In dieser Arbeit wird eine Grundbewegungsform des Volleyballspiels, der Angriffsschlag, anhand seiner Problemstruktur analysiert und ein geeigneter Lehrweg vorgestellt. Direkt unter den Lehrbeispielen erfolgt eine knappe Begründung, welche im Anschluss anhand verschiedener Veröffentlichungen diverser Pädagogen vertieft wird.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine sportliche Bewegung zu lehren. Ging es viele Jahrzehnte lang im Sportunterricht meist um klare Bewegungsanweisungen im Sinne der Nachahmung einer Bewegung, welche meist unreflektiert aus dem außerschulischen Kontext gezogen wurde, so änderte sich diese Denkweise in den letzten Jahren grundlegend: Anweisungen bedeuten ein Erlernen einer Technik unabhängig von den individuellen Gegebenheiten des Sportlers bzw. der Sportlerin, was oft dazu führt, dass die Bewegung völlig unfunktional ist und teilweise sogar negative Auswirkungen auf die Leistung hat (vgl. Tiefstart bei Sprint). Diese Sichtweise wurde zugunsten der Bewegungsaufgaben abgelegt. Diese geben vielmehr eine Vorstellung von dem, was gemacht werden soll, überlassen aber die Art der Ausführung jedem Einzelnen (vgl. Laging, 2016b, o.S.). Es geht also um eine selbstständige Auseinandersetzung mit Bewegungsproblemen, was das Lernen auf einer viel tieferen Ebene ermöglicht als schlichte Bewegungsanweisungen.
In diesem Rahmen begann man sich auch die Frage zu stellen, ob entscheidend ist, was die Lehrkraft lehrt oder ob es nicht viel wichtiger ist, zu was der Schüler bzw. die Schülerin schlussendlich in der Lage ist. Es gab somit einen Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputsteuerung. Nicht der Sport und die Bewegung steht im Mittelpunkt des Sportunterrichts, sondern der Schüler oder die Schülerin. Daraus entwickelten sich unter anderen die neuen Unterrichtskonzepte Problemorientiertes Lernen, Erfahrungsorientiertes Lernen sowie das genetische Lernen (vgl. Laging, 2016a, o.S.). Diese und weitere finden immer mehr Einzug in den schulischen Sportunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lehrgegenstand und Problemstruktur inklusive funktionaler Bewegungsbeschreibung
3 Lehrweg bzw. Sammlung möglicher Aufgaben und Übungen
3.1 Grundübungen für den Angriffsschlag
3.2 Spielformen
3.3 Erweiterung und Variationen
4 Didaktische Begründung
4.1 Über die Behinderung von Lernen durch Lehren (Fritsch&Maraun)
4.2 Überlegungen zum Transfer (Scherer und Bietz)
4.3 Effekte und Handlungskontrolle (Scherer und Bietz)
4.4 Variabilität (Scherer und Bietz)
4.5 Ideomotorik-Modelle der Bewegungskontrolle (Müller)
4.6 Modelle der Bewegungskontrolle in der Didaktik (Künzell)
4.7 Problemorientiertes Lernen
4.8 Genetisches Lernen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Analyse des Angriffsschlags im Volleyball unter sportpädagogischen Gesichtspunkten, um von starren Bewegungsanweisungen hin zu schülerorientierten, problemorientierten und differenziellen Lehrkonzepten zu gelangen.
- Analyse der Problemstruktur und Funktionalität des Volleyball-Angriffsschlags.
- Entwicklung eines methodischen Lehrwegs mit praktischen Übungsbeispielen.
- Theoretische Fundierung durch didaktische Konzepte (Differenzielles Lernen, Genetisches Lernen).
- Förderung der Selbstständigkeit und individuellen Lösungsfindung bei den Lernenden.
- Reflexion über motorische Lernprozesse und die Bedeutung von Antizipation und Handlungskontrolle.
Auszug aus dem Buch
4.4 Variabilität (Scherer und Bietz)
Zur Verbesserung der Technik gibt es zwei vorherrschende Lehrmethoden: A - Modell des motorischen Wiederholens – das sogenannte „Einschleifen“. Dabei geht es darum, ein bestimmtes technisches Bewegungsideal ohne Fehler anzutrainieren. Durch stetige Repetitionen wird in der Idealvorstellung dieser Lehrmethode die bestmögliche Ausführung eingeübt bzw. „eingeschliffen“.
