Das Präpositionalattribut - Eine syntaktische Bestimmung der PPA Konstruktion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terminologie
2.1 Das Attribut
2.1.1 Zum Wesen des Attributs
2.1.2 Zur Form des Attributs
2.1.3 Zur Stellung des Attributes
2.2 Die Präposition und Präpositionalphrase
2.2.1 Zum Wesen der Präposition
2.2.2 Zur Rektion der Präposition
2.2.3 Zur Semantik der Präposition
2.2.4 Zur syntaktischen Funktion

3 Die Abgrenzung der PPA- von der AAB-Konstruktion
3.1 Zum Problem der Abgrenzung von Satzglied und PPA-Konstruktion
3.2 Ausgewählte Testverfahren zur Bestimmung der PPA-Konstruktion
3.2.1 Der Pronominaladverbtest
3.2.2 Der Erfragbarkeitstest

4 Schlussfolgerung

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Schierholz 2001, S. 124ff.)

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit geht es um das Präpositionalattribut in der aktuellen deutschen Standardsprache.

Was ein Präpositionalattribut ist, welche Präpositionalphrasen als Präpositionalattribut angesehen werden können und welche nicht, erscheint beim ersten Zugang auf das Thema relativ unproblematisch zu sein. Welche einzelnen Präpositionen in Präpositionalattributen auftreten können und mit welchen Hilfsmitteln man Präpositionalattribute zuverlässig identifizieren kann, um sie von Präpositionalobjekten bzw. attributiv adverbialen Bestimmungen zu unterscheiden, ist jedoch oftmals weniger klar.

Ohne sich syntaktisch-theoretisch festzulegen, kann man jedoch das Präpositionalattribut als einen potentiellen Bestandteil erweiterter Substantivgruppen betrachten. In der deutschen Standardsprache erlangen diese den Nominalstil prägenden syntaktischen Konstruktionen wegen ihres ständigen Anwachsens eine zunehmende Bedeutung. Insbesondere in der wissenschaftlichen, technischen und populärwissenschaftlichen Prosa sowie in der Publizistik und in Verwaltungstexten ersetzen mehrgliedrige Substantivgruppen immer häufiger Nebensätze, Infinitivsätze und Partizpialkonstruktionen (Droop 1977, S. 267ff; Lauterbach 1993; S. 1 und 5), um sachliches Gedankengut zu konzentrieren. Dem Präpositionalattribut muss dabei eine besondere Rolle beigemessen werden.

In vielen Fällen, wie es die einzelnen Zusammenfassungen zur Fachliteratur bei SCHIERHOLZ (2001) zeigen, werden Präpositionalattribute den Präpositionalobjekten oder den Präpositionalphrasen untergeordnet (Schierholz 2001, S. 11ff.). Präpositionalphrasen können jedoch in unterschiedlichen syntaktischen Funktionen auftreten, und zwar nicht nur als Präpositionalattribut, sondern u. a. auch als Präpositionalobjekt, als lokales, direktionales, temporales oder modales Adverbial oder als attributive adverbiale Bestimmung (Duden 1984, S. 358, Eisenberg 1994, S. 261).

Wie bereits angedeutet ist die Erkennung von Präpositionalattributen mit Problemen behaftet. Das Ziel der Arbeit besteht darin, Präpositionalattribute mit Hilfe „traditioneller“ syntaktischer Verfahren der Satzgliedanalyse in eindeutiger Weise identifizieren zu können. Zum einen kann man dadurch die Zuverlässigkeit bereits vorliegender Verfahren prüfen, zum anderen kann man bei konsequenter Abarbeitung möglichst vieler Präpositionen, die in Präpositionalattributen vorkommen, eine Liste der Substantive erstellen, die den Präpositionen vorangestellt sind, was allerdings aufgrund des Umfanges in diesem Beleg nicht geschehen wird. Es soll also im Einzelnen darum gehen, die besonderen Verhältnisse in der Präpositionalattributkonstruktion in Abgrenzung zu konkurrierenden syntaktischen Konstruktionen zu erfassen.

