Probleme und Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland


Hausarbeit, 2016
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensform alleinerziehend
2.1 Phasen in der Entwicklung der Einelternfamilie

3. Finanzielle Probleme
3.1 Einkommenssituation
3.2 Unterhalt

4. Soziale Probleme
4.1 Vorurteile
4.2 Das Soziale Netzwerk
4.3 Die Zusammensetzung des Sozialkapitals
4.4 Neue Partnerschaft

5. Gesundheitliche Situation

6. Eltern-Kind-Beziehung
6.1 Das schlechte Gewissen und mögliche Erziehungsfehler

7. Die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Kinderbetreuung

8. Betreuungsmöglichkeiten

9. Schwierigkeiten im Beruf

10. Wie kann die Soziale Arbeit helfen? Am Beispiel der Stadt Hannover

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Bundesrepublik Deutschland steigt die Anzahl alleinerziehender Mütter und Väter von Jahr zu Jahr stetig an, da Ehen und Beziehungen auseinander gehen, der Partner oder die Partnerin plötzlich stirbt oder Frauen ohne Partner sich in der Schwangerschaft für ihr Kind entscheiden.

Im Jahr 2011 gab es in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 1,6 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren.

Hier zu Lande ist mittlerweile jede fünfte Familie eine Einelternfamilie. Fast 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, erwartet wird aber, dass der Anteil alleinerziehender Väter in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird (vgl. Bylow, 2011, S. 6-7).

Alleinerziehende sind ledige, verheiratet getrennt lebende, geschiedene oder verwitwete Mütter und Väter, die mit mindestens einem unverheirateten leiblichen, Adoptiv-, Stief-; oder Pflegekind in einem Haushalt zusammenleben.

Allein erziehend bedeutet, den Alltag mit den Kindern alleine bewältigen zu müssen. Alleinerziehende haben meistens einen tiefen Einschnitt in ihr Leben, eine starke Krise erlebt, sei es durch Trennung oder Tod. Neben der Verarbeitung der eigenen Lebenssituation müssen sie gleichzeitig versuchen, ihren Kindern ein weitestgehend normales Familienleben zu ermöglichen. Für Alleinerziehende spielen spezifische familienrechtliche, wirtschaftliche und soziale Probleme eine sehr große Rolle im Leben (vgl. Brand; Hammer, 2002, S. 38-39).

Demnach stellt sich mir die Frage, ob alleinerziehende Mütter und Väter tatsächlich vermehrt Problemen und Schwierigkeiten ausgesetzt sind.

Im Folgenden werde ich mich mit dieser Fragestellung detailliert auseinandersetzen.

2. Lebensform alleinerziehend

Charakteristisch für die Lebensform alleinerziehend sind die Übernahme der Vater- und Mutterrolle und die Alleinverantwortung für die Kinder.

Wie die Alleinerziehenden mit ihrer neuen Aufgabe zurechtkommen, ist davon abhängig, ob sie selbst die Initiative zur Trennung übernommen haben, vom Partner verlassen wurden oder verwitwet sind. Alleinerziehende, die selbst die Trennung initiiert haben, sind zu einem Großteil weiblich und gehen häufiger wieder eine neue Beziehung ein.

Im Gegensatz hierzu, leben die alleinerziehenden Mütter und Väter, die von ihrem Partner oder ihrer Partnerin verlassen wurden, häufiger allein mit den Kindern im Haushalt, also ohne weitere Personen und gehen seltener eine neue Beziehung ein.

In den meisten Fällen sind es aber die Alleinerziehenden selbst, die die Initiative zur Trennung oder Scheidung des Partners oder der Partnerin ergriffen haben, trotz einigen Nachteilen wie die finanzielle und berufliche Situation, dem Zeithaushalt, der sozialen Akzeptanz sowie der Alleinverantwortung. Das Eintrittsalter in die Einelternschaft variiert stark, allerdings lässt sich eine vermehrte Häufung zwischen 20 und 33 Jahren verzeichnen.

Wird das Eintrittsalter näher betrachtet, lassen sich deutliche Zusammenhänge zu Risikofaktoren der Lebenssituation Alleinerziehender feststellen. Jüngere Alleinerziehende haben oftmals eine geringere Schulbildung, gefolgt von einer niedrigeren beruflichen Position und einem geringen Einkommen bzw. Nichterwerbstätigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit.

Hinsichtlich der Erstmaligkeit der Lebensform Alleinerziehend bestehen konkrete Zusammenhänge zum Familienstand. Ledige Mütter oder Väter sind oftmals schon seit der Geburt der Kinder alleinerziehend.

Anhand dieser Beispiele wird sichtbar, wie vielfältig die Lebensform Alleinerziehend ist.

Abschließend dazu stellt sich deutlich heraus, dass sich zwischen den Vater-Mutter-Kind Familien und den Einelternfamilien eine Vielfalt von ‚untypischen‘ bzw. nicht-normierter Einelternfamilien etabliert (vgl. Brand; Hammer, 2002 S. 76-87).

2.1 Phasen in der Entwicklung der Einelternfamilie

Die Nachkriegszeit wird geprägt durch den technologischen Fortschritt, den kulturellen Wandel wie der Wahlfreiheit sowie sozialstruktuellen Veränderungen wie der Demokratisierung des Wohlstands. Um 1950 stieg die Scheidungsquote in Deutschland an, was zur Folge hatte, dass sich die Zahl der Alleinerziehenden erhöhte. 10 Jahre darauf erhöhte sich die Anzahl der außerehelichen Geburten und nichteheliche Lebensgemeinschaften avancierten zum Gegenentwurf der klassischen Kleinfamilie.

