Der Begriff des Sozialkapitals ist zur Zeit "en voge". Soziales Kapital begünstigt - so die einhellige Meinung - Kooperation zwischen Akteuren und dient so der Lösung vieler politikwissenschaftlicher Probleme. Dabei wirkt Soziales Kapital nicht nur auf der Mikro-, sondern auch auf der Makrobene. Die Studien von Knack und Zak bzw. Knack und Keefer zeigen unter anderem, dass systemisches Sozialkapital positiv mit wirtschaftlichem Wachstum korreliert ist. Grundlegend dafür ist jedoch die Existenz eines demokratischen Rechtsstaates, der durch Schaffung einer Rechtssicherheit und einer Art Gleichheit aller die Entstehung von Vertrauen in den Staat und damit die Produktion von systemischen Sozialkapital begünstigt. Wie aber kann die Vertrauenswürdigkeit eines Rechtsstaates, welche die Basis für die Vertrauensvergabe der Bevölkerung bildet, kommuniziert werden? Persönliche Gespräche zwischen Politikern und Bürgern oder öffentliche Reden können einen Beitrag dazu leisten. Gerade in größeren Gesellschaften ist jedoch eine wirksame Kommunikation zwischen Staat und Bevölkerung nur über Massenmedien als zwischengeschaltete Akteure möglich. Nicht zuletzt bildet sich jeder Einzelne an Hand der täglichen Medienberichterstattung ein subjektives Urteil über Wirksamkeit und Effektivität staatlicher (und informeller) Institutionen und damit ein Urteil über ihre Vertrauenswürdigkeit. Warum aber wird wiederum den Informationen der Medien so stark vertraut?
Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit auf Basis von Rational Choice nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitorische Abgrenzung der relevanten Begriffe
2.1 Definition anlehnend an Coleman: Der Begriff des Vertrauens
2.2 Definition anlehnend an Coleman: Der Begriff des Sozialkapitals
3. Massenmedien in demokratischen Rechtsstaaten
3.1 Eine Betrachtung der Rolle der Medien im Staat aus funktionalistischer Sicht
3.2 Warum vertrauen rationale Treugeber Massenmedien?
3.2.1 Was ist der potentielle Gewinn, der dem Treugeber aus dem Konsum von Medien erwächst?
3.2.2 Was ist der potentielle Verlust, der dem Treugeber aus dem Konsum von Medien erwächst?
3.2.3 Zusammenfassung: Die Vertrauensvergabe an Massenmedien
4. Fazit: Vertrauen, Medien und mediale Wirkungen auf Systemkapital
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht unter neoinstitutionenökonomischen Gesichtspunkten, ob und inwiefern Massenmedien als rationale Vertrauensreferenz zur Bewertung der Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen dienen und damit Einfluss auf die Produktion, Aufrechterhaltung oder Destruktion von systemischem Sozialkapital in demokratischen Rechtsstaaten haben.
- Neoinstitutionenökonomische Analyse der Vertrauensvergabe
- Funktionen von Massenmedien in demokratischen Systemen
- Systemtheoretische Betrachtung der Rolle von Medien
- Einfluss von Medienberichterstattung auf das Systemkapital
Auszug aus dem Buch
3.2 Warum vertrauen rationale Treugeber Massenmedien?
Damit Massenmedien als Intermediäre im Gesamtsystem agieren können, ist es offenbar von Bedeutung, dass ihnen, respektive ihrer Ware „Information“, vertraut wird. Ob und warum dieses Vertrauen rational ist, soll nun geklärt werden. Dazu werde ich im Folgenden auf das oben skizzierte Prinzip der Nutzenmaximierung bei der Vertrauensvergabe zurückgreifen (vgl. Kap. 2.1).
3.2.1 Was ist der potentielle Gewinn, der dem Treugeber aus dem Konsum von Medien erwächst?
Als ein wesentlicher Aspekt ist hier die bei Medien einmalige Reduktion von Transaktionskosten zu nennen. Gerade im Informationshandel entstehen besonders große Transaktionskosten, da Informationen in nahezu unüberschaubarer Fülle vorhanden sind und ihr Wert (also Richtigkeit, Wichtigkeit und Relevanz) kaum beurteilt werden kann. In diesem Kontext erscheinen Massenmedien ideal, um die Such und Entscheidungs- und Kontrollkosten zu minimieren. Sie selektieren im Voraus, prüfen, so weit es ihnen möglich ist, die Informationen auf Richtigkeit und sortieren sie nach Relevanz. Die klare Strukturierung der Massenmedien, speziell im Printbereich, reduziert die Suchkosten der Medienkonsumenten (Treugeber) zusätzlich. Zudem können die rezipierten Informationen an Wert gewinnen, wenn sie in weiteren Transaktionen dazu beitragen das Risiko zu reduzieren oder anderen Informationssuchenden zur Verfügung gestellt werden können. Darüber hinaus reduzieren Massenmedien die materiellen Kosten der Informationsbeschaffung selbst, da sich durch ihre einmaligen Unternehmensstrukturen Informationen kostengünstig vertreiben können (vgl. Heinrich, 2001, S. 44ff.). Nicht zuletzt helfen Medien Informationen zu bewerten und können somit wiederum dazu beitragen, Transaktionskosten zu minimieren (vgl. Schulz, 1997, S. 47f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit leitet in die politikwissenschaftliche Debatte um Sozialkapital und Vertrauen ein und definiert die Forschungsfrage nach der rationalen Rolle der Massenmedien als Vertrauensreferenz.
2. Definitorische Abgrenzung der relevanten Begriffe: Es werden die zentralen Begriffe Vertrauen und Sozialkapital auf Basis von James S. Coleman entwickelt, um ein theoretisches Fundament für die weitere Untersuchung zu schaffen.
3. Massenmedien in demokratischen Rechtsstaaten: Dieses Kapitel analysiert die Funktion von Massenmedien sowohl auf der Makroebene als auch auf der Mikroebene hinsichtlich der rationalen Entscheidung von Akteuren, Medien als Vertrauensreferenz zu nutzen.
4. Fazit: Vertrauen, Medien und mediale Wirkungen auf Systemkapital: Das Fazit fasst zusammen, dass Medien eine elementare Rolle für das Systemkapital spielen, wobei ihre Wirkung stark von der Rezeption ihrer Glaubwürdigkeit abhängt.
Schlüsselwörter
Sozialkapital, Vertrauen, Systemkapital, Massenmedien, Rational Choice, Transaktionskosten, demokratischer Rechtsstaat, Politische Kommunikation, Institutionenökonomie, Nutzenmaximierung, Informationsverarbeitung, Systemtheorie, Intermediäre, Politikverdrossenheit, Glaubwürdigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle von Massenmedien als intermediäre Vertrauensreferenz in demokratischen Rechtsstaaten aus einer neoinstitutionenökonomischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Sozialkapital und Vertrauen nach Coleman, die systemtheoretische Funktion von Medien sowie die rationale Abwägung von Gewinn und Verlust bei der Mediennutzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erklären, warum es für Akteure rational ist, Medien als vertrauenswürdige Informationsquelle bezüglich des Staates zu nutzen und wie dies das systemische Sozialkapital beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem neoinstitutionenökonomischen Ansatz, insbesondere unter Nutzung der Rational-Choice-Theorie sowie funktionalistischer systemtheoretischer Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle der Massenmedien als Vermittler im politischen System und untersucht detailliert die Kosten-Nutzen-Abwägung der Rezipienten beim Informationskonsum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialkapital, Vertrauen, Systemkapital, Massenmedien, Rational Choice, Transaktionskosten und institutionelle Funktionsfähigkeit.
Inwiefern beeinflussen Massenmedien das Sozialkapital?
Positive Berichterstattung kann laut Arbeit zur Produktion von Systemkapital beitragen, während negative Berichterstattung dessen Destruktion beschleunigen kann.
Warum ist das Vertrauen in Medien aus Sicht des Autors rational?
Aufgrund der hohen Transaktionskosten bei der individuellen Informationsbeschaffung überwiegt für den rationalen Akteur in der Regel der Informationsgewinn durch Medien die potenziellen Verluste.
- Quote paper
- Steffen Kroggel (Author), 2004, Massenmedien - Eine rationale, intermediäre Vetrauensreferenz im demokratischen Rechtsstaat?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37996