Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Der Memoiren erster Teil - Der Aspekt des Künstlermotivs


Hausarbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte des Romans und Inhaltsüberblick

3. Manifestation des Künstlermotivs im Protagonisten Felix Krull

4. Analyse verschiedener Kapitel in Hinblick auf das Künstlermotiv
4.1 Erstes Kapitel im ersten Buch
4.2 Fünftes Kapitel im ersten Buch
4.3 Fünftes Kapitel im zweiten Buch
4.4 Neuntes Kapitel im zweiten Buch
4.5 Viertes Kapitel im dritten Buch
4.6 Fünftes Kapitel im drittes Buch

5. Resümée

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Felix Krull wird nach Intention Thomas Manns als eine „Art von Künstlernatur“[1] gesehen. Nach Lektüre des Romans Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull könnte diese Ansicht einem heutigen Publikum gewiss etwas befremdlich erscheinen.

Auch ist mir bei einem Vergleich mit verschiedenen anderen Romanen und Erzählungen Thomas Manns, wie beispielsweise Die Buddenbrooks, Tonio Kröger, Der Tod in Venedig, Mario und der Zauberer und Tristan die verschiedenartige Darstellung des Künstlermotivs aufgefallen.

Daher möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit der Darstellung des Künstlermotivs auseinandersetzen, wie es Thomas Mann zum Zeitpunkt der Entstehung des Romans angelegt hat. Desweiteren werde ich näher darauf eingehen, wie sich dieses Motiv im Protagonisten Felix Krull manifestiert.

Ich werde mit einer kurzen Beschreibung der Entstehungsgeschichte und einer Inhaltsübersicht über den Roman, der aus drei Büchern besteht, beginnen. Dem soll eine genaue Beschreibung des Künstlermotivs, wie es in diesem Roman angelegt ist, folgen und schließlich möchte ich an Hand verschiedener Kapitel, zwei Kapitel aus jedem der drei Bücher, die Ausführung dieses Motivs zeigen, um mich mit der Fragestellung auseinander zu setzen, ob Felix Krull als Künstler im Sinne Manns dargestellt wird.

2. Entstehungsgeschichte des Romans und Inhaltsüberblick

Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann ist das Ergebnis Jahrzehnte langer Arbeit, da zwischen dem Beginn und der Vollendung des Romans 40 Jahre liegen. Tatsächlich stammen die ersten Notizen schon aus dem Jahre 1905, die Arbeit am Werk beginnt aber erst fünf Jahre später. „Ich sammle, notiere und studiere für die Bekenntnisse des Hochstaplers, die wohl mein Sonderbarstes werden. Ich bin manchmal überrascht, was ich dabei aus mir heraushole“, schreibt Thomas Mann an seinen Bruder Heinrich am 10.1.1910.[2] Nachdem er die Arbeit im Sommer 1911 unterbricht, um Tod in Venedig zu schreiben, beendet er das erste Buch zwei Jahre später, welches dann 1922 unter dem Titel Buch der Kindheit veröffentlicht wird. In der diesmal sehr langen Phase der Unterbrechung, die auch im Roman am Anfang des Zweiten Buches thematisiert wird,

„Lange haben diese Papiere unter Verschluß geruht; wohl ein Jahr lang hielten Unlust und Zweifel an der Ersprießlichkeit meiner Unternehmung mich ab, in treusinniger Folge Blatt auf Blatt schichternd, meine Erkenntnisse fortzuführen.“

schreibt er den Zauberberg.

Dem folgt 1937 eine weitere, um ein fragmentarisches zweites Buch erweiterte Ausgabe. Als dann der heute vorliegende Roman 1954 veröffentlicht wird, trägt er in Erwartung einer Fortsetzung, die jedoch nie zu einer Ausführung gelangt, den Untertitel Der Memoiren erster Teil[3].

Als „Bekenntnisroman“, wie der Titel ihn postuliert, schließt er an eine Tradition autobiografischer Literatur an, wobei jedoch Goethes Dichtung und Wahrheit maßgeblich den Stil vorgibt[4]. Desweiteren gilt auch Georges Manolescu mit seinem Hochstaplerroman Memoiren als Anregung für die Anlage der Hochstaplerfigur Felix Krull[5]. Hochstapler-Figuren tauchen in der Zeit des Umbruchs immer wieder auf, und die Entstehungszeit des Romans fällt in eine solche.

