"Das Buch der Beispiele der alten Weisen" von Anton von Pforr. Historische Hintergründe und die Verbindung zu der "Warnfabel" von Eberhard im Bart


Akademische Arbeit, 2017
93 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Einleitung

1. Aufforderung zu Freundschaft und Bündnis

2. Eine Welt voller Betrug, Gewalt und Tod

3. Vize-Herrscher und Rat im Buch der Beispiele

4. Vize-Herrscher und Rat im historischen Württemberg-Urach

5. Das Buch der Beispiele und die Moderne

6. Spuren einer Hof-Intrige in der historischen Realität

7. Die Vorrede des Anton von Pforr

8. Das Directorium Vitae Humanae und seine Übersetzung durch Anton von Pforr

9. Fiktionalität im BdB und höfische Realität

10. Mögliches Szenarium der Hof-Intrige nach Pforr

11. Der literarisch denunzierte 'üble Vetter'

12. Zum Bildprogramm der Handschrift Cod. Pal. Germ. 466

13. Tugendhafter Adel und Gewalttäter

14. Indisches Buch und württembergische Identität

15. Zur Bildüberlieferung der BdB-Handschriften und Drucke

16. Spätere Rezipienten und adlige Öffentlichkeit

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Die vorliegende Studie steht in einer Reihe mit ähnlichen bereits erfolgten Untersuchungen, die sich auf die Zeit Maximilians I. (1459-1519) beziehen. Texte aus dem Lager des habsburgischen Adels wurden hier behandelt, die 'Klage' der Kaisertochter Margarete von Österreich etwa (ca. 1517 in französischer Sprache), als auch die modifizierte 'Frauenehre' des Stricker, mit der das von Maximilian I. in Auftrag gegebene 'Ambraser Heldenbuch' (1504-1516) beginnt. Ebenso Texte aus dem Lager der Gegner der Habsburger. So die satirische Gegen-Dichtung vom 'Guoten Gerhart' (ca. 1484), die der Freiherr Johann Werner von Zimmern von seinem Schreiber Gabriel Sattler als Papier Handschrift anfertigen lässt oder aber die Übertragung eines ähnlich gelagerten französischen Textes in die deutsche Sprache, die der Landvogt von Mömpelgard, Marquard vom Stein, als 'Ritter vom Turn' 1493 in Basel zum Druck gibt. Gemeinsames Merkmal all dieser Texte ist es, dass man von einem akuten Anlass, der ihre Herstellung bedingte, ebenso ausgehen darf wie von einer Funktion, die ihnen von den Autoren/Auftraggebern zu gedacht war. Dies heraus zu arbeiten war auch Aufgabe der hier präsentierten Studie vom 'Buch der Beispiele der alten Weisen'. Insgesamt kann so ein beträchtlicher Teil des volkssprachlichen literarischen Diskurses der Zeit verständlich werden, den der Adel führt, um unterschiedliche politisch-gesellschaftliche Vorstellungen zu kommunizieren. Die Arbeit ist unabhängig von institutioneller Anbindung entstanden und wurde ohne die Unterstützung seitens privater oder öffentlicher Förderung geleistet.

Einleitung

Das Interesse Eberhards V. von Württemberg, genannt im Bart (1445-1496), am Buch der Beispiele der alten Weisen, scheint nicht nur durch eine Reihe von Handschriften und Drucken belegt, in denen sein Name als Akrostichon auftaucht1, ebenso sein Wahlspruch ATTEMPTO, sowie sein Wappen, weshalb Friedmar Geißler die Entstehung der Handschrift A auf die Zeit zwischen 1468-1474 datiert, die älteste Handschrift C, die zwar keinen Wappenschmuck zeigt, mit 151 Federzeichnungen auf die Jahre um 1470.2 Da neben dem Akrostichon mit Eberhards Name3, auch ein Akrostichon mit seiner Devise ATTEMPTO auftaucht, sowie ein drittes Akrostichon mit dem Namen Antons von Pforr, scheint Anton von Pforr als Übersetzer des Buch der Beispiele der alten Weisen gesichert.4 Da auch der Theologe Sumenhart in seiner Grabrede auf Eberhard behauptet, Anton von Pforr habe das BdB auf Betreiben Eberhards übersetzt5, scheint Eberhards Interesse und Engagement im Zusammenhang mit dem BdB doch recht offenkundig.6 Zumal Eberhard im Barte im Jahre 1480/81 von seinem Drucker Konrad Fyner in Urach einen sehr schönen mit 128 Holzschnitten illustrierten Druck herstellen lässt, den er sich „zweifellos etwas kosten lassen habe“. Die Sonderstellung, die das Werk im Fynerschen Druckprogramm einnehme, lasse sich kaum anders als mit Eberhards Initiative erklären.7 Kann also sowohl für die Übersetzung des BdB und die Herstellung der ersten Handschriften zwischen 1468-1474, sowie der Druckauflagen 1480/81 und 1481/828 ein lebhaftes Interesse des württembergischen Grafen angenommen werden, so stellt sich doch die Frage; worin dieses vitale Interesse des Fürsten am Buch der Beispiele der alten Weisen bestanden haben mag.

Frank Piontek geht in seiner Untersuchung des BdB von dem zweifellos fruchtbaren Ansatz aus; dass die hier befindlichen Stoffe und Motive zwar als Topoi eine allgemeine Verbreitung gefunden haben, es aber darauf ankomme die Funktion dieser Topoi im „neuen“ Text gegenüber der Tradition heraus zu arbeiten9, deren „akute Wahrheit“, die einen bestimmten Hörer zu einem bestimmten Zeitpunkt unmittelbar treffen, im einzelnen, konkreten Fall unmittelbar wirken sollte.10 Albrecht Classen wiederum kommt bei seiner Würdigung des von Anton von Pforr übersetzten BdB ohne Bezug auf eine solche konkrete historische Realität aus, da er das Werk zum vielleicht faszinierendsten Beispiel für die literarischen Beziehungen zwischen Ost und West erklärt11, durch das fundamentale Lektionen universaler Werte jenseits von religiösen, sprachlichen, sozialen und generationellen Differenzen vermittelt werden. Das Werk als außerordentlich eindrucksvolles Beispiel also einer literarischen und kulturellen Brücke, die Ost und West verbindet und beide Seiten als Teil der gleichen universalen humanen Familie zusammenbringt.12 Die sozialhistorisch ausgerichtete Untersuchung von Frank Piontek wird von Sabine Obermaier als erste Monographie zum BdB gewürdigt, die anhand von dem BdB entnommenen Leitbegriffen wie Weisheit, Rat und Freundschaft (implizit auch Herrschaft), zu ermitteln versucht, welche konkreten aktuellen Bezüge Übersetzer wie Rezipienten beim Übersetzen, bzw. beim Lesen des Buches, wahrscheinlich hergestellt haben. Dies sei unter den Aspekten Herrschaft, Freundschaft und Weisheit auch ursprünglich ihr Plan für die Untersuchung des BdB gewesen.13 Da es jedoch an unmittelbaren Rezeptionszeugnissen fehle14, sieht S. Obermaier allenfalls in einer Untersuchung des Textes selbst eine Möglichkeit das BdB in seiner Exemplarität als auch in seiner Spezifik genauer zu erfassen, was sie dann durch eine Analyse der intertextuellen und intratextuellen Bezüge des BdB angeht.15 Die Ergebnisse der Untersuchung Pionteks wie Obermaiers scheinen sich weitgehend zu decken. Sieht Piontek im BdB einen theoretischen Konsens, das „Einüben in Flexibilität“ bestätigt, den Walter Haug bereits als Lehrzweck des Pancatantra festgestellt habe und der die Charakterisierung des BdB besser treffe als die eines reinen Fürstenspiegels, der über eine zusammenhängende, widerspruchslose Ideenwelt verfügt16, so sieht S. Obermaier mit der Mehrstimmigkeit und Mehrsinnigkeit der BdB-Erzählungen ein Charakteristikum der Rahmenerzählung gegeben, das zu einer Relativierung von Moral führe.17 Fällt das Stichwort 'Machiavelli', so liegt es nahe die Figur des verschlagenen Betrügers und Intriganten im BdB mit den Ausführungen Machiavellis im Il Principe zu vergleichen18 und das BdB so in kulturwissenschaftlicher Perspektive als Artefakt zu begreifen das epistemologisch auf die kommende Moderne verweist. Ein Werk, das einerseits das Unbehagen der Rezipienten mit überholten Tugend- und Idealvorstellungen dokumentieren und andererseits auf deren Interesse an einer realistischeren Realitätsdarstellung und entsprechend kreativer literarischer Bewältigungsversuche verweisen könnte.19

Die Vermutung allerdings, das BdB gewinne durch seine Konzeption als zyklische Rahmenerzählung ein literarisches Programm und eine im Grunde amoralische Ethik20, die als solche auch von Übersetzer, Auftraggeber und Rezipienten so verstanden werden konnte, könnte ebenso täuschen, wie die Annahme ein unmittelbarer Verwendungszweck, ein festzumachender Anlass für die Übersetzung des BdB müsse im Dunkeln bleiben.21 Ob mit der Übersetzung des BdB also ein Werk vorliegt das sich weitgehend durch moralische Indifferenz auszeichnet und nur eine im modernen Sinne pragmatisch-praktische Weisheit lehren will22, soll hier erneut, insbesondere mittels der Einbeziehung der verfügbaren Kenntnisse über die historisch-gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit in der die Übersetzung des BdB stattfand, überprüft werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich damit auch die Frage nach den „ganz konkreten Leseinteressen“ der Primärrezipienten23 des BdB klären lassen kann, von denen S. Obermaier annimmt, dass sie sich mangels einschlägiger Dokumente kaum mehr werden klären lassen.24 Die folgenden Überlegungen versuchen daher in diesem Sinne, den von Sabine Obermaier und Frank Piontek konstatierten raren Interpretationen des BdB25, einige erhellende Gedanken hinzu zu fügen. Die Überlegungen gehen dabei von der Grundannahme aus, dass die Herstellung aufwendig realisierter Handschriften und Drucke im Mittelalter, die auf ein weltliches Adelspublikum zielen, in der Regel immer auch mit bestimmten Absichten und Motiven verknüpft sind und auf Wirkung in einem konkreten politisch-gesellschaftlichen Umfeld zielen, was sich jedoch unter Einsatz einiger historischer Kenntnisse als auch Phantasie26 rekonstruieren lässt. Die Überlegungen basieren also nicht auf der Skepsis eines postmodernen Konstruktivismus27, dem Wahrheit, mit Nietzsche, zu einem beweglichen „Heer von Metaphern, Metonymien, Anthromorphismen“ wird, zu „Illusionen, von denen man vergessen hatte, daß sie welche sind.“28, Die Rekonstruktion der historischen Wirklichkeit wird hier also grundsätzlich mit W. Paravicini u.a. für möglich gehalten29, und gerade in literarischen Texten des Mittelalters darf, wenn auch zumeist verschlüsselt, eine Fülle von Hinweisen zu dieser historischen Realität vermutet werden, die allerdings der Decodierung bedarf.

