Einleitung
Religionen bestimmen in vielen Bereichen die Kulturen aus. Sie beeinflussen den einzelnen Menschen in seinem privaten Umfeld, bestimmen die Ethik und das soziale Verhalten der Gesellschaft. Sie sind maßgeblich am Weltbild der Kulturkreise beteiligt. Eine allgemeingültige Nutzung des Begriffs „Religion“ setzt voraus, daß alle Religionen einen gemeinsamen Nenner haben. Was genau diesen gemeinsamen Nenner ausmacht, ist ein großer Streitpunkt in der Religionswissenschaft. An der, nun schon lange währenden Frage, welche Definition als allgemeingültig zu betrachten ist, läßt sich die Schwierigkeit erkennen, diesen gemeinsamen Nenner auszumachen. Hinzu kommt in den letzten Jahren die Diskussion, ob eine allgemeingültige Definition bei der Erforschung der einzelnen Religionen nützlich ist oder eher schadet.1 Welche Alternativen zur allgemeingültigen Definition des Begriffes „Religion“ gibt es? In dieser Hausarbeit wird der Ansatz einer „Diskursiven Religionswissenschaft“ von Hans G. Kippenberg vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Hans Gerhard Kippenberg – Lebenslauf
2. Situation der Religionswissenschaft
3. Definition von Religion
4. Aufgaben der Religionswissenschaft
Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen bei der Definition des Religionsbegriffs innerhalb der Religionswissenschaft und stellt den Ansatz von Hans G. Kippenberg einer „Diskursiven Religionswissenschaft“ als Alternative vor.
- Die Problematik allgemeingültiger Religionsdefinitionen
- Hans G. Kippenbergs wissenschaftlicher Werdegang und Schwerpunkte
- Kritik an der Zerstückelung des akademischen Lehrfaches
- Alternative theoretische Ansätze nach Wittgenstein und Elias
- Die Rolle der Religionswissenschaft im Verhältnis zur Gesellschaftskritik
Auszug aus dem Buch
3. Definition von Religion
Das Wort „Religion“ stammt von dem lateinischen „religio“, das so viel bedeutet, wie Rücksicht, Gewissenhaftigkeit, ab. Die heutige Verwendung des Begriffes „Religion“ ist Ergebnis einer Entwicklung in einem bestimmten kulturellen und historischen Rahmen, der abendländischen Geschichte. Die Diskussion über die Bedeutung dieses Begriffes hängt damit zusammen, daß seine Nutzung in anderen geschichtlichen und kulturellen Zusammenhängen Schwierigkeiten bereitet. Nach Klaus Hock liegt das Problem darin, daß „Religion“ als „Allgemeinbegriff den Anspruch erhebt, auch in anderen historisch-kulturellen Zusammenhängen etwas zu benennen, das dem entspricht, was er im („christlichen“) Abendland beschreibt.“ Dadurch werden wichtige Aspekte ausgegrenzt, die nach dem Verständnis der entsprechenden Kultur unbedingt dazugehören.
Aus diesem Grunde hat die Religionswissenschaft nach einem allgemeingültigen Religionsbegriff gesucht, der auf alle Religionen aller Kulturen anwendbar ist. Das Ergebnis ist, daß jeder Religionswissenschaftler seine eigene Definition von „Religion“ entwickelt und alle anderen für unzureichend erklärt, was zu einer inzwischen unüberschaubaren Anzahl an Definitionen geführt hat.
Hans G. Kippenberg hingegen vertritt eine Religionswissenschaft, der keine allgemein gültige Definition von „Religion“ zugrunde liegt. Dies macht er schon mit dem Untertitel seines Artikels „Diskursive Religionswissenschaft“ deutlich. Üblicherweise erklären die meisten Religionswissenschaftler zu Beginn aller Vorträge, Aufsätze oder Artikel zum Thema „Religion“, ihre eigene Definition von „Religion“. Dadurch erfährt der Rezipient, mit welcher Bedeutung dieses Wort von dem entsprechenden Religionswissenschaftler verwendet wird. Hans G. Kippenberg wirft dieser Vorgehensweise, bei allem guten Willen, vor, den Begriff „Religion“ und seine Definition einer zu großen Willkürlichkeit auszuliefern und hintenrum die Definition dazu zu mißbrauchen, die Wahrheitsfrage zu beantworten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit, einen universellen Religionsbegriff zu finden, und führt in das Konzept der „Diskursiven Religionswissenschaft“ ein.
1. Hans Gerhard Kippenberg – Lebenslauf: Dieser Abschnitt zeichnet den akademischen Werdegang Kippenbergs nach, von seinem Studium der Theologie bis hin zu seinen Professuren und Forschungsschwerpunkten.
2. Situation der Religionswissenschaft: Das Kapitel analysiert die Gründe für den Zustand der Fachdisziplin, insbesondere die Zerstückelung in verschiedene Teilbereiche und die einseitige Fokussierung auf die Sinnermittlung.
3. Definition von Religion: Hier wird die Kritik an der „Besessenheit von Definitionen“ erläutert und mit den Alternativansätzen von Ludwig Wittgenstein und Norbert Elias kontrastiert.
4. Aufgaben der Religionswissenschaft: Dieses Kapitel diskutiert das Spannungsfeld zwischen Evolutionstheorie, Säkularisierung und der Notwendigkeit, Religion als Medium der Gesellschaftskritik zu begreifen.
Schlußwort: Das Schlußwort resümiert die Überlegenheit des kulturanthropologischen Ansatzes und schlägt eine flexible Handhabung des Religionsbegriffs vor.
Schlüsselwörter
Religionswissenschaft, Hans G. Kippenberg, Religionsbegriff, Definition, Diskursive Religionswissenschaft, Säkularisierung, Religionssoziologie, Religionsgeschichte, Kulturanthropologie, Wittgenstein, Norbert Elias, Sinnermittlung, Gesellschaftskritik, Funktionale Religionsdefinition, Wissenschaftstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der methodischen Problematik, Religion als allgemeingültigen Begriff zu definieren, und stellt den Lösungsansatz von Hans G. Kippenberg dar.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Kritik an der fachlichen Zerstückelung der Religionswissenschaft, die Problematik universaler Definitionen und die Bedeutung der Religionswissenschaft für das Verständnis von Gesellschaft und Kultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Ansatz der „Diskursiven Religionswissenschaft“ zu präsentieren, um der Willkürlichkeit von Begriffsdefinitionen zu entgehen und eine wissenschaftlich fundiertere Arbeitsweise zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftsgeschichtlichen Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem theoretischen Diskurs um Hans G. Kippenberg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Forschers, die Analyse der Fachsituation, die Problematik der Begriffsdefinition und die Rolle der Religionswissenschaft im Kontext moderner Gesellschaftskritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Religionswissenschaft, Religionsbegriff, Diskursive Religionswissenschaft, Säkularisierung und kulturanthropologischer Ansatz.
Welchen Stellenwert nimmt der Ansatz von Norbert Elias für Kippenberg ein?
Der Ansatz nach Elias ist für Kippenberg wesentlich, da Religion als Ergebnis kultureller Prozesse und Lebensformen begriffen wird, was eine stärkere Kontextualisierung ermöglicht.
Warum lehnt Kippenberg eine allgemein gültige Definition von Religion ab?
Kippenberg sieht darin eine „Besessenheit von Definitionen“, die den Begriff der Willkürlichkeit ausliefert und verhindert, dass man sich unvoreingenommen dem zu erforschenden Gegenstand in seiner jeweiligen Kultur nähert.
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- Ulrike Kemper (Author), 2004, Von der Schwierigkeit, Religion zu definieren - der Ansatz von Hans G. Kippenberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38068