Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Fort von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen

Eine systematische Literaturanalyse zur Erarbeitung eines Methodenkatalogs auf der Grundlage verschiedener Coachingansätze


Masterarbeit, 2017

131 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Master-Thesis

2. Subjektives Wohlbefinden
2.1 Exkurs: Aufbau des Gehirns
2.2 Bewusstsein, Wahrnehmung und Wirklichkeit
2.2.1 Neuronale Grundlage und daraus entstehende Betrachtungen
2.2.2 Neuroplastizität und Lernen
2.3 Menschliche Grundbedürfnisse
2.4 Aufmerksamkeit und Achtsamkeit
2.4.1 Bestandteile der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit
2.4.2 Neuronale Auswirkung und Bewusstseinsintegration

3. Motivationale Schemata
3.1 Konsistenzregulation, Inkonsistenz und deren Formen
3.2 Vermeidungsziele und Annäherungsziele
3.2.1 Unbewusste und bewusste Vermeidungsziele
3.2.2 Annäherungsziele
3.2.3 Motivation und Flow
3.2.4 Qualitative Unterschiede zwischen Annäherungs- und Vermeidungszielen

4. Methodenanalyse
4.1 Aufbau der Analyse
4.1.1 Ziel und Ansatz der Methoden
4.1.2 Methodenbeschreibung
4.1.3 Formblatt
4.2 Methoden im Kontext „Unbewusste Vermeidungsziele
4.2.1 Methode 1 - Atemmeditation
4.2.2 Methode 2 - Biographiearbeit mit Identities
4.2.3 Methode 3 - BodyScan
4.2.4 Methode 4 - Dissoziationstherapie
4.2.5 Methode 5 - Durch die Stärkebrille sehen
4.2.6 Methode 6 - Schrank der Erinnerungen
4.2.7 Methode 7 - Sicheren Ort schaffen
4.2.8 Methode 8 - Strategie evozieren und auspacken
4.2.9 Methode 9 - Vergangene Erfahrungen aufspüren
4.2.10 Methode 10 - Wahrnehmungspositionen
4.2.11 Methode 11 - Wertearbeit
4.3 Methoden im Kontext „Bewusste Vermeidungsziele“
4.3.1 Methode 1 - Decision Destroyer
4.3.2 Methode 2 - Effiziente Motivations-Strategie anpassen und
installieren
4.3.3 Methode 3 - Fastbelief
4.3.4 Methode 4 - Gedankenstopp
4.3.5 Methode 5 - Glaubenssätze
4.3.6 Methode 6 - Mapping Across
4.3.7 Methode 7 - Motivations-Strategie evozieren und auspacken
4.3.8 Methode 8 - Motivations-Strategie spiegeln
4.3.9 Methode 9 - Positive Portfolio
4.3.10 Methode 10 - Selbstbildarbeit
4.3.11 Methode 11 - „So-Sein“ vs. „etwas ab und zu tun“
4.3.12 Methode 12 - Polaritäten & Parts Integration
4.3.13 Methode 13 - Verankern einer positiven Erfahrung
4.3.14 Methode 14 - Ways of Being
4.4 Methoden im Kontext „Annäherungsziele“
4.4.1 Methode 1 - Better possible Self
4.4.2 Methode 2 - Gefühls- und Gedankentagebuch
4.4.3 Methode 3 - Modelllernen
4.4.4 Methode 4 - Motivations-Strategie elizitieren
4.4.5 Methode 5 - New Behavior Generator
4.4.6 Methode 6 - Selbstreflexion: Positive Aktivitäten für Flow nutzen ..
4.4.7 Methode 7 - Standard-Swish
4.4.8 Methode 8 - Stärken auf neue Weise Einsetzen
4.4.9 Methode 9 - Stärkengespräch
4.4.10 Methode 10 - Timeline
4.4.11 Methode 11 - Vom Problem zum Ziel mit Submodalitäten
4.4.12 Methode 12 - Wohlformulierte Ziele
4.4.13 Methode 13 - Zielarbeit auf der Timeline
4.4.14 Methode 14 - Zielfragen und logische Ebenen
4.5 Übergeordnete Methoden
4.5.1 Methode 1 - Entspannungstechniken
4.5.2 Methode 2 - Fragetechniken
4.5.3 Methode 3 - Hausaufgaben
4.5.4 Methode 4 - Positiver Tagesrückblick
4.5.5 Methode 5 - Rubikon-Modell
4.5.6 Methode 6 - Selbstbeobachtung
4.5.7 Methode 7 - Teilearbeit
4.6 Kritische Bewertung der ausgewählten Methoden

5. Schlussbetrachtung
5.1 Zusammenfassung und Fazit
5.2 Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhänge - Überblick des Methodenkatalogs

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: (Grawe 2006, S.19) Grobe Ansicht des Gehirns und der Hirnlappen

Abbildung 2: (Markowitsch 2002, S.104)

Abbildung 3: Das System der Spiegelneurone im Gehirn nach J. Bauer (2006, S.52)

Abbildung 4: Modell der Konsistenztheorie nach Grawe (2004, S.189)

Abbildung 5: Rubikion-Modell nach Storch & Krause (2014, S.85)

Abbildung 6: Vereinfachte Darstellung des Prozesses weg von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen

Abbildung 7: Elektischer Kern mit psychologischen Strömungen nach Draht (2012, S.57)...

Abbildung 8: Überblick der kategorisierten Methoden

Abbildung 9: Atemmeditation

Abbildung 10: Biographiearbeit mit Identities

Abbildung 11: BodyScan

Abbildung 12: Dissoziationstherapie

Abbildung 13: Durch die Stärkebrille sehen

Abbildung 14: Schrank der Erinnerungen

Abbildung 15: Sicheren Ort schaffen

Abbildung 16: Strategie evozieren und auspacken

Abbildung 17: Vergangene Erfahrungen aufspüren

Abbildung 18: Wahrnehmungspositionen

Abbildung 19: Wertearbeit

Abbildung 20: Decision Destroyer

Abbildung 21: Effiziente Motivations-Strategie anpassen und installieren

Abbildung 22: Fastbelief

Abbildung 23: Gedankenstopp

Abbildung 24: Glaubenssätze

Abbildung 25: Mapping Across

Abbildung 26: Motivations-Strategie evozieren und auspacken

Abbildung 27: Motivations-Strategie spiegeln

Abbildung 28: Positive Portfolio

Abbildung 29: Selbstbildarbeit

Abbildung 30: "So-Sein" vs. "etwas ab und zu tun"

Abbildung 31: Polaritäten & Parts Integration

Abbildung 32: Verankern einer positiven Erfahrung

Abbildung 33: Ways of Being

Abbildung 34: Better possible Self

Abbildung 35: Gefühls- und Gedankentagebuch

Abbildung 36: Modelllernen

Abbildung 37: Motivations-Strategie elizitieren

Abbildung 38: New Behavior Generator

Abbildung 39: Selbstreflexion: Positive Aktivitäten für Flow nutzen

Abbildung 40: Standard-Swish

Abbildung 41: Stärken auf neue Weise einsetzen

Abbildung 42: Stärkengespräch

Abbildung 43: Timeline

Abbildung 44: Vom Problem zum Ziel mit Submodalitäten

Abbildung 45: Wohlformulierte Ziele

Abbildung 46: Zielarbeit auf der Timeline

Abbildung 47: Zielfragen und logische Ebenen

1. Einleitung

„Es ist das Davonlaufen, das die Angst weckt und nicht das Hinschauen. Wenn ich sie anschaue, wenn ich mit ihr lebe, kann ich sie nicht verdrängen; und wenn ich mich ihr stellen kann, kann ich sie auch lieben, dann kann ich sie eingehender betrachten.“

(Krishnamurti 2016, S.169)

Seitjeher strebt der Mensch danach sein subjektives Wohlbefinden zu steigern.

Die wachsende Schnelllebigkeit fordert die kurze und schnelle Bedürfnisbefriedigung, meist erreicht durch Extrinsisches und Materielles. Die innere Befriedigung wird in der Umwelt ge­sucht, wenn sich daraus kein inneres, langanhaltendes Wohlbefinden entwickelt wird auch die (Selbst-) Verantwortung nach außen verlagert. Dies geht soweit, dass die Definition des eigenen Selbst über Faktoren wie Job, Beziehung, Status, Macht und materiellen Besitz geht.

Wird die Eigenverantwortung für das Denken und Handeln konsequent in das außen verlagert, sodass dieses das ganze Sein bestimmt, geht auch mehr und mehr das innere Gleichgewicht verloren - da es umfassend abhängig von den Einwirkungen, Lenkungen und Strömungen der Umwelt geworden ist.

Das System versucht durch Verdrängung und Hemmung das Gleichgewicht wiederherzustel­len, wasjedoch das Davonlaufen und Ablenken fördert. Es stellt sich ein Kreislauf ein, der nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern auch Ängste, Blockaden und Unsicherheiten her­vorruft.

Wie das einleitende Zitat ausdrückt, braucht es ein Hinschauen, um aus dem Kreislauf des Ver- drängens und Vermeidens auszubrechen - es braucht ein umfassendes Bewusstwerden, um in eine innere Annäherung zu kommen und somit in ein gesteigertes subjektives Wohlbefinden. (vgl. Singer&Ricard 2015, S.129ff.; vgl. Kabat-Zinn 2016, S.156ff., 429ff.; Krishnamurti 2016, S.167ff.)

Dies führt zu der Problemstellung der Arbeit.

1.1 Problemstellung

Das Zitat der Einleitung weist sowohl direkt auf die Problemstellung dieser Arbeit hin, als auch auf das Vorgehen der systematischen Literaturanalyse.

Jiddu Krishnamurtis Aussage drückt aus, dass das Unbewusste, nicht Angeschaute, Verdrängte oder Unterdrückte Angst und somit Unwohlsein in einem Menschen auslöst und aufrechterhält.