In den darauffolgenden Jahren verringerten sich die Geburtenzahlen und Eheschließungen, während die Zahl der Einpersonenhaushalte und nichtehelicher Partnerschaften erhöhte.

Dieses neue Setting zeichnete sich somit einerseits durch einen Verlust der Ehe als Institution sowie andererseits durch die zunehmende biografische Disponibilität von Partnerschaft und Elternschaft aus. All dieses hatte die Zunahme von Alleinerziehenden zur Folge (vgl. Fux, 2011, S. 13-14).

3. Finanzielle Probleme

3.1 Einkommenssituation

Grundsätzlich sind alleinerziehende Mütter und Väter finanziell schlechter gestellt als Ehepaare mit Kindern. Dennoch bezieht ein Großteil der Alleinerziehenden ihr Haupteinkommen aus eigener Erwerbstätigkeit. Die zweite, niedrigere Anzahl von Alleinerziehenden ist überwiegend auf die finanzielle Unterstützung durch Angehörige oder auf Sozialhilfe angewiesen. Um sich über Wasser halten zu können, müssen Alleinerziehende demnach oftmals auch andere staatliche Leistungen wie Kindergeld, Erziehungsgeld und Wohngeld beziehen und sind auf Unterhaltszahlungen angewiesen.

Das heißt, je höher das Einkommen ist, desto geringer empfinden die Betroffenen ihre Situation als belastend und umso geringer das Einkommen ist, desto höher ist das Belastungsempfinden.

Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen ist zudem bei denjenigen am geringsten, die keinen oder nur einen niedrigen Schulabschluss erlangt haben, nicht erwerbstätig sind, eine niedrige berufliche Position ausüben, zwei oder mehr Kinder in ihrem Haushalt versorgen oder noch sehr jung sind.

Obwohl alleinerziehende Mütter und Väter in Deutschland über kaum genug finanzielle Mittel verfügen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, hat nahezu die Hälfte Schulden zu tilgen oder Abzahlungsverpflichtungen zu leisten. Demnach empfinden sie die finanzielle Situation als sehr belastend. Dieses Gefühl sinkt erst wieder, wenn die Raten und Kredite abbezahlt sind (obwohl diese meistens bis weit in die Zukunft reichen) oder wenn das Einkommen der Betroffenen zunimmt (vgl. Brand; Hammer, 2002, S. 124-131).

3.2 Unterhalt

Ein Großteil der alleinerziehenden Mütter und Väter haben materielle Sorgen. Neben den Schwierigkeiten selbst ein Einkommen zu haben, mit dem man sich und die Kinder über Wasser halten kann und eine günstige Wohnung zu finden, kommt die schlechte Zahlungsmoral in Bezug auf den Unterhalt hinzu. Erschreckend ist, dass fast 50 Prozent der unterhaltspflichtigen Mütter und Väter zu wenig, unregelmäßig oder gar nicht zahlen, was selbstverständlich immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den einstigen Partnern führt. Um vor den Unterhaltszahlungen zu fliehen, gibt es immer wieder Fälle, in denen das unterhaltspflichtige Elternteil ein Studium beginnt oder sogar unauffindbar ins Ausland abtaucht.

Da aber sowohl die Mutter als auch der Vater für ihre Kinder Unterhalt erbringen müssen, besteht eine grundsätzliche Unterhaltspflicht. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, erfüllt seine Unterhaltspflichten durch den Naturalunterhalt wie Kost und Logis. Im Gegenzug hierzu muss der andere Elternteil seinen Unterhaltsbeitrag als Barunterhalt leisten, also finanziell ausgleichen.

Allerdings setzt dieses die Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners voraus, denn nur wer genügend Einkommen zur Verfügung hat, kann auch tatsächlich den Unterhaltszahlungen nachkommen. Die Leistungsfähigkeit stellt die Relation zwischen dem Unterhaltsanspruch und der aktuellen finanziellen Situation des unterhaltsverpflichteten Elternteils dar. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten setzt dem Unterhaltsanspruch des Berechtigten somit eine Grenze. Nach § 1603 BGB, in dem die Leistungsfähigkeit definiert ist, darf der Unterhaltsschuldner durch die Unterhaltszahlungen nicht in die Lage versetzt werden, seinen eigenen Lebensunterhalt zu gefährden.

Wie bereits benannt versucht der unterhaltspflichtige Elternteil nicht selten, sich vor den Zahlungen zu drücken und versucht daher, gegen den zu zahlenden Unterhalt einzuklagen, indem er bzw. sie angibt, den errechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten zu können. Allerdings reicht diese Einwendung natürlich nicht, da der bzw. die Unterhaltsverpflichtete dieses Vorbringen zunächst glaubhaft machen muss, d.h. er bzw. sie muss es auch beweisen können (vgl. Diele, 1996, S. 60-73).

