Frauen im deutschen Wandertheater des 18. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1
Inhaltverzeichnis
1.
Themenwahl und Quelleneinordnung ... 2
2.
Wandertheater des 18. Jahrhunderts ... 3
2.1. Karoline Schulze-Kummerfeld ... 4
2.2. Eine Frau auf der Bühne. Das Theatersystem zur Zeit der Karoline Schulze-
Kummerfeld ... 5
2.3. Rollenverteilung in den Wandertheatern und damit einhergehende Konflikte ... 6
2.4. Die finanzielle Situation der Wanderschauspieler ... 9
3.
Schlusswort ... 10
4.
Quellenverzeichnis ... 12

2
1. Themenwahl und Quelleneinordnung
In meiner vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich den Frauen im deutschen
Wandertheater des 18. Jahrhunderts widmen und werde versuchen meine Thesen mit
Hilfe der Biografie von Karoline Schulze-Kummerfeld zu untermauern. Ich habe mich
dem Thema Wandertheater gewidmet, da ich mich sehr für die Theaterformen der
viktorianischen Zeit interessiere. Der Schwerpunkt des Seminars, im Rahmen dessen
diese Hausarbeit angefertigt wird, liegt allerdings auf dem Theater des 17. und 18.
Jahrhunderts in Deutschland. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, das
Leben in einem deutschen Wandertheater näher zu beleuchten und mit Hilfe der zu
Grunde liegenden Biografie herausfinden, inwieweit sich die Erkenntnisse der
Fachliteratur mit den Erfahrungen einer Zeitzeugin decken. Diese Arbeit verfolgt
keine konkrete Fragestellung und ich werde im Rahmen dieser Arbeit nicht die
gesamte Entwicklung des Theaters bis hin zur Wanderbühne behandeln oder
versuchen einen allgemeinen Einblick in den Arbeitsablauf von Wandertheatern
insgesamt zu bieten, denn das würde den Umfang deutlich überschreiten. Im Verlauf
dieser Hausarbeit werde ich stattdessen das Wandertheater der Zeit näher vorstellen,
in der Karoline Schulze-Kummerfeld tätig war. Ich möchte ihre Motive beleuchten
und versuchen, Einblicke in das Leben der Frauen untereinander, sowie in die
Funktionsweise dieser Wanderbühne und in die finanzielle Situation Einblick zu
gewähren. Vorab werde ich jedoch die Biografie von Karoline Schulze-Kummerfeld
einordnen und auf die Probleme hinweisen, die sich ergeben, wenn man mit einer
Biografie arbeitet.
,,Ein fahrendes Frauenzimmer ­ Die Lebenserinnerungen der Komödiantin Karoline
Schulze-Kummerfeld 1745-1815" ist eine Quellensammlung, herausgegeben von Inge
Buck 1994 in München. Sie beinhaltet in achtundzwanzig Kapiteln die
niedergeschrieben Erinnerungen von Karoline Schulze-Kummerfeld. Die einzelnen
Kapitalüberschriften bilden sich chronologisch aus den Jahreszahlen und den bereisten
Orten der Ich-Erzählerin. Sie schreibt sozialkritisch, autobiografisch und im Stile eines
eigenen Reiseberichts. Problematisch bei dieser Quelle ist allerdings, dass Schulze-
Kummerfeld ausschließlich aus eigener Sicht schreibt. Somit sind die Angaben nur
bedingt auf das 18. Jahrhundert im Allgemeinen übertragbar. Weiterhin muss erwähnt
werden, dass sie ihre Texte aus der Erinnerung heraus schrieb. Die oft verwendete
Dialogform in ihren Schriften lässt einen Inszenierungs- und Dramencharakter
deutlich werden, weshalb der Leser den Wahrheitsgehalt einiger Aussagen kritisch

3
betrachten muss. Der Selbstdarstellungscharakter bei autobiografischen Schriften ist
daher unbedingt mit zu berücksichtigen.
2. Wandertheater des 18. Jahrhunderts
Schaut man sich die Geschichte der deutschen Wanderbühne an, stellt man fest, dass
man sie in vier Abschnitte unterteilen kann. Einer dieser Abschnitte, genauer gesagt
die letzte Periode, bildet die Ackermannsche Bühne, in der auch Karoline Schulze -
Kummerfeld zwischen 1758 und 1767 Mitglied war.
1
2
Schon lange vor dieser letzten
Periode waren die Mitglieder einer Wanderbühne mit der Notwendigkeit des
Geldverdienens konfrontiert. Wo früher das Schauspiel nur ,,[...] Ausübung einer
Liebhaberei."
3
war, ist es nun ein eigener Beruf, mit dem man seinen Lebensunterhalt
bestreiten muss. Mit der Zeit gab es auch vom Publikum den Schauspielern gegenüber
eine gewisse Wertschätzung, da man die Überlegenheit des Berufskünstlers gegenüber
den Laien mehr und mehr anerkannte.
4
Man muss jedoch anmerken, dass die
Schauspieler zu dieser Zeit keine Ausbildung in dem Sinne erfuhren, wie wir es aus
heutiger Zeit kennen. Meistens waren die Eltern der Kinder auch schon auf
Wanderbühnen tätig, gaben ihr Wissen an ihren Nachwuchs weiter und unterrichteten
sie. Karoline Schulze-Kummerfeld erfuhr ihre Ausbildung so zum Beispiel durch
ihren Vater.
5
Andererseits fand man auf den Wanderbühnen auch allerhand
Quereinsteiger. Carl Heine spricht in seinem Buch sogar von einem ,,Sammelbecken
für allerhand verunglückte Existenzen; durcheinandergewürfelt nach Abstammung
wie Herkunft."
6
Dieser Umstand ist gar nicht so leicht nachzuvollziehen, bedenkt man,
welche Leistungen von den damaligen Schauspielern abverlangt wurden. In den
Wandertheatern des 18. Jahrhunderts es war üblich, dass, sollte ein Stück in seiner
Aufführung sehr kurz sein, noch ein Nachspiel aufgeführt wurde.
7
Dabei muss noch
berücksichtigt werden, dass die Darsteller schon vor dem Nachspiel in den
1
Heine, Carl: Das Schauspiel der Deutschen Wanderbühne vor Gottsched. Halle an der Saale. 1889.
S.1.
2
Buck, Inge (Hrsg.).: Ein fahrendes Frauenzimmer. Die Lebenserinnerungen der Karoline Schulze-
Kummerfeld 1745-1815. München. April 1994. S. 16.
3
Flemming, Willi (Hrsg.).: Das Schauspiel der Wanderbühne. In: Brecht, Walter; Kralik, Dietrich:
Deutsche Literatur. Sammlung literarischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Entwicklungsreihen.
Reihe Barock. Barockdrama. 5 Bände. Hg. von Dr. Heinz Kindermann. Bd. 3. Leipzig 1931. S.5.
4
vgl. ebd. S. 10.
5
Vgl. Buck, S. 32.
6
Heine 1889, S.15.
7
Vgl. Flemming 1931, S.9.

4
aufgeführten Stücken teilweise mehrere Rollen spielen mussten und zudem noch in
den Tänzen besetzt waren, die ebenfalls Teil einer Aufführung sein konnten. Karoline
Schulze-Kummerfeld bekräftigt diese Annahmen. In ihrer Biografie lässt sich unter
anderem nachlesen, dass sie selbst mehrfach nicht nur als Schauspielerin auf der
Bühne stand, sondern gleichzeitig noch für die Tänze eingeteilt war. Als sie aufgrund
von Krankheit vor einer Aufführung zur Ader gelassen werden sollte, äußerte sie sich
folgendermaßen: ,,»Das geht nicht
«, sagte ich, »sonst kann ich morgen nicht spielen
und tanzen.
«"
8
Auch über die mehrfache Rollenübernahme und die Nachspiele finden
wir in ihrer Biografie Bestätigung.
,,Damals war es noch gebräuchlich, daß, wenn das Stück nicht sehr lang war, nebst dem Ballett
auch ein Nachspiel gegeben wurde. [...] Und so weiß ich, daß Herr Boeck oft an einem Abend
zwei neue Rollen hatte, denn er mußte alle Rollen von Mylius übernehmen."
9
2.1. Karoline Schulze-Kummerfeld
Möchte man die Einblicke, die uns Karoline Schulze-Kummerfeld gibt, besser
verstehen, so muss ich zuerst eine kurze Vorstellung dieser Wanderschauspielerin
voranstellen. Karoline Schulze, am 30. September 1745 in Wien geboren und
verstorben am 20. April 1815 in Weimar
10
, wuchs seit ihrer Kindheit unter
Schauspielern auf. Vater, Mutter und Bruder waren ebenfalls an einer Wanderbühne
tätig, und Karoline sammelte ihre erste Bühnenerfahrung bereits im Alter von drei
Jahren. Dieser Auftritt zusammen mit ihrem Bruder erntete so viel Beifall, dass sie
kurz darauf bereits weitere Rollen bekam. ,,Mein Vater hatte mich schon in meinem
dritten Jahr, wie meinem Bruder Karl eine Rolle gelehrt, [...]. Wir erhielten
allgemeinen Beifall über unsere Dreistigkeit und Art, wie wir spielten. Nachher bekam
ich noch eine Rolle, [...]."
11
Ein Trend, dass Karoline im Laufe ihrer Karriere eine
gefragte und gefeierte Schauspielerin wird, könnte sich zu diesem Zeitpunkt schon
abgezeichnet haben. So sagte wohl auch schon ihr Vater: ,,das Mädchen gibt uns noch
in unserem Alter unser Brot."
12
. Sie schreibt in ihrer Biografie über die einzelnen
Stationen ihres Lebens als Wanderschauspielerin, die im Folgenden näher betrachtet
werden sollen.
8
Buck 1994, S. 124.
9
Ebd. S. 122.
10
Vgl. ebd. S. 286, 289.
11
Ebd. S. 32.
12
Ebd. S. 32.
Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Frauen im deutschen Wandertheater des 18. Jahrhunderts
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Theater- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Theater Historiografie
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V375636
ISBN (eBook)
9783668537477
ISBN (Buch)
9783668537484
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, wandertheater, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Vera Schmidt (Autor), 2015, Frauen im deutschen Wandertheater des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375636

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Frauen im deutschen Wandertheater des 18. Jahrhunderts


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden