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Nietzsches Übermensch. Gefahr oder Chance?

Titel: Nietzsches Übermensch. Gefahr oder Chance?

Magisterarbeit , 2004 , 93 Seiten , Note: gut

Autor:in: Tanja Stramiello (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nietzsche ist wohl der umstrittenste und gleichzeitig faszinierendste Philosoph. Seine Faszination geht vor allem von seinem besonderen Stil aus, der bisweilen die Grenzen zwischen Philosophie, Prosa und Poesie zu sprengen weiß. Umstritten ist Nietzsche bis in die heutige Zeit, vor allem deswegen, weil keine Einigkeit darüber zu finden ist, ob die Verwendung seiner Texte bzw. seines Gedankenguts für nationalsozialistische Zwecke ihm persönlich anzulasten ist.
Der bekannteste Begriff innerhalb Nietzsches Philosophie ist sicherlich der des „Übermenschen“. So wundert es auch nicht, dass Nietzsche oft als sein Schöpfer genannt wird. Zwar ist Nietzsche sicherlich als Schöpfer des Nietzscheschen Übermenschen anzusehen, doch den Begriff „Übermensch“ an sich hat er nicht geschaffen. Diesen gab es bereits lange vor seiner Zeit.
Betrachtet man den Begriff „Übermensch“ bei Nietzsche, kann man dies nicht losgelöst von anderen Aspekten seiner Philosophie tun. Zur Klärung des Begriffs ist es deshalb notwendig, auch die Termini zu untersuchen, die in seinem unmittelbaren Kontext stehen: Der „Tod Gottes“, der „Willen zur Macht“, die „ewige Wiederkehr des Gleichen“ und das „Dionysische“. Wie vieles andere innerhalb Nietzsches Philosophie sind auch diese Begriffe miteinander verwoben. Auch wenn jeder für sich eine einzelne Theorie innerhalb Nietzsches Philosophie darstellt, so erklären sie sich aufeinander bezogen doch erst vollständig.
Wie konnte es dazu kommen, dass Nietzsches Übermensch von den Nationalsozialisten so „dankbar“ angenommen wurde. Eine wichtige Rolle muss in diesem Kontext Elisabeth - Nietzsches jüngere Schwester - spielen.
Setzt man voraus, dass Nietzsche seinen Übermenschen anders sah und anders verwirklicht sehen wollte als in Form eines arischen blonden Ungeheuers, das sich das anmaßt alle anderen zu Recht zu unterdrücken, träfe Nietzsche dann nicht dennoch Schuld? Kann man ihn in gewisser Weise selbst dafür verantwortlich machen, was später aus seiner Philosophie wurde - nämlich Argumente zur Unterstützung und Legitimation des nationalsozialistischen Regimes samt seiner Taten? Was also ist der Übermensch bei Nietzsche? Ist er der egoistische Herrscher, den die Nationalsozialisten und auch viele Interpretatoren in ihm sahen? Oder bietet die Über-Mensch-Werdung dem Menschen nicht auch eine Chance - die Chance auf ein Wachstum über sich selbst hinaus, das ihn bemächtigt einen drohenden Nihilismus etwa zu überwinden?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Der Begriff „Übermensch“

1. Historischer Ursprung

a) Das vorchristliche Bild

b) Das christliche Bild

c) Kritik am christlichen Bild

d) Das antichristliche Bild

II. Der Übermensch bei Nietzsche

1. Der Tod Gottes

2. Der Wille zur Macht

3. Die ewige Wiederkehr des Gleichen

4. Das Dionysische

III. Der Übermensch in der Rezeption

1. Der „hausgemachte“ Kult

2. Übermensch-Interpretationen

a) Neutrale Auslegungen des Begriffs

b) Kritische Auslegungen des Begriffs

c) Darwinistische Auslegungen des Begriffs

d) Nationalsozialistische Auslegungen des Begriffs

3. Fehlinterpretationen

a) Zucht und Züchtung

b) Egoismus

4. Die Frage der Schuld

IV. Gefahr oder Chance?

1. Ist der Übermensch ein Unmensch?

a) Der Übermensch – ein unmoralischer Herrscher?

b) Kein Herr trotz Herrenmoral?

2. „Werde, der du bist!“

a) Der freie Geist

b) Überwindung des Nihilismus

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den philosophischen Begriff des „Übermenschen“ bei Friedrich Nietzsche, um zu klären, ob es sich dabei um eine existenzielle Chance zur Selbstüberwindung oder um eine gefährliche Ideologie handelt. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern der Begriff durch Fehlinterpretationen – maßgeblich beeinflusst durch Elisabeth Förster-Nietzsche und den Nationalsozialismus – historisch verzerrt wurde.

  • Historische Herleitung des Begriffs „Übermensch“ und seine Wandlungen.
  • Kontextualisierung des Übermenschen innerhalb der Nietzscheschen Philosophie (Tod Gottes, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr, das Dionysische).
  • Kritische Analyse der Rezeptionsgeschichte und der Rolle von Elisabeth Förster-Nietzsche.
  • Untersuchung der Frage, ob der Übermensch als egoistischer Tyrann oder als freier, selbstschaffender Geist zu verstehen ist.
  • Herausarbeitung der ethischen Implikationen, insbesondere im Hinblick auf den Nationalsozialismus.

