Die Geschichte und Entwicklung der Migrations- und Integrationspolitik in Kanada, Vancouver


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 92%


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Migration in Kanada
2.1. Das kanadische Einwanderungssystem ab 1967

3. Vancouver
3.1. Die Entwicklung Vancouvers ab 1967

4. Politische Maßnahmen zur Migration und Integration
4.1. Staatliche Programme und Aufgaben
4.2. Provinziale Programme
4.3. Lokale Ebene

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hinsichtlich der derzeit in Deutschland geführte Debatte über die deutsche Migrations- und vor allem Integrationspolitik ist es hilfreich, durch einen Blick auf die außereuropäische Politik, neue Ansätze und Handlungsmöglichkeiten zu finden. Da aber Politik auch immer einen Spiegel der geschichtlichen Entwicklung darstellt ist es hierzu nötig sich mit der Geschichte und Kultur des Landes, also dem gesellschaftlichen Rahmen in welchem diese stattfindet, auseinanderzusetzen. Das gewählte Beispiel in dieser Hausarbeit ist die Stadt Vancouver in Kanada. In den Diskussionen der letzten Jahre ist Kanada aufgrund seines Punktesystems zur Einwanderung oft als Vorbild für eine restriktivere und auf Nützlichkeit ausgerichtete Einwanderungspolitik genannt worden. Aber welche Folgen ergaben sich aus dieser Politik? Und welche landesweiten und lokalpolitischen Maßnahmen wurden nach der Einwanderung zur Integration der Migranten genutzt? Am Beispiel Vancouver soll aufgezeigt werden wie und in welchem Umfang die kanadische Gesellschaft mit Neuankömmlingen umgeht und welche Folgen und Schwierigkeiten daraus hervorgegangen sind.

2. Geschichte der Migration in Kanada

Kanada wurde von Großbritannien als Gegenmaßnahme zur Ausbreitung der Vereinigten Staaten von Amerika als „Dominion of Canada“ 1867 gegründet (Scott, S. 2010: 97). Das Land war aufgrund seiner Gründung und Besiedlung durch England und Frankreich vor allem europäisch geprägt. Eine Einwanderung seitens asiatischer Siedler war, trotz der Ausdehnung des Landes bis zur pazifischen Küste, kaum gegeben und auch politisch nicht gewollt. Als Beispiel hierfür kann der „Chinese Immigration Act“ von 1885 gesehen werden. Dieses Gesetz verlangte von chinesischen Arbeitern, welche nach Kanada immigrieren wollten, ab 1903 eine einmalige Steuer von $500. Dies entspricht heute inflationsbereinigt einer Summe von über $10.000. Zudem wurde ab 1923 die Migration von Chinesen auf 4 Klassen (Diplomaten, in Kanada geborene Nachkommen, Händler und Studenten) weiter eingeschränkt (Canadian Museum of Immigration at Pier 21 :2016). Mit Beginn des ersten Weltkriegs im Jahre 1914 brach die Zahl der Einwanderer nach Kanada, von annährend 400.000 auf ca. 50.000 Personen jährlich, zum ersten Mal stark ein. Während des 2. Weltkrieges fielen die Zahlen sogar auf unter 10.000 Personen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Histogram (Research and Evaluation Branch Citizenship and Immigration Canada 2015

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges erholten sich die Zahlen schnell. Zwar wurde der „Chinese Immigration Act“ 1947 aufgehoben, andere Restriktionen aber eingeführt oder verschärft. Wie schon vor den Kriegen waren es aber vor allem Einwanderer aus Europa die nach Kanada zogen (Green & Green 1996: 13). Die größte Änderung der Immigrationspolitik in der Nachkriegszeit fand 1967 statt. Mit Einführung des Punktemodells fand eine Wandlung des Einwanderungssystems von einer europazentrierten Einwanderungspolitik hin zu einer eignungsbasierten Politik statt. Damit änderte sich auch die Zusammensetzung der Einwanderer stark. Waren vorher zwischen 80 und 90% der Zuwanderer Europäer, fiel ihr Anteil bis 1986 unter 30%, unter 25% im Jahr 1996 (Ley & Smith 1998: 38). Allerdings spielte auch die Weltpolitik eine große Rolle in dieser Veränderung. So nahm vor allem in den Jahren der Verhandlungen zwischen China und Großbritannien, bezüglich der Rückgabe von Hong-Kong an China die Zahl der Migranten aus dieser Region stark zu. (Hiebert 1999: 53). Aktuell dominieren weiterhin die Einwanderer aus der Pazifik Region die Statistik. Aus dieser Region stammten im Jahr 2014 etwa die Hälfte (48,8%) der Migranten, gefolgt von Afrika und dem Nahen Osten (23,9%) und erst an dritter Stelle Europa (12,6%) (Research and Evaluation Branch Citizenship and Immigration Canada 2015: 43)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Einwanderer nach Regionen und Klassen (Research and Evaluation Branch Citizenship and Immigration Canada 2015:23)

