Der Wiener Kongress und die Etablierung einer europäischen Staaten- und Friedensordnung ("Wiener Ordnung")


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

47 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte und Ausgangssituation: Das militärische Ende Napoleons und der Erste Pariser Frieden

3. Die am Kongress teilnehmenden und die „Wiener Ordnung“ etablierenden Großmächte: Ihre Bevollmächtigten und Interessen

4. Die Etablierung und Charakteristika der „Wiener Ordnung“: Leitprinzipien, politische Hauptziel­setzungen, Ergebnisse und potentiell friedenssichernde Bestimmungen und Maßnahmen
4.1 Legitimität, Autorität, Solidarität und Intervention, Restauration bzw. Restitution sowie europäisches Gleichgewicht der Mächte („Balance of Power“)
4.2 Gebiets- und Grenzbestimmungen: Territoriale Veränderungen und Neuordnung im Sinne der Gleichgewichtskonzeptionen
4.3 Frieden durch Handel und Internationalisierung der europäischen Flussschifffahrt? Wirtschafts-, handels- und verkehrspolitische Grundlinien, Bestimmungen und Entscheidungen
4.4 Europäisches Konzert der Großmächte („Concert européen“ bzw. Pentarchie) und die Einrichtung eines Konferenzsystems zur Wahrung des Friedens und der Ordnung

5. Fazit/Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als die sechste antinapoleonische Koalition siegreich aus den Befreiungskriegen hervorging und Napo­leon Mitte April 1814 abdanken und ins Exil nach Elba gehen musste, stellte sich nach über 20 Jahren Krieg, territorialen und politischen Umwälzungen, und französischer Hegemonie die Frage nach einer Neuordnung des europäischen Staatensystems und der (Wieder-) Herstellung einer auf einem Gleichge­wicht beruhenden Staatenordnung, die den europäischen Frieden tragfähig und dauerhaft gewährleisten sollte. Nichts geringeres als dieses Primärziel hatten sich die europäischen Souveräne und ihre Bevoll­mächtigten auf dem vom Oktober 1814 bis Juni 1815 abgehaltenen Wiener Kongress als Aufgabe auf­erlegt. Durch geschickte Verhandlungen und pragmatische Kompromisse gelang es den Großmächten auf dem Kongress eine Ordnung zu etablieren, die für fast vier Jahrzehnte, bis zum Ausbruch des Krim­krieges 1853, Frieden zwischen den Großmächten schuf. Doch wie versuchte man die angestrebte Frie­densordnung auf dem Kongress zu erreichen und welche Hauptzielsetzungen, Ergebnisse und Leitprin­zipien und diesbezüglichen Bestimmungen und Maßnahmen kennzeichneten sie primär? Diese Arbeit wird sich diesen Fragen annehmen und befasst sich daher folglich mit der auf dem Wiener Kongress durch die Großmächte etablierten europäischen Staaten- und Friedensordnung und den sie kennzeich­nenden primären Ergebnissen, Hauptzielsetzungen und Leitprinzipien sowie einigen vereinbarten po­tentiell friedenssichernden Bestimmungen und Maßnahmen.

Im ersten Punkt des Hauptteils (2. Punkt der Arbeit) wird auf die Vorgeschichte und Ausgangs­situation des Wiener Kongresses, namentlich das militärische Ende Napoleons und den Erste Pariser Frieden, eingegangen, um dem Leser einen prägnanten Überblick darüber zu geben, wie es überhaupt zu einem solchen allgemeinen Staatenkongress in Wien kam, welche Aufgaben diesem Kongress zuge­dacht waren und welchen Charakter diesbezüglich der Erste Pariser Frieden besaß. Der zweite Punkt des Hauptteils (3. Punkt der Arbeit) befasst sich mit den am Kongress teilnehmenden und die „Wiener Ordnung“ etablierenden Großmächte, ihren Hauptvertretern und den jeweiligen primären Einzelinteres­sen, um dem Leser aufzuzeigen, welche machtpolitischen und einzelstaatlichen Ziele und Politiken die Verhandlungen des Kongresses neben dem kollektiven Primärziel der Schaffung einer für alle tragfähi­gen Staaten- und Friedensordnung im wesentlichen prägten und welche Konfliktlinien zwischen den Großmächten bei aller Einigkeit im Primärziel vorherrschten. Im dritten Punkt des Hauptteils (4. Punkt der Arbeit) wird schließlich detailliert auf die primären politischen Hauptzielsetzungen, Leitprinzipien und Ergebnisse der „Wiener Ordnung“ sowie auf mögliche Bestimmungen und Maßnahmen zur Frie­denssicherung eingegangen, namentlich auf die Leitprinzipien bzw. Schlüsselbegriffe „Legitimität“, „Autorität“, „Solidarität“, „Intervention“ sowie „Restauration“ bzw. „Restitution“, auf das europäische Gleichgewicht der Mächte und das „Concert européen“ bzw. die Pentarchie, auf die territoriale Neuord­nung und die diesbezüglichen Gebiets- und Grenzbestimmungen im Sinne des Gleichgewichts sowie auf die Wirtschafts-, handels- und verkehrspolitischen Grundlinien und Entscheidungen.

Die Arbeit stützt sich neben einigen für die Arbeit relevanten Quellen[1] zum größten Teil auf Sekundärliteratur bzw. Darstellungen. Der Forschungsstand bietet zur Bearbeitung des Themas und der Fragestellungen ausreichendes und ergiebiges Material. Hier zuerst zu nennen sind vor allem, die für die Bearbeitung des Themas sehr hilfreichen und aufschlussreichen Darstellungen und Aufsätze: „The Congress of Vienna. Origins, processes and results“ von Tim Chapman[2], „Der Wiener Kongress. Die Neugestaltung Europas 1814/15“ von Heinz Duchhardt[3], „Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1785-1830“ von Michael Erbe[4], „Frieden durch Handel? Der Wiener Kongress und die Wirtschaftspolitik“ von Andreas Fahrmeir[5], „The Congress of Vienna and its Legacy. War and Great Power. Diplomacy after Napoleon“ von Mark Jarrett[6], „1815. Der Wiener Kongress und die Neugründung Europas“ von Thierry Lentz[7], „Deutsche Geschichte 1800-1866. Bür­gerwelt und starker Staat“ von Thomas Nipperdey[8], „Der Wiener Kongress“ von Reinhard Stäuber[9] und „1815. Napoleons Sturz und der Wiener Kongress“ von Adam Zamoyski[10]. Einige weitere wichtige, zu nennende Veröffentlichungen, Publikationen und Aufsätze sind insbesondere: „Vom Wiener Kongress zur Pariser Konferenz“ von Anselm Doering-Manteuffel[11], „Europa zwischen Reform und Revolution 1815-1850“ und „Revolutionen und Reformen. Europa 1789-1850“ von Andreas Fahrmeir[12], „Vom An­cien Regime zum Wiener Kongress“ von Elisabeth Fehrenbach[13], „Der Wiener Kongress 1814/15“ von Wolf D. Grüner[14], „Reformen, Restauration und Revolution 1806-1848/49“ von Hans-Werner Hahn und Helmut Berding[15], „Europa zwischen Reform und Revolution 1800-1850“ von Wolfgang von Hip- pel und Bernhard Stier[16], „Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789“ von Ernst Rudolf Huber[17], „Eu­ropa zwischen Restauration und Revolution“ von Dieter Langewiesche[18], „Der Wiener Kongress aus globalhistorischer Perspektive“ von Matthias Middell[19] und „Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806-1871“ von Wolfram Siemann[20].[21]

2. Vorgeschichte und Ausgangssituation: Das militärische Ende Napoleons und der Erste Pariser Frieden

Der gescheiterte Russlandfeldzug Napoleons im Jahre 1812[22] bildete den Anfang vom Ende der franzö­sischen Hegemonial- und Expansionspolitik in Europa und geriet somit zum Wendepunkt der französi­schen und europäischen Geschichte. Nach der Niederlage und dem Rückzug der Grande Armée sagte sich zunächst Preußen von seinen Bündnisverpflichtungen mit Frankreich los und schloss im Februar 1813 ein Bündnisvertrag mit Russland gegen Napoleon, infolgedessen Preußen am 16. März 1813 Frankreich den Krieg erklärte.[23] Im nun beginnenden Frühjahrsfeldzug 1813 konnte sich Napoleon un­ter schweren Anstrengungen noch siegreich behaupten, jedoch waren die Verluste auf beiden Seiten so zahlreich, dass man einen befristeten Waffenstillstand schloss, um sich jeweils neu zu sammeln und zu verhandeln. Im Laufe der Waffenstillstandsphase (2. Juni bis 10. August 1813) traten ferner Großbritan­nien und Schweden der preußisch-russischen Kriegsallianz gegen Frankreich bei, womit der politische und militärische Druck auf Napoleon weiter wuchs. Österreich hatte indes noch gezögert, der Koalition endgültig beizutreten. Metternich, der österreichische Außenminister und spätere Staatskanzler, tat sich zunächst schwer und zögerte lange, die österreichische Neutralität aufzugeben, da eine potentielle He­gemonie Russlands anstelle Frankreichs und die Stärkung der Machtposition Preußens in Deutschland kaum im Interesse Österreichs lag. Als Napoleon sich jedoch in den Verhandlungen während der Waf­fenstillstandsphase, in denen u. a. Metternich persönlich mit ihm verhandelte, weigerte Territorien ab­zutreten und zu keinerlei Zugeständnissen bereit war, erklärte Österreich Frankreich am 11. August 1813 den Krieg und vervollständigte somit die inzwischen sechste antinapoleonische Koalition.[24] Der Kriegseintritt Österreichs stellte das für den weiteren Verlauf des Krieges und die Niederlage Frank­reichs entscheidende Ereignis dar, da sich Napoleon nun einer zahlen- und ressourcenmäßig überlegen­den Koalition, bestehend aus allen anderen Großmächten, gegenüber sah.

Die vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 stattfindende Völkerschlacht bei Leipzig, in deren Fol­ge sich der Rheinbund auflöste und viele Vasallenstaaten vom französischen Kaiser abfielen, besiegelte die militärische Niederlage Napoleons auf deutschem Boden und bedeutete das Ende des napoleoni- schen Systems in Europa. Nach erfolgter Entscheidung zugunsten eines Vormarsches über den Rhein hinaus, überschritten die Koalitionstruppen nun die Grenzen des Kaiserreichs Frankreich.[25] Nachdem ein letztes Friedensangebot auf dem Kongress von Châtillon am Nichteinlenken des französischen Kai­sers gescheitert war und die Alliierten am 1. März 1814 mit dem Vertrag von Chaumont[26] und die durch ihn geschaffene Quadrupelallianz ihre Entschlossenheit zur Weiterführung des Krieges und zur Herstel­lung eines Gleichgewichts in Europa vertraglich geregelt hatten, marschierte die Koalition im April 1814 in Paris ein und zwang Napoleon zur Abdankung.[27] Die Koalitionsmächte schlossen daraufhin mit dem wieder eingesetzten Bourbonen Ludwig XVIII.[28] den sog. Ersten Pariser Frieden[29] vom 30. Mai 1814 und beendeten somit den Krieg mit Frankreich. Wie von Castlereagh und vor allem Metternich in­itiiert, gestaltete sich der Frieden relativ milde und versöhnlich, um die restituierte Herrschaft der Bour­bonen nicht zu belasten und Frankreich die Möglichkeit der Reintegration in die neu zu schaffende in­ternationale Ordnung zu geben. „Der Pariser Friede [...] ließ Frankreich als Großmacht in den Grenzen von 1792 bestehen; es war ein Versöhnungsfrieden, wie er wohl nur unter vordemokratischen Bedin­gungen, fern von populärem Druck, als Friede der Herrscher möglich war; in die Rationalität des Gleichgewichts waren auch die Besiegten noch eingeschlossen“.[30] Man entschied sich somit in Paris nicht für einen harten Siegfrieden, sondern für das Anstreben einer (Wieder-) Herstellung einer auf ei­nem Gleichgewicht beruhenden europäischen Staaten- und Nachkriegsordnung[31], die darauf abzielte, nach über zwei Jahrzehnten Krieg und französischer Hegemonie einem allgemeinen europäischen Frie­den Dauerhaftigkeit zu verleihen. Gleichzeitig setzte der Erste Pariser Frieden die Bestimmungen der Friedensschlüsse der Koalitionskriege (insbesondere die Bestimmungen von Basel, Pressburg, Tilsit und Schönbrunn) außer Kraft und sollte somit eine territoriale Neuordnung Europas im Sinne des Gleichgewichts und unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten ermöglichen.[32] Um diese Wiederher­stellung des Gleichgewichts und die territoriale Neuordnung im Detail festzulegen und somit die Be­stimmungen des Friedensvertrags zu vollziehen und zu vervollständigen, war in Artikel 32 des Vertra­ges ausdrücklich festgeschrieben, dass alle am Krieg beteiligten Mächte innerhalb von zwei Monaten Bevollmächtigte zu einem allgemeinen Kongress nach Wien entsenden sollten.[33] [34]

3. Die am Kongress teilnehmenden und die „Wiener Ordnung“ etablierenden Großmächte: Ihre Bevollmächtigten und Interessen

Dieser vom sog. Ersten Pariser Frieden vertraglich festgeschriebene allgemeine Kongress, der kein Friedenskongress im eigentlichen Sinne (denn ein Friedensvertrag warja bereits geschlossen!), sondern ein „Friedensvollzugskongress“ war, begann im September 1814 und im Laufe dieses und des nächsten Monats trafen in Wien sowohl die Bevollmächtigten der mittelmächtigen und kleineren Staaten als auch die Delegationen der fünf europäischen Großmächte ein.[35] Der Kongress wurde von Anfang an von den siegreichen Großmächten und ihren Vorstellungen und Interessen dominiert, die mindermäch­tigen und kleineren Staaten mussten sich mit Sitzen in besonderen und weniger wichtigen Ausschüssen zufrieden geben und hatten wenig Spielraum.[36] Hier sollen daher folglich kurz und prägnant die jeweili­gen und die Verhandlungen des Kongresses wesentlich prägenden Einzelinteressen, der den Kongress und die „Wiener Ordnung“ dominierenden und entscheidenden Großmächte skizziert sowie ihre pri­mären Bevollmächtigte und Vertreter benannt werden.

Frankreich, das zunächst lediglich einen Beobachterstatus erhielt und erst ab Anfang Januar 1815 an den Verhandlungen im Haupt- und Leitungskomitee der Großmächte vollwertig teilnahm, wur­de primär von Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord vertreten, dem französischen Außenminister und Chef der französischen Delegation.[37] Frankreichs primäres und vitales Interesse war vor allem die Sicherung und Erhaltung des eigenen Großmachtstatus. Talleyrand versuchte daher mit seiner ge­schickten Verhandlungspolitik Frankreich wieder als gleichberechtigten Partner in das Konzert der Großmächte zurückzuführen, die potentiellen Sanktionen und Verluste möglichst gering zu halten so­wie die Siegermächte des Ersten Pariser Friedens nicht zu Super- und Hegemonialmächten anwachsen zu lassen. Eine Gefahr, die Talleyrand vor allem bzgl. Russlands sah. In diesem Sinne war auch Frank­reich an einer Gleichgewichtspolitik interessiert.[38]

Großbritannien, welches in leitender Funktion vom britischen Außenminister Robert Stewart Viscount Castlereagh und seit Februar 1815 in dessen Nachfolge von Herzog Arthur Wellesley von Wellington[39] vertreten wurde, war, neben Österreich, der eigentliche und stärkste Promotor und Expo­nent der Gleichgewichtspolitik, da die Herstellung und Sicherung einer europäischen „Balance of Power“ im ureigensten maritimen und ökonomischen bzw. freihandelspolitischen Interesse Großbritan­niens lag. Denn die Machtpostion der Briten auf den Weltmeeren und die damit für sie einhergehende Freiheit und Sicherheit der Verkehrs-, Handels- und Kommunikationswege (Kolonien!) war nur dann dauerhaft aufrechtzuerhalten, wenn sich die anderen europäischen Großmächte untereinander die Wage hielten und innereuropäische Spannungen und Auseinandersetzung ohne Zustimmung Großbritanniens nicht gelöst werden konnten. Neben der Sicherung der eigenen, vor allem martimen Machtposition durch ein Gleichgewicht und dem auf dem Wirtschaftsliberalismus fußenden Freihandel als wesentli­che Primärziele trat Großbritannien ferner für politisch-liberale Ziel ein: Etablierung von Verfassungen und Beendigung des Sklavenhandels.[40]

Die Delegation Russlands wurde vom russischen Außenminister Karl Robert Graf von Nessel­rode geführt.[41] Das Zarenreich besaß vor allem territoriale Interessen bzgl. Polen und wollte mit dieser potentiellen Westexpansion sein Gewicht und seine Position in Europa verstärken und ausbauen. So be­anspruchte Zar Alexander I. den Großteil des von Napoleon 1807 errichteten Herzogtums Warschau, welches nach den russischen Plänen als eigenständiges Königreich Polen gebildet und in Personalunion mit dem Zarenreich verbunden werden sollte. Die Gleichgewichtspolitik spielte auf russischer Seite eine untergeordnete Rolle. Aber auch Alexander war der Herstellung und Erhaltung einer gewissen gleichgewichtigen Sicherheitsordnung nicht gänzlich abgeneigt, wie der von ihm entworfene und initi­ierte Entwurf zur Gründung der Heiligen Allianz, auf die später in dieser Arbeit noch näher eingegan­gen wird, zeigt.[42]

An der Spitze der preußischen Gesandtschaft standen als Hauptbevollmächtigter der preußi­sche Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg sowie dessen „rechte Hand“ Wilhelm von Hum­boldt. Auch das Königreich Preußen hatte, wie Russland, vor allem eine territoriale Vergrößerung auf seiner Agenda, da es am wenigsten saturiert war und sich vergrößern musste, wollte es weiter und dau­erhaft eine Rolle im Konzert der Großmächte spielen und seine Macht- und Verteidigungsposition vor allem gegenüber Österreich und Frankreich ausbauen. Da der russischen Plan bzgl. Polen aber auch im­plizierte und bedeutete, dass Preußen auf seine im Zuge der polnischen Teilungen erworbenen polni­schen Territorien hätte verzichten müssen, forderte Friedrich Wilhelm III., der Alexanders Expansions­forderung aus persönlicher Dankbarkeit für die russische Befreiung Preußens von Napoleon treu unter­stütze, als Kompensation die vollständige Annexion des Königreichs Sachsen, welches bis zuletzt am Bündnis mit Napoleon festgehalten hatte und daher nun erobert und besetzt war.[43] Aus diesem interde- pendenten Charakter der russischen bzw. preußischen Forderung und dem diesbezüglich aufkommen­den Widerspruch der anderen Großmächte sollte später auf dem Kongress die sog. polnisch-sächsische Krise entstehen; auch auf jene wird später in dieser Arbeit noch genauer eingegangen. Ferner war Preu­ßen insbesondere an einer strafferen und stärker zentralistischen Organisation des auf dem Kongress zu schaffenden Bundes der deutschen Staaten unter Führung und Hegemonie Preußens und Österreichs in­teressiert, vor allem auch in militärischer Hinsicht.[44]

Österreich, das Gastgeberland wurde auf dem Kongress zuvörderst vom österreichischen Au­ßenminister Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich[45], der den Kongress leitete und eine führen­de Rolle spielte, vertreten. Metternich primär zur Seite stand sein engster Berater, der „Sekretär und Chefprotokollant des Kongresses“ Hofrat Friedrich von Gentz.[46] Wesentliches Ziel und Interesse Öster­reichs war vor allem die Wiederherstellung und Rückgewinnung seiner führenden Stellung und Macht­position in Deutschland und Italien sowie die damit einhergehende Etablierung einer Gleichgewichts­ordnung. Im Sinne dieser Gleichgewichtspolitik verfolgte Metternich daher das Ziel, Russland und sei­ne Expansionsambitionen entschieden einzudämmen, Frankreich eindämmend zu zügeln, aber auch als Großmacht und Gegengewicht in seiner Selbstständigkeit zu erhalten, eine vom Osten wie Westen un­abhängige Mitte Europas zu konsolidieren sowie die dominante Position Österreichs in Italien wieder­herzustellen. Preußen sollte in dieser Konzeption ebenfalls gezügelt, aber auch in einem angemessenen und akzeptablen Rahmen territorial befriedigt sowie in einen von Österreich und Preußen gemein­schaftlich geführten föderativen Bund der deutschen Staaten eingebunden werden, womit das dadurch entstehende innerdeutsche Gleichgewicht das internationale Gleichgewicht stützen sollte. Als zusam­mengesetzter übernationaler Staat bzw. Vielvölkerstaat[47] war Österreich ferner einer der wichtigsten Exponenten und Promotoren der Autoritäts-, Solidaritäts- und Restaurationspolitik[48] und somit u. a. ei­ner Politik der Unterdrückung und gemeinsamer Bekämpfung innerstaatlicher Freiheits- und National­bewegungen, Aufstände und Revolutionen, da diese Bestrebungen für den Bestand und den Zusammen­halt der Habsburgermonarchie sehr bedrohlich, gefährlich und destruktiv erschienen.[49]

Trotz der sich oft nicht vertragenden und in den Verhandlungen des Kongresses Krisen und Spannungen auslösenden Einzelinteressen der jeweiligen Großmächte (denn es ging schließlich auch vor allem um Machtpolitik und politisch-territoriale Materien, Interessen und Ansprüche) war das große Hauptziel dennoch klar: Die Schaffung bzw. (Wieder-) Herstellung einer stabilen, für alle tragfä­higen und dauerhaften Staats- und Friedensordnung in Sinne eines europäischen Gleichgewichts. Der Wille dazu einte alle maßgeblichen Akteure des Kongresses, trotz vieler Gegensätze und unterschiedli­cher Konzeptionen.[50]

4. Die Etablierung und Charakteristika der „Wiener Ordnung“: Leitprinzipien, politische Hauptzielsetzungen, Ergebnisse und potentiell friedenssichernde Bestimmungen und Maßnah­men

Den detaillierten und möglichst viele politischen Geschehnisse, Themenkomplexe, Verhandlungen, Spannungen und Konflikte, Probleme, Entscheidungen, Bestimmungen und Ergebnisse einschließen­den chronologischen Verlauf des Wiener Kongresse hier darzustellen, würde an dieser Stelle verständli­cherweise den Rahmen sprengen und ist nicht im Sinne des Themas dieser Arbeit und der diesbezügli­chen Fragestellungen. Dies wird daher hier bewusst weggelassen. Es sollen vielmehr, wie einleitend er­wähnt, die primären politischen Ergebnisse, Hauptzielsetzungen und Leitprinzipien, die die auf dem Wiener Kongress beschlossene internationale Staaten- und Friedensordnung (sog. „Wiener Ordnung“) kennzeichnen sowie einige damit einhergehende potentielle Bestimmungen und Maßnahmen zur Siche­rung des Friedens aufgezeigt und analysiert werden.[51]

4.1 Legitimität, Autorität, Solidarität und Intervention, Restauration bzw. Restitution sowie eu­ropäisches Gleichgewicht der Mächte („Balance of Power“)

Das zeitgenössische Schlagwort Legitimität stellte eines der zentralen Prinzipien des Wiener Kongres­ses und der Wiener Ordnung dar und sollte primär zur Begründung der Rechtmäßigkeit der neu durch die Großmächte zu etablierenden, wieder auf stabilen monarchischen und dynastischen Grundlagen fußenden Friedens- und Staatenordnung dienen.[52] Das Legitimitätsprinzip betonte die Rechtmäßigkeit (Legitimität) der Herrschaft der dynastischen Fürstenhäuser auf Grundlage der Geburt, tradierter und althergebrachter Rechte, Tradition und des Gottesgnadentums und begründete damit auch den potenti­ellen Anspruch der durch Napoleon vertriebenen, abgesetzten und entmachteten Dynastien (u. a. Bour­bonen, Welfen, Haus Braunschweig usw.) des Ancien Régime auf Wiedereinsetzung in die Herrschaft (Restitution; siehe dazu auch weiter unten).[53] So ermöglichte z. B. die erfolgreiche Durchsetzung der Wiedereinsetzung der französischen Bourbonen (Ludwig XVIII.) Talleyrand, einem Hauptverfechter des Legitimitätsprinzips, auf dem Kongress „[...] die monarchische Legitimität im allgemeinen zum Gegenprinzip gegen die Revolution zu erheben und dem Konzert der Mächte auf diese Weise einen Leitbegriff für seine Politik der Friedenssicherung an die Hand zu geben“.[54] Die aus dem Legitimitäts­prinzip hergeleiteten Restitutionsansprüche mancher abgesetzter oder entmachteter Fürsten mussten je­doch indes auf dem Kongress oftmals Stabilitätsüberlegungen weichen. Denn wo die Berufung auf alt­hergebrachte, jedoch durch die Macht des Faktischen der vergangenen Jahrzehnte durchbrochene Herr­schaffsrechte Instabilisierung der neuen Ordnung bedeutet hätte, war eine Restitution nach Meinung vor allem Metternichs ausgeschlossen. Diese „Durchbrechungen] der legitimistischen Kontinuität“ wurden dann von den maßgeblich bestimmenden Akteuren als rechtmäßig und rechtsbeständig erach­tet.[55] Das „[...] Stabilitätsbedürfnis [der maßgeblich bestimmenden Akteure] scheute die Wiederherstel­lung alter Rechtszustände, wo sie eine neue Umwälzung [und damit neue Spannungen und Konflikte] bedeutet [hätte]. Dem Prinzip der Legitimität zog das Prinzip der Stabilität eine feste Grenze“.[56]

„Legitimität im Sinne des [...] nicht weiter ableitbaren Herrschaftsrechts der historischen Dy­nastie verweist aus sich selbst heraus auf die zentrale Rolle von Monarchie und Dynastie im Europa der Wiener Ordnung“ und damit auf das Prinzip der monarchischen Autorität.[57] Das monarchische Prinzip der Autorität besaß im Kontext des Wiener Kongresses und der Wiener Ordnung primär eine Doppel­funktion: Auf der einen Seite stellte es die Kontinuität zur vorrevolutionären Zeit und damit zur postu­lierten Stabilität des vorrevolutionären europäischen Staatensystems her (etwa durch das Rekurrieren auf das Gottesgnadentum), auf der anderen Seite sollte es die Voraussetzungen für den Nachweis der „Überlegenheit der Monarchie in der Fähigkeit [...] zur notwendigen Anpassung der Institutionen an die Bedürfnisse der neuen Zeit“ schaffen.[58] Ferner sollte es nach Ansicht Metternichs als sichere Ge­währ gegen den aufkommenden Nationalismus, den Liberalismus und damit die Rufe nach Freiheit, Demokratie, politischer Mitbestimmung und Volkssouveränität, die vor allem die österreichische Politik als unruhebringende, ordnungsgefährdende und illegitime Ansprüche und Verlangen ansah, die­nen. Im unantastbaren und unbezweifelbaren Herrscherrecht des Monarchen als souveränem Träger der Staatsgewalt sah Metternich die Garantie für Ruhe, Ordnung und Dauer und damit auch für die innere wie äußere Stabilität der neuen Staaten- und Friedensordnung.[59]

Das Prinzip der (fürstlichen) Solidarität kennzeichnete vor allem die Politik der Sicherung der aus dem Legitimitäts- und Autoritätsprinzip her- und abgeleiteten Fürstenherrschaft durch gemeinsame („solidarische“) Unterdrückung, Bekämpfung und Abwehr innerstaatlicher Freiheitsbewegungen und revolutionärer Erhebungen, Aufstände und Dynamiken. Folglich wurden punktuelle militärische Inter­ventionen in Drittstaaten als legitimes und der Aufrechterhaltung und Stabilisierung der Ordnung und des Friedens dienendes Mittel und Instrument angesehen. „Im Gedankenhaushalt aller politischer Ent- scheider von 1814/15 [...] waren innenpolitische Stabilität und Austarieren des außenpolitischen Gleichgewichts eng aufeinander bezogen“.[60] Die vornehmlich von Metternich geprägten Begriffe Ruhe, Ordnung und Stabilität, bezogen auf die Innen- wie auf die Außenpolitik, stellten die erklärte und ge­wünschte Norm dar und wurden politisch in gewisser Weise verabsolutiert. Dabei folgten die wesentli­chen politischen Entscheidungsträger einer dementsprechenden Logik: Falls innere Aufstände und Un­ruhen in ihrer Wahrnehmung das Potenzial kriegerischer Auseinandersetzungen in sich bargen, dann musste in dieser Logik, die Bekämpfung und Unterdrückung jener Aufstände zugleich der Wahrung der

[...]


