Theodor Fontanes Ballade "John Maynard" (1886) im Deutschunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

26 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Informationen zum Autor

2. Entstehungsgeschichte von „John Maynard“

3. Analyse der Ballade

4. Interpretation der Ballade

5. Tabellarischer Unterrichtsverlaufsplan

6. Vorstellung des Unterrichtsvorhabens

7. Einordnung in das Curriculum

8. Methodisch-didaktische Überlegungen

9. Literatur

10. Anhang

1. Informationen zum Autor

Theodor Fontane war ein bedeutender deutscher Schriftsteller. Er schrieb vor allem Romane und Erzählungen, veröffentlichte aber auch Balladen, Theaterkritiken, Kriegsberichte und Reiseberichte.

Er wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren. Sein Vater besitzt eine Apotheke, in der er später selbst einmal tätig wird.[1] 1827, nach dem Umzug von Neuruppin nach Swinemünde, wo er von seinem Vater zuhause unterrichtet wurde, zieht er 1833 nach Berlin, um dort an einer Gewerbeschule unterrichtet zu werden. Über seine Zeit in Swinemünde schrieb Fontane, dass er von seinem siebten bis zum dreizehnten Lebensjahr „dort lebte und nichts lernte“.[2] Drei Jahre später beginnt er eine Ausbildung zum Apotheker, woraufhin er als Gehilfe in der Apotheke seines Vaters mitarbeitet. In seiner Ausbildungszeit veröffentlicht er mit etwa 20 Jahren erste Schriften in einer Berliner Tageszeitung. Wenig später, im Jahr 1844, tritt er seinen einjährigen Militärdienst an. Daran anschließend absolviert er sein Staatsexamen im Fach Pharmazie und hat damit seine Ausbildung zum Apotheker abgeschlossen. In den Jahren 1848/49 beteiligt sich Fontane an der Deutschen Revolution, um für einen demokratischen Nationalstaat zu kämpfen.[3] In dieser Zeit entschließt er sich den Apothekerberuf aufzugeben und fortan als Schriftsteller zu leben. Er wird von einer Zeitung angestellt, für die er Reisen unternimmt und Reiseberichte, sowie Theaterkritiken veröffentlicht. In den 1860er-Jahren bereist er die Schauplätze verschiedener Kriege mit deutscher Beteiligung als Kriegsberichtserstatter. In Frankreich wird er von französischen Streitkräften als Spion verhaftet, jedoch wenig später wieder aus der Haft entlassen, da sich die Vorwürfe gegen ihn nicht verhärteten. In den 1880er-Jahren veröffentlicht er mit den Balladen „Die Brück’ am Tay“ (Veröffentlichung 1880) und „John Maynard“ (Veröffentlichung 1885) zwei seiner bekanntesten Werke.

1890 stellt ein Arzt bei Fontane eine Depression fest, woraufhin er beginnt seine Memoiren zu verfassen, die er mit „Meine Kinderjahre“ 1894 veröffentlicht. Am 20. September 1898 verstirbt Theodor Fontane nach langjähriger Krankheit in seiner Berliner Wohnung. Seine zu diesem Zeitpunkt 38-jährige Tochter Martha Fontane findet ihn Tod in seinem Bett.[4]

2. Entstehungsgeschichte von „John Maynard“

Theodor Fontanes Ballade „John Maynard“ basiert auf einem tatsächlich geschehenen Unglück aus dem Jahre 1841. Das Dampfschiff „Erie“ befand sich auf der Strecke zwischen der gleichnamigen Stadt Erie (Pennsylvania) und Buffalo (New York) auf dem Eriesee, als es plötzlich, etwa 15 Kilometer vor Erreichen des Ziels, Feuer fing. Der Grund hierfür lag mit höchster Wahrscheinlichkeit an, in der Nähe der Kessel gelagerten, Farbeimern, die eine Gruppe von Malern dort abstellte. Zwar hat ein Feuerwehrmann die Farbeimer nach eigener Aussage als Brandgefahr entdeckt und sie an einem sichereren Platz gebracht, jedoch muss jemand diese, in Unkenntnis über deren Gefahr, wieder zurück in die Nähe der Kessel gebracht haben.

Theodor Fontane hat sich wahrscheinlich von einem Zeitungsartikel über das Unglück zu seiner eigenen Ballade „John Maynard“ inspirieren lassen, die er 45 Jahre später veröffentlichte. Interessant ist, dass Fontane die Geschichte in seinem Werk stark verändert hat. Besonders prägnant ist hierbei, dass in seiner Ballade, abgesehen von dem heldenhaften Steuermann namens John Maynard, alle Passagiere überlebten, während bei dem tatsächlichen Unglück der Großteil der Passagiere ums Leben kam und es nur 27 Überlebende von 200 Personen auf dem Schiff gab.

Weiterhin hieß der Steuermann des Schiffes laut verschiedenen Zeitungsberichten auch nicht John Maynard, sondern Luther Fuller[5], fälschlicherweise auch als Luther Tuller betitelt[6]. Den Namen John Maynard hat Fontane aus der 1845 veröffentlichten Kurzgeschichte „The Helmsman of Lake Erie“ (dt.: Der Steuermann vom Eriesee) von Horatio Alger entnommen und für seine Ballade verwendet[7].

Es ist nicht genau zurückzuverfolgen von welchem Artikel welcher Zeitung Fontane sich hat inspirieren lassen seine Ballade zu schreiben, fest steht allerdings, dass Fontane sich auf das beschriebene, frühere Unglück vom Eriesee in Nordamerika bezieht. Weiterhin ist Fakt, dass Fontane den Namen John Maynard der Kurzgeschichte „The Helmsman of Lake Erie“ entnommen hat und der Name des Protagonisten aus Fontanes Ballade somit von Horatio Alger stammt.[8]

3. Analyse der Ballade

„John Maynard“ ist eine Ballade von Theodor Fontane, die 1866 erstmals veröffentlicht wurde. Sein Werk beinhaltet lyrische, epische und dramatische Elemente und ist somit der Gattung der Balladen zuzuordnen. Die Ballade erzählt die Geschichte eines Steuermannes, der, unter Einsatz seines Lebens, alle Passagiere des auf dem Eriesee in Feuer geratenen Schiffes „Erie“ rettet. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. John Maynard hörte von dieser Heldentat und entschied sich sie künstlerisch in Form einer Ballade umzusetzen.

Die aus neun Strophen bestehende Ballade ist in drei einzelne Abschnitte aufgeteilt. Jede Strophe hat unterschiedlich viele Verse. Als Reimschema hat Fontane einen Paarreim gewählt, den er bis auf wenige Ausnahmen im ganzen Werk beibehält. In den wenigen Ausnahmen wird jeweils der Name der Ballade und des gleichnamigen Protagonisten hervorgehoben. Auf diese Art und Weise wird die große Bedeutung von John Maynard, dem Steuermann, verdeutlicht.

Der erste Abschnitt besteht lediglich aus der ersten von insgesamt neun Strophen. In dieser Exposition erhalten wir erste Informationen über den Protagonisten der Ballade. Beschrieben wird, dass er eine Gruppe von Menschen gerettet hat, die ihn nun als Held feiert. Schon in der 1. Strophe wird der dialogische Charakter der Ballade, der sich durch die gesamte Ballade zieht, deutlich (Str. 1, V. 2-6).

Im zweiten Abschnitt (Str. 2-7) wird das Geschehen und die Heldentat von John Maynard detaillierter beschrieben. John Maynard steuert das Passagierschiff mit dem Namen „Schwalbe“ über den ruhigen Eriesee, durch den eine Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Das in Detroit gestartete Schiff befindet sich eine halbe Stunde vor dem Ziel im Hafen von Buffalo. Zehn Minuten später fängt das Schiff plötzlich und unerwartet Feuer, sodass sich die vorherige idyllische Schiffsfahrt zu einer Katastrophe entwickelt. Während alle Passagiere in Panik geraten und sich am vorderen Ende des Bootes sammeln, erkennt John Maynard die Notwendigkeit rationalen Denkens und hält die Stellung am stark verqualmten Steuer. Schließlich gelingt es John Maynard die brennende „Schwalbe“ nach 20-minütiger Fahrt am Strand von Buffalo an Land zu bringen. Alle Passagiere des Schiffes können gerettet werden, John Maynard allerdings ist unter den Überlebenden am Strand nicht zu finden. Er hat sein Leben mit dieser Heldentat für das der vielen Passagiere geopfert.

Im zweiten Abschnitt fällt auf, dass Fontane das Geschehen nicht nur beschreibt, sondern auch in seine Art des Schreibens mit einfließen lässt. Das lässt sich zum einem an den Dialogen erkennen, die mit zunehmendem Ausmaß der Katastrophe immer knapper werden. So wird John Maynard kurz vor der Katastrophe noch gefragt:

„Wie weit noch, Steuermann“ (Str. 2, V. 8),

woraufhin er ruhig in die Runde antwortet:

„Noch dreißig Minuten… Halbe Stund“ (Str. 2, V. 10).

Wenig später, kurz nach dem Feuerausbruch, sind die Passagiere deutlich

panischer und wenden sich voller Angst and den Steuermann:

„Wo sind wir? wo?“ (Str. 4, V. 5).

Eine Antwort von John Maynard bleibt dieses Mal aus, vermutlich weil er zu beschäftigt ist die Kontrolle über das Schiff zu behalten. Außerdem geht aus den deutlichen Ansagen John Maynards hervor, dass er sich fest vorgenommen hat das brennende Schiff trotz allem an Land zu bringen (Str. 6, V. 1-2).

Ein weiteres Mittel, das Fontane zur Verdeutlichung der Dramatik einsetzt, ist die Angabe der Zeit bis zum Erreichen des Hafens in Buffalo. Beispielsweise sind es in der zweiten Strophe „noch dreißig Minuten… Halbe Stund“ (Str. 2, V. 10) einer idyllischen Schiffsfahrt, auf der die „Herzen“ der Passagiere „frei und froh“ (Str. 2, V. 4) sind. Die Passagiere können schon das Ufer sehen (Str. 2, V. 6) und genießen die Fahrt. In der nächsten Strophe bricht das Feuer aus, die beschriebene Idylle aus der zweiten Strophe zerfällt mit einem Schlag und verwandelt sich in Panik. Jetzt sind es „noch zwanzig Minuten bis Buffalo“ (Str. 3, V. 6), die es zu überstehen gilt, um zu überleben. Jeweils zum Ende der folgenden Strophen zählt Fontane im 5-Minutentakt herunter, bis es „nur“ noch „zehn Minuten bis Buffalo“ (Str. 5, V. 10) sind. Das Schiff nähert sich dem rettenden Land also kontinuierlich, die Passagiere sind der Gefahr aber natürlich noch immer ausgesetzt. Beim Leser stellt sich die spannende Frage, ob sie die Fahrt überstehen können und wird durch die Zeitangaben an das Geschehen gefesselt.

Im letzten Abschnitt der Ballade (Str. 8-9) wird der der Trauerzug mit anschließender Beisetzung des Helden John Maynard beschrieben. Alle Bewohner der Stadt haben ihre Arbeit niedergelegt, um am Begräbnis teilzunehmen (Str. 8, V. 3-5). Die Stadt erinnert mit einem Dankspruch auf John Maynards Grabstein an sein heldenhaftes Handeln.

„Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand

Hielt er das Steuer fest in der Hand,

Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,

Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

John Maynard.“ (Str. 9, V. 5-9).

Das Ende der Ballade, also die Inschrift seines Grabsteins, beinhaltet starke Parallelen zum Anfang der Ballade:

„Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’;

Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

John Maynard.“ (Str. 1, V. 5-7).

John Maynard wird zu Beginn der Ballade, als auch am Ende der Ballade lobgepriesen und für sein Verhalten geadelt. Der Hauptteil der Ballade, der das Unglück beschreibt, wird also von den Ehrungen der Taten John Maynard umschlossen. Weiterhin nennt Fontane auffallend häufig den Namen des Protagonisten und lässt ihm so besondere Bedeutung zukommen. Fontane möchte auf diese Art und Weise herausstellen, dass ein solches Verhalten Anerkennung verdient.

4. Interpretation der Ballade

Es gibt vielerlei Mutmaßungen und verschiedene Theorien über Theodor Fontanes Intention hinter seiner Ballade „John Maynard“. Eine sehr interessante Vermutung ist, dass er Kritik an der voranschreitenden Modernisierung äußern wollte. Schon 1880 kritisierte er die neuartigen Techniken in seiner Ballade „Die Brück am Tay“, die den Einsturz einer Brücke mit mehreren Toten behandelt. Diese Theorie scheint aber unwahrscheinlich, da sich das beschriebene Unglück aus „John Maynard“ bereits 45 Jahre vor der Veröffentlichung der Ballade im Jahr 1886 zugetragen hat. Weiterhin wird der Auslöser für das Unglück in der Ballade nicht weiter beschrieben. Der Beginn der Katastrophe wird lediglich wie folgt beschrieben:

„Ein Qualm aus Kajüt’ und Luke drang,

Ein Qualm, dann Flammen lichterloh.“ (Str. 3, V. 4-5).

Ein Verweis auf technische Gründe, die möglicherweise zum Ausbruch des Feuers geführt haben könnten, wird hier vergebens gesucht. Ein dritter Punkt, der die Theorie einer modernisierungskritischen Ballade widerlegt, ist der Fakt, dass Fontane das Unglück in seiner Ballade so verändert hat, dass weitaus weniger Menschen ums Leben gekommen sind, als bei dem tatsächlich geschehenen Unglück.[9] Hätte er den technischen Fortschritt seiner Zeit kritisieren wollen, so hätte er den technischen Fehler, der zum Unglück führt doch genauestens beschrieben und die Folgen aus ihm möglichst dramatisch sein lassen. Aus diesen Gründen ist es wahrscheinlicher, dass in dieser Ballade John Maynards heldenhaftes Handeln, sowie seine Opferbereitschaft im Mittelpunkt stehen soll. Zumal Fontane selbst den damaligen Steuermann des verunglückten Schiffes als Menschen bezeichnet hat, von dem „die Welt wirklich etwas hat“[10]. Fontane möchte die Leser zu heldenhaftem Verhalten animieren und ihnen zeigen, dass es noch immer einen Ausweg aus der noch so großen Katastrophe gibt. Durch „John Maynard“ zeigt Fontane, dass eine Katastrophe nichts „Zwingend-Unausweichliches“[11] ist. Solange sich „ein Einzelner der Herausforderung stellt“[12] ist es noch immer möglich, „dessen Auswirkungen zu begrenzen“.[13]

Weiterhin versucht Fontane die Leser der Ballade dazu zu bewegen die Heldentaten verschiedener Menschen auch tatsächlich anzuerkennen. So bewunderte er beispielsweise den kriegerischen Heldentum und die Leistungen der Soldaten in allen drei Kriegen, an denen er als Kriegsberichtsschreiber teilgenommen hatte.[14] Er empfand es damals so, als würden die Taten der Soldaten, die für das Volk kämpften, vom größten Teil der Bevölkerung nicht anerkannt werden.

Aus den genannten Gründen ist die Ballade nicht als Kritik an den Neuerungen der Technik und der Modernisierung zu sehen, sondern als Aufruf zur Ehrung der alltäglichen Helden und eigenem heldenhaften Verhalten.

5. Tabellarischer Unterrichtsverlaufsplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Häde>

[2] Häde>

[3] Häde>

[4] Häde>

[5] Commercial Advertiser and Journal: The Erie, 1841.

[6] Lloyd’s Steamboat Directory and Disasters on the Western Waters: Burning of the Erie, 1856. (siehe Anhang).

[7] Silver Creek News: Facts behind Maynard Legends, 1941.

[8] Alger: The Helmsman of Lake Erie, 1845.

[9] Frank: Fontane und die Technik, S. 56.

[10] Frank: Fontane und die Technik, S. 54

[11] Frank: Fontane und die Technik, S. 56.

[12] Frank: Fontane und die Technik, S. 56.

[13] Frank: Fontane und die Technik, S. 56.

[14] Hädecke: Fontane/Biographie, S. 208.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Theodor Fontanes Ballade "John Maynard" (1886) im Deutschunterricht
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V391709
ISBN (eBook)
9783668634022
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodor, fontanes, ballade, john, maynard, deutschunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Theodor Fontanes Ballade "John Maynard" (1886) im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/391709

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