Mehrsprachigkeitsdidaktik umsetzen. Vorstellung einer Unterrichtseinheit in Anlehnung an die Broschüre "Brücken zwischen Young World und envol"


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym (Autor)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Mehrsprachigkeitsdidaktik

3. Brücken zwischen sprachübergreifenden Lehrmitteln
3.1 Brücken zwischen Young World und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit
3.2,,Brücken zwischen Young World und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit“: Anregung 4: Le corps
3.2.1 Arbeitsblatt zu Anregung 4: ,,Le corps“
3.2.2 Analyse des Arbeitsblatts

4. Konzept der eigenen Unterrichtseinheit
4.1 Ausgangslage
4.2 Sachliche Überlegungen
4.3 Didaktische Überlegungen
4.4 Methodische Überlegungen

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Im Rahmen der Veranstaltung mit dem Titel ,,Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeitsdidaktik“ erfolgte, wie die Benennung des Kurses bereits sagt, eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Mehrsprachigkeit und ihrer Didaktik, der sogenannten Mehrsprachigkeitsdidaktik.

Als angehende Lehrer oder angehende Forscher der Mehrsprachigkeit, wobei das zweite auf mich zutrifft, oblag es uns, im Rahmen der o.g. Veranstaltung einen bestimmten Beitrag zur Mehrsprachigkeitsdidaktik zu leisten. So war es meine Aufgabe, den sprachübergreifenden Aspekt, insbesondre von Lehrmitteln, was bei der Mehrsprachigkeitsdidaktik von hoher Relevanz ist, zu präsentieren. Im Vortrag mit dem Titel ,,Brücken zwischen sprachübergreifenden Lehrmitteln „ stellte ich das Projekt den Kantons St.Gallen, das in Form der Broschüre mit dem Titel: ,,Brücken zwischen Young World und envol –Unterwegs zur Mehrsprachigkeit“ im Jahre 2011 erschienen ist, vor. Die vorliegende Arbeit beruht weiterhin auf der Broschüre, jedoch mit dem Aspekt, eigene Unterrichtsideen, mit denen die Mehrsprachigkeitsdidaktik umgesetzt werden kann, vorzustellen.

Bevor eine ganze Unterrichtseinheit präsentiert wird, sei zunächst auf den dafür unabdingbaren theoretischen Standpunkt der Merhsprachigkeitsdidaktik in Kürze eingegangen.

2. Mehrsprachigkeitsdidaktik

,,Als Mehrsprachigkeitsdidaktik kann im Allgemeinen eine Form der Fremdsprachenvermittlung bezeichnet werden, bei der nicht nur die Kompetenzentwicklung in einer Zielsprache angestrebt wird, sondern bei der die zu unterrichtende Sprache mit explizitem Einbezug der bereits vorhandenen Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler unterrichtet wird. „

(Surkamp 2010: 215)

Ausgehend von dieser Definition kommt der Mehrsprachigkeitsdidaktik in dem heutigen Fremdsprachunterricht eine bedeutende Rolle zu. Angesichts der zunehmenden Globalisierung und dem damit steigenden Bedarf an mehrsprachigem Personal in dem professionellen Leben nach der Schule, kommt der Schule als Bildungseinrichtung die verantwortungsvolle Aufgabe zu, Schülerinnen und Schüler sprachübergreifend zu unterrichten, um so die Mehrsprachigkeit zu fördern.

Um das Ziel der Mehrsprachigkeit im schulischen Rahmen zu erreichen, stellt sich für die Schule und Lehrpersonen die Frage, wie erreicht werden kann, dass alle Schülerinnen und Schüler neben Englisch mindestens eine weitere Fremdsprache lernen können.

