Genres in Abonnement- und Kaufpresse im Vergleich


Hausarbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Begriffe

3 Interview
3.1 Gemeinsamkeiten
3.2 Unterschiede

4 Reportage
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede

5 Kommentar
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede

6 Rezension/Kritik
6.1 Gemeinsamkeiten
6.2 Unterschiede

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit sollen Genres in Abonnement- und Kaufzeitungen verglichen werden. Ziel der Arbeit ist die Verifizierung beziehungsweise Falsifikation der von mir aufgestellten zentralen Hypothese: Kaufzeitungen werden aufgrund ihrer speziellen Rezeption den einzelnen Darstellungsformen weniger Platz einräumen als Abonnementzeitungen.

Aus dieser Grundannahme lassen sich zwei weitere Thesen ableiten: Bei vergleichbaren Themen wird die Länge der Artikel in der Kaufpresse wesentlich kürzer sein, als in der Abonnementpresse. Die meinungsbetonten Genres werden in der Abonnementzeitung häufiger vorkommen, weil eine komplexe Argumentation viel Raum benötigt. Die Meinungsäußerungen in der Kaufpresse werden demzufolge aufgrund der gegebenen Kürze einseitig und ohne Abwägung der Einzelargumente erfolgen.

Um diese Thesen zu prüfen werde ich zwei Zeitungen, eine Abonnement- und eine Kaufzeitung, über einen Zeitraum von zehn Tagen analysieren (21.01.2002 - 31.01.2002). Der Untersuchung liegen die überregionale „Tageszeitung“ (in den weiteren Ausführungen „taz“ genannt) aus Berlin und die Leipziger „Bildzeitung“ (kurz: „Bild“) zu Grunde. Beide Zeitungen können als Paradebeispiele für ihre jeweilige Gattung gelten. Die „Bild“ ist mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Kaufzeitung und die „taz“ gehört zu den anspruchsvollsten deutschen Qualitätszeitungen, die Wertschätzung berühmter Persönlichkeiten bestätigt dies[1].

Es gibt einige Besonderheiten meiner Untersuchung. Bestimmte Bereiche der Zeitungen habe ich nicht analysiert, da ansonsten die Vergleichbarkeit nicht gewährleistet wäre. Die „Bild am Sonntag“ werde ich nicht betrachten, weil sie vom Konzept der täglichen „Bildzeitung“ zu sehr abweicht[2] und weil die „taz“ keine eigene Sonntagszeitung veröffentlicht. Obwohl die Sonnabend/Sonntagausgabe der „taz“ für zwei Tage erscheint, habe ich sie mit der Samstagausgabe der „Bildzeitung“ verglichen.

Dafür gibt es plausible Erklärungen: Die Wochenendausgabe der „taz“ ähnelt den anderen täglichen Ausgaben (Montag bis Freitag) in starkem Maße. Die Seitenzahl und der Aufbau sind identisch. Nur die zusätzliche Wochenendbeilage „tazmag“ zerstört diese Homogenität, deshalb habe ich diese Beilage komplett missachtet. Einziger verbleibender Kritikpunkt könnte die Rubrik „Reise“ sein. Die Tatsache, dass täglich Sonderseiten[3] in der „taz“ erscheinen, erlaubt es jedoch meiner Meinung nach, diese Seiten mit in die Analyse einzubeziehen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Sonnabend/Sonntagausgabe ohne das „tazmag“ keine Ausnahme zu den anderen Ausgaben der „taz“ darstellt. Die Ergebnisse sind nicht verfälscht und ein Vergleich mit der „Bildzeitung“ ist zulässig.

Es gibt jedoch eine weitere Einschränkung der Analyse. Der Berlinteil der „taz“ fällt komplett aus der Analyse raus. Der Grund dafür, liegt in der Abgeschlossenheit der restlichen Ausgabe. Die „taz“ bildet eine Einheit. Sie beginnt auf der Titelseite und wird mit der humoristischen „Wahrheit“ abgeschlossen. Der Berlinteil ist eine Art Zeitung in der Zeitung. Die Homogenität ist nicht mehr gegeben. In der „tazberlin“ folgt eine zweite Titelseite, ein zweiter Kulturteil. Damit wäre ein Vergleich mit der Bild, die keine strikte räumliche Trennung des Lokalen vornimmt[4], nicht mehr zulässig. Die Bild besitzt im eigentlichen Sinne keine zwei Titelseiten. Die Bildzeitung wird in den folgenden Ausführungen komplett betrachtet. Die „taz“ Hauptausgabe wird als eigenständige Zeitung angesehen. Der Berlinteil wird aus einem weiteren Grund nicht beachtet. Der Hauptteil der „taz“ und die komplette „Bild“ besitzen beide jeweils 20 bedruckte Seiten. Auch wenn das Format der „taz“ kleiner ist, so ist ein Vergleichbarkeit durch die identische Seitenzahl gegeben[5].

Um die Vergleichbarkeit der beiden Zeitungen zu sichern, werden also die „Bild am Sonntag“, das „tazmag“ und der tägliche Berlinteil der „taz“ von mir nicht mit in die Analyse mit einbezogen.

Bei der Auswertung der Darstellungsformen habe ich mich aus praktischen Gründen auf vier besonders aussagekräftige Genres beschränkt. Dabei handelt es sich um zwei tatsachenbetonte (Interview und Reportage) und um zwei meinungsbetonte (Kommentar und Rezension) Darstellungsformen[6]. Allen vier Genres wird in der Abonnementpresse in der Regel viel Raum eingeräumt, vor allem aber spielt die Reportage eine große Rolle. Deshalb eignen sich diese ausgewählten Darstellungsformen besonders gut für einen Vergleich mit der Kaufpresse.

Die Analyse der vorliegenden Zeitungsausgaben erfolgt zum einen quantitativ, indem eine rein statistische Auswertung der erschienen Genres vorgenommen wird und zum anderen qualitativ, indem inhaltliche sowie formale Unterschiede und Gemeinsamkeiten untersucht werden.

Der formale Aufbau dieser Arbeit lässt sich in vier Bereiche fassen: Begriffe, Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Fazit. Der Bereich „Begriffe“, welcher zugleich der zweite Gliederungspunkt ist, dient der Erklärung der wichtigsten Begriffe dieser Arbeit. Eine eindeutige Begriffserklärung ist für einen Vergleich zwingend notwendig. Verwechslungen und Unklarheiten wären die Folge, würde dies nicht geschehen. Da es keine eigenständigen Publikationen zum Genrevergleich gibt, werde ich mich vor allem auf die einschlägige Basisliteratur wie beispielsweise Heinz Pürer oder Claudia Mast beziehen. Beide Autoren haben in ihren Werken Definitionen aufgestellt, die der Untersuchung dienlich sind. Heinz Pürer erkannte viele Genremerkmale, die spätere Autoren in ihren eigenen Abhandlungen nutzten. Das Buch von Claudia Mast ist eine der aktuellsten Publikationen im Bereich der Journalistik. Anschließend werde ich mich in einzelnen Punkten den Genres widmen. Ein guter Vergleich sollte Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer Thematik herausstellen. Jedes Genre wird im ersten Schritt von mir auf Gemeinsamkeiten überprüft. Darauffolgend zeige ich die Unterschiede der beiden Zeitungstypen auf. Diese Herangehensweise wiederholt sich bei jedem der vier untersuchten Genres. Am Ende der Arbeit werde ich die gewonnen Erkenntnisse zusammenfassen und bewerten.

Leipzig im Februar 2002

Christian Bollert

2 Begriffe

Zu Beginn einer wissenschaftlichen Untersuchung sollten die wichtigsten Begriffe eindeutig definiert sein[7]. Deshalb werde ich an dieser Stelle die Fachtermini „Genre“, „Kaufpresse“, „Abonnementpresse“, „Interview“, „Reportage“, „Kommentar“ und „Rezension“ in gebotener Kürze erläutern.

Das Genre ist eine Textgattung, die im täglichen journalistischen Arbeitsprozess zur Darstellung von Themen verwendet wird. Es gibt unterschiedliche Genres. Vom Kommentar über die Nachricht bis hin zum Fortsetzungsroman. Um diese vielen Genres zu ordnen, kategorisierten mehrere Wissenschaftler[8] die Genres, auch journalistische Darstellungsformen genannt. Es gibt tatsachenbetonte, meinungsbetonte und fiktive Genres. Eindeutige Definitionen zu den einzelnen Darstellungsformen gibt es allerdings nicht. Die Abgrenzung zwischen Bericht und Reportage oder Bericht und Nachricht ist beispielsweise nicht klar definiert. Im Alltag sind Mischformen die Regel, so Claudia Mast[9]. Einzelne Genres werden heutzutage nahezu überhaupt nicht mehr beachtet, so zum Beispiel der „Artikel“.

Zur Kaufpresse gehören alle Printerzeugnisse, die ausschließlich am Kiosk vertrieben werden. Typisch für die Kaufpresse ist die verknappte Darstellung von komplexen Zusammenhängen, das Aufbauschen von unrelevanten Themen und die reißerische Aufmachung[10]. Das typischste Beispiel für eine Kaufzeitung ist die Bildzeitung.

Abonnementpresse zeichnet sich vor allem durch den individuellen Vertrieb aus. Der Großteil der Auflage, meist über 90 Prozent, wird direkt nach Hause geliefert. Es werden nur wenige Exemplare von Abonnementzeitungen am Kiosk verkauft.

Der Verkauf ist dementsprechend das eigentliche Unterscheidungsmerkmal. Der Art des Verkaufes bestimmt jedoch nicht nur die Gattungszuordnung einer Zeitung, er ist auch ausschlaggebend für die Verwendung von Genres. Eine Zeitung, die auf dem Weg zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Frühstücks- bzw. Mittagspause gelesen wird, muss anders konzipiert sein, als eine Zeitung, die in Ruhe und Muße in der heimischen Wohnung gelesen wird. Langatmige Reportagen oder ausführliche Interviews werden deshalb in der typischen Kaufpresse selten bis überhaupt nicht zu finden sein.

