Minnekonzepte in Ulrich von Zatzikhovens Roman "Lanzelet"

Analyse der Minneerlebnisse des Protagonisten Lanzelet


Seminararbeit, 2016

27 Seiten, Note: 1


Leseprobe

4
Inhalt
Einleitung und kurzer Überblick ... 5
Der wîpsælige Lanzelet ­ Die Minnestationen ... 7
Die namenlose Galagandreiztochter ... 7
Ade, Nichte des Königs Linier ... 11
Gegenüberstellung der bisherigen Minneerfahrungen ... 16
Die Königin von Pluris ... 21
Wenn Minne misslingt ­ Negative Beispiele in Ulrichs Werk ... 22
Der reiche stumme Gilimar ... 22
Elidia, die Drachenfrau ... 23
Ehepaare im ,,Lanzelet" ... 23
Lanzelets Eltern: Pant und Clarine ... 23
Artus und Genover - Das nicht ganz so perfekte Paar ... 24
Lanzelet und Iblis ­ Das ideale Liebespaar ... 24
,,Und die Moral von der Geschicht´" ­ Charaktereigenschaften schlechter und guter
Minnepartner ... 27
Literaturverzeichnis ... 28
Primärliteratur ... 28
Sekundärliteratur ... 28

5
Einleitung und kurzer Überblick
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema ,,Der wîpsælige Lanzelet ­ Minnekonzepte in Ulrichs
Roman". Sämtliche Minneerlebnisse des Protagonisten ,,Lanzelet" werden vorgestellt sowie
deren Bedeutung für ihn erläutert und anhand unterschiedlicher Autoren und Beiträge diskutiert.
© Lancelot and Guinevere by Herbert James Draper
1
Ulrich von Zatzikhoven lobt seinen ,,Hauptdarsteller" schon gleich im Prolog seines Werkes, und
macht so auf die Einzigartigkeit des Helden aufmerksam, wenn er schreibt:
daz eim ritter wol gelanc,
der ie nâch stæten tugenden ranc.
der was hübsch und wîs
und bejagete manigen prîs
wît in den landen
an stolzen wîganden.
2
Lanzelet ist das einzige Kind von Pant und Clarine, dem Königspaar von Genewis. König Pant,
der ein grausamer Herrscher ist und sich um sein Volk wenig kümmert, ist sehr unbeliebt, weshalb
die Grafen und Herzöge des Landes einen Anschlag auf ihn planen und vollziehen. Auch seine
Gattin Clarine, das genaue Gegenteil von ihm, also freundlich und mildtätig, gütig und rein, kann
dies nicht verhindern. Sie flieht mit ihrem Sohn und überlässt ihn schließlich der Meerfee, welche
das Kind in ihrem Reich aufzieht.
Das Königreich der Meerfee, wunderschön und mythisch, ist nur von Damen bewohnt. Diese
bringen dem Königsohn sämtliche höfische Tugenden, richtiges Sprechen und Verhalten
gegenüber Damen, sowie Singen und Musizieren bei. Schon von Anfang an ist Lanzelet (der
seinen Namen allerdings nicht kennt) sehr beliebt bei allen Frauen, so dass eine jede von ihnen
sich danach sehnt, von ihm geliebt zu werden:
der vrouwen wunschte iegelich,
daz er si sollte minnen;
moht er ir niht gewinnen,
daz enwânt ir keiniu sîn ungefuoc,
1
Draper, Herbert James: Lancelot and Guinevere. https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1277269 (26.10.2016).
2
Ulrich von Zatzikhoven: Lanzelet. Text ­ Übersetzung ­ Kommentar. Studienausgabe. Herausgegeben von Florian Kragl. Berlin:
De Gruyter 22013. V2530. (alle folgenden Werkzitate werden verkürzt angegeben: Lanzelet, V xy).

6
wan er was hübsch und kluoc.
3
Die hervorragende Ausbildung in höfischem Benehmen reicht dem Jüngling aber nicht, und auch
die Meerwunder, die ihn das Kämpfen und ritterliche Spiele lehren, können seine Sehnsucht, ein
richtiger Ritter, samt Pferd und Rüstung zu werden, nicht stillen. So bittet der junge Herr seine
Ziehmutter, die Meerfee, darum, in die Welt hinausziehen zu dürfen; nicht ohne vorher aber nach
seinem Namen zu fragen. Diesen möchte ihm die Meerfee aber nicht nennen. Vielmehr eröffnet
sie ihm, dass zur Lösung dieses Rätsels, der Sieg über Iweret, den mächtigsten Ritter, den es je
gegeben hat, nötig ist. Iweret ist aber nicht nur der beste Ritter, sondern auch der Feind der
Meerfee, weil er eine Bedrohung für ihren Sohn Mabuz darstellt. Somit soll ihr Ziehsohn seinen
Namen nur dann erfahren, wenn er Rache für sie übt.
4
Lanzelet verlässt nun das Meerreich samt den dort lebenden Damen
daz si trûric mohten werden,
sô enwære ûf al der erden
nie baz beweinet ein man
von sô maniger vrouwen wol getân.
5
und macht sich auf, ein echter Ritter zu werden.
6
Auf diesem Weg trifft er auf so manches Abenteuer und auch so manche Dame. Um diese
Begegnungen, darum, was sie für Lanzelets Entwicklung bedeuten und wie sie ihn formen und
welche Rolle die einzelnen Vaterfiguren haben geht es in den folgenden Kapiteln. Außerdem soll
aufgezeigt werden, wie Ulrich von Zatzikhoven das Thema ,,Minne" generell behandelt, welche
Konzepte er vorstellt und was ideale Minne und Partnerschaft für ihn bedeuten.
Zuvor noch ein kurzer Hinweis auf den Autor selbst und die Entstehung des Werkes:
Der ,,Lanzelet" des Ulrich von Zatzikhoven gilt als der erste deutschsprachige Artusroman, ist
wohl um 1250 entstanden und in zwei Handschriften, W und P, sowie einigen Fragmenten
erhalten.
7
Der Autor, bei dem es sich wahrscheinlich um einen urkundlich erwähnten Leutpriester
aus Zäzikon im schweizerischen Thurgau handelt
8
, erwähnt im Epilog seines Werkes ein
,,
welschez buoch"
9
, das ihm als Vorlage gedient habe.
Ulrichs Werk wird üblicherweise in zwei Teile geteilt:
10
Im ersten Teil geht es um Lanzelets Suche nach seiner Identität und der idealen Lebensgefährtin.
Er erlernt auf diesem Weg der Identitäts- und Frauensuche unterschiedliche ritterliche Tugenden,
3
Lanzelet, V270274.
4
Vgl. Lanzelet, V275344.
5
Lanzelet, V385389.
6
Vgl. Lanzelet, V44390.
7
Vgl. Achnitz, Wolfgang (Hg): Deutsches Literatur Lexikon: Das Mittelalter. Berlin: De Gruyter 2013. Sp. 326328.
8
Vgl. Boor, Helmut de: Die höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang 11701250. Bearbeitet von Ursula Henning.
München: C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung
10
1979. S. 81.
9
Lanzelet, V9324.
10
Vgl. dazu beispielsweise:
Gottzmann, Carola: Deutsche Artusdichtung. Band I ­ Rittertum, Minne, Ehe und Herrschertum. Die Artusepik der
hochhöfischen Zeit. Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang 1986. S. 179.
Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Zweiter Teil: ,,Reinhart Fuchs", ,,Lanzelet", Wolfram von Eschenbach,
Gottfried von Straßburg. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1980. S. 46.
Trendelenburg, Armgart: Aufbau und Funktion der Motive im Lanzelet Ulrichs von Zatzikhoven im Vergleich mit den deutschen
Artusromanen um 1200. Dissertation (maschinell). Universität Tübingen 1953. S. 25.