Zudem erwächst aus dem konzeptionellen Blick auf sprachübergreifendes Lernen eine sprachendidaktische Dimension. D.h. dass es um die Frage geht, welches didaktisch-methodische Instrumentarium notwendig ist, Kinder und Jugendliche Mehrsprachigkeit als Normalsituation erfahren zu lassen und den Spracherwerb (Muttersprache und Fremdsprache) nicht aus der Perspektive von nur einer Sprache (Muttersprache, erste Fremdsprache, zweite Fremdsprache) zu sehen und dabei auch im schulischen Kontext nicht gelernte Sprachen mit einzubeziehen. (vgl. Behr 2007: 18f)

Merhsprachigkeitsdidaktik ist nicht umsonst ein großes und wichtiges Ziel der Schulen. An dieser Stelle kann das Argument, welches für diese spezielle Didaktik spricht, hervorgebracht werden. Und zwar sind Sprachen nicht in strikt voneinander getrennten mentalen Bereichen gespeichert, sondern gemeinsam eine kommunikative Kompetenz bilden, zu der alle Sprachkenntnisse und Spracherfahrungen beitragen und in der die Sprachen miteinander in Beziehung stehen und interagieren. Dieser Ansichtspunkt erklärt warum mehrsprachige Kinder über ein ausgesprochen hohes Sprachbewusstsein verfügen. Solche Kinder beschäftigen sich mit Vorliebe mit der Form von Äußerungen, spielen mit den Wörtern und denken ganz selbstverständlich über die Zusammensetzung von idiomatischen Redewendungen nach. (vgl. Mordellet-Roggenbuck 2011 : 61f)

Wichtig ist es, die Mehrsprachigkeitsdidaktik nicht nur aus der Lehrerperspektive sondern auch aus dem Blickwinkel des Schülers zu betrachten. Aus der Sicht des Lerners ist sprachübergreifendes Lernen ein individueller, dynamischer, kognitiv geprägter lernstrategisch-psycholinguistischer Prozess. In diesem Sinne beinhaltet sprachen-übergreifendes Lernen die Anwendung von Strategien:

- der bewussten Wahrnehmung,
- der Reflexion,
- der pro- und retroaktiven Verknüpfung und
- der zwischensprachlichen Transfers. (vgl. Behr 2007: 18 -19)

Um die Mehrsprachigkeitsdidaktik im schulischen Rahmen zu ermöglichen, wurde gerade in der Schweiz, die ein Präsenzbild der gelebten Mehrsprachigkeit darstellt, einige Lehrmittel, insbesondere zwischen den beiden Hauptschulsprachen: Englisch und Französisch, entweder miteinander verglichen oder komplett neu herausgebracht, um den Lehrpersonen die Durchführung eines sprachübergreifenden Unterricht zu ermöglichen. Nachfolgend wird das erfolgreiche Projekt des Kantons St. Gallen, das 2011 in Form einer Broschüre, unter dem Titel: ,,Brücken zwischen Young Wolrd und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit“, vorgestellt.

3. Brücken zwischen sprachübergreifenden Lehrmitteln

Um auf lange Zeit sprachübergreifenden Unterricht zu gewährleisten, müssen Lehrmittel angepasst werden. Ein erfolgreiches Projekt, bei dem eine Brücke zwischen dem englischen Lehrwerk ,,Young World“ und dem französischen ,,envol“ geschlagen werden konnte, stellt das Ergebnis mit der Broschüre: ,,Brücken zwischen Young Wolrd und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit“, dar.

3.1 Brücken zwischen Young World und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit

Die Broschüre «Brücken zwischen Young World und envol unterwegs zur Mehrsprachigkeit» enthält konkrete Anregungen für sprachenübergreifende Aktivitäten im Unterricht.

Die Broschüre mit didaktischem Material soll die Lehrpersonen im Unterricht der zweiten Fremdsprache Französisch ab der 5. Primarklasse praktisch dabei unterstützen, auf Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, die diese in der 3. Klasse im Englischunterricht aufgebaut haben, zurückzugreifen. Dabei liefert sie Informationen über bereits eingeführte Elemente im Englischlehrmittel "Young World" und hilft darüber hinaus, diese mit "envol" in Verbindung zu bringen und im Sinne eines ökonomischen Lernprozesses weiter zu fördern. Die Broschüre kann den Lehrpersonen dazu verhelfen, sprachübergreifende Aktivitäten im Unterricht durchzuführen, um zum einen das Sprachbewusstsein der Schüler und zum anderen das lebenslange Sprachenlernen zu fördern.