Und nicht, wie so oft befürchtet, das Hinschauen. Nach seiner Meinung bewirkt das aktive Hinschauen das genaue Gegenteil. Schaut man die Angst an, kann sie nicht mehr Verdrängt werden und es wächst die Möglichkeit mit ihr zu leben. (vgl. Krishnamurti 2016, 169ff.) Anders ausgedrückt kann das ,Hinschauen‘ auch als ,Selbstbeobachten‘ bezeichnet werden. Die Selbstbeobachtung kann eine erste ,Annäherung‘ ermöglichen.

Mit diesen Begriffen wird im Weiteren gearbeitet.

Die vermeidenden Lebensstrategien, die Ausdruck in der Angst und einem angstbesetzen Leben finden können, zeigen sich oftmals nicht an der Oberfläche, dem Bewussten, sondern im Un­terbewussten. Schon in der Kindheit können Vermeidungsstrategien (oder: Vermeidungsziele) entwickelt werden, die sich durch ein ganzes Erwachsenenleben ziehen und dieses bestimmen. Solche Vermeidungsstrategien sind nicht nur jahrelang etabliert worden, sondern dadurch auch als automatisierte Muster in das System integriert. Die Individualität eines Menschen, entstan­den durch das jeweils einzigartige Schicksal, führt zu ebenso individuellen Vermeidungsmus­tern und -zielen auf Grund von Entstehungsgründen, Einflussfaktoren, Umständen und Verän­derungsfähigkeit.

(vgl. Siegel 2012, S.121 ff.; vgl. Metzinger 2016, S.29ff.)

Aus dieser Individualität der Vermeidungsziele lässt sich die Problemstellung ableiten, dass es keine alleinige, allgemeingültige Methode geben kann, die diese Vermeidung in eine Annähe­rung transformiert. Vielmehr ist die Arbeit von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen ein komplexer Prozess, der durch verschiedenste Methoden begleitet und unterstützt werden kann.

Dieser komplexe Prozess von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen, unterstützt und getragen durch verschiedenste Methoden, führt zu der Zielsetzung der Arbeit auf die im folgen­den Kapitel näher eingegangen wird.

1.2 Zielsetzungder Arbeit

Um ein ,Selbstbeobachten‘ zu ermöglichen ist ein erster Schritt das Bewusstmachen eigener vermeidender Muster und Strategien, indem die Aufmerksamkeit auf diese unbewussten Vor­gänge gelegt wird. Das anschließende Anerkennen und Integrieren dieser Vermeidungsziele in das Bewusstsein ist ein möglicher Weg in die Annäherung und die Entwicklung von Annähe­rungszielen.

Resultierend aus der erläuterten Problemstellung ergibt sich die Zielsetzung dieser Arbeit.

Diese stellt eine systemische Literaturanalyse zur Erarbeitung eines Methodenkatalogs dar, der auf verschiedenen Coachingansätzen basiert.

Die Struktur dieses Methodenkatalogs hält sich an die beschriebenen Schritte, von unbewussten Vermeidungszielen zu bewusst gemachtenVermeidungszielen und schließlich hin zu Annähe­rungszielen.

Diese drei Schritte stellen keine zwingende Struktur dar an die sich in der individuellen Arbeit gehalten werden muss. Sie dienen dazu, der Kategorisierung und Strukturierung der Methoden einen flexiblen Rahmen zu schaffen.

Dadurch wird es möglich, den erarbeiteten Methodenkatalog ebenso flexibel nutzen zu können wie der individuelle Bedarf es fordert.

1.3 Aufbau der Master-Thesis

Die Master-Thesis baut sich aus dem theoretischen und methodischen Teil auf. Grundlage des methodischen Teils stellt dabei der theoretische Teil dar.

Das erste theoretische Kapitel ist das des subjektiven Wohlbefindens. Dieses stellt den Rahmen der Arbeit dar und gleichermaßen das Ziel - wie bereits dem Titel zu entnehmen ist.

Ein einleitender Exkurs des Aufbaus des Gehirns ermöglicht eine theoretische Grundlage, auf die im Laufe der Arbeit immer wieder zurückgegriffen wird.

Die erste inhaltliche Hinführung zu dem komplexen Feld der Steigerung des subjektiven Wohl­befindens ist das Bewusstsein, die Wahrnehmung und die Wirklichkeit.

Dieses Feld beschäftigt sich mit der Subjektivität, den neurologischen Grundlagen und welche Auswirkungen das auf den Prozess der Steigerung des Wohlbefindens hat. Daraus resultiert der Punkt der Neuroplastizität und des Lernens, die einen wesentlichen Bestandteil einer inneren Weiterentwicklung darstellen - ohne Lernen kann keine Veränderung entstehen.

Besonders der Wahrnehmungen liegen die menschlichen Grundbedürfnisse nach Grawe (2004) zu Grunde. In dieser Arbeit beschreiben sie auch die Grundlage entstehender innerer Konflikte, Antriebe und Erfahrungen. Ebenso stellen sie die theoretische Grundlage der motivationalen Schemata dar, die wiederum eng mit dem subjektiven Wohlbefinden verbunden sind.

Ein weiterer Bestandteil, der Beitrag zu der Steigerung des subjektiven Wohlbefindens leistet, ist die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Diese lenken die Wahrnehmung und somit auch Be­wusstsein und Wirklichkeit, was sich wiederum auf die neuronalen Aktivitäten und das Lernen auswirkt.

Neben dem subjektiven Wohlbefinden und dessen Anteile liegt der zweite Fokus auf den mo­tivationalen Schemata.

Wie bereits erwähnt, sind Grundlage dessen die menschlichen Grundbedürfnisse. Für ein aus­geglichenes subjektives Wohlbefinden ist eine Kongruenz und Konsistenz dieser Grundbedürf­nisse notwendig. Ist dies nicht der Fall, gerät das menschliche System in eine Inkonsistenz und weitere Formen dessen - darunter wiederum leidet das subjektive Wohlbefinden.

Im Laufe des Lebens entstehen aus diesen Erfahrungen entweder Vermeidungsziele oder An­näherungsziele. Diese stellen das nächste Unterkapitel der motivationalen Schemata dar.

Für diese Arbeit wurden die Ziele in drei Phasen kategorisiert und auch dementsprechend in die Gliederung aufgenommen.

Die ersten beiden Phasen sind die unbewusste und bewusste Vermeidung. Diese bezieht sich auf den Entwicklungsprozess der Bewusstwerdung innerer Strukturen.

Die dritte Phase ist die der Annäherung, welche sich aktiv mit der Ausbildung der ressourcen­vollen Stärken auseinandersetzt, um das subjektive Wohlbefinden zu steigern.

Die annähernde Form der motivationalen Schemata löst im Menschen zudem intrinsische Mo­tivation aus und kann zu einem Flow-Erlebnis führen.

Damit herrschen hohe qualitative Unterschiede zwischen beiden Schemata.

Aus der theoretischen Grundlage wird in die Methodenanalyse übergegangen und der Metho­denkatalog erarbeitet.

Hierbei handelt es sich um eine Kategorisierung und Auswahl verschiedener Coaching-Metho­den. Diese Methoden kommen aus den Ansätzen des Neurolinguistischen Programmierens, der positiven Psychologie und der kognitiven Verhaltenspsychologie.

Die Kategorisierung folgt über die Phasen der unbewussten Vermeidung, bewussten Vermei­dung und Annäherung. Diese Phasen geben einen Rahmen, durch den die Steigerung des sub­jektiven Wohlbefindens gefördert und entwickelt werden kann.

Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den ausgewählten Methoden endet die Thesis mit einer Zusammenfassung der Erarbeitungen, einem Fazit hinsichtlich der Steigerung des subjektiven Wohlbefindens und einem Ausblick.

Es folgt die theoretische Auseinandersetzung mit dem subjektiven Wohlbefinden.

2. Subjektives Wohlbefinden

Das subjektive Wohlbefinden kann erst als solches wahrgenommen werden, wenn es in das Bewusstsein des Individuums gelangt.

Thomas Metzinger (2016, S.29) beschreibt dies so: „Beim Problem des Bewusstseins geht es ausschließlich um das subjektive Erleben selbst, um die Struktur unseres Innenlebens - und nicht um unser Wissen über die Außenwelt.“

Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass auch das subjektive Wohlbefinden über das Innenleben, das subjektive Erleben und Bewusstwerden entstehen kann - und nicht, wie so oft angenommen, über die Außenwelt zu erreichen ist.

Es handelt sich bei dem subjektiven Wohlbefinden nicht um die kurzfristige Befriedigung eines innerlichen oder äußerlichen Bedürfnisses, sondern um einen überdauernden Zustand des inne­ren Gleichgewichts.

Lebt der Mensch in einem solchen, gesunden Gleichgewicht und es ist ihm möglich persönli­che, wichtige Ziele zu erreichen wird das Wohlbefinden gestärkt.

Liegen die eigenen Wahrnehmungen und Zielejedoch weit voneinander entfernt wiederspricht dies dem inneren Gleichgewicht und behindert die Entfaltung des subjektiven Wohlbefindens. Oftmals ist das Ungleichgewicht tief im Unterbewusstsein verankert, dadurch, dass Wahrneh­mungen und eigene inneren Strukturen primär unbewusst sind - ebenso wie tiefe Wünsche, Ziele und Sehnsüchte.

Dies zeigt, dass das subjektive Wohlbefinden ein hochkomplexes und individuelles Konstrukt ist, das nicht durch das Erreichen eines einfachen Ziels erfüllt werden kann. Die Steigerung des subjektiven Wohlbefindens setzt einen inneren Bewusstwerdungsprozess voraus, der alle As­pekte des Seins mit einbezieht, sowohl Vermeidungen, als auch Annäherungen. Ausgehend von dieser aufmerksamen Bewusstwerdung kann anschließend bewusst mit Vermeidungen, Blocka­den und Prägungen gearbeitet und gleichermaßen Stärken, Annäherungen und Ziele ausgewei­tet werden.

Grundlage dessen ist jedoch der Sichtwechsel von dem Äußeren hinein in das Innere und der Erkenntnis, dass es vielleicht keine allgemeingültige Wahrnehmung und Wirklichkeit gibt, die einem den einfachsten Weg hin zum subjektiven Wohlbefinden anzeigen kann.

(vgl. Grawe 2004, S303ff.; 421ff.; vgl. Blickhan 2015, S.25ff.)

„Milliarden von bewussten, die Zeit darstellenden Nervensystemen erschufen Milliarden von individuellen Perspektiven. ... Je mehr Aspekte des subjektiven Erlebens wir auf nüchterne, strenge und materialistische Weise erklären können, desto mehr wird sich auch unsere Sicht auf das selbstorganisierende physikalische Universum verändern. Ganz offensichtlich - und in ei­nem absolut klaren, nichtmetaphorischen und nichtmysteriösen Sinne - scheint das physikali­sche Universum selbst ein intrinsisches Potential für das Auftreten von Subjektivität zu besit­zen. Grobe Versionen des Objektivismus sind daher fehl am Platz, und die Wirklichkeit ist viel reicher, als wir in der Vergangenheit gedacht haben.“ (vgl. Metzinger 2016, S.68)

Ein Aspekt des ,Innenlebens‘ ist dabei auch der biologische Blick auf das Gehirn. Folgender Punkt ,Exkurs: Aufbau des Gehirns‘ bildet dafür die Grundlage, auf die im Laufe der Arbeit immer wieder zurückgegriffen wird.

2.1 Exkurs: Aufbau des Gehirns

Der Abschnitt beschäftigt sich mit dem biologischen Aufbau des Gehirns und soll ein Grund­wissen vermitteln, auf das im Laufe der Arbeit immer wieder verwiesen und in den inhaltlichen Kontext integriert wird.

Das Schalenmodell ist ein vereinfachtes Modell des Aufbaus des Gehirns. Der innere Kern, entwicklungsgeschichtlich gesehen auch älteste Teil, ist das Stammhirn. Dieses ist direkt mit den Nervensträngen des Rückenmarks verbunden. Über dem inneren Kern schichten sich das limbische System und, als äußerste Schicht, die Großhirnrinde. Die Großhirnrinde wird im Wei­teren ,Cortex‘ bezeichnet.

Das Stammhirn ist hauptsächlich für die körperlichen Prozesse, Instinkte und Reflexe verant­wortlich. Auch erlerntes Verhalten, was mit der Zeit so verinnerlicht wurde, dass es zu einem instinktiven Verhalten übergegangen ist, wird durch das Stammhirn abgerufen.

Bei der zweiten Schicht handelt es sich um das limbische System. Dieses ist verantwortlich für Stimmungen, Gefühle, Ausdruck und Anpassung eines Menschen. Zudem beinhaltet es die Amygdala, den ,Sitz der Angst‘, und die Hippocampi, in denen Gedächtnisinhalte gebildet und Informationsübertragungen zur Langzeitspeicherung durchgeführt werden.

Unter dem limbischen System findet sich das Zwischenhirn. Im Zwischenhirn sind der Hypo­thalamus und der Thalamus lokalisiert.

Der Hypothalamus wird auch als Zentrum des Nervensystems bezeichnet. Er steuert einerseits viele motivationale Zustände und ist andererseits ein ausschlaggebendes Zentrum für die Kon­trolle des vegetativen Nervensystems.

Der Thalamus liegt oberhalb des Hypothalamus und stellt die größte Struktur des Zwischen­hirns dar. Sämtliche Informationen laufen durch den Thalamus, um an den Cortex zu gelangen.

Dabei ist er unter anderem der Entscheidungsträger, welche der Informationen in das Bewusst­sein dringen und welche nicht. Aus diesem Grund besteht eine enge Verbindung zwischen dem Thalamus und dem Bewusstsein, bzw. dem Bewussten und Unbewussten.

Oftmals wird ein Teil des Thalamus auch dem limbischen System zugeordnet und als ,limbi- scher Thalamus‘ bezeichnet.

Da sowohl zu dem limbischen System, als auch dem Zwischenhirn eine Verbindung zu dem Herz-Kreislauf-System und dem vegetativen Nervensystem besteht, ist offensichtlich, warum emotionaler Stress und Belastungen sich oftmals negativ auf die körperliche Gesundheit aus­wirken.

(vgl. Sander 2016, S.32ff.; vgl. Hüther 2016, S.33ff.; 44.ff.; 53ff.; vgl. Grawe 2004, S.71ff.) Die äußerste Schicht, der Cortex, besteht aus verschiedenen Hirnlappen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: (Grawe 2006, S.19) Grobe Ansicht des Gehirns und der Hirnlappen

Die Abbildung zeigt einen grafischen Überblick und eine grobe Beschreibung der anschließend beschrieben Hirnlappen1.

Hinter der Stirn befindet sich der Frontallappen (in diesem ist der präfrontale Cortex zu veror- ten). Hier findet die Planung von Entscheidungen, die Bildung des sozialen Gewissens, der Motivation und des Selbstbildes statt. Des Weiteren ist der Cortex aufgebaut aus den Parietall­appen (oder Scheitellappen), Temporallappen (oder Schläfenlappen) und Occipitallappen (oder Hinterhauptslappen). Das Frontalhirn ist durch die ,Sulcus centralis‘ (oder große Querfurche) von den Parietallappen getrennt.

Zu der vertikalen Trennung, auf Grund der Sulcus centralis, kommt die Trennung des Cortex in die rechte und linke Hemisphäre (oder Hirnhälften).

Unter dem Cortex finden sich zudem die Basalganglien, mit dem prozeduralen Gedächtnis. (vgl. Bauer 2006, S.19; vgl. Sander 2016, S.34ff.)

Die folgende Abbildung gibt einen detaillierteren Überblick über das Gehirn und die Hirnregi­onen mit derenjeweiligen Beteiligungen an den verschiedenen Gedächtnissystemen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: (Markowitsch 2002, S.104)

Hirnregionen mit derenjeweiligen Beteiligungen an den verschiedenen Gedächtnissystemen

Zusätzlich ist auf der Grafik das Kleinhirn zu erkennen, dem das prozedurale Gedächtnis zuge­schrieben wird. Das Kleinhirn ist primär für die Bewegungskoordination verantwortlich.

Nach der Darstellung der Grundlagen des biologischen Aufbaus des Gehirns folgt nun ein Über­blick über die Informationsverarbeitung.

Grundlage der Informationsverarbeitung und -Übertragung bilden die Neuronen (Nervenzellen) des Gehirns und ihre Verbindungen zueinander, Synapsen genannt. Wird ein Reiz innerhalb des Neurons geleitet, läuft diese Übertragung über elektrische Potentiale ab. Findet die Reiz­übertragung hingegen zwischen verschiedenen Neuronen statt, über die Synapsen, sind die Neurotransmitter (chemische Botenstoffe) für die Übertragung zuständig. Unter diesen Neuro­transmittern fallen beispielsweise Dopamin, Serotonin und Adrenalin.

Für diese Arbeit sind zwei Typen von Nervenzellen zu betrachten. Zum einen sind dies die handlungssteuernden Neurone oder nach Bauer (2006, S.18) auch ,Handlungsneurone‘ ge­nannt. Diese Handlungsneurone liegen im prämotorischen Cortex, der sich direkt vor dem mo­torischen Cortex befindet (siehe Abbildung 1).

Handlungsneurone, genauer gesagt den jeweiligen Nervenzellnetzen, stehen Programme zur Verfügung die es ihnen ermöglichen zielgerichtete Aktionen ausführen zu lassen. Dabei haben sie jeden Schritt einer Handlung abgespeichert, von dem Ablauf bis zu dem angesetzten Aus­gang.

In der unmittelbaren Nachbarschaft zu den Handlungsneuronen, dem motorischen Cortex, be­finden sich Neuronen, die die direkte Kontrolle über die Aktion der Muskeln haben. Diese wer­den diese auch als ,Bewegungsneurone‘ bezeichnet. Aufgabe der Bewegungsneurone ist die Durchführung der Programme der Handlungsneurone. Ohne diese vorgegebenen Programme können Bewegungsneuronen keine Handlung durchführen.

Jedoch folgt auch nicht aufjede Handlungsidee, der Handlungsneurone, eine Aktion durch die Bewegungsneurone. Es ist genauso möglich, dass es lediglich bei dem Gedanken und der Vor­stellung der Handlung bleibt. Je öfter ein solcher Gedanke auftaucht, desto wahrscheinlicher wird eine Realisierung dessen.

(vgl. Sander 2016, S.36ff; vgl. Bauer 2006, S.18 ff.; vgl. dasGehirn.info 2017)

2.2 Bewusstsein, Wahrnehmung und Wirklichkeit

Wie im vorhergehenden Exkurs beschrieben verläuft sämtliche Informationsverarbeitung über das menschliche Gehirn ab, genauer gesagt über die Neuronen und verbindenden Synapsen. Werden diese Neuronen erregt, entstehen Verknüpfungen. Alles Wahrnehmen, sowohl be­wusst, als auch unbewusst, findet erst einmal als interner Zustand des Gehirns statt. Somit ist die ,Wirklichkeit‘ ein hoch individuelles Konstrukt, das eine bewusste oder unbewusste Inter­pretation der Welt darstellt.

(vgl. Sander 2016, S.42ff.; vgl. Grawe 2004, S.118ff.)

Dies führt zu dem Gedanken, dass das aus der Struktur des Inneren entstandene Bewusstsein aus dem subjektiven, also persönlichen Erleben entspringt und sich nicht auf das Wissen um die Außenwelt zurückführen lässt.