7
die ihn letztendlich zum besten Ritter machen und an den Artushof führen. Durch seine
Bewährung als bester Ritter und sein Erlernen sämtlicher höfischer Tugenden, erweist er sich
schließlich aus als würdig die Herrschaft über Genewis, die durch das Verschulden seines
tyrannischen Vaters Pant verloren gegangen ist, wieder anzutreten.
Zentrum des zweiten Teils ist der Artushof, von dem alle Abenteuer ausgehen und wohin auch
jeder Weg zurückführt. Der zweite Teil ist vor allem der Bewährung und Bestätigung gewidmet:
sowohl Lanzelet als perfekter Ritter, wie auch die, im ersten Teil gefundene, Minnebeziehung zu
Iblis, werden auf die Probe gestellt. Wiederholtes Gefangenschafts- und Befreiungsmotiv, sowie
Belehrung bezüglich Minnethematik machen einen Großteil des zweiten Teils aus.
11
Für Walter Haug beherrscht das Thema der ,,Treulosigkeit" den ersten Teil der Geschichte:
Lanzelet geht von Frau zu Frau, bis er bei Iblis landet. Diese Bindung und die gegenseitige Treue
werden dann im zweiten Teil auf die Probe gestellt, und am Ende muss Lanzelet einen Drachen
entzaubern, der für die ,,triuwe-Losigkeit" per se steht.
12
Armgart Trendelenburg kennzeichnet Ulrichs ,,Lanzelet" wegen der durchgängigen
Minnethematik in beiden Teilen
Minneroman.
13
Der wîpsælige Lanzelet ­ Die Minnestationen
Der oft zitierte Begriff ,,
wîpsælig
" gilt als Wortneuschöpfung des Ulrich von Zatzikhoven, da er nur
bei ihm vorkommt. Er lässt sich übersetzen mit ,,durch Frauen beglückt" oder ,,den Frauen
gefallend"
14
. Xenja von Ertzdorff umschreibt den
wîpsæligen
Lanzelet als einen Mann, dem die
Frauen ihre Liebe bereitwillig schenken, ja sogar fast schon aufdrängen
15
und bei Kurt Ruh findet
sich die Anmerkung, dass die oft zitierte und meist negativ abgetane ,,wîpsælecheit" des Lanzelet
an sich keinen triebhaften Einschlag habe, sondern lediglich ausdrücken solle, dass er Glück bei
den Frauen habe. Er betont auch, dass die Aktivität doch meist von den jungen Damen
ausgehe!
16
Die namenlose Galagandreiztochter
Die erste Frau, mit der der namenlose Ritter in näheren Kontakt kommt ist die, ebenfalls
namenlose, Tochter des Galagandreiz, König von Môreiz. Sie begegnen sich auf der Burg des
Vaters, wo Lanzelet zusammen mit Orpilet und Kuraus eine Übernachtungsmöglichkeit sucht.
Trotz des schlechten Rufs Galagandreiz´ als ,,
strenger urliuges man"
17
werden sie dort freundlich
11
Vgl. Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, S. 46.
12
Vgl. Haug, Walter: ,,Das Land, von welchem niemand wiederkehrt". Mythos, Fiktion und Wahrheit in Chretiens ,,Chevalier de
la Charrete", im ,,Lanzelet" Ulrichs von Zatzikhoven und im ,,Lancelot"Prosaroman. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1978. S.
58.
13
Vgl. Trendelenburg, Armgart: Aufbau und Funktionen der Motive, S. 38.
14
Vgl. Achnitz, Wolfgang: Deutschsprachige Artusdichtung des Mittelalters ­ Eine Einführung. Berlin: Walter de Gruyter 2012. S
169.
15
Vgl. Ertzdorff, Xenja von: Spiel der Interpretation ­ Gesammelte Aufsätze zur Literatur des Mittelalters und der Frühen
Neuzeit. Göppingen: Kümmerle Verlag 1996. S. 167.
16
Vgl. Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, S. 48.
17
Lanzelet, V739.

