Präimplantationsdiagnostik. Ist der Mensch dazu befugt, menschliches Leben zu bewerten?


Facharbeit (Schule), 2016

15 Seiten, Note: 1,33


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Was ist Präimplantationsdiagnostik?
2.2 Das Verfahren
2.3 Gründe für die Anwendung einer PID
2.4 Rechtliche Lage in Deutschland
2.5 Ethische Bewertung
a) Wann beginnt menschliches Leben?
b) Menschenwürde, Tötungsverbot und Entscheidungsfreiheit
c) Selektion
d) Diskriminierung von Behinderten
e) Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch
f) zukünftige Folgen

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Kind zu bekommen scheint das natürlichste der Welt zu sein. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland etwa 715.000 Kinder geboren.[1] Doch nicht für jedes Paar erfüllt sich der Kinderwunsch so einfach. Dafür kann es viele Gründe geben. Eine Ursache könnte eine Erbkrankheit sein, bei der das Kind schon im Mutterleib abstirbt oder mit schweren gesundheitlichen Folgen leben müsste. In solchen Fällen kann die Präimplantationsdiagnostik (kurz PID) helfen.

Die PID ist, trotz der gesetzlichen Regelung im Jahre 2011, immer noch ein aktuelles Thema in unserer Gesellschaft. Sowohl ethisch als auch politisch sorgen viele ungeklärte Fragen für die umstrittene Problematik des Verfahrens.

In dieser Seminararbeit werde ich mich mit der kritischen Frage auseinandersetzen, ob der Mensch dazu befugt ist, menschliches Leben zu bewerten. Dieser Vorgang spielt bei jeder Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik eine Rolle, denn der Mensch entscheidet, welche der befruchteten Eizellen implantiert und somit weiterleben dürfen, und welche nicht.

Das Ziel meiner Seminararbeit ist die bestmögliche Darstellung der aktuellen Lage, damit sich der Leser selbst einen Überblick über das Thema verschaffen kann und letztendlich eine Meinung darüber bildet. Im weiteren Vorgehen werde ich mich auf den Umfang meiner Leitfrage konzentrieren, um abschließend dazu Stellung nehmen zu können. Weitreichendere Themen der PID, wie die Historie oder unterschiedliche Untersuchungsmethoden auf medizinisch-biologischer Ebene, werden nicht erläutert.

Ich werde mich des Öfteren auf das folgende Fallbeispiel beziehen, um die Anwendung einer PID und deren Folgen möglichst anschaulich dem Leser zu übermitteln.

Fallbeispiel

Frau A hat einen Gendefekt, der sie selbst nicht beeinträchtigt, jedoch eine Schwangerschaft nahezu unmöglich macht. Sie hat schon einige Fehlgeburten hinter sich. Ein auf natürlichem Wege erzeugtes Kind wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit geistig und körperlich behindert. Frau A und ihr Partner entschließen sich zu einer PID, um ihren gemeinsamen Wunsch ein gesundes Kind zu bekommen zu erfüllen.

2. Hauptteil

2.1 Was ist Präimplantationsdiagnostik?

Eine Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein molekulargenetisches und zytologisches Verfahren, mit dem die Zellen eines, durch In-vitro-Fertilisation erzeugtem Embryo auf Chromosomenkrankheiten oder Genveränderungen untersucht werden. Ein Embryo, der keine Anomalien oder kein genverändertes Erbgut aufweist, wird anschließend in den Uterus der Frau eingesetzt.

Das Ziel der Präimplantationsdiagnostik ist es, Fehlgeburten, Totgeburten oder die Geburten von schwer kranken Kindern, aufgrund der genetischen Veranlagungen der Eltern, zu umgehen und somit die Familien von den schweren psychischen Folgen zu entlasten.

2.2 Das Verfahren

Mit der PID ist es möglich, befruchtete Eizellen schon vor der Einnistung in die Gebärmutter auf genetische Eigenschaften zu untersuchen. Voraussetzung für die Diagnostik ist das Verfahren der In-vitro-Fertilisation, kurz IVF (=Befruchtung im Reagenzglas/künstliche Befruchtung). Ein Embryo entsteht. Bis zum Acht-Zell-Stadium der Embryonalentwicklung ist es möglich, ein oder zwei Zellen zu entnehmen, ohne das weitere Wachstum des Embryos zu beeinträchtigen. Die entnommene Zelle kann nun auf genetische Krankheitsmerkmale untersucht werden.[2] Sie kann bei Abweichung der Chromosomenzahl, wie z. B. Trisomie 21 (führt zur Entwicklung des Down-Syndroms) aber auch bei gezielter Suche auf einzelne genetische Krankheitsmerkmale untersucht werden. Möglich sind ebenfalls umstrittene Untersuchungen, wie die des Brustkrebsgens oder der genetisch bedingten Erkrankung Chorea Huntington[3], die erst im Erwachsenenalter ausbricht. Nach der genetischen Untersuchung werden die Embryonen, die frei von einer genetischen Schädigung sind, in die Gebärmutter implantiert. Betroffene Embryonen werden verworfen. In der Fachliteratur wird üblicherweise von Verwerfung gesprochen. Tatsächlich handelt es sich dabei um die endgültige Vernichtung der nicht mehr benötigten Embryonen, wie es der entsprechende Sachstandsbericht für den Deutschen Bundestag formuliert.[4] Die folgende Grafik zeigt das beschriebene Verfahren der PID. http://www.livenet.de/sites/default/files/media/180832-Pr%C3%A4implantationsdiagnostik.JPG

Die PID ist ein aufwendiges und medizinisch kompliziertes Verfahren, bei dem es durchaus vorkommen kann, dass diagnostische Fehler gemacht werden. Wenn die Frau nach der IVF schwanger wird, folgt deshalb zur Kontrolle noch eine Fruchtwasseruntersuchung.

2.3 Gründe für die Anwendung einer PID

Es gibt viele Gründe, weshalb Paare sich für die Anwendung einer PID interessieren. Der Gängigste ist, wie bereits zuvor erläutert wurde, wenn bei den Eltern ein Verdacht auf eine Erbkrankheit besteht, die dem Nachwuchs vererbt werden könnte. Auch Paare, die bereits ein geistig behindertes Kind bekommen haben, und die sich ein Zweites gesundes wünschen, haben häufig ein Bedürfnis nach Sicherheit, welche sie sich durch die Anwendung einer PID erhoffen. Ein weiteres Motiv ist, mit der Durchführung einer PID einen erkrankten Menschen zu heilen. Das ist häufig bei Kindern, die durch Leukämie erkrankt sind, der Fall. Sie brauchen einen geeigneten Spender für eine Knochenmarktransplantation, die ihnen das Leben rettet. Durch die PID kann das passende Spender-Baby bestimmt und erzeugt werden.[5] Neben gesundheitlichen Motiven gibt es jedoch auch Gründe, bei denen andere Aspekte im Vordergrund stehen. Anhand von Genuntersuchungen lassen sich nämlich vielerlei Voraussagen über die Entwicklung und spätere Ausprägung von Fähigkeiten machen. So kann man auch darüber Auskunft geben, welches Geschlecht, welche Haarfarbe und sogar welches Maß an Intelligenz der Mensch einmal besitzen wird. Der Wunsch nach dem „perfekten“ Kind kann also auch Motiv für eine PID sein.

[...]


[1] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/steigende-geburtenraten-in-deutschland-13968949.html (6.5.2015)

[2] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4implantationsdiagnostik#Verfahren (3.5.2016)

[3] Vgl. http://www.drze.de/im-blickpunkt/pid/module/pid-anwendung-bei-genetisch-bedingten-krankheiten-1

[4] Vgl. Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Sachstandsbericht Präimplantationsdiagnostik, S. 67 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/15/035/1503500.pdf

[5] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4implantationsdiagnostik#Anwendungsbereiche (3.5.2016)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Präimplantationsdiagnostik. Ist der Mensch dazu befugt, menschliches Leben zu bewerten?
Veranstaltung
Bioethik
Note
1,33
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V378143
ISBN (eBook)
9783668560512
ISBN (Buch)
9783668560529
Dateigröße
801 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präimplantationsdiagnostik, mensch, leben
Arbeit zitieren
Berenice Baumer (Autor:in), 2016, Präimplantationsdiagnostik. Ist der Mensch dazu befugt, menschliches Leben zu bewerten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378143

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