Machen Nachrichten Politik? "CNN-Effekt" versus Agenda-Setting und Framing

Synthesemöglichkeiten, Widersprüche und Erkenntnisgrenzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der CNN-Effekt
1.1 Begriffsgenese und Forschungsüberblick
1.2 Definition und offene Fragen

2 Konzeptionen der Medienwirkung: Agenda-Setting und Framing
2.1 Agenda-Setting
2.1.1 Public-Agenda-Setting
2.1.2 Policy-Agenda-Setting
2.2 Framing

3 Der CNN-Effekt als Agenda-Setting- und Framing-Prozess
3.1 Der CNN-Effekt als Agenda-Setting-Prozess
3.2 Der CNN-Effekt als Framing-Prozess

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Frage, ob und wie Medien wirken, ist gerade für die politikwissenschaftliche Medienforschung von besonderer Relevanz. Ihre Rolle in der Demokratie wird als zentral angesehen, damit wohnt ihr aber natürlich auch ein entsprechender Einfluss inne. Ein Versuch, diese Fragen zu beantworten stellt das Konzept des „CNN-Effekts“ dar. Das Anfang der 1990er Jahre entstandene Grundkonzept geht von der Hypothese aus, dass die spezifischen Eigenschaften der Satellitengestützt operierenden CNN-Berichterstattung, namentlich die Übertragung emotional stark wirkender Fernsehbilder und Kommentare in Echtzeit von jedem Krisenherd des Globus aus, Einfluss auf die (US-amerikanische) Außenpolitik ausüben würden. Als prominentestes Beispiel für einen solchen Effekt stand innerhalb der Debatte, die nicht nur unter Politikwissenschaftlern, sondern auch von Medienvertretern in den Medien geführt wurde, die rasche Intervention der USA in Somalia 1993, sowie ihr überstürztes Ende.[1]

Die Annahme, Präsentationsweise und Präsentation von Hungerkrisen, Bürgerkriegen o.ä. könnte entweder direkt oder über den Umweg der öffentlichen Meinung des TV-Publikums Politikentscheidungen beeinflussen, unterstellt eine starke Medienwirkung. Gleichzeitig verzichtet die CNN-Effekt-Forschung weitgehend darauf, diese – durchaus problematischen- Beziehungen zwischen Medium und Rezipienten zu thematisieren oder gar zu theoretisieren. Framing- oder Agenda-Setting-Konzepte werden wenn überhaupt nur in Form vom Schlagworten referiert, ihre möglichen Implikationen jedoch nicht diskutiert. Generell kann bei der CNN-Hypothese nicht von einer Theorie im eigentlichen Sinne gesprochen werden, da sie über einen kleinen gemeinsamen definitorischen Nenner hinaus nicht elaboriert ausformuliert wurde.[2]

Die unterstellten Schwächen der Hypothese hinsichtlich ihrer Wirkungsannahmen lassen sich durch einen Rückgriff auf etablierte Medien- bzw. Publizistikwissenschaftliche Theoriekonzepte herausarbeiten und - in Teilen - verbessern. Insbesondere die Konzepte des Framing und des Agenda-Setting sind Wirkungskonzepte, die einen schlüssigen Zusammenhang zwischen öffentlicher Meinung und Medieninhalten herstellen können und gleichzeitig – teilweise – die nötige „Reife“ einer langen und fruchtbaren Forschungsdiskussion mitbringen[3].

