Der Sprachwandel des Konjunktivs vom Althochdeutschen bis ins Neuhochdeutsche


Hausarbeit, 2017

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Entwicklung des Konjunktivs
2a. Vom Indogermanischen zum Althochdeutschen
2b. Mittelhochdeutsch
2c. Frühneuhochdeutsch
2d. Neuhochdeutsch

3. Formen des Konjunktivs
3a. Synthetischer Konjunktiv
3b. Analytischer Konjunktiv Funktionen des Konjunktivs im heutigen Deutsch

4a. Wunsch oder Aufforderung
4b. Irrealität und Potentialität
4c. Indirekte Rede

5.Empirische Untersuchung: Konjunktiv im Schweizerdeutschen Betrachtung des Modalverbs „wollen“

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit soll das Phänomen des Sprachwandels im deutschen Konjunktiv sein. Es soll eine umfassende Untersuchung der historischen Entwicklung sowie der Formen und des Gebrauchs dargelegt werden. Es ist offensichtlich, dass sich unsere Sprache kontinuierlich verändert, ohne dass die Sprechenden diesen Wandel bewusst wahrnehmen. Trotz dieser unbewussten Veränderungen sind es letztendlich die Menschen selbst, die diesen Wandel nachhaltig beeinflussen. Einzelne Personen bedienen sich an verschiedenen Variationen und Ausprägungen linguistischer Strukturen, welche wiederum von Anderen aufgegriffen werden. Daraus lässt sich leicht erkennen, dass das Phänomen des Sprachwandels ein interaktiver Prozess ist, der auf alle Bereiche der deutschen Sprache Auswirkungen hat; ob Phonologie, Syntax, Semantik oder Morphologie. Oftmals hat eines dieser Gebiete Einfluss auf ein anderes.

Um diese Veränderungen transparent zu machen ist es unerlässlich, alle der vier zentralen Epochen der deutschen Sprachgeschichte zu betrachten.

Diese wären:

1 Althochdeutsch (500-1050)

2 Mittelhochdeutsch (1050-1350)

3 Frühneuhochdeutsch (1350-1650)

4 Neuhochdeutsch (1650-heute) (Vgl. Jäckh 2011: 87)

Nachdem die Epochen betrachtet wurden, sollen die verschiedenen Formen sowie Anwendungsweisen des Konjunktivs näher analysiert werden.

Zum Schluss soll eine empirische Untersuchung zur Verwendung des Konjunktivs im Schweizerdeutschen anhand des Verbs „wollen“ durchgeführt werden. Hier soll Aufschluss darüber gegeben werden, ob sich Tendenzen einer bevorzugten Verwendung des Konjunktivs erkennen lassen.

2. Entwicklung des Konjunktivs

2a. Vom Indogermanischen zum Althochdeutschen

Eine spannende Entwicklung innerhalb des Modussystem des Deutschen ist, dass im Laufe der Zeit eine deutliche Abnahme des morphologisch markierten Modi zu verzeichnen ist. Während im Indogermanischen noch fünf am Verb markierte Modi zu finden waren (Indikativ, Injunktiv, Konjunktiv, Operativ und Imperativ (Vgl. Schrodt 1983: 18)), so blieben bereits bei der Herausbildung des Althochdeutschen nur noch 3 der ursprünglichen Formen bestehen: „Indikativ, Imperativ und Konjunktiv“. (Petrova 2008: 18) Berthold Delbrück[1] ( (✝ 1922) geht davon aus, dass der Konjunktiv im Indogermanischen den Willen, die Aufforderung oder eine futuristische Aussage ausdrückte, wohingegen der Operativ „den Wunsch des Sprechers oder eine gemilderte Behauptung zum Ausdruck brachte“.(Schrodt 1983: 24) Delbrücks Unterscheidung zwischen Konjunktiv und Operativ hat sich in indogermanischen Arbeiten weitgehend durchgesetzt.

Wie oben erwähnt, haben wir bereits im Indogermanischen eine Unterscheidung zwischen Indikativ und Konjunktiv. „Formale Komponenten, wie der Binde- oder Themavokal, die Personalendung und das Modalsuffix“ (Petrova 2008: 71) grenzen die Formen der beiden Modi deutlich voneinander ab, während die Stammform des Verbs eine gemeinsame Bildungsgrundlage darstellt. Dies führte dazu, dass sich bereits im Althochdeutschen finite Verbformen gegenüberstanden, die entweder vom Präsens- oder Präteritalstamm des entsprechenden Verbs abgeleitet waren; sowohl im Indikativ als auch im Konjunktiv. Schaut man sich die Verwendung des Konjunktivs Im Althochdeutschen an, dann ist zu sagen, dass er gebraucht wurde, um irreale Ereignisse des Zweifels, der Vermutung, der Unsicherheit oder des Wunsches auszudrücken. „Seine Verwendung wurde zum großen Teil von der Einstellung des Sprechers (Autors) zur Handlung bestimmt“ (Keller 1995: 300). Deshalb determinierte der Tempus des Hauptsatzes überwiegend die Konjunktivform im Nebensatz. Dies wird als sogenannter „ Consecutio Temporum “ (zu Deutsch: Zeitfolge, Zeitverhältnis) bezeichnet. Sprach man im Hauptsatz im Präsens, so folgte im Nebensatz auch der Konjunktivpräsens. Auf eine Imperfektform folgte demnach im Nebensatz der Konjunktiv Präteritum, auch wenn der Konjunktiv an sich keine temporale Rolle übernahm. Durch diese temporale Unterordnung des Konjunktivs wurde der Unterschied des Modus von Konjunktiv Präsens und Präteritum aufgehoben. Aus diesem Grund war ein detailliertes Formeninventar im Althochdeutschen notwendig.

Die althochdeutschen Verben wurden nach Jakob Grimm in zwei Klassen unterteilt, die Klassen der starken und der schwachen Verben. Charakteristisch für die Bildung der starken Verben war die Veränderung des Stammvokals (sog. Ablaut).

(1) n ë man – n a m – gin o m an/-en

Die schwachen Verben werden gebildet, indem man im Präteritum das Dentalsuffix –t an den Verbstamm anfügt.

(2) s uo chen –s uo hta - gis uo chi t

Bei den starken Verben sind zwei Präteritalstämme im Indikativ vorhanden (Singular und Plural). Der Pluralstamm stellt die Ableitungsbasis für den Konjunktiv II bereit. (Petrova 2008: 72) Der Themenvokal, sowie die Personalendung treten an den zugehörigen Präsens- oder Präteritalstamm. In beiden Konjunktivformen bei starken und schwachen Verben tritt zusätzlich im Konjunktiv I zu den Personalendungen das Modalsuffix –ē–und im Konjunktiv II das – i – auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Indikativ und Konjunktivparadigmen im Althochdeutschen (Petrova 2008:73)

Anhand dieser Tabelle ist wie oben bereits angedeutet zu erkennen, dass bei beiden Konjugationsformen eine klare Differenzierung zwischen Indikativ und Konjunktiv herrschte. Partielle Formenzusammenfälle lassen sich lediglich in der Stammgruppe I erkennen, und zwar in der ersten Person Plural starker und schwacher Verben.

2b. Mittelhochdeutsch

Während man im Althochdeutschen eher von einer Vielzahl von Dialekten gesprochen hat, so kommt im Mittelhochdeutschen erstmals die Generalisierung „Deutsch“ als Sprache auf. Besonders historische und wirtschaftliche Veränderungen innerhalb der Städte erforderten eine zentrale Stadtverwaltung und somit eine einheitliche Regelung der Sprache.

Vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen gab es keine Veränderung in den grammatischen Kategorien. Genau wie im Althochdeutschen besaß auch das Mittelhochdeutsche zwei synthetisch gebildete Zeiten: Das Präsens und das Präteritum. Eine beträchtliche Veränderung hingegen wurde im finiten Verbalbereich vollzogen. Der bisherige Bestand an finiten Formen im Indikativ und Konjunktiv erweiterte sich. Entstanden ist dieses Wachstum hauptsächlich durch das kontinuierliche Auftreten der analytischen Perfektbildungen, „den Zusammensetzungen von han/eigan oder sīn mit dem Partizip II des Hauptverbs“ (Petrova 2008: 74), sowie dem fortgeschrittenen Prozess der Endsilbenabschwächung. Mit dieser Abschwächung der Nebensilbenvokale, sowie deren Zusammenfall zum Reduktionsvokal im Infinitiv (siehe Tabelle 2), setzte die formale Annäherung von Indikativ und Konjunktiv im Verbalsystem des Deutschen ein. (Vgl. Petrova 2008: 74)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Indikativ und Konjunktivparadigmen im Mittelhochdeutschen (Petrova 2008:75)