Zum Aufbau ist zu sagen, dass die Broschüre zwei Teile umfasst. Im ersten Teil macht das Autorenteam die Lehrpersonen anhand von Beispielen aus den beiden Lehrmitteln mit den Prinzipien der sprachübergreifenden Förderung vertraut. Im zweiten Teil folgen Beispiele von Übungen zu "envol 5 und 6", die auf zwei Jahre verteilt direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Dabei stehen neben den Anregungen für den sprachübergreifenden Unterricht in der Broschüre auch Arbeitsblättern und Tondokumente zur Verfügung, die unter www.Lehrverlag.ch unter dem Downloadbereich heruntergeladen werden können. Zudem ist in die Broschüre eine achtseitige Umsetzung eines Lehr-/Lernjournals integriert, die den Lehrpersonen dazu dienen kann, ihren Unterricht anschließend nach vorgegeben Kriterien zu bewerten, was sich zugleich motivierend für die anhaltende Merhsprachigkeitsdidaktik herausstellen kann.

3.2,,Brücken zwischen Young World und envol – Unterwegs zur Mehrsprachigkeit“: Anregung 4: Le corps

Die Broschüre bietet in Form von Beispielen viele Anregungen für den sprachübergreifenden Unterricht. dank bereits ausgearbeiteten Arbeitsblättern, die im Unterricht direkt eingesetzt werden können, an. Für die eigene Unterrichtseinheit habe ich mir das Arbeitsblatt zu Anregung 4, welches eine sprachübergreifende Abhandlung einiger bestimmter Körperteile vorsieht, ausgesucht.

3.2.1 Arbeitsblatt zu Anregung 4: ,,Le corps“

Das Arbeitsblatt zu Anregung 4 ist mit dem Titel ,,Le corps“ versehen. Es handelt sich hier, wie der Titel bereits sagt, um Körperteile. Ganz oben ist das Arbeitsblatt mit einer Abbildung versehen, auf der vier Jugendliche, vor einem großen Spiegel stehend, nebeneinander abgebildet sind.[1]

Jede dieser vier Abbildungen ist mit einer französischen Bezeichnung eines bestimmten Körperteils versehen:

- la jambe,
- le pied,
- le genou,
- la main,
- le bras,
- les doigts,
- le ventre,
- la tête,
- le cou.

Diese Abbildung samt ihren französischen Bezeichnungen der Körperteile dient als Grundlage für das Arbeitsblatt, das folgende Fragestellungen enthält:

1. Wem gleichst du am meisten in deiner Familie? Woran ist das zu sehen?
2. So wie es Ähnlichkeiten unter den Familienangehörigen gibt, so gibt es auch unter den Sprachen Ähnlichkeiten. Solche Sprachen bilden eine Sprachfamilie wie zum Beispiel die «romanischen Sprachen», die ihren Ursprung in der lateinischen Sprache der Römer haben. Vergleiche die romanischen Sprachen in der Tabelle 1 miteinander. Welche Wörter gleichen sich? Woraus schliesst du das?
3. Unser Deutsch gehört zu den «germanischen Sprachen». Jedes germanische Volk hatte seine eigene Sprache, doch waren die Völker untereinander eng verwandt. Vergleiche die germanischen Sprachen in der Tabelle 2 miteinander. Woran erkennst du, dass die Wörter miteinander verwandt sind?
4. Gibt es Klassenkameradinnen oder Klassenkameraden, die eine der Sprachen in der Tabelle sprechen? Wie hört sich das an? Kannst du die Wörter nachsprechen?

