Stadt, Land, Flucht. Ländlicher Exodus und seine Auswirkungen

Eine Studie am Beispiel des Sauerlands


Bachelorarbeit, 2018
47 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Landflucht – damals und heute
2.1 Begriff „Landflucht“
2.2 Landflucht im 19. und 20. Jahrhundert
2.3 Landflucht in der Gegenwart

3 Landflucht im Sauerland
3.1 Demografische Entwicklungstendenzen
3.2 Politik –Programme und Strategien

4 Infrastruktur – Grundstein der Dorfentwicklung
4.1 Immaterielle Infrastruktur
4.1.1 Sozialer Sektor – Vereine, Traditionen und Unterstützung
4.1.2 Bildungssektor – Rationalisierung der Dorfgemeinschaft am Beispiel von Grundschulen
4.1.3 Ärztemangel
4.2 Materielle Infrastruktur
4.2.1 Wirtschaftsstandort Sauerland
4.2.1.1 Fachkräftemangel
4.2.1.2 Industrieregion Südwestfalen – Dienstleistungsregion Köln
4.2.2 Technische Infrastrukturausstattung
4.2.2.1 Breitbandausbau
4.2.2.2 Verkehrsinfrastruktur mit besonderen Bezug auf die Industrieregionen in Südwestfalen
4.2.2.3 Tourismus – starker wirtschaftlicher Faktor

5 Politik
5.1 Umsetzung der Maßnahmen
5.2 Stärkung der Region - Beispiel der Region Altena

6 Fazit

Literatur VI

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung Einwohnerzahlen 1990-2012 mit 2012-2035

Abbildung 2: Geburtenraten 1950 - 2015

Abbildung 3: Lebenserwartung seit 1871 - 2012

Abbildung 4: Bevölkerungsberechnung 2016 und 2040

Abbildung 5: Lage von Südwestfalen in NRW

Abbildung 6: Einwohner je km²

Abbildung 7: Bevölkerungsstruktur Köln – Kreise Südwestfalen

Abbildung 8: Wanderungsstruktur Köln 2009-2012

Abbildung 9: Hochsauerlandkreis, LK Frauen und Männer

Abbildung 10: Märkischer Kreis, LK-Altersstrukturgrafik

Abbildung 11: Köln – Altersstrukturgrafik

Abbildung 12: Rentenniveau bis 2045 in Deutschland

Abbildung 13: Strategieebene und Programmebene der Politik

Abbildung 14: LEADER Regionen in NRW 2014-2020

Abbildung 15: Schuldichte in NRW

Abbildung 16: Hausärzte Versorgung NRW 2015

Abbildung 17: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftssektoren 2010

Abbildung 18: Olpe vs. Köln Anschlussqualität Breitband (eigene Darstellung)

Abbildung 19: Breitband NRW über 50 Mbit/s

Abbildung 20: Autobahnen in NRW

Abbildung 21: Verkehrsinfrastruktur – Anteil der Verkehrswege in NRW

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Natürliche Bevölkerungsbewegung 1990 - 2015

Tabelle 2: Siedlungsdichte/eigene Berechnung

Tabelle 3: IK-Kosten im Verhältnis zu den Fördermitteln(NRW)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gab es einen deutlichen Trend zur Globalisierung und Urbanisierung auf der ganzen Welt. In Deutschland sind besonders der ländliche Raum und strukturschwache Städte von diesem Trend betroffen.

Im ersten Kapitel wird eine Übersicht über Ursachen der vergangenen und gegenwartsbezogenen Landfluchten in ganz Deutschland dargestellt. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird speziell auf die Region Südwestfalen eingegangen. Diese ist ein weitestgehend ländlicher Raum und vom demografischen Wandel stark beeinflusst.