4. Soziale Probleme

4.1 Vorurteile

Hier sollte zu Beginn die Frage geklärt werden, warum alleinerziehenden Müttern und Vätern überhaupt Vorurteile zugeschrieben werden. Eines der Hauptgründe ist vermutlich die Unwissenheit. Menschen haben seit jeher das Verlangen, immer einfache kausale Zusammenhänge herzustellen (Beispiel: ‚Es ist kein Wunder, dass deine Tochter so auffällig ist. Sie hat es ja auch nicht leicht ohne Mutter‘). Des Weiteren spielt die Angst eine entscheidende Rolle. Viele Menschen, die Alleinerziehenden mit Vorurteilen gegenübertreten, haben selbst Angst, in diese Situation zu geraten. Daher versuchen diese Menschen oftmals, eine größtmögliche Distanz zu den alleinerziehenden Müttern und Vätern zu schaffen, was anscheinend nur mit ‚neunmalklugen‘ Tipps oder verletzenden Abwertungen möglich ist. Zu guter Letzt verstärkt traurigerweise die einseitige Medienerstattung durch RTL 2 und weiteren ähnlichen Fernsehsendern das Bild von der arbeitslosen, unfähigen und leidenden Frau, vor der jeder Mann die Flucht ergreift.

Erschreckend sind zudem die Widersprüche, mit denen Alleinerziehende konfrontiert werden, welche ich im Folgenden beispielhaft aufzählen werden: Wenn Alleinerziehende keine Arbeitsstelle haben, ist das anscheinend typisch für diese Lebensform. Gehen Alleinerziehende aber arbeiten, sind die Kinder noch ärmer dran. Möchten Alleinerziehende Sozialhilfe beantragen, gelten sie als Schmarotzer. Verzichten sie aus diesem Grund darauf, wird davon ausgegangen, dass sie ein gutes, finanziell sicheres und leichtes Leben führen. Dieses Argument trifft ebenfalls zu, wenn Alleinerziehende in einem Haus leben. Wohnen sie aber in einer kleinen Wohnung, leiden die Kinder. Organisiert das alleinerziehende Elternteil gelegentlichen einen Babysitter, gilt er bzw. sie als verantwortungslos und vergnügungssüchtig. Geht das alleinerziehende Elternteil jedoch nie aus, werden durch die Inaktivität die Kinder traumatisiert (vgl. Widmer, 2015).

4.2 Das Soziale Netzwerk

Wie bereits benannt, haben alleinerziehende Mütter und Vater in Deutschland mit vielen Vorurteilen verschiedenster Art zu kämpfen, was ihnen eine erfolgreiche Integration in die soziale Gesellschaft oftmals erschwert. Dennoch hat es eine große Zahl der Alleinerziehenden geschafft, sich ein stabiles soziales Umfeld zu schaffen.

Diese Erkenntnis zeigt, dass es nicht das typische alleinerziehendspezifische Netzwerk gibt.

Einelternfamilien lassen sich idealtypisch auf zwei verschiedene Wege in die soziale Gesellschaft integrieren. Zum einen ist dieses durch eine stabile eventuell große Verwandtschaft und einen Freundeskreis möglich, in die das alleinerziehende Elternteil und die Kinder einverleibt werden.

Den Gegenpol dazu bilden öffentliche Infrastrukturangebote, die beispielsweise den Verlust sozialer Kontakte oder Chanceneinbußen auf dem Arbeitsmarkt verringern, mit der Folge, dass Alleinerziehende gleichermaßen in die soziale Gesellschaft integriert werden (vgl. Fux, 2011, S.95-100).

Die Frage, ob alleinerziehende Mütter und Väter dennoch grundsätzlich stärker isoliert leben als andere Lebensformen sollte an dieser Stelle trotzdem kurz angesprochen werden.

Experten vertreten hier nämlich unterschiedliche Meinungen. Einige bejahen die soziale Isolation, andere verneinen sie und wieder andere kommen zu der Erkenntnis, dass keine generelle Antwort zu geben ist. Aus dem Grund, da sich ein breites Spektrum von nahezu vollständiger Isolation bis hin zu Einbindungen in große soziale Netzwerke finden lassen.

In der Diskussion um die soziale Isolation alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland ist außerdem auffallend, dass viele Menschen der Ansicht sind, dass sich soziale Isolation nur anhand der Größe des sozialen Netzwerkes bestimmen lässt. Dabei ist mindestens genauso entscheidend, wie die Kontakte gehalten werden (schriftliche, telefonische oder persönliche Kontakte), wo die Kontakte stattfinden (innerhäuslich oder außerhäuslich) und wie intensiv die Kontakte sind (vgl. Niepel, 1994b, S. 84- 85).

„Soziale Unterstützung durch persönliche Netzwerke gilt als eine zentrale Variable in der Erhaltung von körperlicher und seelischer Gesundheit sowie in der Vermeidung, Bearbeitung und Bewältigung unterschiedlicher Belastungen, Krisen und Störungen“ (Niepel, 1994b, S. 22). Diese Aussage von Niepel lässt sich in einigen Forschungen zu alleinerziehenden Müttern und Vätern bestätigen, denn die angloamerikanische Single-Parent-Forschung und einige deutsche Studien ergaben mittlerweile Hinweise darauf, dass „die Verfügbarkeit quantitativ wie qualitativ zufriedenstellender Unterstützung ein wesentlicher Faktor für die Bewältigung der Lebenssituation als Alleinerziehende ist.“ (Niepel, 1994b, S. 21).