1. Aufforderung zu Freundschaft und Bündnis

Als eine solche 'akute Wahrheit' im historischen Kontext, die den Hörern und Eberhard im Barte als interessierende Botschaft des BdB gegeben wurde, kann sich Piontek das Bündnis von Maus und Rabe im BdB vorstellen, das bei aller f ü rsichtigkeit, die als Tugend ansonsten im BdB beschworen wird, die Möglichkeit einer Freundschaft auch zwischen Ungleichen und feindlich gegeneinander eingestellten Protagonisten einräume. Sei eine solche historische Konstellation doch in der Biographie Eberhards im Bart gegeben30 und zwar im Gegensatz der württembergischen Außenpolitik zu Erzherzog Sigmund von Tirol zwischen 1470-1480, aufgrund verschiedener Interessenkonflikte.31 Dieser Kampf mit Sigmund münde jedoch schließlich im Frühjahr 1481 in eine Einung. Aus alten Gegnern, deren Feindschaft durch verschiedene Händel fast institutionalisiert worden war, seien so politische Freunde geworden, die sich gegenseitig Frieden und Beistand garantierten, wenn ein Dritter einen der Partner angreifen sollte.32

Ähnlich formuliert der Rabe die Grundlage des gemeinsamen Bündnisses mit der Maus:

Zu trewer geselschaft gehort, das einer sey ein getrewer geselle seins gesellenn vnd feindt seins gesellen feind 33 (BdB, 72, 44)34

Piontek wagt daher die These: Anton von Pforr, dem wie allen aufmerksamen Zeitgenossen der Konflikt bzw. die Reihe von Streitigkeiten zwischen Württemberg und Habsburg bekannt gewesen sei, habe im Directorium humanae vitae die Analogie der Problematik von Feindschaft, Bündnis und Freundschaft entdeckt und daher das Werk am Uracher Hof bekannt machen wollen: „als Zeugnis für den vernünftigen Umgang mit Gegnern, die keine Gegener sein müssen.“

Als 1480/81 der erste Druck des BdB erschien, seien die ehemaligen Gegner gerade damit beschäftigt gewesen den Friedensvertrag abzuschließen. Wer zwischen 1474 und 1481 das BdB las, habe mit Fug und Recht, schon wegen der Nähe und Offenheit der Ereignisse, an die Auseinandersetzung zwischen Eberhard im Barte und Sigmund von Tirol denken müssen, um die fabelhafte, aber ganz und gar nicht naive Handlung mit einer Interpretation zu versehen, die weniger das allgemeingültige Moment als den realistischen Kern erschloss. 35

Ob es sich allerdings beim BdB um ein Werk handelt das auf die Konflikte zwischen Sigmund von Tirol und Eberhard im Barte zielt und die Möglichkeit eines freundschaftlichen Verhältnisses zwischen beiden propagieren will, scheint jedoch angesichts der Gesamtsituation im Südwesten des Reiches und dem geringen Konfliktpotential der Streitgegenstände eher vergleichsweise unwahrscheinlich. Zumal es auch einen kontinuierlichen und reibungslosen Wechsel von Rittern im Dienstverhältnis der württembergischen Höfe und des Tiroler Hofes gibt, etwa Georg von Ehingen, Werner von Zimmern, Georg von Absberg, der eher auf ein grundlegend positives Verhältnis zwischen diesen Höfen schließen lässt. Der Anstoß zur Herstellung aufwendiger Handschriften dürfte, so steht zu vermuten, Konflikten mit gravierenderen politischen Piontek, 1997, S. 180.

Auswirkungen für die württembergischen Herrschaften zu verdanken sein.

So lehnt sich etwa Sigmund von Tirol 1468 an den Burgunder Herzog Karl den Kühnen an, um sich gegen die Schweizer Eidgenosse, die ihm 1460 den Thurgau entrissen und 1468 im Waldshuterkrieg ebenfalls Gebiete erobert hatten, zu behaupten. Für die Hilfe des Burgunder Herzogs, die es Sigmund ermöglicht gegen 10.000 Gulden die von den Schweizern eroberten Gebiete zurück zu erhalten, verpfändet Sigmund den Sundgau und den Breisgau an Karl den Kühnen. Wundersamerweise jedoch begraben die beiden Erzfeinde, der Habsburger Sigmund und die Schweizer Eidgenossen,am 12. Oktober 1474 ihre seit 1291 währende, praktisch schon institutionalisierte Feindschaft36, die auch die Stammburg der Habsburger in den Herrschaftsbereich der Eidgenossenschaft gebracht hatte. In dem (später als Ewige Richtung bezeichneten) Vertrag garantieren sich beide Seiten einander den territorialen Besitzstand wie er sich 1474 darstellt und die Eidgenossen verpflichten sich zudem alle Archivalien, die sich auf die früheren österreichischen Besitzungen der Habsburger in der Schweiz beziehen, dem Haus Österreich zurück zu geben. Auch dieser Umschwung, der aus scheinbar schon natürlichen Feinden (wie Maus und Rabe im BdB) Verbündete und Freunde macht, die sich gegenseitig beistehen, ist jedoch nicht den Belehrungen durch ein weises Buch geschuldet, sondern durch die realpolitischen Entwicklungen bedingt. Der auf Expansion seines Reiches bedachte Karl der Kühne, der sich noch unter großer Prachtentfaltung im Oktober 1473 mit Kaiser Friedrich III. in Trier getroffen hatte, um erneut über seinen Wunsch eines eigenständigen Königreiches zwischen dem deutschen und dem französischen Territorium zu verhandeln37, war durch die Pfandgebiete Sigmunds in die Nähe der Eidgenossen gerückt. Die rüde und gewalttätige Herrschaft seines Statthalters Peter von Hagenbach in diesen Gebieten führte im April 1474 zu offener Empörung gegen diesen „Wüterich“. Hagenbach wird am 10. April in Breisach gefangen genommen und nach einem förmlichen Prozess dort am 9. Mai 1474 hingerichtet. Noch vor Ostern hatte Sigmund von Tirol dem Herzog von Burgund durch einen Herold die Lösung der Pfandgebiete ansagen lassen, unter Hinterlegung des Pfandschillings in Basel. Dies wird ihm jedoch von Karl dem Kühnen, der sich dauerhaft am Oberrhein etablieren will, verweigert.38 Muss Sigmund von Tirol also 1474 den endgültigen Verlust seiner verpfändeten Gebiete am Oberrhein befürchten, so sehen die Eidgenossen in dem aggressiv auftretenden Herzog von Burgund offenbar das größere Übel und die größere Bedrohung für das eigene Gemeinwesen, ändern ihre bis dahin proburgundische Politik und schließen auf Anregung des französischen Königs, Ludwig XI., ein Bündnis mit Sigmund von Tirol.39 Am 13. November 1474 kommt es zur Schlacht der Eidgenossen, der verbündeten Städte40 und Sigmunds von Tirol gegen ein Heer der Burgunder bei Héricourt, in dem die Verbündeten siegen.

Die Gefangennahme von Graf Heinrich von Württemberg Mitte April 1474 bei Metz, mit der Karl der Kühne die Öffnung der Stadt Mömpelgard erzwingen will, veranlasste die württembergischen Grafen Ulrich mit Sohn Eberhard d.J. sowie Eberhard im Barte,

Mömpelgard der Einung der schweizerischen Eidgenossen zur Verfügung zu stellen und machten das dortige Schloss zu einem offenen Haus der Kantone Zürich und Bern.41 Deckt sich die vermutete Zeit der Übersetzung und Herstellung der Handschriften des BdB, 1468-1474, mit der Zeit der Pfandschaft Sigmunds an den Burgunder Herzog und dem Abschluss des Bündnisses mit den Eidgenossen, so könnte man vielleicht mit sogar mehr „Fug und Recht“ davon ausgehen, dass die Geschichte von den natürlichen Feinden (Maus und Rabe - Eidgenossen und Habsburger Fürst) die Freunde werden, angesichts der gewalttätigen burgundischen Statthalterschaft Peters von Hagenbach in unmittelbarer Nachbarschaft der Württemberger Grafen, Sigmund von Tirol darauf aufmerksam machen sollte, dass ein Ende der Feindschaft mit den Schweizern der Bedrohung durch den Burgunder Herzog entgegen wirken könnte. Zumal Herzog Sigmund erst im September 1461, angesichts der kriegerischen Entwicklungen zwischen der kaiserlichen Koalition und der antikaiserlichen Koalition offen ins antikaiserliche Lager gewechselt war.42 Auch dies wohl wegen der Befürchtung, die Werbung Kaiser Friedrichs III. um die Waffenhilfe der Schweizer könne auf Zusagen dessen an die Schweizer gehen, die dann auf Kosten Sigmunds erfolgen würden.43 Ein Bündnis der Erzfeinde Sigmund von Tirol und der Schweizer gegen den Burgunder Herzog kann nach den empfindlichen Niederlagen des kaiserlichen Lagers44 von 1462 zu einer entscheidenden Schwächung des antikaiserlichen Lagers führen. Denn der siegreiche Kurfürst Friedrich von der Pfalz ist seit 1465 auch mit dem Burgunder Herzog verbündet.45 Diesen sucht Friedrich von der Pfalz im Februar 1467 in Begleitung von 170 Leuten, bzw. Pferden, auch persönlich in den Niederlanden auf.46 Ein Zusammengehen von Sigmund mit den Schweizern entzieht zum einen diesen dem antikaiserlichen Lager als Bündnispartner und führt über die Schwächung des Burgunder Herzogs auch zu einer Schwächung der Position des wittelsbachisch-antikaiserlichen Lagers insgesamt.

Im Fall des Kampfes um das Amt des Erzbischofs von Köln führt dies dazu, dass der Bruder des Pfalzgrafen Friedrich, Erzbischof Ruprecht, sich nicht durchsetzen kann. Ruprecht wird zwar militärisch vom Bündnispartner des Pfalzgrafen Friedrich, Karl dem Kühnen, durch die Belagerung der Festung des Gegenkandidaten, Erzbischof Hermann Landgraf von Hessen, Neuss, unterstützt, jedoch kann die Belagerung den Landgrafen von Hessen nicht zur Aufgabe seiner Ansprüche auf das Amt des Erzbischofs von Köln bewegen. Kaiser Friedrich III. organisiert ein Reichsheer, dem auch Ulrich und Eberhard im Barte von Württemberg angehören und zwingt den Burgunder Herzog die einjährige Belagerung von Neuss aufzuheben, sich zurück zu ziehen und am 17. Juni 1475 einen Waffenstillstand mit dem Kaiser abzuschließen.47

Wenn also die Erzählung von Maus und Rabe im BdB als Aufforderung verstanden werden kann, mit einem Erzfeind Frieden, Freundschaft und Bündnis zu schließen, wäre diese Aufforderung zu umwälzender Bündniskonstellation mit gesamteuropäischen Auswirkungen in Bezug auf Sigmund von Tirol und die Eidgenossen wohl eher ein Übersetzungs-Projekt und die Herstellung kostbarer Handschriften wert, als die vergleichbar zweitrangigen Konflikte zwischen Eberhard im Barte und Sigmund von Tirol. Zumal der „Kampf um die Herrschaft Hohenberg“48, Mechthilds Witwensitz, der ihr auf Lebenszeit zugesichert war49, offenbar eine Initiative von Eberhards Mutter war50 und nicht von Eberhard forciert wurde.51 Eberhard fügt sich denn auch dem Spruch des angerufenen Kammergerichts, in dem Kaiser Friedrich III. zu Wiener Neustadt persönlich als Richter fungiert52 und lässt Mechthild im Juni 1481 ausdrücklich die Eberhard im Barte wegen Oberhohenberg gegebene Verschreibung widerrufen.53 Ebenso ist Eberhard im Barte rasch bereit den Konflikt um den Mägdeberg, in dessen Besitz sich Sigmund von Tirol Anfang Januar 1480 gebracht hatte, durch einen Vergleich friedlich bei zu legen, obwohl es sich hier um eine alte württembergische Position im Hegau handelt.54 In einem Vertrag, den Markgraf Albrecht von Brandenburg am 29. Januar 1481 vermittelt, erhält Eberhard von Sigmund 15.000 fl. für die Abtretung des Mägdebergs unter dem Namen eines Dienstgeldes. Wie bereits am 3. März 1471 (vierjährig), am 17. Januar 1476 (vierjährig), schließt Eberhard hier mit Sigmund eine Einung zu wechselseitiger Hilfe auf fünf Jahre.55 Das Interesse an Einung und Bündnis war bei existierenden Interessenkonflikten auch im Zeitraum zwischen 1470 und 1480 bei Eberhard und Sigmund offenbar so dominant, dass es nicht unbedingt einer literarischen Aufforderung zu Bündnis und gegenseitiger Hilfe mittels einer aufwendigen Handschrift bedurft hätte.56

Zu vermuten steht, dass etwas anderes im BdB vor allem Eberhards ursprüngliches Interesse weckte, weshalb er es vollständig von Anton von Pforr übersetzen und als aufwendige Handschrift realisieren ließ.