In einem ersten Schritt werden daher in der vorliegenden Arbeit die bisherige Forschung zum CNN-Effekt und ihre Ergebnisse kurz dargestellt, insbesondere hinsichtlich der Frage, welche impliziten Annahmen über die Medienwirkung Theorien zum CNN-Effekt machen. Auf dieser Basis soll eine angemessen abstrakte eigene Definition des Effektes erfolgen, die alle wesentlichen Elemente der vorher diskutierten Definitionen aufnimmt (Kapitel 1). In einem zweiten Schritt sind die Wirkungskonzeptionen zu erörtern, die hierzu als Maßstab, Ergänzung und Kontrastfolie dienen sollen: Public-Agenda-Setting als Einfluss auf die Prioritäten der öffentlichen Meinung und seine Resonanz bei politischen Entscheidungsträgern; Policy-Agenda-Setting als direkter Einfluss der Medien auf die Relevanz von Politikinhalten; und Framing als Einfluss auf die Interpretation eines Themenkomplexes (Kapitel 2). In einem dritten und abschließenden Schritt gilt es zu fragen, wie die Medienwirkungskonzeption der CNN-Effekt-Theoreme im Vergleich zu den elaborierteren Modellen der Medienwirkung zu bewerten, zu ergänzen und zu korrigieren ist, bzw. wo Inkompatibilitäten vorliegen (Kapitel 3). All dies soll nicht zuletzt Erkenntnisse über potentiellen Optimierungsmöglichkeiten für Forschungsdesigns zum CNN-Effekt ermöglichen.

Um diese Fragen klären zu können, muss sich die vorliegende Arbeit auf die Ebene der Theorie konzentrieren. Sie wird daher auf empirische Aussagen nur zurückgreifen, wenn sie unverzichtbar sind, um Umfang und Grenzen der theoretischen Validität darzustellen. Dabei ist man nicht nur beim CNN-Effekt, sondern auch im Bereich des Policy-Agenda-Setting mit dem Problem der mangelhaften theoretischen Ausarbeitung konfrontiert. Daher gilt es hier besonders, die Einschränkungen und Unklarheiten zu betonen

Die eigentliche Kernfrage in der Diskussion um den CNN-Effekt, die Frage nach seiner Existenz, kann hier nicht beantwortet werden. Die Zweifel an seinem Vorhandensein sind plausibel, aber in diesem Kontext nicht bedeutend: Der Effekt wird als hypothetisch existent angesehen, um seine theoretischen Grenzen in medienwissenschaftlicher Sichtweise ausloten zu können und möglicherweise zu erweitern. Die dadurch angestrebte Differenzierung der Theorie kann dann Grundlage weiterer Überlegungen zu ihrer Validität werden.

1 Der CNN-Effekt

1.1 Begriffsgenese und Forschungsüberblick

Die technologischen Möglichkeiten um rund um die Uhr Nachrichten „live“ von jedem Punkt der Erde senden zu können, besitzt CNN bereits seit den frühen 1980ern. Dennoch hat erst der Golfkrieg 1991 die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Nachrichtensender als spezifisches Phänomen einer veränderten Kommunikationskultur gelenkt[4]. Der unterstellte CNN-Effekt ist natürlich nicht auf die CNN-Berichterstattung beschränkt, sondern vielmehr auf die gesamte TV-Nachrichtenlandschaft anwendbar, selbst außerhalb der USA. CNN stellt lediglich die früheste Repräsentation einer strukturellen Veränderung in der Nachrichtenproduktion und –verbreitung dar und wird daher für ihre Eigenheiten synonym gebraucht: Die Übertragung emotional stark wirkender Fernsehbilder und Kommentare in Echtzeit von jedem Punkt des Globus aus.

Unter dem Terminus CNN-Effekt (auch CNN-Komplex) wurden anfangs verschiedenste, unabhängige Aspekte gefasst, die in der vorliegenden Arbeit nicht zu berücksichtigen sind: Von der „news addiction“ des Zuschauers über Möglichkeiten, den Sender als zentrale Nachrichtenquelle weiter Teile der Welt im Zuges des „information warfare“ zu manipulieren, bis hin zu der Befürchtung, ein weitestgehend US-zentriertes Nachrichten- und damit Weltbild verbreite sich nun in sämtlichen Kulturkreisen. Im Bereich der amerikanischen Politik ist außerdem die direktere, da schnellere Möglichkeit der interstaatlichen Kommunikation via CNN-Verlautbarung anstatt über herkömmliche Wege der Diplomatie als CNN-Effekt bezeichnet worden: „[D]iplomatic communications just cannot keep up with CNN“.[5]

Letztlich ist sowohl in der öffentlichen als auch in der politikwissenschaftlichen Debatte auf Dauer nur eine Bedeutung verblieben, die Gilboa auf folgende prägnante Kurzformel gebracht hat: Der Effekt der Berichterstattung bestehe darin, „forcing leaders to adopt policies that they would not make otherwise“.[6] Allerdings entstammt das Konzept einer spezifischen historischen Situation und wurde daher selten so allgemein, sondern praktisch ausschließlich hinsichtlich humanitärer Interventionen angewandt. Es wurde erstmals 1991 anlässlich des Eingreifens der USA und Großbritanniens zugunsten der kurdischen Aufständischen im Irak formuliert.[7] Eine zentrale Rolle in der öffentlichen Debatte wurde dem Effekt durch eine Debatte in der New York Times anlässlich der in den USA umstrittenen Intervention in Somalia verliehen. Eingeleitet wurde sie durch einen Beitrag des TV-Kritikers Walter Goodman, der von der emotional aufpeitschenden Wirkung der TV-Bilder von hungernden Kindern überzeugt war und daher annahm, sie hätten die ursprünglich unwillige Regierung Bush „goaded […] to act“.[8] Dieser und weitere Artikel formulierten erstmals die Annahme eines CNN-Effekts, wenn auch unter vernehmlichem Widerspruch von Praktikern wie dem CBS-Anchorman Dan Rather.[9]

In der wissenschaftlichen Debatte um den CNN-Effekt, die weitestgehend von sehr unterschiedlich operationalisierten Fallstudien geprägt ist, ist keine lineare Entwicklung der Forschungspositionen im Zeitverlauf zu erkennen. Vielmehr kann zwischen Positionen unterschieden werden, die die Existenz des Effekts bejahen, solchen, die ihn verneinen und solchen, die ihn in relativierender Absicht in einen größeren Kontext zu stellen suchen. Doch auch hinsichtlich ihrer impliziten Konzeptionen der Wirkweise des CNN-Effekts lassen sich die Arbeiten kategorisieren, was im Folgenden geschehen soll. Robinson schlägt zwei Kategorien für unterschiedliche Grundkonzepte des CNN-Effekts vor: Einerseits nennt er den in der Debatte vorherrschenden „strong CNN effect“, bei dem die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Berichterstattung Außenpolitiker unter Zugzwang setzt. Zum anderen gebe es das kaum vertretene Modell des „weak CNN effect“, bei dem die Medienwirkung direkt auf die Entscheidungsträger stattfindet, die aber keinen medial generierten Handlungsimperativ entstehen lasse, sondern nur einen randständiger Faktor unter mehreren darstelle.[10]

So argumentiert beispielsweise Carey, dass Mitgefühl weckende TV-Bilder hungernder Menschen die öffentliche Meinung zugunsten humanitärer Interventionen, bzw. zuungunsten des amtierenden US-Präsidenten beeinflussen.[11] Auf welchem Weg dies geschieht, lässt er im unklaren, er impliziert jedoch eine rudimentäre Vorstellung vom Framing und Agenda-Setting: „The news media strongly influence public perceptions of contemporary political issues and may raise the salience of some issues over others“. Die Politik setzt sich in dieser Logik letztlich durch ihre unbedingte Fokussierung auf Meinungsumfragen als Vorbote kommender Walergebnisse selbst unter Zugzwang. Dieser Einfluss wird von ihm jedoch nur für die Debatte über humanitäre Interventionen anerkannt.[12] Es handelt sich hierbei also um eine starke Wirkungskonzeption, die ausschließlich eine indirekte Wirkung der Fernsehbilder auf die politische Agenda via öffentlicher Meinung und deren Berücksichtigung durch die Entscheidungsträger vorsieht.

Robinson, der den CNN-Effekt nicht negiert, aber andere Faktoren für weitaus wichtiger hält[13], hat dem CNN-Effekt ein Medienwirkungsmodell zur Seite gestellt. Dieses „policy–media interaction model“ besagt, dass das Auftreten des CNN-Effekts von der „policy certainty“ der Entscheidungsträger abhängt: Wenn diese in ihrer Entscheidungsfindung unschlüssig sind, da sie kein bestimmtes politisches Konzept verfolgen, kann eine emotional ge frame te Berichterstattung eine Entscheidung einzugreifen herbeiführen, da ein möglicher negativer Meinungstrend gefürchtet wird. Ist die policy hingegen von vorneherein festgelegt, würde vielmehr seitens der außenpolitisch Handelnden versucht, die mediale Berichterstattung entsprechend zu beeinflussen, ein umgekehrter Einfluss sei jedoch nicht wirksam.[14] Robinson konzipiert also die mögliche Wirkung des von ihm analysierten Framings, ohne seine tatsächliche Wirkmacht zu konzeptualisieren; vielmehr ist die präventive Reaktion der Entscheidungsträger auf den befürchteten Effekt ein zentraler Faktor. Gleichzeitig ist die Wirkung des CNN-Effekts an weitere Variablen des politischen Systems gebunden.