Rein biologisch betrachtet besitzt das menschliche Gehirn die Fähigkeit eine Wirklichkeit aus sich selbst heraus erscheinen zu lassen. Diese biologische Innerlichkeit erlaubt dem Menschen sich des Vorgangs seines eigenen Lebens in sich selbst bewusst zu werden.

(vgl. Metzinger 2016, S.29 ff.; vgl. Kabat-Zinn 2016, S.198ff.)

Dieser biologische Ansatz führt dazu, dass sich nachfolgendes Unterkapitel näher mit den neu­ronalen Grundlagen des menschlichen Gehirns beschäftigt und anschließende entstehende Be­trachtungen aufgreift.

2.2.1 Neuronale Grundlage und daraus entstehende Betrachtun­gen

Aus neuronaler Sicht ist der Inhalt des Arbeitsspeichers, der sich im präfrontalen Cortex befin­det, der fortwährende Fluss des Bewusstseins. In diesen Bewusstseinsfluss gehören sowohl alle bewusst ausgeführten Handlungen und Wahrnehmungen, als auch Gedanken, interne Visuali­sierungen, Gefühle und bereits Erlebtes, wie Erinnerungen.

Um innere Dissonanzen zu vermeiden wird auf Grund des vorherrschenden Inhalts des Arbeits­speichers bestimmt, welcher Input bis ins Bewusstsein dringt. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor neben den Inhalten des Arbeitsspeichers, was in das Bewusstsein aufgenommen wird, ist der aktiv gelegte Fokus der Aufmerksamkeit auf das außen.

(vgl. Grawe 2004, S.118ff.)

All diese Formen des Bewusstseins stehen mit dem assoziativen Cortex in Verbindung. Beson­ders bedeutend an ihm ist, dass alle Verbindungen die ausschließlich im inneren des Cortex verlaufen, die nach außen und von außen nach innen führenden Verbindungen stark dominie­ren. Dies führt zu dem Gedanken, dass der Assoziationscortex primär durch und mit sich selbst interagiert und diese Interaktion eine eigene innere Wirklichkeit schafft. Übersetzt man diesen Gedanken wiederum auf ein jedes menschliches Individuum, erschafft sich der Mensch seine ureigene innere Wirklichkeit.

(vgl. Roth 2001, S.214 ff.)

Diese internen Bewusstseinsvorgänge lassen sich in zwei verschiede Anteile untergliedern.

Es gibt den impliziten (unbewussten) und expliziten (bewussten) Anteil.

Selbst wenn das Unterbewusstsein gedanklich oftmals ein wenig ,abgespalten‘ und wie eine zweite unantastbare ,Macht‘ in die Verantwortung geholt wird, sind beide Anteile gleicherma­ßen Anteile des Selbst und auch aus diesem entstanden.

Das Unbewusste, das aufjede Entscheidung Einfluss nimmt und bereits vor der Entscheidung ins Bewusstsein gedrungen ist, spiegelt besonders die höchsten Wünsche, Werte und motivati­onalen Ziele wieder. Diese sind beständig und meist von langanhaltender Dauer. Das ermög­licht dem Menschen einen gewissen Grad an Konsistenz und Kontinuität im Innenleben. Wahrnehmung, Motivation, Lernen und Emotionen können explizit, also bewusst, mit dem Ge­fühl von Kontrolle und Willen ablaufen. Ebenso können implizite Funktionen in den expliziten, bewussten, Ablauf übertragen werden. Dazu ist es nötig, dass sowohl die Reizintensität und - dauer gesteigert wird, als auch die gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit.

(vgl. Grawe 2004, S.122 ff.)

Somit wird jede Wahrnehmung die wir machen, durch vorhergehende unbewusste Verarbei­tungsprozesse im Gehirn geschaffen. Gelenkt wird diese Wahrnehmung durch unbewusste Au­tomatismen, Muster, Wünsche und Werte.

Dem Prozess der menschlichen Wahrnehmung gehen Sinneseindrücke voraus - aus diesen ent­steht die von uns konstruierte Wirklichkeit. Nehmen wir unsere Umwelt und deren Objekte als solche konstruiert wahr und betiteln und bewerten sie, entsteht die ,Wirklichkeit‘ in der wir leben.

(vgl. Sander 2016, S.40 ff.; vgl. Grawe 2004, S.122 ff.)

Um aus der Wahrnehmung in die Interpretation zu gelangen ist unter anderem eine emotionale Bewertung notwendig. Dafür zuständig ist das limbische System, das entscheidet wie genau diese Bewertung und Kategorisierung ausfallen soll. Um diesen Prozess effektiv gestalten zu können, gibt es im Gehirn mehrere Stufen der Selektion von relevanten und irrelevanten Input. Dies ist notwendig, da injedem Moment unzählige Reize auf die Sinne einwirken. Dieser neu­ronale Filterungsprozess wird auch ,neuronale Hemmung genannt4. Bereits im Thalamus, dem Zwischenhirn, findet eine konsequente Selektion statt. Die Selektion geht noch weiter: Nach der Entscheidung, welche Sinneseindrücke verarbeitet werden, folgt die Bewertung ob das Ver­arbeitete bis in das Bewusstsein vordringt oder im Unbewussten abgelegt wird.

Dieser Prozess der Interpretation beeinflusst jedoch nicht nur unseren Geist, sondern hat auch direkten Einfluss auf unseren Körper. Emotionen lösen körperliche Reaktionen aus. Je nach Ausprägung und dem Fokus der Aufmerksamkeit werden sie bewusst wahrgenommen oder nicht. Diese werden ,somatische Marker4 genannt. Das emotionale Erfahrungsgedächtnis be­findet sich im präfrontalen Cortex und signalisiert die Wahrnehmung von Körperreaktionen. Somit findet sich die konstruierte ,Wirklichkeit‘ nicht nur im geistigen wieder, sondern kann sich ebenso, in verschiedensten Ausprägungen und Formen im Körper wiederspiegeln.

(vgl. Sander 2016, S.42 ff.; vgl. Damasio 2004, S.227 ff.)

Dies veranschaulicht wie verschränkt die Wahrnehmung und das Konstrukt ,Wirklichkeit‘ sind, sobald das Sinnesbewusstsein mit dem Geist zusammenarbeitet. Aus dieser Verschränkung ent­steht das angegliederte oder assoziierte Bewusstsein. Sind die Sinnejedoch nicht bewusst aktiv, wie zum Beispiel im Prozess des tiefen Nachdenkens, entsteht keine nach außen gerichtete Wahrnehmung und somit verschwindet auch die ,Wirklichkeit‘ aus dem Bereich des Bewusst­seins.

Die Tendenz geht dahin, dass der Mensch als der Wahrnehmende das Wahrgenommene von sich trennt. Der Wahrnehmende als Subjekt, und das Wahrgenommene als Objekt, werden meist als unabhängig betrachtet und voneinander abgespalten - „Und wir glauben, dass das Wahrnehmungsobjekt, was für uns da draußen ist, unabhängig vom Subjekt der Wahrnehmung existiert.“ (TichNhat Hanh 2013, S.33-34)

Diese Abspaltung des ,außen‘ von dem ,innen‘ hatjedoch die Qualität sich wiederum im Men­schen selbst zu manifestieren, allein dadurch, dass dieser ,Glaube‘ an eine Trennung aus dem Gedankengut und somit dem Gehirn selbst, des Subjekts ,Mensch‘ entspringt.

(vgl. Tich Nhat Hanh 2013, S.24)

Dies führt zu der Frage was die Außenwelt ist. Die Art des Blicks auf die Außenwelt, dass keine ,objektive‘ Wirklichkeit vorherrscht, sondern eine rein individuell konstruierte Wirklichkeit, lässt sich dem Denkansatz des ^radikalen Konstruktivismus4 zuordnen.

(vgl. Watzlawick 2015)

Emst von Glasersfeld (Watzlawick (Hg.) 2015, S.23) beschreibt diesen so:

„Der radikale Konstruktivismus ist also vor allem deswegen radikal, weil er mit der Konvention bricht und eine Erkenntnistheorie entwickelt, in der die Erkenntnis nicht mehr eine „objektive“, ontologische Wirklichkeit betrifft, sondern ausschließlich die Ordnung und Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres Erlebens.“

Diese Subjektivität der Wirklichkeit erschafft durch die bewusste Wahrnehmung eine stehende Kontextschleife. Wirken Informationen bewusst auf den Menschen ein, ermöglicht die sich im­mer wiederholende Abbildung auf sich selbst eine Integration und Vereinheitlichung, wodurch der physikalische Vorgang zu seinem eigenen Kontext wird. Das Gehirn unterstützt dabei nicht nur die Integration von einzelnen bewussten Informationen, sondern erschafft ein integriertes Bild von der Welt als Ganzes. All das abgespeicherte Wissen das in dem menschlichen Gehirn vorherrscht, wird auf die momentanen Situationen angewendet - sowohl in einem kleinen ver­einfachten Maßstab, als auch in einem großen Globalen. Das Bewusstsein, konstruiert in dem ganzen Prozess des Wahrnehmens, Erlebens und Lernens einen Kontext für sich, aus dem sich eine gelebte Wirklichkeit manifestiert.

(Metzinger2016, S.56 f.)

