Wortschatzarbeit im Fach Latein


Seminararbeit, 2016
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das mentale Lexikon

3 Wortschatzarbeit im Unterricht
3.1 Einführung neuer Vokabeln
3.2 Speichern und Wiederholen
3.3 Überprüfen und Abfragen
3.4 Wortschatzarbeit in der Lektürephase

4 Individuelle Wortschatzarbeit des Schülers

5 Schlusswort

Anhang

I Ergänzungen

II Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Beherrschen von Vokabeln auf Seiten der Schüler ist unerlässlich für das Erlernen und Verstehen einer Fremdsprache. Mit der Bedeutung von Wörtern fällt das Verstehen und Übersetzen eines Textes. Dies gilt für die modernen Fremdsprachen ebenso wie für das Fach Latein. Jedoch fällt es den Schülern oft schwerer lateinische Vokabeln im Gedächtnis zu behalten, da diese nicht wie bei einer modernen Fremdsprache „imitativ erarbeitet und in einem kommunikativen Austausch ständig umgewälzt“[1] werden. Dies stellt erhöhte Ansprüche an den Lateinlehrer dar. Er muss die Wortschatzarbeit in seinem Unterricht besonders berücksichtigen und durch ständiges Wiederholen zur Speicherung der Vokabeln im Langzeitgedächtnis beitragen.

Dabei darf nie vergessen werden, dass Vokabellernen mehr als nur das stupide Auswendiglernen von Bedeutungen umfasst. Die Schüler müssen „mit den Vokabeln [.] auch ihre grammatikalischen Eigenschaften [wie] Wortart, Genus, Stammbildung und Stammformen sowie die Valenz“[2] erlernen. Einige Vokabeln wie virtus oder res publica vermitteln zudem „kulturelles und historisches Wissen“[3] und tragen zur Erweiterung der allgemeinen Bildung der Schüler bei.

In der vorliegenden Arbeit soll im Anschluss an den Vortrag von Asmus Kurig beim DAV-Kongress in Berlin das Thema Wortschatzarbeit besonderes Augenmerk erhalten. Dabei soll zunächst auf das mentale Lexikon eingegangen werden, das für die Speicherung der Wörter im Kopf verantwortlich ist. Ein Großteil der Arbeit wird jedoch der Wortschatzarbeit im Unterricht gewidmet sein, die verschiedene Phasen von der Einführung neuer Vokabeln über das Speichern und Wiederholen bis hin zum Überprüfen und Abfragen umfasst. Ein eigener Aspekt erhält die Wortschatzarbeit in der Lektürephase, die sowohl für den Lehrenden als auch für den Lernenden eine Herausforderung darstellt. Abschließend soll das Beispiel der Vokabelkartei die individuelle Wortschatzarbeit des Schülers beleuchten, da diese selbständige und eigenverantwortliche (Schüler-)Arbeit für einen erfolgreichen Lateinunterricht unabdingbar ist.

2 Das mentale Lexikon

Menschen kennen „zehntausende Wörter […], von denen die meisten in Sekundenbruchteilen abrufbar sind.“[4] Verortet werden diese Wörter im mentalen Lexikon, das eine lernpsychologische Voraussetzung für die Wortschatzarbeit ist und bei Jean Aitchison eine ausführliche Betrachtung findet. In seinem Werk Words in the Mind[5], in dem er die Struktur und Beschaffenheit des mentalen Lexikons genau zu definieren versucht, bezeichnet er dieses als „human word-store.“[6] Er versteht darunter einen „menschliche[n] Wortspeicher“[7], der im Gegensatz zu normalen Wörterbüchern eine „umfangreich[e] und komplex[e]“[8] Struktur aufweist. Die Komplexität ist bereits in der Bedeutung von Wörtern ersichtlich, die für die Abspeicherung im Gehirn unabdingbar ist. Denn „die Bedeutungen von Wörtern sind nicht scharf voneinander getrennt“[9], sodass Wörter fließende Grenzen und unscharfe Ränder besitzen. Aitchison diskutiert darüber hinaus „das menschliche Wortgewebe […], das „in semantischen Feldern angeordnet [ist].“[10] Auf diese Weise bestehen zwischen den im Kopf gesicherten Wörtern mehr oder weniger feste wechselseitige Verbindungen, die als eine Art Gerüst fungieren, in das ständig neue Wörter integriert werden können.[11] Die ‚Spinnennetztheorie‘ versucht diese Verknüpfungen zwischen Wörtern zu beschrieben, bei der „jede Einheit zu Dutzenden anderer Einheiten in Verbindung steht.“[12] Interessant ist außerdem der eigentliche Prozess der Wortspeicherung, bei der neben der Lautgestalt eines Wortes die Komponenten Wortart und Bedeutung eine so eng verwobene Einheit bilden, dass man sie als Einheit, das sogenannte Lemma, bezeichnen kann.[13] Aitchison macht dabei auf besonders starke Verbindung zwischen „den Wörtern innerhalb der drei wichtigsten Wortklassen des Englischen und Deutschen – Nomen, Verben und Adjektive“[14] aufmerksam, die wiederum „auf eine besondere Art und Weise organisiert“[15] sind. Dass bei mehrsprachigen Lernern das mentale Lexikon beispielsweise auch mehrsprachig verknüpft ist, ist eine von der Sprachwissenschaft vermutete und interessante These.[16] Die Mehrsprachigkeitsdidaktik setzt an diesem Prinzip an und will auf die „interlinguale[n] Verknüpfungen und deren Verwendung für Sprachlernprozesse“[17] aufmerksam machen.

3 Wortschatzarbeit im Unterricht

Ziel der Wortschatzarbeit ist die Verankerung der zu erlernenden Vokabeln im Gedächtnis zur langfristigen Verfügbarkeit und zur schnellen Abrufbarkeit. Dabei tritt das Problem der Abgrenzung des Wortschatzes auf: Welche Wörter müssen gelernt werden? Dieser „Grundwortschatz“ wird durch den Bildungsplan und die Lateinfachschaft einer Schule, zum Beispiel durch die Auswahl eines bestimmten Lehrbuches, festgelegt.[18] Der Bildungsplan 2016 für Latein als zweite Fremdsprache sieht beispielsweise vor, dass sich die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 6/7/8 „einen Wortschatz von etwa 800 Wörtern“[19] erarbeiten, der in den Klassen 9/10 zunächst „auf etwa 1200 Wörter“[20] und sodann in den Klassen 11/12 „lektürebegleitend […] auf etwa 1400 Wörter“[21] erweitert wird. Der Landesbildungsserver, der unter http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/latein/ eine Reihe von Informationen zum Fach Latein online bereit stellt, bietet unter der Rubrik ‚Lateinischer Grundwortschatz‘ gezielt Material zur Wortschatzarbeit an. Dies wird folgendermaßen beschrieben:

„Der Grundwortschatz des Landesbildungsservers enthält ca. 650 lateinische Vokabeln, die für die Übersetzung nötig sind. Die Vokabeln sind überwiegend nach Sachfeldern bzw. Themen geordnet, teilweise auch nach Wortarten. Zu jedem Sachfeld gibt es Schaubilder und interaktive Übungen.“[22]

Außerdem gibt es unter http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/latein/buecher-neu/gws-bibliographie.html eine Bibliographie zum Grundwortschatz, die „in Buchform erschienene Ausgaben des Grundwortschatzes der lateinischen Sprache [enthält].“[23] Es lässt sich festhalten, dass Lateinlehrerinnen und –lehrern durch den Bildungsplan konkrete Vorgaben gemacht werden, was das Thema (Grund-) Wortschatz betrifft. Durch den Landesbildungsserver werden diese zunächst abstrakten Vorgaben mit dem Schullalltag verknüpft, indem praktische Methoden und Arbeitsweisen aufgezeigt werden. Im Folgenden soll nun erläutert werden, wie die einzelnen Vokabeln dieses Grundwortschatzes im Lateinunterricht eingeführt, wiederholt und überprüft werden können. Am Ende sollen Möglichkeiten der Vokabelarbeit während der Lektürephase aufgezeigt werden.