[1] Zu nennen sind hier u. a.: Allianzvertrag zwischen Rußland, Österreich und Preußen (26.09.1815), in: Ernst Rudolf Huber (Hg.), Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 1: Deutsche Verfassungsdokumente 1803-1850, 3. Aufl., Stuttgart 1978, S. 83-84; Pariser Friedensschluß, errichtet von Oesterreich, Rußland, England und Preussen, und ihre Alliierten, mit Frankreich am 30. Mai 1814, in: Johann Ludwig Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 1, 2. Aufl., Erlangen 1819, S. 8-33; Friedens- und Freundschafts-Traktat zwischen seiner Majestät dem Könige von Preußen und Seinen Alliierten an einem, und Seiner Majestät dem Könige von Frankreich und Navarra am andern Theile. Vom 30sten Mai 1814, in: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten 1814 (PrGS. 1814), S. 113-136; Acte final du congrès de Vienne, du 9 juin 1815; avec les pièces qui y sont annxées, in: Johann Ludwig Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 6, 2. Aufl., Erlangen 1836, S. 3-222; Haupt-Vertrag des zu Wien versammelten Congresses der europäischen Mächte, Fürsten und freien Städte, nebst 17 besonderen Verträgen, in: Der Deutsche Bund. Eine Zeitschrift für das öffentliche Recht Deutschlands und der gesamten deutschen Länder, Bd. 1, Hildburghausen 1815, S. 1-208 und Comte d'Angeberg (Hg.), Le Congrès de Vienne et les traités de 1815. Précédé et suivi des actes diplomatiques qui s'y rattachent. Avec une introduction historique par M. Capefigue, Paris 1863/64.

[2] Tim Chapman, The Congress of Vienna. Origins, processes and results, London 1998.

[3] Heinz Duchhardt, Der Wiener Kongress. Die Neugestaltung Europas 1814/15, 2. Aufl., München 2015.

[4] Michael Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1785-1830, Paderborn 2004 (Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen Bd. 5).

[5] Andreas Fahrmeir, Frieden durch Handel? Der Wiener Kongress und die Wirtschaftspolitik, in: Reinhard Stäuber / Florian Kerschbaumer / Marion Koschrer (Hg.), Mächtepolitik und Friedenssicherung. Zur politischen Kultur Europas im Zeichen des Wiener Kongresses, Münster 2014, S. 123-133.

[6] Mark Jarrett, The Congress of Vienna and its Legacy. War and Great Power. Diplomacy after Napoleon, London 2013.

[7] Thierry Lentz, 1815. Der Wiener Kongress und die Neugründung Europas, München 2014.

[8] Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, 6. Aufl., München 1993.

[9] Reinhard Stäuber, Der Wiener Kongress, Wien 2014.

[10] Adam Zamoyski, 1815. Napoleons Sturz und der Wiener Kongress, München 2014.

[11] Anselm Doering-Manteuffel, Vom Wiener Kongress zur Pariser Konferenz, Göttingen 1991 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Bd. 28).

[12] Andreas Fahrmeir, Europa zwischen Reform und Revolution 1815-1850, München 2012 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 41) und Andreas Fahrmeir, Revolutionen und Reformen. Europa 1789-1850, München 2010.

[13] Elisabeth Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, 3. Aufl., München 1993 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 12).

[14] Wolf D. Grüner, Der Wiener Kongress 1814/15, Stuttgart 2014.

[15] Hans-Werner Hahn / Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution 1806-1848/49, 10. Aufl., Stuttgart 2010 (Handbuch der deutschen Geschichte Bd. 14).

[16] Wolfgang von Hippel / Bernhard Stier, Europa zwischen Reform und Revolution 1800-1850, Stuttgart 2012 (Handbuch der Geschichte Europas Bd. 7).

[17] Ernst Rudolf Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. 1, Reform und Restauration 1789-1830, 2. Aufl., Stuttgart 1967.

[18] Dieter Langewiesche, Europa zwischen Restauration und Revolution, 5. Aufl., München 2007 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 13).

[19] Matthias Middell, Der Wiener Kongress aus globalhistorischer Perspektive, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 22-24, 2015, S. 9-14.

[20] Wolfram Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806-1871, München 1995 (Neue Deutsche Geschichte Bd. 7).

[21] Für einen prägnanten Überblick über die Kriegsverläufe, die jeweiligen Politiken der Großmächte und die Verhandlungen und Diplomatie vom Zweiten Koalitionskrieg bis zum Einmarsch der Alliierten in Paris im März 1814 und dem Abschluss des Ersten Pariser Frieden am 30. Mai 1814 vgl. Michael Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1785-1830, Paderborn 2004 (Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen Bd. 5), S. 316-342; Elisabeth Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, 3. Aufl., München 1993 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 12), S. 122-125 und Wolf D. Grüner, Der Wiener Kongress 1814/15, Stuttgart 2014, S. 33-69.

[22] Zum Russlandfeldzug vgl. Adam Zamoyski, 1812. Napoleons Feldzug in Russland, München 2012.

[23] Vgl. Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, S. 123-124; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 335-336; Horst Möller, Fürstenstaat oder Bürgemation. Deutschland 1763-1815, Berlin 1989, S. 639-640 und Wolfram Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806-1871, München 1995 (Neue Deutsche Geschichte Bd. 7), S. 311.

[24] Vgl. Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, S. 124; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 335-337; Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 311-312 und Manfred Botzenhart, Reform, Restauration, Krise. Deutschland 1789-1847, Frankfurt am Main 1985, S. 77-78.

[25] Vgl. Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, S. 124; Möller, Fürstenstaat oder Bürgernation, S. 641-642 und Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 312.

[26] Allianz-Tractat zwischen Oesterreich, Rußland, England und Preussen, zu Chaumont am 1. März 1814, in: Johann Ludwig

Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 1, 2. Aufl., Erlangen 1819, S. 1-8. Der Vertrag bzw. die Quadrupelallianz von Chaumont war vor allem auf Anregung Castlereaghs (britischer Außenminister) geschlossen worden, als eine Offensiv- und Defensivallianz gegen Frankreich zur Herstellung und Wahrung des Gleichgewichts in Europa. Jede der beteiligten Mächte verpflichtete sich, sollte Napoleon die Friedensbedingungen nicht akzeptieren, 150.000 Mann bis zum Kriegsende unter Waffen zu halten. Separate Friedensverträge mit Frankreich waren ausgeschlossen. Wichtig war vor allem seine Gültigkeit über das Kriegsende hinaus (er war auf 20 Jahre angelegt) und die gemeinsame Verpflichtung der Verbündeten, den allgemeinen europäischen Frieden durch ihr Engagement dauerhaft zu sichern Vgl. dazu Grüner, Der Wiener Kongress, S. 67-68 und Charles Webster, The Congress of Vienna 1814-1815, London 1963, S. 43-51. Artikel 16 des Vertrags hielt bzgl. einer Herstellung eines Gleichgewichts folgendes Vertragsziel fest: „Le présent Traité d'Alliance Défensive ayant pour but de maintenir l'éguilibre en Europe, d’assurer le repos et l'indépendance des Puissances Zitiert nach: Anselm Doering-Manteuffel, Vom Wiener Kongress zur Pariser

Konferenz, Göttingen 1991 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Bd. 28), S. 30.

