Das Konzept der Lese-Rechtschreib-Schwäche. Inwiefern ist das OLFA-Verfahren zur Diagnose der Lese-Rechtschreib-Schwäche geeignet?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

22 Seiten, Note: 2.0.

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Lese-Rechtschreib-Schwäche
2.1. Historie der Lese-Rechtschreib-Schwäche
2.2. Definition der Lese-Rechtschreib-Schwäche
2.3. Ursachen der Lese-Rechtschreib-Schwäche

3.0. Diagnostik

4. Oldenburger Fehleranalyse
4.1. Allgemeine Informationen
4.2. Durchführung
4.4. Förderung nach OLFA
4.5. Vor- und Nachteile

5. Schluss/Reflexion

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Fallbeispiel:

Loredana[1], ein 9-jähriges Mädchen, geht seit einiger Zeit ungern in die Schule. Im Rechnen zeigt sie Erfolge, im Fach Deutsch weist sie jedoch im Vergleich zu ihren meist jüngeren Mitschülern und Mitschülerinnen zahlreiche Defizite auf. Beim Abschreiben von der Tafel als auch beim selbstständigen Verfassen von Texten macht sie viele Flüchtigkeitsfehler. Die Hausaufgaben am Nachmittag ziehen sich oft lange hin. Sie arbeitet sehr langsam und unkonzentriert. Das Lesen gelingt trotz der Hilfe ihrer Eltern nur stockend. Sie hat Probleme, Wörter im Gedächtnis zu behalten, erkennt Laute nicht und hat Schwierigkeiten bei der Sinnentnahme des Textinhaltes. Loredanas Mutter übt viel mit ihr, besonders vor Diktaten, trotzdem kann sie in Prüfungssituationen nicht überzeugen. Die Eltern fühlen sich hilflos, weil Loredana scheinbar sicher Gelerntes immer wieder falsch schreibt. Auch die Lehrerin ist unsicher in der Einschätzung des Mädchens, da sie sehr unkonzentriert arbeitet und von ihren Schwächen ablenkt. Des Weiteren werden Loredanas Selbstzweifel zunehmend größer und auch die Mitschüler üben großen Druck durch Mobbing auf sie aus.

Die Hauptaufgabe der Grundschule ist es, den Kindern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Alle Kinder, die sich im Lese- und Schreiblernprozess befinden, machen zahlreiche Fehler. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche[2] beispielsweise erschwert diesen Prozess immens.

Doch wann und anhand welcher Symptome sollte den Fehlern eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden? Was ist überhaupt die Lese-Rechtschreib-Schwäche und welche Historie liegt ihr zugrunde? Worin liegt die Ursache, dass Kinder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickeln und wie können Eltern und Lehrer am besten vorgehen, um das Kind zu unterstützen? An welche Beratungsstellen kann man sich wenden und wer kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche diagnostizieren?

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich im ersten Teil mit der Historie und Definition der Lese-Rechtschreib-Schwäche. Außerdem behandelt sie im zweiten Abschnitt in weiten Teilen die Diagnostik der Lese-Rechtschreib-Schwäche als Grundlage der weiteren Thematik, dass die Oldenburger Fehleranalyse auf ihre Eignung zur LRS-Diagnose geprüft, angewendet und ausgewertet wird. Das Hauptziel der Hausarbeit ist es, das OLFA-Verfahren, welches zur Ermittlung der orthographischen Kompetenz und Leistung aus freien Texten entwickelt wurde, zu beschreiben und anzuwenden. Des Weiteren ist es zur Planung und Qualitätssicherung von Fördermaßnahmen ausgeschrieben, auch dies wird kritisch hinterfragt.

Die Forschungsliteratur zum Thema der Lese-Rechtschreib-Schwäche und der Diagnose beruht hauptsächlich auf dem Buch „Lese-Rechtschreib-Störung – Ein Leben mit LRS, Wege und Chancen“ von Dorle und Jakob Sprenger.

Die Informationen zur Historie der Begriffe LRS und Legasthenie und des Konzeptes der Lese-Rechtschreib-Schwäche beziehen sich auf den Aufsatz „Legasthenie“ von Christine Mann, welcher im Jahre 2003 in Günther Langes Buch „Grundlagen – Sprachdidaktik – Mediendidaktik“ und „Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) und Legasthenie“ von Günther Thomé erschienen ist.

Die Fakten und Daten zu der Oldenburger Fehleranalyse wurden aus dem originalen Handbuch des Inventars entnommen.

2. Lese-Rechtschreib-Schwäche

2.1. Historie der Lese-Rechtschreib-Schwäche

„Valtin (2004) und Mann (2003) entwickelten einen groben Überblick über die Historie der Lese-Rechtschreib-Schwäche, welche im Folgenden kurz ausgearbeitet wird. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Konzept der Legasthenie entwickelt, nachdem die allgemeine Beschulung der Bevölkerung zunahm. Es waren vorranging die Ärzte, die sich zuerst mit der auffälligen Erscheinung beschäftigten. Durchschnittlich begabte und ansonsten im geistigen Leistungsbereich unauffällige Kinder ohne zufriedenstellenden Schriftspracherwerb galten nach ersten Beobachtungen englischer Ärzte als angeboren, hirnorganisch geschädigt.

1916 wurde der Begriff „Legasthenie“ von dem Psychologen und Psychiater Paul Ranschburg als Synonym für die Leseschwäche eingeführt. Das Interesse von Forschern wurde geweckt und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Experimente, Forschungen und Studien bezüglich der Ursachen und der didaktischen Perspektive veröffentlicht.

Um circa 1950 stellte Linder die These auf, dass die Ursache vererbbar sei durch Seh-, Hör-, und Sprachstörungen. Diese These war begründet auf Erfahrungen aus Einzelfällen, also keine validen Testergebnisse.

Zwischen 1970 und 1980 wurde das Phänomen der Legasthenie dann auch in Schulen und der Bevölkerung bekannt. Es wurde sich intensiv mit der Legasthenie beschäftigt, Ansätze und Erklärungen beziehungsweise Ursachen aus den verschiedensten Bereichen ausgearbeitet und Kritik geübt. Die unterschiedlichen Ansätze bildeten die Basis der Forschungsmethoden. Des Weiteren wurden Grundsätze und Richtlinien zur Förderung von Legasthenikern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens festgelegt.

Der entwicklungspsychologische Ansatz stellte die These auf, dass Kinder schlichtweg eine bestimmte Entwicklungsstufe im Erlernen der Schriftsprache noch nicht erreicht hätten, sich die kognitiven Fähigkeiten noch entwickeln würden und die individuellen Entwicklungsstufen bei den zusätzlichen Lernimpulsen berücksichtigt werden müssten.

Lernpsychologen erklärten, dass Legasthenie ein Teufelskreis von sich gegenseitig verstärkenden ungünstigen Faktoren sei und Kinder falsche Strategien entwickelten aus Angst, bei weiterführenden Themen nicht mehr mitzukommen. Misserfolge beeinträchtigen das Selbstwertgefühl immens, Lernlücken führen zu Ängsten und Blockaden, wobei das Lesen und Schreiben in der Gesellschaft eine große Rolle spielt. Die Diagnose „LRS“ ist meist eine Erleichterung, um dem Druck zu entgehen.

Der kognitive Ansatz begann, die Legastheniker in Gruppen einzuteilen: „Die Wortbildjäger“, die das Prinzip der Buchstaben nicht verstehen, Texte auswendig lernen und sich die dazugehörigen Wortbilder merken.

„Die Kontext-Spekulanten“, die Buchstaben als Erinnerungsstütze zum Wiedererkennen von Wortbildern nutzen und nicht vollständig Lesen, sondern sich aus dem Kontext und den ersten Buchstaben das Wort erschließen.

Und „die Buchstabensammler“, die meist an der Zuordnung des Sinnes scheitern und dadurch erlesene Wörter nicht speichern können, geschweige denn komplexere Sprech-Schreibmuster entwickeln.

Alle drei Gruppen befinden sich ab einem gewissen Zeitpunkt im Lernprozess in einer Sackgasse und fahren sich in dem Teufelskreis auf Grund von falschen Lernstrategien und dem „äußeren Druck“ fest.

Vertreter der medizinischen Richtung sahen eine lukrative Chance darin, Legasthenie als Krankheit anerkennen zu lassen, denn die körperlichen Schwierigkeiten würden das Erlernen der Schriftsprache erschweren und die Therapien und Medikamente würden somit auch von der Krankenkasse bezahlt werden.

Ende der achtziger Jahre wurde der Bundesverband Legasthenie e.V. gegründet, ein Interessenverband von betroffenen Eltern, Psychologen und Pädagogen, um Qualitätskriterien für Therapien zu erarbeiten und durchzusetzen. Hierbei handelt es sich beispielweise um allgemeine Funktionstrainings, spezielle Lese-Rechtschreib-Trainings, Psychotherapien und kombinierte Modelle.“

2.2. Definition der Lese-Rechtschreib-Schwäche

Gerade Fachlehrer/innen des Faches Deutsch oder einer Fremdsprache fällt der Umgang mit Kindern schwer, denen der Erwerb der Schriftsprache nur schleppend oder unzulänglich gelingt. Hierfür sind methodisch-didaktische Probleme und das ungenaue Bild des Phänomens „LRS“ verantwortlich. Es ist schwer zu bestimmen, wo die Ursachen für das Problem liegen, was man von den betroffenen Schülern und Schülerinnen erwarten und fordern kann und welche schulrechtlichen Vorschriften beachtet werden müssen.

Die Vielseitigkeit der Problematik LRS erschwert außerdem die Suche nach geeigneten Hilfsmethoden.

„Von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) oder Legasthenie sprechen wir, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der dafür vorgesehenen Zeit nicht oder nur unzureichend erlernt hat. Generell gilt LRS als ein Sammelbegriff, der sowohl die Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), als auch eine Lese-Rechtschreib-Störung umfasst.

Bei der Lese-Rechtschreib-Schwäche kommt es zu einer Hemmung im Lernprozess des Schriftspracherwerbs. Hierbei kann es sich um vorübergehende Schwierigkeiten handeln, sofern rechtzeitig und methodisch angemessen therapiert wird.

Die Lese-Rechtschreib-Störung wird als als Krankheit umschriebene Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten angesehen. Rechtschreibstörungen sind enorm und bleiben trotz Fortschritten bis ins Erwachsenenalter erhalten. Die Betroffenen weisen hier eine Verarbeitungsstörung im Bereich Sprache und im sprachlichen Gedächtnis auf, welche häufig auf einen erbbiologischen Hintergrund zurückzuführen ist.

LRS gilt als eine Teilleistungsstörung bei sonst normaler Intelligenz. Sie zeigt eine hohe Kopplung an gleichzeitig vorliegende, weitere Erkrankungen/Verhaltensweisen auf, wie zum Beispiel Resignation, Aggressivität und Schulangst, da LRS auf andere Lern- und Verhaltensbereiche psychisch ausstrahlen kann. (vgl. Sprenger 2014; Horch-Enzian 2008)“

Im Kindergartenalter lassen sich meist nur erste Verdachtsmomente finden. In diesem Alter haben betroffene Kinder meist ein Problem mit der Merkfähigkeit, also Schwierigkeiten, Reime, Silben und Laute zu erkennen, Wörter im Gedächtnis zu behalten und schnell abzurufen, Farben zu erkennen und aufzusagen, Orientierungsprobleme sowie Probleme damit, feinmotorische Fertigkeiten zu erlernen.

Aus diagnostischen und praktischen Gründen wird in den ersten Schuljahren nicht zwischen den beiden Erscheinungsformen differenziert. Generell sind Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und Lese-Rechtschreib-Störungen auch in höheren Klassenstufen schwierig zu trennen, da es komplexe Mischformen zwischen Schwächen und Störungen gibt und LRS in individuellen Ausformungen auftreten kann.

Trotz alledem lassen sich einige mögliche Symptome der LRS schon früh beobachten und bei einem Verdacht testen oder bei Auffälligkeiten fördern. Bei Lesevorgängen sollte die Aufmerksamkeit beispielsweise auf zahlreiche Selbstkorrekturen, auf Probleme bei der Sinnentnahme oder auf langsames, mühsames, Silben- oder Wortweises Lesen von Sätzen, Texten und Wörtern gerichtet werden.

Während betroffene Schüler/innen sich im Schreibprozess befinden, könnten zahlreiche Fehler in Diktaten, Aufsätzen oder auch beim Abschreiben Hinweise auf eine LRS sein. Auch die Verwechslung von Buchstaben und Lauten oder das Auslassen von ganzen Wörtern lässt sich hieran beobachten.

In der gesprochenen Sprache sind vor allen Dingen die undeutliche Artikulation, stockendes Sprechen, Wortschatzarmut oder aber auch Wortfindungsstörungen Symptome des Phänomens LRS.

Die Früherkennung der Probleme ist des Weiteren unterstützend für eine Prävention von Verunsicherung und Selbstzweifel in der Familie.

2.3. Ursachen der Lese-Rechtschreib-Schwäche

Bei den Ursachen einer LRS ist zu berücksichtigen, dass es nicht die eine explizite Ursache für LRS gibt. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Gefüge mehrerer Bedingungen, die sich in individueller Bandbreite aufzeigen.

„Sprenger (2014) betont, dass sofern ein Elternteil Legasthenie hat, die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass ein Kind selbst eine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickelt. Befunde der Genforschung zeigen allerdings auch, dass die genetische Ausstattung nicht ausschließlich für die Symptomentwicklung ausschlaggebend ist.

Die Förderung beim Lese-Rechtschreib-Erwerb ist ein maßgeblicher Faktor für die Ausprägung einer LRS im Schulalter. Ein dürftiger Unterricht beim Schriftspracherwerb durch Unterrichtsausfall oder mangelnde didaktische Unterstützung wirken an dieser Stelle kontraproduktiv. Eine effektive, individuelle Förderung kann neurologischen und psychischen Erkrankungen entgegenwirken. Aus neurobiologischer Sicht äußern sich bei einer Legasthenie Beeinträchtigungen der akustischen und visuellen Wahrnehmung.

[...]

[1] Name geändert

[2] Im Folgenden teils auch LRS abgekürzt

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Lese-Rechtschreib-Schwäche. Inwiefern ist das OLFA-Verfahren zur Diagnose der Lese-Rechtschreib-Schwäche geeignet?
Note
2.0.
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V380639
ISBN (eBook)
9783668571884
ISBN (Buch)
9783668571891
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LRS, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Historie, Definition, Oldenburger Fehleranalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Das Konzept der Lese-Rechtschreib-Schwäche. Inwiefern ist das OLFA-Verfahren zur Diagnose der Lese-Rechtschreib-Schwäche geeignet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380639

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