3.1 Einführung neuer Vokabeln

Bei der Einführung neuer Vokabeln stellt sich die Frage, ob diese von den Schülern im Voraus zu erlernen sind, oder ob sie während der Textarbeit im Unterricht gemeinsam erschlossen werden. Ersteres hat den vermeintlichen Vorteil der Zeiteinsparung durch eine beschleunigende Textarbeit ohne Wortschatzeinführung. Jedoch stellt dies für die Schüler „eine demotivierende Aufgabe“[24] dar. Zudem können in ihnen, wenn sie Vokabeln ohne Kontext erlernen, „falsche Assoziationen, Mißverständnisse und Verwechslungen“[25] entstehen. Verschiedene Bedeutungsangaben im Vokabelverzeichnis können den „Transfer vom Lernsystem zum Anwendungssystem“[26] erschweren. Umgekehrt lernt der Schüler bei der Einführung neuer Wörter im Zuge der Textarbeit oft nicht die allgemeine Bedeutung, sondern nur die im entsprechenden Kontext vorzufindende.[27] Dennoch ist es für die Schüler eine Erleichterung, wenn sie Vokabeln im Kontext eines Textes erschließen und anschließend die Bedeutungen gezielt lernen. Aus diesem Grund sollen nun einige Möglichkeiten zur Einführung und Erschließung neuer Vokabeln im Unterricht aufgelistet werden.

Bei jüngeren Klassen sollten die Wörter induktiv eingeführt werden, da sich die Bedeutungen oft aus dem Kontext des Textes ergeben oder mit Hilfe der Illustrationen des Lehrbuches erschlossen werden können.[28]

Zu Beginn eines Lektionstextes eignet sich die Methode der ‚Vorabsemantisierung‘. Dabei werden die Schüler beispielsweise durch antizipierende Leitfragen auf den Gegenstand des Textes eingestimmt und für das Themenfeld sensibilisiert.

Daneben gibt es im Lateinischen viele Möglichkeiten, den Wortschatz im Unterricht einzuführen: Bildung von Paraphrasen, Aufstellen von Synonymen, Antonymen oder auch Wortfeldern, Anknüpfungen an die Etymologie oder andere Fremdsprachen, die Segmentierung von Bedeutungselementen, das pantomimische Vorspielen oder auch das Zeichnen von Symbolen und Bildern.[29] All diese Methoden erleichtern es den Schülern die Bedeutungen unbekannter Wörter zu erschließen und diese sich mit Hilfe der vorausgegangenen Interaktion besser einzuprägen.

3.2 Speichern und Wiederholen

Je mehr Querverbindungen zwischen den Elementen des Wortschatzes hergestellt werden, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Elemente vergessen oder verwechselt werden. Aus diesem Grund müssen Vokabeln im Unterricht konsequent wiederholt werden. Dazu sollte sich die Lehrperson vieler verschiedener Möglichkeiten bedienen, um ein mehrkanaliges Lernen erfahrbar zu machen. Einige sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden. Welche Methode die beste ist, muss individuell nach Klassenstufe, Leistungsniveau, aktuellem Thema oder auch nach verfügbarer Zeit bestimmt werden.

Eine aus dem Fremdsprachenunterricht der Grundschule übernommene Praxis ist „das ‚Wörtermalen‘ als gestalterischer Umgang mit Wörtern, um eine emotionale Bindung an die neue Sprache zu gewinnen.“[30] Den Schülern werden Vokabeln vorgegeben, die bildnerisch umgesetzt werden sollen.[31] Dies kann auf ganze Themenkomplexe erweitert werden. So ist beim miles Romanus „mit entsprechender ‚Ausstattung‘ (gladius, pila, scutum, lorica usw.)“[32] viel Geschick von Seiten der Schüler erforderlich. Weniger kindlich, und damit für ältere Klassen geeignet, sind „strukturierende Visualisierungsformen wie das Mindmap.“[33] Hier müssen die Schüler selbst Strukturelemente finden und Oberbegriffe suchen, was zudem das Denken in Kategorien fördert.[34] „Nur so ist eine nachhaltige Wirkung gewährleistet.“[35]

Beliebt sind zur Wiederholung des Wortschatzes spielerische Übungsformen, wie zum Beispiel ‚Vokabelfußball‘[36]. Besonders zu Beginn oder am Ende einer Unterrichtsstunde sind aktive Übungsformen solcher Art sehr ertragreich, da sie durch ihren oft vorhandenen Wettkampfcharakter zur Motivation beitragen.[37] Kein Schüler möchte seinem Team aufgrund mangelnder Vokabelkenntnisse den Sieg verbauen.

[...]


[1] Schirok, Edith: „Wortschatzarbeit.“ In: Keip, Marina; Doepner, Thomas (Hrsg.): Interaktive Fachdidaktik Latein. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, S. 13-34, S.13.

[2] Kuhlmann, Peter: Fachdidaktik Latein kompakt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, S.56.

[3] Ebd., S.57.

[4] Aitchison. Jean. Wörter im Kopf. Eine Einführung in das mentale Lexikon. Tübingen: Niemeyer-Verlag, 1997, S.19.

[5] Aitchison, Jean: Words in the Mind. An Introduction to the Mental Lexicon. Malden: Blackwell Publishing, ³1987.

[6] Ebd., S.IX.

[7] Aitchison. Wörter im Kopf. 1997, S.13.

[8] Ebd., S.19.

[9] Ebd., S.64.

[10] Ebd., S.125.

[11] Vgl. ebd.

[12] Ebd., S.105.

[13] Vgl. ebd., S.140.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] In ihrem Werk Das mentale Lexikon und Vokabellernen in der Grundschule (2010) nennt Saskia Kersten Harald Weinreich als einer der ersten Wissenschaftler, der 1993 von dieser These ausging.

[17] Decke-Cornill, Helene; Küster, Lutz: Fremdsprachendidaktik. Eine Einführung. Tübingen: Narr, 2009, S. 171.

[18] Vgl. Nickel, Rainer: „Wortschatzarbeit: Wort – Satz – Text.“ In: Der Altsprachliche Unterricht Latein / Griechisch. Band 6 (2005). S. 4-11, S.4.

[19] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Hrsg.): Bildungsplan 2016. Allgemein bildende Schulen. Gymnasium. Latein als zweite Fremdsprache. Stuttgart: 2016, S.13. Online abrufbar unter: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/Startseite/ALLG/ALLG_GYM_L2 zuletzt verwendet am 16.07.16.

[20] Ebd., S.22.

[21] Ebd., S.28.

[22] Online abrufbar unter: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/latein/ zuletzt verwendet am 05.07.16.

[23] Online abrufbar unter: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/latein/buecher-neu/gws-bibliographie.html zuletzt verwendet am 05.07.16.

[24] Fink, Gerhard; Maier, Friedrich: Konkrete Fachdidaktik Latein. München: Oldenbourg Verlag, 1996, S. 18.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] Vgl. ebd., S. 19.

[28] Vgl. Schirok, Edith: „Wortschatzarbeit.“ In: Doepner, Thomas und Keip, Marina (Hrsg.): Interaktive Fachdidaktik Latein. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, S.13-34, S. 18.

[29] Vgl. Schirok. Wortschatzarbeit. 2010, S. 21; vgl. Anhang: Abb. 1, S. 12.

[30] Ebd., S.23.

[31] Vgl. ebd., S.24.

[32] Ebd.; vgl. Anhang: Abb. 1, S.13.

[33] Ebd.

[34] Vgl. ebd.

[35] Ebd.

[36] Vgl. ebd., S.25. Beim „Vokabelfußball“ wird die Klasse in zwei Teams geteilt, die gegeneinander spielen. Wer zuerst drei Vokabeln schneller übersetzt, schießt ein Tor. Das Team mit den meisten Toren gewinnt. Zur Veranschaulichung kann man ein Fußballfeld an die Tafel malen und Magnete als Fußbälle benutzen, eine Folie am OHP auflegen oder den Visualizer benutzen.

[37] Vgl. Schirok. Wortschatzarbeit. 2010, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wortschatzarbeit im Fach Latein
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V375556
ISBN (eBook)
9783668554733
ISBN (Buch)
9783668554740
Dateigröße
774 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wortschatzarbeit, fach, latein
Arbeit zitieren
Anuschka Wanner (Autor), 2016, Wortschatzarbeit im Fach Latein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375556

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