Die Subjektivität der Wahrnehmung der Wirklichkeit lässt sich an einem vereinfachten Beispiel beschreiben. Der Großteil der Menschen erkennt und interpretiert beispielsweise einen einfa­chen Holztisch als Gegenstand, dem verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten zugeschrieben werden, zum Beispiel als Ort zum Essen oder Arbeiten. Dieser Gegenstand wird somit durch Lernen und Erfahrung interpretiert und in die eigene Wirklichkeit integriert. Dies istjedoch nur eine mögliche Wirklichkeit und Interpretation. Manch ein Volk isst selbstverständlich sitzend am Boden. Genau dieser Tisch könnte bei diesem Volk ganz selbstverständlich einen Schlaf­platz darstellen der durch seine Erhöhung einen guten Schutz vor am Boden lebenden Tieren bietet. Es ist nicht unüblich, dass der Mensch seine individuelle Wahrnehmung als die ,objek- tive‘ Wirklichkeit sieht und nur diese eine, eigene ,objektive Realität4 anerkennt. Ein weiteres viel realitätsnäheres und alltäglicheres Beispiel des Ausdrucks verschiedenster Wirklichkeiten lässt sich im Streit finden. Jede Partei ist überzeugt von der eigenen Wirklichkeit und Wahr­nehmung der Situation - da es auch tatsächlich die subjektive Wirklichkeit ist. Die Parteien interpretieren die ihrigejeweils als ,objektive‘ Wirklichkeit und sind nicht einsichtig und wert­frei gegenüber der subjektiven Wirklichkeit der anderen Partei.

(vgl. TichNhat Hanh 2013, S.38 ff., 79ff.)

Im Sinne des radikalen Konstruktivismus kann somit auch provokant gesagt werden, dass die von uns wahrgenommene Umwelt unsere Erfindung ist. (vgl. Foerster 2015, S.40)

„Die Außenwelt wurde geschaffen, diese ganze menschliche Konstruktion wurde geschaffen durch menschliche Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen, Wünsche, Fähigkeiten. Nun, Sie können keine perfekte Außenwelt schaffen, weil jeder Mensch gemäß seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen neue Verhältnisse schafft.“ (Krishnamurti 2014, S.55)

Nach diesem Zitat ist die Außenwelt das Konstrukt einer jeden individuellen Wirklichkeit die sich in ständiger Veränderung und Spannung befindet, sobald eine aktive oder passive Interak­tion mit anderen Menschen eintritt. Dieser Gedanke führt dazu, dass das Umfeld (das Außen) von dem Inneren eines Menschen nicht zu trennen ist, sondern sich unaufhörlich bedingt. Dieser verbundene und ständige Austausch zwischen Umfeld und Individuum wird auch Reso­nanz2 genannt. Auch neurologisch lässt sich dieser Schluss wiederfinden.

Grundlage dafür sind die Spiegelneurone im Gehirn des Menschen. Wie bereits im Exkurs ge­schildert sind dem Menschen Handlungsneurone und Bewegungsneurone zu eigen. Spiegelneurone sind bestimmte Nervenzellennetze die auch dann aktiviert werden, wenn ledig­lich die Handlung an einem weiteren Individuum beobachtet wird. Es wird genau das neurolo­gische Programm im eigenen Gehirn zum Schwingen gebracht, das zur Realisieren der beo­bachteten Handlung führen könnte. Dies führt soweit, dass die jeweiligen Spiegelneuronen nicht nur dann feuern, wenn eine Aktion beobachtet wird, sondern bereits wenn der Mensch sich eine Handlung explizit vorstellt.

Wenn ein Mensch einen anderen Menschen bei einer Handlung beobachtet, findet gleicherma­ßen im Gehirn eine innere neuronale Simulation des Gesehenen statt. Dies ermöglicht ein inne­res Verstehen des anderen Menschen und dessen Handlung.

(vgl. Bauer2006, S.22; vgl. Rizzolatti 1996, S.131-141)

Die folgende Abbildung zeigt grafisch wie das Interpretationssystem abläuft und an welchen Stellen sich Spiegelneurone befinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das System der Spiegelneurone im Gehirn nach J. Bauer (2006, S.52)

Die Abbildung zeigt, den Occipitallappen (5) in dem sich die Sehrinde befindet. Optische Wahrnehmungen werden zum Bild und eine Kopie dieses Bildes wird an das optische Interpre­tationssystem (oder STS, hier O) weitergeleitet.

Das STS (O) befindet sich im Temporallappen (4). Die empfangenen Kopien der Bilder werden interpretiert und in die inferiore Parietalregion gesendet.

Die inferiore Parietalregion (I) findet sich im Parietallappen (2). Diese Region ist dafür verant­wortlich abzuspeichern wie sich Handlungen anfühlen. Sie steht im ständigen Informationsaus­tausch mit der prämotorischen Rinde (P) im Frontallappen (1).

Im unteren Bereich der prämotorischen Rinde befinden sich die abgespeicherten Informationen, auf welche Art und Weise zielgerichtete Handlungen ablaufen können.

In den Bereichen des STS, der inferioren Parietalregion und der prämotorischen Rinde finden sich Spiegelneurone (als Stern gekennzeichnet). Dies verdeutlicht in welch umfangreichen Be­reich des Gehirns sich eine neurologische Resonanz abspielt. Sowohl im optischen Wahrneh­men, der Gefühlsebene, als auch der Ebene der Interpretation.

(vgl. Bauer2006, S.52; vgl. Singer&Ricard 2015, S.57ff)

Zudem sind die Spiegelneurone mit dem limbischen System über Schaltkreise verbunden, die ,Insula‘ genannt werden. Das limbische System leitet die Informationen der Spiegelneurone weiter an das Stammhirn und an den Körper selbst. Diese Verbindung führt dazu, dass sich auch die körpereigenen Funktionen an das Gegenüber anpassen. Die Signale des Körpers wer­den über das Stammhirn und limbischen Systems wieder an die Insula gesendet und in den präfrontalen Bereich. Daniel Siegel (2012, S.108) nennt diesen Kreislauf „Resonanzschalt­kreis“.

Inwieweit ein Mensch den Zustand seines Gegenübers versteht hängt von der Kenntnis des eigenen Gemütszustands ab. Ist es dem Menschen also möglich den eigenen inneren Zustand nachempfinden zu können, fällt es diesem auch leichter in Resonanz mit dem Umfeld zu gehen. Auch hier lässt sich erkennen, dass der Schlüssel in dem Eigenen liegt - in der Eigenwahrneh­mung. Dieses Spiegelbild birgtjedoch auch die Gefahr sich in den gespiegelten Emotionen und Zuständen des Gegenübers zu verlieren. Die Maxime für eine gesunde und gelungene Interak­tion ist in Resonanz gehen zu können und dennoch dem Selbst und den eigenen Zustand gewahr zu sein.

Diese neuronale Tatsache des Resonanzschaltkreises verdeutlicht, dass sich der eigene Geist auch durch Beziehungen zu anderen Menschen erkunden lassen kann. Durch den ständigen Spiegel des außen lässt sich das Innenleben in das Bewusstsein holen. Die Einsicht dessen er­möglicht Erkenntnisse über das Selbst und daraus wiederum die Möglichkeiten der erweiterten Gestaltung des Lebens.

(vgl. Siegel 2012, S.107ff.; vgl. Sander 2016, S.64 ff.)

Welch großen Einfluss das Umfeld auf die eigene Wirklichkeitswahrnehmung haben kann ist alltägliche Erfahrung - auch in negativer Richtung. Bereits als Kind wird der Mensch oftmals von seinem Umfeld sowohl auf eigene Defizite und Mängel hingewiesen, als auch darauf wie ,falsch‘ die eigene Wahrnehmung und Sicht der Wirklichkeit ist.

Die eigene Realität die durch Erfahrungen und Wahrnehmungen geschaffen wird, bedingt sich durch das Selbst, das immerwährend durch die Interaktion mit dem Umfeld aufrechterhalten wird.

(vgl. Watzlawick 2015, S.29ff; vgl. Grawe 2004, S.230 f.)

Gelingt es dem Menschen den Gedanken zuzulassen, dass sich ein jeder seine individuelle Wirklichkeit konstruiert und aus dieser heraus lebt, unterstützt dies nicht nur die eigene Kon­sistenz, sondern auch die Interaktion mit dem Umfeld.

„...wenn die Basis gegenseitiger Kommunikation noch nicht besteht, sondern erst gefunden oder erfunden und dann der anderen Seite in einer Form angeboten werden muß, diejener die Entschlüsselung des Sinnes ermöglicht. Wenn dies gelingt, eröffnet sich beiden Seiten der Blick in die bis dahin unbekannte und vielleicht unvorstellbare Wirklichkeit zweiter Ordnung der anderen.“ (Watzlawick 2015, S.148)

All dies setzt einen ständigen Lernprozess voraus.

Nachfolgendes Kapitel beschäftigt sich mit der Fähigkeit des Menschen lebenslang zu lernen und aus diesem Lernen zu schöpfen.

2.2.2 Neuroplastizität und Lernen

Wie bereits im übergeordneten Punkt erwähnt hängt die Wahrnehmung, Interpretation und die Konstruktion der Wirklichkeit stark von bisher erlernten Mustern und Strukturen ab. Bewusst gelernte Interpretationen gelangen mit der Zeit ins Unterbewusstsein und werden unbewusst und automatisiert abgerufen, wenn sie benötigt werden. (vgl. Sander 2016, S.42)

Dies bedeutet auch, dass der Prozess des Lernens ein lebenslanger Prozess ist. Durch das Fest­halten an alten Mustern, Glaubenssätzen oder dem Gedanken, sich im fortschreitenden Alter nicht mehr weiterentwickeln oder lernen zu können, lässt den Menschen tatsächlich stagnieren. Dabei ist dies ein großer Irrglaube und tendiert dazu die Eigenverantwortung der eigenen Ent­wicklung abzugeben. (vgl. Siegel 2012, S.75 ff.)

Es ist „eine der wichtigsten praktischen Lehren der modernen Neurowissenschaften..., dass das Vermögen, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, auch die Kraft in sich birgt, die Feue­rungsmuster des Gehirns zu lenken sowie die Struktur des Gehirns an sich umzuformen.“ (Sie­gel 2012, S.76)

Dieses umformen wird oftmals mit dem Satz „what fires together, wires together“ (Siegel 2012, S.78) beschrieben. Die deutsche Bedeutung drückt aus, dass gemeinsam feuernde Neuronen sich verdrahten. Dieses Feuern entsteht indem der Mensch Erfahrungen macht und diese Erfah­rung Neuronen aktiviert.