Der Roman ist in drei Bücher gegliedert, wobei die ersten beiden jeweils aus neun, das dritte aus elf Kapiteln bestehen.

Das erste Buch, das zuerst unter dem Namen Buch der Kindheit erscheint, bezieht sich auch auf die Kindheit und Jugend Felix Krulls. Diese Jahre werden daher als Lehrjahre[6] bezeichnet.

Im zweiten Buch werden die Wanderjahre[7], die Zeit in der Krull den Weg von Frankfurt nach Paris zurücklegt, dargestellt. Dort beginnt er als Liftboy im Hotel „Saint James and Albany“ zu arbeiten. Durch Betrug zuerst, dann durch Charme gelingt es ihm, sehr viel Geld zu erwerben, dessen er sich später bedienen wird.

Das dritte Buch schließlich widmet sich den Meisterjahren[8]. Nun führt er ein Doppelleben zwischen ‚Herr von Distinktion‘ und Kellner, zu welchem er sich bereits hochgearbeitet hat. Durch den Rollentausch mit dem Marquis Venosta, an dessen Stelle Krull eine Weltreise machen soll, gelangt er nach Lissabon. Die Begegnung mit Professor Kuckuck, später mit dessen Frau und Tochter, bilden den Abschluss.

Dem immer wieder im Roman angedeuteten Aufenthalt im Zuchthaus wird nicht Rechnung getragen, sowie auch die geplante Weltreise nie schriftlich zu ihrer Ausführung gelangt, obwohl beides geplant ist, wie aus dem Titelzusatz der Memoiren erster Teil zu ersehen ist.

3. Manifestation des Künstlermotivs im Protagonisten Felix Krull

Den Protagonisten Felix Krull als Künstler aufzufassen, dürfte einem heutigen Publikum sicher widerstreben, daher ist es als notwendig zu erachten, den Künstlerbegriff Thomas Manns etwas näher zu bestimmen.

Krull ist nicht mit Manns früheren Künstlerfiguren wie Tonio Kröger, Gustav von Aschenbach oder Thomas aus dem Roman Die Buddenbrooks zu vergleichen, die selbstquälerisch zwischen Leben und Künstlertum umherirren[9]. Damit wird die Künstlerproblematik verändert, ja eigentlich kann gar nicht mehr von Problematik gesprochen werden, da hier der Versuch unternommen wird, Künstlertum und lebensfähige Begabung zu vereinigen. Krull bejaht das Leben in allem was dieses ihm zugedacht hat und zugedenken wird. Somit wirkt Krull eher wie eine Parodie auf die Künstlergestalten Manns früherer Werke. Er statuiert das Exempel von Nietzsches Künstlerbegriff, welcher den Künstler als „Schauspieler und Komödiant“ begreift. Auch die Wagner-Kritik Nietzsches, derer Mann- als großer Wagner-Verehrer, der diese Verehrung einer Revision unterziehen will- sich anschließt, ist ausschlaggebend für die Anlage der Figur des Felix Krull. Nietzsche bezeichnet Wagner als modernen Künstler par excellence[10] und dessen Kunst sei kein schöpferisches Werk mehr sondern vielmehr ein Aneinanderreihen von Details, ohne dass diese eine Einheit bildeten. Wagner selbst wird von Nietzsche als „historio, der größte Mime, das erstaunlichste Theatergenie, das die Deutschen gehabt haben, unser Sceniker par exellence“[11] bezeichnet. Weiterhin sagt Nietzsche, dass der Charakterverfall, welcher sich wiederum auf Wagner bezieht, zur „Heraufkunft des Schauspielers in der Musik“ führe und somit Kunst lediglich als Rollen- und Maskenspiel und als Parodie verstanden werden kann.

Damit wäre der Künstlerbegriff, welcher der Anlage der Krull- Figur zu Grunde liegt erklärt- nicht mehr die Kreativität ist das Hauptcharakteristikum des „modernen Künstlers“ sondern derjenige, der den Mangel derselben gut zu überspielen weiß und einen guten Schauspieler darstellz.

So ist auch Krull ein Erlebniskünstler, der nicht eigene Werke schafft sondern die anderer imitiert, wobei die Kunst aus der Selbstinszenierung besteht.

Bei einem Vergleich mit anderen Figuren aus Thomas Manns Werken, ist ebenfalls festzustellen, dass diese ihre Grenzen haben und an der Begrenztheit ihrer Individualität leiden. Daraus resultiert ihr Streben nach willenloser Selbstaufgabe. Felix Krull hingegen nimmt immer andere Rollen an, sowie es die Aufgabe des Schauspielers ist. Ganz im Sinne Schopenhauers, der die Welt als Illusion betrachtet, fasst auch Krull sie auf und macht sie zu seiner Bühne. „Charmeur und Liebhaber einer Welt, die getäuscht werden will, und die ihrerseits ein Blendwerk ist gleich ihm selbst, so daß das ganze auf eine wechselseitige Illusionierung hinausläuft.“[12] Die Welt will geradezu von ihm getäuscht werden, so dass immer neue Rollen, die später noch genauer ausgeführt werden sollen, an ihn heran getragen werden. Der Erlebniskünstler manifestiert sich im Schauspielern und somit auch im Vorspielen, also im Blenden.

Daran schließt sich ein anderer Aspekt, den Nietzsche anspricht, an und der den Zusammenhang zwischen Genialität und Kriminalität behandelt. Thomas Mann war besonders von dem 389. Aphorismus in Nietzsches Werk Der Wille zur Macht beeindruckt, in welchem dieser Krankheit- der Künstler als Neurotiker- und die eben angesprochenen Aspekte dem gleichen Ursprung zuschreibt.[13]

Anschließend an die Wagner-Kritik widmet sich Thomas Mann in einem nicht vollendetem Essay, das er 1909 über Geist und Kunst schrieb, der Frage- Goethe oder Wagner. Die ersten Kapitel stehen damit in der Tradition Goethes. Wie bereits erwähnt, ist der Bekenntnisroman eine Anlehnung an das biografisch angelegte Werk Goethes Dichtung und Wahrheit, bei welchem Fiktion und Wirklichkeit ohne weiteres verschmelzen. Diese Autobiografie zeigt nämlich, dass eine Selbstdarstellung nicht unbedingt entblößend sein muss, sondern dass diese Repräsentation seiner selbst ebensogut auch wegweisend für andere sein kann[14].

[...]


[1] Mann (Nachwort von Hans Wysling), 1985, S.426

[2] Mann (Nachwort von Hans Wysling), 1985, S.425

[3] Ebd. S.444

[4] Meid, 1988, S.627

[5] Wysling, 1982, S.18

[6] vgl. Frizen, 1988, S.24

[7] Ebd. 1988, S.30

[8] Ebd. 1988, S.34

[9] Frizen, 1988, S. 10

[10] Nietzsche, VIII, 18: Der Fall Wagner

[11] Nietzsche VIII, 26: Der Fall Wagner

[12] Vorrede zu einer Lesung im Zürischer Schauspielhaus, 24.9.1951; In: Blätter der Thomas- Mann- Gesellschaft 5 (1965)

[13] vgl. Wyling, 1982, S.25

[14] vlg. Mann (Nachwort von Wysling), 1985, S.428

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Der Memoiren erster Teil - Der Aspekt des Künstlermotivs
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Literatur Thomas Manns
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V37341
ISBN (eBook)
9783638367141
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Aspekt des Künstlermotivs im Roman "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull- Der Memoiren erster Teil". Dafür stütze ich mich auf einzelne, bedeutungstragende Szenen, um anhand derer die Darstellung des Künstlermotivs zu untersuchen.
Schlagworte
Bekenntnisse, Hochstaplers, Felix, Krull, Memoiren, Teil, Aspekt, Künstlermotivs, Literatur, Thomas, Manns
Arbeit zitieren
Steffi Kny (Autor), 2003, Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Der Memoiren erster Teil - Der Aspekt des Künstlermotivs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37341

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