Wie in der Grafik erkennbar ist, machen hierbei „Economic immigrants“ den größten Teil der Einwanderer aus. Dies ist eine Folge der kanadischen Einwanderungspolitik und ergibt sich aus den Kategorien nach denen Einwanderer in Kanada eingeordnet werden.

2.1. Das kanadische Einwanderungssystem ab 1967

Wie aus dem vorangehenden Textabschnitt ersichtlich, hatte die Veränderung der kanadischen Einwanderungspolitik einen erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Migranten in Kanada. Daher ist es lohnend dieses Model genauer zu betrachten. Im Jahr 1962 sagte der damalige Minister für Immigration und Staatsbürgerschaft:

„We shall do our best to admit as immigrants individuals and families who are personally suitable and who have the required background and training to become worthwhile citizens. The key to our immigration policy will be the consistent application of proper selection standards designed to bring the best possible settlers to Canada.” (Fairclough 1962 nach (Green & Green 1996: 16)). Ziel sollte also nicht mehr die Auswahl nach Herkunft, sondern nach Eignung sein.

Um dieses zu erreichen wurden im ersten Schritt die bestehenden Restriktionen in Bezug auf die Herkunft abgeschafft. Im zweiten Schritt wurde 1967 ein neues System etabliert, welches die Einwanderer in verschiedene Kategorien einteilt. Die damaligen Kategorien waren Sponsored (nahe Verwandte kanadischer Staatsbürger), Nominated (Einwanderer mit entfernten kanadischen Verwandten) und Independent (unabhängige Einwanderer) (Canadian Museum of Immigration at Pier 21 2016). Nur die Gruppe der Sponsored Immigrants musste dabei nicht das ebenfalls neu eingeführte Punktesystem durchlaufen. Dieses diente ab 1967 dazu, die Eignung zur Immigration anhand objektiver Kriterien wie Sprachkenntnisse, Verwandtschaft in Kanada, Alter, Berufsfertigkeiten und Fachkräftebedarf festzustellen.

Im Jahr 1976 wurden die Kategorien in Family Class, Refugees und Independent neu geordnet. Außerdem wurden mit dem „Immigration Act“ eine enge Zusammenarbeit des Einwanderungsministeriums mit den Provinzen bezüglich Planung und Management festgelegt (Canadian Museum of Immigration at Pier 21 2016).

Die letzte große Änderung des Einwanderungsmodells fand 2002 mit dem „ Immigration and Refugee Protection Act “ statt, in dem die Einwanderungsbedingungen für Independent Immigrants durch höhere Anforderungen, und für Refugees durch Wegfall von Einspruchsmöglichkeiten, verschärft wurden. (Policy Horizons Canada o.J.)

3. Vancouver

Nachdem der Blick bisher vor allem auf ganz Kanada gerichtet war, gilt es nun die Auswirkungen der landesweiten Politik im lokalen Raum zu verorten. Die Küstenstadt Vancouver bildet das Zentrum der Metropolitan Area Vancouver. Die Stadt selbst hat 603.000 Einwohner (Stand 2011), der District Of Greater Vancouver mit den umliegenden Gemeinden wie Burnaby und New Westminster 2.280.000 Einwohner (Statistics Canada). Die Anzahl der Immigranten beträgt dabei 910.000, also ca. 40%. Dabei hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung seit der Einführung des „Immigration Act“ 1967 auch in der Metro Vancouver stark verändert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Lage Vancouvers (Wikimedia Commons 2009)

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte und Entwicklung der Migrations- und Integrationspolitik in Kanada, Vancouver
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Soziale Geographien von Städten
Note
92%
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V372994
ISBN (eBook)
9783668515031
ISBN (Buch)
9783668515048
Dateigröße
1309 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Kanada, Bevölkerungsentwicklung, Humangeographie
Arbeit zitieren
Thorsten Vogt (Autor), 2016, Die Geschichte und Entwicklung der Migrations- und Integrationspolitik in Kanada, Vancouver, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372994

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