Selbstverständlich können in einer solchen Seminararbeit nicht alle Aspekte beleuchtet werden. Vollständigerweise müsste neben der syntaktischen Analyse eine semantische Detailanalyse angefertigt werden, so dass die Konstruktionsbedingungen für erweiterte Substantivgruppen mit Präpositionalattribut erkannt werden könnten. Wie bereits erwähnt, sollen in dieser Arbeit nur ausgewählte syntaktische Testverfahren dargestellt werden, anhand derer eine nachvollziehbare Identifizierung der Präpositionalattributkonstruktion möglich ist. Demnach erhebt diese Arbeit aufgrund des Umfangs des gewählten Themas keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Arbeit ist wie folgt gegliedert:

Bevor ausgewählte syntaktische Testverfahren zur Bestimmung der Präpositionalattribut-konstruktion dargestellt und mit Beispielen belegt werden, sollen zunächst terminologisch der Begriff „Attribut“ sowie die Grammatik der Präpositionalphrase unabhängig von der Funktion als Attribut, ihre interne Struktur und die wichtigsten Eigenschaften der Präpositionen thematisiert werden, so dass sich die Besonderheiten der Binnenstruktur von Präpositionalattributkonstruktionen besser erfassen lassen.

Auf das Präpositionalattribut wird ebenfalls eingegangen.

2 Terminologie

2.1 Das Attribut

2.1.1 Zum Wesen des Attributs

Attribute (von lat. attribuere = „beiordnen“, „zuteilen“) sind keine selbständigen Satzglieder, sondern stets von anderen Satzgliedern abhängig. Aus diesem Grund werden sie auch Satzgliedteile genannt. „Attribute sind in diesem Verständnis Elemente, die sich nicht unmittelbar auf den Satz, sondern auf seine Gliedkerne beziehen.“ (Duden 1984, S. 592). In diesem Sinne sind es freie Zusätze, die zu jeder syntaktischen Kategorie im Satz, mit Ausnahme des Verbs,

hinzugefügt werden können, um sie näher zu bestimmen.

„Das Attribut[...] als Gliedteil unterscheidet sich von den Satzgliedern dadurch,

- daß es sich auf einen nichtverbalen Gliedkern (Substantiv, Adjektiv, Adverb, Pronomen) bezieht, [...],
- daß es in der Regel nur gemeinsam mit seinem Gliedkern (Beziehungswort) im Satz umgestellt werden kann,
- daß es sich durch Transformation (Umformung) auf einen prädikativen syntaktischen Ausdruck zurückführen lässt.“ (Jung 1990 , S. 106).

„Die semantische (inhaltliche Leistung) des Attributs liegt in der Kennzeichnung von Personen und Sachen, von Eigenschaften und Umständen. Oft ist die Kennzeichnung nicht nötig, aber sie vervollständigt doch das Ausgesagte. Manchmal aber gibt sie der Aussage sogar erst den Sinn.“ (ebenda, S. 115).

In den einzelnen Grammatiken werden Attribute recht unterschiedlich definiert. Dabei findet man zwei verschiedene Richtungen von Definitionen des Attributs. Die eine Richtung betrachtet das Attribut unter dem syntaktischen Aspekt, sie bestimmt das Attribut über seine Rolle als Erweiterung bzw. Beifügung, während bei der zweiten das Attribut über seine Rückführung auf eine Prädikation bestimmt wird, also über die Zurückführung auf seine Grundstruktur. JUNG (1990), wie bereits oben angeführt, vereint beide Sehweisen in seiner Definition.

Die erste Definition, welche in ihrem Grundgedanken auch am meisten in den einzelnen Grammatiken vertreten ist (Duden 1984, S. 591; Eisenberg 1994, S. 226; Flämig 1991, S. 124; Hentschel/Weydt 1990, S. 350; Sommerfeldt/Starke 1998, S. 225), versteht unter dem Attribut eine „nicht selbständige nähere Bestimmung von nominalen Satzgliedern (daher auch ‚Gliedteil’ genannt).“ (Bußmann 2002, S. 103).

Die zweite Definition wird vor allem von HELBIG/BUSCHA (2000) vertreten: „...das Attribut ist grundsätzlich eine potentielle Prädikation, meist in nominalisierter Form, d.h., es lässt sich auf eine prädikative Grundstruktur „Ohne zurückführen.“ (Helbig/Buscha 2000, S. 246), wobei es sich jedoch nicht um eine Prädikation zum Verb handeln darf.