2. Eine Welt voller Betrug, Gewalt und Tod

Auffallend ist die bedrückende gesellschaftliche Atmosphäre, die das BdB präsentiert. Überall lauern Gefahr, Hinterhalt, Gewalt, Vernichtung und Tod.

Dies insbesondere in der umfangreichsten Erzählung des Bdb, der Geschichte von Kellila und Dymna (Von dem Löwen und dem Ochsen). Die Bedeutung, die dieser Erzählung des indischen Pa ň catantra zugemessen wird, geht auch dadurch hervor, dass sie vielen europäischen Versionen den Titel gibt. Die meisten westlichen Pa ň catantra Bearbeitungen sind unter dem Titel Kalila und Dimna bekannt.57 Die Intrige des Höflings Dymna führt hier erfolgreich dazu, dass der Herrscher Leo seinen Obersten Rat und Vizekönig (den Ochsen), den er liebt, schätzt und mit dem er alle seine vertraulichen Angelegenheiten teilt, umbringt.58 Ebenso wird in Kapitel 5 des BdB, das von den Erzfeinden handelt, den Raben und den Aaren, das stärkere Geschlecht der Aare mittels Verstellung und Betrug von den Raben erfolgreich vernichtet. Betrug, Hinterhalt und Tod sind bis zum Ende des BdB ständig gegenwärtig. Im 16. Kapitel 'Von den Vögeln' wird Mosam des reichen Territoriums eines Geschlechts teilhaftig, das in ihm ihren Freund zu sehen glaubt. Vor allem die Ehefrau Holgods' hat durch eine List dafür gesorgt, dass ihr Liebhaber Mosam sich in der Nähe ihres Geschlechts befinden kann. Als Mosam befürchtet, die allgemeine Einkommensentwicklung könnte sich verschlechtern und er könne seiner angenehmen Stellung verlustig gehen, beschließt er sowohl Holgod als auch dessen Weib, das ihm blind vertraut, zu töten, um seine Lebensweise ohne Einschränkungen beibehalten zu können. Stiftet Mosam zuerst erfolgreich Holgods' Weib zum Gattenmord an, so nutzt er dann deren Arglosigkeit, und ködert das „unkeusche alte Weib“59 mit dem Versprechen, ihr einen neuen jungen Ehemann ihres sozialen Ranges zu verschaffen und bringt sie durch einen Hinterhalt ebenfalls zu Tode.

Nicht nur in den jeweiligen Titelgeschichten der Kapitel, auch in zahlreichen

Binnenerzählungen sind Betrug, Hinterhalt und Tod eines Protagonisten jeweils präsent. So in Kapitel 2 , 'Von dem Löwen und dem Ochsen', die Binnenerzählung von Vogel und Krebsen. Statt die Krebse wie versprochen zu einem schönen sicheren See zu tragen, trägt der Vogel sie auf einen hohen Berg und frisst sie dort (BdB, 27,43). Das einfältige Kamel, das von Wolf, Rabe und Fuchs am Hof des Löwen-Königs getäuscht wird und glaubt es müsse sich wie diese höfisch verhalten und dem König sein Leben anbieten, wird von diesen getötet (BdB, 40,1). Der Schlangen tötende Ichneumon (thyre gleich

einem h ů nd), der dem Vogel Hilfe gegen die Schlange verspricht, die immer seine Jungen frisst, tötet zwar die Schlange, frisst jedoch bei dieser Gelegenheit gleich auch den in der Nachbarschaft wohnenden Vogel und seine Jungen (BdB, 46,18). Ebenso nutzt der Fuchs in Kap. 4 die Eitelkeit des Hahns, um ihn zu täuschen und zu fressen (BdB, 72,16), wie auch der Fuchs im letzten Kapitel des BdB die Eitelkeit des Sperlings nutzt, um ihm zu schmeicheln, ihn zu täuschen und ihn frisst (BdB, 162,7). Ebenso auch der scheinbar fromme Einsiedler im 5. Kapitel, ein mew ß hund, der von Vogel und Hase als Richter in einem Streit angerufen wird, beide täuscht und frisst (BdB, 88,33) und der einfältige Esel im 6. Kap., der sich zweimal vom Fuchs betrügen lässt und dem Löwen schließlich zum Opfer fällt (BdB, 106, 6). Wie auch ein alter räudiger Affe in Kap. 16 von einem anderen Affen mit dem Versprechen getäuscht wird, er kenne ein Heilmittel gegen dessen Krankheit und ihn damit zu einer Höhle lockt die von einem Drachen bewohnt wird, der den alten Affen ergreift und frisst. Der andere Affe macht es sich daraufhin im guten Fruchtbaum des gefressenen Affen bequem (153,36).60

3. Vize-Herrscher und Rat im Buch der Beispiele

Das Hofleben und diejenigen in der Nähe des Herrschers die Einfluss auf ihn haben, seine Räte und sein mächtigster Stellvertreter, stehen zweifellos im Zentrum des Interesses des BdB. Sowohl die Hauptgeschichte Kap. 2, 'Von dem Löwen und dem Ochsen', handelt von der Intrige eines bösen Ratgebers, der den Obersten Rat und Vizekönig zu Fall bringt, als auch die Erzählung 'Von den Raben und den Aaren' des 5. Kapitels, in dem sich der heimliche Rat des Rabenkönigs durch Verstellung erfolgreich in den Hof seiner Feinde einschleicht, sich dort beim König beliebt macht61, die Geheimnisse der Aare in Erfahrung bringt und so deren Vernichtung bewerkstelligen kann. Schuld am Untergang des Geschlechts der Aare trage deren König, der dem Rat seiner narrisch rete (BdB 98,17) folgte, statt auf den einen Rat zu hören, der mit wey ß heyt und vornufft begabt war.62 In Kap. 13, 'Von dem Löwen und dem Fuchs', wird schließlich ebenfalls von einer Intrige bei Hof gegen den Obersten Regierer, vitzthumb des Herrschers gehandelt. Diese Intrige gegen den Fuchs, den Vertrauten des Herrschers, geht nicht wie im Falle der Erzählung 'Von dem Löwen und dem Ochsen' (Kallila und Dymna) von einem einzelnen aus, der sich an die Stelle des fürstlichen Favoriten setzen will, wie im Falle von Dymna, sondern ist das Werk einer Verschwörung mehrerer Höflinge, die, wie im Falle des Ochsen, dem von außerhalb an den Hof gekommenen Fuchs63 nachstellen und ihn durch falsche Anschuldigungen zu Tode bringen wollen.

der konig ist ergrympt vber seiner vitzthumb, den fuchs, vnd hat yn heyssen vom leben zum tode richten (BdB, 141,4)

Der Fuchs wird wie der Ochse des 2. Kapitels als gutmütiger64, keineswegs wie Dymna vom Ehrgeiz besessener Hofmann beschrieben, der von dem Angebot des Königs ihn wegen seiner Qualitäten zum obersten meins lands vnd geschefft (BdB, 137,32) zu machen, auch gar nicht begeistert ist und den König im Gegenteil darum bittet von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen und ihn in seinem bescheidenen Stand zu belassen. Denn die Erhöhung durch den König werde ihn am Hof dem Neid und Hass der anderen Hofleute aussetzen, während er in einer bescheideneren Stellung ohne Furcht und Sorgen leben könne und nicht mit solchen Widerwärtigkeiten werde leben müssen, die eine solch hohe Gewalt doch mit sich bringe.

Antwort der fuchs: „ Wilt du mir die gefelligsten ere th ů n, so las mich ynn meine m wesen heym pleyben n inn meiner wonung, dan gar vil besser ist mir, zu leben yn meine m sunderlichen eygen wesen meyner hole dan jn des konigs hoffe bey vil der lewt beneydet vnd vorhasset. (BdB, 138,11)

Die prekäre Situation, in der sich der Oberste des Landes neben dem Herrscher gegenüber seinen adligen Standesgenossen am Hof befinden wird, erklärt der Fuchs dem König wie folgt: „ dan ich wey ß , das die, so vnder vnd mynder dan ich seind, mich neyden werdenn durch forcht meins namens, die mir gleich sind an adel, die werden mich neyden vmb das ampt, die uber mich sind der geburt, die werden mich neyden, das mich der konig vber sie geert hat. “ (BdB, 138, 26)

Angefeindet werden wird der Vize-Herrscher sowohl von Adligen geringeren Standes, von seinesgleichen, als auch von dem Geburtsadel der vom Rang her über ihm steht. Da dem Fuchs die prekäre Situation in die er sich mit der Annahme des hohen Amtes begibt bewusst ist, fordert er den König auf, ihm gegen Verleumder am Hof zu versprechen und dies zu besiegeln, dass der König ihn nicht voreilig auf Anschuldigungen anderer hin verurteilen lassen werde, sondern ihm in diesem Falle Gelegenheit zu persönlicher Rechtfertigung vor ihm einräumen und unparteiische Personen hören werde (BdB, 138,23).

Von der am Hof ständig lauernden Gefahr falscher Anschuldigungen und Intrigen weiß auch der zum Obersten Rat (23,15) beförderte Ochse Seneßba des 2. Kapitels:

„ welcher oder wer sich auff das mere gibt, der ist vrsach seins vnt er gangs. Vil mere der sich gibt ynn dinste des konigs, dan ob der konig frome vn n d getrewe ist, so ist doch mogelicher, das ein vnschuldiger durch etlich vntrew mitwoner ynn solich strick falle, dar au ß yme die andern n nit gehelffen mogen. “ (Bdb, 35,39)

Auch wird hier bereits die Einsicht des 13. Kapitels formuliert, dass ein einzelner, wenn auch Mächtiger, bei Hof keine Chance hat gegen eine Intrige mehrerer Hofleute, auch wenn er noch so unschuldig ist, sondern damit rechnen muss vertilgt zu werden.

Antwort Sene ß ba: „ Denn wann ein gantze samlung der vorreter sich voreynen

wider eynen, vnd ob er wol mechtig vnd stargk ist vnd sie krangk, gleich als dem kamele von dem wolffe, rabenn vnd fuchs geschahe. “ (BdB, 36,37)65

Der Fuchs des 13. Kapitels, der aufgrund der Verschwörung etwa eines Dutzend der Hofleute bereits im Kerker sitzt, entgeht dem Schicksal des Ochsen auch nur, weil die Mutter des Königs eingreift und mit ihrem Sohn spricht. Die Mutter des Löwen wiederum war durch ein Mitglied des Hofes, des Iltis, der keinen Anteil an der Verschwörung hatte, auf das Komplott gegen den Fuchs aufmerksam gemacht worden. In der Rede der

„ Dann das gibt der konig hoffe, das sie ein ander neydenn vmb iren stad, iglich e r den andern n zu // vordrucken vnd zu vorstossen n . “ (BdB, 141,27)

Der Fuchs des 13. Kapitels entgeht dem Tode auch deshalb, weil einer der Verschwörer, das Wiesel, durch die Intervention der Mutter des Löwen aufgeschreckt, befürchtet, die Verschwörung könne aufgedeckt werden und diese deshalb dem König offenbart, um selbst drohender Strafe zu entgehen.

