Förderung von Selbsthilfeorganisationen durch die Entwicklungszusammenarbeit


Seminararbeit, 2001
18 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ziele der Entwicklungszusammenarbeit
2.1. Wesentliche Ansatzpunkte des Partizipationskonzeptes

3. Methodik und Durchführung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
3.1. Staatliche Institutionen
3.1.1. KfW und GTZ
3.2. Non-Governmental Organisations (NGO`s)

4. Das Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“
4.1. Entstehung, Funktion und Geltungsbereich
4.2. Die entwicklungspolitische Zielsetzung des Konzeptes

5. Förderung von Selbsthilfeorganisationen
5.1. Grundprinzipien der Förderung
5.2. Methodischer Ansatz
5.3. Kriterien zur Erfolgsevaluierung

6. Mögliche Problempunkte der Selbsthilfeförderung
6.1. Entwicklungshindernisse der Selbsthilfeförderung
6.2. Mißmanagement früherer „Hilfe zur Selbsthilfe“ -Programme

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dem von Anna-Katharina Wicke erarbeiteten Referat zum Thema „Die Förderung von Selbsthilfeorganisationen durch die Entwicklungszusammenarbeit“ werden die Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung von Selbsthilfeprojekten in Entwicklungsländern genauer beleuchtet.

Während die Referentin zu Beginn des Referates die wesentlichen Ansatzpunkte der Entwicklungszusammenarbeit erläutert, zieht sie über die institutionelle Infrastruktur der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland den Bogen hin zum Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und dessen Umsetzung. Gegen Ende des Referates stellt die Referentin mögliche Entwicklungshindernisse der Selbsthilfeförderung und Fehler früherer „Hilfe zur Selbsthilfe“ -Programme dar.

Angaben zur verwendeten Literatur findet der Leser im anhängenden Literaturverzeichnis.

2. Ziele der Entwicklungszusammenarbeit

Leitziel jeglicher entwicklungspolitischer Maßnahmen ist die Verbesserung der Lebensbedingungen weltweit und insbesondere der in tiefster Armut lebenden Menschen. Diese Verbesserung der Lebensbedingungen bedarf produktiven Wirtschaftswachstums, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Nur bei konstanter Entwicklung aller drei Bereiche kann es zu einer global nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) kommen, die Entfaltungsmöglichkeiten in der Gegenwart ermöglicht ohne die Lebensbedingungen späterer Generationen negativ zu beeinflussen. Zur Umsetzung dieser drei Ziele hilft die Entwicklungszusammenarbeit, die Armut in den Partnerländern zu bekämpfen, wirtschaftliches Wachstum durch privatwirtschaftliche Entwicklung zu fördern und natürliche Ressourcen zu schützen.[1]

Um jedoch weltweit eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, bedarf es auch in den Industrieländern notwendiger Strukturanpassungsprogramme und Reformen. Jegliche Anstrengungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit Partnerländern müssen durch kohärente Politikstrategien in Deutschland und allen anderen Geberstaaten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit untermauert werden. Nur so ist sowohl die notwendige Glaubwürdigkeit der Geberstaaten als auch die finanzielle Grundlage für zukünftige Projekte gewährleistet.

2.1. Wesentliche Ansatzpunkte des Partizipationskonzeptes

Das Partizipationskonzept beinhaltet die Forderung, daß jegliche Entwicklungsprojekte von der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zum großen Teil selbst getragen werden. Als wesentliche Ansatzpunkte des Partizipationskonzeptes gelten Armutsbekämpfung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Bildung und Ausbildung.

Die Armutsbekämpfung setzt zum einen auf der Ebene der Armen selbst an. Durch armenorientierte Projekte soll der Selbsthilfewillen der einheimischen Bevölkerung gestärkt, sowie durch finanzielle Leistungen und Know-how unterstützt werden.[2]

Zum anderen setzt die strukturelle Armutsbekämpfung auf politischer und wirtschaftlicher Ebene an. Politische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen im Land beeinflussen die Armut ganz entscheidend und sind somit von großer Bedeutung in der Debatte um Armutsbekämpfung. Beispielsweise ist es für den landlosen, armen Menschen nur bedingt hilfreich, wenn man ihm ein Stück Brot gibt. Ermöglicht man ihm jedoch den Erwerb eines Landstückes, lindert dies seine Not langfristig.

Der Ansatzpunkt des Umwelt- und Ressourcenschutzes zielt auf das Erhalten der natürlichen Lebensgrundlagen, ökologisch verträgliche wirtschaftliche Entwicklung und die Förderung nationaler Umweltpolitiken sowie Schutzprogramme für besonders gefährdete Ökosysteme ab. Alle Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit müssen neben anderen entwicklungspolitischen Kriterien (z.B. Armutsbekämpfung, Nachhaltigkeit) auch unter Aspekten des Umweltschutzes vollkommen vertretbar sein.[3]

Maßnahmen im Bereich der Bildung und Ausbildung dienen zur Entwicklung des Humankapitals in den Ländern. Grundbildung ist Voraussetzung für jegliche Entfaltung intellektueller und kreativer Fähigkeiten sowie einem gesunden Selbstbewußtsein der Bevölkerung.

Auch in den Bereichen der Privatwirtschaft, dem Technologietransfer, der Ernährungsberatung, der Agrarwirtschaft, der Gesundheits- und Bevölkerungspolitik, der Gender-Problematik und den Maßnahmen der Krisenprävention stehen den Ländern Entwicklungsexperten zur Seite.[4]

3. Methodik und Durchführung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Man unterscheidet zum einen zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Entwicklungszusammenarbeit. Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit unterteilt man wiederum in den direkten zwischenstaatlichen Verkehr, auch bilaterale Hilfe genannt, und den multilateralen Verkehr über internationale Organisationen wie die United Nations Organisations (UNO). Im Bereich der bilateralen deutschen Entwicklungsarbeit haben sich die drei Formen der finanziellen, technischen und personellen Zusammenarbeit bewährt.[5]

3.1. Staatliche Institutionen

Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands untersteht weitestgehend seit 1961 dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Bonn. Hier werden die Leitbilder und Schwerpunkte der Entwicklungspolitik der Bundesregierung gestaltet, die wiederum vom BMZ in internationalen Organisationen der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit wie der Welthandelsorganisation (WTO) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht-staatlichen Durchführungsorganisationen vertreten werden.[6]

Von staatlicher Seite wird das BMZ vom Auswärtigen Amt als Sachwalter außenpolitischer Interessen, dem Finanzministerium bezüglich des finanziellen Handlungsspielraums sowie dem Wirtschaftsministerium mit den Bundesbürgschaften für Exportgeschäfte in seiner Arbeit unterstützt.[7]

Kritiker des BMZ bezeichnen es hin und wieder wenig schmeichelhaft als „Abwicklungsministerium“, das zwar den engeren Bereich der deutschen Entwicklungs-zusammenarbeit verwaltet, jedoch keine gestaltende Führungsrolle in der Entwicklungspolitik einnimmt.[8]

3.1.1. KfW und GTZ

Der größte Teil der bilateralen Hilfe des BMZ wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Bereich der finanziellen Zusammenarbeit (FZ) und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Bereich der technischen Zusammenarbeit (TZ) abgewickelt. Sowohl GTZ als auch KfW sind privatrechtlich organisiert, finanzieren sich jedoch überwiegend durch staatliche Projekte aus dem BMZ-Etat.

Die KfW befaßt sich vornehmlich mit der Prüfung von Projektanträgen der FZ auf deren Wirtschaftlichkeit und entwicklungspolitische Förderungswürdigkeit hin. Finanzielle Zusagen werden direkt von der KfW banktechnisch abgewickelt.[9]

Die Durchführung der technischen Zusammenarbeit (TZ) liegt seit 1974 größtenteils in den Händen der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Zu den Aufgaben der GTZ zählen maßgeblich die Planung, Durchführung und Überwachung der vielfältigen Projekte in den Entwicklungsländern selbst, die Auswahl und Vorbereitung von Fachkräften, die Projekte vor Ort fachlich und personell betreuen, als auch die Bereitstellung der für die Projekte benötigten Sachausrüstung. Auch die Verwaltung der nichtrückzahlbaren Finanzierungsbeiträge aus Mitteln der TZ unterliegt der GTZ. Ferner ist es Aufgabe der GTZ, die Beratung von anderen entwicklungspolitischen Durchführungsorganisationen anzubieten.[10] Bei den von der GTZ betreuten Projekten handelt es sich vornehmlich um Projekte im Agrarsektor, dem Bildungs- und Gesundheitswesen sowie dem Verkehrs- und Kommunikationssektor.[11]

3.2. Non-Governmental Organisations (NGO`s)

Bei der Förderung von Selbsthilfeprogrammen in den Entwicklungsländern selbst stellen nicht-staatliche oder halb-staatliche Durchführungsorganisationen der Industrie- und Entwicklungsländer die maßgeblichen Akteure dar. Im folgenden möchte ich einige deutsche NGO`s nennen.

Für die Auswahl und Schulung von Fach- und Führungskräften sind die Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE), die Zentralstelle für Auslandskunde und die Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG) zu nennen.

Verschiedene Bundesanstalten – wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) oder die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PFB) – erfüllen speziellere Aufgaben der TZ.

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) vermittelt im Auftrag des BMZ weltweit Fachkräfte an Institutionen in Entwicklungsländern.

Einzigartig sind in Deutschland die sechs im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit durch ihre politischen Stiftungen repräsentiert: Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), Heinrich-Böll-Stiftung

[...]


[1] vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung: Materialien Nr. 97: Grundlagen der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Bonn, 1997, S. 5/6

[2] vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung: Spezial Nr. 020: Hauptelemente der Armutsbekämpfung, 1992, Bonn

[3] vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung: Materialien Nr. 86: Umweltgerechte Stadtentwicklung, Bonn, 1993

[4] vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Journalisten-Handbuch – Entwicklungspolitik 1998, Bonn, 1998, S. 25 - 30

[5] vgl. BMZ: Journalisten-Handbuch, a.a.O., S. 31 - 35

[6] vgl. Kaiser, M./Wagner, N.: Entwicklungspolitik. Grundlagen – Probleme – Aufgaben, Bonn, 1988, S. 214/215

[7] vgl. Nuscheler, F.: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, 4. Aufl., Bonn, 1996, S. 395

[8] vgl. Nuscheler, a.a.O., S. 396

[9] vgl. Kaiser/Wagner, a.a.O., S. 228

[10] vgl. Kaiser/Wagner, a.a.O., S. 228/229

[11] vgl. Nuscheler, a.a.O., S. 403

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Förderung von Selbsthilfeorganisationen durch die Entwicklungszusammenarbeit
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssoziologie)
Veranstaltung
Seminar Wirtschaftssoziologie
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V405
ISBN (eBook)
9783638102902
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Förderung, Selbsthilfeorganisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Seminar, Wirtschaftssoziologie
Arbeit zitieren
Anna-Katharina Wicke (Autor), 2001, Förderung von Selbsthilfeorganisationen durch die Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/405

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