Folge dieser unterschiedlichen Definitionen ist, dass ein enger und ein weiter Attributbegriff existieren.

Der weite Attributbegriff zählt neben den unten aufgeführten Wortklassen, die als Attribute auftreten, auch Artikel und Pronomina, zu den Attributen.

Bei EISENBERG (1994) wird das Attribut über sein Beziehungswort (meist ein Substantiv oder Pronomen) definiert (Eisenberg 1994, S. 67 und 226). „Damit wären Hinzufügungen zu Adverbien, wie sie z. B. in verdächtig oft oder ungewöhnlich gern vorliegen, keine Attribute. Da sie aber andererseits auch keine selbständigen Satzglieder sind [...], entstünde durch ihren Ausschluß eine Gruppe von unselbständigen Satzteilen, die von der syntaktischen Terminologie nicht erfasst ist. Wir [HENTSCHEL/WEYDT (1990), S. G.] schlagen daher vor, alle nicht-selbständigen Zusätze zu beliebigen Satzteilen (mit Ausnahme des Verbs) als Attribute einzuordnen, wie dies beispielsweise auch der DUDEN (1984) tut.

Attribute können somit bei Substantiven, Adjektiven, [Pronomen, S. G.] und Adverbien (als nähere Bestimmung zu Subjekten, Objekten, Prädikativa, Adverbialbestimmungen oder anderen Attributen) vorkommen. Das häufigste und typische Beziehungswort des Attributs ist das Substantiv. Die Möglichkeiten des Adjektivs, Attribute an sich zu binden, sind schon etwas eingeschränkter, und das Adverb kann außer durch Relativsätze nur durch Partikeln und durch andere Adverbien (einschließlich Adjektivadverbien) attributiert werden.“ (Hentschel/Weydt 1990, S. 351).

Attribute können nach verschiedenen Kriterien (Form, Stellung) subklassifiziert werden, welche im Folgenden aufgezeigt werden sollen.

2.1.2 Zur Form des Attributs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Duden 1984, S. 592ff.; Jung 1990, S. 108f.)

Nicht alle Grammatiken, aber z.B. DUDEN (1984), HENTSCHEL/WEYDT (1990), JUNG (1990) und SOMMERFELDT/STARKE (1998), rechnen auch die Pronomina zu den Attributen: „Im allgemeinen werden die Pronomina als Attribute aufgefaßt, obgleich die Argumente, die [...] dagegen aufgeführt werden, den Artikel als Attribut zu betrachten, - wenn auch weniger gewichtig - auch auf die Pronomina zutreffen. [...] Die Frage, ob es sich beim Artikel ebenfalls um ein Attribut handelt, wird von den verschiedenen Grammatiken nicht einheitlich behandelt.“ (Hentschel; Weydt 1990, S. 353). Während der DUDEN (1984, S. 592) den Artikel als Attribut betrachtet, schließt HELBIG/BUSCHA (1981, S. 519) diese Wortart als Attribut aus. Die Entscheidung darüber, ob man den Artikel zum Attribut zählen kann oder nicht, hängt natürlich mit der Definition des Attributs ab (siehe oben). DUDEN (1984) nimmt zur Definition des Attributs ein semantisches Kriterium an: es diene dazu, „das im Gliedkern Genannte zu charakterisieren, auszudeuten und genauer zu bestimmen.“ (Duden 1984, S. 591). Auch wenn der Artikel seinem Beziehungswort nicht weitere Merkmale hinzufügt, bestimmt der Artikel in einem weiteren Sinne bestimmt sein Beziehungswort genauer, indem er es in seiner Kasus-, Numerus- und Genusmarkierung unterstützt und den Begriff auf eine Sache hinwendet (Aktualisierung) (Hentschel/Weydt 1990, S. 203).

2.1.3 Zur Stellung des Attributes

Es gibt zwei prinzipielle Stellungsmöglichkeiten, die Vorder- und die Nachstellung. Entscheidend für die Stellung ist die Wortklasse des Attributs.

„Vorangestellte (präpositive) Attribute (Adjektiv, Partizip, Pronomen, [Artikel, S. G.]) stimmen in Genus, Numerus und Kasus mit ihrem substantivischen Kern überein und stehen innerhalb des von Artikel und Substantiv gebildeten nominalen Rahmens.“ (Sommerfeldt/Starke 1998, S. 226). Sie werden auch kongruierende Attribute genannt (Hentschel/ Weydt 1990, S. 351f.).

Nachgestellte (postnominale) Attribute (Adjektiv, Adverb, Substantiv, Pronomen mit Präposition, Infinitiv- oder Partizipialgruppe, Attributsatz) stehen außerhalb des nominalen Rahmens und unterscheiden sich in der Form von ihrem Beziehungswort. Sie kongruieren also nicht (mit Ausnahme der Apposition) und werden demnach nicht-kongruierende Attribute genannt ebenda, S. 354ff.; Sommerfeldt/Starke 1998, S. 226f.).

In NP, die mehr als ein attributives Wort enthalten, kann man zwischen einer koordinativen und einer subordinativen Mehrgliedrigkeit unterscheiden (Helbig/Buscha 2000, S. 254f.). Es können zwischen den einzelnen Elementen folgende syntaktische Beziehungen bestehen:

- das sehr kleine Baumhaus Das Attribut ist hier selbst erweitert.
- das kleine, gemütliche Baumhaus

Beide Attribute sind koordiniert, da die Möglichkeit besteht, beide Attribute durch eine koordinierende Konjunktion zu verbinden (Konjunktionstransformation) und die Attribute gegeneinander auszutauschen (Wortstellungstransformation).

- das neue kleine Baumhaus

Beide Adjektive sind Attribute ersten Grades. Sie beziehen sich aber nicht wie die koordinierten Attribute auf das Beziehungswort allein, sondern das Adjektiv neu gibt eine nähere Erläuterung zur Verbindung kleines Baumhaus (Sommerfeldt/Starke 1998, S.191f.). In diesem Falle spricht man von einer Subordination (Helbig/Buscha 2000, S. 254f.). Die Attribute sind nicht beliebig gegeneinander austauschbar und demzufolge nicht beliebig anzuordnen. Daraus folgend gibt es bestimmte Abfolgeregularitäten für die subordinativen Attribute. Für die Stellung in der NP gelten folgende Prinzipien:

1. Jede Attributart bzw. –form hat in der Wortgruppe eine bestimmte Position. In dieser Normalstellung drückt sich in gewissem Grade die semantisch-syntaktische Bindung der Attribute an den Kern aus. Eng zum Kern gehörende Attribute stehen dicht bei ihm.

Es ergibt sich folgende prototypische Reihenfolge (Beispiele aus Sommerfeldt/Starke 1998, S.192):

Vorfeld: Artikel – Adverb – Pronomen – Genitiv – Adjektiv/Partizip – enge Apposition – Kern-

substantiv

- mein neuer Direktor
- unsere hundert wichtigen Patente

Nachfeld: Kernsubstantiv – Numerale – enge Apposition – Substantiv im Genitiv – Substantiv

mit Präposition – Adverb – isolierte Attribute (z.T. im Zusatzfeld): Infinitif- / Partizi-

pialgruppen, nachgestellte Adjektive/Partizipien, lockere Appositionen, Gliedteilsatz

- die Überreichung der Urkunden an die Promovenden, eine sehr feierliche Handlung
- der Anzug im Schaufenster dort, der mir sehr gefällt

(ebenda; Eisenberg 1994, S. 425ff.).

2. Je enger das Attribut semantisch an den Kern gebunden ist, desto dichter steht es bei ihm. Dieses Prinzip wird in jenen NP deutlich, zu deren Bestand mehrere Attribute derselben Wortart/-form gehören. (Sommerfeldt/Starke 1998, S.192). Auf eine nähere Erläuterung soll aufgrund des Themas verzichtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Präpositionalattribut - Eine syntaktische Bestimmung der PPA Konstruktion
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Syntax
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V40351
ISBN (eBook)
9783638388832
ISBN (Buch)
9783640203451
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Präpositionalattribut, Eine, Bestimmung, Konstruktion, Syntax
Arbeit zitieren
Susan Grüßner (Autor), 2004, Das Präpositionalattribut - Eine syntaktische Bestimmung der PPA Konstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40351

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