8
aufgenommen und gut verpflegt. Vor der Nachtruhe ermahnt König Galagandreiz die drei Ritter,
die zusammen in einem Schlafsaal untergebracht sind: ,,
helde, sît gemant, daz ir gezogenlîche
liget"
18
.
Die Tochter des Königs sieht nun ihre Stunde für gekommen, denn ,,
diu minne tet ir alsô wê"
19
.
Sie schmückt sich mit allen erdenklichen Kostbarkeiten und macht sich auf den Weg um einen
der Ritter zu verführen. Sie betritt den Schlafsaal und wendet sich an Orpilet (der ihr am nächsten
liegt):
Mir ist dicke vil geseit
von minnen und ir süezicheit:
diu sî bezzer wanne guot.
man werde von ir wol gemuot.
20
Sie klagt über ihren Vater, der bisher versucht habe sie von allen Männern und der Minne
fernzuhalten:
der [Vater, Anm. GMR] sprichet: ,,minne ist ansehendez leit,
ein bilde maniger irrecheit,
ein unruoch allerslahte vromen,
ein vorder ungemuotes gomen.
den zagen ist siu ein swærer last,
des swachen herzen leider gast
21
.
Minne ist ein sache grimmer nôt,
der triuwen ein verfalschet lôt.
22
Mit viel Lob und Schmeicheleien versucht sie Orpilet dazu zu überreden, die Nacht mit ihr zu
verbringen, stößt aber auf taube Ohren und wird abgewiesen. Der Ritter erkennt wohl sehr rasch,
dass ihre Worte ohne Bedeutung sind und aus ihr nur Neugier, keine echte Liebe, spricht.
Nun wendet sich das Mädchen an den nächsten Ritter, Kuraus, und versucht an ihm ihr Glück.
Wieder berichtet sie vom Liebesverbot ihres Vaters: ,,
mir verbôt mîn vater alle man"
23
, sie macht
aber auch deutlich klar, dass sie sich nicht daran halten will: ,,
ich wirbe ê selbe umb einen man,
der witz und êre pflegen kann"
24
. Zwar wird sie nicht ganz so harsch abgewiesen wie zuvor, denn
der Ritter Kuraus drückt durchaus sein Bedauern aus, dass er sich nicht um sie ,,kümmern" kann,
aber sie bekommt dennoch nicht, was sie sich wünscht.
Lanzelet, der das Schauspiel bisher stumm beobachtet hat, kann es kaum erwarten, selbst an
die Reihe zu kommen und lässt das Mädchen nicht einmal Luft holen, um das Wort an ihn zu
richten, bevor er selbst in Aktion tritt:
der junge ritter ûf spranc
und sprach: ,,vrouwe mîn,
du solt grôß willekomen sîn
dem rîchen got und mir.
ich wil gern dienen dir.
du endarft umb mich niht werben.
25
18
Lanzelet, V838839.
19
Lanzelet, V880.
20
Lanzelet, V915918.
21
Lanzelet, V923928
22
Lanzelet, V931932.
23
Lanzelet, V1046.
24
Lanzelet, V10491050.
25
Lanzelet, V10841089.