Durch diese Aktivierung fließt ein Ionenstrom, der einem elektrischem Strom gleichzusetzen ist, dem Axon entlang (die Länge eines Neurons) durch die Membran. Am Ende des Axons in dem synaptischen Raum, der die Verbindung zu dem nächsten Neuron darstellt, wird ein che­mischer Neurotransmitter freigesetzt. Dieser Transmitter sorgt für die Aktivierung oder Deak­tivierung des anschließendenNeurons.

Liegen diesem Prozess oder der gemachten Erfahrung die richtigen Bedingungen zu Grunde, wie der Einbezug von Gefühlen, Wiederholung, Neuheit und Aufmerksamkeitsausrichtung, können die Synapsen gestärkt werden. Die Kombination aus der Erfahrung unter den richtigen Bedingungen, der Aktivierung der Neuronen und der anschließenden Stärkung der Synapsen zwischen den Neuronen verursacht Lernen.

Diese Erfahrung kann auch selbstbestimmt durch die gezielte Fokussierung der Aufmerksam­keit gelenkt werden.

Möglich ist das Umgestalten der Gehirnstruktur durch Erfahrung auf Grund des simultanen Feuerns der Neuronen. Das Feuern aktiviert die Gene innerhalb der Zellkerne und es kommt dazu, dass die Zellkerne sich ,ausdrücken‘, was bedeutet, dass Proteine produziert werden. Die produzierten Proteine ermöglichen einen Neuaufbau oder auch eine Stärkung derVerknüpfun- gen.

Dabei wird die Fetthülle der Axone angeregt Myelin zu erzeugen, was die Weiterleitungsge­schwindigkeit innerhalb des Neurons deutlich erhöht. Des Weiteren können Erfahrungen neu­ronale Stammzellen anregen sich zu komplett neuen Neuronen zu entwickeln. Dieser Prozess wird auch ,Neurogenese‘ genannt.

Diese drei Prozesse, Neurogenese, Synapsen Bildung und Produktion von Myelin, ausgelöst durch Erfahrung, sind ein Leben lang aktiv. Die Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit des Gehirns lässt nicht nur zu, dass Hirnareale durch intensive und wiederkehrende Erfahrungen verändert werden können, sondern bildet ebenso nicht-aktive Hirnstrukturen wieder zurück - um die freigewordenen Areale anschließend für neue Zwecke zu verwenden.

Daraus lässt sich ableiten, dass ein Mensch fähig ist ein Leben lang zu lernen und dadurch die Fähigkeit innehat seine Gehirnstrukturen (um) zu gestalten. Diese Formbarkeit durch Stimulie­rung oder Deaktivierung wird auch ,Neuroplastizität‘ genannt.

(vgl. Sander 2016, S.53 ff.; vgl. Siegel 2012, S.78 ff.; vgl. Grawe 2004, S.139; vgl. Begley 2010, S.232ff.; vgl. Singer&Ricard 2015, S.32ff.)

Da, wie bereits beschrieben, die neuronale Verknüpfung oder der Neuaufbau von synaptischen Verbindung auf Erfahrungen beruht, ist auch das Lernen am effektivsten und nachhaltigsten wenn es auf intensive, wiederkehrende Erfahrung aufbaut.

Um ein effektives Lernen zu unterstützen sind, zu dem sachlichen Verstand der eine mündige Selbstverantwortung unterstützt, positive Emotionen unerlässlich. Solche förderlichen Emoti­onen sind zum Beispiel Neugierde, Begeisterung und Hingabe.

Negative Emotionen wie Angst hingegen blockieren freies, kreatives und assoziatives Arbeiten und Lernen. Sobald negative Emotionen auftreten verengt sich der Fokus auf diese. Der durch negative Emotionen entstehende Stress, wie Angst, will durch den Organismus möglichst schnell abgebaut werden und es wird eine entsprechende Strategie entwickelt.

Bewährt sich die Strategie zur Bewältigung des Stresses, wird Dopamin ausgestoßen und die Bewältigungsstrategie im Repertoire gespeichert. Ist die Ausprägung der Angstjedoch zu hoch greift der Mensch automatisiert zu den altbewährten Strategien des Angriffs, der Flucht oder der Erstarrung.

Zu den positiven oder negativen Emotionen und der Motivation ist die gelenkte Aufmerksam­keit ein entscheidender Faktor wie effektiv sich der Lernprozess gestaltet.

(vgl. Spitzer2007, S.163ff.; vgl. Sander2016, 53ff.)

Um eine bewusste Aufmerksamkeit etablieren zu können die effektive Lernprozesse fordert, ist es hilfreich die Grundlagen des Antriebs des Menschen, die menschlichen Grundbedürfnisse und die Konsistenzregulation, näher zu betrachten. Darauf wird im Folgenden eingegangen.

2.3 Menschliche Grundbedürfnisse

Um die eigene Wahrnehmung und die subjektive Wirklichkeit in das Bewusstsein holen zu können und anschließend selbstentwickelnd damit arbeiten zu können, ist es wichtig die eige­nen Grundbedürfnisse zu verstehen. Die Erforschung und Veränderung der Innerlichkeit erfährt eine neue Tiefe, wenn auch die Ausrichtung der psychischen Prozesse mit einbezogen werden, die unter anderem Wünsche, Pläne, Ziele, Ängste und Werte umfassen.

(vgl. Grawe 2004, S.183 ff.)

Hinsichtlich dieser Arbeit wird der Blick auf die psychischen Bedürfnisse gelenkt und die bio­logischen Grundbedürfnisse als selbstverständliche Grundlage betrachtet.

Grawe zieht dafür die vier Grundbedürfnisse (ursprünglich von Epstein 1990,1991,1993) kon­zipierte „Cognitive-Experiential Self-Theory“ heran. Grundlage dieser Grundbedürfnisse ist der Gedanke, dass diese bei jedem Menschen vorhanden sind und die Schädigung den Men­schen psychisch einschränken und somit auch das subjektive Wohlbefinden schwächen.

Es handelt sich um das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle, Lustgewinn/Unlustvermei­dung, Bindungsbedürfnis und Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung/Selbstwertschutz. Dabei strebt der Mensch stets danach diese Bedürfnisse zu befriedigen, um ein Gefühl des subjektiven Wohlbefindens zu schaffen.

(vgl. Grawe 2004, S.185 f.)

Um eine umfassendere Grundlage der psychisch ablaufenden Prozesse geben zu können werden die einzelnen Grundbedürfnisse theoretisch dargestellt.

Begonnen wird mit dem Grundbedürfnis der Orientierung und Kontrolle.

Grundbedürfnis der Orientierung und Kontrolle:

Das Bedürfnis der Orientierung und Kontrolle wird als das wichtigste und einflussreichste Be­dürfnis (in Bezug auf die anderen Grundbedürfnisse) angesehen und wird daher auch zu Beginn betrachtet, um eine Verständnisgrundlage zu schaffen.

Bereits in der Kindheit entwickelt der Mensch eine Grundüberzeugung in welchem Ausmaß er über Voraussehbarkeit und die Möglichkeit nach Kontrolle verfügt, somit ob es lohnenswert ist sich einzubringen oder zu entziehen. Diese Grundüberzeugung geht soweit, dass sie ebenso Einfluss darauf nehmen kann, ob das Leben für den Menschen Sinn macht oder nicht.

Dabei ist die Kontrolle stark mit den gemachten Erfahrungen und der subjektiven Wahrneh­mung verknüpft. Der Mensch ist, meist unbewusst, bemüht die Wahrnehmung auf diejeweili- gen (inneren) Ziele auszurichten und somit die Wahrnehmung zu kontrollieren. Bereits ge­machte Erfahrungen haben Überzeugungen und Glaubenssätze entwickelt, ob der Mensch dazu neigt Angestrebtes zu erreichen oder nicht. Dadurch kann von positiver und negativer Kontrol­lerfahrung gesprochen werden. Sobald eine Aktivität zielorientiert geleitet ist, ist der innere Kontrollaspekt aktiviert und für die Bedürfnisbefriedigung notwendig. Bei dem Kontrollaspekt geht es um das Bestreben des Menschen sein eigenes Verhalten so auszurichten, dass der Le­bensraum regulierbar ist. Darunter fällt auch, dass im eigenen Wertebereich ein ausgedehnter Handlungsspielraum mit einer möglichst hohen Anzahl an Handlungsmöglichkeiten zur Ver­fügung steht. Ist es dem Menschen nicht möglich im Hinblick auf seine Ziele kontrollfähig zu bleiben, verletzt dies das Grundbedürfnis nach Kontrolle.

Voraussetzung für die Wirksamkeit und Anteil der Kontrolle ist eine Orientierung über die vorherrschende Situation zu haben - und somit über das Leben selbst.

Bestandteile davon sind die Klarheit und das Bewusstsein was in einem Selbst vorgeht, worauf es zurückzuführen ist und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, um die Situation gegebe­nenfalls verbessern zu können.

Positiv erlebte Orientierungserfahrungen stärken somit auch das Kontrollbedürfnis.

Die Kombination aus der Wahrnehmung, Erfahrung und Handlung positiver Orientierung und Kontrolle erhöhen nicht nur die Kontrollüberzeugung selbst, sondern auch die Selbstwirksam­keit und das subjektive Wohlbefinden im Allgemeinen.

(vgl. Grawe 2004, S.230 ff.; vgl. Oesterreich 1981, S.130 f.; vgl. Flammer 1990, S.114 f.) Oftmals wird das Bedürfnis nach Kontrolle auch auf andere Grundbedürfnisse übertragen, zum Beispiel die Kontrolle über Geld als Befriedigung des Bindungsbedürfnisses.

Anders herumjedoch kann positive Kontrollerfahrung auch zu positiver Selbstwirksamkeit füh­ren.

Das Gesagte zeigt wie sehr die Grundbedürfnisse Bindung, Selbstwertschutz/-erhöhung und Lustgewinn/Unlustvermeidung von dem Grundbedürfnis Kontrolle/Orientierung abhängen - was zeigt warum dieses Bedürfnis als so einflussreich bezeichnet wird.

Im Laufe der folgenden Unterkapitel wird immer wieder Bezug auf dieses Grundbedürfnis ge­nommen und näher auf die vorherrschenden Verbindungen eingegangen.

(vgl. Grawe 2004, S.230ff.; vgl. Bandura 1977, S.191-215)

Grundbedürfnis der Bindung

Ein weiteres und essentielles Grundbedürfnis ist das der Bindung. Wie bereits im Kapitel 2.2.1 erläutert sind dem Menschen Spiegelneurone zu eigen, durch die sich das Innen im außen und umgekehrt spiegelt. Diese Fähigkeit ermöglicht dem Menschen bereits als Kleinkind über un­sere engste Bezugsperson emotionale Zustände wahrzunehmen. Auf Grund der Wahrnehmun­gen die uns unsere Bezugsperson spiegelt, beginnen wir uns selbst mehr und mehr kennenzu­lernen und zu erfahren. (vgl. Siegel 2012,S.109 f.)

Allein dies macht deutlich wie wichtig die Bindung bereits im jüngsten Alter ist. Doch nicht nur durch die Anfänge der Selbsterfahrung und des eigenen ,Kennenlernens‘ hat die Bindung einen großen Einfluss, auch auf Ausprägungen von Ängsten, Erwartungen, Zugänglichkeit und Reaktionsbereitschaft.

Kann ein Kind darauf vertrauen, dass die Bezugsperson jederzeit verfügbar ist wenn der Wunsch danach aufkommt, neigt dieses weniger in Furcht und Ängste zu verfallen. Diese ent­wickelte Erfahrung, wie verfügbar die Bezugsperson in der Kindheit war, verankert sich meist tief in das Unterbewusstsein. Aus dem Unterbewusstsein heraus beeinflussen die Erfahrungen Wahrnehmungen, Verhalten, emotionale Reaktionsbereitschaft und motivationale Schemata. (vgl. Bowlby 1976, S.245 f.; vgl. Grawe 2004, S.193ff; vgl. Grossmann 1990, S.231ff.)

Auf Grund all dieser Vorerfahrungen, Muster und unbewussten Orientierungen entstehen Be­ziehungen.

Meist sind die gemachten Erfahrungen und Verhaltensweisen seitens der Bezugsperson - im Regelfall der Mutter - so tief verankert und ins Unterbewusstsein aufgenommen, dass der Mensch selbst zum Spiegel dessen wird was er erlebt hat. Anders ausgedrückt ist die Wahr­scheinlichkeit sehr hoch, dass sich das Verhalten der Bezugspersonen an die nächste Generation überträgt und die ihrerseits auf die gleiche Art und Weise ihren Nachwuchs behandeln, erziehen und aufziehen. Diese Spiegelung des Erlebten wird oftmals nicht nur auf die eigenen Kinder übertragen, sondern lässt sich hinsichtlich aller gelebten Beziehungen wiederfinden.

Das macht Beziehungen häufig schmerzlich, da sie ein ständiger Prozess sind, durch den man sich selbst entdeckt. Diese schmerzlichen Prozesse und Erkenntnisse lösen Konflikte in sich selbst und somit auch zu anderen aus.

„Diese Spannung in der Beziehung ist wie ein Spiegel, vor dem jeder entblößt wird. Diese Entblößung ist schmerzlich, doch der achtsame Mensch lehnt sie weder ab noch begrüßt er sie, sondern er fragt nach der Ursache von Mißhelligkeiten und Schmerz.“

(Krishnamurti 2014, S.109)

Grundbedürfnis nach Selbstwertschutz /-erhöhung Das ausschließlich dem Menschen zu eigene Grundbedürfnis ist das des Selbstwertschutzes und der Selbstwerterhöhung. Hingegen das Bedürfnis nach Kontrolle, Bindung und Lust kann auch im Tierreich wiedergefunden werden. Ausschlaggebend, dass das Bedürfnis nach Selbstwert­schutz /-erhöhung nur bei Menschen zu finden ist, sind die Fähigkeiten die für die Regulation von Nöten und Ängsten sind. Darunter fällt sowohl das Bilden eines Bewusstseins und die Fä­higkeit der Selbstreflexion.

Das Selbstbild entwickelt sich, wie im Absatz der Beziehung bereits erwähnt, durch die Inter­aktion mit der Umwelt und das besonders durch die kommunikative Interaktion.

Erst wenn sich ein Selbstbild herausgebildet hat das die Fähigkeiten des Bewusstseins eines Selbst und der Selbstreflexion besitzt, entsteht das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz. Dies ist auch der Grund warum eine inhaltliche und methodische Untersu­chung dieses Grundbedürfnisses kaum möglich ist.

Wo das Bindungs- und Kontrollbedürfnis bereits im Kleinkindalter belastet worden ist, ist noch kein Selbstbild entwickelt. Jedoch können diese beiden Grundbedürfnisse das sich entwi­ckelnde Selbst stark beeinflussen. Im negativen Fall bedeutet dies, dass sich das Selbstbild be­reits in der Entstehung zu einem negativen Selbstbild mit geringen Selbstwert entwickelt.

Im Laufe des Lebens zeigt sich dies durch selbstabwertendes Verhalten und einem primär ne­gativ belasteten Selbstbild.

Dieses Grundbedürfnis ist stark mit dem Grundbedürfnis nach Kontrolle und Bindung ver­knüpft, was sich gut an auftretenden Verhalten von Kindern beschreiben lässt.

Werden die Bedürfnisse eines (Klein-) Kindes von der Hauptbezugsperson nicht ausreichend befriedigt, können zwei Formen im Denken entstehen. Entweder wird die Verantwortung der mangelnden Bedürfnisbefriedigung der Bindungsperson - im Regelfall Fall der Mutter - zuge­schrieben oder sich selbst. Um das Bedürfnis der Kontrolle aufrechtzuerhalten wählen Kinder häufig sich selbst und schreiben sich den erfahrenen Mangel selbst zu. Würden sie dies nicht tun, gäbe es keine Handlungsalternativen und das Kind ist, gefühlt, dem Verhalten der Mutter ausgeliefert. Schreibt sich das Kind jedoch die Verantwortung der mangelnden Bedürfnisbe­friedigung selbst zu, entsteht der Glaube es gäbe Handlungsalternativen, da es sich ,schlecht‘ verhält. Die daraus resultierenden unangenehmen Gefühle führen dazu, dass sich das Kind pri­mär negativ, wertlos und schlecht wahrnimmt. So wird die scheinbare Kontrolle aufrechterhal­ten und kann zu einem mangelnden Selbstbild und damit Selbstwert führen.

Dieses Verhalten ist jedoch nicht nur typisch für Kinder, sondern zieht sich oft durch das Er­wachsenenalter hindurch.

(vgl. Grawe 2004, S.250 ff.; vgl. Sullivan 1968, S.150ff.)

Selbst wenn ein Mensch ein geringes Selbstwertgefühl hat, bleibt die Ausrichtung bestehen eine Selbstwerterhöhung anzustreben. Dies liegt an der Grundtendenz des Menschen sein Selbst aufzuwerten. Obwohl es dem Menschen meist so scheint als würde man sich Negatives ver­stärkt einprägen, erinnert man sich besser an positive Informationen über sein Selbst und auch die Verarbeitung solcher Informationen läuft schneller ab. Negative Ereignisse, Erfahrungen und Leistungen werden tendenziell heruntergespielt, neutraler dargestellt und positive verstärkt. Verliert der Mensch diese positivere Wahrnehmung der eigenen Realität, ist dies ein Zeichen, dass ein schlechterer seelischer Zustand vorliegen könnte und das subjektive Wohlbefinden leidet. Diese ,aufgebesserte‘ positive Sicht eines Menschen bezüglich seines Selbst und des eigenen Umfeldes ist durchaus gesund und fördert das subjektive Wohlbefinden. Wie in so vielen Bereichen gilt dies auch hier nur solange das Selbst nicht in dauerhaften und übermäßi­gen Ausmaß erhöht wird, so dass die anderen Grundbedürfnisse darunter leiden könnten.

Die illusionäre positive Selbstwahrnehmung fördert nicht nur die Selbstwerterhöhung, sondern besitzt auch einen selbsterfüllenden Charakter. Auswirkung hat dieses Denken auf den linken präfrontalen Cortex, der sich durch diese annähernde Tendenz besonders aktiviert wird. Dieser verbesserte Zustand bewirkt, dass sich der Mensch tatsächlich besser fühlt und positivere Er­fahrungen, Wahrnehmungen und Ergebnisse erzielt - was wiederum die Grundbedürfnisse stärkt und somit das subjektive Wohlbefinden.

(vgl. Grawe 2004, S.255 ff.; vgl. Cialdini & De Nicholas, 1989, S.626-631)

Grundbedürfnis des Lustgewinns/ der Unlustvermeidung Das letzte dargestellte Grundbedürfnis ist das des Lustgewinns/ der Unlustvermeidung.

Dieses Grundbedürfnis ist dem Menschen am schnellsten und bewusstesten zugänglich. Es han­delt sich bei dem Bedürfnis darum wie angenehm oder unangenehm sich der momentane Zu­stand anfühlt - wobei der Mensch einen möglichst angenehmen Zustand anstrebt und sich da­rum bemüht unangenehme zu vermeiden.

