Stimmt es, dass Solons Reformen in Athen die Demokratie einführten?


Essay, 2016
4 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Stimmt es, dass Solons Reformen in Athen die Demokratie einführten?

Die aufgeworfene Frage wird in der Forschung kontrovers diskutiert und bedarf daher der genaueren Betrachtung.

Zunächst ist zu klären, wer Solon war und wann er lebte. Anschließend werden der historische Kontext und der Inhalt seiner Reformen erläutert. Dann folgt eine Aufstellung der aus den Reformen resultierenden Folgen für die athenische Regierungsform. Abschließend wird der Stellenwert von Solons Reformen bewertet und untersucht, ob hier tatsächlich schon die Demokratie in Athen eingeführt wurde.

Solon gilt als einer der Sieben Weisen der griechischen Geschichte, die im ausgehenden 7., sowie in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. lebten und wirkten. Dabei spielte jeder für seine Poleis eine wichtige Rolle. Solon gilt als Politiker, Reformer, Denker und Dichter. Er war ein Adeliger, der im Jahr 594 v. Chr. zum Archon Athens ernannt und mit der Aufgabe betraut wurde, den athenischen Staat wieder ins Lot zu bringen. Dazu musste er die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen innerhalb Athens schließen.

Bevor Solon ins Amt gewählt wurde, wäre im 7. Jahrhundert v. Chr. in Athen beinahe die Vorherrschaft der Aristokraten durch die Tyrannis, also die unbegrenzte Einzelherrschaft, ersetzt worden. Der versuchte Staatsstreich des Kylon mit dem Ziel sich selbst zum Tyrannen zu erheben, wurde jedoch vereitelt und seine Anhänger getötet, obwohl sie in das Asyl des Athena-Heiligtums geflohen waren („kylonischer Frevel“). Kylon selbst war zuvor geflohen. Im Anschluss herrschte eine Fehde zwischen den Verwandten der Anhänger Kylons und deren Richtern. Um dieser angespannten Lage entgegenzuwirken, wurde Drakon beauftragt, das bestehende Gewohnheitsrecht zu kodifizieren. Drakon ließ unter den athenischen Bürgern (hauptsächlich den Aristokraten) die Archonten (Oberbeamte), Tamiai (Kassenwarte), Strategen (Feldherren) und Hipparchen (Reiterführer) auslosen. Aus diesen wiederum wurden unter jenen, die älter als 30 Jahre waren, vierhundertein Männer ausgelost, die den Rat auf dem Areopag bildeten und über das Gesetz wachten. Dabei konnte jeder nur einmal für eine Amtszeit ausgelost werden. Außerdem galten Drakons Gesetzte nur für Männer mit Bürgerrechten, also solchen die sich als Hopliten ausrüsten konnten (demos). Die Gesetze Drakons gelten bis heute als extrem hart („drakonische Strafen“). Dies rührt daher, dass einige Delikte weiterhin dem Gewohnheitsrecht unterstellt blieben, dadurch waren z.B. Diebstahl oder Ehebruch der Selbsthilfe (private Verfolgung) überlassen und nicht auf gesetzliche Autorität gestützt. Die hier verhängten Strafen waren um einiges härter, als sie es später durch gesetzliche Regelung waren. Drakons Gesetzeskodifikation behob die in Athen herrschende Rechtsunsicherheit teilweise, konnte aber nichts an der herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Krise ändern. Diese äußerte sich vor allem in der Verarmung der Kleinbauern, welche ein Sechstel ihrer Ernteerträge an ihre Gläubiger abführen mussten. Konnten die Schulden nicht zurückgezahlt werden, war es möglich, dass die Bauern in die Schuldknechtschaft gerieten oder sogar in die Sklaverei verkauft wurden.

Als Solon nun in das Amt des Archonten gewählt wurde, herrschte folglich eine zunehmende Verarmung bäuerlicher Schichten. Zudem drängten nichtadelige, aber wohlhabende Gruppen, auf mehr politischen Einfluss. Solon stellte eine Verfassung auf und erließ neue Gesetze. Die Rechtssätze Drakons setzte er zum Großteil außer Kraft. Die neuen Gesetze wurden auf Holztafeln geschrieben und öffentlich aufgestellt.

Mit neuen Gesetzen wollte Solon die Grundrechte der Athener wahren und persönliche Freiheit und Menschenwürde gewähren. Aus diesem Grund führte er die Schuldenabschaffung und eine damit einhergehende Aufhebung der „leiblichen Haftbarkeit der Schuldner“ (s eisachtheia = Lastenabschüttelung) durch. Wodurch es nun nicht mehr möglich war, Schuldner bei Zahlungsunfähigkeit in die Sklaverei zu verkaufen (Schuldsklaven). Durch das Verbot auf die Person des Schuldners zuzugreifen, wurde langfristig ein freies Bauerntum gesichert.

Solon stellte den Verhältnissen in Athen ein Konzept entgegen, welches auf eine Neuverteilung politischer Rechte und Pflichten innerhalb der Bürgerschaft setzte. Grundlage für dieses neue System war, dass nun das Vermögen und nicht mehr die Abstammung über die Beteiligung an der Politik entschied (timokratische Ordnung). Dazu schuf er vier nach dem Einkommen gestaffelte Vermögensklassen. Hierbei verband er Staats- und Wehrverfassung. So wurde jeder Bürger seinem Einkommen entsprechend zum Kriegsdienst herangezogen. Gemäß seinem Einkommen erhielt der Bürger nun auch politische, an die Vermögensklasse gebundene Mitwirkungsmöglichkeiten. Die vier solonischen Vermögensklassen hießen der Bedeutung der umfassten Ämter nach geordnet: Pentakosiomedimnoi (Fünfhundertscheffler), Hippeis (Reiter), Zeugiten (Jochbauern) und Theten (Tagelöhner). Die höchsten Beamten wurden aus den Pentakosiomedimnoi, den Hippeis und den Zeugiten ausgelost. Die Archonten wurden innerhalb der ersten Klasse ausgelost. Die Angehörigen der Theten durften nur an der Volksversammlung und den Gerichten teilnehmen, bekleideten aber keine gesonderten Ämter.

In den vier Phylen („Stämme“) wurden Vertreter gewählt. Unter diesen wurden die Amtsträger ausgelost. Vor Solon bestimmte der Areopag die Amtsträger. Der „Rat der 400“ wurde ins Leben gerufen. Er setzte sich aus je 100 Männern aus jeder Phyle zusammen. Der Areopag hatte weiterhin die Aufsicht über die Gesetze und saß über Gesetzesbrecher zu Gericht.

Ob Solon nun durch seine Reformen die Demokratie in Athen eingeführte, lässt sich kontrovers diskutieren.

„Demokratia („Volksmacht“) ist der übliche griechische Begriff für eine Regierungsform, bei der die Macht in den Händen der großen Menge und nicht bei den Wenigen (oligarchía) oder einem Einzelnen (monarchía) liegt.“ (DNP)

Dadurch, dass Solon ein timokratisches System einführte, waren nicht mehr wie zuvor nur die Aristokraten in der Position die Politik Athens zu beeinflussen, sondern auch Bürger, die nicht dem Adel entstammen. Dies geschah nicht zuletzt dadurch, dass er dem ehemals höchsten aristokratischen Machtinstitut, dem Rat auf dem Areopag ein großes Stück seiner Macht entzog. Dieser konnten nun nicht mehr die Beamten ernennen, wodurch auch Nichtadeligen der Zugang zu höchsten Ämtern ermöglicht wurde. Mithin verschaffte er größeren Teilen der Bevölkerung Zugang zur Politik. Es ist sogar schon vereinzelt die Sprache von Wahlen, einem der wichtigsten Konzepte der Demokratie. Allerdings wurden zu Zeiten Solons noch überwiegend Losverfahren durchgeführt. Es konnte also nicht gezielt ein Vertreter für eine Bevölkerungsgruppe eingesetzt werden.

Aufgrund seiner Neuordnung gilt Solon spätestens seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. als Begründer der Demokratie in Athen. Die moderne Forschung ist sich nicht einig. So wird seine prägende Rolle bei der Grundlegung demokratischer Institutionen vergleichsweise gering eingeschätzt. Diese seien erst später unter Kleisthenes und Ephialtes zur richtigen Entfaltung gekommen. Erst hier sei ein durchgängiges Wahlsystem basierend auf der Neuordnung der Phylen eingeführt worden und nun erst könnten nicht nur die Wohlhabendsten die allerhöchsten Ämter besetzen. Unter Solon wurde die Politik zwar zugänglich für Bürger die nicht dem Adel entstammten. Jedoch war ihr politisches Gewicht an ihr Einkommen gebunden, sodass eine Gleichheit vor dem Gesetz, wie sie einer heutigen Demokratie zugrunde liegt, noch nicht bestand.

Somit kann man sagen, dass Solon mit seinen Reformen zwar den Grundstein für die spätere Demokratie gelegt hat, zu seiner Zeit aber noch keine Demokratie in Form der obigen Definition bestand. Diese entstand erst unter Kleisthenes, der seine Reformen nach der auf Solon folgenden Tyrannis durch Peisistratos, in Athen durchführte. Unter Solon ging die politische Gewalt noch vom Demos aus. Seine Leistungen für die Demokratie vor allem im Bereich der Förderung einer kollektiven „Polismentalität” lässt sich jedoch nicht verhehlen.

Solon hat folglich noch nicht die Demokratie in Athen eingeführt, ihr jedoch entscheidend den Weg geebnet, indem er die alten aristokratischen Strukturen erheblich aufweichte.

Literaturangaben:

J. Fischer: Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr., in: Geschichte Kompakt, hrsg. von K. Bodersen, M. Kintzinger, U. Puschner, V. Reinhardt, o.O. 2009.

P. Funke: Athen in klassischer Zeit (C.H. Beck Wissen), München 2007.

P. Olivia: Solon – Legende und Wirklichkeit (= Konstanzer Althistorische Vorträge und Forschung 20), Konstanz 1988.

Quellen:

Aristoteles: Staat der Athener 4, 1-8, 5; 13, 1-4.

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Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Stimmt es, dass Solons Reformen in Athen die Demokratie einführten?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
4
Katalognummer
V384994
ISBN (eBook)
9783668603738
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athen Solon Demokratie
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Anonym, 2016, Stimmt es, dass Solons Reformen in Athen die Demokratie einführten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384994

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