Bezugnehmend zu der Frage sind nachfolgend zwei Tabellen abgebildet. Die erste Tabelle stellt romanische Sprachen, wie: Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es folgt eine zweite Tabelle, die germanische Sprachen wie: Deutsch, Englisch, Norwegisch, Schwedisch und Niederländisch repräsentiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es handelt sich dabei um ein Thema, dass aus der unité 6 des Lehrwerkes envol entnommen wurde. Dieses eignet sich ausgezeichnet dafür, um einige Überlegungen über Sprachen und Sprachfamilien anzustellen: So lässt sich im Zusammenhang mit den Körperteilen, die in Young World bereits in Band 1 (unit 2, Activity Book, S. 10) vorkommen, gut darauf hinweisen, dass das Französische den romanischen Sprachen, das Englische aber den germanischen Sprachen angehört; wobei die vielen englischen Wörter, die romanischen Ursprung sind, bei diesem Beispiel bewusst ausgeklammert bleiben.

Sollte es in der Klasse Schülerinnen und Schüler geben, die eine dieser Sprachen auch zu Hause sprechen, sollten sie beim Ausfüllen der Tabellen ebenfalls zum Einsatz kommen.

In den beiden Tabellen werden ausgehend vom Französischen, die Parallelen farblich hervorgehoben: Übereinstimmungen mit dem Deutschen (germanische Sprachen), Übereinstimmungen mit dem Französischen (Lehnwörter), des Weiteren Übereinstimmungen über alle drei Sprachen hinweg. In einer weiteren Kolonne können Übereinstimmungen festgehalten werden mit Sprachen, die in der Klasse gesprochen werden.

3.2.2 Analyse des Arbeitsblatts

Bei dem vorliegenden Arbeitsblatt steht der Sprachvergleich im Vordergrund. Dabei wird die Möglichkeit genutzt, auch andere Sprachen miteinander zu vergleichen. Ich habe bewusst dieses Arbeitsblatt ausgewählt, denn es lässt sich mittels von den erwähnten Körperteilen hervorragend zeigen, dass innerhalb der Sprachfamilien Übereinstimmungen der französischen Sprachen und der englischen Sprache mit weiteren Sprachen bestehen.

Beim genaueren Betrachten bzw. Befassen mit anderen benachbarten Sprachen aus der gleichen Sprachfamilie kann festgestellt werden, dass die romanischen als auch die indogermanischen Sprachen große Ähnlichkeiten aufweisen. Damit lässt sich zeigen, dass Verwandtschaften unter den verschiedenen Sprachgruppen bestehen. Mit Hilfe der Parallelwörter können den Schülerinnen und Schüler zum einen bewusst gemacht werden, wie ähnlich sich Sprachen aus einer Sprachfamilie sind und des Weiteren wie viel sie bereits wissen, wenn sie neben Französisch weitere Fremdsprachen beherrschen.

[...]


[1] Zu finden ist dieses Material unter http://www.lehrmittelverlag.ch/GetAttachment.axd?attaName=Bruecken+zwischen+Young+World+und+envol+4

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Mehrsprachigkeitsdidaktik umsetzen. Vorstellung einer Unterrichtseinheit in Anlehnung an die Broschüre "Brücken zwischen Young World und envol"
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V377212
ISBN (eBook)
9783668549647
ISBN (Buch)
9783668549654
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachigkeitsdidaktik, sprachübergreifende Lehrmittel, Lehrmittel, Mehrsprachigkeitsforschung, Unterrichtseinheit Mehrsprachigkeit, envol
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2014, Mehrsprachigkeitsdidaktik umsetzen. Vorstellung einer Unterrichtseinheit in Anlehnung an die Broschüre "Brücken zwischen Young World und envol", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377212

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mehrsprachigkeitsdidaktik umsetzen. Vorstellung einer Unterrichtseinheit in Anlehnung an die Broschüre "Brücken zwischen Young World und envol"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden