Was heißt Finanzmarktkapitalismus? Die Rolle der institutionellen Investoren in der globalisierten Finanzwirtschaft


Hausarbeit, 2011
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklungen und Trends an den internationalen Finanzmärkten

3 Finanzmarktkapitalismus
3.1 Definition „Finanzmarktkapitalismus“
3.2 Ausprägungen des Finanzmarktkapitalismus
3.3 Imperative des Fondsgeschäfts – Einwerbung und Anlage
3.4 Einflussnahme der institutionellen Investoren

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

Genderhinweis

Aufgrund einer besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes habe ich mich entschlossen, entweder die männliche oder weibliche Form von personenbezogenen Hauptwörtern zu wählen. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

1 Einleitung

Die aktuell sehr besorgniserregenden Entwicklungen an den Finanzmärkten, die sich von einer scheinbar unlösbaren Schuldenproblematik der europäischen Peripheriestaaten über die Bonitätsherabstufung der USA bis hin zu einem erneuten globalen Börsencrash zuspitzen, geben Anlass zur genaueren Betrachtung der Funktions- und Wirkungsweise des Finanzkapitals in der globalisierten Welt. Zielsetzung dieser Arbeit ist es daher, den Begriff „Finanzmarktkapitalismus“ hinreichend zu erklären und dabei auf die historischen und gesellschaftlichen Ursachen seiner Entstehung einzugehen sowie die Kernthesen in Bezug auf das Zusammenwirken der Akteure zu skizzieren. Der Schwerpunkt der Ausarbeitung liegt in der Rolle der institutionellen Investoren als wesentliche Figuren dieses Problemkomplexes. In dem Zusammenhang soll auch folgende These aus der Vorlesung aufgegriffen werden: „Durch das steigende Fondsvermögen und der damit verbundenen Einflusssteigerung kommt es zu einem Wandel vom klassischen, koordinierten Wirtschaften auf lokaler Ebene hinzu einer Shareholder-orientierten Finanzökonomie, die die Verabschiedung von der Realökonomie sowie die Delokalisierung des Eigentümerinteresses zur Folge hat.“. Im nächsten Abschnitt wird die Entwicklung der Finanzmärkte seit den 1970er Jahren aufgezeigt, um eine fundierte Grundlage für die darauffolgenden Annahmen zu schaffen.

2 Entwicklungen und Trends an den internationalen Finanzmärkten

Im Jahre 1973 wurde das System fester Wechselkurse abgeschafft, woraufhin auch die nationalen Kapitalverkehrskontrollen sukzessive abgebaut wurden. Dies war die Grundlage für ein grenzüberschreitendes Handeln mit Wertpapieren und Devisen, das die Kapitalströme optimieren und somit zu einem wachsenden Wohlstand führen sollte (vgl. Deutschmann 2005: 58). „Weltweit setzte eine Phase der umfassenden Liberalisierung der Kapitalmärkte ein, die in den neunziger Jahren zum Abschluss kam und zu einer weitgehenden Abschaffung der Restriktionen im internationalen Kapitalverkehr führte.“ (Hansen 2008: 90) Damit einher geht die Tatsache, dass es mit dem Wegfall des Goldstandards sowie der globalen Leitwährung zu einer Autonomisierung der Finanzmärkte kam, da keine Relation zur Realwirtschaft mehr vorhanden war (vgl. ebd.). Es kam daraufhin zu einem Wettlauf der Deregulierungen, denn die Industriestaaten wollten ihren nationalen Finanzinstituten Wettbewerbsvorteile verschaffen (vgl. Loheide 2008: 58). Die Prognose des steigenden Wirtschaftswachstums hat sich aus der Sicht von Deutschmann nicht erfüllt. So haben sich die Vermögensbestände und Umsätze an den weltweiten Finanzmärkten zwar enorm vergrößert, allerdings ohne nennenswerten Einfluss auf die Realwirtschaft, was sich in durchschnittlichen Wachstumsraten von 2,4% zwischen 1985 bis 2002 in der EU widerspiegelt (vgl. Deutschmann 2005: 58). Besonders deutlich wird dies beim Blick auf Abb.1, die zeigt, dass zwischen den 70er und 90er Jahren die ausländischen Direktinvestitionen doppelt so schnell wuchsen wie der Außenhandel und dass sich die Finanzinvestitionen im gleichen Zeitraum vervierzigfacht haben ( vgl. Farmer/Vlk 2006: 23). Ebenfalls exponential gestiegen ist das Volumen der Auslandstransaktionen von Aktien und Anleihen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, das in Abb. 2 anhand von sechs führenden Industriestaaten verdeutlicht wird. Ursache hierfür ist neben der Liberalisierung der Märkte die Digitalisierung der Handelssysteme und der damit verbundene Geschwindigkeitszuwachs (vgl. Sassen 2006: 22). Sehr Paradox erscheint in diesem Kontext folgende Entwicklung: Während das Volumen an den Finanzmärkten wie beschrieben enorm gewachsen ist, so hat der Anteil der Unternehmensinvestitionen, der extern über die Finanzmärkte finanziert wurde, eher abgenommen, d.h. die klassische interne Unternehmensfinanzierung über einbehaltene Gewinne oder Bankkredite machten den Großteil des Mittelaufkommen im Zeitraum 1975 bis 1995 aus (vgl. Huffschmid 2002: 26, vgl. Jürgens et al. 2003: 399). „Das dennoch starke Wachstum der Finanzmärkte während der letzten beiden Jahrzehnte ist vor allem auf die Zunahme des Angebots an liquiden Mitteln zurückzuführen, für die aufgrund der langfristigen Verlangsamung des weltwirtschaftlichen Wachstums unzureichende reale Investitionsmöglichkeiten bestehen.“ (Huffschmid 2002: 22) Dieser Trend hat sich jedoch zum Ende der 90er Jahre zu einer eher marktgestützten Finanzierungsstruktur gewandelt (vgl. Wilderer 2010: 48), in der die institutionellen Investoren, auf die später en detail eingegangen wird, eine entscheidende Rolle spielen. Eine weitere bedeutende Entwicklung ist die Zunahme der Währungsspekulationen. So hat sich das gehandelte Volumen von 1974 bis 1998 von 36,4 Milliarden USD auf 1,5 Billionen USD täglich ausgeweitet, wobei 2/3 des Volumens spekulativer Natur sind (vgl. Knorr Cetina 2005: 49). Es wurden also 1998 an einem Arbeitstag alle Devisenreserven der Welt einmal verkauft (vgl. Huffschmid 2002: 43). Die schnellste Entwicklung haben jedoch die Finanzderivate absolviert, die zur Absicherung oder Spekulation dienen und in die Gruppen Optionen, Futures und Swaps eingeteilt werden. 2005 wurde pro Handelstag ein Volumen von 5,6 Billionen USD dieser Finanzinstrumente umgesetzt (vgl. Wilderer 2010: 47 f.). Neben dem rasanten Handelswachstum lässt sich auch ein deutlicher Drang zur Konzentration der Kapitalströme feststellen. Die wichtigen Akteure der Finanzwelt konzentrieren sich auf wenige Kapitalzentren, so dass Handelsplätze mit hoher Liquidität und Markttiefe entstanden sind (vgl. Loheide 2008: 91 f.). Im Hinblick auf die Untersuchung der institutionellen Anleger in den folgenden Abschnitten ist nachstehende Expansion von entscheidender Bedeutung: Das verwaltete Institutionsvermögen hat sich von 1985 bis 2003 von 5.900 Mrd. USD auf 42.425 Mrd. USD ausgeweitet (vgl. Bischoff 2006: 29).

Eine wesentliche Tendenz an den Kapitalmärkten ist der Neuzuschnitt der Unternehmen als Resultat auf den bestehenden Veränderungsdruck, so dass sich branchenübergreifend eine kapitalmarktorientierte Unternehmensführung sowie eine renditegesteuerte Ressourcenverlagerung durchgesetzt hat. Zielsetzung ist hierbei die Minimierung des Kapitaleinsatzes, die Beschleunigung des Kapitalumschlages und die Erschließung neuer internationaler renditeträchtiger Geschäftsfelder (vgl. Jürgens et al. 2003: 398). In diesem Zusammenhang kommt es also auch dann zu kerngeschäftsorientierten Desinvestitionen, wenn keine Krise vorliegt (vgl. Jürgens et al. 2003: 401). In Anbetracht der aufgeführten Entwicklungen kommt Huffschmid zu der Schlussfolgerung: „Die Haupttendenz der modernen Finanzmärkte ist nicht ihre grenzenlose Globalisierung, sondern die scheinbar vollständige Entstofflichung, Verflüssigung und Beschleunigung des Handels mit Finanztiteln, durch den die Finanzanleger sich bereichern.“ (Huffschmid 2002: 23)

3 Finanzmarktkapitalismus

3.1 Definition „Finanzmarktkapitalismus“

Finanzmarktkapitalismus entsteht durch das Zusammenwirken von ökonomischen Institutionen und wird auch als eigenes Produktionsregime verstanden. Grundlage hierfür sind die Aktienmärkte, auf denen das fiktive Kapital bereitgestellt wird. Die neuen Eigentümer sind die institutionellen Investoren, denn sie besitzen inzwischen eine Mehrheit an den großen Aktiengesellschaften. Flankiert wird diese Situation durch das Wirken der Analysten und Rating-Agenturen, die Unsicherheit in Risiko transformieren sollen. Darüber hinaus ist der Finanzmarktkapitalismus geprägt durch Transfermechanismen, z.B. den Markt für Unternehmenskontrolle, Aktienoptionen und die feindlichen Übernahmen, die eine gewisse Drohkulisse für das Management darstellen und so die Interessen der Shareholder durchsetzen (vgl. Windolf 2005: 20). Hauptziel des Finanzmarktkapitalismus ist die internationale Öffnung und Liberalisierung der Produkt-, Kapital-, und Arbeitsmärkte (vgl. Deutschmann 2005: 61).

3.2 Ausprägungen des Finanzmarktkapitalismus

Als wichtigste ökonomische Funktion der Finanzmärkte ist die Vermittlung von finanziellen Überschüssen zu finanziellen Defiziten zu sehen, was für ein effizientes Wirtschaften von hoher Bedeutung ist und ohne Finanzintermediäre nicht vorstellbar wäre (vgl. Lachmann 2004: 305). Im Zusammenhang mit dieser klassischen Finanzierungssichtweise war es im sog. Unternehmerkapitalismus üblich, Geld in Produktionsmittel und Arbeitskräfte zu investieren, um im nächsten Schritt des Produktverkaufes einen Profit zu erzielen. Dies ist in der neuen „Finanzwelt“ gar nicht mehr nötig, denn über verbriefte Vermögenswerte und digitale Unterstützung ist es möglich, Investitionen ex ante zu bewerten und allein an Bewertungsdifferenzen zu verdienen. Die Folge ist eine vollständige Entkopplung von Produkt- und Kapitalmarkt, wie auch in den Entwicklungen in Abschnitt 2 aufgezeigt wurde (vgl. Deutschmann 2005: 63). Ein weiteres wesentliches Element des Finanzmarktkapitalismus ist die Einführung des „shareholder-value“: Die Trennung von Eigentum und Kontrolle ermöglichte den Managern in den 1960ern Jahren noch eine Unternehmensführung, die mehr wachstums- als profitorientiert war. Die Verteilung des Aktionärsvermögens auf viele Kleinanleger war die Grundlage für eine Managerautonomie, die Eigentümer konnten ihre Kapitalinteressen nicht gebündelt formulieren (vgl. Windolf 2005: 23 f.). Dies wird auch als Prinzipal-Agent-Problem bezeichnet, das in den Zeiten des Manager-Kapitalismus den Konflikt zwischen den Anteilseignern (principals) und den Managern (agents) darstellte. Hierbei konnten die Manager ihre Interessen auf Kosten der Kleinaktionäre durchsetzen (vgl. Windolf 2008: 24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Was heißt Finanzmarktkapitalismus? Die Rolle der institutionellen Investoren in der globalisierten Finanzwirtschaft
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V379764
ISBN (eBook)
9783668579507
ISBN (Buch)
9783668579514
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzmarktkapitalismus, rolle, investoren, finanzwirtschaft
Arbeit zitieren
Arno Hetzel (Autor), 2011, Was heißt Finanzmarktkapitalismus? Die Rolle der institutionellen Investoren in der globalisierten Finanzwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379764

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