In Deutschland werden häufig die Themen „Migration“ und „Einwanderung“ diskutiert und rücken somit den Aspekt der „Zweisprachigkeit“ oder auch „Bilingualismus“ verstärkt in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses. Dieses Phänomen der zweisprachigen Situation betrifft in unserer heutigen Gesellschaft viele Menschen, denn ungefähr jeder zehnte Bürger ist immigriert oder lebt als Kind von Migranten. Es herrscht neben der kulturellen Vielfalt ein Wachstum an sprachlichen Gegebenheiten. Besonders immer mehr Kinder wachsen bereits im frühen Alter mit mehr als einer Sprache auf und erwerben somit neben der in der Familie gesprochenen Sprache auch die, der in der Mehrheitsgesellschaft genutzten Sprache, wie z.B. Deutsch.
Gesellschaftlich wird angenommen, dass nur durch den Erwerb der deutschen Sprache eine erfolgreiche Integration stattfinden und somit das Bestehen in der Gesellschaft erfolgen kann. In diesem Kontext wird in Bezug auf das Bildungssystem stark davon ausgegangen, dass vermehrt zweisprachig aufwachsende Kinder Schwierigkeiten haben, die deutsche Sprache zu erwerben und durch die Konfrontation von zwei Sprachen es zu einer Störung oder gar Schädigung der sprachlichen Entwicklung kommen könnte. In den Theorien, welche sich auf Sprachforschungen beruhen, zeigen sich häufig widersprüchliche Annahmen und Aussagen, die auf der einen Seite die zweisprachige Erziehung als eine untragbare und überfordernde Situation für Kinder halten und auf der anderen Seite den Eltern oder Erziehungsberechtigten dringendst empfehlen, die Kinder zweisprachig zu erziehen. Diese schwammigen Überlegungen führen häufig zu Verwirrungen und Unsicherheiten, sodass eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Zweisprachigkeit“ als wichtig erscheint.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprache
3. Was ist Zweisprachigkeit?
3.1 Wer ist zweisprachig?
3.2 Formen der Zweisprachigkeit
4. Sprachentwicklung bei Zweisprachigkeit
4.1 Soziogene Bedingungen für die Sprachentwicklung
4.2 Häufigkeit von Zweisprachigkeit
5. Risiken und Folgen von Zweisprachigkeit
6. Chancen von Zweisprachigkeit
7. Zwischenfazit
8. Bedeutung für die Soziale Arbeit
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die kontroversen wissenschaftlichen Diskurse rund um das Aufwachsen mit zwei Sprachen und geht der Forschungsfrage nach, ob Zweisprachigkeit ein Hindernis für die kindliche Sprachentwicklung darstellt.
- Definitionen und Formen der Zweisprachigkeit
- Einflussfaktoren auf die Sprachentwicklung in der Familie und im sozialen Umfeld
- Analyse potenzieller Risiken und diagnostischer Herausforderungen
- Positive Effekte und kognitive Potenziale der Mehrsprachigkeit
- Relevanz der Thematik für die Praxis der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
3. Was ist Zweisprachigkeit?
„Zweisprachigkeit ist die wahlweise Verwendung von zwei oder mehr Sprachen durch eine Person“.
Triarchi-Herrmann 2006, S.18
„[…] jede Sprache, die nach der Erstsprache erlernt wird. […] die einfach zum Überleben in einer neuen Gesellschaft und Kultur notwendig ist […]“.
Jung/Günther 2016, S.57
In Hinblick auf die zwei oben dargestellten Zitationen wird deutlich, dass bereits in der Begriffsbestimmung des Wortes „Zweisprachigkeit“ oder auch „Bilingualismus“ große Unterschiedlichkeiten vorliegen. Diesbezüglich zeigen sich mit Blick auf die Literatur viele unvergleichbare Definitionen. Nauwerck (2005) begründet dies mit den zu oft ungenauen und widersprüchlichen Begriffserklärungen, aufgrund der unterschiedlichen Zusammenhänge von Zweisprachigkeit, sodass bisher noch keine einheitliche Definition entwickelt wurde (vgl. Nauwerck 2005, S.41).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin beleuchtet das gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen Migration, Integration und der Debatte über die Auswirkungen zweisprachiger Erziehung auf die Sprachentwicklung.
2. Sprache: Es wird die Vielschichtigkeit von Sprache als komplexes, integratives Phänomen und zentrales Instrument zur gesellschaftlichen Teilhabe und Identitätsbildung erläutert.
3. Was ist Zweisprachigkeit?: Dieses Kapitel kontrastiert diverse Definitionen und unterteilt Zweisprachigkeit in verschiedene Erwerbstypen und Ausprägungen.
4. Sprachentwicklung bei Zweisprachigkeit: Hier werden die Phasen der Sprachentwicklung sowie die soziogenen Bedingungen und die statistische Häufigkeit des Phänomens erörtert.
5. Risiken und Folgen von Zweisprachigkeit: Das Kapitel analysiert wissenschaftliche Befunde zu Sprachstörungen und klärt auf, inwieweit Zweisprachigkeit tatsächlich mit kognitiven Überforderungen korreliert.
6. Chancen von Zweisprachigkeit: Hier werden die positiven Aspekte, wie erhöhte Hirnaktivität und kulturelle Offenheit, den Risikodiskursen gegenübergestellt.
7. Zwischenfazit: Die Autorin resümiert, dass die These vom Hindernis der Zweisprachigkeit wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist, da Entwicklungsprozesse individuell stark variieren.
8. Bedeutung für die Soziale Arbeit: Das Kapitel betont die Notwendigkeit für Sozialarbeiter/innen, Kompetenzen im Umgang mit multikulturellen Sprachbiografien im Elementar- und Schulbereich zu entwickeln.
9. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Plädoyer, Zweisprachigkeit als Chance für die Identitätsbildung und soziale Teilhabe zu begreifen.
Schlüsselwörter
Zweisprachigkeit, Bilingualismus, Sprachentwicklung, Erstsprache, Zweitsprache, Mehrsprachigkeit, Migration, Integration, Soziale Arbeit, Sprachentwicklungsstörung, Spracherwerb, Identitätsbildung, Interkulturelle Kompetenz, Kommunikationsmittel, Kindheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der wissenschaftlichen Debatte um zweisprachiges Aufwachsen und dessen tatsächlichen Auswirkungen auf die kindliche Sprachentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Zweisprachigkeit, soziogene Einflussfaktoren, Risiken der Überforderung sowie die Chancen durch Mehrsprachigkeit in einer modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob das Aufwachsen mit zwei Sprachen als Hindernis für die Sprachentwicklung eines Kindes zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze und Forschungsergebnisse zum Bilingualismus kritisch zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert Definitionen, Arten der Zweisprachigkeit, die Sprachentwicklung in verschiedenen sozialen Kontexten sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zweisprachigkeit, Sprachentwicklung, Migration, soziale Teilhabe und interkulturelle pädagogische Herausforderungen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die "natürliche" von der "gesteuerten" Zweisprachigkeit?
Die natürliche Zweisprachigkeit entsteht durch den täglichen Sprachgebrauch in der Umgebung, während die gesteuerte Form den systematischen und schulischen Spracherwerb beschreibt.
Welche Bedeutung hat das Thema für die Soziale Arbeit?
Sozialarbeiter/innen treffen auf eine multikulturelle Gesellschaft, in der sie mit unterschiedlichen Sprachbiografien arbeiten müssen, um eine gelingende Verständigung und Kooperation zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Christine Nguyen (Autor:in), 2017, Risiken und Chancen der Sprachentwicklung bei Zweisprachigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387238