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Der albanische Kanun des "Lekë Dukagjini" und die hegelsche Rechtsphilosophie. Das Gewohnheitsrecht in Albanien

Titel: Der albanische Kanun des "Lekë Dukagjini" und die hegelsche Rechtsphilosophie. Das Gewohnheitsrecht in Albanien

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 32 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dorothee Stauche (Autor:in)

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Kanun des Lekë Dukagjini ist ein interessantes, soziales Phänomen in Albanien, welches bereits seit Jahrhunderten besteht und erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts als problematisch klassifiziert wurde. Es handelt sich um ein Gewohnheitsrecht, welches in den Bergen Nordalbaniens in der römisch-katholischen Bevölkerung Anwendung findet. Problematisch an diesem Gewohnheitsrecht sind vorrangig die festgefahrenen, mittelalterlichen Strukturen, in denen der Kanun verharrt. Dabei zentral ist die Blutrache, die zu Fehden zwischen Familien führt, die bereits über Generationen hinweg bestehen und immer größere Kreise ziehen. Der albanische Staat scheint dieser Problematik weitgehend ohnmächtig gegenüberzustehen. Diese Diffizilität erweitert sich auf ganz Europa, bedenkt man, dass Albanien seit dem 24. Juni 2014 offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union ist.

Daher ist eine Auseinandersetzung mit dem Kanun des Lekë Dukagjini von großer Relevanz. Eine solche soll in dieser Arbeit auf rechtsphilosophischer Weise stattfinden. Genauer sollen zentrale Aspekte aus Georg Wilhelm Friedrich Hegels Werk „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ herausgegriffen und in Kürze erläutert werden. Dabei wird das abstrakte Recht, die Moralität und die Sittlichkeit kurz skizziert und einzelne Details, die für den Fortlauf der Arbeit notwendig sind, im Speziellen eingegangen. Dazu zählen das Unrecht, welches noch im abstrakten Recht verankert ist und das Gewohnheitsrecht, das wiederum in der bürgerlichen Gesellschaft und somit in der Sittlichkeit bei Hegel zu finden ist. In einem zweiten Schritt soll die Brisanz des Kanuns des Lekë Dukagjini anhand historischer Fakten und einigen wenigen inhaltlichen Einzelheiten, die sich dennoch eignen, die hohe Prägnanz des Problems zu illustrieren, aufgezeigt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Recht bei Hegel

2.1. Das abstrakte Recht

2.1.1 Die Charakteristik des Eigentums und des Vertrags

2.1.2 Das Unrecht

2.2. Das Recht in der Moralität

2.3. Das Recht in der konkreten Sittlichkeit

2.3.1 Das Gewohnheitsrecht in der Sittlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft

3. Der Kanun des Lekë Dukagjini in Albanien

3.1. Die Rechtspluralität im Osmanischen Reich und die Wirkung des albanischen Kanuns in der Moderne

3.2. Der Inhalt des Kanuns

3.2.1 Die Familie und ihre Stellung in der Gemeinschaft

3.2.2 Die Ehre

3.2.3 Die Blutrache

4. Die Kohärenz zwischen Hegels Rechtsphilosophie und den Kanun des Lekë Dukagjini

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht rechtsphilosophisch, ob und inwieweit ein systematischer Zusammenhang zwischen Hegels Konzepten aus den "Grundlinien der Philosophie des Rechts" und dem albanischen Gewohnheitsrecht, dem Kanun des Lekë Dukagjini, hergestellt werden kann.

  • Rechtsphilosophische Analyse von Hegels Kategorien (Abstraktes Recht, Moralität, Sittlichkeit).
  • Historische Einordnung und inhaltliche Untersuchung des Kanun des Lekë Dukagjini.
  • Untersuchung der Blutrache als Form der Selbstjustiz und ihre Interaktion mit Rechtsbegriffen.
  • Prüfung der Vereinbarkeit des Kanun mit Hegels Verständnis von "Recht" und "Gesetz".

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Das Unrecht

Das Unrecht bei Hegel ist für diese Arbeit deshalb so interessant, weil es womöglich für das konklusive Kapitel 4 von großer Bedeutung sein wird. Deshalb sei in diesem Abschnitt in filtrierter Form einige wichtige Elemente zum Unrecht bei Hegel, insbesondere dem Verbrechen, aufgezeigt.

Zunächst stellt sich die Frage, wieso das Unrecht gerade auf den Vertrag folgt? Damit ein Unrecht geschehen kann, muss ein anderer Wille verletzt werden. Dazu benötigt es nicht nur den einen besonderen Willen, sondern mindestens noch einen zweiten, was erst im Vertrag und nicht schon im Eigentum gegeben ist. In einem Vertrag werden nämlich zwei besondere Willen – wie gesagt – zu einem gemeinsamen zusammengeführt ohne dabei ihre eigene Besonderheit zu verlieren. Dies ermöglicht den Verstoß des einen Willens gegen den zweiten, was als Unrecht zu bezeichnen ist. Der besondere Wille setzt sich also dem Recht entgegen und negiert dieses, dabei sondert sich die Person mit ihrem Willen von dem allgemeinen Willen und der Welt ab und wird zur Willkür, die nur das Beste für sich selbst anstrebt. Freilich scheint hier evident, dass Unrecht nur existieren kann, wenn es Recht gibt, von dem es sich separieren kann. Das Unrecht ist dabei scheinbares Recht, gibt sich also selbst als ein Recht aus, ohne ein solches zu sein. Das Unrecht kann dabei auf drei verschiedene Weisen auftreten. Zum einen in Form des unbefangenen Unrechts, zum zweiten als Betrug und drittens in Gestalt des Verbrechens. Hierbei ist für Hegel das Verbrechen das Unrecht an sich, welches durch die ersten beiden Formen bedingt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Thematik des albanischen Gewohnheitsrechts und der Fragestellung bezüglich einer rechtsphilosophischen Untersuchung nach Hegel.

2. Das Recht bei Hegel: Darstellung der hegelschen Rechtskonzeption von der abstrakten Freiheit über die Moralität bis hin zur konkreten Sittlichkeit.

2.1. Das abstrakte Recht: Erläuterung der Person als Subjekt des Rechts und der Ausgangslage des freien Willens.

2.1.1 Die Charakteristik des Eigentums und des Vertrags: Untersuchung der Grundlagen, auf denen rechtliche Beziehungen und mögliche Unrechtsverhältnisse entstehen.

2.1.2 Das Unrecht: Analyse der Stufen des Unrechts bei Hegel, insbesondere des Verbrechens und des Zusammenhangs von Zwang und Strafe.

2.2. Das Recht in der Moralität: Betrachtung des Übergangs vom abstrakten Recht zur Moralität als Progress in der Vernunft.

2.3. Das Recht in der konkreten Sittlichkeit: Beschreibung des Staates und der Gesellschaft als Ebenen, in denen die Freiheit ihre volle Wirklichkeit erlangt.

2.3.1 Das Gewohnheitsrecht in der Sittlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft: Spezifische Analyse des Status von Gewohnheitsrechten innerhalb von Hegels System.

3. Der Kanun des Lekë Dukagjini in Albanien: Historische und soziologische Einordnung des albanischen Gewohnheitsrechts.

3.1. Die Rechtspluralität im Osmanischen Reich und die Wirkung des albanischen Kanuns in der Moderne: Analyse der Fortdauer des Kanun unter verschiedenen Herrschaftsformen.

3.2. Der Inhalt des Kanuns: Überblick über die wesentlichen Regelungsbereiche des Kanun.

3.2.1 Die Familie und ihre Stellung in der Gemeinschaft: Darstellung der zentralen Rolle der Familie und ihrer internen Strukturen.

3.2.2 Die Ehre: Erläuterung des Ehrenbegriffs als zentrales Ordnungsprinzip für das Handeln der Männer.

3.2.3 Die Blutrache: Detaillierte Betrachtung der Praxis der Blutfehde als Folge von Ehrverletzungen.

4. Die Kohärenz zwischen Hegels Rechtsphilosophie und den Kanun des Lekë Dukagjini: Versuch der Synthese und Prüfung, inwiefern der Kanun Hegels Rechtsbegriffen entspricht.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Einordnung des Kanun in den modernen Rechtsstaat.

Schlüsselwörter

Hegel, Rechtsphilosophie, Kanun des Lekë Dukagjini, Gewohnheitsrecht, Blutrache, Ehre, Sittlichkeit, Moralität, Abstraktes Recht, Albanien, Selbstjustiz, Eigentum, Zwang, Strafe, Rechtspluralismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das albanische Gewohnheitsrecht "Kanun des Lekë Dukagjini" und setzt es in Bezug zur Rechtsphilosophie von G.W.F. Hegel, um Gemeinsamkeiten oder strukturelle Unterschiede aufzuzeigen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Begriffe Freiheit, Recht, Unrecht, Strafe und Ehre, sowie auf die soziologische Struktur der traditionellen albanischen Gemeinschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob ein geeigneter Zusammenhang zwischen Hegels Rechtsphilosophie und den Praktiken des Kanun des Lekë Dukagjini hergestellt werden kann und ob der Kanun als Recht im hegelschen Sinne gelten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtsphilosophische Analyse, die Hegels Werk „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ als theoretisches Gerüst verwendet, um historische und inhaltliche Aspekte des Kanuns zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darstellung der hegelschen Rechtsstufen und eine empirische-historische Analyse der Regeln, Familienstrukturen und der Blutrache-Praxis im albanischen Kanun.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Gewohnheitsrecht, Blutrache, Sittlichkeit, Hegels Rechtsphilosophie und albanische Tradition.

Inwieweit spielt der Begriff der "Ehre" eine Rolle im Kanun?

Die Ehre ist der zentrale, normgebende Wert für Männer im Kanun. Ihre Verletzung führt unmittelbar zu Sanktionen und bildet oft den Auslöser für die Blutrache, was Hegel als "Unrecht" analysieren würde.

Wie bewertet die Autorin die Vereinbarkeit von Kanun und staatlichem Recht?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Kanun nach Hegel kein Rechtssystem im modernen Sinne darstellt, da ihm die notwendige Allgemeingültigkeit und Verankerung im Staat fehlt; er bleibt eine Form von subjektivem Gewohnheitsrecht.

Warum wird die Blutrache im Kontext der Arbeit als problematisch für den Staat erachtet?

Die Blutrache entzieht sich staatlicher Kontrolle, perpetuiert Gewalt über Generationen hinweg und verhindert die Entwicklung eines modernen Rechtsverständnisses, da die Beteiligten auf der Stufe der privaten Rache verharren.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der albanische Kanun des "Lekë Dukagjini" und die hegelsche Rechtsphilosophie. Das Gewohnheitsrecht in Albanien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
(OS) Rechtsphilosophie: Hegel, Radbruch, Habermas
Note
1,0
Autor
Dorothee Stauche (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V388551
ISBN (eBook)
9783668626775
ISBN (Buch)
9783668626782
Sprache
Deutsch
Schlagworte
albanische Kanun Kanun des Lekë Dukagjini Grundlinien der Philosophie des Recht Recht Philosophie Rechtsphilosophie Europa Albanien abstraktes Recht Unrecht Blutrache Rechtspluralität Gewohnheitsrecht osmanische Geschichte osmanischer Staat Sittlichkeit Georg Wilhelm Friedrich Hegel Hegel Osmanisches Reich Familienfehde Talionsprinzip Rache
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dorothee Stauche (Autor:in), 2017, Der albanische Kanun des "Lekë Dukagjini" und die hegelsche Rechtsphilosophie. Das Gewohnheitsrecht in Albanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388551
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Leseprobe aus  32  Seiten
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