[27] Vgl. Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 338-340 und Heinz Duchhardt, Der Wiener Kongress. Die Neugestaltung Europas 1814/15, 2. Aufl., München 2015, S. 18-19. Bzgl. des Abdankungsvertrags mit Napoleon siehe: Vertrag von Paris, 11. April 1814, zwischen Oesterreich, Rußland und Preußen einerseits und Napoleon anderseits; mit theilweisem Beitritt von Großbritannien vom 27. April 1814, in: Philipp Anton Guido von Meyer (Hg.), Corpus Juris Confoederationis Germanicae oder Staatsacten für Geschichte und öffentliches Recht des Deutschen Bunds, Bd. 1, Staatsverträge, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1858, S. 235-238.

[28] Bzgl. der Restitution der Bourbonenherrschaft siehe den Restitutionsvertrag: Vertrag der verbündeten Mächte mit den Bourbons, Paris den 23. April 1814, in: Philipp Anton Guido von Meyer (Hg.), Corpus Juris Confoederationis Germanicae oder Staatsacten für Geschichte und öffentliches Recht des Deutschen Bunds, Bd. 1, Staatsverträge, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1858, S. 238-240.

[29] Pariser Friedensschluß, errichtet von Oesterreich, Rußland, England und Preussen, und ihre Alliierten, mit Frankreich am 30. Mai 1814, in: Johann Ludwig Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 1, 2. Aufl., Erlangen 1819, S. 8-33 [in Französisch] und Friedens- und Freundschafts-Traktat zwischen seiner Majestät dem Kö­nige von Preußen und Seinen Alliierten an einem, und Seiner Majestät dem Könige von Frankreich und Navarra am andern Theile. Vom 30sten Mai 1814, in: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten 1814 (PrGS. 1814), S. 113­136 [in Deutsch].

[30] Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, 6. Aufl., München 1993, S. 89. Vgl.

auch Tim Chapman, The Congress of Vienna. Origins, processes and results, London 1998, S. 33-35; Hans-Werner Hahn / Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution 1806-1848/49, 10. Aufl., Stuttgart 2010 (Handbuch der deutschen Geschichte Bd. 14), S. 101; Fehrenbach, Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress, S. 124; Botzenhart, Reform, Restauration, Krise, S. 79 und Grüner, Der Wiener Kongress, S. 68. Zu den genauen neuen französischen Grenzen siehe Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 341. Für Metternichs Darstellung der Friedensverhandlungen in Paris siehe: Richard Clemens von Mettemich-Winneburg (Hg.), Aus Metternichs

nachgelassenen Papieren, 1. Teil: Von der Geburt Metternichs bis zum Wiener Kongreß 1773-1815, Bd. 1, Wien 1880, S. 199-201.

[31] Vgl. dazu Hahn / Berding, Reformen, Restauration und Revolution, S. 102: „Die Schaffung eines neuen Mächtesystems in Europa zählte von Anfang an zu den Hauptkriegszielen der Alliierten. Wichtige Vorentscheidungen für die Gestaltung der künftigen Friedensordnung waren bereits vor dem Wiener Kongreß gefallen. So hatten sich die Koalitionsmächte schon im Ersten Pariser Frieden verpflichtet, zur Sicherung des Friedens in Europa, 'ein wirkliches und dauerhaftes System des Gleichgewichts’ [zitiert nach: Erster Geheimartikel des Ersten Pariser Friedens, in: Klaus Müller (Hg.), Quellen zur Geschichte des Wiener Kongresses 1814/15, Darmstadt 1986, S. 62] zu etablieren. Damit knüpften sie an die Friedensschlüsse von Utrecht von 1713 an, in denen sich das europäische Staatensystem das Gleichgewicht selbst als Leitbegriff gesetzt hatte. [...] Im völkerrechtlichen Denken des 18. Jhs. war diese Maxime weithin anerkannt“. Vgl. dazu auch Heinz Duchhardt, Balance of power und Pentarchie. Internationale Beziehungen 1700-1785, Paderborn 1997 (Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen Bd. 4); Hans Fenske, Art. Gleichgewicht, Balance, in: Otto Brunner / Werner Conze / Reinhart Koselleck (Hg.), Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch­sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 2: E-G, Stuttgart 1975, S. 959-996 und Jarrett, The Congress of Vienna, S. 84-85.

[32] Vgl. Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 341; Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 312 und Heinz Duchhardt, Gleichgewicht der Kräfte, Convenance, europäisches Konzert. Friedenskongresse und Friedensschlüsse vom Zeitalter Ludwigs XIV. bis zum Wiener Kongress, Darmstadt 1976, S. 130.

[33] Vgl. Pariser Friede vom 30. Mai 1814, in: PrGS. 1814, S. 133; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 342 und Duchhardt, Gleichgewicht der Kräfte, S. 130. Vgl. auch Grüner, Der Wiener Kongress, S. 69­70: „Der Pariser Friede hatte einige zentrale Themen offengelassen, beispielsweise die polnische und sächsische Frage, und für die Neuorganisation Mitteleuropas, Italiens und der Niederlande nur allgemeine Vorgaben gemacht. [...] [Der Wiener Kongress] war der erste europäische Kongress, der sich von seiner Anlage her als ,Friedensvollzugskongress1 [...] verstand“. Und: Emst Rudolf Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. 1, Reform und Restauration 1789­1830, 2. Aufl., Stuttgart 1967, S. 544: „[Der Wiener Kongress] war der erste europäische Kongreß, der kein ,Friedenskongreß‘ im gewöhnlichen Sinn war. Denn er diente nicht (wie seine großen Vorläufer, die Kongresse von Münster und Osnabrück 1648) der Vereinbarung eines Friedensvertrags zwischen noch im Kriegszustand gegeneinander stehenden Mächten; vielmehr diente er der Durchführung eines bereits vorher vereinbarten Friedensvertrags“.

[34] Für eine prägnante zusammenfassende Abbildung der Kernziele und Interessen der jeweiligen Großmächte in Form eines Schaubildes vgl. das Schaubild 2.1 in: Chapman, The Congress, S. 31.

[35] Ca. 200 Staaten, Städte und Körperschaften waren mit ihren Delegationen vertreten. Auch die Monarchen von Österreich (Kaiser Franz I.), Russland (Zar Alexander I.), Preußen (König Friedrich Wilhelm III.), Dänemark, Bayern und Württemberg waren persönlich anwesend, sowie die Monarchen weiterer kleinerer Fürstentümer. Vgl. dazu Duchhardt, Wiener Kongress, S. 33-39 und Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 544. Für eine Auflistung bzw. Abbildung der Bevollmächtigten der Großmächte und Signatarstaaten des Ersten Pariser Friedens (Russland, Großbritannien, Österreich, Preußen, Frankreich, Spanien, Portugal und Schweden) vgl. ebd., S. 544, Anm. 3; Duchhardt, Wiener Kongress, S. 50-51 und Verzeichniß der zu dem Wiener Congreß bevollmächtigten Minister derjenigen acht Höfe, welche den Pariser Friedensschluß unterzeichnet hatten, oder ihm beigetreten sind, in: Johann Ludwig Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 1, 2. Aufl., Erlangen 1819, S. 38-40.

