Die feministische Medientheorie. Ein Überblick


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Grundlagen der feministischen Theorie

2 Entwicklung und Perspektiven der feministischen Medientheorie
2.1 Der Gleichheitsansatz
2.2 Der Differenzansatz
2.3 Der Dekonstruktivismus

3 Anwendung in der Medienforschung
3.1 Medieninhalte
3.2 Rezeptionsforschung
3.3 Die feministische Filmtheorie

4 Kritik und Weiterentwicklung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Nur wenige Theorien haben innerhalb kurzer Zeit in sämtlichen Disziplinen eine derartige Verbreitung gefunden wie die feministische Theorie. Auch in den Medien- und Kommunikationswissenschaften gibt es seit mehreren Jahrzehnten eine Frauen- und Geschlechterforschung. (vgl. Dorer/Klaus 2008: 91) Feministische Medienforschung meint die kritische Analyse der Geschlechterver­hältnisse in Bezug auf jegliche Forschungsfelder der Medien- und Kommunikati­onswissenschaft. Sie untersucht hierbei den Prozess der öffentlichen Kommunika­tion in den Bereichen Medienproduktion, Medienrezeption und Medieninhalte so­wie auch Teilbereiche der Kommunikationsforschung wie beispielsweise die Mediengeschichte. Die Frage nach geschlechtsspezifischen kommunikativen und medialen Wirkungsweisen überschneidet sich hierbei mit den Grundfragen der Medien- und Kommunikationswissenschaften. Die Beobachtung von geschlechts­spezifischen Verhaltens- und Wirkungsweisen ist damit eine zentrale Aufgabe dieser Wissenschaften. Ihre konkrete Umsetzung in der Forschung orientiert sich an den verschiedenen theoretischen und methodischen Ansätzen der feministi­schen Medientheorie und greift zudem auf Grundlagen anderer Basistheorien der Medien zurück. (vgl. (Dorer/Klaus 2003: 550; Moser 2010: 207)

Diese verschiedenen theoretischen und methodischen Ansätze der feministischen Medientheorie sollen in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden, um so einen Überblick über die feministische Medienforschung zu erlangen.

Im Folgenden sollen zunächst die Grundlagen der feministischen Theorie aufge­zeigt werden, auf denen die feministische Medienforschung aufbaut, bevor an­schließend die Entwicklung der feministischen Medienforschung sowie die ver­schiedenen Perspektiven und Ansätze der feministischen Medientheorie aufge­zeigt werden. Nachfolgend werden verschiedene Anwendungsbereiche in der Medienforschung beleuchtet, um so ein Bild davon zu bekommen, wie die femi­nistische Medientheorie bestimmte Medienprozesse erklärt. Abschließend folgt ein kurzer Überblick über die vorhandene Kritik an der feministischen Medien­theorie.

1 Grundlagen der feministischen Theorie

Die feministische Medienforschung bedient sich unterschiedlicher feministischer Theoriekonzepte. Es handelt sich also nicht um einen einheitliches, in sich abge­schlossenes Theorieentwurf, sondern um eine Sammlung von unterschiedlicher An­sätze und Denkrichtungen. (vgl. Dorer/Klaus 2008: 92)

Auch wenn die feministische Theorie wie zuvor beschrieben ein heterogenes Gebilde ist, lassen sich laut Angerer/Dorer vier theoretische Fixpunkte als Fundament der fe­ministischen Theorie festmachen. Als erstes sind feministische Theorien weit aus mehr als nur Geschlechterkritik. Sie sind zudem noch Wirtschafts- und Gesell­schaftskritik. Als zweiten Punkt lässt sich die Interdisziplinarität nennen. Im Gegen­satz zur main-stream orientierten Wissenschaft wird das interdisziplinäre Vorgehen bei den feministischen Medientheorien als unumgänglich und selbstverständlich an­gesehen. Des Weiteren durchziehen Geschlechterbeziehungen alle Lebensbereiche, wie Ökonomie, Politik und Kultur, und steuern unsere Wahrnehmungen, Handlun­gen und Interaktionen. Geschlechterzuordnungen führen hierbei zur Hierarchisierung der Geschlechterverhältnisse. Geschlecht ist folglich eine Ressource, die Macht ver­teilt. Als letzten Punkt ist die Praxisumsetzung zu nennen. Feministische Medien­theorien beschränken sich nicht nur auf den erkenntnistheoretischen Hintergrund, sondern immer auch auf ihre Möglichkeiten der Umsetzung in der politischen Praxis. (vgl. Angerer/Dorer 1994: 12)

2 Entwicklung und Perspektiven der feministischen Medientheorie

Der Beginn der feministischen Medienforschung ist im Umfeld der Neuen Frauen­bewegung in den 1970er Jahre angesiedelt. Zu dieser Zeit wurden die ersten empi­rischen Studien zu Darstellung der Frau in den Medien und zur beruflichen Situa­tion von Journalistinnen verfasst. Jedoch fand hierzulande feministische Medien­forschung, bis auf einige Ausnahmen, noch lange Zeit im außeruniversitären Be­reich oder lediglich im Rahmen studentischer Abschlussarbeiten statt, (vgl. Dorer/Klaus 2003: 550f.)

Erst seit Beginn der 1990er Jahre kann die medienwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung als eigenständiger Schwerpunkt in den Medien- und Kom­munikationswissenschaften gelten. Die organisatorische und institutionelle Ver­netzung und Verankerung der feministischen Medienforschung wurde stark ver­bessert. So gründete sich 1991 beispielsweise die „Fachgruppe Frauenforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Zudem erhöhte sich die Anzahl der Veröffentlichungen im Bereich der feministi­schen Medienforschung. Erste Bibliografien, Einführungswerke und eine umfang­reiche Aufarbeitung des derzeitigen Forschungsstandes sowie eine Vielfalt von Einzelstudien wurden veröffentlicht. (vgl. Klaus 2002: 21)

Als Folge der Zunahme der Veröffentlichungen und der Studien vervielfältigten sich auch die theoretischen Ansätze, die Medienwissenschaftlerinnen wählen, um einen Blick auf ihren Forschungsgegenstand zu werfen. Drei Ansätze haben hier primär die Forschungstätigkeit bestimmt und sollen im Folgenden erläutert wer­den. (vgl. ebd.: 22f.)

2.1 DerGleichheitsansatz

Der Gleichheitsansatz setzt voraus, wie der Name schon sagt, dass Männer und Frauen das gleiche Potential an Eigenschaften und Fähigkeiten habenjedoch wer­den diese in deren Ausprägung durch gesellschaftliche Strukturen und eine ge­schlechtsspezifische Sozialisation eingeschränkt. Die unterschiedlichen ge­schlechtsspezifischen Verhaltensweisen sind demnach bei diesem Ansatz rollen­theoretisch begründet und die für das biologische Geschlecht typische Verhaltens­weisen werden im Laufe der Sozialisation automatisch als Rollenvorgaben an die Individuen herangetragen. In diese Rollenvorgaben müssen sich die Individuen hineinfinden und prägen so ihre Geschlechtsidentität aus. (vgl. Beinzger 2004: 47f.; Klaus 2002: 24f.)

Diese Definition von Geschlechtersozialisation als Rollenzwang deckt sich mit der Vorstellung von Frauen als Opfer der gesellschaftlichen Strukturen. Frauen sind demnach als passiv, abhängig und unfähig zum Handeln konstruiert. Der Fo­kus der Forschung liegt demzufolge auf der Diskrimierung der Frauen. (vgl. ebd.)

Bezogen auf die Medienforschung beschäftigt sich die Forschung, der der Gleich­heitsansatz zugrunde liegt, traditionell mit der in den Medien vermittelten Frauen­bildern. Im Fokus dieser Untersuchungen steht primär die Repräsentationskritik. Frauen werden hierbei vor allem als Opfer des Mediensystems gesehen, in dem Männer dominieren. (vgl. ebd.: 25f.) Es wird danach gefragt, welche geschlechtss­pezifische Stereotypisierungen durch Medien transportiert werden und wie patriar­chale Strukturen in Medienorganisationen wirksam werden (vgl. Angerer/Dorer 1994: 9).

2.2 Der Differenzansatz

Der Differenzansatz nimmt die Geschlechterdifferenz in den Blick und untersucht ökonomische, soziokulturelle und psychische Ursachen geschlechtlicher Un­gleichheit. Hierbei will die feministische Forschung weibliche Eigenschaften und Fähigkeiten hervorheben und diese so aufwerten und sichtbar machen. Er wendet sich damit gegen den Defizitgedanken im feministischen Diskurs und eine den Frauen gesellschaftlich aufgezwungene Definition von Weiblichkeit. (vgl. Klaus 2002:25; Moser2010:210)

In der Medienforschung treten Frauen mit dem Auftauchen des Differenzansatzes als in und gegenüber Medien eigenständig handelende Personen auf. Der Mittel­punkt der Forschung liegt hierbei auf der Frage nach Geschlechterdifferenzen in der Produktion und Rezeption von Medienangeboten. Es wird auf die Frage einge­gangen, ob und wenn ja, inwiefern und warum, Frauen spezifische Medien und Medienangebote oder auch Rezeptionsstrategien bevorzugen. (vgl. ebd.)

2.3 Der Dekonstruktivismus

Der Dekonstruktivismus stellt in der feministischen Theorie einen Paradigma­wechsel und gleichzeitig den Wechsel von der Frauen- zur Geschlechterforschung dar, Angelpunkt bildet hierbei die Konstruktion von Geschlecht. Es wird nun da­von ausgegangen, dass die Zweigeschlechtlichkeit ein Ergebnis sozialer und histo­rischer Prozesse bildet und die Geschlechterdifferenz somit eine soziokulturelle Konstruktion und nicht der Effekt eines natürlichen Unterschiedes ist. Die Unter­scheidung zwischen biologischen Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (Gender) wird verneint. Beide sind sozial konstruiert. Diese Verneinung bildet einen entscheidenen Wendepunkt in der feministischen Forschung. Bis dato war diese Unterscheidung eine zentrale Voraussetzung feministischer Forschung. (vgl. Dorer/Klaus 2008: 94; Klaus 2002: 24)

In der Medienforschung verwenden dekonstruktivistische Ansätze zwar das glei­che Material, stellenjedoch andere Fragen. Es stehen hierbei nicht das Aufspüren und das Herausarbeiten von Geschlechterdifferenzen im Mittelpunkt, sondern die Dekonstruktion der Geschlechterpolaritäten, da genau diese Unterschiede hervor­bringen und produzieren. Die Geschlechterdifferenzen in der Medienproduktion- und -rezeption werden nun als Mittel zur Ausarbeitung, Darstellung und Repro­duktion der Zweigeschlechtlichkeit gesehen. Hier zeigt sich ein zentrales Paradox in der feministischen Forschung: Die zentrale Voraussetzung für die empirische Forschung, die Unterscheidung der Geschlechter, soll durch eben diese Forschung dekonstruiert und aufgelöst werden. In der konkreten Forschungstätigkeit wird dieses Paradox zumeist durch eine Mischung bzw. Zuhilfenahme der anderen bei­den Ansätze gelöst. Es wird sich auf die Beschreibung der Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen eingelassen, aber gleichzeitig alles als geschlechtstypisch Er­scheinende als Konstruktion aufgezeigt. (vgl. Klaus 2002: 26f.; Moser 2010: 211 f.)

3 Anwendung in der Medienforschung

3.1 Medieninhalte

Die unterschiedlichen Medienprodukte wurden in den Anfängen der feministischen Medienforschung zunächst im Hinblick auf ihre Inhalte untersucht. Durch Inhalts­analysen wurden die Vorgänge von Geschlechterstereotypisierung in verschiedenen Massenmedien untersucht. (vgl. Dorer/Klaus 2003: 555) Beispielhaft kann hier auf die Untersuchung von Weiblichkeitsbildern in der Werbung von Brigitte Spieß (1994) hingewiesen werden. Spieß kam zu dem Ergebnis, dass in größtenteils tradi­tionelle Rollenklischees verarbeitet werden, wenn Frauen als Akteure in der Wer­bung auftreten. (vgl. Moser 2010: 220f.)

Diese inhaltsanalytischen Untersuchungen von Geschlechterstereotypisierung sind typisch für die ideologiekritischen Analysen und sind stark abhängig von den zu­grunde liegenden Ansichten über den Zusammenhang zwischen Medien und Wirk­lichkeit. Forschungen in Tradition des Gleichheitsansatzes sprechen häufig von einer Verzerrung der Wirklichkeit durch die Medien, die nicht der Realität von Frauen ent­spricht. Die Lebensentwürfe und die Lebenserfahrungen von Frauen werden in den Medien weiterhin auf nur wenige Geschlechtstereotype reduziert. Nach Untersu­chungen mit Basis des Gleichheitsansatzes lässt sich als Fazit für die Medieninhalts­analyse festhalten, dass die Mediendarstellung von Frauen den gesellschaftlichen Entwicklungen nachhinkt. Die Medienrealität wird weitestgehend von Männern für Männer gemacht. (vgl. Klaus 2002: 31)

Im Gegensatz hierzu betonen Ansätze in dekonstruktivistischer Tradition, dass die mediale Inszenierung der Geschlechter eigene „kommunikative Wirklichkeiten“ (Moser 2010: 221) produziert. So werden beispielsweise in der Werbung die zube­werbenden Produkte mit geschlechtsspezifischen Ideen von Lebensstilen und Wer­ten. Dadurch können sie Kenntnisse über gesellschaftliche Orientierungsmuster lie­fern. (vgl. ebd.)

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die feministische Medientheorie. Ein Überblick
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V386532
ISBN (eBook)
9783668609334
ISBN (Buch)
9783668609341
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medientheorie, überblick
Arbeit zitieren
Wenka Kasper (Autor), 2015, Die feministische Medientheorie. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386532

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