Waren deutsche Unternehmen früher mit Ausnahme von EU-Verordnungen grundsätzlich ausschließlich an die nationalen Rechnungslegungsvorschriften gebunden, so hat die anhaltende Globalisierung dazu geführt, dass internationale Rechnungslegungsvorschriften in den letzten Jahren immer mehr an Gewicht gewonnen haben. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang insbesondere die International Financial Reporting Standards (IFRS), die vom International Accounting Standards Board (IASB) entwickelt werden.
Das Ziel der Rechnungslegung nach IFRS liegt in einer vereinheitlichenden Darstellung von Jahresabschlüssen, wodurch diese von Stakeholdern unternehmensübergreifend leichter miteinander vergleichbar sein sollen. Zudem sollen Unternehmen zu einer qualitativ hochwertigeren und zugleich transparenteren Finanzberichterstattung bewegt werden. Hierbei spielt das Konzept der "true and fair presentation" (IAS 1) bzw. "faithful presentation“ (Framework) eine gewichtige Rolle. Um diesem Konzept gerecht zu werden, definiert das IFRS-Gesamtwerk u.a. den Wert-begriff des „Fair Value“ (dt. „beizulegender Zeitwert“).
Die Ziele dieser Arbeit bestehen darin, dem geneigten Leser einen Einblick in die Struktur des Fair Value-Wertbegriffs innerhalb der IFRS zu vermitteln, ausgesuchte Problemkreise zu beleuchten und die gefundenen Erkenntnisse auf die Jahresabschlüsse ausgesuchter kapitalmarktorientierter Konzerne anzuwenden. Hierzu wird die Arbeit zunächst den Wertbegriff "Fair Value" innerhalb des IFRS-Gesamtwerks und im speziellen innerhalb des IFRS 13 beleuchten und seine einzelnen Merkmale herausarbeiten. Anschließend wird im Rahmen von Einzelbetrachtungen auf besonders interessante Bereiche der Fair Value-Bewertung eingegangen. Ebenso wird die Kaufpreisallokation (insbesondere immaterielle Vermögenswerte inkl. Good Will) behandelt. Anschließend widmet sich die Arbeit der Folgebilanzierung derivativer Good Wills und dem Grundsatz des „Highest-and-best-Use“. Abschließend erfolgen ein Praxistransfer der erarbeiteten Erkenntnisse, eine Fazit und eine kritische Stellungnahme.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problembeschreibung
1.2. Ziele und Struktur der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Zentrale Definition des Fair Value-Wertbegriffs in IFRS 13
2.2. Der Fair Value-Wertbegriff nach IFRS 13
2.2.1. Vermögenswert nach IFRS 13
2.2.2. Märkte und Marktteilnehmer im Sinne des IFRS 13
2.2.3. Preisbestandteile eines Vermögenswertes im Sinne des IFRS 13
2.2.4. Fair Value-Hierarchie
3. Einzelbetrachtungen
3.1. Kaufpreisallokation bei Unternehmenszusammenschlüssen
3.2. Folgebilanzierung derivativer Goodwills mittels Impairment-Test
3.3. „Highest-and-best-Use“ von als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien
4. Praxistransfer
4.1. Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten
4.1.1. Finanzielle Vermögenswerte
4.1.2. Finanzielle Verbindlichkeiten
4.1.3. Ergebnis
4.2. Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien
4.3. Bewertungen von derivativem Goodwill
4.4. Zusammenfassung
5. Fazit und kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Struktur und Anwendung des Fair Value-Wertbegriffs gemäß IFRS 13 zu erläutern und dessen praktische Relevanz anhand der Geschäftsberichte ausgewählter kapitalmarktorientierter Konzerne kritisch zu analysieren. Dabei wird der Fokus insbesondere auf die Herausforderungen bei der Bewertung von Vermögenswerten gelegt, für die keine direkt beobachtbaren Marktpreise existieren.
- Strukturanalyse des Fair Value-Konzepts nach IFRS 13
- Untersuchung von Kaufpreisallokationen und Goodwill-Bewertungen
- Anwendung des "Highest-and-best-Use"-Prinzips bei Immobilien
- Empirische Untersuchung der Fair Value-Hierarchie in Konzernabschlüssen
- Kritische Würdigung der Manipulationsspielräume bei Level 3-Bewertungen
Auszug aus dem Buch
2.2.4. Fair Value-Hierarchie
IFRS 13 geht bei der Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes von einer 3-stufigen Fair Value-Hierarchie aus, wobei in Abhängigkeit von Objektivität und Qualität der höchstmögliche Level bei der Bewertung Verwendung finden soll. Die Bewertungs-Levels sind in Abbildung 2 visualisiert und werden nachfolgende skizziert.
Die Fair Value-Hierarchie verfolgt den Grundgedanken, den Einschätzungen von Marktteilnehmern Vorrang vor den Einschätzungen des Managements einzuräumen, um hierdurch möglichst objektive Bewertungen zu gewährleisten.
Eine Level 1-Bewertung soll erfolgen, wenn am Bewertungsstichtag auf einem aktiven Referenzmarkt, auf den das Unternehmen auch Zugriff hat, direkt beobachtbare Preise für identische Vermögenswerte oder Schulden verzeichnet werden können. Bei Level 1-Inputs ist die Informationsasymmetrie zwischen dem Management und den Investoren gering. Daher ist eine Level 1-Bewertung – falls verfügbar – stets anderen Bewertungen vorzuziehen.
Eine Level 2-Bewertung nach IFRS 13.81ff kann vorgenommen werden, wenn sonstige beobachtbare Marktpreise vorliegen, die jedoch nicht die Bedingungen einer Level 1-Bewertung erfüllen. Unter sonstige beobachtbare Marktpreise können bspw. qm-Preise für ähnliche Gebäude oder aber notierte Preise für ähnliche Vermögenswerte oder Schulden an inaktiven Märkten subsummiert werden.
Level 3-Bewertungen (IFRS 13.86 ff) sind auf Basis von Bewertungsverfahren ermittelte Werte, wobei die Input-Faktoren für die Bewertung auf aktiven Märkten nicht beobachtbar waren. Daher beruhen sie auf Schätzungen. Inputfaktoren des Level 3 können bspw. Finanzprognosen in Bezug auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten sein. Aber auch unternehmensinterne Faktoren wie geplante Cashflows oder auch Beta-Faktoren selten gehandelter aber vergleichbarer Anteile fallen hierunter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung internationaler Rechnungslegungsvorschriften ein und stellt die Problematik des Fair Value-Accountings sowie die Ziele der Arbeit dar.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Fair Value nach IFRS 13, erläutert die Bedeutung von Märkten und Marktteilnehmern und beschreibt die 3-stufige Fair Value-Hierarchie.
3. Einzelbetrachtungen: Hier werden spezifische Anwendungsbereiche wie Kaufpreisallokationen, die Folgebilanzierung von Goodwill und das "Highest-and-best-Use"-Prinzip kritisch untersucht.
4. Praxistransfer: Dieser Abschnitt analysiert anhand von Geschäftsberichten namhafter Konzerne, wie diese in der Praxis finanzielle Vermögenswerte, Immobilien und Goodwill mittels Fair Value bewerten.
5. Fazit und kritische Würdigung: Das abschließende Kapitel resümiert die Rolle des Fair Value-Modells und diskutiert die Problematik subjektiver Bewertungsspielräume.
Schlüsselwörter
IFRS, Fair Value, IFRS 13, Beizulegender Zeitwert, Fair Value-Hierarchie, Goodwill, Impairment-Test, Kaufpreisallokation, Unternehmenszusammenschluss, Bilanzierung, Marktbewertung, Finanzinstrumente, Rechnungslegung, Bewertungsmethoden, Exit Price
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Betrachtung des Fair Value-Ansatzes nach IFRS, insbesondere der Anwendung von IFRS 13 in der Unternehmenspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Fair Values, die Bedeutung der Bewertungs-Hierarchien sowie die praktische Umsetzung bei Goodwill-Bewertungen und Immobilien.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, dem Leser die Struktur des Fair Value-Begriffs zu vermitteln und anhand einer Analyse von Geschäftsberichten aufzuzeigen, wie Konzerne diesen Maßstab anwenden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Bewertungsgrundsätze sowie eine empirische Untersuchung der Geschäftsberichte ausgewählter kapitalmarktorientierter Konzerne.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Einzelbetrachtungen ausgewählter Problemfelder wie Goodwill und Immobilien sowie einen ausführlichen Praxistransfer.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem zentralen Begriff "Fair Value" sind "IFRS 13", "Fair Value-Hierarchie", "Goodwill" und "Kaufpreisallokation" die maßgeblichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach Level 1, 2 und 3?
Level 1 basiert auf direkt beobachtbaren Marktpreisen, Level 2 auf sonstigen beobachtbaren Marktpreisen und Level 3 auf nicht beobachtbaren, schätzungsbasierten Inputfaktoren.
Warum wird das Fair Value-Modell in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Kritikpunkte sind insbesondere die Subjektivität bei Level 3-Bewertungen, die Komplexität und das damit verbundene Potenzial für bilanzpolitische Manipulationsspielräume.
Welche Rolle spielt der Goodwill im Rahmen der Fair Value-Bewertung?
Goodwill muss mittels Werthaltigkeitstests (Impairment-Tests) überprüft werden, wofür der Fair Value eine wesentliche Grundlage zur Bestimmung des erzielbaren Betrages bildet.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des Fair Value-Ansatzes?
Der Autor stellt fest, dass das Modell zwar für Transparenz sorgen kann, in der Praxis jedoch oft an die Grenzen der Objektivität stößt, da häufig keine Marktpreise verfügbar sind.
- Quote paper
- Thorsten Mannherz (Author), 2017, Eine kritische Betrachtung des Fair-Value Ansatzes nach den International Financial Reporting Standards (IFRS), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381070