Durch Abwanderung und einen natürlichen Bevölkerungsrückgang steht die Region vor dem Problem, in den sozialen Bereichen die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Da die Region nicht nur ein bedeutungsvoller Wirtschaftsstandort für NRW, sondern auch für die ganze Bundesrepublik ist, ist es wichtig, sie trotz Globalisierung und Internationalisierung zu erhalten und zu stärken. Weil der Verfasser der vorliegenden Arbeit in dieser Region beheimatet ist, werden aktuelle regionale Projekte betrachtet.

Soweit faktisch möglich, werden in dieser Abhandlung Vergleiche mit Köln, der größten Stadt NRWs, aufgestellt. Köln ist zwar im Vergleich zu Südwestfalen flächenmäßig deutlich kleiner, besitzt aber ähnlich viele Einwohner. Durch ihre internationale und nationale Ausrichtung erlebt die Domstadt genau das Gegenteil.

Zum Ende hin werden die Maßnahmen der Politik auf die aktuelle Situation Südwestfalens mit einbezogen. Ein positiver Bericht über eine Kommune in der Region bildet neben dem Fazit den Abschluss der Arbeit.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Wichtigkeit für den Lebens- und Wirtschaftsstandort Südwestfalen aufzuzeigen und die größten Steuerungsfaktoren für den demografischen Wandel näher zu beleuchten.

2 Landflucht – damals und heute

2.1 Begriff „Landflucht“

Landflucht ist der Gegenpol von Verstädterung (heute: Urbanisierung). Die beiden Begriffe sind bereits in den 50er-Jahren Synonyme für schwerwiegende wirtschaftliche und sozialpolitische Prämissen.[1]

Ein negativer Bevölkerungssaldo sowie ein negativer Wanderungssaldo lassen den ländlichen Raum schrumpfen[2]. Im Gegenzug wachsen die Städte durch den Zuzug von Bevölkerung, sei es aus dem ländlichen Raum oder durch Migranten[3] [4].

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung trifft gemäß dem Kriterium „Einwohnerzahlen“ folgende Unterscheidungen: kreisfreie Großstädte (mind. 100.000 Einwohner), städtische Kreise (mind. 150 E/km²), ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen (unter 150 E/km² in Städten und mind. 100 E/km² ohne Groß- und Mittelstädte) und dünn besiedelte ländliche Kreise (unter 50 % der Einwohnerzahl in Groß- und Mittelstädten und unter 100 E/km²)[5].

2.2 Landflucht im 19. und 20. Jahrhundert

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Landflucht immer wieder in unterschiedlichen Entwicklungsepochen beobachtet.

Durch die rasche Industrialisierung strömten in den Jahren 1860 bis 1925 schätzungsweise 22-24 Millionen Deutsche in die Großstädte[6]. Dies ging mit einer Verringerung der Geburtenrate einher, einem Grundmerkmal der „industriellen Bevölkerungsweise“.[7]

Anfangs blieben viele Arbeiter, bedingt durch ihre Heimatverbundenheit, nur saisonal. Die steigende Attraktivität der Ballungsräume, wie z. B. höhere Löhne, bessere Versorgung und Infrastruktur, fesselte die Landmenschen erst recht an die Ballungszentren.

Der Zweite Weltkrieg vertrieb die Bevölkerung aus den städtischen Gebieten und auch aus dem osteuropäischen Raum in deutsche ländliche Gebiete. Hier waren die Lebenshaltungskosten deutlich geringer und es war behaglicher als in den stark zerstörten Städten.

Die nächste Epoche der Landflucht folgte nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Die Menschen zogen zum Wiederaufbau zurück in die Ballungszentren[8], was zum sog. Wirtschaftswunder führte. Die Entwicklung der Technik, der Infrastruktur und Bildung neuer Berufsgruppen verkettete die Bevölkerung in den Städten.[9] Die landwirtschaftlichen Arbeitsplätze gerieten immer stärker ins Hintertreffen.[10]

Obwohl das Streben nach gleichen Lebensbedingungen im Artikel 72 Abs. 2 des Grundgesetzes festgelegt und durch Artikel 106 Abs. 4 S. 2 Nr. 3GG noch erweitert wurde, konnten die ländlichen Gebiete kaum mit den städtischen Lebensbedingungen mithalten[11].