Da alleinerziehende Mütter und Väter nicht die Ressource besitzen, auf ihren Partner bzw. ihre Partnerin zurückgreifen zu können, welche sonst die dominante Figur des familialen Netzes darstellt, versuchen viele, sich zum Ausgleich ein größeres soziales Netzwerk zu erbauen. Zwischen den Akteuren entstehen dabei oft sogar intensivere Bindungen, als es bei Familien der Fall ist.

Die wichtigsten Netzwerkmitglieder sind dabei die engsten Freunde, die eigenen Kinder (hier vor allem die, die nicht mehr mit im Haushalt leben) und die eigene Mutter. Gerade zu der eigenen Mutter besteht bei den meisten Alleinerziehenden ein enger Kontakt.

Zu den weiteren Netzwerkmitgliedern gehören der Partner bzw. die Partnerin, der bzw. die nicht mit im Haushalt lebt und die weitere Verwandtschaft (vgl. Fux, 2011, S. 111-113).

4.3 Die Zusammensetzung des Sozialkapitals

Im folgenden Abschnitt werde ich mich mit der Zusammensetzung des Sozialkapitals beschäftigen. Hierbei gehe ich näher auf die prozentuale Verteilung von Kontakten, der emotionalen Unterstützung, den alltagspraktischen Hilfestellungen und auf die finanziellen Hilfen ein.

Zunächst ist an dieser Stelle zu sagen, dass die Mehrheit des Sozialkapitals der sozialen Reproduktion und persönlichen Stabilisierung dient und dass die praktischen Hilfen ein Drittel ausmachen.

Die assozionale Dimension beläuft sich dagegen auf 10% und die finanzielle Unterstützung auf 2%.

Vergleicht man die alten mit den neuen Bundesländern stellt man fest, dass alleinerziehende Mütter und Väter in den neuen Bundesländern seltener von ihrem Familien- und/ oder Freundeskreis finanziell unterstützt werden. Zudem werden alleinerziehende Väter seltener finanziell unterstützt als alleinerziehende Mütter und auch die assozionale Solidarität ist geringer.

Dem ist hinzuzufügen, dass alleinerziehende Väter ein geringeres, nur etwa halb so großes soziales Umfeld haben als alleinerziehende Mütter. Bei beiden Geschlechtern verringert sich dieses bedauerlicherweise noch mehr, sobald das alleinerziehende Elternteil einer Arbeit nachgeht. Neben dem Beruf, den Kindern und dem Haushalt bleibt für Verabredungen leider wenig Zeit.

Zwar versuchen viele alleinerziehende Mütter und Väter möglichst viel mit ihren Kindern zu unternehmen, aber Verabredungen mit den eigenen Freunden werden oftmals immer seltener, auch, weil in diesem Fall erst eine geeignete Betreuung für die Kinder gefunden werden muss.

Auch bei Alleinerziehenden die sich im Elternurlaub befinden, verringert sich die Kontaktdichte.

Erstaunlicherweise erhalten nicht erwerbstätige Alleinerziehende von ihrem sozialen Netzwerk weniger finanzielle Unterstützung als diejenigen, die in Teilzeit arbeiten. Begründet wird dieses damit, dass die nicht Erwerbstätigen für ihre Arbeitslosigkeit selbst verantwortlich sind und es selbst in der Hand haben, den finanziellen Sorgen entgegenzuwirken.

Anders sieht der Fall bei den Alleinerziehenden aus, die einen Teilzeitjob haben. Das soziale Umfeld ist stolz darauf, dass das alleinerziehende Elternteil sein Leben so gut im Griff hat und möchte versuchen, ihn bzw. sie und seine bzw. ihre Kinder weiter zu unterstützen.

Den Alleinerziehenden, die einen hohen Bildungsstatus haben, dient das soziale Umfeld hauptsächlich als emotionale Unterstützung.

Aber auch alle anderen alleinerziehenden Mütter und Väter in Deutschland legen viel Wert auf die emotionale Unterstützung, die sie aber überwiegend leider nur in den ersten fünf bis sechs Jahren erfahren. Anschließend lässt die emotionale Unterstützung oft stark nach. Der Hauptgrund dafür ist, dass das soziale Netzwerk denkt, dass das alleinerziehende Elternteil jetzt schon so lange alleinerziehend ist, dass es den meisten Problemen, Schwierigkeiten und Belastungen gewachsen ist.

Abschließend zu dem Sozialkapital möchte ich hinsichtlich der Betreuung der Kinder als Unterstützungshilfe durch das soziale Netzwerk deutlich machen, dass die Alleinerziehenden, welche nicht erwerbstätig sind oder schon eine lange Zeit lang alleinerziehend sind, weniger Unterstützung in Form von gelegentlicher Betreuung der Kinder bekommen, als diejenigen, die junge Kinder zu Hause haben oder voll- bzw. teilzeitlich erwerbstätig sind. Letztere bekunden häufiger größere Schwierigkeiten, die Familie und den Haushalt zu harmonisieren (vgl. Fux, 2011, S. 102-110).

4.4 Neue Partnerschaft

Das gute Verhältnis zu den eigenen Kindern kann die alleinerziehenden Mütter und Väter leider nicht vor der Einsamkeit schützen. Dennoch ist es für Alleinerziehende grundsätzlich schwer, einen neuen Partner bzw. eine neue Partnerin zu finden. Neben der Arbeit, dem Haushalt und den Kindern ist es nicht leicht noch die Zeit zu finden, jemanden näher kennenzulernen. Zumal das alleinerziehende Elternteil zu der Zeit eine Betreuung für die (jungen) Kinder benötigt.