[36] Vgl. Gordon Craig, Geschichte Europas 1815-1980. Vom Wiener Kongreß bis zur Gegenwart, 3. Aufl., München 1989, S. 24. Der Wiener Kongress erarbeitete seine Ergebnisse in separaten Komitees und Ausschüssen. Die wichtigen Entscheidungen wurden im Haupt- und Leitungskomitee der vier, später fünf Großmächte (Russland, Großbritannien, Österreich, Preußen und später Frankreich) und im Ausschuss für europäische Angelegenheiten (hier waren neben den fünf Großmächten die anderen drei Sieger- und Signatarmächte des Ersten Pariser Friedens vertreten: Spanien, Portugal und Schweden) getroffen. Außerdem gab es gesonderte Komitees bzw. Ausschüsse für die einzelnen Themenkomplexe Deutschland bzw. deutsche Frage, Gebiets- und Statistikfragen, Sklavenhandel, Internationale Flussschifffahrt, Schweiz, Toskana, Genua und Sardinien, Herzogtum Bouillon, Diplomatische Rangordnung etc. Vgl. dazu Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 314; Chapman, The Congress, S. 35-37, im besonderen Abbildung 3.1 auf S. 36; Reinhard Stäuber, Der Wiener Kongress, Wien 2014, S. 60-78; Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 544; Immanuel Geiss, Geschichte im Überblick. Daten und Zusammenhänge der Weltgeschichte, Hamburg 1995, S. 404; Matthias Schulz, Normen und Praxis. Das europäische Konzert der Großmächte als Sicherheitsrat 1815-1860, München 2009, S. 58 und Öffentliche Notiz über die Förmlichkeiten des Wiener Congresses, über den dermaligen Sinn des Wortes Congreß, über die Lage und Abtheilungen seiner Geschäfte, in dem November 1814, in: Johann Ludwig Klüber (Hg.), Acten des Wiener Congresses in den Jahren 1814 und 1815, Bd. 1, 2. Aufl., Erlangen 1819, S. 40-45.

[37] Vgl. Craig, Geschichte Europas, S. 26. Neben Außenminister Talleyrand bestand die französische Verhandlungsdelegation u. a. aus: Emmerich Joseph Herzog von Dalberg, Graf Alexis de Noailles, Graf Jean-Baptiste de Gouey und Baron Frédéric-Séraphin de La Tour du Pin Gouvemet. Vgl. dazu Duchhardt, Wiener Kongress, S. 47-48.

[38] Vgl. ebd., S. 46; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 345; Chapman, The Congress, S. 25-26 und S. 31 und Jarrett, The Congress of Vienna, S. 88-89.

[39] Neben Castlereagh und Wellington bestand die britische Delegation u. a. aus: Lord Cathcart, Lord Clancarty und Lord Stewart. Vgl. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 544, Anm. 3.

[40] Vgl. Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 343-344; Chapman, The Congress, S. 20-22 und S. 31; Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 89-90; Grüner, Der Wiener Kongress, S. 70-71; Matthias Schulz, Das 19. Jahrhundert (1789-1914), Stuttgart 2011, S. 58-60; Thierry Lentz, 1815. Der Wiener Kongress und die Neugründung Europas, München 2014, S. 56 und S. 60-61 und Jarrett, The Congress of Vienna, S. 87. Vgl. auch Hahn / Berding, Reformen, Restauration und Revolution, S. 102-103: „Großbritannien richtete seine praktische Politik in Europa danach ein [nach der Maxime des Gleichgewichts]. Denn eine Balance of power auf dem Kontinent lag im Interesse der führenden Industrie- und Seemacht. Hauptsächlich aus dieser Interessenlage heraus und nicht so sehr aus ideologischen Beweggründen hatte sie zur Zeit der Revolution und Napoleons Krieg gegen das expansionistische Frankreich geführt. Ihr erklärtes Kriegsziel war es, eine von Großbritannien, Frankreich, dem Russischen Reich, Österreich und Preußen gebildete Pentarchie an die Stelle der französischen Hegemonie treten zu lassen“.

[41] Neben Graf Nesselrode bestand die offizielle russische Vertretung u. a. aus: Gustav Ernst Graf von Stackeiberg und Fürst Andrei Kirillowitsch Rasumowski. Neben diesen offiziellen Bevollmächtigten waren einflussreiche Berater des Zaren in Wien: Fürst Czartoryski, Graf Kapodistrias, Graf Pozzo di Borgo und Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein. Vgl. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 544, Anm. 3.

[42] Vgl. Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 345; Chapman, The Congress, S. 23-24 und S. 31; Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 90; Duchhardt, Wiener Kongress, S. 81-82 und Jarrett, The Congress of Vienna, S. 86-87.

[43] Vgl. Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 90; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 344­345; Botzenhart, Reform, Restauration, Krise, S. 80 und Chapman, The Congress, S. 24-25 und S. 31.

[44] Vgl. Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 344-345.

[45] Zu Metternich vgl. Wolfram Siemann, Metternich. Staatsmann zwischen Restauration und Moderne, München 2010 und Wolfram Siemann, Metternich. Stratege und Visionär. Eine Biographie, München 2016. Vgl. auch die prägnante Charakterisierung und Kurzdarstellung bei Duchhardt, Wiener Kongress, S. 40-42.

[46] Vgl. ebd., S. 41-42. Neben Metternich und Gentz gehörten zur österreichischen Delegation u. a.: Johann Freiherr von Wessenberg (österreichischer Gesandter in Berlin, München und London), Friedrich von Schlegel (Sekretär an der Hof- und Staatskanzlei) und Nikolaus von Wacken (Hofrat und österreichischer Kongresssekretär, Gentz „rechte Hand“). Vgl. ebd. Zu Gentz vgl. Colo Mann, Friedrich von Gentz. Gegenspieler Napoleons, Vordenker Europas, Frankfurt 1995; Harro Zimmermann, Friedrich Gentz. Die Erfindung der Realpolitik, Paderborn 2012 sowie für seine Tagebücher: Tagebücher von Friedrich von Gentz, aus dem Nachlaß Karl August Varnhagens von Ense, 4 Bd., Leipzig 1873-1874.

[47] Vgl. Chapman, The Congress, S. 22: „Austria was a composite state of diverse nationalities that were loyal to the emperor but had little else in common [...]. 'The Habsburg lands were not bound together either by geography or by nationality'. The Austrian empire contained Germans, Magyars, Slovaks, Poles, Slovenes, Italians and several other nationalities“.

[48] Bzgl. der Bedeutung und Definition der Begriffe im Kontext des Wiener Kongresses (Leitprinzipien) siehe Punkt 4.1 dieser Arbeit.

