Vorbeugender und nachsorgender Objektschutz gegen Hochwasser. Sanierungsvorschläge für Hauseigentümer


Masterarbeit, 2017

132 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

In hal tsve rze ich nis
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... III
Tabellenverzeichnis ... IV
Abkürzungsverzeichnis ... V
Symbolverzeichnis ... VI
1
Einleitung ... 1
1.1
Problemstellung ... 1
1.2
Zielsetzung ... 1
1.3
Aufbau der Arbeit ... 2
1.4
Begriffsdefinitionen ... 4
2
Ursachen und Auswirkungen von Hochwasser... 5
2.1
Auswirkungen von Hochwasserereignissen ... 5
2.2
Entstehung eines Hochwassers ... 7
2.3
Gefährdungspotenzial von Gebäuden ... 12
2.4
Schadensbilder infolge eines Hochwassers ... 16
3
Hochwasservorsorge ... 21
3.1
Öffentliche Vorsorge ... 21
3.2
Private Bauvorsorge ... 25
3.2.1
Hochwasserrisiko-Analyse bei Bestandsgebäuden ... 26
3.2.2
Vorsorgende Überlegungen bei der Schutzstrategie ... 31
3.2.3
Vorsorge- und Schutzmaßnahmen im Neubau und im Bestand ... 33
3.2.4
Maßnahmenkatalog zum Objektschutz ... 37
3.3
Private verhaltenswirksame Vorsorge ... 39
4
Hochwassernachsorge ... 44
4.1
Bewältigung eines Hochwasserereignisses ... 44
4.2
Schadensbeseitigung und nachhaltiger Wiederaufbau ... 45
5
Fazit ... 53

In hal tsve rze ich nis
II
6
Anwendungsbeispiele ... 55
6.1
Hochwasserereignisse in Baltringen 2016 ... 55
6.2
Beispiel 1: Kindergarten St. Nikolaus, Baltringen ... 56
6.2.1
Schadensbilder und -ursachen ... 58
6.2.2
Empfohlene Sanierungs- bzw. Vorsorgemaßnahmen ... 59
6.3
Beispiel 2: Einfamilienhaus, Baltringen ... 64
6.3.1
Schadensbilder und -ursachen ... 66
6.3.2
Empfohlene Sanierungs- bzw. Vorsorgemaßnahmen ... 66
Glossar ... 72
Quellenverzeichnis ... 73
Inhaltsverzeichnis des Anhangs ... 77
Anhang ... 78

A bbi l du ngs ve rzeic hn i s
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aufbau der Arbeit anhand des Risikomanagementzyklus ... 3
Abbildung 2: Anzahl Schadenereignisse 1980 bis 2016 aufgrund von Naturkatastrophen ... 5
Abbildung 3: Schadenshöhen von Starkregenereignissen in Deutschland ... 7
Abbildung 4: Entstehung von Hochwasser ... 8
Abbildung 5: Form des Einzugsgebietes und Hochwasserverlauf ... 9
Abbildung 6: Wassereintrittsmöglichkeiten und Einwirkungen auf das Gebäude... 13
Abbildung 7: Kategorisierung von Hochwasserschäden ... 16
Abbildung 8: Feuchteschaden infolge eines Hochwassers ... 17
Abbildung 9: Stehendes Wasser in der Schichtenfolge einer Dachterrasse ... 17
Abbildung 10: Aufgeschwommene Fußbodenkonstruktion ... 18
Abbildung 11: Unterspülung eines Hauses ... 18
Abbildung 12: Schaden durch Kontamination ... 19
Abbildung 13: Beispielhafte Darstellung für eine Hochwassergefahrenkarte ... 22
Abbildung 14: Überschwemmungsgebiete gem. WHG vom 31. Juli 2009 ... 23
Abbildung 15: Risikozusammenfassung der Hochwasserrisiko-Analyse ... 30
Abbildung 16: Die drei Schutzstrategien - Ausweichen, Widerstehen, Nachgeben ... 31
Abbildung 17: Verteilung der Elementarschadenversicherung in Deutschland 2017 ... 41
Abbildung 18: Verteilung der versicherten Gebäude auf die Gefährdungsklassen 2016 ... 42
Abbildung 19: Hochwasserrisikomanagement-Abfrage Kindergarten Baltringen ... 56
Abbildung 20: Ergebnis der HWR-Analyse des Kindergartens ... 59
Abbildung 21: Verschluss von Fensterelementen, Vergleich Vorher - Nachher ... 61
Abbildung 22: Geländemodell des Kindergartens ­ Ansicht Ost... 62
Abbildung 23: Geländemodell des Kindergartens - Ansicht Nord ... 63
Abbildung 24: Hochwasserrisikomanagement-Abfrage des Einfamilienhauses ... 64
Abbildung 25: Ergebnis der HWR-Analyse des Einfamilienhauses ... 67
Abbildung 26: Vorsatzschale zum Schutz der Kellerfenster ... 69
Abbildung 27: Planung des Lichthofs für das Einfamilienhaus ... 69
Abbildung 28: Realisierung des geplanten Lichthofs... 70

Tabel len ve rzeic h nis
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Unterscheidung der Hochwasserarten ... 12
Tabelle 2: Unterscheidung struktureller Hochwasserschadensgrade ... 19
Tabelle 3: Einwirkungen und daraus resultierende Schadensbilder ... 20
Tabelle 4: Hochwasserbeständige (Bau-) Materialien ... 50
Tabelle 5: Objektdaten des Kindergartens Baltringen ... 57
Tabelle 6: Objektdaten des Einfamilienhauses ... 65

A bk ü rz un gs ve rze ic h ni s
V
Abkürzungsverzeichnis
B30
Bundestraße
30
DDR
Deutsche
Demokratische
Republik
EG
Europäischer
Gemeinschaft
EPS
Expandierte
Polystyrol-Hartschaumplatten
GK
Gefährdungsklasse
HQ
Hochwasserabfluss
HWR
Hochwasserrisiko
HWRM-RL
Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie
i. A. a.
in Anlehnung an
LAWA
Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
Mrd.
Milliarde
Mio.
Million
PUR
Polyurethan-Hartschaumplatten
WHG
Wasserhaushaltsgesetz
WDVS
Wärmedämm-Verbundsystem
XPS
Extrudierte
Polystyrol-Hartschaumplatten
ZÜRS Geo
Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen

Sym bolv erze ich nis
VI
Symbolverzeichnis
° Grad
% Prozent
§ Paragraph

1 Einlei tung
1
1
Einleitung
,,Wann und wo das nächste Hochwasser eintritt, lässt sich auf lange Sicht nicht vorhersagen.
Der beste Schutz ist und bleibt daher, die staatliche, kommunale und private Vorsorge stetig
zu verbessern [...]."
1
1.1
Problemstellung
In den letzten Jahren wurden durch Hochwasser- oder Starkregenereignisse immer wieder
gravierende Schäden weltweit verzeichnet. Unter anderem deshalb wurden in Deutsch-
land verschiedenste Informationsmaterialien zu Hochwasserschutzmaßnahmen erstellt.
Bund, Länder und Kommunen haben unterschiedlichste Hochwasserstrategien umgesetzt,
sowie technische Maßnahmen ergriffen, um Städte und Dörfer hochwassersicherer zu
machen. Dennoch besteht auch in Gebieten, die nicht unmittelbar an einem Gewässer
liegen, noch großer Handlungsbedarf zum Schutz gegen Überflutungen. Des Weiteren
mangelt es an Aufklärungsbedarf der Bevölkerung, die sich der Gefahren und den Auswir-
kungen eines Hochwassers nicht bewusst ist. Nach einer Umfrage zur Überschwemmungs-
gefahr gehen 66 % aller Hausbesitzer davon aus, nie von einer Überschwemmung betrof-
fen zu sein. Dies verdeutlicht, dass das Themas Überschwemmung unterschätzt wird.
2
Auch bei Geschädigten verschwindet das Risikobewusstsein für Hochwasser und Sturzflu-
ten oftmals nach dem Ende der Aufräumarbeiten sehr schnell.
3
Informationsbroschüren oder Hinweise im Internet sind meist sehr allgemein formuliert
oder beinhalten lediglich Ratschläge für Neubauten. Da aber bei den bisherigen Hochwas-
sern nur bereits bestehende Gebäude betroffen waren, fehlen hierzu mehr konkrete Bei-
spiele, wie der Objektschutz realisiert werden kann.
1.2
Zielsetzung
Diese Arbeit behandelt die Gefahr eines Hochwassers, die daraus resultierenden Folgen
und den bestmöglichen Schutz zur vorbeugenden Schadensminimierung. Dabei steht die
Vorsorge durch bauliche Schutzmaßnahmen für Bestandsgebäude neben einer sinnvollen
1
LfU Bayern (Hrsg.) (2016), S. 10.
2
Vgl. GDV (Hrsg.) (2016), S. 47.
3
Vgl. UBA (Hrsg.) (2011), S. 46.

1 Einlei tung
2
Sanierung nach einem Überflutungsfall im Vordergrund. Auch Maßnahmen für geplante
Objekte werden im Rahmen dieser Arbeit behandelt, um möglichen Schäden schon bei der
Planung entgegenzuwirken.
Das Ziel dieser Arbeit ist, für Hauseigentümer eine praxisorientierte Hilfestellung zum
Hochwasserschutz am Gebäude zu geben. Dazu muss zuerst bekannt sein, wie hoch das
Risiko ist, von einem Hochwasser betroffen zu sein und ob das Gebäude schon ausrei-
chend geschützt ist oder noch Handlungsbedarf besteht. Dies soll anhand einer ausgear-
beiteten Hochwasserrisiko-Analyse für Hauseigentümer überprüft werden können.
Im Weiteren wird eine tabellarische Übersicht über Vorsorgemaßnahmen sowohl beim
Neubau als auch beim Bestand beschrieben. Vor allem bei Bestandsgebäuden spielt der
Objektschutz eine übergeordnete Rolle, weshalb hierzu nochmal separat ein Maßnahmen-
katalog mit Objektschutzmaßnahmen erläutert wird. Abschließend werden für eine sinn-
volle Sanierung nach einem Hochwasserereignis verschiedene geeignete und weniger
geeignete Baustoffe und Baukonstruktionen für eine hochwasserangepasste Bauweise
vorgestellt. Durch den gemeinsamen Einsatz dieser Informationsgrundlagen soll es Eigen-
tümern erleichtert werden, die richtigen baulichen Schutzmaßnahmen vor oder nach ei-
nem Überflutungsfall oder schon bei der Planung eines Neubaus auszuwählen.
1.3
Aufbau der Arbeit
In Kapitel 2 werden zunächst kurz die Auswirkungen von Hochwasserereignissen vorge-
stellt. Daraufhin werden die Ursachen einer Hochwasserentstehung erklärt und es erfolgt
eine Untergliederung der verschiedenen Hochwasserarten. Anschließend wird anhand
eines Schaubildes dargestellt, welche Gefahrenstellen an einem Gebäude vorhanden sind
und welche Schadensbilder infolge eines Hochwassers auftreten können.
Der weitere Aufbau dieser Arbeit orientiert sich am Risikomanagementzyklus der Bund-
/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), der die Punkte Vorsorge, Bewältigung und
Regeneration anspricht (siehe Abbildung 1).
In Kapitel 3 wird zunächst beschrieben, welche Aufgaben und Verantwortungen bei der
öffentlichen Hand liegen. Darauf folgt eine Übersicht über die Möglichkeiten der privaten
Hochwasservorsorge, insbesondere der Bauvorsorge. Danach wird die Hochwasserrisiko-
Analyse erläutert, anhand derer Hauseigentümer von bestehenden Gebäuden das persön-

1 Einlei tung
3
liche Hochwasser- bzw. Schadensrisiko erkennen können. Im Weiteren erfolgt eine um-
fangreiche Auflistung von Schutzmaßnahmen sowohl im Neubau als auch im Bestand. Da
vor allem für Betroffene eine Hilfestellung zu sinnvollen Objektschutzmaßnahmen gege-
ben werden soll, werden diese in einem gesonderten Maßnahmenkatalog beschrieben.
Zum Abschluss dieses Kapitels werden Handlungsweisen zur verhaltenswirksamen Vorsor-
gemaßnahme beschrieben.
Anschließend wird in Kapitel 4 die Hochwassernachsorge behandelt. Diesem Punkt werden
die Elemente Bewältigung und Regeneration zugeordnet. Die Bewältigung beginnt zwar
schon während des Ereignisses, geht dann aber in die Phase der Nachsorge über. Für die
Phase der Regeneration werden Konstruktionshinweise für eine hochwasserangepasste
Bauweise während des Wiederaufbaus gegeben.
Abbildung 1: Aufbau der Arbeit anhand des Risikomanagementzyklus
4
In Kapitel 5 erfolgt zum Abschluss des theoretischen Teils ein Fazit mit einem Ausblick über
mögliche Weiterentwicklungen zum Thema Hochwasserschutz. Um die erarbeiteten
Grundlagen in die Praxis umzusetzen, wird in Kapitel 6 beispielhaft an zwei Objekten, die
beide bereits von einem Hochwasserereignis betroffen waren, jeweils ein Vorschlag für
Hochwasserschutzmaßnahmen gemacht. Dazu wird eine Risikoanalyse für das jeweilige
Objekt durchgeführt und abschließend ein Sanierungsvorschlag erläutert.
4
BMUB (Hrsg.) (2016), S. 12.

1 Einlei tung
4
1.4
Begriffsdefinitionen
Zum einheitlichen Verständnis des gesamten Inhalts müssen vorab einige Begriffe definiert
werden.
Die Sanierung fällt unter die Maßnahmen zur Erneuerung eines Gebäudes und beinhaltet
alle Handlungsweisen zur Wiederherstellung der Gebrauchsfähigkeit einer Baukonstrukti-
on oder eines Gebäudes. Dazu gehören die Instandsetzung, die Rekonstruktion und die
Adaptierung. Die Adaptierung beschreibt die funktionale Verbesserung eines Gebäudes.
Dies kann mittels Aufstockung, Anbau, Umbau oder Ausbau erreicht werden.
5
Somit um-
fassen die Sanierungsvorschläge für Hauseigentümer im Kontext dieser Arbeit sowohl die
präventiven baulichen Hochwasserschutzmaßnahmen an einem Gebäude, als auch die
Aufrüstung nach einem bereits eingetretenen Schaden, da durch diese Maßnahmen die
Funktion des Gebäudes als gesamtes Schutzobjekt erhöht wird.
Von einem Elementarschaden wird gesprochen, wenn ein natürliches Ereignis zu einem
Schaden führt. Dazu gehören Schäden durch Hagel, Sturm (ab Windstärke acht), Über-
schwemmungen, Erdsenkungen, Schneedruck oder auch Vulkanausbrüche. Je nach Scha-
densart werden unterschiedliche Versicherungen benötigt.
6
Unter einem Hochwasser wird die ,,zeitlich beschränkte Überschwemmung von normaler-
weise nicht mit Wasser bedecktem Land" verstanden (§ 72 WHG).
7
Dazu zählen sowohl
Flussausuferungen, als auch der Oberflächenabfluss infolge von Starkregenereignissen.
8
Deshalb wird im Rahmen dieser Arbeit generell von einem Hochwasser gesprochen und
nur punktuell werden die Besonderheiten eines Starkregenereignisses näher erläutert. Die
verschiedenen Hochwasserarten werden zum allgemeinen Verständnis in Kapitel 2.2 be-
handelt.
5
Vgl. Anette Galinski (Hrsg.) (2017).
6
Vgl. Verbraucherzentrale (Hrsg.) (2016).
7
dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH (Hrsg.) (2009).
8
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (Hrsg.) (2016b), S. 50.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
5
2
Ursachen und Auswirkungen von Hochwasser
,,Obwohl Hochwasser ein natürliches Ereignis ist, beeinflusst der Mensch, wie hoch die Wahr-
scheinlichkeit ist, dass ein Hochwasser eintritt, wie es verläuft und welche Schäden es
anrichtet."
9
2.1
Auswirkungen von Hochwasserereignissen
Im Zeitraum von 1980 bis 2016 konnte eine deutliche Zunahme der Naturkatastrophen
weltweit verzeichnet werden. Abbildung 2 zeigt, dass vor allem hydrologische Ereignisse
(Überschwemmungen und Massenbewegungen) in ihrer Anzahl signifikant gestiegen sind.
Hochwasser gehört weltweit neben Sturm und Hagel zu den häufigsten Elementarscha-
densursachen. Rund ein Drittel aller gemeldeten Ereignisse und ein Drittel der volkswirt-
schaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen sind weltweit auf Hochwasser zurückzufüh-
ren.
10
Geophysikalische Ereignisse: Erdbeben, Tsunami, vulkanische Aktivität
Meteorologische Ereignisse: Tropischer Sturm, außertropischer Sturm, konvektiver
Sturm, lokaler Sturm
Hydrologische Ereignisse: Überschwemmungen, Massenbewegungen
Klimatologische Ereignisse: Extremtemperaturen, Dürre, Waldbrand
Abbildung 2: Anzahl Schadenereignisse 1980 bis 2016 aufgrund von Naturkatastrophen
11
9
UBA (Hrsg.) (2011), S. 16.
10
Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2017).
11
Munich Re (Hrsg.) (2017), S. 56.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n H o c hw as s er
6
Während in den Industrienationen 90 % der Schäden rein materieller Art sind, sind in den
Entwicklungsländern 90 % der Schäden körperlicher bzw. gesundheitlicher Art. Grund hier-
für sind unter anderem die fehlenden finanziellen und technischen Möglichkeiten der
Kommunen und Regierungen zum Bau von Schutzmaßnahmen, sowie eine fehlende Infra-
struktur. Außerdem bietet auch die Bauweise der Häuser der Menschen keinen Schutz vor
solchen Wassermassen.
12
Ein Beispiel ist die Überschwemmung im Juli und August 2010 in Pakistan. Verheerende
Fluten nach starken Monsunregen haben zum Tode von mehr als 1.700 Menschen und zu
Folgeerkrankungen aufgrund des verseuchten Wassers geführt. 1,7 Mio. Häuser wurden
beschädigt und mindestens 14 Millionen Menschen waren insgesamt von den Über-
schwemmungen betroffen. Humanitäre Hilfe für 6 bis 7 Mio. Menschen wurde benötigt
und Tausende wurden zu Umweltflüchtlingen.
13
Im Jahre 2016 ereigneten sich weltweit insgesamt 750 Naturschadensereignisse, allein die
Hälfte davon waren hydrologische Ereignisse. Durch solche Ereignisse verloren rund 5.000
Menschen ihr Leben und es entstanden Schäden in Höhe von rund 56 Mrd. US-Dollar, von
denen nur rund neun Mrd. US-Dollar versichert waren. Ein europaweiter Vergleich zeigt,
dass Überschwemmungen 2016 nach Erdbeben die höchsten Schäden verursachten. Groß-
räumige Überschwemmungen in Frankreich und heftige Sturzfluten in Deutschland führten
zu Schäden von rund sechs Mrd. US-Dollar. Die Hälfte der Schäden wurde von der Versi-
cherungswirtschaft getragen.
14
Das jüngste Ereignis in Deutschland sind die Überflutungen im Mai und Juni 2016 in Süd-
und Mitteldeutschland. Aufgrund von heftigen Starkniederschlägen durch die Sturmtiefe
,,Elvira" und ,,Friederike" schwollen innerhalb kürzester Zeit kleine Flüsse zu Sturzfluten an
und überfluteten Straßen und Keller. Insgesamt kamen dabei 11 Menschen ums Leben
15
und es wurde an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben ein geschätzter
Schaden in Höhe von 800 Mio. Euro von der Versicherungswirtschaft gemeldet. Damit sind
diese beiden Sturmtiefs die bisher teuersten Starkregen-Ereignisse in Deutschland, wie in
Abbildung 3 zu sehen ist.
16
12
Vgl. BBK (Hrsg.) (2015), S. 32 f.
13
Vgl. Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) e. V. (Hrsg.) (2017).
14
Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2017), S. 54-58.
15
Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2017), S. 27.
16
Vgl. GDV (Hrsg.) (2016c).

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7
Abbildung 3: Schadenshöhen von Starkregenereignissen in Deutschland
17
In der Klimaforschung bestehen noch sehr große Unsicherheiten hinsichtlich eines Trends
zur Zunahme von Flusshochwassern in der Zukunft. Die Tendenzen aus bisherigen For-
schungsprojekten sind jedoch überwiegend positiv, es wird also davon ausgegangen, dass
Flusshochwasser zunehmen werden.
18
Auch bei den Starkregenereignissen gib es noch
Unsicherheiten hinsichtlich der Aussage über einen konkreten Zukunftstrend. Verschiede-
ne Klimamodelle sagen jedoch eine Veränderung in der Häufigkeit und Intensität von
Starkniederschlagsereignissen und eine wahrscheinliche Zunahme der Ereignisse voraus.
19
2.2
Entstehung eines Hochwassers
Insgesamt gibt es drei Faktoren, die ausschlaggebend für ein Hochwasser sind. Neben dem
Niederschlagsereignis als Auslöser, der Geländebeschaffenheit des Einzugsgebietes und
der Wasserspeicherungseigenschaften des Bodens als Rahmenbedingung, gibt es zusätz-
lich menschengemachte Ursachen, die eine Überschwemmung begünstigen.
20
Niederschläge können je nach Temperatur in Form von Regen, Hagel, Schnee oder Tau
auftreten.
21
In Abbildung 4 ist dargestellt, dass ein Teil des Niederschlags im Boden versi-
17
GDV (Hrsg.) (2016c).
18
Vgl. Brasseur / Jacob / Schuck-Zöller (Hrsg.) (2017), S. 99 f.
19
Vgl. Brasseur / Jacob / Schuck-Zöller (Hrsg.) (2017), S. 60.
20
Vgl. Aktion Deutschland Hilft e. V. (Hrsg.) (2017).
21
Vgl. NLWKN (Hrsg.) (2005), S. 8.

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8
ckert und dort neues Grundwasser bildet. Ein anderer Teil verdunstet direkt wieder in die
Atmosphäre und nochmal ein anderer Teil fließt über die Oberfläche in die Gewässer. Wel-
che Niederschlagsmenge im Boden versickert, hängt sowohl von der Niederschlagshöhe,
der Niederschlagsdauer als auch von der Beschaffenheit des Bodens ab.
22
Im Winter wird
die Hochwassergefahr durch gefrorenen Boden und im Frühjahr durch Schneeschmelze
verschärft.
23
Abbildung 4: Entstehung von Hochwasser
24
Auf versiegelten Flächen in Form von Siedlungs- und Verkehrsflächen kann das Wasser
nicht versickern, weshalb das Wasser oberirdisch abläuft und Überflutungen begünstigt.
Durch den Gewässerausbau wurden die Flussbette für die Schifffahrt tiefer und breiter
ausgebaut sowie begradigt. Dadurch gingen Überschwemmungsflächen verloren, der
Flusslauf wurde verkürzt und der Abfluss beschleunigt. Gleichzeitig wurden mehr Sied-
lungsflächen in gewässernahen Bereichen erschlossen. Deshalb können immer wieder
große Überschwemmungsereignisse verzeichnet werden. Auch Veränderungen in der
Forst- und Landwirtschaft führen zu einem erhöhten Oberflächenabfluss. Durch Abholzung
und Ausdünnung von Waldgebieten kann weniger Wasser verdunsten, Böden können we-
22
Vgl. UBA (Hrsg.) (2011), S. 13 f.
23
Vgl. UBA (Hrsg.) (2011), S. 14.
24
NLWKN (Hrsg.) (2016).

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
9
niger Wasser aufnehmen. Aufgrund der Flächenbewirtschaftung in der Landwirtschaft
werden Auen und Feuchtestandorte aufgegeben und der Boden wird durch den Einsatz
von schweren Maschinen verdichtet. Dadurch kann weniger Wasser in der Fläche versi-
ckern.
25
Bei den Hochwasserarten wird zwischen Flusshochwasser, Sturzfluten oder Überflutung
aus Starkniederschlägen, Grundwasseranstieg und Sturmflut unterschieden.
Einem Flusshochwasser, auch fluviales Hochwasser genannt, gehen lange, großflächige
Dauerregen teilweise in Verbindung mit einer Schneeschmelze voraus. Kann der gesättigte
Boden kein Wasser mehr aufnehmen, fließt der Niederschlag direkt in die Gewässer.
26
Ist
die Aufnahmekapazität der Flüsse erreicht, werden die angrenzenden Gebiete über-
schwemmt.
27
Der Verlauf eines Hochwassers ist entscheidend durch die Form des Einzugsgebietes ge-
prägt. In einem langgestreckten, großen Einzugsgebiet fließt das Wasser in einer flachen,
anhaltenden Welle ab. Im Gegensatz dazu läuft das Wasser in einem runden Einzugsgebiet
aus allen Richtungen gleichzeitig zusammen und bildet eine kurze, sehr steile Hochwas-
serwelle.
28
Abbildung 5: Form des Einzugsgebietes und Hochwasserverlauf
29
Das Zeit-Abfluss-Diagramm in Abbildung 5 zeigt, dass die Form des Einzugsgebietes auch
die Vorwarnzeit eines Hochwassers beeinflusst. Diese kann je nachdem mehrere Stunden
25
Vgl. Aktion Deutschland Hilft e. V. (Hrsg.) (2017).
26
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 561.
27
Vgl. UBA (Hrsg.) (2011), S. 14.
28
UBA (Hrsg.) (2011), S. 14.
29
Geographisches Institut der Universität Bern (Hrsg.) (2015).

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
10
bis Tage betragen. Flusshochwasser können mehrere Stunden bis Wochen andauern und
treten immer wieder in denselben Bereichen an großen Flüssen meist im Winter und im
Frühjahr auf.
30
Zu einer Sturzflut oder einer Überflutung aus Starkniederschlägen, auch pluviale Überflu-
tung genannt, führen kurze, heftige, lokale Niederschläge, die typischerweise in Verbin-
dung mit Gewittern einhergehen. Ab einer Niederschlagsmenge von 5 Millimeter innerhalb
von 5 Minuten bzw. ab 20 Millimeter in einer Stunde wird dabei von Starkregen gespro-
chen.
31
Bei einer Sturzflut ist der Boden zwar zumeist nicht gesättigt, jedoch übersteigt die
Niederschlagsintensität die Infiltrationsrate des Bodens. Der Oberflächenabfluss führt da-
mit zu einer Überflutung.
32
Da sich das Ereignis in kleinflächigen Gebieten abspielt, schwellen kleine Flüsse und Bäche
in kürzester Zeit zu reißenden Flüssen an. In hügeligem oder bergigem Gelände kommt es
dabei zu sogenannten Sturzfluten. Solche Sturzfluten können große Mengen an Treibgut
und erodierten Materialien mit sich reißen, das sich an Engstellen sammelt und so durch
den Rückstau das umliegende Gelände überflutet. Doch auch in der Ebene und weit ab von
Gewässern sind Überflutungen infolge von Starkregen möglich. Das Wasser verteilt sich
dabei schnell auf weite Flächen und kann sich in Senken, wie z. B. Tiefgaragen und Keller-
geschossen, ansammeln.
33
Bei Starkregenereignissen sind meist auch die Abwasser- und
Entwässerungssysteme überlastet. Der Oberflächenabfluss übersteigt die Aufnahmekapa-
zität der Kanalisation und das Wasser kann nicht mehr abgeführt werden. Es entsteht ein
Rückstau im Kanal. Dadurch kann das Wasser über die Hausanschlussleitungen in die Kel-
lerräume oder über die Straße direkt in die Gebäude strömen.
34
Starkregenereignisse treten in der Regel in den Sommermonaten innerhalb von wenigen
Minuten auf, der genaue Ort und Zeitpunkt lässt sich kaum vorhersagen. Deshalb sind
Vorwarnungen und kurzfristige Schutzmaßnahmen zur Schadensminderung so gut wie
nicht möglich. Im Gegensatz zu Flusshochwassern ist die Dauer des Ereignisses kürzer und
beträgt nur wenige Stunden.
35
30
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 562.
31
Vgl. LUBW (Hrsg.) (2016), Anhang S. 19 f.
32
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 562.
33
Vgl. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (Hrsg.) (2016b), S. 2.
34
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 562.
35
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 562 f.

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11
Ein Grundwasseranstieg erfolgt aufgrund langanhaltender Niederschläge oder Nassperio-
den im Klimageschehen sowie aufgrund von Hochwasserereignissen. Bei langanhaltendem
Hochwasser kann es auch zu sogenanntem Qualmwasser kommen, das durch Durchsicke-
rung unter einem Deich oder einer Schutzmauer außerhalb des Überschwemmungsgebie-
tes auftritt.
36
Dabei kann das Grundwasser sogar über die Geländeoberkante treten und
Überschwemmungen verursachen. Diese Art der Überschwemmung kann zum Teil über
mehrere Monate andauern und tritt überwiegend im Frühjahr auf. Betroffen sind vom
Grundwasseranstieg nur kleinflächige Gebiete und hauptsächlich Gebäude in Talauen und
Senken.
37
Diese Art des Hochwassers wird im weiteren Verlauf als Begleiterscheinung ei-
nes Hochwasserereignisses betrachtet. Schutzmaßnahmen vor Grundwasser werden all-
gemein kurz erläutert, jedoch wird dies nicht näher betrachtet, da dies den Umfang dieser
Arbeit übersteigen würde.
Bei einer Sturmflut sorgen nicht Niederschlagsereignisse, sondern orkanartige Stürme für
eine Überschwemmung der Küstenregionen. Von einer Sturmflut wird gesprochen, wenn
der Wasserstand höher als 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasserstand liegt. Sie tre-
ten überwiegend im Winter und im Frühjahr auf und betreffen nur einen relativ schmalen
Küstenstreifen. Dabei können mehrere Sturmfluten aufeinander folgen oder von Unwet-
tern begleitet sein. Dies führt dazu, dass solch ein Ereignis mehrere Stunden bis Tage dau-
ern kann.
38
Die Verbesserung von Küstenschutzmaßnahmen sowie die Weiterentwicklung
der Vorhersage- und Warnmöglichkeiten haben große Sturmflutkatastrophen reduziert.
39
Diese Hochwasserart wird in dieser Arbeit jedoch nicht näher betrachtet, da sie nicht un-
mittelbar mit einem Niederschlagsereignis zusammenhängt.
In Tabelle 1 sind die oben beschriebenen Hochwasserarten noch einmal tabellarisch zu-
sammengestellt und die Unterscheidungsmerkmale aufgeführt.
36
Vgl. DWA (Hrsg.) (2016), S. 15.
37
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 563.
38
Vgl. Hydrotec Ingenieurgesellschaft für Wasser und Umwelt mbH (Hrsg.) (2010), S. 99 f.
39
Vgl. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 561.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
12
Tabelle 1: Unterscheidung der Hochwasserarten
40
Art
Ursache
Charakteristik
Gefährdete
Bereiche
Auftreten im
Jahresverlauf
Fluss-
hochwas-
ser
lange, großflä-
chiger Dauerre-
gen,
teilw. Schnee-
schmelze
Vorwarnzeit
mehrere Stun-
den bis Tage,
Dauer mehrere
Stunden bis Wo-
chen
klein- bis groß-
flächige Gebiete
entlang von Ge-
wässern
überwiegend im
Winter und im
Frühjahr
Sturzflut
oder
Starkre-
genereig-
nisse
lokaler Starkre-
gen (Gewitter)
Vorwarnzeit
einige Minuten,
Dauer wenige
Stunden
praktisch jeder
beliebige Ort,
auch fernab von
Gewässern,
kleinflächige
Gebiete
überwiegend in
den Sommer-
monaten
Grund-
wasseran-
stieg
langfristig über-
durchschnittli-
che Nieder-
schlagsmengen
Dauer zum Teil
mehrere
Monate
kleinflächige
Gebiete,
Talauen, Senken
überwiegend im
Frühjahr
Sturmflut
hoher Wasser-
stand durch
Windstau,
hohe Wellen
Vorwarnzeit
vorhanden,
Dauer mehrere
Stunden bis Tage
relativ schmaler
Küstenstreifen
überwiegend im
Winter und im
Frühjahr
2.3
Gefährdungspotenzial von Gebäuden
Starkniederschläge und Überschwemmungen stellen eine Gefahr für Gebäude dar. Tritt
Wasser in ein Gebäude ein, werden dadurch Schäden im und am Gebäude verursacht.
Dabei spielen neben dem Oberflächenwasser auch das Grundwasser, der Kanalrückstau
sowie große Niederschlagsmengen eine Rolle.
In Abbildung 6 sind die kritischen Gefahrenstellen eines Gebäudes dargestellt, durch die
Wasser in ein Gebäude eindringen kann, und werden jeweils kurz erklärt. Zu beachten ist,
dass Wasser während eines Überflutungsfalles nicht nur durch eine, sondern durch mehre-
re Gefahrenstellen in ein Gebäude eindringen kann.
40
Quelle: Eigene Darstellung i. A. an Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 560 und Hydrotec Ingenieurgesell-
schaft für Wasser und Umwelt mbH (Hrsg.) (2010), S. 100.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
13
Abbildung 6: Wassereintrittsmöglichkeiten und Einwirkungen auf das Gebäude
41
1.
Eindringen des Grundwassers durch Kellerwände und Gründungssohle sowie Einwir-
kungen auf Fundamente:
Aufgrund ungeeigneter Baumaterialien oder fehlender Abdichtungen gegen Boden-
feuchtigkeit ist es möglich, dass Kellerwände oder die Sohle durchnässt werden und so
Wasser ins Gebäude dringen kann. Es besteht die Gefahr, dass die Seitenwände und /
oder die Sohle dem statischen Wasserdruck nicht standhalten und beschädigt werden.
Bei der Gründungssohle ist ein Grundbruch möglich.
Sind die Gründungssohle oder Fundamente nicht ausreichend gegen die entstehenden
Auftriebskräfte gesichert und übersteigt die Auftriebskraft die Summe aller Gebäude-
lasten, kann das Gebäude aufschwimmen und an Standsicherheit verlieren. Dies ist
nicht nur durch den Anstieg des Grundwassers, sondern auch aufgrund von Sicker- und
Stauwasser möglich. Vor allem noch während der Bauphase, wenn noch nicht alle
Stockwerke fertig sind, dürfen die Auftriebskräfte nicht vernachlässigt werden. Weite-
41
UBA (Hrsg.) (2011), S. 42.
7