Dem Menschen geht nach der Reizaufnahme stets eine unbewusste emotionale Bewertung vo­raus, bevor bewusst wahrgenommen wird ob etwas als ,gut‘ oder ,schlecht‘ kategorisiert wird. Wird ein Reiz von dem Gehirn bezüglich seiner Qualität bewertet, kann dies an dem ,Late Positive Potential (LPP)‘ (Grawe 2004, S.261) erkannt werden. Dieser Wert ist bei allen Beur­teilungsprozessen symmetrisch in beiden Hirnhälften zu messen. Wird eine ,gut-schlecht‘ Be­wertung hinsichtlich eines Reizes durchgeführt, ist der LPP besonders intensiv und primär in der rechten Hirnhälfte zu erkennen. Dies zeigt, dass zusätzliche Prozesse der rechten Hirnhälfte in die Verarbeitung eines Reizes, hier in Form der Bewertung, einfließen.

Diese Beurteilung entsteht durch die Einflüsse von Erfahrungen, Werten, Erlernten und dem momentanen Gemütszustand des Menschen.

Besonders an dem Beispiel des Geschmacks ist gut zu erkennen, dass hinter dieser Bewertung ein hochkomplexer Prozess steckt der nicht nur auf die reine ,Lust‘ zurückzuführen ist.

Viele Lebensmittel werden von Kindern als unangenehm bis unerträglich empfunden, dazu ge­hören zum Beispiel Chili, Bier, Wein oder Kaffee. Mit der Zeit wird eine positive Bewertung erlernt, bis ein Genusserlebnis in dem Konsum dieser Lebensmittel erfahren wird. Hintergrund dieses Umlernens kann das starke Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Selbstwert oder Status hin­sichtlich bestimmter Kreise, Kulturen oder Umfeldes sein.

Dabei bleiben die Reaktionen der Sinneszellen und der Geschmack an sich unverändert - die Interpretation wirdjedoch auch von Werten, Zielen, Motiven und Schemata beeinflusst.

Fällt die Bewertung positiv aus tendiert der Mensch zu annähernden Verhalten.

Auf Grund der inneren Verbindungen der Spiegelneurone, kann eine solche Bewertung auch interpersonal stattfinden. Eine kollektiv als vertrauenswürdig und verlässlich angesehene Be­wertung aus dem Außen kann eine Vielzahl von Menschen dazu veranlassen ebenso diese Be­wertung einzunehmen, ohne selbst Erfahrung mit dem Reiz ausgesetzt gewesen zu sein. Die Bewertung wird in das eigene System übernommen und wenn der Reiz eintritt ebenso aufge­griffen.

Dies zeigt, dass das Grundbedürfnis der Lust/Unlust veränderbar ist. Es liegt nicht im Objekt der Wahrnehmung selbst, sondern richtet sich nach bereits bestehenden innermenschlichen Schemata aus.

Auch wenn dieses Grundbedürfnis das präsenteste ist und auch im psychologischen Kontext immer wieder einen hohen Stellenwert zugeordnet wird, ist es dem Menschen zu eigen dieses Bedürfnis unterzuordnen. Ordnet ein Mensch sich jedoch dem Lustbedürfnis unter, kann dies zum Beispiel zu starker Drogenabhängigkeit oder Fettleibigkeit führen.

„Wer hauptsächlich nach Lust strebt, wird in Unlust enden.“ (Grawe 2004, S.301)

Setzt sich ein Mensch großen Gefahren aus, um anderen Menschen zu helfen, ist oftmals kein Gefühl der Lust vorhanden. In solchen Beispielen schöpft der Mensch aus positiven Zuständen wie Mitgefühl und innere Zufriedenheit, die das erbrachte Verhalten auslösen. Gefühle eines so komplexen Ausmaßes entstehen durch Ziele, in denen der Mensch aufgeht und in denen er ein hohes Maß an Übereinstimmung sieht. Dabei wird das Ziel angestrebt und nicht primär das Gefühl, das sich beim Erreichen des Zieles einstellen könnte.

(vgl. Grawe 2004, S.261ff.; vgl. Kabat-Zinn 2016, S.439)

Die Grundbedürfnisse nach Kontrolle und Bindung sind seit Geburt an richtungsführend für das Verhalten, wobei sich das Bedürfnis nach Lustgewinn erst noch entwickeln musste.

Gerade bei diesem Grundbedürfnis wird deutlich, dass kein Bedürfnis für sich alleine steht, sondern alle in Wechselbeziehungen mit- und zueinander.

2.4 Aufmerksamkeit und Achtsamkeit

Wie bereits in dem Kapitel ,Bewusstsein, Wahrnehmung und Wirklichkeit4 beschrieben, sieht der Mensch die Welt durch die Brille der eigenen Erfahrungen, erlernten Muster und automa­tisierter Strukturen oder Konditionierungen. Anders ausgedrückt sieht der Mensch das, was er sehen möchte und wie ihm Erfahrenes möglichst störungslos in seine ,erfundene‘ Wirklichkeit passt.

Um die Welt in einem umfassenderen Ausmaß erfahren zu können ist es nötig, sich diesen leitenden Gedankenstrom gewahr zu werden und zu lernen die Welt nicht nur so zu sehen wie sie durch das im Laufe des Lebens kultivierte Denken zu sein scheint.

(vgl. Kabat-Zinn2016, S.198 ff.)

Die individuelle Wirklichkeit dreht sich ausschließlich um das subjektive Erleben und die Struktur der Innenwelt. Dadurch ist eine Veränderung durch das Arbeiten mit dem Inneren und

Unbewussten so gewinnbringend. Der Glaube allein ermöglicht die Prägung neuronaler Muster. Dabei ist irrelevant ob real oder irreal, das menschliche Gehirn findet hier keine Unterschei­dung. Ausschlaggebend ist ausschließlich die Intensität des eingehenden Reizes, der vom Ge­hirn aufgenommen wird. Dieses ist den feuernden Neuronen verschuldet, die Proteine produ­zieren und somit neue neuronale Verbindungen entstehen können, wie im Kapitel der Neuro- plastizität bereits beschrieben.

(vgl. Sander 2016, S.97f.; vgl. Grawe 2004, S.119f.)

Diese Form der Intensität wird durch den Grad der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gelenkt. Im Laufe dieser Arbeit werden die beiden Begriffe der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit in­haltlich gleichbedeutend verwendet, da sie sich in vielerlei Hinsicht überschneiden. „Achtsamkeit ist ein kontinuierliches Wohnen in der Landschaft des Jetzt. Sie ist eine Wach­heit, die jenseits einer ständigen Verstrickung in Mögen und Nichtmögen, in Wünschen und Zurückweisen und in destruktive und nicht hinterfragte emotionale Gewohnheiten und Gedan­kenstrukturen ist, ganz gleich, wie sichtig das ist, worum es geht, ganz gleich, wie hoch das Risiko ist.“ (Kabat-Zinn 2016, S.245)

Übt sich ein Mensch in Achtsamkeit, schult dieser gleichermaßen seinen Geist, sich selbst und lernt die eigenen Zielrichtungen kenne. Das Üben der Aufmerksamkeit setzt einen kontinuier­lichen, regelmäßigen und dauerhaften Lernprozess voraus - ähnlich wie das effektive Lernen von Sprachen regelmäßiges und wiederholendes Üben voraussetzt. Es gilt immer wieder zurück zum Gegenstand der Aufmerksamkeit zurückzukehren, sobald dieser durch Ablenkung unter­brochen wurde. Dieses zielgerichtete Ausrichten der Aufmerksamkeit schult den Geist in der Fähigkeit sein Gewahrsam auf ein Ziel zu fokussieren und dieses auch aufrechtzuerhalten.

In reiner Aufmerksamkeit zu Sein setzt ebenso eine Urteilsfreiheit voraus, als auch den Verzicht auf Reaktivität - dem automatischen Reagieren.

(vgl. Siegel 2012, S.140 ff.; vgl. Siegel 2007, S.109-119; vgl. Kabat-Zinn 2004, 373-86)

2.4.1 Bestandteile der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit

Ein Bestandteil der Aufmerksamkeit im eigenen Entwicklungsprozess ist somit die Selbstref­lexion. Diese besteht nach Siegel (2012, S.67ff.) aus den Dimensionen der Offenheit, Selbstbe­obachtung und Objektivität.

[...]


1 „Frontallappen (1): motorische Rinde (M) liegt direkt vor dem Sulcus centralis (3). Direkt vor der motorischen Rinde liegt die prämotorische Rinde. Die vordere Hälfte des Frontallappens beherbergt die Entscheidungsplanung und das soziale Ge­wissen.
Parietallappen (Scheitellappen) (2):
Direkt hinter dem Sulcus centralis liegt das von oben nach unten ziehende Band des körperlichen Empfindens (somatosen- sible Hinrinde) (S).
Sulcus centralis = große Querfurche (3):
Sie trennt das Frontalhirn (1) vom Parietallappen (Scheitellappen) (2).
Temporallappen, Schläfenlappen (4)
Occipitallappen, Hinterhauptslappen (5)“ (Grawe 2006, S.19)

2 Ursprünglich aus dem Lateinischen mit der Bedeutung Wieder-Erklingen und Zurück-Erklingen.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Fort von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen
Untertitel
Eine systematische Literaturanalyse zur Erarbeitung eines Methodenkatalogs auf der Grundlage verschiedener Coachingansätze
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
131
Katalognummer
V384642
ISBN (eBook)
9783668598683
ISBN (Buch)
9783668598690
Dateigröße
1548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verbesserung, wohlbefindens, fort, vermeidungszielen, annäherungszielen, eine, literaturanalyse, erarbeitung, methodenkatalogs, grundlage, coachingansätze, coaching
Arbeit zitieren
Laura Patzke (Autor), 2017, Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Fort von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384642

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Fort von Vermeidungszielen hin zu Annäherungszielen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden