Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform für Startups


Studienarbeit, 2014

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Crowdfunding?
2.1. Entwicklung des Crowdfundings
2.2. Crowdfunding - Definition

3. Crowdinvesting
3.1. Ablauf und Beispiel
3.2. Marktsituation
3.3. Vor- und Nachteile gegenüber klassischen Finanzierungen

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Crowdfunding Ablauf

Abbildung 2: Companisto- Vorgehensweise

Tabelle 1: Eckdaten von der Plattform Companisto beim Start-up „sporTrade“

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Eine Geschäftsidee, aber kein Geld. Ist Crowdfunding die Alternative?" In den einschlägigen Blogs gilt die neue Finanzierungsart als das Modell welches die Banken in Zukunft ersetzten soll. Das Vorgehen ist dabei sehr einfach. Man stelle die Geschäftsidee oder das Projekt in einer Crowdfundingplattform, wie z. B. Startnext oder mySherpas, vor und lockt damit Investoren an, um das Projekt zu unterstützen. Die "crowd", also die Masse, hat beispielweise die Regisseure der Kultserie "Stromberg" für den aktuellen Kinofilm mit Kapital unterstützt.[1] Die Entwickler der auf Android basierenden open-source Spielkonsole "Ouya" haben mit Hilfe der Crowd über die Crowdfunding- Plattform Kickstarter ihr Projekt finanziert.[2] Innerhalb von nur 29 Tagen kamen dabei von 63.000 Unterstützern fast 8,6 Mio. USD zusammen.[3] Man findet zurzeit im Internet viele weitere erfolgreich abgeschlossene Projekte oder Gründungen neuer Unternehmen die über Crowdfunding finanziert worden sind. Die aktuellen Statistiken zeigen einen rasanten Anstieg des über Crowdfunding eingesammelten Kapitals. Allein im vierten Quartal des Jahres 2013 wurden auf den deutschen Crowdfunding-Plattformen über 1,9 Mio. EUR für Startups, Projekte oder Unternehmen eingesammelt, dies entspricht dem Volumen vom gesamten Jahr 2012.[4] Weltweit wurden im Jahr 2013 sogar 5,1 Mrd. USD eingesammelt.[5]

Die Schwierigkeit beim Erfassen dieses Themas besteht darin, dass Crowdfunding, zumindest in Deutschland, noch so neu ist, das es bislang nur wenige unabhängige empirische Daten gibt und auch die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema noch sehr überschaubar ist. Auf der anderen Seite, haben tausende begeisterte Anhänger webbasierte Artikel und Blog-Kommentare gepostet und auch die Printmedien haben begonnen dieses Thema aufzugreifen. Insgesamt gibt es dadurch viele verstreute Informationen die noch kein klares Bild von dem geben, was Crowdfunding wirklich ist und für wen es gemacht ist. In dieser Arbeit wird ein kurzer Überblick über das Thema Crowdfunding und den diversen Unterformen gegeben. Der Fokus liegt dabei auf Crowdinvesting als Finanzierungsform für Startups und neue Projekte. Letztlich soll aufgezeigt werden ob Crowdinvesting eine ernstzunehmende Alternative zu den klassischen Finanzierungsformen darstellt, auf welche aus Platzgründen nur oberflächlich eingegangen wird. Ebenso wird die recht komplexe und kaum eindeutige Rechtslage in dieser Seminararbeit ausgeklammert.

2. Was ist Crowdfunding?

2.1. Entwicklung des Crowdfundings

Schon im 18. Jahrhundert verkauften Mozart und Beethoven Konzerte und neue Kompositionen im Vorfeld über Subskriptionen an Musikkenner, um ihre Auftritte und den Druck ihrer Partituren finanzieren zu können.[6] Zur Finanzierung des Sockels für die bald aus Frankreich eintreffende Freiheitsstatue startete 1885 der Zeitungsverleger Joseph Pulitzer eine Aktion in der Zeitung New York World. Er rief die Bürger dazu auf, sich auch mit Klein- und Kleinstbeträgen finanziell zu beteiligen und versprach im Gegenzug die Veröffentlichung aller Namen in der Zeitung. Tatsächlich kam das Geld innerhalb von fünf Monaten zusammen. Der Großteil der Spenden lag im Bereich sogenannter Micropayments,[7] etwa 120.000 Beträge waren kleiner als ein Dollar[8]. Im Jahre 1997 sammelte die britische Band Marillion mit Hilfe des Internets von ihrer Fangemeinde 60.000 US Dollar ein, um damit ihre US- Konzerttour zu ermöglichen.[9] Inspiriert durch den Erfolg von Marillion wurde 2006 die Plattform Sellaband.de als erste offiziell so bezeichnete Crowdfunding-Plattform zur Finanzierung von Musikern ins Leben gerufen. Die Fans bekamen als Unterstützer eine Beteiligung an dem Albumverkauf und eine signierte CD von dem Künstler.[10] Die öffentliche Aufmerksamkeit nahm durch den Start der amerikanischen Seite kickstarter.com im Jahr 2009 weiter zu. Nach Angaben der Betreiber wurden mit Hilfe von kickstarter bisher 57.434 Projekte mit einem Volumen von über 1 Milliarden US Dollar über die Crowd finanziert.[11] Diese Zahlen belegen, dass sich Crowdfunding in den Vereinigten Staaten als Finanzierungsmodell bereits etabliert hat. In letzter Zeit wird man auch in Deutschland auf Crowdfunding aufmerksam, nicht zuletzt durch TV-Spots des Portals auxmoney.de welches sich als kommerzielle Vermittlungsplattform für Kleinkredite von Bürgern für Bürger etablieren will.

2.2. Crowdfunding - Definition

Der Neologismus "Crowdfunding", 2012 zum Anglizismus des Jahres gewählt[12], steht für die Finanzierung eines Vorhabens [funding] durch eine Vielzahl von Menschen [crowd]. Als Finanzierungsmöglichkeit mobilisiert Crowdfunding mögliche Geldgeber über einen öffentlichen Aufruf im Internet, um für ein Projekt, entweder mit oder ohne Gegenleistung, finanzielle Mittel einzusammeln. Ähnlich der traditionellen Mikrofinanzierung setzt sich Crowdfunding von vielen kleinen Mikro-Geldgebern aus der Web-Community zusammen.[13] In Deutschland wird Crowdfunding oft mit dem Wort „Schwarmfinanzierung“ gleichgesetzt. Dabei werden Projektideen von vielen Investoren oder Spendern unterstützt, indem sie Kleinbeträge in das Vorhaben investieren.[14] Die Kapitalanleger unterstützen die Umsetzung der Projekte aber oft nicht nur aus reiner Gewinnerzielungsabsicht, sondern auch aus sozialwirtschaftlichen Gründen.[15]

Crowdfunding ist einerseits Fundraising für kreative Projekte (zum Beispiel Film, Musik) aber auch eine Möglichkeit der Finanzierung von Unternehmen und Gründer (zum Beispiel Prototypen-Finanzierung, Eigen- und Fremdkapitalgewinnung). Ebenso tritt Crowdfunding für karikative Zwecke im Bereich Crowd Donation auf. Crowdfunding ist nicht nur für die Erhöhung der liquiden Mittel zur Finanzierung eines Startups oder Projekts nützlich, sondern auch um Informationen zu sammeln. Es bringt für die Projektgründer wesentliche Erkenntnisse, wenn das Projekt von vielen Menschen unterstützt wird. Da die Investoren oft auch die Rolle der Konsumenten einnehmen, kann es als Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Konsumenten gesehen werden.[16] Das Feedback der Investoren kann direkt in das Projekt integriert, werden wodurch diese und das Unternehmen langfristig eng aneinandergebunden werden. Beim sogenannten Crowd Sourcing beteiligt sich die Community auch mit Arbeitsleistungen oder Ideen an den Projekten.

Wichtigster Aspekt ist, dass das Crowdfunding grundsätzlich offen ist, sodass es jedem der möchte, möglich ist mitzumachen. Je nach Ziel des zu finanzierenden Projektes unterscheidet man zwischen den drei großen Unterarten Crowd Investing (Finanzierung von Firmen und kommerziellen Projekten), Crowd Lending (Kreditvergabe von und für Individuen) und Crowd Donation (Spenden an gemeinnützige Organisationen / Projekte). Im Vergleich zu klassischen Finanzierungsarten steht Crowdinvesting zwischen Business Angels und FFF (Friends, Family and Fans).[17] Business Angels Finanzierung entsteht aus einer kleinen Anzahl von Unterstützern, den sogenannten „Angels“, welche in der Regel Stiftungen oder wohlhabende Einzelpersonen sind. Crowdinvesting hingegen steht für eine große Anzahl von Kleininvestoren die gemeinsam, aber unabhängig voneinander, ein Projekt fördern. Crowdinvesting ist daher eine Art der Mikrofinanzierung durch die Masse.[18] Beim Crowdinvesting legen die Investoren die Höhe der Unterstützung an einem Crowdfunding-Projekt selbst fest. Dafür bekommen sie eine oder mehrere Gegenleistungen wenn das Projekt erfolgreich abgeschlossen ist. So erhalten sie beispielsweise ein Recht auf individuelle Geschenke als Dankeschön, Publicity in den Medien, Zinsen für Fremdkapitalgeber oder eine Gewinnbeteiligung.[19]

