Zur sprachgeschichtlichen Entwicklung der Interpolation im Spanischen

Eine vergleichende Untersuchung zweier spätmittelalterlicher Quellen zur Feststellung der quantitativen Entwicklung der Interpolation innerhalb negierter Nebensätze


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Forschungsstand zu Interpolation

3. Methodische Vorgehensweise der Untersuchung

4. Ergebnis der Untersuchung

5. Das Ergebnis der Untersuchung im Kontext des Forschungsstandes

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

Abstract

La Interpolación es un fenómeno lingüístico en que ciertos elementos de clase de palabra distinta intervienen entre los verbos finitos y los objetos pre-verbales de manera directo e indirecto. Una de las más frecuentes formas de Interpolación es la que aparece en negativas oraciones subordinadas en las cuales el elemento interpolado es formado por la negación. El trabajo presente quiere hacer una aportación a escudriñar si los fuentes escritos del siglo XIIV contienen relativamente muchos ejemplos de Interpolación, como lo representa un gran parte de la ciencia lingüística. Por eso se compara la Estoria de España I, que fue escrito en la segunda mitad del siglo XIIV, con la Estoria de España II, que contiene partes del siglo XIV. Así se puede revisar si hay diferencias cuantitativas entre las dos fuentes nombradas. Como ejemplo el análisis se fija en los ejemplos de Interpolación que aparecen en negativas oraciones subordinadas dado que ese tipo aparece frecuentemente. Al principio el trabajo presenta el conocimiento de la ciencia lingüística sobre la frecuencia de Interpolación en el desarrollo lingüístico entre el siglo XIIV y el presente. A continuación presenta el método igual como el procedimiento referible al análisis. Después el trabajo compara el resultado del análisis con el conocimiento de la ciencia lingüística y discute el valor informativo del resultado.

1. Einleitung

In den modernen romanischen Sprachen spielen Interpolationen üblicherweise keine Rolle mehr. Im Gegensatz dazu lassen sich in einzelnen altromanischen Sprachen anhand von hoch- und spätmittelalterlichen Schriftquellen viele Beispiele für Interpolationen innerhalb verschiedener syntaktischer Konstruktionen zwischen Klitika und finiten Verbformen erkennen. Dabei treten Interpolationen besonders häufig in negierten Nebensätzen auf. Bei den negierten Nebensätzen bildet die Verneinung selbst das interpolierende Element. Die ersten und ältesten Fälle dieses linguistischen Phänomens innerhalb des Mittelalters sind in Schriftquellen aus dem 12. Jahrhundert ermittelt worden. Die sprachgeschichtliche Entwicklung, in deren Verlauf die Häufigkeit der Interpolation kontinuierlich abnahm, vollzog sich zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Insbesondere in Schriftquellen aus dem 13. Jahrhundert treten Interpolationen relativ häufig auf, während sie in solchen aus dem 16. Jahrhundert nur noch eine äußerst seltene Randerscheinung darstellten. In der in altkastilischer Sprache verfassten Estoria de España I sowie der Estoria de España II, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bzw. in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts angefertigt wurden, finden sich ebenfalls in hoher Anzahl Beispiele für dieses linguistische Phänomen.

Dem aktuellen Forschungstand zufolge nimmt die Häufigkeit der Interpolation in Schriftquellen aus dem 14. Jahrhundert im Vergleich zu solchen aus dem 13. Jahrhundert etwa um die Hälfte ab. Diese Abnahme müsste sich demnach vergleichsweise auch in der quantitativen Reduzierung der Beispiele für Interpolation bei negierten Nebensätzen widerspiegeln. Um diese linguistische Entwicklung zu überprüfen, bietet sich eine stichprobenartige und vergleichende Untersuchung zweier Schriftquellen aus den genannten Zeiträumen an. Durch diese Überprüfung kann exemplarisch herausgestellt werden, ob die allgemeine Untersuchung im Rahmen des Corpus del Español sich auch in einzelnen Schriftquellen widerspiegelt. Deshalb werden stichprobenartig und vergleichend zum einen die Estoria de España I und zum anderen die Estoria de España II systematisch untersucht. Zunächst aber wird der aktuelle Forschungsstand skizziert, um einen hinreichenden Eindruck von der Bedeutung der Interpolation in der sprachgeschichtlichen Entwicklung zu bekommen. Anschließend wird die methodische Vorgehensweise bei der Stichprobe ausführlich geschildert. Daran anknüpfend wird das Ergebnis der vergleichenden und stichprobenartigen Untersuchung der zwei Schriftquellen präsentiert. Auf dieser Grundlage kann anschließend diskutiert werden, inwiefern das Ergebnis mit dem aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Reduktion der Interpolation im Laufe der sprachgeschichtlichen Entwicklung übereinstimmt bzw. inwiefern diese sich voneinander unterscheiden. Dabei wird auch die Aussagekraft des Ergebnisses im Zusammenhang mit dem aktuellen Forschungsstand erläutert.

2. Der Forschungsstand zu Interpolation

Interpolation ist eines von vielen linguistischen Phänomenen, die im Laufe der sprachgeschichtlichen Entwicklung der romanischen Sprachen im Allgemeinen und der kastilischen Sprache im Besonderen in verschiedenen zeitgeschichtlichen Abschnitten zu beobachten sind. Bei diesem Phänomen treten verschiedene syntaktische Elemente zwischen den präverbalen direkten oder indirekten Objektpronomina auf der einen Seite und den finiten Verbformen auf der anderen Seite auf. Im modernen Spanisch ist dieses Phänomen äußerst selten und ungewöhnlich, da präverbale Klitika und finite Verbformen üblicherweise direkt nebeneinander stehen oder höchstens durch andere Klitika voneinander getrennt werden (Vgl. Kuchenbrandt 2009: 138-139).

Im Gegensatz dazu kann eine Vielzahl von Beispielen für Interpolation in hoch- und spätmittelalterlichen Schriftquellen beobachtet werden. Dem aktuellen Forschungsstand zufolge erscheinen die ersten Beispiele für Interpolation in mittelalterlichen Quellen erst ab dem 12. Jahrhundert (Vgl. Poole 2013: 70). Insbesondere in Quellen aus dem 13. Jahrhundert treten vergleichsweise viele Beispiele für Interpolation auf, während sich die Anzahl in Quellen aus dem 14. Jahrhundert mehr als halbiert, sie im 15. Jahrhundert nur noch etwa einem Drittel der Ausgangszahl entspricht und im Laufe des 16. Jahrhundert sich gar auf eine äußerst seltene Randerscheinung reduziert. Diese Zahlen speisen sich aus dem Corpus del Español und beziehen sich auf die Fälle von Interpolationen, bei denen zwischen präverbales Klitikon und finites Verb die Negation interveniert (Vgl. Poole 2013: 70-71). Der Corpus del Español ist eine umfassende digitale Ansammlung von spanischsprachigen Texten zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert, die der Sprachwissenschaft zur Analyse verschiedener sprachwissenschaftlicher Phänomene vorliegt (Vgl. Davies 2002: http://www.corpusdelespanol.org/).

In der nachfolgenden Tabelle ist jedoch ersichtlich, dass das interpolierende Element, welches die syntaktische Ordnung unterbricht, nicht nur durch die Negation gebildet werden, sondern auch in Form verschiedener Wortarten und syntaktischer Konstruktionen auftreten kann. Als interpolierende Elemente wurden u. a. verschiedene Adverbien, Subjekte und kurze Präpositionalphrasen ausfindig gemacht (Vgl. Poole 2013: 70). Interpolation ist jedoch kein linguistisches Phänomen, welches sich auf mittelalterliche Schriftquellen beschränkt, sondern kann auch in vielen lateinischen Quellen gehäuft beobachtet werden, wie folgende, aus den Daten von Battlori (1995: 187) und Poole (2013: 71) zusammengestellte Tabelle zeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der Tatsache, dass Interpolation ein häufiges linguistisches Phänomen innerhalb der lateinischen Syntax darstellt, ist die Erkenntnis bemerkenswert, dass ein entsprechendes Vorkommen in mittelalterlichen Schriftquellen erst ab dem 12. Jahrhundert beobachtet werden kann. Die diesbezüglichen Ähnlichkeiten zwischen der lateinischen und altkastilischen Syntax des 12. und 13. Jahrhunderts hätten eine entsprechende sprachgeschichtliche Kontinuität erwarten lassen. Dieses Verhältnis lässt zunächst darauf schließen, dass die Häufigkeit der Interpolation in hoch- und spätmittelalterlichen Schriftquellen in altkastilischer Sprache zwar auf den sprachgeschichtlichen Einfluss des Lateinischen zurückzuführen ist, allerdings durch eine unbekannte sprachgeschichtliche Entwicklung unterbrochen wurde. Ein allgemeiner Grund für diese Entwicklung könnte in der Tatsache zu finden sein, dass relativ wenige Schriftquellen aus dem Frühmittelalter zur Zeit der Westgoten überliefert sind. Darüber hinaus enthalten bekannte Quellen bis zum 12. Jahrhundert, wie der Cantar de Mio Cid, kaum Nebensätze, in denen Interpolationen, wie bereits dargelegt, besonders häufig vorkommen.

Einen konkreten Erklärungsansatz für die Reintegration der Interpolation innerhalb der altkastilischen Syntax bietet Lapesa (1981: 239-241). Er sieht eine wesentliche Ursache für dieses linguistische Phänomen in dem normativen Wirken Alfons X., auf dessen Initiative die untersuchten Chroniken angefertigt wurden. In den im Rahmen dieser Arbeit untersuchten Schriftquellen, die zu seiner Zeit im 13. Jahrhundert entstanden, können neben dem gehäuften Auftreten der Interpolation auch weitere linguistische sowie phonetische Archaismen beobachtet werden. Zu diesen Phänomenen gehört der Wegfall des Buchstabens „e“ am Wortende, wie auch folgende Beispiele aus der eigenen Untersuchung zeigen.

[…]ques non pudieron[…]; […]ques non fuesse[…]; […]ques le non podrie[…]; […]ques le non tomassen[…]; […]quet enuio reciblo[…]; […]quet mouras[…]; […]quem la dist[…]1

In diesen Beispielen kann man erkennen, dass innerhalb der entsprechenden syntaktischen Konstruktionen in der Estoria de España I an den verschiedenen Klitika der genannte Buchstabe ausbleibt und zugleich orthographisch mit der Konjunktion fusioniert. Vergleichsweise besonders häufig trifft dieses linguistische Phänomen auf derartige syntaktische Konstruktionen mit dem Klitikon „se“ zu. Insgesamt sind solche Verschmelzungen zwischen der Konjunktion „que“ und dem Klitikon „se“ 63 Mal vorhanden, während sich derartige Fälle mit den Klitika „te“ 17 Mal und mit „me“ 10 Mal finden lassen. Das sind insgesamt immerhin 90 Beispiele für den Wegfall des Buchstabens „e“ im Zusammenhang mit Nebensätzen mit finiten Verbformen, in denen präverbale Klitika vorkommen. Der Wegfall des genannten Buchstabens kann zudem an weiteren Wortarten beobachtet werden. Lapesa (1981: 239-241) ist sich sicher, dass diese sprachgeschichtliche Entwicklung auf Alfons X. zurückzuführen ist. Er schreibt dazu:

En este cambio fue decesiva la intervención del rey, que no se contentó con tener emendadores del lenguaje, sino que actuó personalmente en la corrección (Lapesa 1981: 240).

Im Gegensatz dazu lassen sich nur zwei derartige Beispiele in der gesamten Estoria de España II finden, die erst nach dem Tode Alfons X. entstanden war. Dieser sprachgeschichtliche Einfluss, der sich während der Lebenszeit Alfons X. zeigt, lässt auch die Vermutung zu, dass das normative Wirken des Monarchen auch die Reintegration der Interpolation in die altkastilische Syntax betraf. Zwar traten, wie schon erwähnt, bereits in Schriftquellen aus dem 12. Jahrhundert Fälle der Interpolation auf, jedoch könnte die vergleichsweise inflationäre Entwicklung in Bezug auf die Quantität des Vorkommens im 13. Jahrhundert mit dem linguistischen Einfluss Alfons X. erklärt werden.

Im Rahmen des wissenschaftlichen Diskurses ist insbesondere die Informationsstruktur der Interpolation umstritten. Einige Linguisten, wie Poole (2013: 69-98), vertreten die Auffassung, dass interpolierende Elemente eher die semantische Funktionalität einer sogenannten G-Topik einnehmen. Ihre Funktion ist es, spezifische Informationen in einem unspezifischen syntaktischen Element zu speichern, dessen spezifischer Informationsgehalt dieses aber auf der Grundlage des semantischen Kontextes eindeutig verständlich werden lässt. Der semantische Kontext im Rahmen einer Konversation erlaubt es demnach, eine spezifische Information zu resümieren, indem sie in ein unspezifisches interpolierendes Element transformiert wird (Vgl. Bianchi; Frascarelli 2010: 57-59). Diese These stützend ist das interpolierende Element und Demonstrativpronomen „esto“, wie folgende Beispiele aus den folgenden hoch- und spätmittelalterlichen Schriftquellen in der HSMS zeigen.

[...]


1 Estoria de España I. In: HSMS Biblioteca Digital de Textos del Español Antiguo. Obra en Prosa de Alfonso X El Sabio. URL: http://www.hispanicseminary.org/t&c/ac/index-es.htm (Stand: 06.03.2017).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zur sprachgeschichtlichen Entwicklung der Interpolation im Spanischen
Untertitel
Eine vergleichende Untersuchung zweier spätmittelalterlicher Quellen zur Feststellung der quantitativen Entwicklung der Interpolation innerhalb negierter Nebensätze
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V380416
ISBN (eBook)
9783668569003
ISBN (Buch)
9783668569010
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interpolation, spanische Nebensätze, sprachgeschichtliche Entwicklung
Arbeit zitieren
Christoph Wünnemann (Autor), 2017, Zur sprachgeschichtlichen Entwicklung der Interpolation im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380416

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