Massenmedien - Eine rationale, intermediäre Vetrauensreferenz im demokratischen Rechtsstaat?


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Abgrenzung der relevanten Begriffe
2.1 Definition anlehnend an Coleman: Der Begriff des Vertrauens
2.2 Definition anlehnend an Coleman: Der Begriff des Sozialkapitals

3. Massenmedien in demokratischen Rechtsstaaten
3.1 Eine Betrachtung der Rolle der Medien im Staat aus funktionalistischer Sicht
3.2 Warum vertrauen rationale Treugeber Massenmedien?
3.2.1 Was ist der potentielle Gewinn, der dem Treugeber aus dem Konsum von Medien erwächst?
3.2.2 Was ist der potentielle Verlust, der dem Treugeber aus dem Konsum von Medien erwächst?
3.3.3 Zusammenfassung: Die Vertrauensvergabe an Massenmedien

4. Fazit: Vertrauen, Medien und mediale Wirkungen auf Systemkapital

Literaturverzeichnis

Internetressourcen

1. Einleitung

In der politikwissenschaftlichen Literatur wird gerade im Kontext des der Neuen Institutionenökonomie zu Grunde liegenden Rational Choice Ansatzes häufig darüber diskutiert, wie der kulturelle und soziale Kontext einer Handlungssituation angemessen in den Ansatz integriert und operrationalisiert werden kann, ohne dabei dem tautologischen Argument der Internalisierung kultureller und sozialer Normen bzw. Werte zu verfallen und die Annahme des methodologischen Individualismus damit fallen lassen zu müssen.

Der Begriff des Sozialkapitals wird von vielen Autoren als Lösung dieses theoretischen Problems angeboten und in der einschlägigen Literatur entsprechend konträr diskutiert. Im Vordergrund steht hierbei auch die Frage, in wie weit sich Sozialkapital, welches sich bei der Mehrheit der Autoren aus einer Form von Vertrauen zwischen Akteuren herausbildet, kooperatives Verhalten der Beteiligten begünstigt oder verhindert bzw. in wie weit es sich, auf systemischer Ebene, auf wirtschaftliches Wachstum auswirkt. Dabei zeigen unter anderem die Studien von Knack und Zak bzw. Knack und Keefer, dass systemisches Sozialkapital positiv mit wirtschaftlichem Wachstum korreliert ist. Grundlegend dafür ist jedoch die Existenz eines demokratischen Rechtsstaates, der durch Schaffung einer Rechtssicherheit und einer Art Gleichheit aller die Entstehung von Vertrauen in den Staat und damit die Produktion von systemischen Sozialkapital begünstigt (vgl. Knack & Keefer, 1997; Knack & Zak, 2001). Wie aber kann die Vertrauenswürdigkeit eines Rechtsstaates, welche die Basis für die Vertrauensvergabe der Bevölkerung bildet, kommuniziert werden? Persönliche Gespräche zwischen Politikern und Bürgern oder öffentliche Reden können einen Beitrag dazu leisten. Gerade in größeren Gesellschaften ist jedoch eine wirksame Kommunikation zwischen Staat und Bevölkerung nur über Massenmedien als zwischengeschaltete Akteure möglich. Nicht zuletzt bildet sich jeder Einzelne an Hand der täglichen Medienberichterstattung ein subjektives Urteil über Wirksamkeit und Effektivität staatlicher (und informeller) Institutionen und damit ein Urteil über ihre Vertrauenswürdigkeit (vgl. Coleman, 1995, S. 250). Warum aber wird wiederum den Informationen der Medien so stark vertraut?

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der übergeordneten Fragestellung beschäftigen, ob Massenmedien unter neoinstitutionenökonomischen Gesichtspunkten einen Einfluss auf Produktion, Aufrechterhaltung oder Destruktion von systemischen Sozialkapital demokratischer Rechtsstaaten haben. Da jedoch anzunehmen ist, dass der Einfluss der Medien auf Sozialkapital wesentlich von dem ihnen entgegengebrachten Vertrauen abhängig ist, werde ich den Fokus meiner Arbeit zunächst auf folgende Fragestellung richten:

Warum ist es für Akteure rational, Massenmedien als vertrauenswürdige Referenz bezüglich der Vertrauenswürdigkeit des Staates heranzuziehen?

Zunächst sollen zur Beantwortung dieser Frage die Begriffe Sozialkapital und Vertrauen in Kapitel 2 an Hand James S. Colemans Überlegungen in seinem Werk „Grundlagen der Sozialtheorie“ entwickelt und operrationalisiert werden, da eine klare Abgrenzung der Begrifflichkeiten für den weiteren Verlauf der Arbeit von essentieller Bedeutung ist. Die Auswahl Colemans als Theoriereferenz erscheint aus zweierlei Gründen sinnvoll: Erstens ist es Colemans explizite Intension über den Begriff des Sozialkapitals soziale Strukturen in den Rational-Choice Ansatz und dem ihm zu Grunde liegenden methodologischen Individualismus einzuführen. Zum anderen versucht er darüber hinaus den Begriff des Sozialkapitals in einen größeren theoretischen Kontext einzubinden (vgl. Coleman, 1995). Er erscheint somit, trotz einiger noch bestehender theoretischer Defizite, als Theoriereferenz für eine neoinstitutionenökonomische Betrachtung der oben genannten Fragestellung prädestiniert.

Kapitel 3 wird sich näher mit der Rolle der Medien im demokratischen Rechtsstaat befassen und dabei zunächst klären, welche Bedeutung Massenmedien in demokratischen Rechtsstaaten generell haben. Offenkundig übernehmen Massenmedien hier eine Funktion, die sie für Akteure als Vertrauensreferenz bezüglich der Funktionsfähigkeit formeller Institutionen relevant macht bzw. prädestiniert. Im Rahmen einer knappen Betrachtung auf der Makroebene soll daher die generelle Funktion der Massenmedien im politischen Prozess eines Rechtsstaates näher untersucht werden. Da es sich hierbei um eine rein deskriptiv-funktionalistische Betrachtung handelt, erscheint es plausibel hier David Eastons Systemtheorie als Basis für diese Untersuchungen heranzuziehen (Kap. 3.1). Im darauf folgenden Kapitel soll dann auf der Mikroebene mit Hilfe des Prinzips der Nutzenmaximierung näher analysiert werden, warum es rational erscheint, Medien als Vertrauensreferenz zu vertrauen (Kap. 3.2).

Kapitel 4 fasst die vorangegangen Überlegungen zusammen und zeigt darüber hinaus auf Basis der Arbeitsergebnisse mögliche Wirkungen von Massenmedien auf Produktion, Erhalt und Destruktion systemischen Sozialkapitals.

2. Definitorische Abgrenzung der relevanten Begriffe

Im Folgenden werde ich, wie Eingangs bereits erwähnt, ausgehend von James S. Colemans theoretischen Überlegungen den Begriff des Vertrauens und des Sozialkapitals definieren und operrationalisieren. Die Begriffe sollen dann im weiteren Verlauf der Arbeit in der hier entwickelten Definition verwendet werden.

2.1 Definition anlehnend an Coleman: Der Begriff des Vertrauens

Vertrauen wird bei Coleman als die Erwartung definiert, dass die zunächst einseitige Vorleistung des Treugebers (derjenige, der vertraut) an den Treuhänder (derjenige, dem vertraut wird) von diesem in der Zukunft in mindestens gleicher Höhe erwidert wird, so dass dem Treugeber daraus ein Gewinn erwächst (vgl. Haug, 2004, S. 16f.). Damit meint Coleman allerdings keine internalisierte Reziprozitätserwartung („blindes Vertrauen“) sondern eine rationale Wahlhandlung unter Risiko und lehnt damit an die Nutzenmaximierung des Rational Choice Ansatzes an. Die Vertrauensvergabe hängt demnach von den Ausprägungen der drei Variablen Gewinnchance p (Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders), möglicher Gewinn aus der Vertrauensvergabe G und möglicher Verlust aus der Vertrauensvergabe L ab und wird dann stattfinden, wenn die Chance durch die Vertrauensvergabe einen Gewinn zu machen relativ zu Chance durch die Vertrauensvergabe einen Verlust zu erleiden größer ist, als das Ausmaß des potentiellen Verlustes relativ zum Ausmaß des potentiellen Gewinns: p/(1-p) > L/G. Sind die beiden Produkte gleich groß, wird sich ein rationaler Akteur nicht entscheiden können, ob er dem Treuhänder Vertrauen schenkt oder nicht. Ist jedoch p/(1-p) kleiner als L/G wird er es unterlassen, dem Treuhänder zu vertrauen, da das Risiko eines Verlustes (bzw. der potentielle Verlust) zu groß ist (vgl. Ebenda, S. 16f. & Coleman, 1995, S. 125f.).

Trotz aller rationalen Abwägung birgt jede Entscheidung des Treugebers aber ein gewisses Risiko. Zum einen kann der Treugeber die Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders nur in Wahrscheinlichkeiten angeben. Durch eine umfassende Informationssuche kann der Treugeber diese Vertrauenswürdigkeit zwar weitgehend bestimmen, wird aber niemals vollständig über den Treuhänder informiert sein.

„Die Wirkung von Informationen besteht darin, dass sie die Einschätzung der Gewinnwahrscheinlichkeit verändern, d.h. dass sie die Einschätzung der Gewinnwahrscheinlichkeit so weit wie möglich über oder unter den kritischen Punkt verschieben, an dem die Entscheidung nach beiden Richtungen erfolgen kann – den Punkt, an dem der Treugeber sich unschlüssig ist, ob er eine positive oder negative Entscheidung fällen soll“ (Ebenda, S. 130).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Massenmedien - Eine rationale, intermediäre Vetrauensreferenz im demokratischen Rechtsstaat?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Wirtschaft und Gesellschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V37996
ISBN (eBook)
9783638371933
ISBN (Buch)
9783638873123
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine neoinstitutionenökonomische Analyse der Funktion und Vetrauenswürdigkeit von Massenmedien im politischen System demokratischer Rechtsstaaten. - Bewertung: "Sehr gute Literaturauswahl, keine inhaltlichen oder formalen Mängel"
Schlagworte
Massenmedien, Eine, Vetrauensreferenz, Rechtsstaat, Wirtschaft, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Steffen Kroggel (Autor:in), 2004, Massenmedien - Eine rationale, intermediäre Vetrauensreferenz im demokratischen Rechtsstaat?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37996

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