Treffen Gruppen in bestimmten Situationen klügere Entscheidungen als Einzelpersonen? Gibt es so etwas wie eine "Weisheit der Vielen"? Nachdem Francis Galton im Jahr 1907 festhielt, dass der durchschnittliche Schätzwert von rund 800 Personen bezüglich des Gewichts eines Ochsen erstaunlich nah am tatsächlichen Wert lag, fand die Idee einer Kollektiven Intelligenz immer mehr Verbreitung.
Der Ansatz des Social Tradings bringt das Konzept einer Weisheit der Vielen in den Wertpapierhandel. Über Online-Plattformen sollen Anlegern so bessere Investment-Entscheidungen und Veranlagungsresultate ermöglicht werden.
Erwin Hof untersucht in dieser Publikation die Beweggründe von Anlegern, Social-Trading-Angebote als Alternative zu klassischen Bank- und Fondsprodukten zu nutzen. Der Autor liefert so eine empirische Grundlage für Marketingstrategien und die Weiterentwicklung von Social-Trading-Plattformen.
Aus dem Inhalt:
- Social-Trading;
- Kollektive Intelligenz;
- Wertpapierhandel;
- FinTechs;
- Finanzindustrie
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.3 Vorgehensweise und Aufbau
2 Katalysatoren der Entwicklung
2.1 Social Web und Nutzungsverhalten
2.1.1 Definition
2.1.2 Anwendungsbeispiele
2.1.3 Nutzungsverhalten
2.1.4 Fazit
2.2 Banken- und Finanzkrise
2.2.1 Ausbruch der Finanzkrise
2.2.2 Gold als Angst- und Krisen-Barometer
2.2.3 Vertrauensproblem der Banken und ihrer Berater
2.2.4 Fazit
2.3 Niedrigzinspolitik der Notenbanken
2.3.1 Internationale Zinsentwicklung
2.3.2 Anlageverhalten der Privathaushalte in Österreich
2.3.3 Anlageverhalten der Privathaushalte in Deutschland
2.3.4 Fazit
3 Social Trading
3.1 Basiskonzept
3.1.1 Social Web und Online Communitys
3.1.2 Online Brokerage und Online Trading
3.1.3 Kollektive Intelligenz
3.2 Definition
3.3 Plattformen und Produkte im Vergleich
3.3.1 Grundlagen und Funktionalitäten
3.3.2 Ayondo
3.3.3 EToro
3.3.4 Wikifolio
3.3.5 Weitere Copy-Trading-Anbieter
3.3.6 Social Asset Management
3.4 Relevanz und Wahrnehmung
3.4.1 Markt und Marktpotenzial
3.4.2 Google Trends
3.4.3 Fazit
4 Grundlagen der Motivforschung
4.1 Motivtheorie
4.2 Grundmotive und Bedürfnisse
4.2.1 Leistungsmotiv
4.2.2 Bindungsmotiv
4.2.3 Machtmotiv
4.2.4 Komponenten der Grundmotive
4.2.5 Bedürfnispyramide nach Maslow
4.3 Motivmessung
4.3.1 Direkte Messung
4.3.2 Indirekte Messung
4.3.3 Gitter Technik
4.3.4 Explizite und implizite Motive
4.4 Nutzungsmotive im Social Web und Anlegerverhalten
4.4.1 Kollektive Intelligenz und Social Web
4.4.2 Anlegerverhalten
5 Zentrale Fragestellungen
6 Untersuchungsdesign
6.1 Forschungsmethode
6.2 Operationalisierung und Fragebogen
6.2.1 Operationalisierung
6.2.2 Fragebogen
6.2.3 Pretest
6.3 Datenerhebung
7 Empirische Ergebnisse der Untersuchung
7.1 Datenaufbereitung und -auswertung
7.2 Deskriptive Analyse
7.2.1 Soziodemographische Daten
7.2.2 Allgemeine Fragen zum Thema Geldanlage
7.2.3 Social Trading mit Schwerpunkt Copy Trading
7.3 Kritische Betrachtung
7.4 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit erforscht die Nutzungsmotive von Anlegern im Bereich Social Trading vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzkrise und der Niedrigzinspolitik. Das Ziel ist es, für Plattformbetreiber und Vertreter der Finanzindustrie Erkenntnisse zu gewinnen, um Geschäftsmodelle, Produkte sowie Kommunikationsstrategien besser an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen.
- Social Trading als neue Form der Geldanlage auf Basis Kollektiver Intelligenz
- Einfluss von Bankenkrise und Niedrigzinsumfeld auf das Anlegerverhalten
- Analyse psychologischer Nutzungsmotive (Leistung, Macht/Unabhängigkeit, Bindung)
- Vergleich verschiedener Social-Trading-Plattformen und deren Funktionalitäten
- Empirische Untersuchung mittels quantitativer Online-Befragung
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Unter dem Titel Vox populi veröffentlichte Francis Galton (1907: 450-451) einen Artikel über eine höchst bemerkenswerte Beobachtung, die er bei einer Viehmesse bei Plymouth machte. Im Rahmen eines Wettbewerbs sollte vor Ort das Gewicht eines bestimmten Ochsen nach seiner Schlachtung geschätzt werden. Für sechs Pence konnte jeder der Anwesenden, unabhängig davon, ob Experte oder Laie, einen Tipp abgeben. Als Anreiz wurden für die genauesten Schätzungen Preise ausgelobt. Nach Auswertung der rund 800 Tipps stellte Galton fest, dass der durchschnittliche Schätzwert nur um einen Pfund vom tatsächlichen Gewicht des geschlachteten Ochsen abwich. Galton stufte das Ergebnis als ein positives Beispiel für die Zuverlässigkeit „demokratischen“ Urteilsvermögens.
Im Jahr 2007, genau 100 Jahre nach Erscheinen von Galtons Artikel, wird der Social-Trading-Anbieter namens eToro gegründet (eToro 2017a). Die Geschäftsidee basiert auf dem Konzept der Kollektiven Intelligenz und soll Anlegern via Online-Plattform bessere Investment-Entscheidungen und Veranlagungsresultate ermöglichen. Kurz zuvor hatte James Surowiecki (2005) mit seinem populärwissenschaftlichen Werk „Die Weisheit der Vielen“ die Idee hinter der Kollektiven Intelligenz einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Kern besteht diese darin, dass Gruppen unter bestimmten Bedingungen klügere Entscheidungen treffen bzw. genauere Schätzungen abgeben als Einzelne.
Nur kurze Zeit später kam es zum Ausbruch der Finanzkrise, die zwei markante Entwicklungen zur Folge hatte: Erstens sahen sich Banken in der Öffentlichkeit vermehrt Kritik ausgesetzt. Enttäuschte Privatanleger vertrauen immer seltener Bankberatern und den von ihnen empfohlenen Produkten. Zweitens wurde die Ära der Niedrigzinspolitik durch die Notenbanken eingeläutet, die bis heute Bestand hat. Für Anleger ist es schwieriger geworden, Investments zu finden, die nach Abzug von Inflation und Steuern eine positive Rendite erwirtschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Social Trading ein, beschreibt dessen theoretischen Hintergrund der Kollektiven Intelligenz und erläutert die Relevanz der Untersuchung vor dem Hintergrund der Finanzkrise und Niedrigzinspolitik.
2 Katalysatoren der Entwicklung: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle des Internets als Informationsquelle, die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Vertrauen der Anleger und die Folgen der Niedrigzinspolitik auf die Anlagestrategien.
3 Social Trading: Hier wird das Basiskonzept des Social Tradings inklusive der Funktionsweise von Online-Plattformen und ausgewählter Anbieter wie Ayondo, eToro und Wikifolio im Detail analysiert.
4 Grundlagen der Motivforschung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis zu Motivtheorien, Grundmotiven wie Leistung, Bindung und Macht sowie Methoden der Motivmessung.
5 Zentrale Fragestellungen: Hier werden die Forschungsfragen definiert, welche die zentralen Motive von Social-Trading-Nutzern im Vergleich zu Nicht-Nutzern untersuchen sollen.
6 Untersuchungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der empirischen Studie, inklusive der Operationalisierung der Fragen, der Durchführung des Pretests und der Datenerhebung.
7 Empirische Ergebnisse der Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der quantitativen Online-Befragung, analysiert die soziodemografischen Daten und wertet die Nutzungsmotive der verschiedenen Zielgruppen aus.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, gibt Handlungsempfehlungen für Plattformbetreiber und skizziert Möglichkeiten für zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Social Trading, Kollektive Intelligenz, Motivforschung, FinTech, Anlegerverhalten, Online-Plattformen, Copy Trading, Rendite, Bankenkrise, Niedrigzinspolitik, Motivation, Wertpapieranlage, Online-Brokerage, Investitionsentscheidung, Zielgruppenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erforscht das Phänomen des Social Trading als neue Form der Geldanlage, die auf dem Prinzip der Kollektiven Intelligenz beruht, und analysiert die zugrundeliegenden Nutzungsmotive von Privatanlegern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die technologischen Entwicklungen im Social Web, die Auswirkungen der Banken- und Finanzkrise auf das Vertrauensverhältnis zu Finanzinstituten, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken sowie psychologische Aspekte der Motivforschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die relevanten Motive von Nutzern von Social-Trading-Plattformen aufzuzeigen, um Plattformbetreibern wertvolle Ansätze für die Produktentwicklung und Marketingstrategien zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein quantitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem eine Online-Befragung durchgeführt wurde, um Daten über die Nutzungsmotive von aktiven Social Tradern und Anlage-affinen Personen zu erheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Grundlagen des Social Trading und der Motivationspsychologie sowie einen empirischen Teil, der die Ergebnisse der Nutzerbefragung darstellt und interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Social Trading, Kollektive Intelligenz, Motivforschung, FinTech, Anlegerverhalten und Rendite.
Wie unterscheidet sich die Motivation von Tradern und Anlegern im Social Trading?
Die Analyse zeigt, dass Anleger stärker durch das Leistungsmotiv (Rendite) getrieben sind, während Trader einen höheren Wert auf Unabhängigkeit und den Handlungsspielraum bei der Portfolioverwaltung legen.
Welche Bedeutung hat der soziale Aspekt („Bindung“) im Social Trading?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Bindungsmotiv im Vergleich zu den Motiven Leistung und Unabhängigkeit eine untergeordnete Rolle spielt und weniger stark zur Nutzung von Social-Trading-Angeboten motiviert.
- Arbeit zitieren
- MSc Erwin Hof (Autor:in), 2018, Social Trading. Nutzungsmotive aus Sicht des Privatanlegers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383730