Aber auch wenn diese Hürde erst einmal geschafft ist, hat es nicht zu bedeuten, dass von nun an alles harmonisch und einfach verläuft. Viele Kinder sind zunächst eifersüchtig auf den neuen Freund oder Freundin der Mutter bzw. des Vaters. Oftmals betrachten die Kinder den neuen Partner oder die neue Partnerin als Eindringling in die bisherige Familie, der oder die versucht, die gute Beziehung zwischen ihnen und ihrer Mutter bzw. ihrem Vater zu zerstören.

Andere Kinder wünschen sich vielleicht, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen. In dem Fall werden die Kinder den neuen Freund oder die neue Freundin als Rivalen des eigenen Vaters bzw. der eigenen Mutter betrachten und versuchen, einen Keil zwischen ihrem Elternteil und dem neuen Partner oder der neuen Partnerin zu schieben.

Gerade wenn der neue Partner oder die neue Partnerin versucht, einen Teil der Erziehung zu übernehmen, kontern die Kinder (Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater!).

Die Sturheit, Wut und Traurigkeit der Kinder kann sich weiter verstärken, wenn die Mutter bzw. der Vater etwas allein mit dem neuen Partner oder der neuen Partnerin unternimmt. Viele Kinder entwickeln dann ein Gefühl der Einsamkeit und fühlen sich abgeschoben (Papa hat seine neue Freundin mehr lieb als mich).

Besonders schwierig wird das neue Familienleben, wenn der neue Partner oder die neue Partnerin - vielleicht sogar mit Kindern - Zuhause einzieht. Wenn sich die Kinder dann auch noch mit den Kindern des neuen Partners oder der neuen Partnerin ihr bisher eigenes Zimmer teilen müssen, geht die große Mehrheit der Kinder, verständlicherweise, in den Widerstand.

Des Weiteren kann es vorkommen, dass der neue Partner oder die neue Partnerin die Geduld verliert, wenn es darum geht, ihn oder sie nur ganz langsam und sehr behutsam in die Familie zu integrieren. Gerade dann, wenn die Kinder immer und zu jeder Zeit im Vordergrund stehen oder sich alles nur um die Kinder geht, ergreift der neue Partner oder die neue Partnerin schnell die Flucht.

Sollte es tatsächlich zu diesen Schwierigkeiten kommen, die zeitlich auch andauern können, entscheiden sich viele Alleinerziehende letztendlich für ihre Kinder. Diese Entscheidung sollte aber gut durchdacht sein, da viele diese Entscheidung den Kindern eines Tages mal bewusst oder unbewusst zu einem großen Vorwurf machen (vgl. Diele, 1996, S. 104-107).

5. Gesundheitliche Situation

Alleinerziehende Mütter und Väter berichten häufiger als Verheiratete von Kopfschmerzen, Migräne, Schmerzen im Nacken sowie in den Armen und Beinen. Viele Alleinerziehende fühlen sich aufgrund der immer wieder kehrenden Schmerzen in ihrem bzw. seinem Alltag beeinträchtigt.

Zudem treten sehr oft Befindlichkeitsstörungen auf, die sich meistens in einem Teufelskreis bewegen. Dadurch, dass die Alleinerziehenden abends mehr nachdenken als Verheiratete und ihnen mehr durch den Kopf geht, folgt die Schlaflosigkeit in der Nacht. Dieser Schlafmangel wiederum führt zu einem Schwächegefühl und verstärkter Müdigkeit am nächsten Tag. Um der Schlaflosigkeit und dem Schwächegefühl zu entkommen, greifen alleinerziehende Mütter und Väter vermehrt zu Arzneimittel mit anzunehmender psychotroper Wirkung, wie beispielsweise Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Mittel gegen Verstimmtheit, Traurigkeit und/oder Depressionen.

Alleinerziehende Mütter und Väter schätzen ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität daher relativ schlecht ein. Allerdings fällt diese Differenz in den einzelnen Bereichen unterschiedlich stark aus.

Im Vergleich zu verheirateten Müttern und Vätern sind die Unterschiede bezogen auf körperliche Beeinträchtigungen gering, bezogen auf die allgemeine Gesundheitswahrneh-mung, Vitalität und soziale Funktionsfähigkeit stechen sie allerdings deutlich hervor.

Wie bereits genannt geben Alleinerziehende insbesondere bei emotionalen Problemen, dem psychischen Wohlbefinden und den körperlichen Schmerzen die größte Beeinträchtigung an.

Hierzu möchte ich noch anmerken, dass sich Alleinerziehende aus der unteren Sozialschicht am größten gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Offenbar werden die negativen Punkte der Lebensform Alleinerziehend auf Einzelaspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch die Zugehörigkeit zur unteren Sozialschicht noch verstärkt.

Wird die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen näher betrachtet, wird deutlich, dass nur die Hälfte der alleinerziehenden Mütter und Väter an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

Möglicherweise ist dieses darauf zurückzuführen, dass Alleinerziehenden oftmals nur wenig bzw. kaum Zeit bleibt, um sich aktiv mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Zudem muss für jeden Arztbesuch immer erst eine Betreuung für die Kinder gefunden werden.

Ein weiterer deutlich auffallender Punkt, welchen ich mit in das Themengebiet der Gesundheit einbetten möchte, ist das Rauchen. Der Anteil der regelmäßigen Raucher unter den alleinerziehenden Müttern und Vätern ist doppelt so hoch, wie der von Verheirateten.

Dieses Verhalten ist mit dem Belastungs-Ressourcen-Konzept zu erklären, welches das Rauchen als Reaktion auf Stressbelastungen interpretiert und wie sich bereits gezeigt hat, sind Alleinerziehende psychosozial durchaus stark belastet.

Zu der Bewegung und Ernährung lässt sich sagen, dass Alleinerziehende aufgrund des bereits mehrfach erwähnten Zweitmangels wenig sportlich aktiv sind. Zudem achten sie weniger auf eine gesunde ausgewogene Ernährung und essen eher zwischendurch, anstatt feste Mahlzeiten einzunehmen (vgl. Helfferich; Hendel-Kramer; Klindworth, 2003).

6. Eltern-Kind-Beziehung

Die große Eigenverantwortung die Alleinerziehende für ihre Kinder tragen kann durchaus zu Schwierigkeiten führen, wenn sie einen problematischen Erziehungsstil führen und da die Korrektur oder das Feedback durch den Partner bzw. die Partnerin ausbleibt.

Dass der gegengeschlechtliche Partner bzw. die gegengeschlechtliche Partnerin fehlt, macht sich in vielen Einelternfamilien bemerkbar. In Deutschland sind etwa 60 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 70 Prozent der alleinerziehenden Väter überzeugt, dass sie ihren Kindern alleine nicht allen Bedürfnissen gerecht werden können.

In vielen Einelternfamilien wachsen die Kinder überbehütet und verwöhnt auf, da Alleinerziehende versuchen, den Verlust des anderen Elternteils somit zu mindern oder den Kindern zu zeigen, dass sie durch die Einelternfamilie nichts verpassen.

Beeindruckend ist, wie sehr sich Alleinerziehende um den Erfolg ihrer Kinder bemühen. Oftmals streben sie eine große Leistungserbringung der Kinder an. Zum einem, um dem Klischee zu entkommen, dass Alleinstehende mit der Erziehung der Kinder überfordert sind und zum anderen, um dem Expartner bzw. der Expartnerin oder auch Freunden und Verwandten zu zeigen, wie gut sie ihre Erziehung meistern und wie erfolgreich sich dieser Stil auf die Kinder ausübt.

Allerdings sollte durch die Verwöhnung und Überbehütung Vorsicht geboten werden. Insbesondere dann, wenn Kindern keine richtigen Grenzen gesetzt werden, führt dieses Verhalten spätestens bei Pubertierenden und rebellischen Heranwachsenden zu Problemen.

In anderen Fällen vernachlässigen alleinerziehende Mütter und Väter ihre Kinder. Zum Beispiel, wenn sie zu sehr in ihre Arbeit eingespannt sind. Viele Alleinerziehende haben wenn sie nach dem Feierabend nach Hause kommen kaum noch Kraft, sich genügend um ihre Kinder zu kümmern, geschweige denn, etwas mit ihnen zu unternehmen.

Wieder andere trauern noch zu sehr um ihren Expartner bzw. ihre Expartnerin und sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ausreichend für ihre Kinder da zu sein und sich mit ihnen zu beschäftigen. Wenn die Kinder dieses Verhalten mitbekommen, entwickeln sie Angstgefühle, da sie das Bedenken haben, ihre Mutter oder ihren Vater an Suizid zu verlieren. Einige Kinder haben das Gefühl, sich so intensiv um ihr Elternteil kümmern zu müssen und haben so starke Angst es zu verlieren, dass sie versuchen, immer in ihrer bzw. seiner Nähe zu sein und sogar Schulphobien entwickeln, um zu Hause bleiben zu können.

Diese starke Traurigkeit der Alleinerziehenden, oder auch das Abkapseln von dem sozialen Umfeld führt dazu, dass alleinerziehenden Mütter und Väter ihre Kinder zu ihrem kompletten Lebensinhalt machen. Die Kinder entwickeln dadurch eine Macht ihrem alleinerziehenden Elternteil gegenüber, was dazu führt, dass sie ein großes Mitbestimmungsrecht haben und sich nichts mehr sagen lassen. Die Ausbildung symbiotischer Beziehungen oder die Enge und wechselseitige Abhängigkeit die dann in der Beziehung zwischen der Mutter und den Kindern bzw. dem Vater und den Kindern besteht, erschwert es den Kindern, sich von ihrem alleinerziehenden Elternteil abzulösen.

Während Kindern, die überbehütet und/oder verwöhnt werden, meistens alle Aufgaben abgenommen werden, müssen in anderen Fällen die Kinder alleinerziehender Mütter und Väter schon frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen. Gerade wenn das alleinerziehende Elternteil viel arbeitet oder krank ist, kommt es zur Parentifizierung eines Kindes. Dieses Kind übernimmt dann die Elternfunktionen seiner bzw. ihrer Geschwister gegenüber. Wobei viele Kinder von sich auch sagen, dass sie ihre Geschwister gerne unterstützen, kann diese Verantwortung zu groß für das Kind sein, insbesondere dann, wenn es keine Wertschätzung für seine Taten und Leistungen bekommt. Da parentifizierte Kinder sich so sehr um ihre Geschwister kümmern, kommt es leider vor, dass das Kind für die Fehlschläge oder Probleme der Geschwister zur Rechenschaft gezogen wird, weil er bzw. sie auf die Geschwister aufpassen sollte und dafür zuständig ist, dass sie alles richtig machen.

