Historisches Vorwissen bei Schülerinnen und Schülern einer 4. Klasse. Eine Untersuchung.


Seminararbeit, 2004
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Die Klasse

2 Das „Geschichtsbewusstsein“ als Untersuchungsgegenstand
2.1 Die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel
2.1.1 Temporalbewusstsein
2.1.2 Wirklichkeitsbewusstsein
2.1.3 Historizitätsbewusstsein
2.1.4 Politisches Bewusstsein
2.1.5 Identitätsbewusstsein
2.1.6 Ökonomisch-soziales Bewusstsein
2.1.7 Moralisches Bewusstsein
2.2 Ergänzende Aspekte
2.2.1 Fähigkeit zum Perspektivenwechsel/Vorstellungen zur Geschichte
2.2.2 Geschichte als Konstrukt
2.2.3 Interesse an Geschichte

3 Vorbereitungen und Planungen
3.1 Erstellung der Fragen
3.2 Methodik des Interviewens
3.3 Materialien, technische Hilfsmittel, weitere Vorbereitungen

4 Durchführung der Befragung 12

5 Auswertung der Antworten
5.1 Bezogen auf das Temporalbewusstsein
5.2 Bezogen auf das Wirklichkeitsbewusstsein
5.3 Bezogen auf das Historizitätsbewusstsein
5.4 Bezogen auf das politisch-ökonomisch-soziale Bewusstsein
5.5 Bezogen auf das Identitätsbewusstsein
5.6 Bezogen auf das moralische Bewusstsein
5.7 Bezogen auf die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel/ Vorstellungen zur Geschichte
5.8 Bezogen auf die Geschichte als Konstrukt
5.9 Bezogen auf das Interesse an Geschichte

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Möglichkeit zu haben, eine eigene Untersuchung zum geschichtlichen Vorwissen von Schülerinnen und Schülern durchführen zu können, weckte bei mir sofort Interesse.

Für mich als angehenden Geschichtslehrer ist es meiner Meinung nach von besonderer Bedeutung und im Grunde unerlässlich, um effektiven Geschichtsunterricht zu machen, sich mit der Frage zu beschäftigen, in welchem Verhältnis Schülerinnen und Schüler überhaupt zur Geschichte stehen und wie ihr Zugang zu diesem Fach ist.

Ich sehe im Besonderen das Fach Geschichte, auch im Vergleich zu anderen Fächern, was die kognitiven Anforderungen betrifft, als ein besonders vielschichtiges und komplexes an. Schülerinnen und Schüler müssen je nach Anspruch des Unterrichtes über gewisses Geschichtsbewusstsein verfügen, welches sich aus mehreren unterschiedlichen Dimensionen kognitiven Vermögens zusammensetzt.[1] Nur aufgrund von Kenntnis des jeweiligen Geschichtsbewusstseins einer Klasse lässt sich angemessener Geschichtsunterricht vorbereiten und durchführen.

Meine Befragung soll diesbezüglich Aufschluss über das Geschichtsbewusstsein von Viertklässlern geben. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass meine Befragung und dessen Ergebnisse nicht für alle vierten Klassen bis ins kleinste Detail repräsentativ sein können; trotzdem, denke ich, können sie zumindest gewisse allgemeingültige Grundtendenzen aufzeigen.

1 Die Klasse

Ich hatte das Glück, für die Befragungen nicht lange nach einer Klasse suchen zu müssen, da mein Vater selbst Rektor einer Grundschule (Bethlehem-Schule) ist.

Die Schule, mit einem eher mittelschichtgeprägtem Einzugsbereich, befindet sich in Papenburg, einer kleinen Stadt von ca. 35000 Einwohner, ca. 65km westlich von Oldenburg entfernt. Es handelt sich um eine einzügige Grundschule, die neben einer anderen Grundschule die kleinste von neun Grundschulen der Stadt mit 56 Schülerinnen und Schülern ist. Neben der Beschränkung der Repräsentativität (s.o.) hat die Untersuchung in einer Klasse/Schule aber auch Vorteile. Unterschiede zwischen den einzelnen Schultypen, zwischen den Lehrplänen verschiedener Bundesländer, zwischen unterschiedlichen Wohnorten etc. wirken nicht in die Untersuchungsgruppe (Viertklässler) hinein. Durch konstante Rahmenbedingungen lässt sich die Entwicklung der Geschichtskenntnisse im Laufe der Jahre und die für deren Erwerb relevanten Einflussfaktoren (die in meinem Fall jedoch nicht näher untersucht werden) ungestört und damit besser erfassen.[2]

Die vierte Klasse der Bethlehem-Schule besteht aus zehn Schülerinnen und Schülern, sechs Jungen und vier Mädchen. Zwei dieser Kinder sind 1992, drei sind 1993 und fünf sind 1994 geboren. Bezüglich des allgemeinen Leistungsniveaus erfuhr ich von der Klassenlehrerin, dass vier Schülerinnen und Schüler gute bis sehr gute, zwei mittelmäßige und wiederum vier eher ausreichende Leistungen zeigen. Es handelte sich also um eine doch recht ausgewogene Klasse, was die schulischen Leistungen anging[3] (wobei das häufig anzahlmäßig größte Leistungs-Mittelfeld in dieser Klasse kleiner ausfiel als für gewöhnlich).

