Fest- und Feierkultur im Nationalsozialismus. Massenveranstaltungen der Propagandamaschinerie


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung... 1
2.
Feier- und Festkultur im Nationalsozialismus... 1
2.1.
Theoretische Grundlagen... 3
2.2.
Reichsparteitage von 1933 bis 1937... 5
2.3.
Reichserntedankfest... 8
3.
Schlusswort... 10
4.
Literatur- und Quellenverzeichnis... 12

1. Einleitung
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit den Feiern und Festen im
Nationalsozialismus beschäftigen und der Fragestellung nachgehen, ob und wenn ja wie die
Ausgestaltung und Inszenierung solcher Feste zur Identifizierung mit der propagierten
Ideologie beigetragen hat. Um dabei den Rahmen dieser Arbeit nicht zu überschreiten, werde
ich mich auf zwei jährlich wiederkehrende Feste, den Reichsparteitag und das
Reichserntedankfest, beschränken und die Jubiläen des Dritten Reiches außen vor lassen. Da
man sich Festen und Feiern für die Propagandamaschinerie bediente und Propaganda
fortwährend und regelmäßig betrieben werden muss, scheint es mir daher sinnvoll sich auf die
wiederkehrenden Feste, anstatt auf einmalig stattfindende Jubiläen, zu konzentrieren. Im
Verlauf der vorliegenden Arbeit werde ich mich ganz grundsätzlich erstmal mit den Grundlagen
von Festen und Feiern beschäftigen. Hierbei soll geklärt werden was Feste und Feiern zu dem
machen, was sie sind und was sie gemein hin bei den Menschen auslösen. Im Zuge dessen
sollen diese ausgelösten Gefühle näher betrachtet werden und ich möchte klären was sie
bewirken können, wie man sie hervorruft und wie man sich ihrer bedienen kann. Zuvor kommt
jedoch der Einstieg in die Feierkultur des Dritten Reiches. Ich möchte damit beginnen kurz die
völkischen Feiertage vorzustellen und so einen kleinen Überblick über die Feiern der Partei und
ihrer Organisationen geben. Die nächsten beiden Gliederungspunkte widmen sich den
Reichsparteitagen von 1933 bis 1938 und dem Reichserntedankfest. Beide Feste bzw. Feiern
sollen näher vorgestellt werden. Dabei werde ich auf ihre Hintergründe und Vorgeschichte
eingehen und auf die Inszenierung und beabsichtigte Wirkung der verwendeten Elemente zu
sprechen kommen. Ich halte die oben genannten Feste für repräsentativ und habe mich für die
Bearbeitung meiner Fragestellung für diese entschieden, weil sie zu den größten
Massenveranstaltungen im Dritten Reich gehörten und ihre Wirkung andere Feste durch die
große Aufmachung und Inszenierung bei Weitem überstrahlte. Im Schlusswort meiner Arbeit
möchte ich versuchen die Frage zu beantworten, ob die inszenatorischen Mittel ihre Wirkung
erreicht haben und ob dies unmittelbar dazu führte, dass sich die Masse der Bevölkerung mit
dem nationalsozialistischen Gedankengut identifizierte.
2. Feier- und Festkultur im Nationalsozialismus
Die Feierkultur der NSDAP kennt eine Vielzahl verschiedener Feste und Feiern, die sich in drei
Typen gliedern lassen: Die Feiern des Reiches im nationalsozialistischen Jahreslauf in Analogie
zum kanonischen Feierjahr der Kirchen; Morgenfeiern und weltanschauliche Stunden in

Analogie zu Morgenandacht und sonntäglichem Gottesdienst und die Lebensfeiern in Analogie
zu Taufe, Trauung und christlichem Begräbnis.
1
Daneben gab es zusätzlich noch Feierstunden
in kleineren Rahmen innerhalb der Ortsgruppen, der Betriebe, der Partei- und
Wehrmachtseinheit. ,,So suchte der NS-Kult bis in den Alltag der Menschen hinein zu wirken.
Denn die Feiern fanden nicht nur auf nationaler Ebene bei Massenveranstaltungen in Nürnberg,
München oder Berlin statt, sondern wurden auf regionaler und lokaler Ebene wiederholt und
imitiert."
2
Mit dem Gesetz vom 10. April 1933 wurden die ersten Gedenk- und Feiertage,
darunter der 30. Januar als Tag der Machtergreifung, der 1. Mai als nationaler Feiertag des
deutschen Volkes
3
, der letzte Sonntag im September als Tag der nationalen Ernte sowie der 9.
November als Gedenktag für die Gefallenen festgelegt. Bei all dem lässt sich bereits in den
frühen Stadien ein funktionaler und ideologischer Sinn erkennen. Die Partei versuchte von
Beginn an mit politischer Werbung die Einheit von Partei und Staat zu demonstrieren und Hitler
mit theatralischen und kultischen Riten zu einem Mythos emporzuheben und ihm gottähnliche
Verehrung zukommen zu lassen. ,,Dabei bildete sich ein reichsweit geltender Jahresfestkreis
heraus, für den die Bezeichnung NS-Feierjahr in Umlauf kam."
4
Zu dieser Zeit, nach dem
verlorenen Krieg, hatten die meisten Menschen keine Hoffnung und keine Ideale mehr. Das
nationalsozialistische Regime erkannte die Stimmung des Volkes und kam mit den
Versprechungen einer neuen Ordnung und mit großen, werbewirksamen Aufmärschen zur
richtigen Zeit. Sie verstanden es, mit ihren religionsähnlichen Riten und Kundgebungen einen
großen Teil der vorhandenen Leere zu füllen. Die Partei war mit ihren Symbolen und ihren
Formationen überall präsent und sie sollte mit den bei Feiern erlebten Merkmalen, wie
Wohlstand, Selbstbewusstsein, Schönheit, Sorglosigkeit und Volksgemeinschaft, identifiziert
werden. Festansprachen und -reden sollten den Sinn des nationalsozialistischen Lebens
verkünden, von den täglichen Sorgen ablenken und den Beginn einer besseren Zukunft mit der
Partei aufzeigen. Die begangenen Feste und Feiern waren meist keine Autozelebration im Sinne
Rousseaus aber sie sollten ein organisiertes Ereignis darstellen, welches dem Volk ein Idealbild
seines Wesens aufzeigen sollte.
5
Für die zentralen Großveranstaltungen bediente sich die Partei
mehrerer Arten von Dekorationen. Dazu gehörte die temporäre Ausschmückung von Straßen
1
vgl. Vondung, Klaus: Gläubigkeit im Nationalsozialismus. In: Maier, Hans u.a. (Hrsg.): Totalitarismus und
politische Religionen. Konzepte des Diktaturvergleichs. Bd. II. Paderborn. 1997. S. 17.
2
Thamer, Hans-Ulrich: Propaganda und politischer Kult. 2004. http://www.zukunft-braucht-
erinnerung.de/propaganda-und-politischer-kult/ [Zugriff: 28.02.2017]
3
zuerst Tag der Arbeit
4
Hockerts, Hans: Mythos, Kult und Feste. München im nationalsozialistischen Feierjahr. In: Bauer, Richard
(Hrsg.): München- Hauptstadt der Bewegung. München. 1993. S. 331-341. S. 333.
5
vgl. Hugger, Paul: Das Fest ­ Perspektiven einer Forschungsgeschichte. In: Hugger, Paul; Burkert, Walter
(Hrsg.): Stadt und Fest. Zu Geschichte und Gegenwart europäischer Festkultur. Stuttgart. 1987. S.9-24.

und Plätzen für Veranstaltungen unter freiem Himmel, die Errichtung dauerhafter Aufbauten
für widerkehrende Feierlichkeiten und die Ausgestaltung von Innenräumen für Feiern im
kleineren Rahmen.
6
Besonders hervorzuheben bei feierlichen Massenveranstaltungen der
Nationalsozialisten ist die besondere Lichtarchitektur. Anfangs verwendete man noch
Scheinwerfer aus Filmstudios, die dann aber, als alles größer und mächtiger werden musste,
mit Scheinwerfern, geliehen von der Luftwaffe, ersetzt wurden. Die Verwendung von
Lichteffekten und dem Anstrahlen großer Aufbauten und überdimensionaler roten Fahnen, war
ein prägendes Bild für große Feste. Mit einer mystischen Beleuchtung der großen Flächen, der
hinter dem Rednerpult aufgebauten Schaufronten der Festplätze wollte man zudem noch die
Bedeutung des Redners besonders hervorheben.
2.1. Theoretische Grundlagen
Wenn man die nationalsozialistischen Feste untersucht muss man sich zunächst die Frage
stellen was ein Fest überhaupt ist. Grundsätzlich betrachtet ist ein Fest erst einmal ein
besonderer Tag, ein gesellschaftliches oder auch religiöses Ritual oder Ereignis, zu dem sich
Menschen an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen. Feste wirken
gemeinschaftsstiftend und stärken den Zusammenhalt. Damit ein Fest aber diesen
Ereignischarakter erhält und eine gemeinschaftsstiftende Wirkung entfalten kann, muss es
außeralltäglich sein. Es soll die natürliche Zeit außer Kraft setzen und dem Alltag eine
Alternative entgegensetzen. Darüber hinaus heben sich Feste durch besondere Bräuche, die
durchaus auch eine hohe Emotionalität, wie Freude, Begeisterung bis hin zur Ekstase erlauben,
aus dem Alltag heraus. Nach Sigmund Freud ist das Fest
,,ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch eines Verbotes. Nicht weil die
Menschen infolge irgendeiner Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie die Ausschreitungen, sondern
der Exzess liegt im Wesen des Festes; die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst
Verbotenen erzeugt."
7
Durch die jeweilige Ausgestaltung bzw. Inszenierung des Festes soll den Teilnehmern eine
bestimmte Stimmung vermittelt werden. Auch der Faschismus und Nationalsozialismus
versuchten durch ihre Inszenierungen eine Gefühlsatmosphäre zu erzeugen, die nachfolgenden
Gefühlserlebnisse der Teilnehmer begünstigen und intensivieren soll. Die hervorgerufenen
6
vgl. Behrenbeck, Sabine: Festarchitektur im Dritten Reich. In: Brock, Barzon; Preiß, Achim (Hrsg.): Kunst auf
Befehl?. München. 1990. S. 201-252. S. 204.
7
Freud, Sigmund: Totem und Tabu. Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker
(1912-13). Studienausgabe Bd. IX. Frankfurt am Main. 1994. S. 424f.

Emotionen haben generell einen kulturgebundenen, performativen aber auch
handlungsrelevanten Charakter, sind sogar vielmehr selbst handlungsleitend.
8
Diese Gefühle
sind aber nicht einfach da, sondern ihnen sind bestimmte Werturteile vorgelagert. Ronald Sousa
formuliert es treffend: ,,Der Mensch bedarf eines emotionalen Vorurteils, um zu einem
rationalen Urteil zu kommen."
9
Darauf, wie treffend dieses Zitat in Bezug auf die
nationalsozialistischen Feste tatsächlich ist, werde ich im Verlaufe meiner Arbeit noch zu
sprechen kommen. Wie Eingangs bereits erwähnt wirken Feste gemeinschaftsstiftend. Man
kann daher davon ausgehen, dass Feste und ihre erzeugten Emotionen auch eine Relevanz für
die politische Gemeinschaftsbildung haben. Diese Funktion haben sich unter anderem
Diktaturen zu Nutzen gemacht. Ihre innere Stabilität durch Legitimation erhalten Diktaturen
unter anderem durch eine positive Verknüpfung von Empfindungen mit dem Regime und
seinen Repräsentationen. Sie verfügen über einen großen Schatz von Legitimationsritualen, die
auf das Evozieren von genau solchen Gefühlslagen abzielen. Zur Erzeugung einer emotionalen
Affirmation des Volkes betrieb man aufwendige Propagandamaschinen, die, wie Mussolini
sagte, ,,die Leier auf allen Saiten"
10
spielten. Dazu gehörten auch die Gefühle, denn Emotionen
waren zu einem wichtigen Gegenstand der Politik geworden. Man hatte das Bild von einer
Masse, die man verführen müsste, um sie besser führen zu können und um sie lenkbar zu
machen. Auf der anderen Seite der Emotionen, jenseits von Begeisterung, Hingabe und Liebe,
stand das Generieren von Hass und Angst. Man produzierte gemeinsame Feinbilder und das
Schüren von Hass und Angst waren wichtige Bestandteile der Politik. ,,Kaum eine
Interpretation totalitärer Regime und Bewegungen kommt ohne den Verweis aus, dass sich die
innere Kohärenz der jeweils deklarierten Gemeinschaft von Auserwählten nur durch die
permanente Abgrenzung gegenüber Ausgestoßenen herstellte."
11
Hervorgerufene
Gefühlszustände wie Angst, Hass, Liebe, Freude, Begeisterung waren allesamt Produkte einer
bewussten und institutionalisierten Emotionspolitik des Regimes. Das versuchte Evozieren von
Stimmungslagen war eine zielgerichtete und strategisch eingesetzte Maßnahme der
Propagandaapparate. Darüber hinaus galten geäußerte Gefühle im Nationalsozialismus als
8
vgl. Klimo, Árpad von; Rolf, Malte (Hg.): Rausch und Diktatur. Inszenierung, Mobilisierung und Kontrolle in
totalitären Systemen. Frankfurt/New York. 2006. S. 14f.
9
Sousa, Ronald de: The Rationality of Emotions. In: Amélie Oksenberg Rorty (Hg.): Explaining Emotions.
Berkeley. 1980. S. 138f.
10
Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus.
München/Wien. 1996. S. 209.
11
Klimo; Rolf 2006, S. 19.
Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Fest- und Feierkultur im Nationalsozialismus. Massenveranstaltungen der Propagandamaschinerie
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Politische Feste und ihre Inszenierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V375644
ISBN (eBook)
9783668530829
ISBN (Buch)
9783668530836
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fest-, feierkultur, nationalsozialismus, massenveranstaltungen, propagandamaschinerie
Arbeit zitieren
Vera Schmidt (Autor), 2017, Fest- und Feierkultur im Nationalsozialismus. Massenveranstaltungen der Propagandamaschinerie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375644

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