Die Pest als eine Krise des 14. Jahrhunderts


Essay, 2015
6 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Wird von einer Krise gesprochen, so ist meistens von einer ,,Entscheidungssituation, [Oder einem] Wende- [Oder] Hohepunkt einer gefahrlichen Entwicklung" die Rede. Es kann aber auch eine „gefahrliche Situation" im Allgemeinen gemeint sein. (Duden Fremdworterbuch, 2002, S. 296) Unter Beachtung dieser Definition sollten die weiteren Ausfuhrungen betrachtetwerden. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Pesterreger bei Murmeltieren der trockenen Hochebene Zentralasiens enzootisch ist. Hierbei handelt es sich um die Lungen- Oder Beulenpest. Da durch dieses Gebiet auch die SeidenstraBe verlief, kam es dazu, dass sich Menschen um 1340 hier mit der Pest ansteckten und sie in die Hafenstadte trugen. Eine dieser Stadte war der Schwarzmeerhafen von Caffa, wo die Pest 1343 auftrat und von dem aus sich die Europaer mit der todlichen Krankheit ansteckten. Auch der Ratten- und der Menschenfloh sind als Ubertrager der Pest bekannt und wurden durch die Ratten auf den Schiffen in die Stadte eingeschleppt. 1347 hatte sie bereits Kairo und Konstantinopel erreicht und weitere Handelsschiffe brachten sie nach Messina. Von dort aus verseuchte sie die Hafen Europas um dann von dort aus das Festland zu erobern. Dabei lieB die Pest kein europaisches Land unverschont. Im 14. Jahrhundert kehrte sie in mehreren Wellen in das Gebiet des heutigen Europas zuruck, so in den Jahren 1359, 1377, 1379, 1395 und 1399. Unterstutzt wurde die erste Pestwelle wahrscheinlich durch eine verangegangene Hungersnot in den Jahren 1346/47, die die Menschen zusatzlich schwachte und anfalliger fur die Krankheit machte.

Betrachtet man nun das territoriale und zeitliche AusmaB der Pest im Hinblick auf die oben genannte Definition, so kann hier durchaus von einer Krise im Sinne einer gefahrlichen Situation als auch von Hohepunkten in einer gefahrlichen Entwicklung gesprochen werden. Daruber hinaus hatte die Pest erhebliche langfristige Auswirkungen auf die unterschiedlichen Bereiche des alltaglichen Lebens, welche die These unterstutzen, dass sie eine Krise des 14. Jahrhunderts darstellt.

Die demographischen Veranderungen lassen sich aufgrund der Quellenlage meistens leider nur schatzen. Jedoch finden sich Angaben, in denen davon ausgegangen wird, dass [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

der Bevolkerung der jeweiligen betroffenen Gebiete gestorben sind. Da es zwischen 1200 und 1300 einen enormen Anstieg der europaischen Bevolkerung gab - es wird davon ausgegangen, dass um 1200 ca. 61 Millionen Menschen in Europa gab, wobei es um 1300 bereits 73 Millionen waren - belaufen sich die Todeszahlen auf bis zu 40 Millionen, wenn die prozentualen Verluste auf die Gesamtbevolkerung ubertragen werden. Dies erscheint allerdings reichlich ubertrieben und eine von Wissenschaftlern berechnete Zahl von 18 Millionen Toten weitaus realistischer, denn 1450 betrug die Zahl der Europaer bereits wieder 53-55 Millionen. Dennoch ist der Einbruch in den Bevolkerungszahlen von Bedeutung, da sie eine Vielzahl von weiteren Auswirkungen nach sich zog. Besonders in den Stadten war der Verlust hoch, was an mangelnder Hygiene und der dichten Besiedlung gelegen hat. Hinzu kam, dass viele Menschen aus Angst vor der Pest flohen und sich so ganze Dorfer auflosten und die landlichen Gegenden ausdunnten. Da auch Jugendliche und Kinder im Vergleich zu Menschen im mittleren Alter vermehrt starben, hatte dies auch Folgen fur die kommenden Generationen im Hinblick auf die zahlenma&ige Erholung der Bevolkerung. Insgesamt lasst sich sagen, dass das Massensterben, das durch die erste Pestwelle verursacht wurde, das groBte der europaischen Geschichte war. Allerdings ist auch zu erwahnen, dass die erste Pestwelle den Menschen eine Art Immunitat verleihte, sodass dieAnsteckungsgefahr, sowie die Todeszahlen in darauffolgenden Wellen wesentlich geringerwaren.

Besonders in der Landwirtschaft und im Handwerk machte sich die Bevolkerungsreduktion bemerkbar. Aufgrund der fehlenden Arbeitskrafte durch Tod, Abwanderung in die entvolkerten Stadte Oder aus Angst das Haus zu verlassen, konnten Felder nicht mehr bewirtschaftet werden und der Nahrungsbedarf wurde nicht mehr ausreichend gedeckt. Da auch einige Tiere an der Pest gestorben sein sollen, konnte auch hier die Nachfrage nicht mehr bedient werden. Die Preise fur landwirtschaftliche Erzeugnisse, besonders fur das Getreide, stiegen zunachst an. Die Bauern mussten erhebliche EinkommenseinbuBen hinnehmen, da sie nicht nur weniger verkauften sondern auch weniger ernteten, weil der Boden in erster Linie nicht mehr bestellt wurde und auch die Arbeitskrafte fur die Ernte fehlten. Auch der Handel kam zum Erliegen, sodass die Versorgung der Stadte nicht mehr ausreichend gesichert war. Bald fielen die Preise jedoch fur die landwirtschaftlichen Produkte wieder, da die Nachfrage sank, die Ertrage jedoch nicht in dem gleichen MaBe. Dies fuhrte zu einer zusatzlichen Verarmung der Landbevolkerung. Wegen der Landflucht kam es zu sogenannten Flurwustungen, die zum Teil bis zu 25% der bisherigen Anbauflachen ausmachten, was sich wiederum auf die Angebotsseite landwirtschaftlicher Erzeugnisse niederschlug. Auch die Grundbesitzer hatten groBe Schwierigkeiten ihre Landereien zu bewirtschaften und mussten groBe EinkommenseinbuBen hinnehmen. Da auch das Handwerk unter den vielen Todesfallen zu leiden hatte, war es schwierig jemanden fur das Errichten von Bauwerken Oder nur das Verrichten der kleinsten handwerklichen Arbeiten zu finden. Die Preise fur solche Dienstleistungen wurden enorm angehoben, wobei jedoch nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich im gleichen MaBe die Lohne der Handwerker steigerten. Sowohl die preislichen und personellen Veranderungen im Handwerk, als auch der Bevolkerungsruckgang als solcher, hatten groBe Auswirkungen auf die Neugrundung von Dorfern und Stadten nach der ersten Pestwelle. Da sich der Besitz von vielen nun auf weniger Menschen verteilte, hatte dies in der Landwirtschaft zur Folge, dass die Bauern nun mehr Land und mehr Nutztiere zur Verfugung hatten, die sie allerdings nicht bewirtschaften konnten. Fur die Reichen bedeutete das noch mehr Reichtum, was wiederum zu einer immer grower werdenden Kluft zwischen Arm und Reich fuhrte. Die wirtschaftlichen Veranderungen hatten weiterhin Bauern- und Zunftaufstande zur Folge. AuBerdem hatten die Preisentwicklungen fur Agrar- und Gewerbeprodukte zur Folge, dass sich zwischen ihnen eine groBe Preisschere - zugunsten der Gewerbeprodukte - entwickelte.

Auch in der sozialen Ordnung zeigten sich besorgniserregende, durch die Pest hervorgerufene, Veranderungen. Um sich von der Krise abzulenken, verfielen viele Menschen in ein unzuchtiges Leben voll Uberfluss. Der Besuch von Bordellen und die Teilnahme an Glucksspielen fand reges Interesse, wurde jedoch besonders von Seiten der Kirche stark verurteilt. Andere wiederum zogen sich immer mehr aus dem Sozialleben zuruck und nahmen immer weniger ihre moralische Pflichten gegenuber ihren Mitmenschen war. Das Bedurfnis anderen zu helfen und in schweren Stunden beizustehen schwand und fuhrte zur Vereinsamung auf Seiten der Bedurftigen als auch der Unbedurftigen. Die Angst vor den Kranken und davor sich anzustecken, stieg immer mehr an und lieB die Solidaritat untereinander und fureinander schwinden. Dies lasst sich zum Einen durch politische MaBnahmen erklaren, die es Gesunden untersagten, Kranke zu besuchen. Das hat zwar dazu beigetragen, die Ansteckungen einzudammen, jedoch lieB es die Menschen auch zu einem gewissen Grad die Augen verschlieBen und verrohen. Auch waren zu bestimmten Zeiten der Pest groBere Versammlungen Oder Prozessionen verboten, was das Gemeinschaftsgefuhl und den sozialen Austausch der Menschen schwachte. Selbst Freundschaften zerbrachen unter der Last der herrschenden Epidemie. Weiterhin wurden Plunderungen und Okkupationen zu einem immer groBeren Problem dieser Zeit. Die Kriminalitatsrate stieg erheblich an und sogar Morde nahmen immer mehr zu. Man kann von einer Demoralisierung der Bevolkerung sprechen, welche sich auch noch auf andere Bereiche das alltaglichen (Zusammen-)Lebens legte. Besonders in Pestberichten finden sich immer wieder Schilderungen uber den Ruckgang von Mildtatigkeiten und den Untergang der allgemeinen Moral.

Die Hilflosigkeit der Medizin verschlimmerte die Situation im gesellschaftlich-sozialen Bereich. Leider fehlten den Medizinern zu der Zeit teilweise das Wissen, zu groBen Teilen aber auch die Mittel um wirklich etwas gegen die Pest ausrichten zu konnen. Zwar gab es primitive, seit alther bekannte Methoden, doch diese schienen der Pest nichts anzuhaben. Beispielsweise wurde eine Quarantine fur solche Leute eingefuhrt, die unter Krankheitsverdacht standen. In Mailand ist sogar die Rede davon, dass Pestkranke eingemauert wurden. Hospitaler Oder andere Krankeneinrichtungen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Zur Prevention wurden Duftstoffe, Steine Oder Talismane empfohlen. Ein besonderes Problem stellte dabei die Unkenntnis der Art der Krankheit dar. Haufig war nicht klar, um welche Form der Pest es sich handelte Oder ob es uberhaupt eine Form der Pest war. Oft war ein arztlicher Rat auch gar nicht moglich, weil die Arzte selbst die Flucht ergriffen hatten. Die Beseitigung der Toten stellte ein weiteres groBes Problem dar. Es war bekannt, dass auch sie noch immer die Ansteckungsgefahr bargen und so war es notig sie alsbald zu vergraben. Zu diesem Zweck wurden bald schon Massengraber ausgehoben und traditionelle Bestattungen fanden nur noch seiten und meistens ohne die Angehorigen statt. Stattdessen wurden so genannte Pestknechte eingesetzt. Damit einher gingen Verbote zum Tragen von schwarzer Trauerkleidung Oder der Ankundigung von Trauerfeiern um den Rest der Bevolkerung nicht noch weiter zu beunruhigen. Dies kann als Entwurzelung von (christlichen) Traditionen gesehen werden, die auch den christlichen Glauben in vielerlei Sicht in Frage stellten.

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Details

Titel
Die Pest als eine Krise des 14. Jahrhunderts
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V381371
ISBN (eBook)
9783668580121
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pest, krise, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Doreen Miersch (Autor), 2015, Die Pest als eine Krise des 14. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381371

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