9
Er nimmt sie in den Arm und ,,
in wart diu beste minne kunt, diu zwein gelieben ie geschach"
26
.
Lanzelet genießt zwar diese erste Minneerfahrung, vergisst aber nicht, dass er nur die letzte Wahl
des Mädchens war und nimmt ihr das insgeheim übel:
doch enmoht er vergezzen nie,
daz siu ze jungest zuo im gie.
des versweig er si dâ,
siu engaltes aber anderswâ.
27
Das betont auch Richard Chamberin, wenn er schreibt: ,,
Even toward his supposed beloved he
harbors secret resentment instead of love
."
28
Der nächste Morgen bringt dann das böse Erwachen: das Liebespiel wird vom zornigen Vater
des Mädchens entdeckt und der Liebhaber zum Messerkampf herausgefordert. Lanzelet stellt
sich, ohne große Schwierigkeiten, als Sieger des Kampfes heraus und erhält sowohl die Hand
des Mädchens, als auch ihr Reich zum Lohn. Er beendet somit die Herrschaft des Galagandreiz,
der weithin als streit- und rachsüchtig bekannt war und herrscht freigebig und mild. Schon rasch
werden ihm die Burgmauern aber zu eng und er möchte seine Ausbildung zum besten Ritter
fortführen. Deshalb verschwindet er heimlich und lässt seine namenlose Gattin zurück, nicht ohne
vorher aber Verwalter einzustellen, die sich um das Land kümmern.
Wie lassen sich die Begebenheiten auf Burg Môreiz interpretieren? Von großer Bedeutung
erscheint, dass der Autor das Mädchen für so unbedeutend hält, dass er ihr nicht einmal einen
Namen gibt. Hermann Weigand bezeichnet sie als ,,mere windfall, a nymphomaniac"
29
, da sie
gleich drei Ritter umwirbt. So lernt sie die Minne kennen und agiert für den, ebenfalls
unerfahrenen, Lanzelet als erste Minnedame, die ihm Hand und Reich schenkt. Nachdem er sie
dann heimlich verlässt, wird sie nie wieder erwähnt. Für Almut Münch ist die Galagandreiz-
Tochter das Abbild einer ,,biblischen Eva-Figur": blühend schön, in einem extra für sie gestalteten
Paradies, hat sie scheinbar alles, was sie braucht, aber mit Lanzelet, Kuraus und Orpilet zieht die
Sünde in Gestalt dreier strahlender Ritter in die Burg Môreiz ein und die weibliche Neugier des
Mädchens wird zur Ursache allen Übels.
30
Ob man die auf die Liebesnacht folgenden Ereignisse als ,,Übel" betrachten kann ist aber fraglich.
Lanzelet besiegt schließlich den tobenden Vater und erhält Hand und Reich des Mädchens, und
auch wenn er sie später verlässt, so ist sie doch dem engen Käfig des Vaters entflohen und das
Volk, bei dem Galagandreiz nicht beliebt war, ist mit Lanzelets freigebiger Art auch zufrieden.
Also handelt es sich eher um eine ,,win-win-Situation".
26
Lanzelet, V10981099.
27
Lanzelet, V11091112.
28
Chamberlin, Richard: The marvellous as allegory in Ulrich von Zatzikhoven´s Lanzelet. Michigan: UMI Dissertation Services
1999. S. 98.
29
Weigand, Hermann: Three Chapters on Courtly Love in Arthurian France and Germany. Lancelot ­ Andreas Capellanus ­
Wolfram von Eschenbach´s Parzival. Wisconsin: The University of North Carolina Press 1956. S. 6.
30
Vgl. Münch, Almut: Die Nebenfiguren in Ulrichs von Zatzikhoven ,,Lanzelet" ­ ,,iu enwirt me niht geseit / von ir dewederem
ein wort" (V. 3674f.). Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften 2005. S. 177.

