Die Entstehung des modernen Kapitalismus nach Max Weber


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Webers Definition vom Kapitalismus
2.1 Ältere Formen des Kapitalismus
2.2 Der moderne Kapitalismus im Okzident

3 Entstehungsbedingungen des modernen Kapitalismus
3.1 Materielle und institutionelle Bedingungen
3.2 Asketischer Protestantismus und kapitalistischer Geist
3.2.1 Die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese
3.2.2 Askese und kapitalistischer Geist

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Max Weber (1894-1920) gilt bis heute als einer der bedeutendsten deutschen Sozialwissenschaftler (Kaesler 2003, S. 7). Den Mittelpunkt in Max Webers Werk bildet die Untersuchung des modernen Kapitalismus, seiner Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen. Er beschäftigt sich hierbei hauptsächlich mit der Entstehung eben dieses modernen Kapitalismus und nicht mit der Funktionsweise des selbigen. Es geht also um die historischen Kräfte und Ursachen, mit denen Weber die Entwicklung des modernen okzidentalen Kapitalismus begründet.

Webers Gedanken hierzu finden sich maßgeblich in seinem erstmals 1904/1905 im „Ar- chiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik“ erschienenen und schließlich im Jahr 1920 in überarbeiteter Form veröffentlichen Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, in dem eine schlüssige Erklärung des Zusammenhangs zwi- schen der Ethik oder Weltanschauung der Protestanten und Kapitalismus stattfindet (ebd., S. 99).

Die vorliegende Arbeit widmet sich im Folgenden der Darstellung der Entstehung des modernen Kapitalismus. Zunächst werde ich den Begriff des Kapitalismus bei Max Weber beleuchten und dann anschließend die Entstehungsfaktoren für den modernen Kapitalismus im Okzident anhand Webers Werken „Wirtschaftsgeschichte“ und „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ thematisieren.

2 Webers Definition vom Kapitalismus

Bevor ich auf die Bedingungen zur Durchsetzung des Kapitalismus zu sprechen komme, gehe ich zunächst darauf ein, was Weber idealtypisch unter Kapitalismus versteht. In der Vorbemerkung seiner „Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie“ differenziert Weber hier einerseits zwischen den älteren Formen kapitalistischen Wirtschaftens und dem modernen okzidentalen Kapitalismus andererseits.

2.1 Ältere Formen des Kapitalismus

Max Weber liefert anfänglich eine Definition, was er allgemein unter einem kapitalistischen Wirtschaftsakt versteht: „Ein ‘kapitalistischer‘ Wirtschaftsakt soll uns heißen zunächst ein solcher, der auf Erwartung von Gewinn durch Ausnützung von Tausch -Chan- cen ruht: auf (formell) friedlichen Erwerbschancen also“ (Weber 1986, S. 3).

Grundsätzlich also basiert ein kapitalistischer Wirtschaftsakt auf der Erwartung von Ge- winn. Dies allein genügt aber nicht, denn nicht jedes Streben nach höchstmöglichen Ge- winn ist bereits als kapitalistischer Wirtschaftsakt zu betrachten. Voraussetzungen für eben diesen sind ein Tausch und die freiwillige Einwilligung der jeweiligen Tauschpart- ner in selbigen. Folglich können sowohl die gewaltsame Aneignung von Gütern, zum Beispiel durch Raub, Diebstahl oder Wegelagerei, als auch Bettelei oder Spielhöllenbe- such nichts als kapitalistische Wirtschaftsakte gelten (ebd.). Ferner verdeutlicht Weber, dass schrankenlose Erwerbsgier nicht im Mindesten mit Kapitalismus gleichzusetzen ist. Kapitalismus könne sogar im Gegenteil „geradezu identisch sein mit B ä ndigung, mindestens mit rationaler Temperierung, dieses irrationalen Triebes“ (ebd.).

Im Weiteren heißt es dann bei Weber: „Allerdings ist Kapitalismus identisch mit dem Streben nach Gewinn, im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb: nach im- mer erneutem Gewinn, nach ‘Rentabilität‘“ (ebd.). Wenn das rationale Streben nach Rentabilität als Kennzeichen für den kapitalistischen Erwerb gilt, orientiert sich das ent- sprechende Handeln an der Kapitalrechnung (ebd., S. 3f.). Für Weber ist es hierbei ent- scheidend, „daß die tats ä chliche Orientierung an einer Vergleichung des Geldschät- zungserfolges mit dem Geldschätzungseinsatz das wirtschaftliche Handeln entscheidend bestimmt“ (ebd., S. 5). Es ist also unwesentlich, ob die Kapitalrechnung in primitiver oder moderner Form erfolgt, da dies lediglich den Grad der Rationalität des kapitalisti- schen Erwerbs tangiert. Als weiteres Kriterium neben dem Streben nach Rentabilität nennt Weber das Wirtschaften in einem „kontinuierlichen“ Betrieb (Guttandin 1998, S. 20f.).

