Willensschwäche nach Donald Davidson


Seminararbeit, 2017
12 Seiten, Note: 5.0

Leseprobe

Ablauf

Einführung

Der Praktische Syllogismus

Aristoteles

Donald Davidson

Über Gründe

Davidsons Willensschwäche

Kritik

Abschluss

Einführung

In der Handlungstheorie gibt es viele, weitläufige Unterthemen und doch sticht die Thematik der Willensschwäche daraus hervor. Von vielen Philosophen wird die Problematik rund um dieses Thema heruntergespielt oder als Scheinproblem relativiert. Einige Philosophen verneinen sogar die Existenz von willensschwachen Handlungen. Dieser Essay beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Willensschwäche möglich ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Donald Davidsons Theorie der Willensschwäche. Es wird aber auch einen Blick auf Aristoteles geworfen, da seine Überlegungen einen guten Einstieg bieten und seine Handlungstheorie grundlegend ist.

Um Handlungen logisch nachzuvollziehen und erklären zu können, bedient sich die Handlungstheorie bestimmter Schemen und Modelle, welche auf einer ähnlichen Ausgangsposition beruhen. Dabei geht es immer um den Handelnden, der im Zusammenspiel von einem vernünftigen Urteil und den subjektiven Wünschen, eine Handlung setzt. In einem Prozess wird die Handlung bestimmt, die nötig ist, um eine im Voraus als positiv und erstrebenswert beurteilte Situation herbeizuführen. Das Resultat vom Abwägen einer Situation und der subjektiven Absicht spielt eine wichtige Rolle beim Setzen einer Handlung. Der praktische Syllogismus ist ein solches Modell aus der Disziplin der Handlungstheorie, und er zeigt sehr verständlich die Grundüberlegung dieser philosophischen Sparte.

Der Praktische Syllogismus

Um sich an die in diesem Essay behandelten Philosophen heranzuwagen, ist es notwendig, vorab den praktischen Syllogismus zu erklären. Dieser geht auf Aristoteles zurück, der den praktischen Syllogismus in der Nikomachischen Ethik erfunden hat. Im Mittelalter ist Thomas von Aquin ein bekannter Anwender davon. Der praktische Syllogismus ist, wie bereits erwähnt, ein Model aus der Handlungstheorie, das Überlegungen zu verdeutlichen versucht. Die einfachste Variante hat zwei Prämissen, mit je einem Ober- und Untersatz. Dabei wird im sogenannten Obersatz ein allgemeines Urteil mit einem partikularen Urteil aus dem Untersatz in Verbindung gebracht, woraus als logische Konklusion die entsprechende Handlung resultiert. Ein Paradebeispiel für einen praktischen Syllogismus:

Obersatz: Süsses ist erstrebenswert

Untersatz: Das hier ist süss

Konklusion: Das hier ist erstrebenswert

Der Obersatz vertritt meistens eine Art allgemeines, im Menschen manifestiertes Wissen und die Aussage im Untersatz stammt aus der Welt der empirischen Wahrnehmung. Man verbindet also ein allgemein gültiges Wissen mit einer subjektiven Erfahrung, woraus eine individuelle Handlung resultiert.1

Aristoteles

Aristoteles ist nach Platon einer der ersten Philosophen, der sich mit der Handlungstheorie und insbesondere willensschwachen Handlungen auseinandergesetzt hatte. In der Nikomachischen Ethik fasst er das Thema der Willensschwäche unter dem Namen «Akrasia» zusammen. In bisherigen Erklärungsversuchen von akratischen Handlungen, bei Platon beispielsweise, wurde der willensschwache Mensch von der Lust übermannt, was in einer willensschwachen Handlung resultierte. Im Gegensatz zu früheren Erklärungen des Zustandekommens von akratischen Handlungen (bei Platon beispielsweise), ist bei Aristoteles der Mensch nicht der Lust unterlegen. Bei Aristoteles ist das Zustandekommen einer Handlung ein bewusster Prozess was bedeutet der Prozess an sich ist eine Handlung. Aristoteles setzt die Handlung mit ihrem Zustandekommen gleich.2

Der Willensschwache ist bei Aristoteles also jemand, der sich der eigentlichen Falschheit seiner Handlung durchaus bewusst ist, aber aufgrund von empirischen Reizen der Lust nachgibt. Man kann bei Aristoteles folglich zwei konkurrierende Parteien ausmachen. Auf der einen Seite befindet sich der Logos als reflektierende Kraft und auf der anderen Seite sitzt der Pathos, die leidenschaftliche Kraft. Die beiden Seiten kämpfen miteinander um die schlussendlich auszuführende Handlung.3

Auf der Ebene des Wissens macht Aristoteles eine weitere wichtige Unterscheidung: Er differenziert das Wissen, das permanent present ist vom Wissen, das akut aktualisiert werden muss. Zu ersten Kategorie gehört Wissen wie: «Heisse Dinge sollte man nicht anfassen», zur zweiten spezifischeres wie: «Diese Herdplatte ist heiss». Im praktischen Syllogismus ist die erste Art von Wissen im Obersatz vorhanden, als Wissen «vom Allgemeinen». Im Untersatz befindet sich die zweite Kategorie des Wissens, des spezifischen Wissens.4 Aus Ober- und Untersatz erfolgt die logische Konklusion.

Obersatz: Heisse Dinge sollte man nicht anfassen.

Untersatz: Das ist eine heisse Herdplatte.

Konklusion: Man sollte die Herdplatte nicht anfassen.

Im Falle der Willensschwäche kommt nun eine zweite Gleichung hinzu, die einen anderen Obersatz hat und zu einer anderen Konklusion kommt. Hierfür ein anderes Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Obersatz B ist kein eigentliches Wissen, sondern nur eine subjektive Meinung der empirischen Erfahrung. Jedoch wird diese Seite von der leidenschaftlichen Kraft unterstützt. Wenn diese Unterstützung ausreicht um die Kraft der logischen Konklusion A zu überbieten, so reden wir, im Sinn von Aristoteles, von einer akratischen Handlung.

Zusammengefasst unterteilt Aristoteles das Wissen in zwei Kategorien, dem permanent vorhandenen Wissen und dem Wissen das aktualisiert werden muss. Im Fall der Willensschwäche resultiert die Handlung aus irreführendem Wissen, Aristoteles nennt es «Wahrnehmungswissen», welches auf Wahrnehmung beruht und von der Leidenschaft gestützt wird. Der Fehler findet also beim Abwägen statt.

Donald Davidson

Über Gründe

Im Mittelpunkt von Davidsons Handlungstheorie steht die These, dass Gründe die kausale Ursache einer Handlung darstellen.5 In seinem Werk «Action, Reasons and Causes», bestehend aus mehreren Essays, erklärt er die These vom Zusammenspiel von Gründen und Handlung und fasst dieses als Kausalbeziehung auf. Die Kausalität ist in diesem Fall die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Davidson äussert zudem ein Problem mit dem praktischen Syllogismus, denn dieser beziehe sich nicht auf den einen entscheidenden Grund, der zu der entsprechenden Handlung führt, sondern auf mehrere. Dazu ein Beispiel:

Obersatz: Alles, was meinen Durst löscht, ist erstrebenswert

Untersatz: Das ist ein Glas Wasser

Konklusion: Ich trinke dieses Glas Wasser.

Nach Davidson funktioniert Kausalität anders. Die Prämissen zeigen nicht den entscheidenden Grund, wieso diese Handlung und nicht eine alternative ausgeführt wurde.6 Nach Davidson gibt es keine immer geltenden Prinzipien, die bedingungslos für sich stehen und eine Handlung begründen können. Mehr zu diesem Punkt wird später erklärt.

Belief, Primary Reasons und Pro Attitude

Eine Handlung beruht nach Davidson immer auf dem einen Grund, der die handelnde Person veranlasst, diese Handlung und nicht eine andere zu setzen. So sagt es uns auch unsere Intuition: Wenn man eine Person nach dem Ursprung ihrer Handlung fragt, so wird sie einen Grund nennen und wir werden intuitiv diesen Grund als Erklärung der Handlung akzeptieren. Davidson geht einen Schritt weiter und fragt nach der Verbindung zwischen den Gründen einer Handlung und der ausgeführten Handlung selbst. «What ist the relation between a reason and an action when the reason explains the action by giving the agents reason for what he did.»7

[...]


1 Wikipedia – Praktischer Syllogismus - https://de.wikipedia.org/wiki/Praktischer_Syllogismus

2 Davidson, «How ist he Weakness oft he Will possible?» - s. 58

3 Aristoteles, «Nikromachische Ethik» – 1145b, 7f

4 ebenda – 1146b, 28

5 Davidson, « Agency» – s. 45

6 Davidson, «Action, Reasons and Causes» - s. 16

7 ebenda – s. 3

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Willensschwäche nach Donald Davidson
Hochschule
Universität Zürich
Veranstaltung
Handlungstheorie
Note
5.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V375142
ISBN (eBook)
9783668544390
ISBN (Buch)
9783668544406
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungstheorie, Willensschwäche, Aristoteles, Donald Davidson
Arbeit zitieren
Dean Heizmann (Autor), 2017, Willensschwäche nach Donald Davidson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375142

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