Der denkbaren Befürchtung, das durch das fast erfolgreiche Komplott beschädigte Vertrauensverhältnis zwischen König und Vize sei nicht mehr wiederherzustellen, tritt die Königsmutter mit dem Argument entgegen, es hänge von dem Charakter des Vize ab, ob die erfolgte Verletzung der Freundschaft zu dauerhafter versteckter Feindschaft führe:

Der König könne zwar denken;

'Der fuchs hat gegen mir den ha ß nit vergessen vnd verbirgt di ß ynn seinem hertzen, bi ß er solichs wider gelten mag. ' (BdB, 143,37) jedoch gehöre der Fuchs zu denjenigen, die einen guten und frommen Charakter hätten, „ den zu getrawen ist, das jn nach erganger feindtschafft aller freuntschafft zu getrawen, als der do guter werck ist vnd nit glubde bricht, der recht lib hat vnd bo ß heit hasset vn fridsam ist vnd irrung vormeydet, der senfftm ů tig ist vnd nit eins neydig en hertzen, der vorschult ding gegen seine n eben mensche n gern able ß t, vnd der inn freuntschafft verharret vnd sich aller missetat beschemet, der selbigen einer ist dein getrewer fuchs gewesen. “ (BdB, 143,17)

Es gebe allerdings, so doziert die Mutter des Königs, neben denjenigen mit einem guten Charakter wie dem Fuchs, auch solche, die bei einer Beschädigung der Freundschaft dauerhaft zum grimmigen Feind und Verräter werden könnten:

// „ vnd gleich als man findet, das freund feind werden n mag, dan au ß vorwundtem freundt wirt feindt, der vndanckbar, der vorrether, der grym, der vorachter guter werck, der nit kunfftig leben glawbt, das guts vnd bo ß wider golten werde, der sein gem ů t nit von zornn gezemen magk, der eygen willigk, der nach zorn nit vorgeben kan, wer geneygt ist, zu vorteil, wer mit betrugni ß vmbe gehet, wer sein gemute von unkewscheit vnd spil nit gezyhen n kan, wer sich den weyn vberwinden le ß t, wer von nymandts guts gedenckt, wer hals starck vnd nicht schemig ist zu diesen, ist sich steter getrewer geselschafft nit zu vorlassen, vnd nach entschlagenn freundschafft gantz kein fruchtbar s ů nen zu vorsehenn. (BdB, 143,7)

Das Glück des Königs und das Wohlergehen seines Reiches hängen davon ab, dass der König zwischen den guten und den bösen Räten unterscheiden könne, dies wird denn auch in der das 13. Kapitel einleitenden Rahmenhandlung vom weisen Meister Sendebar, der auf die Fragen des Königs antwortet, betont, und wie das Gleichnis 'Von dem Löwen und dem Fuchs' dann erläutert; sei es für den König wichtig die rechtenn getrewen Räte zu lieben und sich derer zu entledigen, die boser sittenn vnd werck (136,39) sind. Die guten Räte soll er belohnen, die bösen hingegen bestrafen.

Sendebar: „ Dar vmb sol der konig die fur die andern kisenn vnd lip habenn vnd sich der ewssern, die boser sittenn vnd werck sind, vnd sol die lernenn, vor ein ander erkennenn vnd sol den rechtenn irer werck nicht vngelonet vnd die bosenn nicht vngestrafft lassenn. (BdB, 136,38)

Auch wenn in der Rahmenhandlung die Bestrafung der bösen Räte gefordert wird und die Königinmutter des 13. Kapitels die Bestrafung der Verschwörer gegen den Fuchs mittels Landesverweisung fordert, so kommt es jedoch nicht dazu. Denn der Fuchs gibt zu bedenken, dass eine solch strenge Bestrafung die Angehörigen des jeweiligen Geschlechts der Verschwörer, die zukünftig an den Hof des Königs kommen, dauerhaft erbittern werde und sie dazu treiben werde dem vitzthumb ununterbrochen nach zustellen, um ihn bei dem König in Ungnade zu bringen. Vertreibe der König die Verschwörer jedoch nicht, so gebe es die Chance für ein einsichtiges Verhalten, das dazu führe, dass die Angehörigen der Verschwörer-Geschlechter aus Scham über ihre Übeltat bereit sein könnten den vom König ernannten Vize-Herrscher in seinem Amt anzuerkennen.

Dan haben sie tugent yn irem gemute vnd forcht des konigs, so werden sie sich irer gethat schemen n vnd mich f ü r des konigs erwelten n halten. (BdB, 144,8) Der Nutzen einer exemplarischen Bestrafung der Verschwörer am Hof, den die Königinmutter befürwortet, da er künftigen Verschwörungen vorbeugen könne,

Da durch wirstu gegrosset vnd furkompst, das solich lugen yn deinem hoffe nit ge ů bt werden oder ann dich falschlich bracht, auch furter kein geselschafft eynu ng inn deinem hoffe vorsamelt werde n mag, dan ich sage dir, die sorgfeltigkeit heymlicher verbuntni ß ist zu verkomen nach vermogen n . (BdB, 142,43) wird vom vizthumb hier zugunsten einer Lösung zurück gestellt, die der Befriedung des Landes und des Hofes dienen könnte.

Besteht die Gefahr, dass der Hofmann Dymna im 2. Kapitel, dessen Intrige in ihrer kunstvollen Verschlagenheit shakespearsche Qualität besitzt, mit seinem Mordanschlag ungeschoren davon kommt66, so steht sein Bruder Kallila für die höfische Haltung, die Geltung haben sollte. Dieser wendet gegenüber Dymna, der sich vorgenommen hat mittels seiner Intelligenz den höchsten Rang am Hof zu erreichen, Dymna: „ Dan eine m gbornn man gen ů gt nicht oder geburt nicht, sich an einem cleynen lassen n zu gen ů gen, sunder er sol sein gem ů t hoch setzenn, bi ß er an die stadt kompt, do er wirdig ist als der leo. (BdB , 17,43) ein; wer sich eines guten Standes erfreue, der solle sich mit dieser seiner Situation in der ihm nichts mangele zufrieden geben und nicht durch Ränke einen ihm nicht zustehenden Rang anstreben.

Kellila sprach: „ Ich vorstehe dein sagen. N ů vornyme mein wort und vorstehe die, dan ein iglicher, der y n eynem guten stat ist, der sol sein anslege vorlassen, die yme nit zustehen, vnnd sich gen ů gen lassen, das yme zugeben ist. N ů sein wir nicht yn dem stadt, das vns ichts gebreste, dar vmbe wir vnsern n stat verachten sollen. “ (BdB, 18,17)

Kellila verurteilt den tödlichen Anschlag seines Bruders gegen den Obersten Rat des Herrschers und wendet sich von ihm als widerlichem Gesellen ab. Denn auch die Gesellschaft von Blutsverwandten und engsten Freunden, die sich als als treulos erwiesen sei zu fliehen, wie die Weisen lehren.

Kellila: „ Dan es sprechen die weysen: 'Gesellschafft der untrewen sey zu flyhenn, auch ynn dern angebornenn nehesten freunden. “ (BdB, 48,1)

„ aber von den vppigen und falschen flyhe.' Dar vmbe sol ich billich von dir flyhenn vnd mich widern von deyner geselschafft, dan dar ynn nichtz guts zu finden. “

(BdB, 48,7)

Hingegen sei die Gesellschaft derjenigen zu suchen, die die Gerechtigkeit lieben und edlen Gemüts seien, auch wenn deren Gesellschaft wenig Nutzen bringe, da sie nicht dem hohen Adel angehörten, so sei doch deren frommer Lebenswandel zu schätzen.

„ vnd weych nit von der geselschafft der edeln, vnd ob er dir nicht vil nutzs geschaffen kan, so sol dich von yme genugen, das du ynn from m e weyst, “ (BdB, 48,5)

Die Bedeutung der Lehre aus dem Gleichnis 'Von dem Löwen und dem Ochsen', das der weise Sendebar dem König Dißles der Rahmenhandlung erzählte, wird von König Dißles denn auch darin gesehen, sich vor betrügerischen, doppelzüngigen Menschen zu bewahren und diese auszumerzen und sich mit Menschen zu umgeben, die einen guten Lebenswandel führen, treue Ratgeber und wahrhaftig sind. Der König gewinne so fruchtbaren Rat, Friede und Ruhe in seinem Reich und in seinem ganzen Lande.

Di ß les: „ sich trugentlicher menschenn moge n zu bewarenn vnd nit glawbenn zu setzenn, da mit glawbe gehaltenn wirt vnd pflantzenn die menschenn, die guts wandels vnnd getrewen rats vn n d warhafftiger wort sein, do gegen die vngetrewenn zweyer zungenn zu vornichten. Do durch gewint der konig fruchtbarnn rate, fride vnd r ů he ynn seynem reych vnd vber alles sein land. “ (BdB, 50,4)

4. Vize-Herrscher und Rat im historischen Württemberg-Urach

Auch Frank Piontek sieht in der Thematisierung des falschen Ratgebers am Hof, der dem rechten Rat gegenüber gestellt wird, einen Schwerpunkt des BdB67 und geht deshalb ausführlich auf die Entwicklung des Ratswesens in Württemberg ein. Dies scheint sinnvoll, da die besondere Bedeutung die dem Rat in der württembergischen Geschichte des 15. Jahrhunderts zukommt, geeignet sein könnte, das dokumentierte Interesse von Eberhard im Barte am BdB zu erklären.68 Tatsächlich ist das Schicksal der Württemberger Dynastie im 15. Jahrhundert von dem frühen Tod Graf Eberhards IV. (1388-1419) geprägt, der die Vertretung der noch unmündigen Söhne, Graf Ludwig I. und Ulrich V., durch die längere Herrschaft eines Regentschaftsrates von 1419-1426 notwendig machte. Insgesamt umfasste der von der Witwe Eberhards IV., Henriette von Montbéliard, geführte Vormundschaftsrat 30 Personen.69 Ebenso macht der frühe Tod Graf Ludwigs I. (1412- 1450) von Württemberg-Urach die Einsetzung einer Vormundschaftsregierung für seine unmündigen Söhne Ludwig II. (1439-1457) und Eberhard V. (1445-1496) notwendig. Der am 6. Dezember 1450 in Urach geschlossene Vormundschaftsvertrag weist 37 Personen von Adel aus, die sich im Rahmen der von ihnen auszuübenden Regierung verpflichten den Onkel Graf Ulrich von Württemberg-Stuttgart in allen wichtigen Angelegenheiten zu kontaktieren und ihm jährlich Rechnung abzulegen. Abgesehen von einigen Grafen und freien Herren, dominierten die Ritter den Uracher Vormundschaftsrat. Die Ritter agieren nicht als Landstand von Württemberg-Urach, sondern mittels des von ihnen kontrollierten Rates.70 Ihr Exponent, der Landhofmeister Albrecht Speth, bleibt bis zum Regierungsantritt Eberhards V.,1459, die bestimmende Kraft der Grafschaft. Der Regentschaftsrat des Uracher Landesteils besteht im Kern aus dem Landeshofmeister und 4 Räten, die in Konkurrenz zu Ulrich von Württemberg-Stuttgart über größere Macht verfügten.71 Neben dem Einfluss seines Onkels Ulrich vom Stuttgarter Landesteil auf den Vormundschaftsrat väterlicherseits, ist auch mit dem Einfluss seines Onkels mütterlicherseits, des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, sowie natürlich seiner Mutter Mechthild von der Pfalz, jeweils mit ihren Räten, auf das Regierungshandeln des Uracher Rates zu rechnen. Da Eberhards V. Mutter 1452 Albrecht VI., Erzherzog von Österreich (1418-1463) ehelicht, der die Österreichischen Vorlande regiert und mit dem Mechthild in Freiburg und am Rottenburger Hof residiert, sind die Verflechtungen und Einflüsse mit denen Eberhard V. auch nach seinem offiziellen Regierungsantritt als 14jähriger zu rechnen hat vielfältig und sein Interesse für das Thema der Qualitäten von Rat und Vize- Herrscher dürften somit verständlich sein.72

Das Amt des Hofmeisters, in dessen Zuständigkeit anfangs die Bereiche des „Hofes“ - Haushalt, Hof und Regierung - lagen, differenziert sich im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Während der Haushofmeister für die Verwaltung von Herrschaft und Hof zuständig ist, umfasst das Amt des Landeshofmeisters das ganze Land. Die Kompetenz des ranghöheren Landeshofmeisters besteht darin, oberster Amtsträger der Landesverwaltung zu sein, Vorgesetzter der Vögte/Amtmänner, sowie oberste Instanz des Finanzwesens. Auch an der Rechtsprechung ist er maßgeblich beteiligt.73

Der erste Landhofmeister nach der selbständigen Regierungsübernahme Eberhards V. im Dezember 1459 ist 1460 Werner von Zimmern74, der schon 1447 als Rat unter Eberhards Vater Ludwig I. von Württemberg-Urach diente und bei diesem besonders viel galt. Nach seiner Heirat mit Anna von Kirchberg 1443 war Werner von Zimmern bereits als Hauptmann in die Dienste Herzog Sigmunds von Tirol getreten.75 Er genießt offenbar auch das besondere Vertrauen von Eberhards Mutter Mechthild von der Pfalz, denn beim Tod ihres Mannes, 1450, schreibt sie dem Freiherrn Werner von Zimmern einen Brief, in dem sie ihn vom Tod ihres Mannes unterrichtet und ihn bittet umgehend nach Urach zu kommen und ihr beizustehen. Dies solle er jedoch geheim halten.76 Der Wechsel im Amt des Landhofmeisters von Albrecht Speth (gest. 1465)77, der dieses Amt seit 1450 in Württemberg-Urach bekleidet, zu Werner von Zimmern 1460, scheint durch den vorausgegangenen Konflikt mit Eberhards Onkel Ulrich V. von Württemberg-Stuttgart bedingt. Diesem war 1457 in Leonberg nach dem Tode des älteren Bruders von Eberhard V., Graf Ludwig II., von einem einberufenen Landtag die Vormundschaft über Eberhard V. übertragen worden.78 Denn die von Albrecht Speth und anderen Uracher Räten unterstützte Forderung Eberhards V. mit 14 Jahren für volljährig erklärt zu werden, im Dezember 1459 also, trifft bei seinem Vormund Ulrich auf alles andere als Gegenliebe, war Ulrich selbst doch erst mit 20 Jahren an die Regierung gelangt. Setzt der die Zügel des Regiments fest in der Hand haltende Albrecht Speth für den 29. November 1459 in Tübingen einen Landtag an, um den am 11 Dezember 14 Jahre alt werdenden Eberhard für volljährig erklären zu lassen, so will Ulrich V. durch einen Landtag zuvor mit Hilfe des erweiterten Regimentsrates diese Absicht verhindern. Bevor jedoch Ulrichs V. Landtag am 13. November in Urach zusammentreten kann, hat sich Eberhard außer Landes begeben.79 Eberhard V., der sich offenbar nicht mehr mit der Autorität des Onkels abfinden will, flieht zuerst zu seiner Mutter Mechthild nach Rottenburg, um sich dort Rat und Hilfe zu holen.80 Auch wenn Mechthild hier unmittelbar nicht helfen kann, stellt sie doch offenbar die Weichen so, dass eine konfliktarme Regierungsübernahme ihres Sohnes gewährleistet wird. Eberhard V. kehrt am 14. Dezember aus seinem badischen Exil nach Württemberg- Urach zurück und übernimmt unangefochten die Herrschaft.81 Wenn Mechthilds Vertrauter, der Freiherr Werner von Zimmern also 1460 das Amt des Landhofmeisters übernimmt, so könnte dies auch als versöhnliche Geste gegenüber dem als Vormund ausmanövrierten Onkel Eberhards, der zudem seit 1453 mit Mechthilds Schwägerin Margarete von Savoyen, Witwe des Kurfürsten Ludwig IV. von der Pfalz verehelicht ist, zu werten sein.

Werner von Zimmern wird jedoch bereits im Jahre 1461 von Hans von Bubenhofen „aus unbekannten Ursachen“82 in seinem Amt als Landhofmeister abgelöst, bekleidet jedoch bis 1464 wohl weiterhin das Amt des Hofmeisters von Württemberg-Urach.83 Im Jahre 1462 verkauft Eberhard im Bart dem Werner von Zimmern die Stadt Oberndorf, nebst vier Dörfern und der Burg Waßneck. Ein Verkauf der für Werner sehr vorteilhaft ist, wie die Wertung der späteren Geschichtsschreibung, es sei die leichtsinnige Handlung eines jungen, kaum 17 Jahre alten Regenten gewesen, nahe legt.84 Zu einem Konflikt zwischen Eberhard und Werner von Zimmern kommt es als Eberhard die Werner von Zimmern als Sitz zugewiesene Burg Achalm85 wieder an sich ziehen will. Der Konflikt wird durch einen Schiedsspruch des Josniklaus von Zollern gelöst.86 Ebenso kommt es zwischen Werner von Zimmern und seinem Nachfolger im Amt des Landeshofmeisters, Hans von Bubenhofen, zum Streit um das angebliche Zimmersche Lehen Geislingen, wie die Zimmerische Chronik notiert; her W ö rnher habe vil spenn und irrung mit Hans von Bubenhofen gehabt.87

Das Verhältnis des Landhofmeisters Hans von Bubenhofen zu Eberhard im Bart ist jedoch offenbar während dessen Amtszeit zwischen 1461-1481 weitgehend konfliktfrei und ungetrübt. An seiner Loyalität zu Eberhard im Bart bestehe kein Zweifel. Es sei daher auch kein Grund gegeben, eventuelle Loyalitätskonflikte zwischen Vitztum und Herr auf die Analogie im Buch der Beispiele zu projizieren oder die Abfassung des Buchs auf einen aktuellen Anlass zurückzuführen, wie Frank Piontek resümiert.88 Gebe es zur Zeit der Entstehung des BdB keinen Konflikt zwischen Eberhard im Bart, seinem Vize und seinen Räten, der den Beschreibungen dieses Verhältnisses im BdB ähnlich wäre, so gebe es zwar nicht 1474 aber 20 Jahre später eine politische Konstellation, die derjenigen des 5. Kapitels nahe komme und die der Interpret dieser Szene „für ein getreues Porträt des Verhältnisses von Rat und Regent halten“ könne, wie es von 1496 bis 1498 in Württemberg gegeben sei.89 In der Binnenerzählung von der Königswahl der Vögel, in der die Existenz eines unfähigen Königs zugestanden wird, werde von der segensreichen Wirkung eines verantwortlichen Ratskollegiums für das Wohlergehen des Reiches gehandelt:

„ Denn ob ein konig gantz ein thore vnd doch gefellig were, hatt er weyse rette vnd getrewe beywohner, so furgand sein sache vnd wirt sein reich erhocht “ (BdB, 85,39)

Denn Eberhard im Bart habe bereits im Esslinger Vertrag von 1492 Vorkehrungen getroffen den designierten, aber unfähigen Nachfolger Graf Eberhard d.J. bzw. den schwachsinnigen Grafen Heinrich von einem Ratskollegiums beaufsichtigen zu lassen.90 Diese Schlussfolgerung scheint zutreffend. Führt der Konflikt Eberhards d.J. mit den noch zu Lebzeiten Eberhards d.Ä. eingesetzten Räten zwischen 1496-1498 doch dazu, dass sich die Räte durchsetzen und Eberhard d.J. zum Rücktritt zwingen. Ließen sich die Ausführungen des Raben bei der Versammlung zur Königswahl und sein Plädoyer für die Ablehnung des Aaren als ungeeigneten Herrschers doch auch als auf Eberhard d.J. bezogene Rede lesen:

„ noch solten wir ein konig nicht von den a ren nemen n , dan er tregt bose sytten, ist auch eyner bosen farbe, eyner vorkerten zungen vnd halber thore, ynn dem gantz keynn adel ist seiner geberde vnd wesens vern ů fft vnd ist gewonlich zornig vnd grym m e vnd vnbarmhertzig, bo ß heyt, “ (BdB, 85,40)

Gemünzt auf eine Situation, die 1474 noch gar nicht eingetreten war, könne das 5.Kapitel im BdB gleichwohl die wesentliche Idee einer rationalen, mit Hilfe eines loyalen und kompetenten Ratsgremiums verfahrenden Politik in nuce verdeutlichen, die an die Stelle eines schwächlichen Geburtsadels die Tugenden eines Ratskollegiums setzte, so Frank Piontek.91

5. Das Buch der Beispiele und die Moderne

Der Leser habe es im BdB mit der Paradoxie zu tun, dass Berosias im 1. Kapitel die Maxime eines Lebens vorgebe, dass sich in der Weltabgewandtheit, in der gerechtigkeit vnd der forcht gotes (15,22) bewähren soll, zum anderen sei das BdB so ausschließlich der Lebenspraxis gewidmet, dass es schwer falle die innere Einheit von Vorrede/1. Kapitel einerseits und Hauptbuch andererseits zuzugestehen. Vielleicht sei aber „genau diese paradoxe Spiegelbildlichkeit das Deutungsmuster, das in eine Zeit hineinpasse, welche in ihrer geistig-theologischen Grundhaltung noch mittelalterlich, in ihrem Erkenntnisdrang, ihrer Experimentierlust und ihren Tendenzen zur Säkularisierung bereits neuzeitlich geprägt war.“92 F. Piontek sieht in Eberhard im Bart eine der Hauptgestalten zwischen Alt und Neu. Wie Maximilian I., der „gelehrte' Fürst par exellence“, dessen Erscheinung im Wei ß kunig glorifiziert werde und der sich auch im Teuerdank als Fürst der durch Weisheit und Vernunft glänze darstellen lasse, repräsentiere Eberhard den „an allem Wißbaren interessierten Monarchen“93 F. Piontek sieht Eberhard im Bart in eine Zeit des Umbruchs eingebettet, in eine Wendezeit die auch das Interesse am BdB verständlich mache. Es habe im frühen 15. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel eingesetzt, der mit Kaiser Maximilian I. seinen Höhepunkt erreichen sollte. Bis dahin sei eine höfische Kultur vorherrschend, die sch ö n d ä ntz, springen, ringen, werfen, fechten, renen der pferde und genetten in den Mittelpunkt der Darstellung rücke, wie noch der autobiographische Bericht des Georg von Ehingen vom portugiesischen Hof zeige.94 Die Wertschätzung von Bildung verändere sich darauf hin dahingehend, dass die Intellektualisierung der aristokratischen Erziehung dem Funktionsverlust des Adels entgegen wirken sollte, um in der Konkurrenz mit nichtadligen Emporkömmlingen bestehen zu können.95 Dass Eberhard V. später Intellektuelle wie Johannes Reuchlin und die Brüder Vergenhans an den Hof rief, viele Übersetzungen veranlasste und sich bemühte seinen ritterlichen Fähigkeiten solche des Intellekts an die Seite zu stellen, sei somit als Teil eines nachträglichen Bildungsprogramms zu betrachten, das darauf zielte die Defizite seiner Jugend, in der ihm vom Vater das Erlernen des Lateinischen verboten worden war, auszugleichen.

Sieht man das BdB in einem gesellschaftlichen Rahmen angesiedelt, in dem Ritterromantik den sozialen Funktionsverlust des Adels kompensieren sollte96, dann können im BdB thematisierte Begriffe wie wisheit 97, f ü rsichtigkait 98 und vornufft, tugent und gemainnutz 99 sicherlich als Hinweise auf diesen gesellschaftlichen Umbruch gelesen werden, wie dies Frank Piontek auch im Hinblick auf die Idee von List und Betrug im BdB als gegeben sieht. So auch Sabine Obemaier, wenn sie postuliert, das BdB sei mit seiner „Ethik der f ü rsichtigkeit “ weit entfernt von einer klassischen Ethik, welche verbindliche Moralvorstellungen und ein ebenso verbindliches Tugendsystem zu vermitteln suche100 und es, wie bereits erwähnt, als ein „im Prinzip amoralisches Buch“ bezeichnet. Denn es gehe im BdB, wie man es für das Pancatantra schon oft betont habe101, nicht um Moral oder Ethik, sondern allein ausschließlich um Lebensklugheit. Es bestätige sich, was für das BdB schon mehrfach beobachtet worden sei: „Die Lehren, die in diesem Buch einen sowohl ritterlichen als auch intellektuellen Lehrgang für junge Adlige. F. Piontek, 1997, S. 71. Es leuchte ein, dass die adlige Erziehung im süddeutschen Mittelalter mit der Versachlichung der Regierungspraxis nur solange auf die Ausbildung intellektueller Fähigkeiten verzichten konnte, wie das Herrschafts- und Verwaltungsmonopol vor dem Zugriff nichtadliger oder frühbürgerlicher Hände sicher war. Piontek, 1997, s. 70. gegeben werden, beanspruchen keine absolute Gültigkeit, es kann vielmehr vorkommen, daß sie einander widersprechen oder sich zumindest relativieren.“ Dies gelte keineswegs nur für die explizit greifbare Moral; auch die implizite Moral gebe keine absolut gültigen Regeln für menschliches Handeln. Die einzig allgmeingültige Lehre, die sich dem BdB entnehmen lasse, sei die Lehre, „daß es keine allgemeingültige Lehre für alle Lebenssituationen gibt. Wenn handeln heißt: situationsgemäß erfolgreich handeln; und nicht alle Situationen lassen sich mit ein und derselben Lebensregel meistern.“102 Den moralischen Anspruch, den Pforr in seiner Vorrede erhebe103, sieht S. Obermaier dann auch allenfalls als „einen nachträglichen Versuch, das Anliegen des Buches - wenn auch nur notdürftig - unter ethischen Vorzeichen erscheinen zu lassen oder gar ethisch zu legitimieren.“104 Der Autor des BdB stehe nicht durchgehend auf der Seite des traditionell „Guten“, sonder des Listigen und nach christlichen Begriffen Unmoralischen, wie das Beispiel des Rabenkrieges demonstriere.105 Der fünfte Rabe repräsentiere hier einen positivierten Reinhart Fuchs. Er bekenne sich zum Prinzip der Verschlagenheit, das die Täuschung und den Betrug als Mittel der Politik legitimiert. Auch in diesem Sinne sei das BdB ein Werk an der Grenzscheide von Mittelalter und Neuzeit, dessen Modernität besonders dort deutlich werde, wo man die Politik des verschlagenen Raben mit den Theorien des Niccolò Macchiavelli vergleiche, die eben keine bloßen Theorien gewesen seien, sondern die Realität an die Stelle bloßer utopischer Ideale und Ideen gesetzt hätten:106

„Hielte der Herrscher immer sein Wort, schade ihm dies nur, da die Menschen schlecht sind und das gegebene Wort auch nicht halten w ü rden. ( … ) Doch mu ß man sich darauf verstehen, die Fuchsnatur gut zu verbergen und Meister in der Heuchelei und Verstellung zu sein. “107

Vergleicht man die Situation des Raben im 5. Kapitel des BdB mit den Empfehlungen

Machiavellis, so kann man bei den Raben jedoch nicht von dem Umstand absehen, dass sich diese in einer Bedrohungssituation befinden, die sie, falls sie nicht flüchten, der Vernichtung durch die stärkeren Aare aussetzt, die sich ihres Herrschaftsgebietes bemächtigen wollen. Wendet der fünfte Rabe List, Verstellung und Betrug an, so geschieht dies gleichsam in einer Notwehr-Situation, zur Rettung seiner selbst und des Geschlechts der Raben. Dies entspricht aber keineswegs einem modernen Gedanken, wie z.B. die biblische Geschichte im Alten Testament von Judit und Holofernes belegt, in der Judit ihrem von Untergang und Versklavung bedrohten Volk in einer scheinbar aussichtslosen Lage durch List und Verstellung mittels der Enthauptung des feindlichen Heerführers Rettung bringt.108

[...]


1 In den Hss. A, C, B, E, ebenso in den Drucken a, k, l, m. Friedmar Geissler: Das Buch der Beispiele der alten Weisen, 1974, S. 16, (hier im Text als BdB abgekürzt).

2 F. Geißler, 1974, S. 20. In Hs. A, Heidelberg cpg. 84, wird das Widmungsblatt von einer grünen Palme eingerahmt, Putten halten ein Schild an einer Schnur, welches das Schwertmagenwappen mit der württembergischen Hirschstange und den mömpelgardischen Fischen zeigt. Frank Piontek: „Ein Fürst “, 1997, S. 29.

3 In den Hss. A und C, mit abweichender Schreibung auch in B, E, a, k, l und m. F. Geißler, 1974, S. 16.

4 Die ältere Geschichtsschreibung ging wie selbstverständlich von der Annahme aus, es habe sich bei der Übertragung des 'Buchs der Beispiele' aus dem Lateinischen um einen Auftrag Eberhards gehandelt. So etwa Johann Christian Pfister: “Eberhard im Bart, erster Herzog zu Wortemberg...”1822, S. 50 und Wilhelm Zimmermann: “Die Geschichte Würtembergs...”, 1836, Bd. 1, S. 648.

5 F. Geißler, 1974, S. 9.

6 So auch Dieter Mertens: Sumenhart und die weiteren Indizien sprächen „deutlich zugunsten einer Initiative Eberhards.“ Dieter Mertens: Eberhard im Barte und der Humanismus, 1994, S. 68.

7 Dieter Mertens, 1994, S. 68, Frank Piontek, 1997, S. 34. Wie exeptionell groß Eberhards Interesse an diesem Werk gewesen sei, werde schließlich daran deutlich, dass er selbst den Erstdruck des Textes veranlasste und finanzierte; dieser sei 1480/81 bei Konrad Fyner in Urach heraus gekommen, ein prächtiger Folioband mit 128 Blättern mit einem ganzseitigen Titelholzschnitt und 127 „meist halbseitigen“ Hozschnitten. Volker Honemann: „Literatur im Umkreis Eberhards...“, 2006, S. 167. Dem entgegen sieht Sabine Obermaier weder die Auftraggeberschaft Eberhards, genauso wenig wie die ebenfalls diskutierte Auftraggeberschaft Mechthilds, als bewiesen an. Auch Mertens' Hauptargument - das Bemühen Eberhards um die Verbreitung des BdB und dessen Sonderstellung im Programm der Fyner-Presse - sei kein zwingender Beleg. Sabine Obermaier: „Das Fabelbuch...“, 2004, S. 102.

8 Druckauflagen: 1480/81 Druck a, Konrad Fyner, Urach, mit 128 Holzschnitten, sowie Druck b, 1481/82, Konrad Fyner, Urach, mit 126 Holzschnitten, aber nicht koloriert. Friedmar Geißler, Teil II, 1974, S. 43ff.

9 F. Piontek, 1997, S. 23.

10 F. Piontek, 1997, S. 26, nach Karl Meuli: Herkunft und Wesen der Fabel, 1954, S. 65 f. Bei Frank Piontek soll die konkrete Bedeutung des BdB für seine Zeit rekonstruiert werden, so Sabine Obermaier. Sie wendet gegen diesen Ansatz jedoch ein, das BdB habe sich noch vom Ende des 15. Jahrhunderts bis um 1600 eines überwältigenden Interesses erfreut, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die von Piontek aufgespürten Anspielungen auf zeitgeschichtliche Details kaum mehr verstanden werden konnten, was der Ansatz von Piontek auch nicht zu erklären vermöge. S. Obermaier, 2004, S. 5.

11 Albrecht Classen: „East meets west...“, 2013, insbes. Kap. 27; Anton von Pforr's German Adaption of Indien Literature: Cross-Cultural Experiences in the Late Middle Ages, S. 153 ff.

12 A. Classen, 2013, S. 156.

13 S. Obermaier, 2004, S. 5, Anm. 24.

14 Für das Unternehmen einer Textinterpretation sei es vielleicht auch noch zu früh, solange elementare Probleme wie Datierung, Auftraggeber, Vorlage u.s.w nicht unumstritten geklärt seien, sinniert S. Obermaier denn auch (S.5), da jedoch ein Zuwarten bis neue Textzeugen und Dokumente aufgetaucht seien hieße, dem BdB die Aufmerksamkeit zu versagen, die es verdiene, begibt sie sich trotzdem ans Werk. „Eine Gesamtinterpretation wird - welcher Art sie auch immer sei - vom Text selbst ausgehen müssen, denn der Text ist das Sicherste, was wir haben.“ S. Obermaier, 2004, S. 7.

15 Die beiden theoretischen Konzepte Intertextualität und Intratextualität sollen bei ihr als Rahmen fungieren, innerhalb dessen verschiedene Zugangswege zu einer Interpretation des BdB erprobt werden. S. Obermaier, 2004, S. 8.

16 Walter Haug: „Exempelsammlungen im narrativen Rahmen...“ (1991), S. 273 nach F. Piontek, 1997, S. 208.

17 S. Obermaier, 2004, S. 346. Vor dem Hintergrund, dass der Begriff f ü rsichtigkeit im BdB als Voraussetzung für weises Handeln streng genommen überhaupt keine Tugend (wie milte, triuwe, mâze oder staete) darstelle, sondern allenfalls eine Überlebensstrategie für eine als gefährlich empfundene Welt, sei es „mit Sicherheit berechtigt, das BdB als ein im Prinzip amoralisches Buch zu bezeichnen“. S. Obemaier, 2004, S. 305.

18 Niccolò Machiavelli: Der F ü rst. Wie der zynisch-realistische, wenn nicht gar angesichts des Laufs der Welt resignierende Erzählerkommentar auf Versebene im Reynke de Vos (vor 1498), werde dann 1516 auch Niccolò Machiavelli dem Herrscher nicht nur eine Löwen-, sondern auch eine Fuchsnatur empfehlen, so S. Obemaier bei ihrem intertextuellen Durchgang durch die mittelalterliche Fuchsepik, ( 4.2.1 Von Renart zu Reynke) vom Roman de Renart (ca. 1174/77) bis zu Reynke de Vos. Sabine Obermaier, 2004, S. 182. Wenn auch noch eher im Mittelalter stehend, nähere sich das BdB mit seinen Kapiteln 2+3 als „Beinahe-RdV“ doch schon diesen frühneuzeitlichen Werken an. S. Obermaier, S. 182 und S. 343.

19 Der fünfte Rabe im BdB (5. Kapitel: Von den Raben und den Aaren) repräsentiere einen positivierten Reinhart Fuchs, wie Dymna die Negativvariante des füchsischen Ratgebers darstelle. „Er bekennt sich zum Prinzip der Verschlagenheit, das die Täuschung und den Betrug als Mittel der Politik legitimiert.“ Auch in diesem Sinn sei das BdB ein Werk an der Grenzscheide von Mittelalter und Neuzeit, dessen Modernität besonders dort deutlich werde, „wo man die Praktik des verschlagenen Raben mit den Theorien Niccolò Machiavellis vergleichen kann - die eben keine bloßen Theorien waren, sondern die Realität an die Stelle bloßer utopischer Ideale und Ideen setzten.“ F. Piontek, 1997, S. 156.

20 S. Obermaier, 2004, S. 349.

21 F. Piontek, 1997, S. 206.

22 S. Obermaier, 2004, S. 304. Zwar will Frank Piontek seine Untersuchung des BdB nicht als eine Interpretation verstanden wissen, die etwa den „Widerspruch von christlicher Tugend und kompromißloser Realpolitik“ des BdB durch eine eindeutige Interpretation löse, Dem Buch der Beispiele Eindeutigigkeit zu unterstellen oder abzuverlangen, hieße ihm seine Spannung und sein ästhetisches Potential zu rauben.“, F. Piontek, 1997, Einleitung, S. 8, jedoch gehen seine Überlegungen tendenziell dahin, den Charakter der Modernität des BdB zu betonen.

23 Unter den Primärrezipienten versteht S. Obermaier die Leser und Leserinnen zu Lebzeiten Antons von Pforr. S. Obermaier, 2004, S. 101.

24 S. Obermaier, 2004, S. 108.

25 Intensiv gelesen werde es offensichtlich weder von Lehrern noch von Studenten der Mediävistik, das Buch der Beispiele friste heute nur mehr ein Schattendasein, so F. Piontek 1997, S. 5. Ein kurzer Überblick über die BdB Forschung zeige, dass Interpretationen des Textes bisher kaum unternommen wurden, so S. Obermaier 2004, S.. 5.

26 Was tut der Historiker? Mit Realitätsfragmenten eine unvollständig überlieferte Wirklichkeit rekonstruieren. Dafür barucht er sowohl Kenntnisse als auch Phantasie. Werner Paravicini: „Die Wahrheit...“, 2010, S. 49.

27 Unter Konstruktivismus verstehe ich die Annahme, dass „wir kein Faktum 'an sich' feststellen“ können, sondern alle Fakten oder Tatsachen selbst konstruiert haben, so Markus Gabriel: „Warum es die Welt...“, 2013, S. 56.

28 Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, zit. nach W. Paravicini:“Die Wahrheit...“, 2010, S. 22.

29 „Der Konstruktivismus ist absurd, er wird aber meist nicht durchschaut. Denn wir haben uns daran gewöhnt zu akzeptieren, dass alles um uns herum irgendwie kulturelles Konstrukt sein soll und das allenfalls noch die Naturwissenschaften die Dinge an sich beschreiben. Was die sogenannten Geisteswissenschaften freilich in eine schwierige Position bringt. Denn wenn sie es im Gegenzug nur noch mit kulturellen Konstrukten zu haben, verschwindet der Unterschied von wahr und falsch, und die Interpretation eines Gedichts oder eines historischen Tatbestandes wird zu einer beliebigen Halluzination. Der Wahlspruch des fröhlichen Konstruktivismus lautet: Jedem sein eigener Faust oder seine eigene Novemberrevolution! Es ist eben alles eine Frage der Wahrnehmung.“ Markus Gabriel: „Warum es die Welt...“, 2013, S. 156 f.

30 Es gebe allerdings eine bestimmte historische Konstellation in der politischen Biographie Eberhards im Barte, für die die Beziehung von Maus und Rabe eine literarische Präfiguration zu sein scheint, so F.

31 Insbesondere die Auseinandersetzung zwischen Graf Eberhard im Bart und Erzherzog Sigmund von Tirol um die Herrschaft Sulz (ab 1469), die Herrschaft Oberhohenberg (1475/76) und den Mägdeberg (1480). F. Piontek, 1997, S. 181 f.

32 F. Piontek, 1997, S. 185

33 Piontek verweist auch auf Analogien in einem Artikel der Urkunde des Schwäbischen Bundes, dem Eberhard im Barte 1488 beitritt. F. Piontek, 1997, S. 188.

34 Der Text des Buchs der Beispiele wird hier in der Regel nach der Ausgabe Friedmar Geisslers von 1964 zitiert, so nicht ausdrücklich anders angegeben. Etwa wenn ein Zitat von Holland (H), das Sabine Obermaier anführt, Verwendung findet. Auch Frank Piontek, 1997, zitiert ausschließlich nach der Ausgabe von Geissler 1964, siehe Piontek, S. 40. Friedmar Geissler legt seiner Ausgabe des BdB als Leithandschrift die von ihm so genannte Handschrift D zugrunde, Straßburg, Ms. 1996. Friedmar Geissler, 1964, Vorbemerkung. Diese Handschrift enthält keine Illustrationen, jedoch sind 120 Zwischenräume im Text freigelassen, die auf eine geplante Illustrierung verweisen. Die Zeit der Niederschrift ist am Ende der Papierhandschrift mit 1489 angegeben.

35 F. Piontek, 1997, S. 187.

36 Eine erste Version des Vertrages war schon am 30. März 1474 in Konstanz erstellt worden.

37 Reichsvikariat des linken Rheinufers und burgundische Königswürde, was in etwa einer Wiedergeburt des im Vertrag von Verdun 843 Lothar I. zugesprochenen fränkischen Mittelreiches entsprochen hätte. Christoph von Stälin: „Württembergische...“, 1856, II. Teil, S. 573.

38 Chr. v. Stälin, 1856, S. 574.

39 Dem Herzog Sigmund von Tirol wird von Gesandten des französischen Königs am 12. Oktober 1474 eine Urkunde ausgestellt, wonach der König von Frankreich ihn in seinen Schutz aufnimmt und zu seinem geheímen Rat mit einem Gnadengehalt von 10.000 Franken ernennt. Dies als Folge des Verzichts, den der Herzog von Tirol auf das früher mit Burgund geschlossene Bündnis leistet. Stälin, 1856, S. 574.

40 Basel, Kolmar, Straßburg, Schlettstadt. Auch Constanzer, Ravensburger, Waldshuter, Villinger, Rotweiler, Freiburger, Breisacher, nahmen an er Schlacht teil. Stälin, 1856, S. 579.

41 Stälin, 1856, S. 577.

42 Wilhelm Baum: „Kaiser Friedrich III “, 1992, S. 315.

43 So insinuiert jedenfalls Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut, um Sigmund zu entschiedenerem Einsatz für die antikaiserlich-wittelsbachische Fürstenkoalition (Albrecht VI. von Österreich, Kurfürst Friedrich von der Pfalz, Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut) zu gewinnen. W. Baum, 1992, S. 316.

44 Ulrich von Württemberg gerät mit dem Markgrafen von Baden am 30. Juni 1462 in der Schlacht bei Seckenheim in die Gefangenschaft Kurfürst Friedrichs des Streitbaren - Markgraf Albrecht von Brandenburg und Eberhard V. von Württemberg werden im Juli 1462 vor Heidenheim und Giengen von dem Bayernherzog Ludwig IX. in die Flucht geschlagen. W. Baum, 1992, S. 537 f.

45 Am 15. Juni bzw. 29. Dezember schließen Karl der Kühne und Kurfürst Friedrich ein Bündnis, nachdem Friedrich dem Burgunder Herzog bereits bei Monthléry (Ligue du bien public) militärisch gegen König Ludwig XI. von Frankreich beigestanden hatte. Werner Paravicini: „Deutsche Adelskultur “, 2002, S. 461.

46 W. Paravicini, 2002, S. 462. In schwächerer Form schließt auch Herzog Ludwig der Reiche von Bayern- Landshut am 4. Juni 1465 ein Bündnis mit Karl dem Kühnen. Ebenda. Ebenso reist auch Herzog Sigmund von Tirol 1469 zu Karl dem Kühnen von Burgund. Wilhelm Baum: „Politische und literarische...“, 1994, S. 101.

47 Stälin, 1856, S. 577 ff.

48 F. Piontek, 1997, S. 182.

49 Bereits seit 1470 gab es Spannungen zwischen Herzog Sigmund und Eberhards Mutter Mechthild um die Grafschaft Hohenberg, die Albrecht VI. Sigmund vermacht hatte, die jedoch der Erzherzogin auf Lebenszeit verschrieben war. W. Baum, „Politische und “, 1994, S. 101.

50 Mechthild von der Pfalz wies 1475/76 die Einwohner eines Teils der Oberen Herrschaft Hohenberg an Eberhard im Barte zu huldigen. Sigmund hatte sich in ganz Hohenberg bereits 1470 huldigen lassen. F. Piontek, 1997, S. 182.

51 Erzherzogin Mechthild „versuchte ihrem Sohn Eberhard die habsburgische Obere Grafschaft Hohenberg zuzuspielen“. Volker Press: „Eberhard im Barte “, 1994, S. 19.

52 F. Piontek, 1997, S. 183, V. Press, 1994, S. 19, Chr. v. Stälin, 1856, S. 589.

53 Stälin, 1856, S. 589, V. Press, 1994, S. 19.

54 Stälin, 1856, S. 590. Dies sei „keine ruhmreiche, aber eine kluge Entscheidung“ gewesen, so Volker Press, 1994, S. 19.

55 Stälin, 1856, S. 590, V. Press, 1994, S. 19.

56 Bereits wenige Monate nach Übernahme der Regierung der Vorlande schließt Sigmund von Tirol mit dem Grafen Ulrich von Württemberg am 29. November 1458, mit diesem auch als Vormund Eberhards V., eine Einung zu wechselseitiger Hilfe auf 2 Jahre. Stälin, 1856, S. 547.

57 Friedmar Geißler, 1974, S. 4.

58 BdB, 1964, S. 23,10.

59 BdB, 1964, S. 160,5.

60 Die Geschichte vom räudigen Affen (Kap. 16,1) werde in der Erzählung des Dvh anders dargestellt. Im Dvh (376,34ff.) geht der gesunde Affe, der dem räudigen Hilfe versprach, zur Drachenhöhle und wird vom Drachen verschlungen. Im BdB (153,32ff.) dagegen führe der gesunde Affe den räudigen Affen zur Höhle, und dort wird der räudige Affe vom Drachen gefressen, so Friedmar Geißler, 1974, S. 13. Um den Grad an Verschlagenheit und Infamie darzustellen, durch die ein anderer zu Tode gebracht wird, liegt dieser Ausgang der Geschichte sicherlich besser in der Konsequenz der Erzählungen des BdB.

61 macht mit seinen fabeln // vnd kurtzweyliger rede ir gemůte zu yme so geneigt, das er ynn liebt vnd gunst zu yme gewonnen. (BdB, 96,38)

62 “Bey ynn allen fand ich kein weyßheyt oder vornufft dan bey eiynem“ (BdB, 97,41).

63 Der König (leo) hört von dem Fuchs, der in einer indischen Provinz den Ruf genießt vornufftig, weyse,

getrewer rete, gerecht und gelert zu sein und lässt ihn an seinen Hof kommen (BdB, 137,25). Der Ochse wird auf Geheiß des Königs, der von ihm hörte, von Dymna ebenfalls von außerhalb an den Hof des Königs gebracht (BdB, 22,37).

64 “dan zu loben was sein hohe vornůfft vnd gutte sytten, auch sein lustiger bey wandel“ (BdB, 49,25).

65 In der Binnenerzählung, siehe oben, wird das einfeltig camele von den Hofleuten Wolf, Rabe und Fuchs herein gelegt und kommt zu Tode.