[49] Vgl. Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 86 und S. 89-90; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 343-344; Chapman, The Congress, S. 22-23 und S. 31 und Jarrett, The Congress of Vienna, S. 87-88. Vgl. auch Hahn / Berding, Reformen, Restauration und Revolution, S. 103: „Für eine solche multipolare Ordnung [Gleichgewichtsordnung] setzte sich in den Gesprächen zwischen den führenden Staatsmännern der verbündeten Mächte nicht nur der britische Außenminister Castlereagh ein. Auch Metternich machte sich sich zum Anwalt einer austarierten Mächteordnung in Europa. Das entsprach zum einen der Interessenlage Österreichs. Das aus Deutschen und Slawen, Magyaren und Italienern gebildete Habsburgerreich erhoffte sich davon in einer Zeit des sich ausbreitenden Nationalismus Stabilität. Aus diesem Grund stand die österreichische Politik 'auf der Seite jener, die das Gefühl für Grenzen und die Bedeutung des Gleichgewichts hatten'. Zum andern verschrieb sich der österreichische Staatsmann auch mit Blick auf die mächtepolitische Ordnung in Europa der Gleichgewichtspolitik. Dabei handelte er in voller Übereinstimmung mit seinen völkerrechtlichen Überzeugungen. Sie waren einerseits von den philosophischen Gleichgewichtslehren des 18. Jhs. geprägt, enthielten anderseits aber auch neue Elemente ordnungspolitischen Denkens. Als Vermittler spielte Friedrich Gentz, der Verfasser der bekanntesten Gleichgewichtsschrift der napoleonischen Zeit und ab 1815 engster Mitarbeiter Metternichs, eine wichtige Rohe“. Zur Gleichgewichtsschrift von Friedrich von Gentz, die 1806 erschien, vgl. Günther Kronenbitter (Hg.), Friedrich Gentz. Gesammelte Schriften, Bd. 4: Fragmente aus der neusten Geschichte des Politischen Gleichgewichts in Europa, Hildesheim 1997.

[50] Vgl. Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 13.

[51] Einige dieser Prinzipien bzw. Schlagwörter sind zeitgenössisch und wurden von den Akteuren des Wiener Kongresses bereits verwendet, um ihre Politik und Ziele zu umreißen und zu beschreiben, andere stellen hingegen eine nachträgliche Konstruktion der Geschichtswissenschaft dar.

[52] Vgl. Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 14: „Das 'durch Tradition gehärtete Prinzip dynastischer Legitimität' spielte in Wien eine zentrale Rolle Vgl. Dieter Langewiesche, Reich, Nation, Föderation. Deutschland und Europa, München 2008, S. 118 und Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 22.

[53] Vgl. Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 14-15; Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 314; Michael Kotulla, Deutsche Verfassungsgeschichte. Vom Alten Reich bis Weimar (1495-1934), Berlin/Heidelberg 2008, S. 316; Schulz, Das 19. Jahrhundert, S. 58; Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 22 und Alexa Geisthövel, Restauration und Vormärz 1815-1847, Paderborn 2008, S. 13.

[54] Volker Sellin, Die geraubte Revolution. Der Sturz Napoleons und die Restauration in Europa, Göttingen 2001, S. 17. Vgl. Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 14.

[55] Kotulla, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 316. Vgl. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 535 und Langewiesche, Europa zwischen Restauration und Revolution, S. 9: „Das Prinzip der Legitimität, das der Wiener Kongreß den revolutionären und bonapartistischen Prinzipien entgegensetzte, verlangte also keine Wiederherstellung vorrevolutionärer und vornapoleonischer Verhältnisse. Gemessen am Grundsatz vollständiger Restauration entstand der Deutsche Bund vielmehr als ein illegitimes Geschöpf. Als legitim galt, was sich durchgesetzt hatte und von den Siegern im Vertragswerk von 1815 völkerrechtlich anerkannt wurde. Der Legitimitätsbegriff, auf dem das nachrevolutionäre Europa ruhen sollte, erwies sich als formbar. Er konnte restaurativ eingesetzt werden, aber er konnte auch revolutionären und usurpatorischen Veränderungen den Makel illegitimer Herkunft nehmen“.

[56] Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 535-536. Vgl. auch Kotulla, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 316; Fahrmeir, Revolutionen und Reformen, S. 132; Schulz, Das 19. Jahrhundert, S. 66 und Fahrmeir, Europa zwischen Reform und Revolution, S. 32. Vgl. bzgl. Metternichs Auffassung von Legitimität auch Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 535: „Metternichs Legitimitätsprinzip ging zwar von dieser legitimistischen Grundvorstellung [monarchische Herrschaft als durch Geburt zugefallenes legitimes Recht, das durch Gewalt nicht vernichtet werden kann] aus, jedoch nicht im Sinn der absoluten Unverbrüchlichkeit. Er erkannte an, daß es Fälle gibt, in denen Notwendigkeit und Vernunft dazu zwingen, eine Durchbrechung der legitimistischen Kontinuität als rechtmäßig und rechtsbeständig anzuerkennen. In Deutschland [z. B.] hätten beim radikalen Legitimismus sämtliche depossedierten Fürstenhäuser in ihre alten Rechte wiedereingesetzt werden müssen; von einem destruktiven Legitimismus dieser Art war Metternich weit entfernt. In dem er in den Verträgen von Ried und Fulda den territorialen Besitzstand der größeren Rheinbundstaaten garantierte, legalisierte er zugleich zahllose Depossedierungsakte, zu denen es in dem Jahrzehnt der großen gewaltsamen Flurbereinigung gekommen war. Metternich entschied sich für die Legalität der territorialen Veränderungen gegen die Legitimität unantastbarer Herrschaftsrechte. [...] Das Mettemich'sche Legitimitätsprinzip war vielmehr durch ein starkes Bedürfnis nach Ordnung und Sicherheit gekennzeichnet. Wo die Berufung auf alte, jedoch durch die Gewalt der Tatsachen durchbrochene Rechte die inzwischen gefestigte Ordnung zu erschüttern drohte, neigte der Staatskanzler dazu, die neuen, wenngleich unter fragwürdigen Titeln erworbenen Rechte als gültig anzuerkennen“.

[57] Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 15. Vgl. Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 314.

[58] Sellin, Die geraubte Revolution, S. Vgl. Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 15-16.

[59] Vgl. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 536; Von Hippel / Stier, Europa zwischen Reform und Revolution, S. 65 und Kotulla, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 316.

[60] Stäuber, Der Wiener Kongress, S. 17. Vgl. auch Von Hippel / Stier, Europa zwischen Reform und Revolution, S. 65 und Erbe, Revolutionäre Erschütterungen und erneutes Gleichgewicht, S. 10 und 23.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Der Wiener Kongress und die Etablierung einer europäischen Staaten- und Friedensordnung ("Wiener Ordnung")
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Seminar für Neuere Geschichte - Frühe Neuzeit)
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
47
Katalognummer
V377320
ISBN (eBook)
9783668546981
ISBN (Buch)
9783668546998
Dateigröße
885 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiener Kongress, Wiener Ordnung, Friedensordnung, Staatenordnung, Großmächte, Europäisches Konzert
Arbeit zitieren
Johannes Ehrengruber (Autor), 2017, Der Wiener Kongress und die Etablierung einer europäischen Staaten- und Friedensordnung ("Wiener Ordnung"), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377320

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