrucksaspekt genannt und ist für die außenstehende Person
klar sichtbar. Dazu gehören Mimik, Gestik, Körperhaltung, Sprechstimme und Körper-
bewegungen. Der instrumentelle Aspekt, auch als Handlungsaspekt bezeichnet, bezieht
sich auf zielgerichtete Handlungen bei Emotionen, wie beispielsweise ein direktes An-
griffsverhalten in einer Situation, in dem die Person wütend oder verärgert ist. Unter
dem physiologischen Aspekt ist die vegetative Reaktion (körperliche Reaktion) zu ver-
stehen, wie beispielsweise eine Veränderung des Pulses, Erröten oder Schwitzen der
Hände. Diese sind nicht aktiv gesteuert, sondern geschehen im unwillkürlichen und au-
tonomen Bereich des Nervensystems (Meyer et al., 2001).
Gerade dieser Körperbezug
stellt eine zentrale Unterscheidung im Vergleich zu anderen bewussten Zuständen dar
und bildet laut Riedl (2008) eine ,,Brücke" zum Aspekt des Verhaltens. Demnach ist das
Erleben von Emotionen als psychischer Prozess der Informationsverarbeitung anzuse-
hen, der jedoch mit einem starken Körperbezug einhergeht.
Auch Hülshoff geht auf den körperlichen Aspekt ein, welchen Riedl als ,,Verhaltensas-
pekt" bezeichnet. Dies kommt insofern zum Ausdruck, als dass die Verarbeitung eines
Reizes sich sowohl auf das Organ-, als auch auf das vegetative Nervensystem aus-
wirkt. Dabei differenziert Hülfhoff zwischen Auswirkungen einer Emotion auf die willkür-
liche und unwillkürliche Motorik (Hülshoff, 2006).
Hülshoff hat des Weiteren verschiedene Dimensionen zur Einordnung von Emotionen
aufgestellt:

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Abb. 1. Dimensionen der Intensität (Hülshoff, 2006, S. 15)
In der vorliegenden Abbildung ist zu erkennen, dass Hülshoff zwischen drei verschiede-
nen Dimensionen unterscheidet, in welche sich die Emotionen einordnen lassen: die
Dimension der Intensität, die Dimension der Adaptation und die Hedonistische Dimen-
sion. Die Dimensionen selbst unterteilen sich dann jeweils in die zwei Grenzwerte ,,Er-
regung oder Beruhigung" bei der Intensität, ,,angemessen oder unangemessen" bei der
Adaptation und ,,lustvoll oder unangenehm" bei der Hedonistischen Dimension. Inner-
halb dieser Bewertungsskala lassen sich dann bestimmte erlebte Gefühle dimensional
darstellen, wie in dieser Abbildung bei 1) die Freude über einen Sieg, bei 2) Prüfungs-
angst und bei 3) das Gefühl nach dem Missbrauch eines Beruhigungsmittels.
Er geht davon aus, dass Menschen generell zwischen ,,guten" und ,,schlechten" Gefüh-
len unterscheiden und versuchen, positive Gefühle herbeizuführen und negative zu
vermeiden. Allerdings ist es für das Erleben von Emotionen wichtig, dass es beide Rich-
tungen gibt, da beide wichtige Aufgaben haben. Demnach existieren keine Basisemoti-
onen, da die Emotionen laut Hülshoff durch Intensität, Adaptation und Hedonismus ge-
kennzeichnet sind.
Laut Goleman (1997) lassen sich Emotionen in verschiedene Gruppierungen einordnen,
von denen, von den vier Grundgefühlen ausgehend, weitere Gefühle, mit verschiede-
nen Anteilen, abgeleitet werden können. Als Säulen der Gefühle sieht er Freude, Trau-
er, Wut und Aggression. Robert Plutchik (1980) hat hingegen acht Grundemotionen aus
seinen Studien abgeleitet: Freude, Trauen, Vertrauen, Misstrauen, Angst, Wut, Gewiss-
heit, Ungewissheit (Satow, 2016). Auch diese Grundemotionen ergeben laut Plutchik

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durch Mischung eine Vielfalt komplexer Emotionen. Auch an dieser Stelle wird wieder
deutlich, dass keine einheitliche Forschungslage in Bezug auf die Einordnung und Un-
terkategorisierung von Emotionen gegeben ist.
Des Weiteren lassen sich einige Begriffe im Umfeld von Emotion zuordnen, wie Affekt,
Gefühl, Stimmung und Empathie. Der Affekt ist eine meist impulsive, plötzliche und oft
heftige Handlung und kann von der ausführenden Person nicht gesteuert werden. Der
Begriff des Gefühls wirkt in diesem Zusammenhang irreführend, da dieser eine Kompo-
nente von Emotion beschreibt. Stimmung beschreibt eine mittel- und langfristige emoti-
onale Veränderung, die im Gegensatz zum Affekt keine Reaktion auf einen unmittelba-
ren spezifischen Reiz ist. Die Empathie bezeichnet in diesem Fall die zwischenmensch-
liche Fähigkeit zur Unterstützung einer anderen Person (Merten, 2003).
Allgemein können sechzig verschiedene Emotionen innerhalb eines Graphen eingestuft
werden. Dabei bilden Erregung vs. Ruhe die beiden Pole im Bereich der y-Achse und
angenehm vs. unangenehm die Pole auf der x-Achse. Im Bereich der angenehmen Er-
regung sind beispielsweise Emotionen wie: Erregung, Lust, Begeisterung, Freude und
Triumphgefühl anzusiedeln. Im Bereich der unangenehmen Erregung hingegen finden
sich Unruhe, Ungeduld, Sorge, Angst, Wut, Entsetzen, Hass, Aggressionslust und Trotz
wieder. Emotionen der angenehmen Ruhe sind Mitgefühl, Verehrung, Zufriedenheit und
Erleichterung anzuordnen, wohingegen bei der unangenehmen Ruhe Abneigung, Un-
lust, Trauer, Schadenfreude, Verachtung und Neid zu verorten sind (Schmidt-Atzert,
1980).
Es erscheint erkennbar schwierig, die Ausmaße der Emotionen einzugrenzen, da diese
viele verschiedene Ebenen und Definitionen aufweist. Zum einen sind Emotionen per-
sonengebunden, da sie von einer Person erlebt werden. Und zum anderen treten diese
durch physiologische und somit auch häufig durch äußere Reaktionen der Personen
nach außen, wie beispielsweise Erröten vor Scham oder Schweißausbrüche vor Nervo-
sität. Da kollektive Emotionen ein soziales Phänomen darstellen, ist die psychologische
Herangehensweise an diese Thematik nicht ausreichend.
Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass Emotionen als psychische Prozesse ver-
standen werden, die einerseits einen engen Verbund zwischen Körper und Verhalten,
anderseits durch eine Abhängigkeit sozialer Prozesse entstehen (Riedl, 2008). Hierzu
lässt sich, wie bereits deutlich geworden ist, keine einheitliche Definition geben, da die-
se schlichtweg nicht existiert. Jedoch sind Emotionen als eine Art interner Eigenschaf-
ten zu sehen, welche subjektiv wahrgenommen werden und deshalb schwer zu definie-
ren sind. Emotionen können in vielfältiger Weise am Verhalten erkannt werden: durch
den Ausdruck des Gesichts, der Körperhaltung und der Tonlage der Stimme. Um die
eigenen Emotionen zu benennen, oder diese anderen zu zeigen, wird ein weiteres In-
strument benötigt, die Sprache. Da Emotionen jedoch nicht einheitlich greifbar und defi-
nierbar sind ist es schwierig, sie konkret mit dem zur Verfügung stehenden Sprachma-
terial auszudrücken. Viele Menschen haben selbst Probleme damit, ihre eigenen Gefüh-
le in Worte zu fassen, weshalb es dann verständlicherweise noch schwieriger wird, die-
se für Außenstehende verständlich zu machen.
Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Emotionen im Fußball. Analyse von kollektiven Emotionen im Stadion
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V371579
ISBN (eBook)
9783668532083
ISBN (Buch)
9783668532090
Dateigröße
1242 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emotionen, fußball, analyse, stadion
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Emotionen im Fußball. Analyse von kollektiven Emotionen im Stadion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371579

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