Zudem befragte ich im Vorfeld die Klassenlehrerin über mögliche geschichtliche Themen, welche im (Sachkunde-) Unterricht bereits thematisiert worden waren. Diese Informationen benötigte ich zusätzlich, um die Aussagen der Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Befragung noch besser einschätzen und auswerten zu können. So hatte die Klasse bereits das Thema „Früher und Heute“ im Sachkundeunterricht behandelt. Während dieser Unterrichtseinheit wurden bestimmte Alltagstätigkeiten, Gegenstände etc. zwischen früher und heute verglichen, entsprechende Unterschiede und Entwicklungen wurden erarbeitet.

Ansonsten sind die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Unterrichtes noch nicht mit geschichtlichen Themen in Berührung gekommen. Im zweiten Halbjahr diesen

Schuljahres soll innerhalb des Sachkundeunterrichtes noch auf die Regionalgeschichte Papenburgs eingegangen werden.

Die Klasse arbeitete bzw. arbeitet im Sachkundeunterricht durchgehend mit den Schulbüchern „Mobile 2-4“ mit entsprechenden Arbeitsheften, welche im Westermann-Verlag erschienen sind. In der ersten Klasse wurde kein spezielles Sachkundebuch verwendet, man orientierte sich im Sachkundeunterricht an Themen der Fibel.

2 Das Geschichtsbewusstsein als Untersuchungsgegenstand

Vor meiner Befragung musste ich mir natürlich darüber im Klaren sein, was ich denn überhaupt genau untersuchen und in Erfahrung bringen möchte. So sollte es nicht einfach nur um abfragbares geschichtliches Faktenwissen gehen, sondern weiter darüber hinaus um das „Geschichtsbewusstsein“ von Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse.

Die Kategorie „Geschichtsbewusstsein“ ist jedoch nicht allgemeingültig exakt ausgelegt und formuliert, sondern es gibt verschiedene Positionen mehrerer Geschichtsdidaktiker, wie z.B. die von Jörn Rüsen oder Karl-Ernst Jeismann.[4]

Ich habe mich für meine Untersuchung maßgeblich für die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Hans- Jürgen Pandel entschieden. Zum einen, weil Pandels Konzept, wie es auch Bernd Schönemann in dem Buch „Geschichtsdidaktik“ beschreibt[5], große Zustimmung gefunden hat. Zum anderen aber auch, weil ich die einzelnen Aspekte Pandels als übersichtlich, greifbar und für eine Auswertung als sehr pragmatisch empfinde (ich habe jedoch die Dimensionen Pandels ein wenig vereinfacht und mich aufs Wesentliche seiner jeweiligen Aussagen beschränkt, um auch bei der Auswertung das Wesentliche der Aspekte im Blick zu haben; außerdem empfand ich Pandels Ausführung bezogen auf Vorstellungen von Grundschülern ein wenig zu hochgegriffen; siehe auch 2.1).

So konnte ich die Antworten der Schülerinnen und Schüler auswerten, indem ich sie jeweils (wenn passend) auf einzelne Dimensionen Pandels separat beziehen konnte. Die Auswertung der Antworten wurde mir somit erleichtert, ich musste diese nicht mit einer komplizierten/komplexen Theorie in Verbindung bringen.

2.1 Die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel

Im Folgenden möchte ich kurz auf die einzelnen Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Pandel eingehen, welche im Besonderen als theoretische Grundlage meiner Arbeit dienen.[6]

2.1.1 Temporalbewusstsein

Temporal- oder Zeitbewusstsein meint die Fähigkeit, zwischen „Früher“, „Heute“ und „Morgen“ bzw. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft unterscheiden zu können. Außerdem sollte man einen Zusammenhang dieser Phasen sehen, diese mit Vorstellungen und Inhalten füllen, sie strukturieren und die Inhalte auf verschiedene Weise verknüpfen und erzählen (d.h. wahrgenommene u. gelernte Ereignisse umgliedern; chronologische Reihenfolge verändern) können.

2.1.2 Wirklichkeitsbewusstsein

Durch das Wirklichkeits- oder Realitätsbewusstsein ist man in der Lage, zwischen realen/historischen Fakten und Fiktionen zu unterscheiden; außerdem beinhaltet es die Erkenntnis, dass man durch Erschließung von Quellen reale von fiktiven Ereignissen (Personen, Handlungen) erkennen kann.

