Diese Arbeit befasst sich mit der Verschiedenheit von muslimischen und nichtmuslimischen Menschen im organisierten Sport vor dem Hintergrund ihrer Religion und Kultur. Sie soll Aufschluss darüber geben, inwiefern religiöse und kulturelle Unterschiede im Sport relevant gemacht werden und welche Folgen sie für die einzelnen Personen selbst und in der Gesellschaft haben.
Soziologische Begriffe und Theorien wie Fremdheit, körperliche Fremdheit, Habitus, Geschmack und symbolische Gewalt sollen erklärt werden und Entstehungsmechanismen von Exklusion und Ausgrenzung verstehbar machen. Diese theoretischen Begriffe sollen dann in einen sportlichen Kontext eingebettet werden, indem anhand von Beispielen bei sportlichen Interaktionen Fremdheitserfahrungen aufgewiesen werden sollen. Diese Arbeit soll ein Gegenstück zu dem sonst so verbreiteten integrativen Charakter des Sports leisten. Dennoch soll darauf verwiesen werden, dass Sport durchaus das Potenzial hat, einen Beitrag zur Integration zu leisten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER MIGRATIONSBEGRIFF
2.1 DEFINITION
2.2 ENTWICKLUNG DER ZUWANDERUNG NACH DEUTSCHLAND
3. EINBLICK IN DIE MUSLIMISCHE RELIGION UND KULTUR UND IHREM BEZUG ZUM KÖRPER MIT BESONDEREM AUGENMERK AUF DIE FRAUEN
3.1 DAS RICHTIGE VERHALTEN IM ISLAM
3.1.1 ERZIEHUNG NACH MUSLIMISCHER MABGABE
3.2 DER KÖRPER, SPORT UND BEWEGUNG IM ISLAM
3.2.1 RELIGIÖSE BEWEGUNGSPRAKTIKEN
3.2.2 DAS GEBET
3.2.3 DIE PILGERFAHRT NACH MEKKA
3.2.4 RITUELLE TÄNZE
3.3 SPORT AUS ISLAMISCHER PERSPEKTIVE
3.4 STELLUNG DER FRAU IM ISLAM UND IHR BEZUG ZUM SPORT
3.5 ZUSAMMENFASSUNG
4. SPORT IN DEUTSCHLAND
4.1 GRUNDZÜGE DES CHRISTENTUMS
4.2 BEZÜGE UND HALTUNGEN ZUM KÖPER AUS CHRISTLICHER SICHT
4.3 SPORT AUS CHRISTLICHER SICHT
4.4 STELLENWERT DES SPORTS IN DEUTSCHLAND
5. FREMDHEITSBEGRIFF
5.1 FREMDHEIT – EINE BEGRIFFSERKLÄRUNG
5.1.1 FREMDHEIT ALS BEZIEHUNGSERFAHRUNG
5.1.2 FREMDHEIT ALS ORDNUNGSSTIFTER
5.1.3 FREMDHEIT ALS SYMBOLTRÄGER
5.2 KÖRPERLICHE FREMDHEIT IM SPORT
6. HABITUS-THEORIE VON BOURDIEU
6.1 HABITUS
6.2 GESCHMACK
6.3 SYMBOLISCHE GEWALT
6.4 HABITUS UND KÖRPERLICHE FREMDHEIT AM BEISPIEL DEUTSCH-TÜRKISCHER FUSSBALLSPIELE
7. FREMDHEIT IN DER ÖFFENTLICHEN WAHRNEHMUNG AM BEISPIEL DER OLYMPISCHEN SPIELE 2016
8. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Menschen im organisierten Sport. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie religiöse und kulturelle Unterschiede in sportlichen Kontexten zu Fremdheitserfahrungen führen und welche Auswirkungen dies auf die Partizipation und Integration hat.
- Analyse des Migrationsbegriffs und der Zuwanderung nach Deutschland.
- Untersuchung der Bedeutung von Körper, Sport und Geschlechterrollen im Islam.
- Gegenüberstellung christlicher und islamischer Körper- und Sportverständnisse.
- Anwendung soziologischer Theorien (Fremdheit, Habitus, Symbolische Gewalt) auf sportliche Interaktionen.
- Diskussion von Integrationschancen und Ausschlussmechanismen im Vereinssport.
Auszug aus dem Buch
6.4 Habitus und körperliche Fremdheit am Beispiel deutsch-türkischer Fußballspiele
Sind zwei Personen in demselben Umfeld aufgewachsen und haben ähnliche Erfahrungen gemacht, dann kann auch der Habitus ähnlich sein, da sie wahrscheinlich dieselben objektiven Strukturen einer Gesellschaft übernommen und inkorporiert haben. Ist dies nicht der Fall und es kommt zu einem Zusammenstoß verschiedener Habitusformen, so kann dies in Fremdheit enden, da einem die entgegengebrachten Verhaltensweisen und Umgangsformen nicht vertraut erscheinen, sondern damit die eigenen, für sinnvoll erachteten, unhinterfragten Strukturen in Frage gestellt werden. Häufig ist dies der Fall, wenn Menschen mit Migrationshintergrund auf einheimische treffen (Bröskamp, 1994). Die folgenden Auszüge aus Zeitungsartikel sollen diese These untermauern und beschreiben Auseinandersetzungen im Amateurfußball, an denen Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt waren. Oftmals richtet sich die Aggression gegen die Schiedsrichter, da die türkischstämmigen Jugendlichen sich von den meist deutschen Schiedsrichtern benachteiligt fühlen. Sie führen die in ihren Augen parteiischen Pfiffe der Schiedsrichter auf den Migrationshintergrund zurück. Des Weiteren belegt es das auf S. 25 verwendete Zitat von Gunter Gebauer (1996), der die verschiedenen Spielauffassungen als Auslöser von Gewalt betitelt. Das Auftreten auf dem Spielfeld, aggressive Spielart oder provokative Äußerungen entspringen demnach tief in einem Menschen verwurzelten Habitus und kommen bei interethnischen Spielbegegnungen zum Vorschein (Bröskamp, 1994). Hingegen der Annahme soziale Differenzen und kulturelle Grenzen würden im Sport verschwinden, sind die folgenden Zeitungsartikelaussschnitte Belege dafür, dass kulturelle Unterschiede gerade im Sport zum Vorschein kommen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Relevanz kultureller und religiöser Differenzen im Sport ein und formuliert das Forschungsinteresse hinsichtlich der daraus resultierenden Fremdheitserfahrungen.
2. DER MIGRATIONSBEGRIFF: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Menschen mit Migrationshintergrund und skizziert kurz die historische Zuwanderungsentwicklung nach Deutschland.
3. EINBLICK IN DIE MUSLIMISCHE RELIGION UND KULTUR UND IHREM BEZUG ZUM KÖRPER MIT BESONDEREM AUGENMERK AUF DIE FRAUEN: Hier werden die Grundlagen des Islams, die Rolle des Körpers in religiösen Praktiken und die spezifische Situation muslimischer Frauen im Sport dargelegt.
4. SPORT IN DEUTSCHLAND: Das Kapitel beleuchtet das christlich geprägte Sport- und Körperverständnis in Deutschland und setzt dieses in den Kontext des Stellenwerts von Sport in der hiesigen Gesellschaft.
5. FREMDHEITSBEGRIFF: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Fremdheitsbegriffs sowie die Analyse von Fremdheit als Beziehungs-, Ordnungs- und Symbolkategorie.
6. HABITUS-THEORIE VON BOURDIEU: Die Begriffe Habitus, Geschmack und symbolische Gewalt nach Pierre Bourdieu werden erläutert und anhand von Konflikten in deutsch-türkischen Fußballspielen veranschaulicht.
7. FREMDHEIT IN DER ÖFFENTLICHEN WAHRNEHMUNG AM BEISPIEL DER OLYMPISCHEN SPIELE 2016: Anhand des medialen Diskurses um die Beachvolleyballerinnen bei Olympia 2016 wird die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Fremdheit aufgezeigt.
8. FAZIT: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Bedeutung der Thematik für eine gelungene Integration im Sport betont.
Schlüsselwörter
Integration, Sportsoziologie, Fremdheit, Islam, Habitus, Pierre Bourdieu, Migration, Körperbild, Geschlechterrollen, Symbolische Gewalt, Amateurfußball, Interkulturalität, Identität, Diskriminierung, Vereinswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von religiösen und kulturellen Unterschieden auf die Partizipation von Migranten im organisierten Sport, insbesondere unter dem Aspekt der Fremdheitswahrnehmung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Islam im Sport, das christlich geprägte deutsche Sportverständnis, soziologische Fremdheitstheorien sowie der Einfluss von Habitus und symbolischer Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu verstehen, wie kulturelle und religiöse Hintergründe zu Exklusion und Fremdheitsgefühlen im Sport führen können und welche soziologischen Mechanismen dahinterstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Begriffe und einer diskursiven Betrachtung von Fallbeispielen aus dem Amateurfußball und den Olympischen Spielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Migrationsbegriff, Fremdheit, Bourdieu) sowie die Anwendung dieser Theorien auf den Sport und die spezifische Situation muslimischer Migranten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Integration, Fremdheit, Habitus und interkulturelle Konflikte im Vereinssport geprägt.
Inwiefern spielt der Habitus-Begriff eine Rolle?
Der Habitus erklärt, warum Menschen unterschiedlicher Herkunft in Konfliktsituationen auf dem Spielfeld instinktiv unterschiedlich reagieren, da sie durch ihre Erziehung und ihr soziales Umfeld geprägt sind.
Warum werden die Olympischen Spiele 2016 als Fallbeispiel gewählt?
Das Beispiel verdeutlicht, wie mediale Berichterstattung über sichtbare religiöse Symbole wie das Kopftuch Fremdheitsbilder in der Öffentlichkeit aktiv mitkonstruieren kann.
- Arbeit zitieren
- Nabil El-Kaakour (Autor:in), 2016, Körperliche Fremdheit und daraus resultierende Grenzen der Partizipation. Organisierter Sport vor dem Hintergrund kultureller und religiöser Zugehörigkeit mit Blick auf den Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373045