66 Dies ist denn ja auch im eigentlichen indischen Pancatantra der Fall. Erst in der arabischen Bearbeitung von 'Abdallah ibn al-Muquaffa', in der der indische Grundstock am nachhaltigsten verändert wird , werde das 1. Buch ('Die Verfeindung von Freunden') mit einem Ergänzungskapitel, in dem die Gerechtigkeit doch noch siegt (Dimnas Prozess) versehen. Friedmar Geißler, 1974, S. 4.

67 Ebenso Volker Honemann, der feststellt; im BdB lasse sich sehr schnell erkennen, dass das Thema der Auswahl derjenigen, die den Herrscher umgeben sollen, für einen Fürsten wie Eberhard im Bart (und genauso für die Fürsten und Könige seiner Umwelt) „von größtem Interesse war: nämlich der rechte Umgang mit seinen Höflingen, mit allen, mit denen er zusammenarbeiten und auf die er sich verlassen können mußte.“ Volker Honemann: „Literatur im Umkreis Eberhards...“, 2006, S. 170.

68 Da die Hauptgeschichte des BdB den falschen Ratgeber und das Problem des rechten Rates in den Mittelpunkt stelle, im späten 15. Jahrhundert aber gerade am Entstehungsort des Werkes das Ratswesen eine neue Grundlage erhalten habe, müsse auf die historische Entwicklung des württembergischen Ratswesens eingegangen werden, so F. Piontek, 1997, S. 115.

69 Der frühe Tod Eberhards IV. 1419 habe eine mehr als hundertjährige Periode dynastischer Instabilität eingeleitet. Sönke Lorenz: „Vom herrschaftlichen Rat...“, 2010, S. 10.

70 Sönke Lorenz, 2010, S. 13.

71 Frank Piontek, 1997, S. 118.

72 Während im ausgehenden Mittelalter der Hof die Landsverwaltung dominiere, zeichne sich in den Krisen die Bedeutung des Landhofmeisters deutlich ab. Dieter Mertens: „Die württembergischen Höfe...“, 2006, S. 75.

73 S. Lorenz, 2010, S. 10.

74 Heinrich Ruckgaber: „Geschichte “, 1840, S. 89. F. Piontek, 1997, S. 131.

75 H. Ruckgaber, 1840, S. 90

76 Brief zitiert bei Renate Kruska, 1989, S. 9.

77 Sönke Lorenz, 2010, S. 13.

78 Kaiser Friedrich bestätigt diese Vormundschaft des Grafen Ulrich V. über den Grafen Eberhard V. (im Bart) Renate Kruska, 1989, S. 14.

79 Sönke Lorenz, 2010, S. 16 f.

80 R. Kruska, 1989, S. 15. Eberhard flieht zuerst nach Rottenburg zu Mechthild und begibt sich dann zu Markgraf Karl von Baden nach Ettlingen. Bemerkenswerterweise habe Eberhard also nicht bei seinem pfalzgräflichen Onkel Zuflucht gesucht, sondern beim politisch weniger gefährlichen badischen Markgrafen, der sogar ein Verbündeter Graf Ulrichs war. Damit aber habe Eberhard seine neu gewonnene Unabhängigkeit demonstriert, habe Mündigkeit ertrotzt und mit der Aussicht auf Neutralität und Frieden auch die Landschaft hinter sich gebracht, sie von Graf Ulrich abgesprengt. Volker Press: Eberhard im Bart...“, 1994, S. 16.

81 S. Lorenz, 2010, S. 17. Der 14jähriger Graf hatte sich 1459 von dem vormundschaftlichen Einfluss seines Onkels Ulrich gelöst, sicher unter maßgeblichem Einfluss der Räte, wohl auch der Unterstützung der Mutter und seines pfalzgräflichen Onkels. Volker Press, 1994, S. 15.

82 Johann Christian Pfister: „Eberhard im Bart...“, 1822, S. 65

83 Werner von Zimmern steigt ein Jahr vor Bubenhofen in das Amt des Landhofmeisters auf, ist also dessen „Vor-und Mitgänger im Amt des Landeshofmeisters“. F. Piontek, S.131. Hans von Bubenhofen ist von 1461-1481 als Landhofmeister von Württemberg-Urach bezeugt. F. Piontek, 1997, S. 130.

84 Heinrich Ruckgaber, 1840, S. 94. Die spätere Geschichtsschreibung stützt sich bei dieser Beurteilung des Verkaufs wohl vor allem auf die Angaben von Graf Froben Christof von Zimmern (gest. 1567), der in seiner 'Chronik der Grafen von Zimmern' den Verkauf als Übertölpelung des jungen württembergischen Grafen durch Werner von Zimmern darstellt. Diese Erzählung von der Übertölpelung wird jedoch von Gerhard Wolf mit guten Gründen in Zweifel gezogen. Gerhard Wolf: „Von der Chronik “, 2002, S. 250f. Jenseits der schwankhaften Literarisierung des vorteilhaften Kaufs durch Froben von Zimmern dürften es also andere Motive gewesen sein, die Werner von Zimmern den günstigen Erwerb ermöglichten.

85 J. Ch. Pfister, 1822, S. 65.

86 Achalm solle württembergisch bleiben und ein Sohn Zimmerns Eberhards Diener werden. Im Jahre 1473 steht Werner von Zimmern wieder im Dienstverhältnis mit Sigmund von Tirol.. Piontik, 1997, S. 131. Er habe hier eine steile Karriere durchlaufen. Casimir Bumiller: „Die Herren und Grafen...“, 2012, S. 23.

87 Zimmerische Chronik, hg. von Paul Hermann, Leipzig 1932, Bd. I, S. 420, F. Piontek, 1997, S. 131.

88 F. Piontek, 1997, S. 131.

89 F. Piontek, 1997, S. 155.

90 Dazu habe Eberhard im Bart allen Grund gehabt, habe Eberhard d.J. doch wenige Jahre später einen Mann als Rat in seinen Dienst genommen, der mit seinen Machenschaften die württembergische Politik für einige Zeit irritieren sollte: den Augustinermönch und Rat Conrat Holzinger, der 1484 und 1488 mittels Johannes Reuchlin in Haft genommen wird, so Piontek, 1997, S. 155

91 F. Piontek, 1997, S. 155.

92 F. Piontek, 1997, S. 87 f.

93 F. Piontek, 1997, S. 76, Jan-Dirk Müller: „Gedechtnus...“, 1982, S. 39.

94 Georg von Ehingen, Reisen nach der Ritterschaft I, S. 48, zit. nach F. Piontek S. 71.

95 Noch 1507 entwerfe Ludwig von Eyb d.J. In seinen Geschichten und Taten Wilwolts von Schaumburg

96 Das spätmittelalterliche Turnier etwa, auf dessen romantisches Element Johan Huizinga in seinem 'Herbst des Mittelalters' ,Stgt. 1975, verweise, wie auch Maurice Keen, der in 'Das Rittertum', Reinbek 1991, den 'nostalgischen Aspekt' des späten Rittertums hervorhebe. Die Renaissance der Ritterspiele habe versucht eine romantisierende Legitimation für illiterate Degeneration zu schaffen, so F. Piontek, 1997, S. 70.

97 Die wisheit gerate in der gleichsam scientifischen Adelserziehung des 15. Jahrhunderts in den theoretischen Mittelpunkt des Edukationslehrgangs, analog zur Verwissenschaftlichung von Kanzlei und Regierung. F. Piontek, 1997, S. 69.

98 Das BdB wolle „an Hand z.T. recht drastischer und grausamer Erzählungen f ü rsichtigkeitt lehren, eine langfristig denkende Lebensklugheit, zu der auch die Gottesfurcht gehört, die aber doch eine diesseitige Klugheit ist, welche eben vermeidet, was sich nicht auszahlt: die Unerreichbares gar nicht erst versucht, Erreichbares zielstrebig und zäh verfolgt, (…) Vom Geist des Neuen Testaments ist nichts darin zu finden, eher der Geist der Politik des 15. Jahrhunderts.“ Dieter Mertens, 1994, S. 68.

99 „Es gezympt sich auch nit, das der konig adelich getat vnd vernunfftigs gemůts bey ymant vorachtet, auch ob er das bey einem vnachtbarnn man fund e. Dan gar dick sicht man, das wenig ynn vil wachset vnd das voracht zů nůtz kompt“ (BdB, 21,4 ff.). So traditionell der Gedanke vom Gemeinen Nutz auch sei, der sich bereits in der römischen Staatstheorie bei Cicero finde, so intensiv werde er doch gerade während des Mittelalters, zumal in Württemberg diskutiert. Im städtischen Milieu, mit Cicero zusammenhängend, erscheine der Begriff am 1540 entstandenen Ostflügel des Ulmer Rathauses. F. Piontek, 1997, S. 100.

100 Ein besonders deutliches Beispiel für die Distanz des BdB (aber auch der Fabeldichtung überhaupt) zur Ethik im klassischen Sinne sieht sie im Bedeutungswandel den der Begriff der milte, Barmherzigkeit, seit den Zeiten Thomasins von Zirklaere erfahre. Sei für den Moraldidaktiker Thomasin milte noch ein Gut, das prinzipiell und um seiner selbst willen erstrebenswert sei, seien miltekeit und auch erbermde bereits bei Boner ('Der Edelstein', 1461) keine Werte mehr an sich, sondern nur noch insofern, als sie sich auszahlen, weil man mit Dank rechnen darf. Das BdB gehe sogar noch einen Schritt weiter und verlange Barmherzigkeit nur gegenüber den Dankbaren und Guten (Kap. 14), nicht etwa, weil diese sie mehr verdienen, sondern weil Barmherzigkeit gegenüber Undankbaren einem selbst nur Schaden einbringe und es daher unvorsichtig sei, Undankbaren zu geben und zu helfen. S. Obermaier, 2004, S. 304

101 Etwa Franklin Edgerton 1915: „At any rate, the main purpose of the book was to teach worldly wisdom - especially political wisdom, of a highly unmoral an Machiavellian variety.“ Ebenso Helmuth von Glasenapp 1961, Helmut Hoffmann, 1992, so S. Obermaier, 2004, S. 305, Anmerkung 90.

102 S. Obermaier, 2004, S. 298 f.

103 Zur Vorrede siehe Kap. 7.

104 S. Obermaier, 2004, S. 305.

105 F. Piontek, 1997, S. 58,

106 F. Piontek, 1997, S. 156,

107 „E si gli uomini fussino tutti buoni, questo precetto notn sarebbe buono (…) Ma è necessario questa natura saperla bene colorire, ed essere gran simulatore e dissimulatore“ Machiavelli, zit. nach F. Piontek, 1997, S. 157.

108 “Stellt euch diese Nacht an das Tor! Ich will mit meiner Leibmagd hinausgehen! In den Tagen, nach deren Verlauf ihr die Übergabe der Stadt zugesagt habt, wird der Herr Israel durch meine Hand gnädig heimsuchen.“ Die Heilige Schrift, 1979, Judit 8,33.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
"Das Buch der Beispiele der alten Weisen" von Anton von Pforr. Historische Hintergründe und die Verbindung zu der "Warnfabel" von Eberhard im Bart
Autor
Jahr
2017
Seiten
93
Katalognummer
V383956
ISBN (eBook)
9783668591141
ISBN (Buch)
9783668591158
Dateigröße
978 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
buch, beispiele, weisen, anton, pforr, historische, hintergründe, verbindung, warnfabel, eberhard, bart
Arbeit zitieren
Horst Haub (Autor), 2017, "Das Buch der Beispiele der alten Weisen" von Anton von Pforr. Historische Hintergründe und die Verbindung zu der "Warnfabel" von Eberhard im Bart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383956

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