Nach Weber ist das kapitalistische Wirtschaftshandeln im Sinne der oben genannten De- finition uralt und war in allen Kulturländern vertreten. Weber führt dafür einige Beispiele an: „In China, Indien, Babylon, Aegypten, der mittelländischen Antike, dem Mittelalter so gut wie in der Neuzeit.“ (Weber 1986, S. 5).

2.2 Der moderne Kapitalismus im Okzident

Weber stellt sich dann die Frage, was die Besonderheit des neuzeitlichen Kapitalismus im Okzident ist und ihn im Vergleich zu den alten und universellen Formen des Kapitalismus abhebt. Nach Weber beruht diese Form des modernen Kapitalismus auf Rationalität, hier vorrangig darauf, dass der Gewinn planmäßig und rational erreicht werden soll (Meurer 1975, S. 138). Im Wesentlichen nennt Weber drei Charakteristika, aufgrund deren diese Form des modernen Kapitalismus entstanden ist:

1. Die rational-kapitalistische Organisation von (formell) freier Arbeit:

Anderswo gab es laut Weber rational-kapitalistisch organisierte Betriebe mit freien Ar- beitern lediglich in Vorstufen, zum Beispiel seien Plantagen zwar mit einer gewissen Rationalität geführt worden, auf denen jedoch Leibeigene und somit unfreie Arbeiter be- schäftigt worden seien. Eine Betriebsorganisation, die sich ausschließlich auf die Chan- cen des Gütermarktes und nicht an gewaltpolitischen oder an irrationalen Spekulations- chancen orientiert, stellt eine Besonderheit dar, die sich in dieser Form nur im modernen Kapitalismus im Okzident finden lässt (Weber 1986, S. 6). Ohne diese rational-kapita- listische Organisation wäre auch die Wertpapierentwicklung und die Börse, also die Ra- tionalisierung der Spekulation, nicht möglich gewesen (ebd., S. 8).

2. Die Trennung von Haushalt und Betrieb:

Erst die Trennung von Haushalt und Betrieb und somit die Trennung von Privat- und Betriebsvermögen ermöglicht die Gründung von Kapitalgesellschaften, an denen meh- rere Parteien teilnehmen können (Guttandin 1998, S. 22). Ansätze von kapitalistischen Assoziationen mit gesonderter Betriebsrechnung gab es nach Weber zwar schon in Ost- asien, im Orient und in der Antike. Dabei handelt es sich aber im Vergleich zu der im okzidentalen Kapitalismus praktizierten Trennung wirklich nur um Ansätze (Weber 1986, S. 7).

3. Die rationale Buchführung:

Die rationale Buchführung steht im engen Zusammenhang mit der Trennung von Haushalt und Betrieb, denn erst sie bietet die Möglichkeit, den auf Grundlage des jeweilig eingesetzten Kapitaleinsatzes an die verschiedenen Teilhaber von Kapitalgesellschaften zu zahlenden Gewinn zu berechnen (ebd.; Guttandin 1998, S. 22).

3 Entstehungsbedingungen des modernen Kapitalismus

„Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (Weber 1986) gilt als eines der bekanntesten Werke Max Webers. In diesem Text behandelt Weber den Zusammen- hang zwischen dem Vorhandensein einer bestimmten religiösen Ethik, und zwar der Ethik des asketischen Protestantismus, und der Entstehung eines „kapitalistischen Geis- tes“. Dieser Zusammenhang bildet ein wesentliches Fundament der Entstehung des mo- dernen Kapitalismus im Okzident. Bevor ich diese Beweisführung in 3.2 genau beleuch- ten werde, beschäftige ich mich zunächst hauptsächlich mit Webers Text „Die Entfal- tung der kapitalistischen Gesinnung“ in der „Wirtschaftsgeschichte“ (Weber 2011, S. 380-396). In diesem Text geht es primär um die materiellen und institutionellen Fakto- ren, die die Entwicklung des modernen okzidentalen Kapitalismus bedingt haben.

3.1 Materielle und institutionelle Bedingungen

Weber versucht, in dem Abschnitt „Die Entfaltung der kapitalistischen Gesinnung“ die Frage zu beantworten, weshalb sich der moderne Kapitalismus gerade im Okzident ent- wickeln und entfalten konnte und eben nicht in den früheren Hochkulturen oder im Ori- ent. Er nennt hierfür zunächst verschiedene Bedingungen, die das Entstehen des moder- nen Kapitalismus begünstigt und generell an seiner Entwicklung mitgewirkt haben. Al- lerdings seien diese lediglich begünstigend und nicht hinreichend gewesen (Weber 2011, S. 380ff.). In diesem Zusammenhang nennt Weber die folgenden Faktoren:

[...]

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Details

Titel
Die Entstehung des modernen Kapitalismus nach Max Weber
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V386526
ISBN (eBook)
9783668604445
ISBN (Buch)
9783668604452
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entstehung, kapitalismus, weber
Arbeit zitieren
Wenka Kasper (Autor), 2014, Die Entstehung des modernen Kapitalismus nach Max Weber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386526

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