3. Crowdinvesting

3.1. Ablauf und Beispiel

„Unternehmensgründer kommen in der Regel nur schwer an Bankdarlehen und noch schwerer an Eigenkapital. Das Geschäft mit klassischen Börsengängen liegt ohnehin am Boden, erst recht für junge Unternehmen. Wenn sich Crowdfinance durchsetzt, dann wäre das eine echte Alternative zu Banken", sagt Torsten Schreiber, der die Plattform www.best-bc.de aufbaut.“[20] Die Innovation des Crowdfundings im Vergleich zu anderen Finanzierungsmethoden ist, dass beim Crowdfunding der Mittelsmann, also die Bank, nicht mehr gebraucht wird. Die Unternehmer sprechen die Investoren selbst an, die Kommunikation findet über das Internet statt.[21] Die Beteiligungsart, die Mindesthöhe einer Investitionseinlage und der Vertrag werden individuell zwischen dem Unternehmen und den Anlegern festgelegt.[22] Man kann, wie in der Abbildung 1 gezeigt, den Finanzierungsprozess beim Crowdfunding in drei Hauptphasen unterteilen. Diese sind die Vorbereitung, die Startphase (Crowdsourcing) und das Crowdfunding an sich. Die letzte Phase besteht aus der Bewerbung des Projekts und der eigentlichen Finanzierung.

Abbildung 1: Crowdfunding Ablauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://crowdfunding.startnext.de/tycon/pic.php?imgid=13137&width=620&height=

In der ersten Phase findet die Entwicklung der Projektidee statt. Der Projektinitiator stellt sein Vorhaben vor. Dabei kann er seine Idee als Text, mit Bildern und mit einem Video präsentieren. Wichtig ist vor allem die Festlegung der Finanzierungshöhe, des Finanzierungszeitraums und bis wann das Finanzierungsziel erreicht werden soll.

In der darauf folgenden Testphase des Projektes geht es hauptsächlich um die Feinabstimmung und Verbreitung. Um das Vorhaben schnell realisieren zu können dienen zur Verbreitung der Idee soziale Netzwerke, der Freundes- und Familienkreis, die Fans, Leser oder Hörer, als Katalysatoren. Viele Crowdfundingplattformen stellen für die Projekte soziale Netzwerke, einen Blog, eine Pinnwand und manche auch ein Projekt-Widget, welche in die Website des Unternehmers integriert werden können, zur Verfügung. Ziel in dieser Phase ist das Ansprechen und Aktivieren von Fans, Netzwerkern, sowie das Verbessern der Projektbeschreibung durch Auswertung der Rückmeldungen von potentiellen Investoren.[23] Während der „Projekt bewerben“-Phase werden Mundpropaganda, Internet- Plattformen sowie Blogs als Marketinginstrumente genutzt. Die Projektentwickler treffen sich mit Interessenten, hören deren Vorschläge an und motivieren sie, das Projekt an Freunde und Familie weiter zu empfehlen.[24]

In der letzten Phase soll das Projekt schließlich finanziert werden. Hier gilt das "Alles-oder-Nichts"-Prinzip. Das eingesammelte Kapital wird nur dann von der Plattform an das Unternehmen ausgezahlt, wenn das vorgegebene Budget innerhalb des vorher festgelegten Zeitraums komplett eingesammelt wurde. Anderenfalls wird das Geld an die Unterstützer zurückgegeben und das Projekt gilt als gescheitert.[25]

Ein sehr erfolgreiches Beispiel einer Crowdinvesting-Plattform ist companisto.de. Die 2012 gegründete reine Crowdinvesting-Plattform besteht aus Mikroinvestoren, die stille Beteiligungen von Startup-Unternehmen kaufen können.

