Immer wieder geraten Kampfpreisstrategien ins Blickfeld von Kartellbehörden und der Öffentlichkeit. Diese „zu niedrigen Preise“ werfen in vielerlei Hinsicht ökonomische und juristische Fragen auf. Unter welchen Bedingungen profitiert ein (marktbeherrschendes) Unternehmen davon, sich des Instrumentes der Kampfpreissetzung zu bedienen? Was sind mögliche Kriterien und Maßstäbe, die die Wirtschaftswissenschaft den Kartellbehörden zur Verfügung stellt, missbräuchliche Kampfpreissetzung zu identifizieren und diese gegen intensiven Preiswettbewerb abzugrenzen? Sollten die Kartellbehörden grundsätzlich jegliches strategisches Verhalten unterbinden, das Kampfpreissetzung zu sein scheint oder den Wettbewerb gewähren lassen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einstiegsfragen
1.2 Möglichkeiten zur Verhinderung von Markteintritten und Verdrängung von Konkurrenten
1.3 Predatory Pricing versus Limit Pricing
2 Definition Strategisches Verhalten
3 Definition Predatory Pricing und Einordnung in das „Strategiekonzept“
3.1 Wettbewerbliches Preissetzungsverhalten versus Kampfpreisstrategien
3.2 Marktmacht als Voraussetzung für Predatory Pricing
3.3 Kriterien zur Identifikation von Predatory Pricing
3.3.1 Ansatz der Chicago-Schule
3.3.2 Regel von Areeda und Turner
3.3.3 Langfristige Grenz- bzw. Durchschnittskosten nach Posner
3.3.4 Rule-of-reason-Tests (Scherer)
3.3.5 Veränderungen des Post-entry-outputs (Williamson)
3.3.6 Veränderungen des Post-exit-Preises (Baumol und Easterbrook)
4 Die Wirkung von Predatory Pricing
4.1 Drohungen, Verpflichtungen und Glaubwürdigkeit
4.2 Welche Rolle spielt die Reputation?
4.3 Predatory Pricing bei identischen Unternehmen
4.4 Predatory Pricing bei nicht-identischen Unternehmen
4.5 Möglichkeiten für den Marktneuling, Predatory Pricing zu verhindern
5 Rechtliche Normen des Predatory Pricing
5.1 Kartellrecht in den Vereinigten Staaten von Amerika
5.1.1 The Sherman Act
5.1.2 The Clayton Act
5.1.3 Vollstreckung des Kartellrechts
5.2 Wettbewerbspolitik in der Europäischen Union
5.3 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Kampfpreisstrategien (Predatory Pricing) aus industrieökonomischer und juristischer Perspektive, um Kriterien für deren Identifikation sowie deren wettbewerbspolitische Relevanz zu untersuchen.
- Ökonomische Definition und Abgrenzung von Predatory Pricing
- Kriterien zur Identifikation wettbewerbswidriger Preispraktiken
- Strategische Aspekte von Reputation und Markteintrittsbarrieren
- Vergleich der kartellrechtlichen Rahmenbedingungen in den USA und der EU
Auszug aus dem Buch
3.1 Wettbewerbliches Preissetzungsverhalten versus Kampfpreisstrategien
Ein funktionierender Wettbewerb und das daraus resultierende wettbewerbliche Preissetzungsverhalten sind durch die Konkurrenz zwischen Anbietern eines Marktes charakterisiert. Die Verdrängung von ineffizient(er)en Unternehmen durch Konkurrenten mit niedrigeren Preisen auf Grund niedrigerer Kosten ist folglich im Sinne der Konsumenten. Unter funktionierendem Wettbewerb ist es zudem nicht von Nöten, dass sich Wettbewerbsbehörden um die Einhaltung des fairen Wettbewerbes und somit einer fairen Preissetzung kümmern. Die Unternehmen selbst sind es, die den Anreiz haben, unnötige Gewinne zu vermeiden, um nicht von den eigenen Konkurrenten unterboten zu werden und dadurch Marktanteile dauerhaft zu verlieren.
Eine Kampfpreisstrategie verfolgt hingegen das Ziel, in einer strategischen ersten Phase bereits auf dem Markt agierende Konkurrenten zu verdrängen, um dann in einer zweiten Phase durch entsprechende Gewinne die Verluste der ersten Phase auszugleichen oder sogar überzukompensieren. Dabei ist zu beachten, dass die Opportunitätskosten nicht vernachlässigt werden, das heißt die Verluste der ersten Phase müssen durch die abdiskontierten Gewinne der zweiten Phase kompensiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Kampfpreisstrategien ein und umreißt die ökonomischen sowie juristischen Fragestellungen zur Abgrenzung von fairem Preiswettbewerb.
2 Definition Strategisches Verhalten: Das Kapitel definiert strategisches Verhalten als Maßnahmen zur Beeinflussung des Marktumfeldes mit dem Ziel der Gewinnmaximierung durch Reduktion von Wettbewerb.
3 Definition Predatory Pricing und Einordnung in das „Strategiekonzept“: Es werden ökonomische Kriterien und diverse theoretische Ansätze zur Identifikation von Kampfpreisstrategien vorgestellt, unter anderem die Chicago-Schule und die Regel von Areeda und Turner.
4 Die Wirkung von Predatory Pricing: Das Kapitel beleuchtet die strategischen Effekte von Kampfpreisen, insbesondere im Hinblick auf Reputation, asymmetrische Informationen und Möglichkeiten der Gegenwehr für Marktneulinge.
5 Rechtliche Normen des Predatory Pricing: Hier werden die kartellrechtlichen Instrumente in den USA (Sherman Act, Clayton Act) und der EU sowie das deutsche Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) gegenübergestellt.
Schlüsselwörter
Kampfpreise, Predatory Pricing, Limit Pricing, Marktmacht, Strategisches Verhalten, Wettbewerbsbehörden, Kartellrecht, Marktneuling, Verdrängungswettbewerb, Chicago-Schule, Grenzkosten, Preisunterbietung, Wettbewerbspolitik, Preisfixierung, Monopolisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das ökonomische Konzept des Predatory Pricing und prüft, unter welchen Voraussetzungen Kampfpreisstrategien von Unternehmen zur Verdrängung von Wettbewerbern eingesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ökonomische Theorie strategischen Verhaltens, Kriterien zur Identifikation von Preismissbrauch sowie die kartellrechtliche Regulierung in den USA, der EU und Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Maßstäbe für die Kartellbehörden zu identifizieren, um missbräuchliche Kampfpreisstrategien objektiv von intensivem, aber zulässigem Preiswettbewerb zu unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse industrieökonomischer Modelle und einer vergleichenden Untersuchung der kartellrechtlichen Gesetzgebung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Kriterien zur Identifikation (z. B. Areeda-Turner-Regel), die Wirkung auf Märkte sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und Vollzugsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Predatory Pricing, Marktmacht, Kartellrecht, Strategisches Verhalten und Verdrängungswettbewerb.
Warum ist die Chicago-Schule kritisch gegenüber Predatory Pricing?
Sie betrachtet Preiskriege oft als irrational, da die Verluste der ersten Phase durch spätere Preiserhöhungen kaum zu kompensieren seien, ohne erneut Markteintritte zu induzieren.
Welche Rolle spielt die Reputation in der Argumentation des Autors?
Reputation dient als strategisches Instrument, um durch die Illusion eines kostenoptimierten Unternehmens potenzielle Konkurrenten dauerhaft vom Markteintritt abzuschrecken.
Wie unterscheidet sich die Regel von Areeda und Turner von anderen Kriterien?
Sie setzt einen strikten Maßstab: Erst wenn die Preise unter die kurzfristigen Grenzkosten fallen, liegt nach diesem Ansatz ein potenziell missbräuchliches Predatory Pricing vor.
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- Jörg Schütze (Autor), 2004, Kampfpreise. Definition, Wirkung und rechtliche Normen des Predatory Pricings, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39978