Umwelt und Umweltgüter sind für Volkswirtschaften von großer Bedeutung: als Konsumgut und produktive Ressource einerseits und als Auffangbecken für Abfallstoffe andererseits. Und obwohl die Notwendigkeit des Schutzes dieser natürlichen Lebensgrundlagen mittlerweile ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen und das Wissen über notwendige Maßnahmen Allgemeinwissen geworden ist, wird entsprechendes Verhalten nur langsam und unwillig übernommen. Warum?
Dieser Frage geht die vorliegende Arbeit nach. Zunächst werden die Begriffe des öffentlichen Guts und der externen Effekte erläutert, woraus die Problematik der Widersprüchlichkeit von individueller und kollektiver Rationalität sichtbar wird. Es werden Szenarien aus der Spieltheorie vorgestellt (das Gefangenendilemma sowie die "Tragedy of Commons"), mit deren Hilfe die Vorgänge modelliert werden können, die dazu führen, dass individuell richtiges Verhalten der einzelnen Mitglieder einer Gemeinschaft zu einem gesamtgesellschaftlich nicht erwünschten Ergebnis führt, was auch als Rationalitätenfalle bezeichnet wird. Außerdem werden die Gründe für dieses Phänomen aufgezeigt sowie Wege, die aus dem Dilemma herausführen. Diese theoretischen Überlegungen werden am aktuellen Beispiel des internationalen Klimaschutzes (Kyoto-Protokoll) verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Umwelt als öffentliches Gut
3. Das Zusammenspiel von individueller und kollektiver Rationalität
3.1 Das Gefangenendilemma und die „Tragedy of Commons“
3.2 Wege in die Rationalitätenfalle
3.3 Wege aus der Rationalitätenfalle
4. Internationaler Klimaschutz als Spiel: Das Kyoto-Protokoll
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen individueller und kollektiver Rationalität im Kontext von Umweltproblemen, mit dem Ziel zu klären, warum trotz existierender Problemlösungskonzepte oft unzureichende Maßnahmen zum Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen ergriffen werden.
- Analyse des Zusammenhangs von öffentlichen Gütern und externen Effekten
- Anwendung spieltheoretischer Modelle zur Erklärung des sozialen Dilemmas
- Identifikation der Ursachen für die Entstehung der „Rationalitätenfalle“
- Untersuchung von Lösungsansätzen zur Überwindung des Gefangenendilemmas
- Übertragung der theoretischen Erkenntnisse auf das Kyoto-Protokoll
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Gefangenendilemma und die „Tragedy of Commons“
Sucht man nach einer Erklärung für die Ursachen der festgestellten Gegensätzlichkeit von individueller und kollektiver Rationalität, so wird man in der Spieltheorie fündig. Entstanden ist diese „Mathematik der Interessenkonflikte“ aus der Beobachtung von Gesellschaftsspielen, „allerdings nicht so sehr Würfeln und Roulette als vielmehr Poker und Schach, wo die Entscheidungen der Gegenspieler ins Kalkül zu ziehen sind“: Die Spieltheorie beschäftigt sich mit sozialen Situationen, in denen das Ergebnis für den einzelnen Spielers sowohl von den eigenen Entscheidungen als auch von dem Verhalten anderer abhängt. Genau eine solche Abhängigkeit liegt auch in Situationen vor, in denen externe Effekte auftreten.
Dargestellt wird sie am anschaulichsten durch das Gefangenendilemma, das sich mit „einer der wichtigsten Fragestellungen der Sozialwissenschaft, nämlich dem Zusammenspiel von Individuum und Gemeinschaft“ befasst. Folgende fiktive Situation liegt diesem Modell zu Grunde: Zwei Gangster begehen einen bewaffneten Raubüberfall und werden anschließend gefasst, nachgewiesen werden kann ihnen aber nur unerlaubter Waffenbesitz. Sie werden in getrennte Zellen gesperrt und bekommen von der Gefängnisleitung folgendes Angebot: Leugnen beide den Raub, können sie nur wegen unerlaubtem Waffenbesitz zu jeweils einem Jahr Gefängnis verurteilt werden, gestehen beide, erhalten beide vier Jahre. Gesteht jedoch nur einer, so kommt er als Kronzeuge frei, während der andere mit fünf Jahren bestraft wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, warum trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse über Umweltzerstörung zu wenig für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen getan wird, und legt den theoretischen Rahmen der Untersuchung fest.
2. Umwelt als öffentliches Gut: Das Kapitel kategorisiert Umweltgüter als öffentliche Güter beziehungsweise Common-Pool-Güter und erläutert die ökonomische Problematik externer Effekte, die bei deren Nutzung entstehen.
3. Das Zusammenspiel von individueller und kollektiver Rationalität: Hier wird mittels spieltheoretischer Ansätze das Gefangenendilemma modelliert, die Ursachen für die „Rationalitätenfalle“ analysiert und Möglichkeiten zur Überwindung dieses Dilemmas durch Regeländerungen diskutiert.
4. Internationaler Klimaschutz als Spiel: Das Kyoto-Protokoll: Das abschließende Kapitel überträgt das theoretische Modell des Gefangenendilemmas auf die reale politische Ebene und bewertet das Kyoto-Protokoll als Versuch zur Kooperation in der internationalen Umweltpolitik.
Schlüsselwörter
Gefangenendilemma, Rationalitätenfalle, Spieltheorie, öffentliche Güter, Common Pools, externe Effekte, Kyoto-Protokoll, Klimaschutz, individuelle Rationalität, kollektive Rationalität, Trittbrettfahren, Kooperation, Umweltökonomie, soziale Dilemmata
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum es bei der Nutzung von Umweltressourcen trotz besseren Wissens häufig zu Ergebnissen kommt, die aus gesellschaftlicher Sicht suboptimal sind und das ökologische Gleichgewicht gefährden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Umweltökonomie, Spieltheorie, das Konzept der öffentlichen Güter sowie die Analyse internationaler Umweltabkommen wie dem Kyoto-Protokoll.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen individuellem rationalem Handeln und kollektiv erwünschten Ergebnissen zu erklären und Bedingungen aufzuzeigen, unter denen kooperatives Verhalten zur Lösung dieses Dilemmas möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die spieltheoretische Modellierung (insbesondere das Modell des Gefangenendilemmas), um soziale Interaktionsprozesse und Entscheidungssituationen bei der Nutzung begrenzter Ressourcen abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen externer Effekte, erläutert das Gefangenendilemma sowie die „Tragedy of Commons“ und untersucht, welche institutionellen und regelbasierten Faktoren (wie Kommunikation oder Sanktionen) Kooperation fördern können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das Gefangenendilemma, die Rationalitätenfalle, externe Effekte sowie die Anwendung spieltheoretischer Konzepte auf globale Umweltgüter.
Warum wird das Verhalten im Gefangenendilemma oft als „Rationalitätenfalle“ bezeichnet?
Es wird so bezeichnet, weil das rein rational motivierte Handeln der einzelnen Akteure (im Eigeninteresse) dazu führt, dass das Kollektiv ein schlechteres Ergebnis erhält, als durch kooperatives Handeln möglich wäre.
Inwiefern bietet das Kyoto-Protokoll einen Lösungsansatz?
Das Kyoto-Protokoll wird als Versuch gewertet, durch internationale Verträge, gemeinsame Zielsetzungen und moralische Verpflichtungen Anreize zur Kooperation zu schaffen, um die Gefahr des Trittbrettfahrens bei globalen Umweltgütern zu verringern.
- Quote paper
- Monika Schraft (Author), 2004, Das Gefangenendilemma: Auswege aus der Rationalitätenfalle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39844