Abbildung 2: Companisto- Vorgehensweise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.companisto.de/assets_tinymce/1339073819_How%20It% 20Works%20-%20Unterseite.jpg

Die sogenannten „Companisten“ geben Investitionskapital an Startups und werden damit Anteilseigner an den Unternehmen. Als Investoren erhalten sie eine Gewinnbeteiligung oder auch Erlöse bei der Unternehmensveräußerung. Der Gewinn und die Beteiligungsanteile werden wie bei einem Direktinvestor berechnet.[26] Anhand dieses Beispiels erhält man einen Überblick wie das Startup Unternehmen "sporTrade", ein online-Sportartikelhändler, mit Hilfe von Kleininvestoren unterstützt wurde.

Tabelle 1: Eckdaten von der Plattform Companisto beim Start-up „sporTrade“[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abgeschlossen wurde das Funding am 29.09.2012 durch 446 Investoren mit 20.000 verkauften Anteilen. Insgesamt erreichten sie 100.000 EUR investiertes Kapital mit den oben genannten Konditionen. Die Firma ist mit Ihrer Präsenz www.sportrade.de noch immer im Markt und verkauft aktuell 195.283 Produkte von 185 angeschlossenen Händlern.[28]

3.2. Marktsituation

Laut einer Studie der KFW Bankengruppe ist die Anzahl der Unternehmensgründungen zwischen 2000 und 2012 stark gesunken. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig und reichen von bürokratischen Hürden, administrativen und organisatorischen Schwierigkeiten bis hin zu finanziellen Risiken, der Belastung der Familie und vieles mehr.[29] Viele Unternehmensgründer haben es nicht leicht Fremd- oder Eigenkapital zu bekommen und mit einem Startup an die Börse zu gehen, ist heutzutage noch schwerer. Mit Crowdinvesting als innovativer, unkonventioneller und vor allem offener Form der Unternehmensfinanzierung kann man diese Finanzierungslücke heutzutage aber verkleinern oder gar schließen.[30]

Mit Hilfe der Crowdinvesting-Plattformen wurde eine Schnittstelle zwischen Investoren und Unternehmern geschaffen. Die Nachfrage nach Fremdkapital für Unternehmensgründer wurde traditionell von den Finanzinstituten, wie Banken, befriedigt. Die Banken vergeben in den letzten Jahren immer weniger Kleinkredite bzw. Mikrokredite.[31] Nicht alle Kleinkredite, die nachgefragt werden, werden auch von den Banken vergeben. Grund hierfür sind unter anderem die gestiegenen Anforderungen an die Risikovorsorge im Bankenbereich. Aufgrund der Größe und dem beschränkten Zugang zum Kreditmarkt, wegen z.B. geringer Bonität der Kreditnehmer oder zu kleiner Kreditsumme, lehnen die Banken Kreditanträge ab oder bieten nur Abwehrkonditionen an.

Eine Alternative sind Mikrokredite, die von der Bundesrepublik Deutschland angeboten werden (Konditionen siehe Anhang 1). Seit 2011 werden im Rahmen dieses Programms Kredite an Kleinunternehmen und Unternehmensgründer vergeben. Bis Januar 2012 wurden so 6.630 Kleinkredite vergeben, wobei das Gesamtvolumen lediglich 39,8 Millionen Euro betrug.[32] Auch Banken, wie z. B. die KFW Bankengruppe, bieten Kleinkredite für Unternehmensgründer an. Die Förderbank KFW macht für die Gründer das Angebot ERP-Gründerkredit bis 100.000 Euro. (Konditionen siehe Anhang 2).[33]

Im Normalfall sind Investoren die profitorientiert sind nur dazu bereit in ein Unternehmen zu investieren wenn es um eine hohe Rendite geht. Im Durchschnitt investieren Venture Capital Gesellschaften Beteiligungssummen von EUR 500.000 und Business Angels EUR 200.000 pro Unternehmen. Sie verlangen Renditen im zweistelligen Bereich, was für Startup-Unternehmen nur schwer möglich ist. Meist treten diese Gesellschaften erst auf wenn ein Startup bereits erste Erfolge vorzuweisen hat und helfen bei der Expansion. Obwohl die Startups gute Business-Pläne für ihre Projekte haben, werden diese kein Kapital von Venture Capital bekommen, da hier die Investitionssummen zu niedrig sind und der Erfolg fraglich ist. An dieser Stelle kommt Crowdinvesting ins Spiel.[34]

Als bankenunabhängige Alternative zur Beschaffung von Fremdkapital bieten sich jetzt die Crowdfunding-Plattformen an.[35] Zurzeit sind in Deutschland über 20 Crowdinvesting-Plattformen am Markt aktiv, wobei die größten Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch, Innovest, Deutsche Mikroinvest, Welcome Investment, Bergfürst und Companisto sind.[36] Das Crowdinvesting steigt in Deutschland stetig an. Wenn man die Zahlen von 2012 und 2013 vergleicht, stellt man eine vierfache Steigerung des eingesammelten Kapitals fest.[37] Dabei sind nicht nur kleine Startups die Umsatztreiber, sondern auch einige große Projekte. Die größten Crowdinvestingprojekte des Jahres 2013 sind im Anhang 5 aufgelistet. Crowdinvesting-Plattformen sorgen dafür, dass nach erfolgreicher Finanzierung, dem "Funding", die Investoren ihre Anteile erhalten, wie es im jeweiligen Vertrag festgelegt wurde. Sie übernehmen nicht nur die reine Abwicklung, sondern auch andere Dienstleistungen wie die Projektpräsentation und Bekanntmachung. Trotzdem gibt es zwischen den Anbietern unterschiedliche Geschäftsmodelle. Unterschiede bestehen beispielsweise bei der Mindestbeteiligungshöhe, diese bewegt sich zwischen 5 Euro und 1.000 Euro. Weitere Unterschiede gibt es bei der Art der Beteiligung. Möglich sind typische stille Beteiligung, atypische stille Beteiligung oder auch nicht verbriefte Genussrechte.

3.3. Vor- und Nachteile gegenüber klassischen Finanzierungen

Im Gegensatz zu den klassischen Business Angels- und Venture-Capital-Finanzierungen erhalten Gründer durch Crowdfunding, neben dem benötigten Eigen- oder Fremdkapital, gleichzeitig eine Vielzahl an Unterstützer, potentielle Kunden und Werbeträger. Die Investoren des Projektes werden zu Multiplikatoren, da sie im Freundes- und Familienkreis über das Unternehmen und dessen Produkte berichten. Dadurch wird der Bekanntheitsgrad gesteigert was einen echten Wettbewerbsvorteil bringt den es ohne die Crowd nicht geben würde. Zudem haben die Unterstützer, abgesehen vom materiellen Interesse, auch eine emotionale Bindung zum jeweiligen Projekt. Das risikolose Testen neuer Ideen seitens der Ideenhaber wird mit einer öffentlichen Wahrnehmung ermöglicht. Vereinfacht wird das Ganze durch die Möglichkeit, dem Investor mit geringen Beiträgen ein teilhabendes Gefühl zu vermitteln.[38] Wenn man die Mikrokredite vom Staat und Crowdlending-Plattformen vergleicht, locken die Crowdlending-Plattformen mit ihrer Flexibilität bzgl. Projektinhalts, Kreditantragverfahren oder auch individuelle Zinszahlungen eher Privatpersonen. Über Crowdlending-Plattformen werden fast alle Projekte oder Vorhaben unabhängig vom ihren Verwendungszweck mit Krediten versorgt. Die Mikrokredite richten sich eher an Kleinunternehmen die bereits gegründet sind und die besagten Eigenschaften erfüllen.

Beim Crowdinvesting werden Anlagen und Beteiligungen eines Startup- Unternehmen verkauft, d.h. die Wertpapiere werden an die breite Masse verteilt. Nicht alle Teilnehmer sind qualifizierte Anleger, wie bei der klassischen Beteiligungsfinanzierung, in dem sie laut § 2 Nr. 6 WpPG Investitionsentscheidungen fachlich und selbstständig treffen können. Beim Crowdinvesting sind die Investoren meist private Kleinanleger, die unerfahrene Öffentlichkeit, die nur wenige Informationen über die Investition besitzt.[39] Wenn man als Anleger über Crowd-Investing investieren möchte, bekommt man durch die Online-Plattformen selbst sehr wenig Beratung. Das bedeutet, dass der Investor selbst Informationen über die Gründer bzw. über das Projekt sammeln muss, da er alleine für die Entscheidungen verantwortlich ist. Man hat keine Garantien, dass das Projekt erfolgreich sein wird. Im Falle des Scheiterns hat man kein Recht auf Anlageentschädigung.[40] Das heißt, dass die Investoren einen Totalverlust ihrer Einlage einkalkulieren müssen. Bei manchen Plattformen werden die Business-Pläne streng geprüft und manchmal auch an die Investoren weitergegeben. Festzuhalten bleibt, dass Finanzierung über Crowdinvesting im Vergleich zur klassischen Beteiligungsfinanzierung viele Unsicherheiten mit sich bringt. Bestehende Gesetzte greifen in dieser Grauzone nur teilweise, Kleininvestoren sind dadurch nur wenig vor unseriösen Geschäftsmodellen geschützt. Während bei der normalen Beteiligungsfinanzierung der Investor jederzeit das Recht hat Aktien zu kaufen und zu verkaufen, gibt es dies beim Crowdinvesting durch Mindestbeteiligungsdauern und Kündigungsfristen nicht bei allen Plattformen. Ausnahme ist derzeit die Plattform Bergfürst. Dort kann man die eigenen Anteile handeln, falls man einen Käufer bzw. Verkäufer am Marktplatz findet.[41]

[...]