2.3 Landflucht in der Gegenwart

Seit dem Mauerfall 1989 zogen mehr als 2,5 Millionen Ostdeutsche in den Westen, vornehmlich in die Ballungsgebiete. Abbildung 1 verdeutlicht die Zuwanderung zwischen 1990 und 2012 in den Westen.

Nach einer erneuten Analyse im Jahr 2012 durch den BBSR sind die Zahlen stark rückläufig. Auch im Westen hat der demografische Wandel Einzug gehalten. Gleichwohl haben auch Städte mit Abwanderung und demografischen Entwicklungen zu kämpfen, insbesondere solche, die den Sprung von der Industrialisierung zur Dienstleistungsmetropole nicht geschafft haben.[12] In NRW sind dies vorwiegend Städte im Ruhrgebiet, welche in den vergangenen 50 Jahren durch den Bergbau geprägt wurden. Durch die Schließung der Opel-Werke in Bochum sind 4.100 Erwerbslose in der ohnehin schon stark von Arbeitslosigkeit gezeichneten Stadt hinzugekommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung Einwohnerzahlen 1990-2012 mit 2012-2035[13]

Zum demografischen Wandel zählen Geburtenrückgang, Abwanderung, Sterbefälle und Alterung, die Hauptfaktoren für eine Landflucht[14].
Die Geburtenraten (3,0 Geburten pro Frau) sind seit der Industrialisierung, ausgenommen die 50er- und 60er-Jahre, rückläufig. Seit der Jahrtausendwende schwanken sie nur noch leicht, im Durchschnitt 1,4 Geburten pro Frau.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Geburtenraten 1950 - 2015[16]

Die folgende Tabelle 1 belegt, dass durch die Sterbe- und Geburtenrate ein negativer Bevölkerungssaldo entsteht.

Die Geburtenrate in Deutschland stieg im Jahr 2015 um 3,2 %, die Sterberate im gleichen Zeitraum um 6,5 %. Es ist ein schleichender, Berechnungen zufolge, jedoch weiter andauernder Prozess.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Natürliche Bevölkerungsbewegung 1990 - 2015[17]

Die Lebenserwartung ist in den letzten 120 Jahren um durchschnittlich

40 Lebensjahre gestiegen. Auch dieser Prozess ist weiter andauernd, wenn auch, wie aus Abbildung 3 zu entnehmen, prozentual immer schwächer werdend.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Lebenserwartung seit 1871 - 2012[19]

In Abbildung 4 ist zu erkennen, dass sich lt. Expertenmeinungen der Tannenbaum zu einem Pilz umformt, woraus eine immer älter werdende Gesellschaft resultiert.[20] Für die Volkswirtschaft hat dies gravierende Folgen, besonders in Bezug auf den Ärztemangel im ländlichen Raum und auf die steigenden und länger andauernden Rentenzahlungen[21]. Auf diese Punkte wird in Kapitel 4.1 immaterielle Infrastruktur mit dem Schwerpunkt auf den südwestfälischen Raum noch einmal detaillierter eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Bevölkerungsberechnung 2016 und 2040[22]

Ein weiterer Grund für die Landflucht ist die Bindung einer steigenden Studentenzahl an die Großstadt. Seit 2009 klafft die Schere zwischen Auszubildenden und Studenten immer weiter auseinander. Im Jahr 2012 waren erstmals mehr Studenten eingeschrieben als junge Menschen in ihrer ersten Ausbildung. Die Jungakademiker bleiben nach ihrem Studium oftmals in den Städten, da ihnen von namenhaften Unternehmen hochbezahlte Jobs, besonders im IT-Bereich, angeboten werden[23]. Hinzu kommt, dass Städte durch ihre Kita-Plätze, Vorschulen, Betreuungsmöglichkeiten, Grünflächen etc. auch für junge Familien immer attraktiver werden. Alle sozialen Infrastrukturen liegen in Reichweite öffentlicher Verkehrsmittel und sind im Gegensatz zur dörflichen Infrastruktur schnell erreichbar.

3 Landflucht im Sauerland

3.1 Demografische Entwicklungstendenzen

Das Sauerland umfasst den Hochsauerlandkreis, den Märkischen Kreis, den Kreis Olpe, den Kreis Soest und integriert mit dem Kreis Siegen (Siegen-Wittgenstein) ergibt sich die Region Südwestfalen.

Alle fünf Kreise haben sich erst im Jahr 2007 zur Region Südwestfalen zusammengeschlossen. Südwestfalen ist die drittstärkste Industrieregion Deutschlands. Sie nimmt ca. 20 % der Fläche Nordrhein-Westfalens ein, mit 1,4 Millionen Menschen sind allerdings lediglich 8 % der Einwohner NRWs dort angesiedelt.[24] Die Region liegt süd-östlich in NRW, aber nah zum Ruhrgebiet. Südwestfalen ist zu 95 % ländlich geprägt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Lage von Südwestfalen in NRW[25]

Die einzelnen Kommunen setzen sich aus Kleinstädten und Dörfern mit meist unter 1.000 Einwohnern zusammen. Die größten Städte sind Iserlohn (Märkischer Kreis) und Siegen (Landkreis Siegen) mit jeweils ca. 100.000 Einwohnern.[26] Die Region hat ein Bruttoinlandsprodukt von ca. 45 Milliarden Euro (2014) beigesteuert, das sind ca. 7,5 % des regionalen BIPs von NRW.[27] 150 Weltmarktführer haben hier ihren Sitz. Südwestfalen besitzt einen hohen Tourismusanteil, sehr niedrige Arbeitslosenquoten und Grundstückspreise.

Köln, die größte Stadt in NRW, hat zum Vergleich mehr als 1 Million Einwohner. Es verfügt über einen sehr verdichteten innerstädtischen Kernbereich und rundherum bildet sich ein Ring aus städtisch geprägten Vororten. Im Nordwesten und Südosten hat die kreisfreie Stadt ein zum Teil ländlich geprägtes Bild. Die Stadt Köln besitzt ein BIP von ca. 56 Milliarden Euro (2015). Im Raum Südwestfalen ist die Struktur aus Siedlungs- und Verkehrsfläche, wie in Tabelle 2 und Abbildung 6 zu deutlich zu erkennen, weniger stark ausgeprägt als im Kölner Raum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Siedlungsdichte/eigene Berechnung[28]

Köln hat ein ca. 3,5- bis 4,0-mal dichteres Siedlungsgebiet als die Region Südwestfalen.

Die Verkehrsinfrastruktur (Abbildung 6, grün= Autobahnen) ist im ländlichen Bereich wesentlich spärlicher ausgebaut. Die Region Südwestfalen ist lediglich durch die Autobahnen A 44, A445 und A 45 an das Ruhrgebiet angeschlossen, die A4 verbindet Siegen und Olpe mit Köln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Einwohner je km²[29]

Seit 2006 ist die Bevölkerung im Hochsauerlandkreis zum einen durch ihre natürliche Entwicklung, zum anderen auch durch Abwanderung um etwa 5,0 % geschrumpft. Im Märkischen Kreis sank die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum um ca. 7,0 %. Die Entwicklung ist in jedem Kreisgebiet Südwestfalens ähnlich.[30] Wie in Abbildung 7 zu sehen ist, wird laut Zensus2011 die Bevölkerung in den südwestfälischen Kreisen weiter zurückgehen. Am stärksten sind davon der Märkische Kreis und der Hochsauerlandkreis betroffen. Realistisch ist ein natürlicher Bevölkerungsrückgang von 10-12 % bis 2030. Aber auch in den Landkreisen Siegen und Olpe werden bis 2030 ca. 8 % weniger Menschen leben. In Köln hingegen wird bis zum Jahr 2030 ein Bevölkerungszuwachs von bis zu 8 % angenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Bevölkerungsstruktur Köln – Kreise Südwestfalen[31]

Durch die aktuell hohe Zahl an Zuströmen aus dem Ausland könnten diese Zahlen für kurze Zeit zwar positiv korrigiert werden, doch die langfristige Bevölkerungsentwicklung hinsichtlich Alterung, Sterbefälle und Geburten bleibt bestehen.

Der Zuzug vieler junger Migranten kann das Tempo der alternden Gesellschaft nur mindern, den demografischen Wandel insgesamt jedoch nicht aufhalten.[32]

Wie in Abbildung 8 verdeutlicht, sind in der Stadt Köln in den Jahren 2009 bis 2012 besonders starke Zuwächse bei den 18- bis 35-Jährigen zu beobachten.

In Südwestfalen zeigt sich genau das entgegengesetzte Bild. Hier sind die Verluste in den Altersstrukturen der 18- bis 30-Jährigen besonders stark (siehe Abbildung 9). Wie bereits im Kapitel „Landflucht in der Gegenwart“ erläutert, flüchten viele Abiturienten zum Studieren in die stark frequentierten Metropolen.

Dies belegt auch der Zuwachs von 300 % in der Altersstruktur der 18-22 Jährigen in Abbildung 8.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Wanderungsstruktur Köln 2009-2012[33]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Hochsauerlandkreis, LK Frauen und Männer[34]

In der Studienzeit werden bereits erste Kontakte zu hochkarätigen Firmen in den Städten vor Ort geknüpft. Die jungen Akademiker bleiben in den Städten und gründen dort ihre Familien.

Wie aus den Abbildungen 8 und 9 ersichtlich, relativiert sich der Saldo von Fort- und Zuzügen, je älter die Bevölkerung wird.

In den nächsten 15 Jahren wird sich in Südwestfalen, in Köln voraussichtlich auch in ganz Deutschland das Gesellschaftsbild verändern. Die alternde Gesellschaft ist unausweichlich. Sie wird in den Regionen unterschiedlich stark ausfallen. Wie in Abbildung 10 zu erkennen, sind in der Bevölkerungsschicht im Märkischen Kreis der 0- bis 64-Jährigen überdurchschnittliche Rückgänge zu verzeichnen. In ganz Südwestfalen wird das Gesellschaftsbild dem im Märkischen Kreis ähneln. In Köln hingegen wird die Gesellschaft zwar durch eine zunehmende Zahl an älteren Menschen geprägt, doch dem steht, wie in Abbildung 11 zu erkennen, ein positives Wachstum an jungen Menschen gegenüber.

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf Rentenzahlungen und Pflegekosten aus. Diese werden durch die signifikant wachsende Zahl von Leistungsempfängern steigen. Dem gegenüber stehen deutlich weniger sozialpflichtige Beitragszahler.[35]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Märkischer Kreis, LK-Altersstrukturgrafik[36]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Köln – Altersstrukturgrafik[37]

Um dem demografischen Wandel in zweierlei Hinsicht entgegenzutreten, hat die Bundesregierung 2008 beschlossen, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre anzuheben. Als Folge zahlt die arbeitende Gesellschaft länger in die Rentenkasse ein und erhält durch die kürzere Rentendauer auf die Sicht gesehen geringere Rentenbezüge.

Außerdem wird das Niveau der Rentenzahlungen, wie in Abbildung 12 zu sehen ist, durch die Entkopplung vom Lohnniveau in den nächsten Jahren sinken. Aktuell liegen sie bei 48,0 % vor Steuern. Berechnungen zufolge wird das Rentenniveau bis 2030 eine Höhe von 44,5 % erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Rentenniveau bis 2045 in Deutschland[38]

Besonders in den städtischen Gebieten mit hohen Mietzahlungen und Lebenshaltungskosten wie Köln, Hamburg und München wird die Altersarmut durch höhere Kosten, Inflation und weniger Einnahmen steigen. In den ländlichen Gebieten werden soziale Aspekte wie Ärztemangel und öffentliche Infrastruktur zur Herausforderung.

3.2 Politik –Programme und Strategien

Der Eingriff in die kommunale Politik durch die EU und den Bund ist, wie in Abbildung 13 zu sehen, durch verschiedene Ebenen verbunden.

Die EU unterstützt die Politik durch Strategien, die auf nationaler Ebene genutzt und weiterverteilt werden können. Sie fördert mit dem Programm „Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER) die verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU. Die Maßnahmen werden dann durch den Bund und die Länder in einzelnen Programmen umgesetzt, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel im „NRW-Programm Ländlicher Raum“.

[...]


[1] Vgl. Gasser-Stäger (1962) , S. 547.

[2] Vgl. Schneider (2009) , S. 7.

[3] Vgl. Demografie Portal (2016) .

[4] Vgl. Henkel (2004) S. 45-46.

[5] Vgl. Milbert (2014) .

[6] Vgl. Henkel (2004) , S.50.

[7] Vgl. Geißler (2014) , S. 18.

[8] Vgl. Henkel (2004) , S. 54.

[9] Vgl. Martínez (2011) S. 13 ff.

[10] Vgl. Eichert/Löffler (2015) , S. 6.

[11] Vgl. Bundesminesterium der Justiz und für Verbraucherschutz (o.J.) .

[12] Vgl. Eichert/Löffler (2015) S. 52.

[13] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH .

[14] Vgl. Eichert/Löffler (2015) , S. 24.

[15] Vgl. Geißler (2014) , S. 33.

[16] Vgl. Statistisches Bundesamt (2016) .

[17] Pressemitteilungen – 2015: mehr Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen – Statistisches Bundesamt (Destatis) (2016) .

[18] Vgl. Geißler (2014) , S. 25.

[19] Vgl. Statistisches Bundesamt (2016) .

[20] Vgl. Pötzsch, Olga und Rößger, Dr. Felix (2015) , S. 18.

[21] Vgl. Ballwieser (2007) , S. 51.

[22] Vgl. Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung (2016) .

[23] Vgl. ZEIT ONLINE GmbH/Hamburg/Germany (2014) .

[24] Vgl. Krajewski (2014) , S. 1.

[25] Vgl. Hochsauerlandkreis (o.J.)

[26] Vgl. IT.NRW - Zentralbereich 14 "Marketing und Öffentlichkeitsarbeit" (o.J.) .

[27] Vgl. NRW.BANK (o. J.) , S. 7 ff.

[28] Vgl. Karte Siedlungsdichte, eigene Berechnung (2016a) .

[29] Vgl. Karte Siedlungsdichte, eigene Berechnung (2016b) .

[30] Vgl. Hochsauerlandkreis, LK - Demographischer Wandel - 2006 - 2014 - Wegweiser Kommune (2016) , S. 8.

[31] Vgl. Wegweiser Kommune, eigene Berechnung (2016) .

[32] Vgl. Statistisches Bundesamt (2016) .

[33] Vgl. Wegweiser Kommune, eigene Berechnung (2016) .

[34] Vgl. Wegweiser Kommune, eigene Berechnung (2016) .

[35] Vgl. Stadtmüller (2014) , S. 269 ff.

[36] Vgl. Wegweiser Kommune, eigene Berechnung (2016) .

[37] Vgl. Wegweiser Kommune, eigene Berechnung (2016) .

[38] Vgl. Steffen (2016) .

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Stadt, Land, Flucht. Ländlicher Exodus und seine Auswirkungen
Untertitel
Eine Studie am Beispiel des Sauerlands
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Soest
Note
2,3
Jahr
2018
Seiten
47
Katalognummer
V388342
ISBN (eBook)
9783668628021
ISBN (Buch)
9783668628038
Dateigröße
3261 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadt, land, flucht, ländlicher, exodus, auswirkungen, eine, studie, beispiel, sauerlands
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Stadt, Land, Flucht. Ländlicher Exodus und seine Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388342

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