B - Das Lernen mittels Variationen und Differenzen. Beim differenziellen Lernansatz kommt es zu einer Neubewertung jener Bewegungsfehler (Schwankungen), die beim Einschleifen vermieden werden sollen. Diese werden sogar bewusst in den Trainingsprozess integriert.
Letzterem liegen zwei Leitideen zugrunde: Bewegungen unterliegen ständigen Schwankungen und können nicht (exakt) wiederholt werden, zudem sind diese individuell bzw. personenspezifisch, was bedeutet, dass sich niemand exakt auf die gleiche Weise bewegt wie ein anderer Mensch.
Daraus resultiert die Notwendigkeit, bei der Vermittlung keine schrittweise Annäherung an ein vorgegebenes Bewegungs-Ziel durch entsprechend hohe Wiederholungszahlen mit ständigem Soll-Ist-Vergleich anzustreben, sondern immer wieder neue erfolgsunsichere Situationen zu schaffen, die unerwarteten Bewegungserfolg ermöglichen.
Nach dem Ansatz des differenziellen Lernens wird also nicht die theoretisch optimale und konkrete Lösung (Idealtechnik) geübt, sondern es wird ein möglicher Lösungsraum umkreist, der es dann erlaubt, die auf jeden Fall neue und situativ optimale Lösung auszuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den Paradigmenwechsel im Sportunterricht von starren Bewegungsanweisungen hin zu Bewegungsaufgaben und führt in das Lehrbeispiel des Volleyball-Angriffsschlags ein.
2 Lehrgegenstand und Problemstruktur inklusive funktionaler Bewegungsbeschreibung: Dieses Kapitel erläutert die Grundidee des Volleyballs und definiert die funktionale Technik des Angriffsschlags als Mittel zur Punktgewinnung unter Berücksichtigung individueller biomechanischer Merkmale.
3 Lehrweg bzw. Sammlung möglicher Aufgaben und Übungen: Hier werden konkrete Grundübungen und komplexe Spielformen vorgestellt, die den Schülern ermöglichen, ihre Angriffsschlag-Technik eigenständig und situativ zu entwickeln.
4 Didaktische Begründung: In diesem theoretischen Kernteil werden verschiedene pädagogische Ansätze (z.B. Transfer, Handlungsmodelle, Differenzielles und Genetisches Lernen) diskutiert, die den gewählten Lehrweg wissenschaftlich legitimieren.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Abkehr von Idealtechniken zugunsten des differenziellen Lernens den Lernenden einen höheren Erkenntnisgewinn bietet und die individuelle Technikoptimierung fördert.
Schlüsselwörter
Volleyball, Angriffsschlag, Sportpädagogik, Differenzielles Lernen, Problemorientiertes Lernen, Genetisches Lernen, Bewegungskontrolle, Didaktik, Techniktraining, Motorisches Lernen, Sportunterricht, Bewegungsaufgabe, Handlungskontrolle, Transfer, Spielsportarten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie man den Angriffsschlag im Volleyball schülerzentriert vermitteln kann, anstatt lediglich eine vorgegebene Idealtechnik zu imitieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die sportdidaktische Theoriebildung, die Analyse von Bewegungsproblemen im Volleyball und die praktische Gestaltung von Unterrichtseinheiten durch Übungs- und Spielformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülern durch offene Aufgabenstellungen zu ermöglichen, individuelle und situativ optimale Lösungen für den Angriffsschlag zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf sportpädagogische Literatur und Theorien zum motorischen Lernen, insbesondere das Konzept des differenziellen Lernens nach Scherer und Bietz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine funktionale Bewegungsbeschreibung des Angriffsschlags, eine praktische Sammlung von Übungsbeispielen sowie eine detaillierte didaktische Begründung dieser Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Differenzielles Lernen, Angriffsschlag, Problemorientierung, motorische Kontrolle und individuelle Bewegungslösung.
Wie wird das differenzielle Lernen konkret angewendet?
Durch Variationen in der Übungsgestaltung – wie etwa wechselnde Anlaufwinkel, Armstellungen oder unterschiedliche Trainingsmaterialien – werden die Lernenden angeregt, Fehler als wertvolle Schwankungen zu begreifen und ihre Technik funktional anzupassen.
Welche Rolle spielt die Fehlerkultur in diesem Lehrkonzept?
Fehler werden nicht als Abweichungen von einem Idealbild gewertet, die es zu vermeiden gilt, sondern als notwendige Informationen im Lernprozess, um den Lösungsraum für eine optimale Bewegung zu explorieren.
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- David Stein (Author), 2017, Das Lehren und Lernen des Angriffsschlags im Volleyball, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375518