Alleinerziehende, nicht erwerbstätige Mütter und Väter, sowie Alleinerziehende, die keine Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld erfahren, fällt es am schwersten, eine positive Identität als Alleinerziehende oder Alleinerziehender zu entwickeln und positive erzieherische Fähigkeiten zu entfalten. Viele Alleinerziehende sind hier auch dem Druck der Vater-Mutter-Kind-Norm ausgesetzt und haben zu große Erwartungen an die Kinder oder sich selbst was dazu führt, dass kleine Schwierigkeiten wie vorrübergehende schlechtere schulische Leistungen schnell zu großen Schwierigkeiten aufgebaut werden.

Ist die Einelternfamilie durch Scheidung oder Trennung entstanden, wirkt das andere Elternteil oftmals trotzdem erstmal noch erzieherisch. In den meisten Fällen nimmt der Kontakt von Jahr zu Jahr aber weiter ab. Fast die Hälfte der Alleinerziehenden hat keinen Kontakt mehr zu dem anderen Elternteil, während ein Drittel dennoch ein gutes Verhältnis zu dem Expartner bzw. der Expartnerin pflegt.

Allerdings ist dieser bzw. diese für die Erziehung der Kinder kaum zuständig. Daraus folgt, dass den Kindern bei dem nichtsorgeberechtigten Elternteil oftmals mehr Freiraum geboten wird und sie mehr erlaubt bekommen, als wenn sie ‚Zuhause‘ sind (vgl. Textor, 2015).

6.1 Das schlechte Gewissen und mögliche Erziehungsfehler

Aus dem Grund, dass alleinerziehende Mütter und Väter allein verantwortlich für ihre Kinder sind und versuchen, alles perfekt zu machen, haben sie häufig ein schlechtes Gewissen, wenn etwas nicht optimal läuft. So machen sich Alleinerziehende zum Beispiel Gedanken, wenn die Leistungsfähigkeit in der Schule vorrübergehend nachlässt, weil sie das auf ihre Berufstätigkeit zurückführen, wenn die Kinder keine Freunde mit nach Hause bringen können, weil sie nachmittags in einem Hort sind oder weil die Kinder materiell schlechter ausgestattet sind als andere, da das alleinerziehende Elternteil nicht genug Geld zur Verfügung hat.

Dieses sind allerdings nur wenige Beispiele, die Alleinerziehenden Sorge bereiten. Vielmehr befürchten sie, etwas in der Entwicklungsförderung ihrer Kinder zu verpassen. Gerade weil sie die Kinder alleine erziehen, möchten sie alles doppelt so gut machen. Daher leiden sie auch häufiger unter Fehlschlägen, Enttäuschungen oder Streitigkeiten, welche in der Beziehung zu den Kindern aber unvermeidbar und bis zu einem gewissen Maß natürlich sind.

Doch auch zu viel Liebe, zu große Erwartungen und zu viele Erwachsenengespräche können die Kinder überfordern und die Entwicklung beeinträchtigen. Dieses kann zum Beispiel bei einer zu starken Mutter-Kind-Fixierung oder Vater-Kind-Fixierung der Fall sein, welche oftmals entsteht, wenn das alleinerziehende Elternteil zu isoliert lebt und massive Probleme und Belastungen von außen heran treten. Wenn Alleinerziehende sich mit Freunden streiten, von den Eltern verstoßen werden, Schwierigkeiten haben eine Arbeitsstelle zu finden oder Ärger mit den Behörden haben, entsteht leicht das Gefühl: Meine Kinder und ich gegen den Rest der Welt! Doch damit sind die Kinder schnell überfordert und ziehen sich gegebenenfalls langsam aber immer mehr vor dem Elternteil zurück.

Ein weiteres Problem ist die schon eben kurz angesprochene Isolation. Gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder fühlt sich das alleinerziehende Elternteil schnell allein gelassen. Sie vermissen Gespräche mit der Familie und Freunden, die Arbeit und Unternehmungen. Alles, was ihnen bisher Spaß bereitet hat, ist nun erstmal in weite Ferne gerückt. Kommen solche Gedanken auf, ist das häufig mit einem schlechten Gewissen verbunden, weil die alleinerziehende Mutter bzw. der alleinerziehende Vater das Gefühlt hat, ihre bzw. seine Kinder nicht richtig zu lieben. Durch das daraus entstehende Gefühl eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater zu sein, reagieren Alleinerziehende schnell damit, die Kinder mit noch mehr Liebe zu überschütten, was auch wiederum nicht gut ist.

Ein weiteres Problem, das zu Konflikten zwischen dem alleinerziehenden Elternteil und dem Kind führen kann, ist, wenn das Kind mit dem Vater oder der Mutter verglichen wird. Wenn die Tochter ihren alleinerziehenden Vater zum Beispiel öfters nach einem Taschengeldvorschuss fragt, wird der Vater dies seiner Tochter im Zorn wohlmöglich zum Vorwurf machen, indem er ihr zum Beispiel sagt, sie sei wie ihre Mutter, die ebenfalls nicht mit Geld umgehen könne und dauernd Schulden mache. Oder ist ein Sohn mal schlecht gelaunt, wütend und schmettert die Tür zu, bekommt dieser von seiner alleinerziehenden Mutter zu hören, dass es so jähzornig wie sein Vater sei.