10
Das namenlose Mädchen stellt aber nur die Anfangsstufe auf Lanzelets Weg dar, da sie aufgrund
ihrer ,,
unkontrollierten
Minnegier ein unberechenbarer Partner im Spiel der Macht
[ist, Anm.
GMR]
"
31
muss Lanzelet sie verlassen, um eine bessere Partnerin zu finden.
Galagandreiz als Verkörperung Pants:
Die negativen Eigenschaften Galagandreiz´ weisen deutliche Parallelen zu Lanzelets Vater Pant
auf: kriegerische Gesinnung, Streit- und Kampflust, Misstrauen gegenüber der Liebe, weswegen
er sie sogar gänzlich aus seinem Umfeld verbannt.
32
Er degradiert Minne, durch all die schlechten
Eigenschaften, die er an ihr beanstandet, letztlich sogar zu einer unehrenhaften Handlung.
33
Herzlos und kalt erscheint da sein Minneverbot. Allerdings könnte er seine Tochter auch einfach
so sehr lieben, dass er sie vor jedem Kummer und den Männern allgemein beschützen will.
Vielleicht ist er aus eigenen negativen Minneerfahrungen heraus eher ein ,,Liebes-Skeptiker".
Auch so ließen sich seine Warnungen und Verbote interpretieren. Kein Wort findet sich zur Mutter
des Mädchens; vielleicht hat sie Galagandreiz so sehr enttäuscht und verbittert. Auffällig ist
generell, dass es außer bei Lanzelet selbst (Clarine und die Meerfee) keine einzige Muttergestalt
gibt. Alle Mädchen, die Lanzelet kennen und minnen lernt, leben in der Obhut eines Vaters oder
Onkels, außer die Königin von Pluris, die selbstständig regiert.
Man könnte dieses ,,Verbot der Liebe" von Galagandreiz aber auch gänzlich hinterfragen: es ist
schließlich das Mädchen, das von diesen angeblichen Warnungen und Verboten des Vaters
erzählt, ob er sich wirklich so geäußert hat, bleibt aber offen. Vielleicht ist es nur ein schlauer
Trick, um ihr nächtliches Verhalten zu begründen und zu entschuldigen, denn so wäre der Vater
selbst an ihrem Tun schuld, denn durch sein Verbot wuchs ihre Neugier; nicht sie handelt
unhöfisch, wenn sie sich den Rittern um den Hals wirft, sondern der strenge Vater treibt sie in die
Arme der Männer.
In Anbetracht der weiteren Geschichte, und im Vergleich zu den anderen Vaterfiguren, die, wie
Galagandreiz auch, sämtliche negative Eigenschaften von Lanzelets Vater Pant verkörpern und
dem jungen Ritter dadurch aufzeigen sollen, wie ein guter Herrscher nicht sein soll
34
, muss man
Galagandreiz aber wohl eher als schlechte und böse Herrscher- und Vaterfigur betrachten. Er ist
schließlich auch bei seinem Volk unbeliebt, was auch dafür spricht, dass er tatsächlich grausam
und unhöfisch ist. Und auch, da Lanzelet sich auf einem Weg des Lernens und Findens befindet,
muss die Person des Galagandreiz negativ behaftet sein, um eine Lehre für Lanzelet in sich zu
tragen.
31
Roßbacher, Roland: Artusroman und Herrschaftsnachfolge. Darstellungsform und Aussagekategorien in Ulrichs von
Zatzikhoven ,,Lanzelet", Strickers ,,Daniel von dem Blühenden Tal" und ,,Garel von dem Blühenden Tal". Göppingen: Kümmerle
Verlag 1998. S. 78.
32
Vgl. Gottzmann, Carola: Deutsche Artusdichtung, S. 171.
33
Vgl. Münch, Almut: Die Nebenfiguren, S. 178.
34
Vgl. Gottzmann, Carola: Deutsche Artusdichtung, S. 171.
Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Minnekonzepte in Ulrich von Zatzikhovens Roman "Lanzelet"
Untertitel
Analyse der Minneerlebnisse des Protagonisten Lanzelet
Hochschule
Universität Wien  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
ProSeminar Ältere deutsche Literatur - Lanzelet (Ulrich von Zatzikhoven)
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V376097
ISBN (eBook)
9783668533660
ISBN (Buch)
9783668533677
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Minnekonzepte, Mediävistik, Ulrich von Zatzikhoven, Lanzelet, Der wipsaelige, Minne
Arbeit zitieren
Gerlinde Maria Roth (Autor:in), 2016, Minnekonzepte in Ulrich von Zatzikhovens Roman "Lanzelet", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376097

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