Alle sind frei zu tanzen und sich zu amüsieren - Die Kulturindustriekritik von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno


Hausarbeit, 1997
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographisches
2.1 Max Horkheimer
2.2 Theodor W. Adorno

3. Zur Dialektik der Aufklärung

4. Zur Kulturindustrie
4.1 Begriffserklärung
4.2 Vereinheitlichung der Kultur
4.3 Scheinbare Auswahl
4.4 Inhalte und Verinnerlichung

5. Fazit

1. Einleitung

In meiner ersten Hausarbeit für das Fach Soziologie möchte ich mich mit den Thesen zur Kulturindustrie von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno beschäftigen. Bei der Referatsvergabe habe ich mich für dieses Thema entschieden, weil mich vor allem Adornos Theorien schon seit längerem interessiert haben - ohne daß ich jedoch behaupten könnte, mich vor dem Studium tiefergehend damit auseinandergesetzt zu haben. Die These beispielsweise, daß wir Verhaltensschemata, die uns die Kulturindustrie vorgibt, völlig verinnerlicht haben und uns von ihnen lenken lassen, ist in meinen Augen ebenso furchteinflößend wie faszinierend. Auch kann der Einfluß Adornos Theorien auf die Studentenbewegung der späten 60er und frühen 70er Jahre, sowie auf die gesamte Linke des ausgehenden 20. Jahrhunderts gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und trug somit zu meinem Erkenntnisinteresse bei.

In der folgenden Arbeit soll die Frage gestellt werden, ob Horkheimers und Adornos Kulturindustriekritik - die immerhin vor über 50 Jahren entstand - heute noch eine Berechtigung hat, bzw. inwieweit sie heute vielleicht zutreffender ist denn je. Gerade die mangelnde Aktualität wurde (neben der fehlenden Praxisnähe) Adorno von seinen Kritikern früher ebenso wie heute immer wieder vorgeworfen.

Ich werde auf den folgenden Seiten zunächst auf die Personen Horkheimer und Adorno eingehen und kurz auf die Entstehung der „Dialektik der Aufklärung“ zu sprechen kommen, da die Umstände, unter denen die Autoren das Buch (und gerade das Kapitel über die Kulturindustrie) verfaßt haben, von großer Bedeutung sind. Im Anschluß daran sollen einige Grundthesen der Kulturindustriekritik herausgegriffen, erörtert und auf Aktualität hin geprüft werden.

Aus Platz- und Zeitgründen ist es unmöglich, auf jeden einzelnen Aspekt Adornos Kritik einzugehen, da diese einfach zu umfassend und detailliert ist. Statt dessen halte ich es für sinnvoller, einige Punkte stellvertretend zu bearbeiten und zu analysieren. Einzelaspekte der Kritik an der Kulturindustrie, die in dieser Arbeit behandelt werden sollen, sind zum Beispiel die Vereinheitlichung des Kulturangebots oder der „Kreislauf von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis“. Diese Punkte scheinen mir die interessantesten und bei einer ersten Auseinandersetzung mit der Thematik die relevantesten zu sein.

Am Ende der Arbeit steht eine Art Fazit, in dem versucht wird, noch einmal die aktuelle Situation der kritischen Theorie zu reflektieren und kritisch zu einigen Punkten Stellung bezogen wird.

2. Biographisches

2.1 Max Horkheimer

Max Horkheimer, am 14. Februar 1895 in Stuttgart geboren, war 1923/24 zusammen mit Friedrich Pollock[1] maßgeblich an der Gründung des „Instituts für Sozialforschung“ in Frankfurt am Main beteiligt. 1930 wurde er Professor für Sozialphilosophie und Leiter des Instituts. 1933 emigrierte er zunächst nach Genf, später nach Paris. 1934 siedelte er mit Herbert Marcuse nach New York über, wo er die Arbeit am dorthin verlegten Institut für Sozialforschung weiterführte. Einen Teil der folgenden Jahre verbrachte er in Los Angeles, Californien, wo in Zusammenarbeit mit Adorno auch die „Dialektik der Aufklärung“ entstand.

Nach dem Krieg kehrte Horkheimer nach Deutschland zurück und gründete dort 1950 erneut das Institut für Sozialforschung, dessen Leiter er bis 1959 war. Max Horkheimer verstarb am 7. Juli 1973 in Nürnberg.

2.2 Theodor W. Adorno

Theodor Wiesengrund Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren. 1921 begann er sein Studium der Soziologie , Philosophie, Psychologie und Musikwissenschaft an der Frankfurter Universität. Dort habilitierte er 1931 mit einer Arbeit über den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard und war in den folgenden Jahren als Privatdozent tätig.

1934 emigrierte er nach Großbritannien bevor er 1938 der Einladung Horkheimers folgte und ebenfalls nach Amerika zog. Wie Max Horkheimer war auch Adorno am nach New York verlegten Institut für Sozialforschung tätig und kehrte nach dem Ende des 2. Weltkriegs nach Deutschland zurück. Zu seinen wichtigsten Werken gehören neben der „Dialektik der Aufklärung“ (1947) unter anderem „The Authoritarian Personality“ (1950, mit anderen), „Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben“ (1951) und „Negative Dialektik“ (1966).

Neben seiner Tätigkeit als Soziologe und Philosoph war Adorno auch als Komponist und Musikkritiker tätig. Er starb am 6. August 1969 im schweizerischen Visp.

3. Zur „Dialektik der Aufklärung“

Horkheimer und Adorno schrieben die „Dialektik der Aufklärung“ in den Jahren 1942-44 im californischen Los Angeles. In unmittelbarer Nachbarschaft der Filmstudios von Hollywood konnten sie deutlich miterleben, welchen Einfluß die „Traumfabrik“ und ihre Wirklichkeitskonstruktionen bereits hatten. Hätten die beiden Soziologen ihr Buch beispielsweise in Neuengland oder dem eher traditionellen mittleren Westen der USA geschrieben, wären ihre Beobachtungen und Reflexionen vermutlich deutlich anders ausgefallen als in Californien, wo das Leben -damals wie heute- in einer deutlich höheren Geschwindigkeit gelebt wird.

Das Buch „Dialektik der Aufklärung“, von den Autoren zunächst als „Flaschenpost ohne Adressaten“ (Adorno) geschrieben, wurde erst in der 68er Studentenbewegung richtig populär und zu dem was es heute ist - ein Klassiker. Die zentrale Frage des Buches ist die nach der Ursache „warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei verfällt“ (Horkheimer/Adorno 1947, S. 1). Mit dieser Barbarei ist der Faschismus gemeint, der die Autoren ins Exil getrieben hatte und Europa zur Zeit der Entstehung des Buches regierte. Horkheimer und Adorno suchen in ihrem Werk Antworten auf die Frage, wie es zu dem Rückfall der Menschheit von der Aufklärung in die Mythologie kommen konnte, zu diesem Verfall in völkisches Gedankengut, Fackelzüge und heidnischen Nationalismus.

Laut Horkheimer und Adorno ist die menschliche Freiheit und Selbstbestimmung untrennbar mit Aufklärung und Vernunft verbunden. Die Aufklärung trägt die Ursache für den Rückschritt in die Mythologie jedoch bereits in sich und ist chancenlos, wenn sie sich darüber nicht im Klaren ist (vgl. Horkheimer/Adorno 1947, S. 3). Rationales, aufklärerisches Denken und die Beherrschung der Natur werden - mit Hilfe der Kulturindustrie, auf die später detailliert eingegangen werden wird - längst zu Zwecken der Manipulation und Herrschaftssicherung eingesetzt.

Die Autoren erklären, daß eine Kritik oder Fortführung der traditionellen wissenschaftlichen Disziplinen (wie Soziologie, Psychologie, etc.) für eine tatsächliche Veränderung der Gesellschaft unbrauchbar sind. Stets kommt es zu einer „Metamorphose von Kritik in Affirmation“, wenn man sich der gleichen Sprache und Kategorien bedient, wie das System, das man eigentlich verändern will (vgl. Horkheimer / Adorno 1947, S. 1-4).

4. Zur „Kulturindustrie“

4.1 Begriffserklärung

Will man über Adornos Kulturindustriekritik sprechen, muß man zunächst einmal klären, was mit diesem Begriff eigentlich gemeint ist, ebenso wie, was damit nicht gemeint ist. Die Kulturindustrie ist prinzipiell (fast) überall: Massenmedien wie Presse, Hörfunk und Fernsehen fallen ebenso darunter wie die Tonträger- Kino- oder Literaturbranche oder der kommerzielle Profisport. Stefan Müller-Dohm definiert Kulturindustrie recht treffend als „das globale und zugleich ausdifferenzierte Netzwerk der Kulturvermittlung in der gegenwärtigen Gesellschaft“ (Müller-Dohm 1996, S. 199f).

Dennoch darf man sich die Kulturindustrie nicht als eine mafiaähnliche Organisation vorstellen, bei der eine Art Pate im dunklen Hinterzimmer darüber entscheidet, was wir im Fernsehen sehen oder welche Musik in die Hitparaden kommt. Eine andere weitverbreitete Fehleinschätzung ist die Annahme, daß die Kulturindustrie von einem Regime quasi geschaffen wurde, um die Konsumenten zu manipulieren, ruhigzustellen oder zu unterdrücken. Horkheimer und Adorno sehen die Kulturindustrie jedoch nicht als eine vom System geschaffene „Unterabteilung“ an. Sie geht vielmehr in einer zwingenden Notwendigkeit aus dem System hervor und stabilisiert es, ohne von ihm organisiert oder direkt kontrolliert zu werden.

[...]


[1] Die „Dialektik der Aufklärung“ ist Friedrich Pollock gewidmet und die Autoren wollten das Buch zu seinem 50. Geburtstag fertiggestellt haben, was jedoch nicht gelang.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Alle sind frei zu tanzen und sich zu amüsieren - Die Kulturindustriekritik von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Insitut für Soziologie)
Veranstaltung
O-Kurs: Soziologische Gegenwartstheorien
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
16
Katalognummer
V3937
ISBN (eBook)
9783638124454
ISBN (Buch)
9783638756365
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biographisches, Dialektik der Aufklärung, Kulturindustrie
Arbeit zitieren
Christoph Koch (Autor), 1997, Alle sind frei zu tanzen und sich zu amüsieren - Die Kulturindustriekritik von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3937

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