[1] vgl. Möthe, A.(2013) in Handelsblatt.de, S.1. und http://www.stromberg-der-film.de/

[2] vgl. Heywinkel, M. (2013) in Unicom.de. S.1

[3] http://www.kickstarter.com/projects/ouya/ouya-a-new-kind-of-video-game-console, Zugriff am 21.02.2014

[4] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/252351/umfrage/durch-crowd-funding-eingesammeltes-kapital-in- deutschland-nach-quartalen/, Zugriff am 02.03.2014

[5] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/258199/umfrage/weltweit-durch-crowdfunding-eingesammeltes-kapital/, Zugriff am 02.03.2014

[6] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./ Frey, S./ u.a. (2011), S.7

[7] Micropayments sind „kleine Beträge im Bereich von wenigen Cents und Euros. Viele CF-Projekte arbeiten vor allem mit Micropayments", Institut für Kommunikation in sozialen Medien (2011), S.4

[8] vgl. Lorenz, C. (2012), S.22

[9] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./ Frey, S./ u.a. (2011), S.7

[10] vgl. Kressner, T. (2010), in: Startnext.de. vom 24.11.2010, S.1

[11] https://www.kickstarter.com/help/stats?ref=footer, S.1, Zugriff am 08.03.2014

[12] http://www.anglizismusdesjahres.de/anglizismen-des-jahres/adj-2012/, S1, Zugriff am 25.02.2014

[13] vgl. Hemer, J. (2011), S.1

[14] vgl. Stahlmann, M (2013), S.16.

[15] vgl. Schenk, R. (2012), S.3

[16] vgl. Belleflamme, P./ Lambert, T./ Schwienbacher, A. (2011), S.10

[17] siehe Anhang 3

[18] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./ Frey ,S. u.a., (2011), S.21

[19] vgl. Kaltenbeck, J. (2011), S.14

[20] von Hiller, C./ Nestler, F. (2012), S.1

[21] vgl. Schwienbacher, A./ Larralde, B. (2010), S.4

[22] vgl. Doberstein, S. (2013), S.1

[23] vgl. Bartelt,D./ Theil, A. (2012), S.8

[24] vgl. Schenk, R. (2012), S.5

[25] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./ Frey, S. u.a. (2011), S.57

[26] https://www.companisto.de/how-companisto-works, Zugriff am 08.03.2014

[27] Selbsterstellte Tabelle anhand https://www.companisto.de/startups/sportrade-startup-22/overview, Zugriff am 21.12.2013

[28] http://www.sportrade.de, Abruf am 02.03.2014

[29] vgl. Ullrich, K./ Metzger, G (2013), S. 4

[30] vgl. Schenk, R. (2012), S.2

[31] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/28/deutschland-der-mittelstand-will-keine- kredite-mehr/, Zugriff am 27.02.2014

[32] http://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/microkreditfonds-uebertreffen-erwartungen.html, Zugriff am 21.12.2013

[33] vgl. KFW Bankengrupe (Hrsg.) (2013), S.1

[34] vgl. Kortleben, H./ Vollmar, B. (2012), S.7

[35] vgl. Koch, R. (2012), S.22

[36] vgl. Doberstein, S. (2013), S.1

[37] Siehe Anhang 4

[38] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./ Frey ,S. u.a., (2011), S.24 ff.

[39] vgl. Hemer, J./ Schneider, U./ Dornbusch, F./Frey ,S. u.a., (2011), S.55

[40] vgl. Schenk, R (2012), S.39

[41] vgl. Doberstein, S. (2013): S.2

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform für Startups
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Bankbetriebswirt (FS)
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V373927
ISBN (eBook)
9783668512177
ISBN (Buch)
9783668512184
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdinvesting, Crowdfinanzierung, Crowdfunding, Startup Finanzierung, Startkapital, Investement, Geld, Massen
Arbeit zitieren
Ronald Zietz (Autor), 2014, Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform für Startups, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373927

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