2.1.3 Historizitätsbewusstsein

Mit dieser Dimension von Geschichtsbewusstsein meint Pandel im Großen und Ganzen die Erkenntnis zu besitzen, dass sich historisches Geschehen wandelt (aber auch Kontinuität), entwickelt und verändert.

2.1.4 Politisches Bewusstsein

Hierbei geht es um die Frage, wer in welcher Form in einer Gesellschaft Macht und Herrschaft ausübte (wer stand „oben“, wer „unten“?), wie das passierte und wodurch Herrschaft und Macht legitimiert wurden.

2.1.5 Identitätsbewusstsein

Identitätsbewusstsein meint die Fähigkeit, zu verschiedenen Gruppen „wir“ sagen zu können und sich damit von den anderen („ihr“, „sie“) abzugrenzen.

Dieses „wir“ muss dabei, wenn Identität als eine Dimension von Geschichtsbewusstsein gelten soll, auch in zeitlicher Perspektive gesehen werden, d.h., dass Verweise auf vergangene Handlungen der Bezugsgruppe gemacht werden müssen.

Identität wird begründet, indem man sich als Nachfahre nicht nur der eigenen familiengeschichtlichen leiblichen Ahnen sieht/sehen muss, sondern gerade auch als Nachfahre sozial-, national-, mentalitäts- und ideologiegeschichtlicher Vorfahren.

2.1.6 Ökonomisch-soziales Bewusstsein

Mit dieser Dimension von Geschichtsbewusstsein meint Pandel die Vorstellungen von der ökonomisch-sozialen Struktur einer Gesellschaft, also von Armut und Reichtum als gesellschaftliche Kategorien.

(Da sich diese Dimension doch sehr stark mit der des politischen Bewusstseins überschneidet, werde ich bei der Auswertung, so wie es auch Uffelmann vorschlägt[7], diese beiden zu einem Aspekt (=Politisch-ökonomisch-soziales Bewusstsein) zusammenziehen).

[...]


[1] Auf die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins werde ich im Folgenden dieser Hausarbeit noch näher eingehen.

[2] Vgl. Mirow, Jürgen: Geschichtswissen durch Geschichtsunterricht? Historische Kenntnisse und ihr Erwerb innerhalb und außerhalb der Schule. Eine empirische Untersuchung, in: von Borries, Bodo; Pandel, Hans-Jürgen; Rüsen, Jörn (Hg.): Geschichtsbewusstsein empirisch, Pfaffenweiler 1991 (=Geschichtsdidaktik. 7), S. 53-109, hier S. 60.

[3] Im Laufe der Befragung zeigte es sich jedoch, dass (zumindest in dieser Klasse) das Niveau geschichtlichen Vorwissens der Schülerinnen und Schüler nicht zwangsläufig gekoppelt war mit der sonstigen schulischen Leistungsfähigkeit.

[4] Vgl. Schreiber, Waltraud: Die Entwicklung historischer Sinnbildungskompetenzen als Ziel des historischen Lernens mit Grundschülern, in: Schreiber, Waltraud (Hg.): Erste Begegnungen mit der Geschichte. Grundlagen historischen Lernens, Neuried 1999 (=Bayerische Studien zur Geschichtsdidaktik. 1), S. 15-76, hier S. 15-30.

[5] Vgl. Schönemann, Bernd: Geschichtsdidaktik, Geschichtskultur, Geschichtswissenschaft, in: Günther-Arndt, Hilke (Hg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2003, S. 11-22, hier S. 16.

[6] Im folgenden nach Pandel, Hans-Jürgen: Geschichtlichkeit und Gesellschaftlichkeit im Geschichtsbewusstsein. Zusammenfassendes Resümee empirischer Untersuchungen, in: von Borries, Bodo; Pandel, Hans-Jürgen; Rüsen, Jörn (Hg.): Geschichtsbewusstsein empirisch, Pfaffenweiler 1991 (=Geschichtsdidaktik. 7), S. 1-23, hier S. 5-23. Und nach Schreiber, S. 30-32.

[7] Vgl. Schreiber, S. 31f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Historisches Vorwissen bei Schülerinnen und Schülern einer 4. Klasse. Eine Untersuchung.
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V39540
ISBN (eBook)
9783638382793
ISBN (Buch)
9783638790482
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Historisches, Vorwissen, Schülerinnen, Schülern, Klasse, Eine, Untersuchung
Arbeit zitieren
Gunnar Norda (Autor), 2004, Historisches Vorwissen bei Schülerinnen und Schülern einer 4. Klasse. Eine Untersuchung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39540

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