Die von mir ausgewählten Genres zielen vor allem auf diesen Zusammenhang der Rezeption hin. Interview und Reportage sind wie kein anderes tatsachenbetontes Genre auf ausreichend Platz angewiesen.

Den Begriff „Interview“ kann man in sach- und personenbezogene Interviews sowie in Umfragen unterteilen. Das Sachinterview spiegelt die Haltung einer Person zu einem bestimmten Sachverhalt wider. Während das personengebundene Interview die Persönlichkeit und den Charakter des Interviewpartners in den Mittelpunkt stellt. Die Umfrage wiederum lässt mehrere Personen gleichzeitig in knappen Aussagen zu einem Thema Stellung nehmen. Zu den Merkmalen eines Interviews gehört die Verdoppelung der Interviewsituation. Der Leser erfährt nicht nur in sich abgeschlossene Aussageinhalte, er kann dem Dialogverlauf folgen und durch Kommentare des Interviewers erkennen, wie die einzelnen Aussagen zustande kamen. Eine weitere Besonderheit ist die Beziehung der beteiligten Personen. Interviewender Journalist und Interviewpartner entwickeln ein kommunikatives Rollenspiel. Dies kann im Idealfall im Gesprächsverlauf zu neuen Fragen und Antworten führen. Die Gesprächssituation eines Interviews ist ebenfalls entscheidend für das journalistische Endprodukt. Der Ort, die Zeit und die Umstände beeinflussen den Gesprächsablauf und damit den Informationswert. Durch Interviews werden nicht nur Tatsachen und Meinungen bemerkenswerter Personen vermittelt, der Rezipient kann logische und argumentative Denkweisen des Interviewten erkennen. Ein Interview kann in unterschiedlichster Form als journalistischer Text veröffentlicht werden. Zum einen im Frage/Antwort- Stil, d.h. das Gespräch wird analog wiedergegeben. Zum anderen als Kurzinterview, in dem nur wenige knappe Fragen beantwortet werden. Eine Besonderheit ist das „gebaute“ Interview. Hierbei werden beschreibende oder erläuternde Einschübe zwischen den Fragen vorgenommen. Vor allem Reaktionen des Interviewpartners können dadurch veranschaulicht werden. Neben all diesen Unterschieden gibt es noch eine weitere Unterscheidungsmethode. Hierbei stehen die Fragen selbst im Mittelpunkt. Es kann dabei nach offenen und geschlossenen Fragen unterschieden werden. Offene Fragen gewähren dem Partner Freiräume, während geschlossene Fragen (Ja/Nein- oder Entscheidungsfragen) den Interviewten festlegen.

[...]


[1] Diverse Personen der Öffentlichkeit traten bei der letzten Aktion der „taz“, „taz muss sein“, für den Erhalt der Zeitung ein. Unter anderem Harald Schmidt, Gregor Gysi und Guido Westerwelle.

[2] So ist die „Bild am Sonntag“ beispielsweise im Abo erhältlich. Eine klare Zuordnung zur Kaufpresse ist somit nicht mehr möglich. Aber auch das Layout und die Struktur sind anders, als bei der täglichen „Bild“.

[3] D.h. nicht nur am Wochenende erscheinen Themenseiten. Die Reiseseiten sind dementsprechend keine Ausnahme.

[4] Lokale und überregionale Seiten folgen häufig aufeinander. Der Lokalteil ist in die Zeitung integriert.

[5] Die großflächigen Überschriften und der vermehrte Einsatz von Fotos (mehr als die „taz“) in der „Bildzeitung“ führen dazu, dass die Textmenge in etwa der „taz“ gleicht.

[6] Darstellungsformen frei nach Claudia Mast: ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. 8. Auflage. Konstanz: UVK Medien 1998, Seite 221.

[7] So Christian Fenner in seinem Handout zum Kurs „Einführung in den Vergleich politischer Systeme“, WS 2001/2002.

[8] An dieser Stelle bezieht sich Claudia Mast auf Kurt Reumann.

[9] Vgl. Claudia, Mast: ABC des Journalismus. Konstanz: UVK Medien 1998, Seite 222.

[10] Frei nach Hermann Meyn: Massenmedien in Deutschland. Neuauflage 2001. Konstanz: UVK Medien 2001, Seite 107-109.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Genres in Abonnement- und Kaufpresse im Vergleich
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft; Allgemeine und Spezielle Journalistik)
Veranstaltung
Grundlagen des Printjournalismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V3752
ISBN (eBook)
9783638123228
ISBN (Buch)
9783638638326
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich studiere im 2. Semester Diplomjournalistik und Politik. Der Schein wurde mit 1,3 bewertet. Die Qualität der Arbeit ist dementsprechend gewährleistet. Es ist jedoch eine Arbeit eines Erstsemestlers!
Schlagworte
Genres, Abonnement-, Kaufpresse, Vergleich, Grundlagen, Printjournalismus
Arbeit zitieren
Christian Bollert (Autor:in), 2002, Genres in Abonnement- und Kaufpresse im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3752

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