Eine wichtige Beobachtung kann in der Tabelle in der Stammgruppe I gemacht werden. Man erkennt deutlich, dass die Modusunterscheidung bei den synthetisch gebildeten Formen am stärksten betroffen war. Die Abschwächung der früheren vollen Themavokale im Indikativ führte zum Zusammenfall mit dem Modalsuffix –e– im Konjunktiv I. Aus diesem Grund sind bei beiden Verbformen ohne Stammvokalwechsel im Singular des Indikativs nur die Personalendungen in der 3. Person Singular und Plural modusunterscheidend. Die schwachen Verben im Präteritum waren kaum vom oben genannten Formenzusammenfall betroffen, was neben unterschiedlicher Konjugation, dem Umlauten des Stammvokals bei den starken Verben zu Grunde lag. Erstmals in der Sprachgeschichte des Deutschen entstand im Mittelhochdeutschen aus starken Verben schwache Flexionen, welche in dieser Epoche noch nebeneinander bestanden, in den Folgejahren allerdings -zum Vorteil der schwachen Variante- wegfielen.

Was die Verwendung angeht, so wurde der Konjunktiv I benutzt, um erfüllbare Wünsche und Bitten auszudrücken (siehe auch: indogermanischer Optativ). Des Weiteren kam er in Gebrauch, wenn man Aufforderungen oder Befehle äußern wollte. Der Konjunktiv II wurde benutzt, um Irrealität oder Potentialität auszudrücken. Erstmalig im Mittelhochdeutschen bot sich die Möglichkeit, den Konjunktiv mit den modalen Hilfsverben „sollte“, „wollte“, „möchte“, zu umschreiben. Auch der „würde“-Konjunktiv hatte seine Anfänge im Mittelhochdeutschen, fand allerdings kaum Gebrauch.

2c. Frühneuhochdeutsch

Im Frühneuhochdeutschen setzte sich die Etablierung der deutschen Sprache nun endgültig durch. Eine über die Mundarten hinausgehende Schriftsprache entwickelt sich. Ein zentraler Grund dafür war der von Johannes Gutenberg erfundene Buchdruck (1450) und die damit verbundene Festigung des Schulwesens. Auch die Entstehung von überregionalen Handelsbeziehungen verlangen sowohl Schreib- als auch Lesefähigkeiten.

Wie bereits im Mittelhochdeutschen wurde der Konjunktiv im Frühneuhochdeutschen mit dem Stammvokal der Pluralform im Indikativ gebildet. Was den Formenbestand angeht, so wurde dieser durch das Aufkommen neuer analytischer Bildungen erweitert. Eine dieser Erweiterungen entsteht durch die Grammatikalisierung der Paraphrase werden + Infinitiv. Der sogenannte „Ersatzkonjunktiv“ etablierte sich ab dem 17. Jahrhundert maßgeblich. Außerdem finden formale Veränderungen statt, „die weitere Ausgleichsprozesse zwischen Indikativ und Konjunktiv im Bereich synthetischer Formen nach sich ziehen.“ (Petrova 2008 : 76) Im Bereich der schwachen Flexion entsprechen sich nun alle Formen des Indikativs mit dem Konjunktiv Präsens in der starken, sowie in der schwachen Flexion (ausgenommen der 3. Person Singular). Im Indikativ II und im Konjunktiv II hatte sich zum Mittelhochdeutschen nichts verändert. Der Indikativ und der Konjunktiv der schwachen Verben ließen sich nur noch geringfügig voneinander unterscheiden. Betrachtet man die Flexion der starken Verben, findet man allerdings keine Verschmelzungen.

[...]


[1] Deutscher Sprachwissenschaftler

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Sprachwandel des Konjunktivs vom Althochdeutschen bis ins Neuhochdeutsche
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V383039
ISBN (eBook)
9783668607903
ISBN (Buch)
9783668607910
Dateigröße
1243 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachwandel, konjunktivs, althochdeutschen, neuhochdeutsche
Arbeit zitieren
Kira Fetter (Autor), 2017, Der Sprachwandel des Konjunktivs vom Althochdeutschen bis ins Neuhochdeutsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383039

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