Auszug aus dem Buch

1. Der Tod Gottes

Nietzsche wird 1844 als Sohn einer Pastorenfamilie in Naumburg geboren, doch seine Frömmigkeit bekommt Risse – wenn auch nicht sofort. Der Vater stirbt als Nietzsche gerade sechs Jahre alt ist und nun umfängt ihn im Heimathaus eine rein weibliche Familiengesellschaft, deren Glaube ungebrochen ist. 1865 beginnt der gerade 21jährige Nietzsche zu zweifeln und weigert sich zum ersten Mal zum Abendmahl zu gehen (vgl. Macintyre 1994, S. 121). Ab hier ändert sich sein Glaube; Gott „stirbt“ schließlich und am Ende wird Nietzsche selbst zum „Antichrist“ (vgl. AC, 6, S. 302). Dabei ist: „Nietzsches Atheismus [...] die Folge seines Grundentschlusses, alle Prämissen in Frage zu stellen und so lange zu verwerfen, als sie sich nicht mit guten Gründen als unvermeidlich erweisen“ (Kaufmann 1982, S. 117). Bei Nietzsche heißt es dazu:

Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebniss, noch weniger als Ereigniss: er versteht sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu neugierig, zu fragwürdig, zu übermüthig, um mir eine faustgrobe Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker —, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken! (EH, 6, S. 278f.)

In diesem Kontext verwundert es nicht, dass ein wichtiger Gedanke innerhalb Nietzsches Philosophie der „Tod Gottes“ ist.

Damit der Mensch zum Übermenschen werden kann, ist es notwendig, dass Gott „stirbt“. Doch durch den „Tod Gottes“ droht der Mensch im Nihilismus zu stranden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Der Begriff „Übermensch“: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Begriffs vom antiken Heldentum über christliche Vorstellungen bis hin zur Politisierung durch Jean Paul und den biologischen Entwicklungsglauben des 19. Jahrhunderts nach.

II. Der Übermensch bei Nietzsche: Hier werden die zentralen philosophischen Säulen erläutert, die den Übermenschen erst verständlich machen: der Tod Gottes, der Wille zur Macht, die Lehre der ewigen Wiederkehr und das Dionysische.

III. Der Übermensch in der Rezeption: Dieser Teil analysiert den durch Elisabeth Förster-Nietzsche forcierten Kult um Nietzsche, die Entstehung ideologischer Fehlinterpretationen und die Vereinnahmung des Begriffs durch den Nationalsozialismus.

IV. Gefahr oder Chance?: Das letzte Kapitel wägt ab, ob der Übermensch ein unmoralischer Unmensch ist oder als Chance zur individuellen Selbstverwirklichung und Überwindung des Nihilismus verstanden werden sollte.

Schlüsselwörter

Nietzsche, Übermensch, Tod Gottes, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr, Nihilismus, Amor Fati, Elisabeth Förster-Nietzsche, Nationalsozialismus, Herrenmoral, freier Geist, Selbstüberwindung, Philosophiegeschichte, Reception, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Nietzscheschen Begriff des „Übermenschen“ und stellt ihn in den Kontext seiner Philosophie sowie der verfälschten Rezeptionsgeschichte durch den Nationalsozialismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Nietzsches philosophische Grundbegriffe (Tod Gottes, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr), der Einfluss seiner Schwester Elisabeth auf die Interpretation seiner Werke und die kritische Abgrenzung gegen nationalsozialistische Deutungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Rehabilitierung des Begriffs des Übermenschen von seinem Ruf als bloße Ideologie des Herrenmenschen und die Aufklärung über die historischen Verfälschungen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär literatur- und philosophiegeschichtliche Quellen auswertet und kritisch in ihren historischen Entstehungskontext einordnet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Herleitung des Begriffs bei Nietzsche, die Analyse der zweifelhaften Rezeption durch seine Schwester sowie die abschließende moralphilosophische Einordnung zwischen Gefahr und Chance.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Übermensch, Nihilismus, Wille zur Macht, Herrenmoral, Elisabeth Förster-Nietzsche und der Tod Gottes.

Warum spielt Elisabeth Förster-Nietzsche eine so große Rolle in der Untersuchung?

Sie gilt als maßgebliche Architektin des Nietzsche-Kultes, die durch die Fälschung von Nietzsches Schriften und ihre Kontakte zu politischen Akteuren wie Hitler den Boden für eine missbräuchliche Interpretation des Übermenschen ebnete.

Ist der Übermensch nach Nietzsche zwingend ein „Unmensch“?

Nein, Nietzsche sieht den Übermenschen als ein Individuum, das sich von fremden Werten befreit hat. Er ist zwar „jenseits von Gut und Böse“, doch sein Ziel ist die schöpferische Selbstbejahung, nicht die willkürliche Unterdrückung anderer.

Was bedeutet „amor fati“ in diesem Zusammenhang?

„Amor fati“ oder Schicksalliebe bezeichnet die rückhaltlose Bejahung des eigenen Lebens und der Welt in ihrer ganzen zyklischen Wiederkehr – ein essenzieller Zustand für den Übermenschen, um den Nihilismus zu überwinden.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Nietzsches Übermensch. Gefahr oder Chance?
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Seminar für Philosophie)
Note
gut
Autor
Tanja Stramiello (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
93
Katalognummer
V37613
ISBN (eBook)
9783638369053
ISBN (Buch)
9783656241669
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefahr Chance Friedrich Nietzsche Nietzsche Übermensch Wille zur Macht Ewige Wiederkehr Zarathustra Dionysisch Also sprach Zarathustra
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tanja Stramiello (Autor:in), 2004, Nietzsches Übermensch. Gefahr oder Chance?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37613
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Leseprobe aus  93  Seiten
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