Im methodologisch bislang differenziertesten Zugang[15] formuliert Livingston drei verschiedene CNN-Effekte, deren politische Wirkung er analog zu Robinson (beide greifen damit eine Überlegung Hoges auf[16] ) als abhängig vom Vorhandensein politischer Führungskraft ansieht. Die Nachrichtenberichterstattung kann ihm zufolge einen beschleunigenden, einen hemmenden und einen Agenda-Setting-Effekt haben. Die Beschleunigung des Entscheidungsprozesses durch den Zwang, auf ebenfalls beschleunigte Real-Time -Berichterstattung zu reagieren[17] ist hier zu vernachlässigen, da die angenommene Medienwirkung in diesem Fall keinen logisch zwingenden Rückschluss auf eine inhaltliche Veränderung des Politikergebnisses impliziert. Der Agenda-Setting-Effekt basiert auf der Darstellung der klassischen Interventionsbeispiele, modifiziert die Aussage des typischerweise auf diese angewandten CNN-Effekts aber deutlich: Die policy -Agenda der US-amerikanischen Außenpolitik entspreche dem Inhalt der Berichterstattung dahingehend, dass ihre Prioritäten entsprechend der news agenda modifiziert würden.[18] Obgleich er diese Aussage mittels der obligatorischen Beispiele in Zweifel zieht, verzichtet er darauf, zu erklären, auf welchem Weg diese news agenda überhaupt Einfluss auf die policy agenda nehmen könnte. Der Faktor öffentliche Meinung wird an dieser Stelle komplett übersehen. Dafür schreibt er der emotionalen Berichterstattung zu, die Durchführung von policies hemmen zu können, ein Effekt, der „operates through the agency of public opinion“. Hier geht er offenbar von einer Art Framing-Effekt aus, ohne diesen genauer zu bennenen.[19] Es bleibt unklar, wieso ein umgekehrter Effekt einer positiv beeinflussten öffentlichen Meinung im Vorfeld einer Operation nicht denkbar sein sollte.

1.2 Definition und offene Fragen

Aus den diversen, in 1.1 dargestellten Überlegungen zum CNN-Effekt lassen sich die folgenden für eine Definition wesentlichen Kernelemente extrahieren: Der idealtypische CNN-Effekt besteht darin, dass Inhalt und Form der Nachrichtenberichterstattung über bestimmte außenpolitische Themen Politikinhalte und Entscheidungen verändert, und zwar dahingehend, dass sie den ursprünglichen Intentionen der policymaker, gleich ob es eine entschiedene oder indifferente Haltung ist, nicht mehr entsprechen. Diese Wirkmacht ist an die Bedingung gebunden, dass die Bildberichterstattung im Fernsehen mit als hochgradig emotional bewerteten Bildern und Kommentaren erfolgt. Möglicherweise ist sie weiterhin davon abhängig, ob und ich welchem Grad auf Seiten der Entscheidungsträger im Vorfeld umfassender Berichterstattung bereits eine fest gefügte Handlungsvorstellung existiert, oder nicht.[20]

Die Wirkung der Berichterstattung kann auf zwei Wegen erfolgen: Entweder beeinflusst sie die Entscheidungsträger direkt, oder sie erfolgt durch die Veränderung der Themenwahrnehmung in der Öffentlichkeit, welche wiederum von Seiten der Entscheidungsträger antizipiert wird. Ausmaß und Form dieser Antizipation sind somit ebenfalls eine Co-Determinante der Wirkmacht. Die Veränderung der Themenwahrnehmung sowohl bei Entscheidungsträgern als auch bei der Öffentlichkeit besteht einerseits darin, dass durch die Existenz der Medienberichte ein Thema entweder überhaupt erst etabliert wird, oder zumindest die dem Thema zugerechnete Wichtigkeit stark zunimmt. Zum anderen ist aber auch ein tatsächlich Meinungsverändernder Effekt vorhanden, der einen Handlungsanspruch auslöst.

Unklar bleibt, ob der CNN-Effekt als absolutes Phänomen anzusehen ist oder auch graduell wirksam sein kann. Ein Politikergebnis monokausal mittels des Effektes zu erklären, erscheint offensichtlich unterkomplex. Es entspricht aber sicherlich nicht einem CNN-Effekt im definierten (manipulativen) Sinne, wenn der Effekt nur noch eine hinreichende, nicht aber eine notwendige Bedingung für das zu erklärende Handeln darstellt. Dies bedeutet aber auch, dass die angenommenen Wirkmechanismen nur dann eine funktionierende Erklärung darstellen, wenn sie notwendigerweise wirken. Weiterhin fällt in dieser abstrahierten Darstellung auf, dass die zugrunde liegende Vorstellung des politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesses stark linear und unidirektional ist: Die Beeinflussung der Medien und öffentlichen Meinung durch politische Akteure, wie sie z.B. die manufacturing-consent -These konzipiert, ist überhaupt nicht vorgesehen.[21] Beim Versuch der Definition wird außerdem deutlich, dass die Wirkmechanismen sich nicht nur aus ihrer Eigenlogik heraus auf außenpolitische Fälle und humanitäre Interventionen beschränken lassen. Dennoch ist der CNN-Effekt auf diesen Bereich beschränkt angewandt worden. Im US-Amerikanischen Kontext mag eine Rolle spielen, dass die zu beeinflussenden Spieler hier vor allem in der Exekutive zu finden sind, die sich sehr selbstbewusst auf ihre war powers stützt. Wäre die Zahl der Entscheidenden größer, ließe sich der Effekt aufgrund komplexer Meinungsbildungsprozesse womöglich nicht mehr nachweisen.

2 Konzeptionen der Medienwirkung: Agenda-Setting und Framing

2.1 Agenda-Setting

2.1.1 Public-Agenda-Setting

Der Agenda-Setting-Ansatz entstand in Abgrenzung sowohl zu Modellen starker direkter Medienwirkung, die sich unter dem Schlagwort stimulus-response zusammenfassen lassen, als auch zu uses and gratifications- Modellen, die gar keine Wirkung im Sinne einer Manipulation vorsahen. Während die Manipulation der Einstellungen durch Massenmedien sich in der empirischen Forschung außerhalb von Experimenten als kaum zu bestätigen erwies, boten die uses and gratifications mit ihrem Konzept der Bedeutungszuweisung durch den Zuschauer gar keinen Ansatz mehr, der es erlaubte von einer Wirkung zu sprechen. In der Folge begann in den 1960er Jahren ein Umdenken innerhalb der Kommunikationsforschung, das schließlich 1972 die Chapel-Hill-Studie[22] hervorbrachte, in der die Agenda-Setting-Hypothese begründet wurde.[23]

[...]


[1] Vgl. für eine ausführliche Definition des CNN-Effekts sowie eine Forschungsüberblick Kapitel 1.1 dieser Arbeit.

[2] Eytan Gilboa: Global Television News and Foreign Policy. Debating the CNN-Effect, in: International Studies Perspectives 6 (2005), S. 325-341, hier S. 326.

[3] Vgl. für den Bereich des Agenda-Setting Everett M. Rogers: The Anatomy of Agenda-Setting Research, in: Journal of Communication 43 (1993), Heft 2, S. 68-84; sowie Maxwell McCombs / Donald Shaw: The Evolution of Agenda-Setting Research: Twenty-Five Years in the Marketplace of Ideas, in: Journal of Communication 43 (1993), Heft 2, S. 58-67.

[4] Vgl. Gilboa: Global Television News, S. 327.

[5] Vgl. Ebd., Zit. Ebd.

[6] Vgl. Ebd., S. 327f., Zit. S. 327.

[7] Vgl. Ebd., S. 327f.

[8] Walter Goodman: Critic’s Notebook. Re Somalia: How Much Did TV Shape Policy?, in: The New York Times, 8. Dezember 1992.

[9] Vgl.: Dan Rather: Don’t blame TV for getting us into Somalia, in: The New York Times, 14. Oktober 1993. Für weitere Debatten wie z.B. in der Washington Post vgl. auch Gilboa: Global Television News, S. 331-333.

[10] Vgl. Piers Robinson: Operation Restore hope and the Illusion of a News Media Driven Intervention, in: Political Studies 49 (2001), S. 941-956, hier S. 942.

[11] Mögliche andere Faktoren, die die Beliebtheit des Entscheidungsträgers beeinflussen, blendet er aus, obgleich diese naturgemäß vorhanden sein müssen und ihr individueller Einfluss kaum zu quantifizieren ist.

[12] Vgl. Henry F. Carey: U.S. Domestic Politics and the Emerging Humanitarian Intervention Policy: Haiti, Bosnia, and Kosovo, in: World Affairs 164 (2001), Heft 2, S. 72-82, hier S. 73-75, Zit. S. 73.

[13] Vgl. Piers Robinson: News Media Driven Intervention, S. 955f.

[14] Vgl. Piers Robinson: The Policy–Media Interaction Model: Measuring Media Power During Humanitarian Crisis, in: Journal of Peace Research 37 (2000), S. 613–633, hier S. 614-617.

[15] Vgl. Gilboa: Global Television News, S. 335.

[16] Vgl. James Hoge: Media Pervasiveness, in: Foreign Affairs 73 (1994), S. 136-144.

[17] Vgl. Steven Livingston: Clarifying the CNN Effect. An Examination of Media Effects according to Type of Military Intervention (=The Joan Shorenstein Center / John F. Kennedy School of Government, Researchpaper R-18), online unter <http://web.ceu.hu/polsci/Media_and_War-CEU/Week7-Livingston.pdf> (Stand 26. August 2009), S. 2-4.

[18] Vgl. Livingston: CNN Effect, S. 6-10.

[19] Vgl. Ebd., S. 4-6, Zit. S. 4.

[20] Die ebenfalls mit dem CNN-Effekt verknüpfte These von der Beschleunigung der außenpolitischen Entscheidungen durch die Beschleunigung der Nachrichtenübermittlung würde natürlich dafür sprechen, dass zunehmend seltener endgültige policy -Entwürfe vorliegen, die Zahl der ad-hoc-Entscheidungen also zunähme.

[21] Vgl. zur manufacturing-consent -These Piers Robinson: The CNN effect: can the news media drive foreign policy?, in: Review of International Studies 25 (1999), S. 301-309, hier S. 303f.

[22] Maxwell McCombs / Donald Shaw: The agenda-setting function of mass media, in: Public Opinion Quarterly 36 (1972), S. 176-185.

[23] Vgl. Gerhard M. Kosicki: Problems and Opportunities in Agenda-Setting Research, in: Journal of Communication 43 (1993), Heft 2, S. 100-127, hier S. 103f; sowie Wolfgang Eichhorn: Agenda-Setting-Prozesse. Eine theoretische Analyse individueller und gesellschaftlicher Themenstrukturierung, München 1996 (=Kommunikationswissenschaftliche Studien, Bd. 16), zugl. Diss Phil., Universität Hannover 1995, S. 9-13.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Machen Nachrichten Politik? "CNN-Effekt" versus Agenda-Setting und Framing
Untertitel
Synthesemöglichkeiten, Widersprüche und Erkenntnisgrenzen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Hauptseminar: Medienglobalisierung
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V386544
ISBN (eBook)
9783668605121
ISBN (Buch)
9783668605138
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CNN, CNN-Effekt, Medientheorie, Agendasetting, Framing, Außenpolitik, Medienwissenschaft, Politikwissenschaft, Medien, Macht, Politik, Medienwirkung
Arbeit zitieren
M.A. Christoph Sprich (Autor), 2009, Machen Nachrichten Politik? "CNN-Effekt" versus Agenda-Setting und Framing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386544

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