Der Prophet Elisa als Nachfolger Elias


Referat (Ausarbeitung), 2016

7 Seiten, Note: 2,0

T. Woodpecker (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.
1.1. Fragestellung.

2. Die Propheten Elia und Elisa.
2.1. Der Aufbau der Elia- und Elisa-Überlieferung innerhalb der Könige-Bücher
2.2. Der Auftrag der Propheten Elia und Elisa.
2.3. Die Himmelfahrt Elias und der Nachfolger Elisa.
2.4. Der Dienst Elisas.

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Elia und Elisa stellen in vielerlei Hinsicht zwei der faszinierendsten Propheten des Alten Testamentes dar. So nimmt die Elia- und Elisa-Überlieferung innerhalb der vorderen Propheten einen recht großen Raum ein. In den Büchern der Könige ist neben dem Propheten Samuel von keinem anderen Propheten so viel zu lesen wie von Elia und Elisa. Zudem kennt die biblische Überlieferung kein anderes Prophetenpaar, bei dem von einer direkten Berufung des Nachfolgers durch den Vorgänger berichtet wird.[1]

1.1. Fragestellung

In der Betrachtung von Elisa als Nachfolger Elias gibt es in der Forschung immer wieder unterschiedliche Meinungen darüber, in wie weit Elisa als gleichwertiger Prophet im Vergleich zu Elia anzusehen ist.
Unumstritten ist in der Regel die Wertschätzung und besondere Rolle Elias´ als Prophet. So schreibt z.B. der Alttestamentler Crüsemann, der sich besonders mit dem Propheten Elia auseinandergesetzt hat: „In jüdischer wie in christlicher Überlieferung ist Elia eine Gestalt, die an Bedeutung selbst die Größten noch übertrifft“[2]. So findet Elia auch immer wieder Anklang im Neuen Testament etwa bei der Verklärungsgeschichte in Mk 9,1-8 oder im Bezug auf Johannes den Täufer den einige für den wiedergekommen Elia halten.

Hingegen ist die Bedeutung von Elisa als Propheten unter den Auslegern umstritten. Vor allem im Vergleich mit Elia wird dieser oft zurückgestuft. Hierzu schreibt Wellhausen, dass Elisa zwar den Mantel von Elia erhielt, jedoch nicht seinen Geist. Hingegen gibt es auch Ausleger, die zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. So bezeichnet Volgger Elisa in seinem Buch „Tora“ als einen zweiten, anderen Elia.

Aufgrund dieser sehr unterschiedlichen Einschätzungen zu Elisa lohnt die Betrachtung von Elisa als Nachfolger von Elia. So sollen nachfolgend Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Propheten betrachtet werden, um die Frage zu beantworten in welchem Grad und in welcher Form Elisa als Nachfolger von Elia gesehen werden kann.[3]

2. Die Propheten Elia und Elisa

2.1. Der Aufbau der Elia- und Elisa-Überlieferung innerhalb der Könige-Bücher

In den Könige-Büchern sind neben den Königen vor allem Propheten wichtig. So werden z.B. der Prophet Natan (1.Kön. 1), Ahija (1.Kön. 11-15), Jehu (1.Kön. 16), Jona (2.Kön. 14) und Jesaja (2.Kön. 19f) namentlich genannt. Zudem ist auch immer wieder von „Propheten“ im Allgemeinen die Rede. Ihr Auftrag ist insbesondere die Ankündigung oder Begründung von Gericht über Israel und Juda.

Die Propheten Elia und Elisa nehmen hierin eine Sonderrolle ein. So ist die Beschreibung der Geschichte der beiden Propheten innerhalb der Könige-Bücher sehr ausführlich. In keinem anderen Teil der Könige-Bücher kommen Propheten in so dichter Weise vor und stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Über Elia wird dabei in sechs Kapiteln berichtet (1.Kön17-19; 2.Kön1-2) und Elisa wird sogar in neun Kapiteln erwähnt (1.Kön. 19; 2.Kön. 2-8.13). 2.Kön. 2 bildet dabei den Mittelpunkt der Könige Bücher und die Himmelfahrt Elias und die Reaktion Elisas wiederrum bilden das Zentrum von 2.Kön. 2. Zudem werden sie nicht nur mit ihrem Bezug zum jeweiligen König genannt, sondern stehen eindeutig im Mittelpunkt der entsprechenden Kapitel. Eine weitere Besonderheit von Elia und Elisa liegt darin, dass bei beiden Propheten über ihren Tod berichtet wird. Diese Berichte sind im Alten Testament nur mit den Berichten über das Lebensende von Mose vergleichbar.

Dabei sei jedoch gesagt, dass sich gerade im Tod der beiden Propheten auch ihre Eigenständigkeit und Unterschiedlichkeit zeigt. So wird Elia in den Himmel hinaufgehoben, während Elisa an Krankheit einen irdischen Tod stirbt.[4]

In einer Zeit, in der die Könige in der Aufgabe das Volk zu führen versagten, übernahmen die Propheten selbst die Leitung über das Volk Israel und werden so quasi zu „Königen inkognito“ Somit stehen die beiden Propheten Elia und Elisa nicht zu Unrecht im Zentrum des Könige-Buches.[5]

2.2. Der Auftrag der Propheten Elia und Elisa

Elia erhält von Gott in 1.Kön. 19,15-19 drei Aufträge, die er ausführen soll. Nur einen, nämlich die Salbung Elisas, führt er selber aus. Die anderen Aufträge, die Auslöschung des Baalskultes und die Salbung der beiden Könige Hasael und Jehu, werden durch seinen Nachfolger Elisa vollendet.

- Die Berufung von Elisa durch Elia als seinen Nachfolger

„Aber der HERR sprach zu ihm: Geh wieder deines Weges durch die Wüste nach Damaskus und geh hinein und salbe Hasaël zum König über Aramund Jehu, den Sohn Nimschis, zum König über Israel und Elisa, den Sohn Schafats, von Abel-Mehola zum Propheten an deiner statt.“ (1Kön 19,15-16)

Elia erhält von Gott neben weiteren Aufträgen auch den Auftrag, Elisa zu berufen und „ zum Propheten an deiner statt“ zu salben. Diese Form der Berufung eines Propheten durch einen anderen ist einmalig in der alttestamentlichen Überlieferung. Das heißt nicht, dass es auszuschließen ist, dass es solch einen Vorgang noch öfter gab, aber die Überlieferung schweigt darüber. Dort, wo von der Berufung eines Propheten die Rede ist, ist es Gott selber der beruft, so z.B. in Jer, 1,4-5 wenn es dort heißt:

„Und des HERRN Wort geschah zu mir:Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“

Als einzige Parallele zu der Berufung von Elisa durch Elia kann die Nachfolge von Mose durch Josua gesehen werden. In Num. 27,12-23 wird Josua durch Mose berufen und in sein Amt eingeführt, jedoch gibt es auch einige Unterschiede.

Josua wird weder im Pentateuch noch im Buch Josua selber als Prophet bezeichnet.

Josua wird von Mose als sein Nachfolger eingesetzt, der sein Werk fortführen soll, aber er ist kein zweiter Mose.

Josua stand schon vor seiner Berufung zu Moses Nachfolger in dessen Diensten (Ex 24,13; 33,11). Bei Elia und Elisa ist eine Verbindung vor der Berufung nicht zu erkennen.[6]

- Der Kampf gegen den Baalskult

Der Kampf und die Auseinandersetzung mit dem Baalskult sind das zentrale Thema der Elia-Überlieferung. Die erste Erwähnung des Wortes „Baal“ im Buch der Könige findet in 1.Kön. 16,31 statt und geht der ersten Erwähnung von Elia unmittelbar voraus. Elia, der sich auf den Gott Israels berufend den religiösen und kultischen Neuerungen des Königs Ahab und vor allem seiner Frau Isebel wiedersetzt, stellt damit „Gottes Opposition“ dar.[7]
Der Höhepunkt dieses Kampfes findet sich wohl in 1.Kön. 18 mit dem Gottesurteil am Karmel. In 2.Kön. 1 kündigt Elia den Tod von König Ahasja an, nachdem dieser aufgrund seiner Verletzungen Männer ausgesandt hatte, um den Baal-Sebub zu befragen.[8]

Während Elia zeit seines Lebens mit Königen zu tun hatte, die den Baalskult förderten, zeichnet sich bei Elisa ein anderes Bild.

Joram, ein Sohn von Ahab und Isebel, wird König in Israel und lässt die Baals-Statue, die sein Vater gemacht hatte, zerstören. Ob es noch weitere Handlungen in diese Richtung gab, ist nicht sicher zu sagen. Auch heißt es über Joram in 2.Kön. 3,2: „…und er tat, was böse war in den Augen des Herren, …“.

Vielleicht war dies jedoch der Auftakt zu einem Wandel in Israel. Wie zu Beginn tritt der Baalskult und dessen Überwindung erneut auf, in 2. Kön. 9-12. Diesmal am Ende der Elisa-Überlieferung und zudem in umfassender und radikaler Form. Die Baalsthematik rahmt somit die Elisa-Überlieferung ein, jedoch nicht im negativen Sinne wie bei Elia, sondern im positiven.

Die Baalsthematik ist somit Bestandteil sowohl von der Elia- als auch der Elisa-Überlieferung, allerdings in antithetischer Weise.[9] [10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Die Himmelfahrt Elias und der Nachfolger Elisa

Die Himmelfahrt Elias´ ist ohne Zweifel das zentrale Ereignis in der Elia- und Elisa- Überlieferung. Elisa ist der einzige, der Elia begleitet, und somit auch der einzige direkte Zeuge der Himmelfahrt von Elia.

Bevor Elia in den Himmel hinaufgehoben wird, gewährt er Elisa noch, eine Bitte zu äußern, was er für ihn tun soll. Die Antwort Elisas wird unterschiedlich übersetzt und dementsprechend auch ausgelegt. Die verschiedenen Varianten spielen dabei auch eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Elisa als Nachfolger von Elia.

So übersetzt die Luther Bibel 2.Kön. 2,9 mit:

„Elisa sagte: Dass mir doch ein zweifacher Anteil von deinem Geist gegeben werde!“

Sie merkt jedoch an, dass auch eine zweite Variante möglich wäre. So könnte der „ ein zweifacher Anteil“ auch mit „zweidrittel von deinem Geist“ übersetzt werden. Die Aussage des „ ein zweifacher Anteil“ ist dabei nicht als maßlos oder überheblich zu verstehen, sondern spielt wohl auf das Recht des Erstgeborenen an, wenn es um die Verteilung des Erbes ging. Dem Erstgeborenen stand in Israel ein doppelter Anteil vom Erbe zu, wenn der Besitz nach dem Tod des Vaters aufgeteilt wurde.[11]

Während die einen also aus dieser Wendung schließen, dass Elisa hinter Elia zurückbleibt, sehen die anderen genau das Gegenteil bestätigt. Die Frage ist jedoch, ob nicht viel mehr die Taten Elisas Grund zur Beurteilung seines Amtes als Prophet sein sollten, als diese Stelle aus 2.Kön. 2,9. Entscheidend ist hier festzuhalten, dass Elisa den Geist, um den er bittet, mit dem Willen Gottes empfängt, denn dieser lässt ihn sehen wie Elia in den Himmel auffährt. Als sichtbares Zeichen für seine Nachfolgerschaft erhält Elisa den Mantel des Elia.

2.4. Der Dienst Elisas

Über die Frage wie die „Nachfolge“ Elisas zu Lebzeiten von Elia ausgesehen hat, wird nichts konkret berichtet. So wird Elisa nach seiner Berufung erst wieder bei der Himmelfahrt Elias erwähnt, worauf dann auch gleich der Einstieg in seine Nachfolge von Elia beginnt. Fortan ist es dann Elisa, der im Mittelpunkt der Berichterstattung steht. Betrachtet man jedoch z.B. 2.Kön. 2,3, so ist festzuhalten, dass die anderen Prophetenjünger Elia im Gespräch mit Elisa als „deinen Herren“ bezeichnen. Hieran zeigt sich, dass Elisa offenbar in einem anderen Verhältnis zu Elia stand als die Prophetenjünger. Auch wird er nicht wie der Diener Gehasi als solcher bezeichnet, sondern seine Rolle als Nachfolger wird betont. Zudem ist Elisa als einziger bei der Himmelfahrt des Elia anwesend und nach der Himmelfahrt Elias wird Elisa von den Prophetenjüngern auf die gleiche Weise Verehrung entgegengebracht wie es zuvor bei Elia der Fall war (s. 2.Kön. 2,15). In all diesen Punkten zeigt sich die besondere Meister-Jünger-Beziehung zwischen Elia und Elisa.[12] In 2.Kön. 3,11 wird Elisa als derjenige bezeichnet, „der Wasser über die Hände Elias goss“. Dieser Ausdruck wird allgemein so gedeutet, dass er für den Dienst steht, den Elisa Elia erwiesen hat. Ob dieser Ausdruck darüber hinaus noch eine weitere Bedeutung hat, kann nicht sicher gesagt werden. Auffallend ist jedoch, dass Wasser im Dienst und bei den Wundern Elisas immer wieder eine Rolle spielen.

- Elia und Elisa teilen mit dem Mantel das Wasser des Jordan (2.Kön. 2,8.14)
- Elisa macht schlechtes Wasser wieder gut (2.Kön. 2,19-21)
- Naaman soll siebenmal im Jordan untertauchen, um gesund zu werden (2.Kön. 5,10)
- Elisa holt ein Beil eines Prophetenjünger wieder an die Oberfläche, das zuvor ins Wasser gefallen war. (2.Kön. 6,1-7)

Somit vertreten einige Ausleger die Meinung, dass der Ausspruch „der Wasser über die Hände Elias goss“ eine Anspielung auf bereits gewirkte Wunder von Elisa sein könnte.[13]

[...]


[1] Vgl. H. Schmid, Elisa und Elia, Witten 2013, 1.

[2] Vgl. Albertz, Elia, in: H. Schmid, Elisa und Elia, Witten 2013, 4.

[3] Vgl. ebd., 4-5.

[4] Vgl. ebd., 16-17.

[5] Vgl. H. Schmid, a.a.o., 259.

[6] Vgl. H. Schmid, a.a.o., 43-44.

[7] Vgl. H. Egelkraut, Das Alte Testament, Entstehung- Geschichte- Botschaft, Gießen 1989, 310.

[8] Vgl. H. Schmid, a.a.o., 27.

[9] Vgl. H. Schmid, a.a.o., 28-29.

[10] Ebd., 30.

[11] Vgl. G. Hoinle, Elisa, Mann der Wunder, Schweinfurt 2012, 22.

[12] Ebd., 50-51.

[13] Vgl. H. Schmid, a.a.o., 52-53.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Der Prophet Elisa als Nachfolger Elias
Hochschule
Theologisches Seminar Adelshofen
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V372042
ISBN (eBook)
9783668503755
ISBN (Buch)
9783668503762
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prophet, elisa, nachfolger, elias
Arbeit zitieren
T. Woodpecker (Autor), 2016, Der Prophet Elisa als Nachfolger Elias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372042

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