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
14
re Gefahren bestehen durch Zwangsbeanspruchungen des Tragwerkes durch Setzun-
gen und Verformungen infolge unterspülter Fundamente.
42
2.
Eindringen des Rückstauwassers aus der Kanalisation:
Steigt Wasser bis über die Rückstauebene des öffentlichen Kanalnetzes und besteht
kein ausreichender Schutz für die Hausinstallationen (z. B. Toilette, Bodenabläufe,
Waschbecken etc.), kann Wasser über Entwässerungseinrichtungen unter der Rück-
stauebene ins Gebäude laufen. Durch austretende Fäkalien ergibt sich dann auch ein
hygienisches Problem. Sind Kanalleitungen undicht, kann es infolge eines Grundwas-
serhochstandes ebenfalls einen Rückstau geben.
43
3.
Eindringen des Grundwassers durch Umlauf bei Hausanschlüssen oder durch undichte
Fugen:
Sind Hausdurchführungen oder Fugen zwischen Bauteilen (z. B. Außenwand und Kel-
lerdecke) nicht besonders abgedichtet, kann dort Wasser ungehindert eindringen. Be-
sonders Kabel sind in der Regel nicht druckwasserdicht durch das Mauerwerk geführt
und stellen eine Gefährdungsstelle da.
44
4.
Eindringen des Oberflächenwassers durch Lichtschächte, Kellerfenster und -türen:
Kellerfenster und -türen halten den einwirkenden Wasserdruckkräften meist nicht
Stand und werden eingedrückt oder zerstört. Das Oberflächenwasser dringt dann über
die geöffneten Bereiche in das Gebäude ein.
45
Auch über Rollladenkästen kann Wasser
in ein Gebäude gelangen.
5.
Eindringen des Oberflächenwassers infolge Durchsickerung der Außenwand sowie
Einwirkungen auf die Gebäudesubstanz:
Bei der Außenwand spielen zwei spezielle Gefährdungen eine Rolle. Zum einen kann
Wasser durch die Gebäudewand in das Haus einsickern. Die entscheidenden Parame-
ter sind in diesem Fall die Baumaterialien der Außenwand und die Dauer der Einwirk-
zeit auf die Außenwand. Sockel aus durchfeuchtungsempfindlichen Materialien oder
der Mangel an einer funktionierenden Wasserableitung begünstigen die Durchsicke-
rung.
46
Geht ein Starkregenereignis mit einem Sturm einher, ist es möglich, dass wind-
42
Vgl. Suda / Rudolf-Miklau (Hrsg.) (2012), S. 74-79.
43
Vgl. Suda / Rudolf-Miklau (Hrsg.) (2012), S. 87 f.
44
Vgl. BMUB (Hrsg.) (2016), S. 25.
45
DWA (Hrsg.) (2016), S. 44.
46
Vgl. BBSR (Hrsg.) (2015), S. 11.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
15
getriebenes Wasser durch regenempfindliche Gebäudefassaden in das Gebäudeinnere
gelangt.
47
Ein weiterer Aspekt sind statische und dynamische Kräfte, die aufgrund des anstehen-
den bzw. vorbeifließenden Wassers auf ein Gebäude einwirken. Auf diese Kräfte ist die
Gebäudehülle in der Regel nicht ausgelegt. Schadensbilder der Vergangenheit zeigen,
dass Häuser mit geringer Gründungstiefe verschoben oder leicht zum Einsturz ge-
bracht werden. Weiter ist es möglich, dass große Objekte (z. B. Baumstämme, Felsblö-
cke, Fahrzeuge) an der Gebäudehülle anprallen und diese beschädigen.
48
Sind Öltanks oder andere wassergefährdende Stoffe nicht ausreichend gesichert, kön-
nen diese austreten und führen zu einer Kontamination des Gebäudes.
49
6.
Eindringen des Oberflächenwassers oder Regens durch Tür- und Fensteröffnungen:
Ist das Erdgeschoss ebenerdig mit der Geländeoberkante ausgeführt oder ist die Ein-
laufschwelle zu gering, stellen dort bodentiefe Gebäudeöffnungen eine Gefährdung
dar, solange sie nicht besonders geschützt sind. Steigt das Hochwasser bis hin zu Fens-
teröffnungen, kann auch dort das Wasser eindringen. Hier wirken ebenfalls die stati-
schen und dynamischen Wasserdruckkräfte auf die Bauteile.
50
Des Weiteren ist es möglich, dass sich bei Starkniederschlägen das Wasser auf Balko-
nen oder Terrassen anstaut und dann über die Türöffnung in das Gebäude eindringt.
Auch über geöffnete Dachflächenfenster kann Wasser in das Gebäude gelangen. Ist
Wasser in das Gebäude eingedrungen, besteht eine weitere Gefahr durch Auflasten
auf Geschossdecken durch Überstau sowie durch abgelagerten Schlamm.
51
7.
Eindringen des Niederschlagwassers über undichte Dachhaut und Regenrohre:
Bei Starkregenereignissen ist die Dachentwässerung schnell überlastet. Besonders
Flachdächer sind hier gefährdet, aber auch bei Schrägdächern kann das Wasser in der
Dachrinne überquellen und in das Gebäude eintreten. Ist eine innenliegende Entwäs-
serung vorhanden und defekt, kann dies schnell zu großen Schäden am Gebäude füh-
ren. Durch Schäden an der Dachhaut oder klaffende Fugen ist ebenfalls ein Wasserein-
tritt von oben in das Gebäude möglich.
52
47
Vgl. Egli (2007), S. 85.
48
Vgl. Suda / Rudolf-Miklau (Hrsg.) (2012), S. 76-86.
49
Vgl. BBK (Hrsg.) (2015), S. 60.
50
Vgl. Suda / Rudolf-Miklau (Hrsg.) (2012), S. 74-79.
51
Vgl. Egli (2007), S. 89.
52
Vgl. BBK (Hrsg.) (2015), S. 59.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
16
2.4
Schadensbilder infolge eines Hochwassers
§ 73 Abs. 1 WHG besagt, dass ein Hochwasser nachteilige Folgen für die menschliche Ge-
sundheit, die Umwelt, das Kulturerbe sowie wirtschaftliche Tätigkeiten haben und erhebli-
che Sachschäden hervorrufen kann. Schäden infolge eines Hochwassers können den direk-
ten und indirekten Hochwasserschäden zugeordnet werden. Ein direkter Schaden entsteht
durch den physischen Kontakt mit dem Hochwasser, ein indirekter Schaden wird durch das
Hochwasser ausgelöst, tritt aber räumlich und zeitlich gelöst vom eigentlichen Ereignis auf.
Diese beiden Schadensarten lassen sich dann nochmal unterteilen in tangible und intangib-
le Schäden, wobei nur die tangiblen Schäden monetär bewertet werden können.
53
Abbildung 7: Kategorisierung von Hochwasserschäden
54
Im Privathaushalt und Wohngebäuden können Hochwasserschäden unterschieden werden
zwischen Schäden am Gebäude, Schäden am Hausrat sowie Schäden an Außenanlagen,
Nebengebäuden und Kraftfahrzeugen.
55
Gebäudeschäden beziehen sich auf die äußere
Hülle des Gebäudes einschließlich der Tragkonstruktion, die innere bauliche Ausstattung
des Gebäudes, wie Innenwände und Innenausbauten sowie die technische Gebäudeaus-
rüstung.
56
Ein Gebäudeschaden ist ein Vermögensschaden und führt auch zu Wiederauf-
baukosten. Deshalb ist dieser ein direkter, tangibler Hochwasserschaden.
Welche Schäden an einem Gebäude konkret auftreten, hängt von den Einwirkungsprozes-
sen ab. Die Einflussfaktoren sind der Hochwasserstand als statische Komponente, die
53
Vgl. Thieken / Seifert / Merz (Hrsg.) (2010), S. 25.
54
i. A. a. Patt / Jüpner (Hrsg.) (2013), S. 524.
55
Vgl. Thieken / Seifert / Merz (Hrsg.) (2010), S. 95.
56
Vgl. DWA (Hrsg.) (2016), S. 17.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
17
Fließgeschwindigkeit bzw. Strömung als dynamische Komponente, die Wasserinhaltsstoffe
in Form von Schwimm- und Schwebstoffen, sowie die Dauer der Einwirkung.
57
Die Scha-
densbilder infolge eines Hochwasserereignisses umfassen drei Schadenstypen: Feuchte-
und Wasserschäden, strukturelle Schäden und Kontaminationsschäden.
Bei jedem Hochwasserereignis sind Feuchte- und Wasserschäden zu verzeichnen, dem-
entsprechend sind unterschiedlichste Schädigungen möglich. Zu den typischen Schadens-
bildern gehören
x verfärbte Durchfeuchtungsbereiche,
x Wasserstandlinien,
x Ausblühungen an Oberflächen,
x Form- und Volumenveränderungen,
x sowie die Zerstörung von Technischen Gebäudeanlagen.
Bei fehlenden Entwässerungsmöglichkeiten im Schichtenaufbau kann die Feuchtigkeit
langfristig einwirken. Dies kann Folgeschäden in Form von Festigkeitsverlusten, Reduzie-
rung der Wärmedämmeigenschaften, Befall von Mikroorganismen oder Korrosionser-
scheinungen verursachen.
58
Bei einem Starkregenereignis sind nicht nur Bauteile im unte-
ren Bereich (Kellergeschoss, Erdgeschoss) eines Gebäudes betroffen, sondern auch in den
oberen Stockwerken (Obergeschoss, Dachgeschoss) sind Feuchteschäden durch das Ein-
dringen von Wasser zu verzeichnen.
Abbildung 8: Feuchteschaden infolge eines Hochwassers
59
Abbildung 9: Stehendes Wasser in der Schichtenfolge einer Dachterrasse
60
57
Vgl. DWA (Hrsg.) (2016), S. 16.
58
Vgl. BMUB (Hrsg.) (2016), S. 39.
59
Weller / Fahrion / Horn et al. (2016), S. 132.
60
Weller / Fahrion / Horn et al. (2016), S. 184.

2 U rs ac hen u nd A us w i rk u nge n vo n Ho c hw as s er
18
Zu den wesentlichen Schadensbildern von strukturellen oder statisch relevanten Schäden
zählen Gründungsschäden, wie z. B. Setzungen oder Unterspülung infolge von Erosion
oder Auskolkung des Baugrundes. Diese Schäden sind vor allem nach einer Sturzflut zu
beobachten, da der Oberflächenabfluss sehr schnell ist. Weitere strukturelle Schäden ent-
stehen durch hydrostatischen und hydrodynamischen Druck oder Auftrieb, was z. B. zum
Aufschwimmen einer Estrichkonstruktion führen kann. An der Gebäudesubstanz können
anprallende Elemente zur Zerstörung einzelner Bauteile führen. Sind diese Schädigungen
so gravierend, dass die Standsicherheit eines Gebäudes gefährdet oder gar nicht mehr
gegeben ist, erfolgt als letzter Schritt der Abriss eines Gebäudes. Das Ausmaß der struktu-
rellen Schäden hängt neben der Wasserstandshöhe auch von der Fließgeschwindigkeit, der
Einwirkdauer, sowie der Geschiebemenge ab. Weitere beeinflussende Parameter sind
Baugrundverhältnisse, Gründungstiefe, Gewichtskraft des betroffenen Gebäudes sowie
verwendete Baumaterialien und die Baukonstruktion.
61
Abbildung 10: Aufgeschwommene Fußbodenkonstruktion
62
Abbildung 11: Unterspülung eines Hauses
63
Die strukturellen Schäden lassen sich je nach Schadensgrad in ein fünfstufiges Differenzie-
rungskonzept einordnen. In Tabelle 2 ist zu sehen, dass auch die Durchfeuchtung berück-
sichtigt wird. Deren Anteil nimmt am Gesamtschaden jedoch mit zunehmendem Scha-
densgrad ab und der strukturelle Anteil nimmt zu. Die mit
Ì gekennzeichneten Flächen
sind das charakteristische Merkmal für den entsprechenden Schadensgrad. Die mit
° ge-
kennzeichneten Bereiche stellen die beobachtete Schädigung dar, die bei entsprechendem
Schadensgrad auftreten können. Schadensgrad D1 weist keinen strukturellen Schaden auf,
bei Schadensgrad D2 sind keine bis leichte strukturelle Schäden sichtbar. Bei Schadensgrad
61
Vgl. Weller / Fahrion / Horn et al. (2016), S. 133.
62
BMUB (Hrsg.) (2016), S. 41.
63
BMUB (Hrsg.) (2016), S. 40.

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19
D3 sind moderate und bei Schadensgrad D4 schwere strukturelle Schäden erkennbar.
Schadensgrad D5 ist durch einen sehr schweren strukturellen Schaden gekennzeichnet.
64
Tabelle 2: Unterscheidung struktureller Hochwasserschadensgrade
65
Beobachtungen
Schadensgrad
D1 D2 D3 D4 D5
Durchfeuchtung der Wände und der Geschossdecken
Ì ° ° ° °
leichte Risse in tragenden Bauteilen
° ° ° °
eingedrückte Türen und Fenster
° ° ° °
Austausch von Ausbauteilen erforderlich
Ì ° ° °
größere Risse oder Verformungen in Wänden und Decken
Ì ° °
Setzungen
° ° °
Einsturz von Bauteilen (Wände, Decken)
Ì °
Austausch von tragenden Bauteilen erforderlich
°
Einsturz des gesamten Gebäudes oder größerer Gebäudeteile
Ì
Abriss erforderlich
°
Dient das Wasser als Lösungs- oder Transportmittel von wassergefährdeten Stoffen, wie
z. B. Heizöl aus aufgeschwemmten und beschädigten Heizöltanks oder Fäkalien aus Klär-
und Stallanlangen, sind Kontaminationsschäden die Folge. Typische Schadensbilder sind
Verfärbungen, starke Gerüche, Ölfilme und Korrosionserscheinungen an metallischen Bau-
teilen. Kommen diese Substanzen in Kontakt mit der Bausubstanz, wird diese erheblich
belastet und meist so stark beschädigt, dass ein Austausch der belasteten Bauteile erfor-
derlich ist. Bei einer Kontamination ist die Schadenshöhe zwei bis dreimal so hoch im Ver-
gleich zu einem reinen Feuchte- und Wasserschaden.
66
Abbildung 12: Schaden durch Kontamination
67
64
Vgl. Thieken / Seifert / Merz (Hrsg.) (2010), S. 186 f.
65
i. A. a. Thieken / Seifert / Merz (Hrsg.) (2010), S. 188.
66
Vgl. Weller / Fahrion / Horn et al. (2016), S. 133 f.
67
Weller / Fahrion / Horn et al. (2016), S. 134.

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20
Auftretende Schadensbilder und Folgen am Gebäude sind in Tabelle 3 übersichtlich darge-
stellt.
Tabelle 3: Einwirkungen und daraus resultierende Schadensbilder
68
Einwirkung
Resultierender
Prozess
Auswirkung
Schadensbilder und
Folgen
Hoch-
wasserstand
Eindringen von Was-
ser ins Gebäude
Feuchte- und Was-
serschaden:
Vernässung
Feuchteschäden am Ge-
bäude, Zerstörung der
TGA, Schimmelbildung
Hoch-
wasserstand
Statische Wasser-
druckkraft auf die
Gebäudehülle
Struktureller
Schaden:
Bruch bei Über-
schreitung der Be-
lastungsansätze
Eingedrückte oder zer-
störte Fenster und Türen
Hoch-
wasserstand
Statische Sohlwas-
serdruckkraft auf die
Gründungsbereiche
(Kellerboden)
Struktureller
Schaden:
Auftreibende
Kräfte
Aufschwimmen des Ge-
bäudes, hydraulischer
Grundbruch im Sohlen-
und Fundamentbereich,
Risse in tragenden Bau-
teilen, Verformungen in
Wänden und Decken,
Austausch von Bauteilen
Strömung
Dynamische Was-
serdruckkraft auf das
Gebäude
Struktureller
Schaden:
Mechanische Belas-
tung durch Wasser /
Schwimmstoffe
Beschädigung der Ge-
bäudehülle
Strömung
Erosion
Struktureller
Schaden:
Unterspülung von
Fundamenten
Unterspülte Fundamente,
Setzungen, Einsturz von
Bauteilen oder des ge-
samten Gebäudes, Abriss
Strömung
Akkumulation
Struktureller
Schaden:
Ablagerung mitge-
führter Schwimm-
stoffe / Sedimente
Verschmutzung, Auflas-
ten auf Decken
Wasser-
inhaltsstoffe
Akkumulation,
chemische Reaktion
Kontaminations-
schaden:
Ablagerung von
Schadstoffen
Totalschaden durch Kon-
tamination
68
Quelle: Eigene Darstellung i. A. a. DWA (Hrsg.) (2016), S. 17.
Ende der Leseprobe aus 132 Seiten

Details

Titel
Vorbeugender und nachsorgender Objektschutz gegen Hochwasser. Sanierungsvorschläge für Hauseigentümer
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
132
Katalognummer
V376067
ISBN (eBook)
9783668535848
ISBN (Buch)
9783668535855
Dateigröße
7506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorbeugender, objektschutz, hochwasser, sanierungsvorschläge, hauseigentümer
Arbeit zitieren
Iris Kammerer (Autor), 2017, Vorbeugender und nachsorgender Objektschutz gegen Hochwasser. Sanierungsvorschläge für Hauseigentümer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376067

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