Religiosität von Kindern und Jugendliche heute und wie Glaube, Religion und Kirche darauf reagieren können


Seminararbeit, 2003
16 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wie ist es um die Religiosität von Kindern und Jugendlichen bestellt? - Bestandsaufnahme und Umfrageergebnisse

Lebensumstände der heutigen Kinder und Jugendlichen und ihre Ansprüche an ihre Zukunft und die Welt der Erwachsenen

Möglichkeiten der Kirche, auf die Lebensumstände und Wünsche der Kinder und Jugendlichen einzugehen und zu einer Berührung mit Religion und Glauben einzuladen

Eigene Einschätzungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es ist nicht zu verleugnen, dass sich gegenwärtig ein Wandel der Religiosität der Menschen vollzieht, dessen Grund und Richtung und seine möglichen Gefahren zu hinterfragen sind. Unser Alltag und Lebensrhythmus wird nicht mehr von Kirche und kirchlich formulierter Religion bestimmt, sondern ob und in wie weit Religion in unserem Leben vorkommt wird vom Lebenslauf eines jeden selbst und sehr individuell festgelegt. Die Entwicklung verläuft derzeit weg von der festen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft hin zu mehr Individualität in Glaubensfragen und zu der Freiheit, sich seinen eigenen Glauben aus verschiedensten Richtungen selbst zu formen.

Im Folgenden Text werde ich versuchen, heraus zu arbeiten, wie es um die Religiosität von Kinder und Jugendliche bestellt ist, was sie sich von einer Religion wünschen und in wie weit sie sich selbst als religiös bezeichnen oder nicht.

Dafür erscheint es mir als sinnvoll, sowohl auf die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen von heute einzugehen als auch auf Untersuchungen wie die Deutsche Shell Studie Jugend 2000 zurückzugreifen, um darzustellen, wie die momentane Situation zu sehen ist. Zunächst folgen einige Zahlen und Fakten, die bei den erwähnten Untersuchungen ermittelt wurden. Sie helfen, die derzeitige Stellung von Glaube, Religion und Kirche bei Jugendlichen und Kindern einschätzen zu können und eventuell zu sehen, wo konkreter Handlungsbedarf besteht, um Kinder und Jugendliche wieder mehr in Beziehung mit Religion und Glaube zu bringen und einzuladen, an einer Glaubensgemeinschaft teilzunehmen.

Es ist festzuhalten, dass sich die in den folgenden Text eingebrachte Studien und Untersuchungen meist auf sämtliche Glaubensrichtungen beziehen, also sowohl auf das Christentum wie auch auf den Islam und andere Religionen, wobei in den Textteilen „Möglichkeiten der Kirche, auf die Lebensumstände und Wünsche der Kinder und Jugendlichen einzugehen und zu einer Berührung mit Religion und Glauben einzuladen“ und „Eigene Einschätzungen“ meist auf die evangelische und vor allem auf die katholische Kirche eingegangen wird.

Gründe hierfür sind die leichtere Informationsbeschaffung und mein persönlicher Hintergrund als Studentin des Lehramtes für Haupt- und Realschulen mit dem Fach katholische Theologie.

Wie ist es um die Religiosität von Kindern und Jugendlichen bestellt? – Bestandsaufnahme und Umfrageergebnisse

Schaut man sich Untersuchungen zur Religiosität von Kindern und Jugendlichen wie zum Beispiel die Deutsche Shell Studie 2000 an, so lassen sich zu nächst vier wesentliche Ergebnisse festhalten: 1. Es ist ein enormer Rückgang von Glaubensvorstellungen jeglicher Art zu verzeichnen

2. Alte kirchliche Praktiken werden kaum noch durchgeführt
3. Die Konfessionsgrenzen sind weitgehend offen und es ist kein konfessionelles Profil mehr in der Gesellschaft erkennbar
4. Kirchen haben im Grunde keine Chancen mehr auf die junge Generation Einfluss zu nehmen.

Aufgrund der dazu ermittelten Zahlen der Shell Studie 2000 sind diese Grundergebnisse leicht zu verstehen. Es ist zu beachten, dass hierbei nicht nur die Religiosität deutscher Jugendlicher in Bezug auf die christlich – kirchliche Religion untersucht wurde, sondern Jugendliche jeglicher Herkunft und Glaubensauffassung oder ohne jede Religionszugehörigkeit befragt wurden, die in Deutschland leben.

Gefragt wurde zum Beispiel unter anderem nach der Häufigkeit von Gottesdienstbesuchen, worauf 83 % die Aussage „in den letzten vier Wochen gar nicht“ bejahten. 35 % der befragten Jugendlichen glauben nicht an ein Leben nach dem Tod und 56 % beten nie. Wurde aber nach der Wichtigkeit von religiösen Festen gefragt, so ergab dies, dass für 84 % aller befragten Glaubensrichtungen ( also auch islamische, andere oder keine Religionszugehörigkeit ) Weihnachten sehr wichtig ist und sogar 89 % der Befragten daran teilnehmen. Hierbei stellt sich die Frage, ob Weihnachten oder andere religiöse Feste Mittel der Integration sein könnten oder ob die große Wichtigkeit nicht viel eher daher rührt, dass zu Weihnachten auch in allen Geschäften und Städten durch Dekoration und Geschenke weihnachtliche und festliche Stimmung aufkommt und das Konsumverhalten steigt.

Auf die Frage, ob die Jugendlichen ihre Kinder religiös erziehen wollen, antworteten 28 % mit „sicher nicht“ und nur 13 % mit „auf jeden Fall“, was befürchten lässt, dass Glaube, Religion und Kirche in naher Zukunft noch mehr an Wichtigkeit verlieren, denn welches Kind oder welcher Jugendlicher beschäftigt sich aus Interesse und ohne dass die Eltern ihm dies vorgelebt haben mit Religionen und Glaube, wenn dies noch nie eine Rolle in seinem Leben spielte. Auch nach der Selbstdefinition als nicht religiös wurde gefragt, worauf 25 % aller Befragten mit „trifft sehr zu“ und 27 % mit „trifft zu“ antworteten im Gegensatz dazu lediglich 17 % mit „trifft überhaupt nicht zu“. Auffällig ist hierbei auch, dass 55 % der deutschen Jugendlichen sich als nicht religiös bezeichneten jedoch nur 30 % der ausländischen jungen Leuten.

Die hohe Zustimmung, sich selbst nicht als religiös zu bezeichnen, könnte dadurch erklärt werden, dass, wie weitere Untersuchungen etwa von Hans- Georg Ziebertz, zeigten, Jugendliche unter „religiös“ etwas verstehen, was mit der Kirche zu tun hat und dass die Bejahung von Religion und Glaube in Verbindung mit der kirchlich vertretenen christlichen Religion auf unter 20 % sinkt.

„Fragt man stattdessen, wie sie über eine Religiosität denken, die ihnen Sicherheit im Leben gibt, die sie sonst nicht hätten, wie sie über einen Gott denken, der ihnen nahe ist, über einen Glauben, der ihnen ein Gefühl von Geborgenheit gibt und hilft, in manchen Situationen den Mut nicht zu verlieren, antworten nur 22 % der Befragten, dass ihnen eine solche Religion, ein solcher Gott und ein solcher Glaube nichts bedeutet. Immerhin 45 % antworten, dass sie sich diese Religion, diesen Gott und diesen Glauben wünschen würden, 34 % antworten ,vielleicht‘.“ ( Ziebertz, H.- G. 2000, 376 ).

Ziebertz stellt außerdem fest, dass bei der Frage nach Übergangsriten, wie etwa die Hochzeit, 70 % der in diesem Fall befragten Schüler später in der Kirche heiraten wollen. Dies könne man, so Ziebertz, als kulturelle Gewohnheitsangelegenheit abtun, aber auch positiv als Bedarf an Religion und als Kompetenz, die der Kirche zugestanden wird ansehen und eventuell auch als Chance nutzen. Laut seinen Befragungen von Schülern, kann die Mehrheit derer als „religiös individualisiert“ bezeichnet werden, da 70 % Aussagen wie „Man kann Christ sein, ohne zu einer Kirche zu gehören“ und „Um an Gott zu glauben, hat man keine Kirche nötig“ zustimmten. Ziebertz kommt demnach zu dem Ergebnis, dass nur wenige Jugendlichen „religionsfeindlich“ eingestellt seien und dass die Religiosität der Jugendlichen vielseitig und komplex sei und jenseits aller kirchlicher Dogmatik, jedoch selten völlig gegen sie ( vgl. Ziebertz, H. – G. 2000, 376 f. ).

Betrachtet man sich diese Ergebnisse, so kann man zwar die in der Einleitung getroffene Aussage, die Religion und der Glaube bestimme nicht mehr unseren Lebensrhythmus, sondern jeder bilde selbst und sehr individuell seinen Glauben und bestimme in wie weit Glaube, Religion und Kirche überhaupt Einfluss auf seinen Lebensweg haben, bestätigt finden, jedoch helfen die genannten Zahlen lediglich, eine Einschätzung, wie es um die Religiosität Jugendlicher bestellt ist, vorzunehmen.

Es dürfte jedoch ebenso interessant sein, die schon teilweise angeschnittene Interpretation der Zahlen fortzuführen und eventuell daraus Möglichkeiten abzuleiten, wie die Kirche damit umgehen kann und wie Glaube und Religion aussehen sollten, damit wieder mehr Kinder und Jugendliche Bezug dazu finden. Dazu bedarf es zunächst einmal der Feststellung der Situationen und Lebensumstände der Jugendlichen und Kinder, um zu verstehen, welche Wünsche und Bedürfnisse an das Leben und an eine Religion, Kirche und einen Glauben von Kindern und Jugendlichen gestellt werden.

Lebensumstände der heutigen Kinder und Jugendlichen und ihre Ansprüche an ihre Zukunft und die Welt der Erwachsenen

In der Kindheit von heute ist eine Veränderung zu sehen. Unser Alltag ist meist durch einen strikten Terminplan geregelt. Selbst Kinder sind bereits von Terminen überschüttet und schon in jungen Jahren sind sie in ihrer eigentlichen Freizeit stark eingespannt. Krabbelgruppe, Babyschwimmen, Kindergarten, Turnverein, Schule, Musikunterricht, Kindergeburtstage sind nur einige Termine, die von Kindern im Laufe ihres Heranwachsens wahrgenommen werden und das jede Woche, fast jeden Tag. Da bleibt kaum noch Zeit für die sogenannte freie Entfaltung, für das Treffen von Freunden, für das unbeschwerte Kindsein.

Aber auch die Bedingungen, unter denen Kindheiten stattfinden sind heute verändert. Die in der Literatur als „veränderte Kindheit“ bezeichnete Situation von Kindern in der heutigen Zeit soll im Folgenden grob dargestellt werden.

Zu Beginn ist zu sagen, dass es heutzutage weit mehr Alleinerziehende als noch vor 30 Jahren gibt, da die Scheidungsrate stetig ansteigt, vielleicht auch eine Folge unseres immer hektischer werdenden Lebens. Scheidungen sind zu einer gesellschaftlichen Normalität geworden, mit der viele Kinder meist noch in einer frühen Phase ihrer Sozialisation konfrontiert werden. Natürlich gibt es auch Scheidungskinder, für die gemeinsam mit den Eltern ein annehmbares neues Umfeld bei einem der beiden Elternteile gefunden werden konnte und die jetzt möglicherweise zufriedener und gefestigter aufwachsen als in ihrer früheren Familie, jedoch darf die Aufsplittung und Trennung der ursprünglichen Kernfamilie nicht als harmlos für die Kinder eingestuft werden. Für das einzelne Kind ist eine Scheidung alles andere als ein normaler Vorgang, der hin und wieder vorkommt und sein Leben nicht weiter beeinflusst. Kinder nehmen das was sie sehen und erleben in ihr Innerstes auf und die in der Kindheit gemachten Erfahrungen prägen sie oft bis in ihr Erwachsensein. Die Gefühle, die Kinder in der Zeit einer Scheidung und auch danach entwickeln reichen, laut Untersuchungen, von großen Einsamkeitsgefühlen über Trauer bis hin zu Schuldgefühlen, Scham und intensivem Zorn und stellen natürlich eine große Belastung in der Kindheit dar.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Religiosität von Kindern und Jugendliche heute und wie Glaube, Religion und Kirche darauf reagieren können
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Seminar
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V39556
ISBN (eBook)
9783638382915
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde im Rahmen des Seminars Praktische Theologie verfasst und behandelt Fragen wie: - Wie ist es um die Religiosität von Kindern und Jugendlichen bestellt? -Die Arbeit untersucht die Lebensumstände der heutigen Kinder und Jugendlichen und ihre Ansprüche an ihre Zukunft und die Welt der Erwachsenen. -Möglichkeiten der Kirche, auf die Lebensumstände und Wünsche der Kinder und Jugendlichen einzugehen und zu einer Berührung mit Religion und Glauben einzuladen.
Schlagworte
Religiosität, Kindern, Jugendliche, Glaube, Religion, Kirche, Seminar
Arbeit zitieren
Leah Zehkorn (Autor), 2003, Religiosität von Kindern und Jugendliche heute und wie Glaube, Religion und Kirche darauf reagieren können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39556

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