Wie groß die Enttäuschung oder der Hass auf den Expartner bzw. die Expartnerin auch sein mag, sollte das Kind niemals mit der Mutter oder dem Vater verglichen werden. ‚Du bist wie dein Vater‘ interpretiert ein jüngeres Kind so, dass Mama den Papa nicht lieb hat und mich somit auch nicht lieb hat, weil ich bin wie er.

Ältere Kinder reagieren starten leicht einen Gegenangriff. Sie versuchen sich damit zu rechtfertigen, dass sie doch nichts dafür können wer sie sind und wie sie sich verhalten.

Zum anderen kann es auch passieren, dass sich das Kind auf die Seite des anderen Elternteils stellt, weil es die Befürchtung hat, dass der Mutter oder dem Vater Unrecht getan wird und er bzw. sie gar nicht so böse, schlecht, aggressiv, laut oder naiv ist, wie immer gesagt wird.

Mütter oder Väter die verwitwet sind begehen dagegen manchmal den Fehler, dass sie dem Kind gegenüber ausdrücklich betonen, dass es so werden soll wie sein verstorbener Vater bzw. seine verstorbene Mutter. In diesem Zusammenhang wird nur Gutes über das andere Elternteil erzählt, was dahin führen kann, dass das Kind Angst und Minderwertigkeitskomplexe entwickeln kann, weil es das Gefühl hat, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden (Diele, 1996, S. 97-103).

7. Die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Kinderbetreuung

Durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) von 2004, in dem verankert ist, dass die Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder gesteigert werden, haben Politikerinnen und Politiker einen großen Schritt vollbracht. Dennoch gelingt es vielen alleinerziehenden Müttern und Vätern nicht einen Beruf auszuüben, da die Angebote in der Betreuung der Kinder immer noch zu gering sind.

Insbesondere dann, wenn die Alleinerziehenden selbstständig sind, ist es äußert schwierig eine Betreuung für die Kinder zu finden, die zu den Arbeitszeiten des alleinerziehenden Elternteils passt. Dasselbe trifft auf diejenigen zu, die im Schichtdienst und auch am Wochenende sowie an Feiertagen arbeiten müssen, wie es zum Beispiel in Pflegeberufen der Fall ist. Bis auf sehr wenige Ausnahmen gibt es keinerlei Einrichtungen, die bereits in den frühen Morgenstunden oder noch spät am Abend eine Betreuung anbieten. Dasselbe trifft auf Wochenenden und Feiertage zu. (Hier sei deutlich gesagt, dass es nicht darum geht, die Kinder von frühmorgens bis spätabends in einer Einrichtung zu betreuen zu lassen, sondern lediglich darum, dass es auch die Möglichkeit gäbe, das Kind vor der Frühschicht in Obhut zu geben und selbstverständlich nach Feierabend – was in dem Fall meistens um die Mittagszeit der Fall ist – wieder abzuholen).

Obwohl Alleinerziehende in der Vergabe von Plätzen bevorzugt werden, nützt dieses nach den eben genannten Schwierigkeiten wenig. In den meisten Fällen sind daher ein eigenes Organisationstalent und die Unterstützung durch das soziale Umfeld wie beispielsweise von Freunden oder der Familie erforderlich.

Auch wenn das alleinerziehende Elternteil keine Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit hat oder dieses gar nicht möchte, ist es für die Entwicklung der Kinder sinnvoll, wenn es durch eine andere Bezugsperson oder Einrichtung betreut wird. Somit haben die Kinder Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere Kindern, mit denen sie spielen können und lernen, ein soziales Verhalten zu entwickeln. Durch den Aufbau von Beziehungen mit anderen Menschen können die Kinder neues Vertrauen fassen und bekommen neue Impulse und Anregungen, was auch für die Bildung des Kindes von Vorteil ist.

Ebenso werden die Alleinerziehenden somit für einige Stunden entlastet und können sich über die Erziehung und Förderung des Kindes mit dem Fachpersonal austauschen.

Bei der Wahl der Unterbringung sollte allerdings genau hingeschaut werden. Wenn Alleinerziehende ihre Kinder gerne in die Einrichtung bringen und sich bedenkenlos von ihnen verabschieden können, spüren dies auch die Kinder und werden somit gelassener und fühlen sich entspannter.

Da, wie bereits angesprochen, die Plätze in der Kinderbetreuung nur gering sind, verzichten viele alleinerziehende Mütter und Väter zu Beginn kritische Fragen zu stellen, sondern sind froh, dass sie überhaupt einen Platz erhalten haben. Da die Kinder aber über eine lange Zeit, meistens über mehrere Jahre betreut werden, ist es wichtig, Unklarheiten und Unzufriedenheit zeitnah anzusprechen. Nur so ist eine gute Kooperation möglich (vgl. Verband alleinerziehender Mütter und Väter, 2008, S. 143-144).

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Probleme und Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V384543
ISBN (eBook)
9783668598553
ISBN (Buch)
9783668598560
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
probleme, schwierigkeiten, mütter, väter, deutschland
Arbeit zitieren
Marina Kupczyk (Autor), 2016, Probleme und Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384543

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