Die Hospizbewegung. Organisationsformen und Relevanz der Sozialarbeit


Hausarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Geschichte der Hospizbewegung

2. Organisationsformen
2.1 Ambulantes Hospiz
2.2 Stationäres Hospiz
2.3 Tageshospiz
2.4 Palliative Station

3. Betroffene
3.1 Gäste
3.2 Angehörige

4. Soziale Arbeit im Hospiz
4.1 Trauerbegleitung
4.2 Information und Beratung
4.3 Koordination der Ehrenamtlichen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Gesetztestexte

x Einleitung

Trotz der nahezu täglichen Präsenz des Thema Todes aufgrund von Terroranschlägen und Krieg in den Medien ist dieses Thema jedoch immer noch ein Tabu, worüber in der Gesellschaft geschwiegen wird.1 Klar zu sagen ist, dass der Tod ein natürlicher Prozess ist, welcher zum Leben dazu gehört. Sterben gilt nicht als eine Krankheit, sondern sollte als eine Lebensphase verstanden werden, in der die (restliche) Lebensdauer so angenehm und beschwerdearm wie möglich gestaltet wird. Diese Idee ist die Grundidee der Hospizbewegung sowie der Palliative Care.2

Palliative Care ist aus dem lateinischen Wort „Pallium“ welches zu Deutsch „Mantel“ sowie dem Englischen Wort „Care“ welches zu Deutsch „Sorge“ herzuleiten. Somit meint die Palliative Care die liebevolle Umhüllung im Sinne von Fürsorge.3 Sie meint anders wie bei der Behandlung in Krankenhäusern nicht die Heilung, sondern die Symptomlinderung.4

In dieser Arbeit wird sich im ersten Schritt mit der Geschichte der Hospizbewegung beschäftigt. Im weiteren Schritt werden die unterschiedlichen Organisationsformen sowie die Betroffenen Personen analysiert. Im letzten Schritt wird die Relevanz der Sozialarbeit in der Hospizbewegung erklärt. Des Weiteren werden drei zentrale Aufgaben der Sozialarbeit beschrieben.

Eine der zentralen Aufgaben ist die Wunscherfüllung der Gäste. Doch kann dies in der Realität so umgesetzt werden?

1. Die Geschichte der Hospizbewegung

Schaut man in die Historie der Hospizbewegung, so fällt auf, dass der Start dieser Bewegung weltweit erst rund 50 Jahre zurückliegt. In Deutschland geht die Thematik etwa 35 Jahre zurück.5

Nach einer 20-jährigen Ideen- und Entwicklungsphase eröffnete im Jahre 1967 durch die Initiative der Krankenschwester Cicely Suanders das erste stationäre Hospiz, genannt St. Christopher Hocpice, in London. Dies wurde von der dortigen Gesellschaft vorerst kritisch begutachtet und als reine Sterbeklinik verstanden. Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten wurde es im Anschluss daran an als eine Stätte des behüteten und friedvollen Abschieds verstanden.6 Nur zwei Jahre nach der Eröffnung des St. Christophers Hospice begann ebenfalls die ambulante Arbeit in der Hospizbewegung.7

Aufgrund des Vorbildes in England wurde Ende der 70-er Jahre die Anfrage, welche die Fragestellung um eine Eröffnung eines deutschen Hospizes aufweist, des Bundesgesundheitsministerums wieder aufgegriffen. Die evangelischen sowie katholischen Kirchen zeigten sich erstmals ratlos. Nach einer Fachkonferenz, welche die katholische Kirche mit deutschsprachigen Experten einberief, wurde das daraus resultierende Konzept abgelehnt, da dies auch weiterhin nicht als eine positive Stätte des friedevollen Abschiedes verstanden wurde. Erst durch den Zusammenschluss katholischer Priester war es in Deutschland möglich mit dem Start der Hospizbewegung zu beginnen.

Durch die Eröffnung der ersten Palliativen Station in der Kölner chirurgischen Universitätsklinik im Jahr 1983 und der Eröffnung des ersten Hospizes im Jahr 1986 wurde die Hospizbewegung in Deutschland gestartet. Jedoch begann dies, ebenso wie in England, vorerst schleppend. Durch die öffentliche Stellungnahme der katholischen Kirche im Jahre 1991 war nun auch für die Gesellschaft der offizielle Startschuss der Hospizbewegung gegeben. Ebenfalls die evangelische Kirche formulierte eine positive Stellungnahme hinsichtlich des Hospizgedankens. Die Diakonie bot von nun eine große Unterstützung auf Landes- und Bundesebene an.8

Abbildung 1: Anzahl der stationären Hospize und Palliativstationen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V.

Abbildung 2: Ambulante Hospiz- und Palliativdienste für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V.

Laut Abbildung eins hat sich die Anzahl der stationären Hospize von 1996 mit 30 Einrichtung zu 235 Einrichtungen im Jahr 2015 vergrößert. Ebenso hat sich, wie in Abbildung zwei zu entnehmen ist, die Zahl der ambulanten Hospize sowie Palliativdienste in den letzten 20 Jahren von 451 auf 1500 Dienste vergrößert.

2. Organisationsformen

Sterben ist ein sozialer Prozess, welcher Raum, Zeit und sensible Begegnungen benötigt.9

Um für einen schwerstkranken, dessen Erkrankung zum Tode führt, oder sterbenden Menschen das bestmöglichste Leben zu gewährleisten, ist es wichtig die für ihn ideale Organisationsform zu finden. Laut Duden ist eine Organisationsform die Art und Weise, wie etwas organisiert ist.10

Für alle Organisationsformen sind folgende Kennzeichen als Richtlinie, um eine ganzheitliche Hilfe zu gewährleisten, zu verstehen:

Kennzeichen 1: Sterbende und Angehörige stehen im Zentrum

Kennzeichen 2: Arbeit als interdisziplinäres Team

Kennzeichen 3: Ehrenamtliche Mitarbeiter

Kennzeichen 4: gute Kenntnisse und Fertigkeiten der Symptomkontrolle

Kennzeichen 5: kontinuierliche und ganzheitliche Fürsorge

Ebenso muss sich jede Organisationsform ihrer Grenzen, hinsichtlich aller gebotenen Leistungen, bewusst sein, sodass eine Enttäuschung bei allen Betroffenen ausgeschlossen werden kann.11 Die Definition der Betroffenen wird in Kapitel 4 genauer erläutert.

In dem folgenden Kapitel werden die unterschiedlichen Organisationsformen wie das ambulante-, das stationäre- und das teilstationäre Hospize sowie die Palliative Station bearbeitet. Das Kinderhospiz wird bei dieser Bearbeitung nicht beachtet, da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf erwachsene Sterbende gelegt wurde.

2.1 Ambulante Hospiz

Der Großteil der Bevölkerung (90%) wünscht sich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung und im Kreise ihrer engsten Vertrauten die letzten Tage zu verbringen.12 Um ihnen diesen Wunsch zu erfüllen, wird das Angebot des ambulanten Hospizes (Hausbetreuungsdienste) sehr häufig in Anspruch genommen.13 Wie bereits in der Abbildung zwei zu sehen, ist die ambulante Hospizform höher vertreten als die stationäre. Weltweit ist das ambulante Hospiz ebenfalls die meist genutzte Organisationsform.14

Bei der ambulanten Hospizarbeit ist die Mitarbeit der Angehörigen eine Grundvoraussetzung für Aufnahme in dieser Organisationsform. Sie funktioniert nur, wenn mindestens eine Bezugsperson die Verantwortung für die Fürsorge übernimmt.15 Aus diesem Grund ist dies den Großteil der in Städte lebenden Menschen verwehrt, da die Anforderungen der Angehörigen nicht gestemmt werden können.16

Trotz der Mitarbeit der Angehörigen sollte das Hospiz eine 24-Stunden Bereitschaft anbieten, wo jederzeit kurzfristig Hilfe zur Verfügung stehen kann. Des Weiteren zählt die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die psychosoziale Begleitung, die palliativ-pflegerische Versorgung sowie die Abstimmung mit Ärzten zu dem Leistungsspektrum des ambulanten Hospizes. Zusätzlich ist es wichtig, dass ausreichend Entlastungsangebot, wie beispielsweise Übernahme von stundenweiser Betreuung, für Angehörigen geschaffen werden.17

Der Durchschnittswert der Verweildauer bis zum Tode der sterbenden Menschen liegt bei 3-4 Monaten. Jedoch schließt dieser Durchschnittswert ebenfalls die Menschen ein die bereits wenige Tage oder lange Zeit nach Aufnahme sterben.18

Die Mitarbeit von Ehrenamtlern ist unumgänglich. Sie übernehmen, nach ausreichenden Schulungen, die Begleitung zum Tode von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen.19

Die Finanzierung ist im §39a Absatz 2 SGB V verankert.

„(2) Die Krankenkasse hat ambulante Hospizdienste zu fördern, die für Versicherte, die keiner Krankenhausbehandlung und keiner stationären oder teilstationären Versorgung in einem Hospiz bedürfen, qualifizierte ehrenamtliche Sterbebegleitung in deren Haushalt, in der Familie, in stationären Pflegeeinrichtungen, in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen oder der Kinder- und Jugendhilfe erbringen. […] Die Förderung nach Satz 1 erfolgt durch einen angemessenen Zuschuss zu den notwendigen Personal- und Sachkosten. Der Zuschuss bezieht sich auf Leistungseinheiten, die sich aus dem Verhältnis der Zahl der qualifizierten Ehrenamtlichen zu der Zahl der Sterbebegleitungen bestimmen.“

2.2 Stationäres Hospiz

Ist die pflegerische Versorgung eines schwerstkranken oder sterbenden Menschen nicht mehr durch seine Angehörigen zu gewährleisten, so ist das stationäre Hospiz die bestmögliche Organisationsform, da dort seine Versorgung auf bestmöglichster Weise gewährleistet ist. Ebenso ist die Versorgung der Angehörigen hierbei mit eingeschlossen.20

[...]


1 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care. München: 2007, S.11

2 Ebd.: S.32

3 Vgl.: Krenz, C.: Ein Beweis des Lebens. Freiburg: 2013, S.45

4 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care, S.32

5 Ebd.: S.14

6 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S. 15. & Bieker, R., Floerecke, P.: Träger, Arbeitsfelder und Zielgruppen der Sozialen Arbeit. Stuttgart: 2011, S. 306. & Bruhn, R., Straßer, B.: Palliative Care für Menschen mit geistiger Behinderung. Stuttgart: 2014, S. 30

7 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S. 89

8 Ebd.: S.144f

9 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S.14

10 Vgl.: Bibliographisches Institut GmbH: http://www.duden.de/rechtschreibung/Organisationsform (letzter Zugriff: 29.05.2017)

11 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S.28ff

12 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S.26

13 Ebd., S.31

14 Ebd., S.89

15 Vgl.:Bieker, R., Floerecke, P.: Träger, Arbeitsfelder und Zielgruppen Soziale Arbeit, S. 307

16 Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S.26 5

17 Ebd.: S.87

18 Vgl.: Menschliche Sterben. Wuppertal:2005, 4:40 Minuten

19 Vgl.: Krenz, C.: Ein Beweis des Lebens. Freiburg: 2013, S.45

20 Vgl.: Vgl.: Student, J.-C., Mühlum, A., Student, U.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativ Care, S.15 & Krenz, C.: Ein Beweis des Lebens, S.21

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Hospizbewegung. Organisationsformen und Relevanz der Sozialarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V374055
ISBN (eBook)
9783668513884
ISBN (Buch)
9783668513891
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hospiz, Palliative Care, ambulante Hospizarbei, stationäre Hospizarbeit
Arbeit zitieren
Julia Boms (Autor), 2017, Die Hospizbewegung. Organisationsformen und Relevanz der Sozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374055

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Hospizbewegung. Organisationsformen und Relevanz der Sozialarbeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden