Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13)

Exegetische Analyse


Hausarbeit, 2004

26 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sprachliche Analyse (Textlinguistik)
2.1 Anfang und Ende
2.2 Inneres Gefüge – Textkohärenz und Oppositionen
2.2.1 Ort/ Zeit und Personen
2.2.2 Pro-Formen
2.2.3 Konjunktionen
2.2.4 Rahmungen
2.2.5 Spannungsbögen
2.2.6 Semantische Felder (Themen)
2.2.7 Gegensatzpaare
2.2.8 Tempuswechsel
2.2.9 Verwendete Sprechformen
2.2.10 Textgliederung
2.2.11 Zielaussage
2.2.12 Themenwechsel

3. Quellenanalyse und Synoptischer Vergleich
3.1 Synoptischer Vergleich Mt 8,5-13 und Lk 7,1-10
3.2 Vergleich Mt 8,5-13 und Joh 4,46-53

4. Gattungsanalyse

5. Traditions- und Motivanalyse

6. Kompositionsanalyse/ Redaktionsanalyse

7. Theologische Würdigung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich die Bibelstelle Matthäus 8,5-13 „Der Hauptmann von Kapernaum“ auf Basis der neutestamentlichen Exegeseschritte untersuchen und analysieren. Die Reihenfolge der Exegeseschritte ist so gewählt, dass die Erkenntnisse der vorhergehenden, für ein Erarbeiten der nachfolgenden Untersuchung als Grundlage dient.

Das Evangelium nach Matthäus wurde etwa 75-90 n. Chr. verfasst und wendet sich vor allem an jüdische Gemeinden. Das Evangelium verarbeitet Themen wie das Verhältnis des Christusglaubens zum Alten Testament und zum alten Gottesglauben[1]. Jüdische Tradition spielt im Matthäus-Evangelium eine große Rolle und daher werde ich mich zunächst mit den Elementen des Textes beschäftigen, die typisch für diese Tradition und typisch für Matthäus sind. Die Wundergeschichte, die in Matthäus 8,5-13 erzählt wird, wirft die Frage auf, welche Rolle das Wunder in der Geschichte spielt und wie Wundergeschichten mit heutigem Wissen verstanden werden können. Wundergeschichten werden von der Kirche heute oft dazu verwendet, den Menschen Mut zum Glauben zu geben, indem sie uns anregen über eigene Erfahrungen in Bezug auf „Wunder“ nachzudenken. Im Folgenden verwende ich für die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes die gebräuchlichen Abkürzungen Mt, Mk, Lk und Joh.

2. Sprachliche Analyse (Textlinguistik)

2.1 Abgrenzung von Anfang und Ende

Eine Textabgrenzung zur vorherigen Bibelstelle ist in der Handlung “Der Hauptmann von Kapernaum”, Mt 8, 5-13, deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zu dem vorhergehenden Textabschnitt (Mt 8,1-4), in welchem beschrieben wird, wie Jesus auf dem Weg von einem Berg hinunter einen Aussätzigen heilt, wird ab Vers 5 mit den einleitenden Worten “Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging...” eine präzise Örtlichkeit festgelegt. Der Text grenzt sich des weiteren durch einen Wechsel der Personen ab. In dem Textabschnitt Mt 8,1-4 spielt sich die Handlung zwischen Jesus und dem Aussätzigen ab, der nach seiner Heilung den Befehl von Jesu erhält “...geh hin und zeige dich dem Priester...” (Vers 4) und somit aus der Handlung verschwindet. Im der nachfolgenden Vers erreicht Jesus eine neue Stadt und trifft auf den heidnischen Hauptmann, eine neue Person, und wird sogleich von diesem mit einer neuen Heilsbitte konfrontiert.

Eine Abgrenzung zum nachfolgenden Text ist sowohl durch einen Orts-, als auch durch einen Personenwechsel festzustellen. In Mt 8,14 kommt Jesus in das Haus des Petrus und trifft auf eine neue Person, die Schwiegermutter des Petrus, welche das Fieber hat. Vers 13 ist ein typischer Schlusssatz: „Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“. Jesus kommt der Bitte des Hauptmannes, seinen Knecht zu heilen, nach und schickt den Hauptmann fort. Zudem wird noch einmal das Thema des Abschnittes abschließend mit der Textstelle “...dir geschehe, wie du geglaubt hast” verdeutlicht. Dies und die Erwähnung der tatsächlichen Genesung “Und sein Knecht wurde gesund zu der selben Stunde” markieren deutlich einen Abschluss der Handlung. Der Abschnitt Mt 8,5-13 beinhaltet ausserdem ein neues Begriffsfeld, welches die Textabgrenzung nach vorne und hinten zusätzlich verstärkt. Es beinhaltet Begriffe, die Macht bzw. Unterordnung verdeutlichen, wie z.B. Hauptmann, Soldaten, Obrigkeit, Knecht, untertan sein, jemanden unter sich haben und wert sein, sowie Sätze im Imperativ: “Geh hin!” und “Tu das!”.

2.2 Inneres Gefüge - Textkohärenz und Oppositionen

2.2.1 Ort/ Zeit und Personen

Die Kohärenz eines Textes trägt das Merkmal der Einheit von Ort, Zeit und Personen. Zu Beginn der Handlung kommt Jesus nach Kapernaum und trifft dort auf den Hauptmann. Im Folgenden wird keine örtliche Veränderung erwähnt, was darauf schliessen lässt, dass sich die Situation innerhalb kurzer Zeit und am selben Ort abspielen muss. Die Stimmigkeit des Dialogs, (Fragen und Antworten beziehen sich direkt aufeinander), deutet auf eine kurze Zeitspanne hin, und ist ebenfalls ein Merkmal der Textkohärenz. Als sich Jesus in Vers 10-12 mit den Worten: „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden...“ an das Volk wendet, entsteht ein Bruch im Dialog zwischen Jesus und dem Hauptmann. Dies ändert jedoch nichts an der Einschätzung von Ort und Zeit, da Vers 13 einen rahmenden Schluss bildet. Hier wird das Gespräch wieder aufgenommen. Durch die Wiederholung von “Geh hin” (Verse 9 und 13) wird die Wiederaufnahme des ersten Handlungsstranges verdeutlicht und der Exkurs der Verse 10 bis 12 beendet.

Die Hauptakteure der Textstelle sind Jesus und der Hauptmann (Verse 5-9 und 13). In den Versen 10-12 spricht Jesus ausschließlich zu der ihm nachgefolgten Menschenmenge und unterbricht das direkte Gespräch zwischen sich und dem Hauptmann. Es werden zwar andere Adressaten angesprochen und die primäre Handlung unterbrochen, doch das rahmende Gespräch, welches in Vers 13 fortgesetzt und beendet wird, hält den Text zusammen.

2.2.2 Pro-Formen

Pro-Formen stellen eine stärkere Kohärenz her. Der in Vers 6 erwähnte Knecht wird in Vers 7 durch das Pronomen „ihn“ ersetzt. In Vers 10 wird beschrieben, dass Jesus nun zu denen spricht, die ihm nachgefolgt sind, worauf in Vers 11 der Wortlaut folgender ist: „Aber ich sage euch...“. Es wird ein direkter Bezug zu den vorher Angesprochenen hergestellt. In Vers 10 heisst es: „Solchen Glauben...“. Würde der Leser die vorherige Handlung nicht kennen, wüsste er nicht, von welchem Glauben die Rede ist. Hier tritt wieder eine eindeutige Kohärenz auf. Folglich werden die Verse 10 bis 12 sinnvoll in den Handlungsstrang eingegliedert und bilden trotz des Handlungsbruches eine kohärente Satzfolge.

2.2.3 Konjunktionen

Kohärenz und Satzverknüpfung entstehen durch die Verwendung von „und“, „aber“, „als“ und „denn“. Als Gliederungssignal für ein Subjektwechsel wird in Matthäus oft „aber“ verwendet. Beispiele sind die Verse 11 und 12: „Aber ich sage euch...“, „...aber die Kinder des Reiches...“. Die logische Verknüpfung durch die Konjunktion „denn“ ist typisch für argumentative Textstellen, wie in Vers 9, in der der Hauptmann seinen Glauben an Jesu Worte begründet.

2.2.4 Rahmungen

Den Rahmen der Handlung bildet der Dialog zwischen Jesus und dem Hauptmann. Jesus unterbricht zwar den Dialog, indem er sich denen ihm Nachgefolgten zuwendet, nimmt das Gespräch jedoch im letzten Vers wieder auf.

2.2.5 Spannungsbögen

Insgesamt sind drei Spannungsbögen festzustellen.

Der erste tritt bei dem Treffen zwischen Jesus und dem Hauptmann zu Beginn der Textstelle Mt 8,5-13 in Vers 5 bis 6 auf, in welcher der Hauptmann Jesus indirekt um Hilfe bittet: „mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt...“. Dadurch, dass der Hauptmann sowohl eine Militärperson ist, als auch ein Heide, und dennoch auf Jesus zugeht und ihn um Hilfe bittet, entsteht eine Spannung. Dieser Spannungsbogen endet mit der Erfüllung der Bitte und der Heilung des Knechtes in Vers 13, wobei Jesus schon in Vers 7 seine Zusage zur Heilung gegeben hat. Durch diesen Spannungsbogen erhält die Handlung „Der Hauptmann von Kapernaum“ einen Rahmen und zeigt, dass der Text sinnvoll strukturiert ist.

Der zweite Spannungsbogen entsteht dadurch, dass der Hauptmann in Vers 8 Jesus Entgegenkommen nicht direkt annimmt, sondern die Bedingung bzw. zweite Bitte stellt, den Knecht aus der Ferne zu heilen. Einerseits unterwirft sich der Hauptmann in dem er sagt „ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach gehst“, andererseits stellt er sich mit Jesus gleich, da er ihm vorgeben will, wie er seine Heilung zu vollziehen hat, nämlich aus der Ferne. Damit erteilt er sich die selbe Befehlsgewalt wie Jesus. Der Spannungsbogen ist zwar in den ersten eingebaut, weißt jedoch eine größere Spannung auf als der erste, da die Reaktion von Jesus nicht absehbar ist. Er könnte die Bitte durch die Vorschrift des Hauptmannes ablehnen, oder auch dieser Bitte zusätzlich nachkommen. Dieser Spannungsbogen endet ebenfalls in Vers 13 mit der Heilung des Knechtes.

In den Versen 10-12 ist der dritte Spannungsbogen zu beschreiben. Jesus schließt von dem Glauben des Hauptmannes auf den Glauben der Israeliten. Seine anfängliche Verwunderung steigert sich über Vers 11, mit einer Voraussage über das Himmelreich bis in Vers 12 in Drohungen und schreckliche Zukunftsvoraussagen für diejenigen, deren Glaube nicht für die Aufnahme in das Gottesreich ausreichen.

2.2.6 Semantische Felder (Themen)

Semantische Felder halten einen Text inhaltlich zusammen und grenzen den Text nach vorne und hinten ab. Im „Hauptmann von Kapernaum“ werden Gesundheit bzw. Krankheit (Vers 6: gelähmt sein, große Qualen leiden; Vers 7: gesund machen; Vers 8/13: gesund werden), Machtverhältnisse (Vers 5/8/13: Hauptmann; Vers 6: Knecht; Vers 9: Obrigkeit, untertan sein, Soldaten) und Bewegung (Vers 5: hineingehen, zutreten; Vers 7/9/11: kommen; Vers 8/9: gehen; Vers 12: hinausstoßen; Vers 13: hingehen) als Zusammenhalt der inhaltlichen Struktur verwendet.

2.2.7 Gegensatzpaare

Den Fortgang der Handlung und die Verbindung innerhalb des Textes zeigen die Gegensatzpaare. In der Textstelle steht die Krankheit der Gesundheit bzw. der Heilung gegenüber und kann nur durch Glauben und Mut überwunden werden. Machtverhältnisse zeigen Begriffe wie Hauptmann und Knecht, Herr und Knecht sowie Obrigkeit und Soldat auf, die ebenfalls im Verhalten des Hauptmannes gegenüber Jesus deutlich werden. Dazu steht der heidnische Hauptmann den Kindern des Reiches, dem Volk Israel, gegenüber und dient dazu, die unterschiedlichen Glaubenstiefen zu verdeutlichen.

2.2.8 Tempuswechsel

In den Versen 11 und 12 wechselt der Tempus ins Futur und hat eine textgliedernde Funktion, da die Handlung zwischen Jesus und dem Hauptmann in der Vergangenheit gehalten wird.

Der drohende Tonfall von Jesus in den Versen 11 und 12 hat ebenfalls eine textgliedernde Funktion, da diese Verse von den übrigen abgetrennt werden und den Text in zwei Handlungsstränge gliedert.

2.2.9 Verwendete Sprechformen

Die Textstelle besteht ausschließlich aus direkter Rede, mit Ausnahme der erzählenden Einleitungsformel in Vers 5. Der Aufbau erscheint strukturiert, da jeder Person der Handlung ein kurzer Satz und ein Redeblock zukommt. Die wörtliche Rede zwischen Jesus und dem Hauptmann wechselt in den Versen 6 und 7 gleichmäßig. Eine längere Rede des Hauptmanns folgt in den Versen 8 und 9. Er stellt eine neue Forderung an Jesus und versucht sie mittels einer ausführlichen Beschreibung zu begründen, indem er seine Befehlsmacht mit der von Jesus vergleicht. Dieser Rede des Hauptmanns schließt sich Jesu erstaunt (Vers 10) mit einer Rede an, die sich über die Verse 11 und 12 zieht und mit Vers 13 die Redelänge des Hauptmannes um einen Vers übertrifft.

2.2.10 Textgliederung

Anhand der textgliedernden Feststellung kann die Textstelle „Der Hauptmann von Kapernaum“ in sechs Teile gegliedert werden:

[...]


[1] Westermann, Claus: Abriss der Bibelkunde, S.146

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13)
Untertitel
Exegetische Analyse
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Grundwissen Neues Testament
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V40218
ISBN (eBook)
9783638387873
ISBN (Buch)
9783640781041
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Hauptmann, Kapernaum, Grundwissen, Neues, Testament
Arbeit zitieren
Myrna Fuchs (Autor), 2004, Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40218

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